Interview mit Thomas Bille, dem langjährigen Moderator von MDR-KULTUR im Vorfeld der Lesung im Rahmen unserer Jahresveranstaltung von Vorschau & Rückblick
Thomas Bille dürfte vielen Radiohörern ein Begriff sein: Bereits seit 1992 arbeitet er beim Radiosender MDR KULTUR (zwischenzeitlich MDR FIGARO). Zudem moderiert er seit 1999 im Wechsel mit Evelyn Fischer die Kultursendung „artour“ im MDR Fernsehen. Sowohl als Moderator als auch als Feuilletonist prägt er das Programm des Mitteldeutschen Rundfunks.
Bille wurde 1961 in Münster geboren. Er absolvierte eine Lehre zum Metallformer und Metallgießer und studierte im Anschluss Journalistik an der Universität Dortmund. Sein Volontariat absolvierte er beim Hessischen Rundfunk. Thomas Bille arbeitete als freier Autor beim Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel und Pressesprecher des Forum Verlags Leipzig. Außerdem war er Mitbegründer des Thom-Verlags-Leipzig.
Herr Bille, seit Jahrzehnten prägen Sie mit Ihrer Persönlichkeit und markanten Stimme unzählige Sendeminuten als Moderator bei MDR-Kultur. Im Mai feierten Sie Ihren 65. Geburtstag. Darf man auch zukünftig mit Ihnen auf eine morgendliche Begleitung aus dem Äther hoffen?
Von mir aus gern. Allerdings gibt es auch das Datum 01.12.2027, der Beginn der gesetzlichen Rente. Ob es darüber hinausgeht, entscheidet der MDR.
Wie muss man sich als Zuhörer die Vorbereitungen und den Ablauf eines Tages im Sendestudio überhaupt vorstellen?
Der Tag ist zweigeteilt: am Nachmittag und frühen Abend die Vorbereitung ggf. mit der Aufzeichnung von Gesprächen. Dann morgens 5 Uhr 30 Präsenspflicht im Studio. Von 6-9 Uhr die Sendung, dann die Auswertung und Planung und zwischen 10 und 16 Uhr Pause bzw. Privatleben.
In Westdeutschland geboren und sozialisiert, haben Sie seit der Wende ein Großteil Ihres Berufsleben im Osten verbracht. Wie kam es dazu, und war es gewissermaßen auch die „Chance der Stunde Null“ in den neuen Bundesländern?
Im Februar 1990 waren Leipziger Journalistikstudenten auf eigene Faust nach Dortmund gereist (wo ich an der Uni Journalistik studiert habe). Im März 1990 bin ich dann mit einem Freund zum Gegenbesuch nach Leipzig gefahren. In der Moritzbastei habe ich meine erste Frau kennengelernt und bin geblieben.
Sie hatten in all den Jahren, auch im Rahmen der „Leipziger Gespräche“, mit vielen Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Gesellschaft interessante Gäste. Fallen Ihnen im Rückblick hierzu ganz besondere Momente und Begegnungen ein?
Ich nenne zwei Begegnungen, bei denen alles gepasst hat: beim österreichischen Kabarettisten Werner Schneyder und bei der Schauspielerin Jutta Hoffmann. Gespräche, bei denen jeweils ein sehr gutes Porträt des Gastes entstanden ist.
Seit vielen Jahren sind Sie mit Lesungen der Geschichten vom „Kleinen Nick“ aus der Feder von Asterix-Erfinder René Goscinny und dem Zeichner Jean-Jacques Sempé unterwegs. Was bedeuteten Ihnen diese Geschichten?
Sie bedeuten mir viel und ich werde nicht müde, sie zu lesen. Der kleine Nick ist für mich das Kind im Erwachsenen. Wohl dem, der dieses Kind auf dem Lebensweg nicht verliert.
Wir dürfen Sie und die in Radebeul geborene Schauspielerin Julia Siebenschuh nun mit einer ganz exquisiten literarischen Lesung im Rahmen einer Veranstaltung unseres Kulturheftes am 14.8. im Weingut Aust begrüßen. Es geht um einen fiktiven Dialog zwischen Mascha Kaléko und Rainer Maria Rilke. Beide sind sich nie begegnet. Was macht die Texte so spannend?
Die Texte sind spannend, weil sie gut sind und im Kontrast vielleicht noch besser. Kaleko und Rilke haben sich viel zu erzählen. Zwei „Heimatlose“, die viele Menschen mit ihren Werken berührt haben – und hoffentlich auch auf dem Weingut Aust berühren werden.
Herr Bille, wir freuen uns sehr, Sie am 14.8. im Weingut Aust begrüßen zu dürfen!
Sascha Graedtke


