-
Themen
-
Monatsarchiv
-
Links
-
Views
- Gedanken zu „Bittere Fragen – Villa Heimburg“, Borstrasse 15 - 43.565 Aufrufe
- Was uns Häusernamen sagen können (Teil 1) - 23.184 Aufrufe
- Karl Kröner zum 125. Geburtstag - 19.496 Aufrufe
- Im Archiv gestöbert: Von Ratibor nach Radebeul – Theodor Lobe - 19.254 Aufrufe
- Sommerabend in der »Villa Sommer« – ein Rückblick - 18.553 Aufrufe
- Das Weingut »Hofmannsberg« - 17.100 Aufrufe
- Das historische Porträt: Johann Peter Hundeiker (1751-1836) - 16.833 Aufrufe
- Im Archiv gestöbert: Das Landhaus Kolbe in Radebeul - 16.316 Aufrufe
- Laudationes - 15.625 Aufrufe
- Kein »helles Schlaglicht«. Zur neuen Sonderausstellung der Hoflößnitz - 14.216 Aufrufe
Mit Felix Meyer poetisch durch das Jahr
So., 1. März. 2026 – 00:14
Zur Titelbildserie
So., 1. März. 2026 – 00:13

Aus meinen grafischen Tagebüchern
Bei Spaziergängen oder Wanderungen beobachte ich sehr Aufmerksam meine Umgebung und entdecke häufig Strukturen, Oberflächen u.ä. die meinen grafischen Intensionen nahe kommen und die ich deshalb fotografisch festhalte.
Das Titelfoto, mehr oder weniger zufällig aufgenommen im Inneren des Radebeuler Bismarckturms beeindruckte mich mit seinem grafisch wirkenden Schattenwurf. Das Sonnenlicht fiel durch die obere Gitterplattform des Turms und projizierte kreisförmige, radiale Muster aus hellen und dunklen Flächen an Turmwand, Geländer und Wendeltreppe. Die entstandenen Lichtsegmente die mich an Speichen oder Blütenblätter erinnertem und die für mich zu einem spannenden, abstrakten Motiv wurden.
Linien, Bögen und geometrische Formen überlagerten sich und erzeugten eine ruhige aber zugleich auch dynamisch wirkende Szenerie. Wie eine abstrakte Schwarzweiß-Komposition in der Architektur, verschmelzen Licht und Schatten miteinander. Grafisch besonders überzeugend der starke Kontrast der Strukturen zur dunklen, rauen Wandoberfläche.Übrigens durfte ich für den „verein für denkmalpflege und neues bauen e.V.“ in der Phase des Umbaues des Bismarckturmes zum Aussichtsturm eine Bildmarke für das Marketing entwickeln.
Matthias Kratschmer
Korrespondenz aus einer Nachbargemeinde
So., 1. März. 2026 – 00:12
1973, erinnern wir uns, gerade waren die Verträge zwischen beiden deutschen Staaten und Berlin-W unter Dach und Fach, gründete sich in der DDR eine Band namens TRANSIT. Lyrischer Rock, norddeutsche Texte in einer Poesie, die aus allem Alltag wie von selber kommt. Während ich das schreibe, sitze ich in der Riff Lounge an der Steilküste von Koserow auf Usedom, vielleicht 250m Meter östlich der futuristisch-wellenförmigen Seebrücke. Kaminofen drin, Feuerschalen an Strandkörben draußen. Frank serviert Sanddornglühwein, der Strand ist verschneit, die Ostsee weithinein zugefroren, irgendwo, wo die Unendlichkeit endet, liegt Schweden. Und jetzt im Radio „Transit –Winter an der See“. Seelenlage im Bilderkriegen. „Wenn das Eis am Horizont mit Getöse kracht…“
Die Usedomer Bäderbahn hatte mich mit „Verzeitigung“ hier absetzen können, weil die DB vorher mein Deutschlandticket durch eine Umleitung zum Überspringen gebracht hatte. Verabredet bin ich mit den Malern Otto Niemeyer-Holstein (1896 – 1984) am Forsthaus Damerow und in der Altstadt von Wolgast mit Philipp Otto Runge (1777 – 1810). In Swinemünde/?winouj?cie mag ich Fähre fahren über den größten Mündungsarm der aus Mährens Gebirgen kommenden breslauküssenden Oder, ein Skandinavienschiff gucken, das edle Kurviertel genießen und im Schurf des Bombardements vom 12. März 1945 lesen. Dort verlieren sich Biografien ganzer Familien. Ungezählt. Es hat gut 70 Jahre gebraucht, bis die Usedomer Bäderbahn die wenigen Meter von Ahlbeck nach Swinemünde wieder hineinfahren konnte. An den anderen Enden der Ostsee gibt es z.B. Birken am Strand, grollende Steine, Scharen von Mücken und Quallenteppiche. Die Kurverwaltung von Koserow lässt Vineta läuten. Frank Schöbel hatte 1978 einen Hit mit „Tief im dunklen Meer“ gelandet. Könnte hier gewesen sein…
Tobias Märksch
Radebeuler Miniaturen
So., 1. März. 2026 – 00:11
Schatten-Spiele
Ein fast Nacht-Deal
Gute Vorsätze gehören zum Jahreswechsel wie Spekulatius zum Weihnachtsfest, schon, weil sie immer auch spekulativ bleiben.
In diesem Jahr nun will ich versuchen, den zur Weihnacht traditionell kurzzeitig in den Vordergrund rückenden Gedanken der Nächstenliebe in den Prozeß der Vorsätzlichkeiten einzubeziehen und ihm so ein wenig Dauer zu verleihen. Das erfordert in erster Linie, fremdes Gedankengut nicht gleich abzulehnen, sondern jedem Menschen eine eigene Meinung zuzugestehen. Freilich kann das zu einer erheblichen Erweiterung der eigenen Toleranzgrenzen führen. Dies umso mehr, als seit ein paar Jahren eine Auffassung über den großen Teich schwappt, die Lügen als „alternative Tatsachen“ sieht, denen es ins Auge zu blicken gilt.
Der beste Ort für mich, Toleranzgrenzen auszutesten, ist das Wirtshaus meines Vertrauens. Dort, am Tresen, oder, wenns endlich wieder warm werden sollte, am Faß, wo der Geist über den Gläsern schwebt, finde ich die geeignete Atmosphäre. Vor allem hab ich einen neutralen Grund, die so geliebte Lokalität aufzusuchen.
Und richtig, kaum sitz ich aufm Hocker, kaum brennt die Kerze, kaum hab ichs Glas in der Hand, sitzt Georg neben mir.
Da kommt was auf uns zu, sagt er.
Mach langsam, sag ich, jetzt kommt erstmal ein Bier – und das kommt nicht nur, das be-kommt auch.
Lach nicht, sagt er, der Sturm kommende Nacht wird heftig.
Ja, die Extreme nehmen zu, falle ich wissend ein, liegt wohl am Klima und am CO² –
Quatsch nicht so grün daher, fällt nun er mir ins Wort, mit dem Klima hat das nichts zu tun.
In mir leuchtets auf: Toleranzgrenze, Toleranzgrenze – schon beginnt sie sich zu weiten (ich hoffe nur, Georg sieht mir meine Begeisterung nicht an).
Na ja, sag ich versöhnlich, der alte Erdball hat schon ganz andre Dinge überstanden; aber bis er richtig rund geschliffen ist und kein Berg mehr Schatten wirft, das kann noch dauern.
Ball ist gut, beginnt Georg –
Ich weiß, rede ich rasch dazwischen, die Form scheint nicht so ganz gelungen. So eiert das Ganze ein bißchen, das kommt von der Toleranz. Trotzdem kann schon noch von „Ball“ gesprochen werden…
Und wer hat dir gesagt, daß die Erde ein Ball ist?
Das ist Allgemeingut, sag ich, schon die alten Ägypter haben den Erdumfang bestimmt.
Bestimmt bestimmt, lacht Georg. Denkst du ich kenne die Mär von Eratosthenes und seinen Schatten-Spielchen nicht? Aber: Warst du dabei, als er seine Stäbchen setzte? Kannst du dich für die Rechnung verbürgen?
Lassen wirs gut sein, sag ich. Du läßt mir meinen Ball und ich laß dir deine Zweifel – prost. Paß aber auf, daß du nicht von der Platte geweht wirst, wenn demnächst der Sturm kommt.
Georg wird ernst.
Das wollte ich mit dir bereden, sagt er drauf. Die Leute haben Angst. Es gibt zu wenig Schutz vor Sturm, die reale Gefahr, verweht zu werden, nimmt stetig zu – und die Regierung unternimmt nichts, gar nichts. Er hält mir einen Zettel hin. Aufruf, lese ich und staune. Es geht darin tatsächlich um die „Notwendigkeit umfassender Maßnahmen zur Absicherung der Bevölkerung vor Sturmereignissen“. Unterschreib mal hier, sagt Georg.
Ich blicke tief ins Glas. Am Boden formen sich die Buchstaben D E A L. Ich kenne das Wort bisher nur im Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften, aber zunehmend wirft der Begriff seine Schatten auch auf die große Politik … warum also nicht …
In Ordnung, sag ich – ich unterschreibe hier, und du hilfst mir im Gegenzug beim Klima …
Thomas Gerlach
Glosse
So., 1. März. 2026 – 00:10
Nach hinten geschossen!
Es ist dieses Jahr wie verhext: Das Thema Weihnachten, explizit das des Beschenkens, will mich einfach nicht loslassen. Einen diesbezüglich bereits im vergangenen Jahr verfassten Beitrag schiebe ich nun schon von einem zum anderen Mal auf die lange Bank. Immer kommt etwas Unaufschiebbares, gewissermaßen Alternativloses dazwischen. Aber man kann natürlich die ganze Sache auch positiv sehen, denn beschenkt wird man ja das ganze Jahr über. Ob man allerdings die Gaben haben will oder nicht, beispielsweise einen engeren Gürtel von Onkel Merz, an dem man dann bequem die Patronentasche sicher befestigen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber vielleicht sollte man es wie der Karikaturist halten, der auf seiner Zeichnung – zu sehen in der gegenwärtigen Ausstellung in Radeburg – an der Front lieber nach hinten schießt.
Freilich wird hier ein Witz auf Kosten eines nicht mehr existierenden Landes gerissen, aber wenn man tief in der eigenen Sch… steckt, muss das schon mal erlaubt sein. Und vielleicht hat doch die Berliner Zeitung recht, wenn sie neulich in einer Unterzeile titelt „Was der Westen jetzt vom Osten lernen kann.“.
Nun will ich hier wahrlich nicht zur Kriegsdienstverweigerung aufrufen, zumal die Glocke noch nicht geschlagen hat und unser aller Trump, Gott lob, zurück gerudert ist. Also, ist doch hinten vorn?
Mancher aber scheint etwas die Orientierung verloren zu haben in diesen wirren Zeiten oder es geht ihm noch nicht „steirisch“ genug zu und er erklettert mal ebenso einem 500 Meter hohen Wolkenkratzer. Andere wiederum sehen am hellerlichten Tag die Stadtlichter strahlen, aber die Golddukaten auf der Straße nicht. Und wie das so ist, in „steirischen“ Zeiten, wird der Ruf nach Helden immer lauter. Ich kann gar nicht alle aufzählen, wo es heutzutage wieder Helden gibt: im Gesundheitswesen, beim Nahverkehr, beim Tourismus, bei den Briefträgern, bei der Feuerwehr sowieso. Aber von den Helden in der Landwirtschaft habe ich in der Neuzeit noch nichts gehört. Das liegt freilich lange zurück als wir noch ganze „Ernteschlachten“ geschlagen haben. Man stolpert gegenwärtig wo man geht und steht förmlich über Helden. Nur die Jugend will nicht so recht in die khaki-grünen Modeanzüge steigen, da helfen offensichtlich auch keine 3.000 Euro und kostenlose Bahnfahrten.
Wenn Helden gebraucht werden, ist die Karre schon gehörig vom Weg abgekommen, vermutlich weil einfach die Kutscher zu häufig wechseln. Wie sagte da meine Mutter immer, wenn ihr einer nicht so richtig in den Kram passte: „Den könnt ich auf den Mond schießen!“ Das scheint mir heutzutage aber auch nicht mehr die richtige Methode zu sein, seit die Amis dort schon 1969 den Staub aufgewirbelt haben. Wo die nicht schon überall waren… Da will ich jetzt gar nicht auf deren neuste Weltraumaktivitäten anspielen.
Aber lassen wir das, sonst wird die Glosse noch politisch. Da setze ich mich lieber in eine Ecke, trinke Tee und warte ab. Irgendetwas wird schon passieren. Und wenn einem nichts mehr einfällt, kann man ja auch mal ein Schlagwort aus ganz vergangenen Zeiten wieder zum Leben erwecken. Das aber ausgerechnet der alte Slogan „Vom Ich zum Wir“, der die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR in den 1960er Jahren beflügeln sollte, wieder zu Ehren kommt, wäre selbst mir nicht in den Sinn gekommen. Da kann man nur hoffen, dass der jüngst erschallte „Mahnruf“ nach dem Wir nicht so nach hinten losgeht, wie die Werbekampane „Wir-Berlin“ aus dem Jahr 2009, als der ganze Spaß die Hauptstadt der Republik 1,5 Millionen Steuergelder gekostet hatte, meint
Euer Motzi.
Weltfrauentag im Lügenmuseum
So., 1. März. 2026 – 00:09
am 8. März 2026, 16 – 19 Uhr
Künstlerinnen, Geschichtenerzählerinnen, Kunsterklärerinnen, Radebeuler Ureinwohnerinnen, Sozialarbeiterinnen… laden ein zum Rundgang durchs Lügenmuseum mit dem geschärften Blick des Weiblichen fürs Weibliche.
Danach gibt es die Möglichkeit für ein geselliges Zusammensein mit Kaffee, Kuchen, Plasteblümchen und Gesprächen über Kunst und Kultur. Willkommen ist jede und jeder, unabhängig von Alter, Geschlecht und Kontostand.
Das Lügenmuseum ist ein unerschöpflicher Quell der Inspiration, wenngleich die Fülle der Exponate zunächst verblüfft und zu überfordern scheint. Gemeinsam wollen wir die einzigartige Wunderkammer durchschreiten und mit allen Sinnen auf uns wirken lassen. So wie das Leben, hält auch das Lügenmuseum viel Überraschendes bereit und manches fügt sich auf seine Weise.
Ungewöhnliche Installationen beflügeln die Fantasie, öffnen Räume zu Erfahrungen aus der DDR-Zeit und Gegenkultur. Werke von regionalen, nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern haben den Sammlungsbestand zunehmend erweitert. Er umfasst vierzehn vielfältig gestaltete Ausstellungsräume sowie ein Archiv mit Filmen, Fotografien und Dokumenten, eine Präsenz-Kunstbibliothek und eine kleine Werkstatt.
Das Lügenmuseum, welches sich nunmehr seit vierzehn Jahren im historischen Gasthof Serkowitz befindet, ist von einer Kündigung seitens der Stadt betroffen und in seiner Existenz bedroht. Um dem etwas entgegenzusetzen und zu zeigen, dass das Lügenmuseum lebt und gebraucht wird, haben sich vor anderthalb Jahren die „Freunde des Lügenmuseums“ zusammengefunden. Mit großem Engagement wirken sie bei Kunstprojekten mit, beteiligen sich an den „Runden Tischen“ und helfen bei der Gewährleistung regelmäßiger Öffnungszeiten. Gemeinsam mit den Betreibern der Einrichtung suchen sie nach tragfähigen und langfristigen Lösungen, das Kunstmuseum im Rahmen einer gesamtstädtischen Kulturentwicklung für Radebeul zu erhalten.
So entstand auch die Idee, zum Weltfrauentag ins Lügenmuseum einzuladen. Im Mittelpunkt rückt die vielschichtige und bis heute ambivalente Thematik „Frauen und Kunst“. Wie werden Frauen in den Kunstwerken gezeigt oder wie stellen sie sich selbst dar? Welche Themen setzen sie, welche Räume nehmen sie sich, wie behaupten sie sich im Kunstbetrieb? Zahlreiche anschauliche Beispiele hierfür lassen sich vor Ort entdecken. Auch die bildreiche Homepage des „Lüseums“ gibt Einblicke in das Schaffen vieler Künstlerinnen unterschiedlichster Genres.
Ein Dankeschön gilt Dorota und Reinhard Zabka, die diese Veranstaltung ermöglichen und inhaltlich begleiten.
Karin Baum und Cornelia Rank,
im Namen der Freunde des Lügenmuseums
Wann und wo: am 8. März 2026, 16 -19 Uhr,
im Lügenmuseum Radebeul, Kötzschenbrodaer Straße 39,
Veranstalter: Verein Kunst der Lüge e.V. und Freunde des Lügenmuseums
Anmeldungen: erbeten unter 0160-1038663
Poesie an Hauswänden
So., 1. März. 2026 – 00:08
Schmückende Medaillons aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhundert in Radebeul
Voranstellen möchte ich die Vermutung, dass sich beim Betrachten dieser Stuckarbeiten die Meinung der Leserschaft teilen könnte – solche, die sagen werden, das ist Kitsch, das erzeugt Schwingungen wie sie z.B. beim Betrachten eines Poesiealbums einer Klassenkameradin auftreten – oder, so war der Zeitgeschmack vom Ende des 19. Jh. eben, das gehört zu diesen Häusern aus der Gründerzeit dazu.
Das ist die Krux, wenn man aus einem scheinbar „modernen Zeitalter“ (2026) auf die Häuser einer etwa 150 Jahre zurückliegenden Zeit blickt. Ich erinnere mich auch noch an Zeiten, als um 1970 die Gründerjahre von den Kunstgeschichtlern und Denkmalschützern noch kaum einer Betrachtung wert gewesen waren – Kunstgeschichte und Denkmalpflege eilen der Geschichte hinterher. Nicht erst seit heute beginnt man sich auch um diese Zeit und ihre baulichen Zeugnisse zu kümmern. Als ehemaliger Denkmalschützer möchte ich, nachdem ich schon einige Baugruppen aus dieser Zeit in den Vorschauheften vorgestellt hatte, nun ein paar klärende Worte zu den hübschen Medaillons finden.
Wenn um 1880 ein Baumeister (er könnte Ziller oder Große geheißen haben) für seinen Auftraggeber das gewünschte Landhaus in Niederlößnitz fast fertiggestellt hatte, könnte er diese gefragt haben, ob außer den zum Gebrauch des Hauses unbedingt nötigen Eigenschaften, wie Statik, Wohnkomfort und Wärmedämmung vielleicht noch ein oder zwei gestalterische Akzente
das Eigenheim bereichern sollten. Wenn das dem Bauherrn gefiel und für ihn der Aufpreis zu stemmen war, dann bekam er die zwei Medaillons mit geflügelten Musikanten. Sozusagen ein Sahnehäubchen für das schlichte Landhaus. Aber das war kein „Muß“, denn nicht an jedem Haus dieser Zeit finden wir Medaillons. Manchmal waren sie aber bereits Bestandteil des Projektes, wenn der Architekt sonst eine gestalterische Lücke an der Fassade hätte hinnehmen müssen. Bei den Medaillons handelte es sich meist um Katalogware einer kleinen Manufaktur (wie die Firma Lehmann in Kötzschenbroda), von den Radebeuler Beispielen dürfte keins als Einzelstück von einem Stuckateur vor Ort geschaffen worden sein. Es spricht auch für Katalogware, weil man in Radebeul das gleiche Motiv wie den Engel mit Triangel und Glöckchen mehrmals finden kann. Was für Motive habe ich außer dem Triangelspieler in Radebeul noch für leicht bekleidete, geflügelte Wesen angetroffen?
Eine Figur spielt auf einer Lyra, eine andere benutzt ein Blasinstrument (ähnlich einer Trompete) und wieder andere scheinen zu singen oder uns mit einem Kelch zuzuprosten. Auch wenn ein Engel schließlich ein Symbol aus der religiösen Welt ist, sind die Gebäude mit derartigen Medaillons ganz normale Wohnhäuser – das Religiöse schwingt ganz
leise und nur im Hintergrund mit. Die Wesen zwischen Himmel und Erde sind nett anzuschauen und sprechen die Gefühle an, sind aber schon knapp neben Kitsch angesiedelt – so mein Bauchgefühl. Diese neckischen Figuren befinden sich in einem wulstartigen Stuckring, auch als Doppelring vorkommend und manchmal hat der Ring auch noch vier Blattspitzen je eine auf Position 3, 6, 9 und 12 (nach der Uhr).
Das Material besteht in der Regel aus einer Mixtur aus Lehm, Gips oder auch Zement. Diese Rezeptur, die im fertigen Zustand (dazu gehört auch ein Brennprozeß) möglichst witterungsbeständig sein sollte, war ein Betriebsgeheimnis. Die in Radebeul gefundenen Figuren haben sich über die 150 Jahre auch recht gut gehalten, es gibt kaum Brüche oder Auswaschungen. Allerdings hat die Taktstraße der 60- und 70-er Jahre sicher auch in dieser Gruppe von Stuckerzeugnissen zu Verlusten geführt als die sozialistischen Reparaturbrigaden rasche Erfolge vorweisen und sich nicht mit „Klein-klein“ aufhalten wollten. Mit den noch vorhandenen Medaillons sollten wir heute bei Haussanierungen auf jeden Fall sorgsamer umgehen, im Falle eines Kulturdenkmals sowieso. Außer den kleinen Medaillons (Durchmesser ca. reichlich 50cm) aus Stuck gehören noch die verzierten, runden Lüftungsöffnungen – sh. V&R 04/ 22 – und die „Bilder in dreieckigen Rahmen“ – sh. V&R 08/24. Die vorgestellten Medaillons wurden üblicherweise auf der Schauseite der Häuser, manchmal auch an den Flanken zu den Nachbarn angebracht; man wollte zeigen, dass man Sinn für alles Schöne hat! Farblich sollten diese Medaillons nur eine Nuance heller gehalten sein als die Putzflächen, z.B. Weiß vor Hellocker. In einem Fall (kein Denkmal) wurde der Kontrast voll ausgereizt, weißes Medaillon vor roter Putzfarbe. In anderen Fällen konnten Medaillons den Farbton eines hellen Sandsteins haben, waren aber kein Sandstein.
Sollte der Artikel seinen Weg ins Märzheft finden, könnten die schwebenden Wesen für manchen Betrachter auch schon ein wenig den Frühling einläuten. Am Anfang dachte ich daran, diese Musikanten als eine Art Bigband vorstellen zu können. Dazu hat die Masse der aufgefundenen Musikanten leider nicht gereicht. Was bleibt ist also Kammermusik.
Dietrich Lohse
21. Thematischer Filmclubabend
So., 1. März. 2026 – 00:07
Das Wanderkino Filmclub mobil macht im Monat März Station im Kunststall Naundorf. Gezeigt wird der DEFA-Film „Bankett für Achilles“ aus dem Jahre 1975. Das Drehbuch stammt von Martin Stephan (* 1945), der selbst einige Jahre als Stahl- und Transportarbeiter in der chemischen Industrie von Wolfen und Leuna tätig war. Gedreht wurde in der Umgebung von Bitterfeld. Trotz mehrfacher Überarbeitung des Szenariums wurde der Rohschnitt des Films zunächst nicht abgenommen und erst nach ausdrücklicher Fürsprache des Kulturministeriums zur Aufführung freigegeben. Hatte man die Grundstimmung des Films zunächst als zu negativ eingeschätzt, erfuhr dieser feinfühlige Film rückblickend sehr viel Lob für die authentische Darstellung der arbeitenden Menschen in der DDR.
Für Roland Gräf (1934–2017) war es der zweite Film, bei welchem er Regie führte. Es sollten acht weitere folgen. Mit dem Kameramann Jürgen Lenz (1942–2025) und dem Filmkomponisten Gerhard Rosenfeld (1931–2003) standen ihm zwei ambitionierte Fachleute zur Seite. Auch die Zusammensetzung des Schauspielerensembles war bemerkenswert. Erfahrene Darsteller der älteren Generation wie Erwin Geschoneck (1906–2008), Elsa Grube-Deister (1926–2001) und Fred Delmare (1922–2009) balancierten zwischen Komödie und Tragödie mit spielerischer Leichtigkeit. In ihrer nahezu textfreien Rolle wirkte, die junge Absolventin der Schauspielschule Ute Lubosch (* 1953) nicht weniger überzeugend. Verschiedene Handlungsstränge sind sensibel miteinander verwoben. Die Tristesse der Industrielandschaft und die stark geschädigte Umwelt stehen im Kontrast zum Stolz der arbeitenden Menschen auf das Geschaffene.
Der technische Fortschritt bringt Gewinner und Verlierer mit sich. Das Bewusstsein für Umweltschutz ist zunächst nur schwach ausgeprägt. Und so scheint es auch kein Widerspruch zu sein, dass dicker gelber Qualm aus den Schloten steigt und in der nahe gelegenen Kleingartensparte geerntet und gefeiert wird. Missstände werden mit Schönfärberei übertüncht. Die Alten kollidieren mit den Jungen. Die Jungen kollidieren mit den Alten. Und das Wunschdenken kollidiert mit der Realität.
In einem Interview äußert Roland Gräf: „Wir wollten keine Kunstfilme machen, wir wollten mit unseren Filmen helfen, etwas zu verändern.“ Mit der Einheit Deutschlands trennte sich der mehrfach preisgekrönte Regisseur vom Medium Film. Er wendete sich der Fotografie zu, arbeitete als Dozent an der Hochschule für Film und Fernsehen und engagierte sich in der DEFA-Filmstiftung.
DEFA-Film „Bankett für Achilles“
1975, DDR, 84 Minuten, FSK 0
Regie: Roland Gräf; Drehbuch: Martin Stephan; Musik: Gerhard Rosenfeld, Günther Fischer; Kamera: Jürgen Lenz; Besetzung: Erwin Geschonnneck (Karl Achilles, Chemiemeister), Elsa Grube-Deister (Marga, Ehefrau von Achilles), Gert Gütschow (Walura, Betriebsdirektor), Jutta Wachowiak (Ursel, Tochter von Achilles), Fred Delmare (Kanarienvogel, Arbeitskollege), Ute Lubosch (Beate, Pflegetochter von Achilles), Carl-Heinz Choynski (Bare, Nachfolger von Achilles), Walter Bechstein (Wollschläger, Trauergast) u. a.
Handlung: Die Kamera ruht auf einer Industrielandschaft. Dumpfe bedrohliche Geräusche wechseln mit heiteren Dixiklängen. Ein Wecker klingelt unerbittlich schrill. Es ist der letzte Arbeitstag des Chemiemeisters Karl Achilles. Wie immer will er mit dem Rad zur Arbeit fahren, doch schon hier beginnen sich seine wohlmeinenden Kollegen einzumischen. Achilles soll ins Betriebsauto umsteigen, was er brüsk ablehnt. Das Abschiednehmen macht er sich selbst und machen ihm die Kollegen nicht leicht.
Als er in sein Arbeitszimmer kommt, sitzt der Nachfolger, ein junger Ingenieur, bereits auf seinem Platz. Das „Probesitzen“ kommt bei Achilles allerdings nicht gut an, denn er ist sehr dünnhäutig an diesem Tag. Mittags gibt es dann eine Feierstunde in der Betriebskantine. Es werden pathetische Reden gehalten und die Gewerkschafterin überreicht eine Wärmedecke und einen dicken Umschlag. Sie wünscht Achilles einen frohen und geruhsamen Lebensabend, den er sich als „Aktivist der ersten Stunde“ wohlverdient habe. Die Übertreibungen stimmen ihn misstrauisch. Danach geht es wieder an die Arbeit. Doch von Ruhe keine Spur. Mal gibt es eine Havarie, dann erscheint eine Delegation. Sein Abschiednehmen vom Betrieb zögert Achilles noch ein wenig hinaus.
Am Abend geben die Kollegen in der Schrebergartenkneipe für Achilles ein Fest. Wieder werden Reden gehalten und Geschenke überreicht. Zwei Jugendliche wollen Achilles mit einem selbstgedrehten „lustigen“ Film über seine Lebensstationen überraschen, was gründlich misslingt. Ein Disput zwischen Achilles und dem Betriebsleiter eskaliert in gegenseitigen Vorwürfen. Seit langem schwelende Konflikte brechen auf und keiner hatte bis dahin den Mut gehabt, klar auszusprechen, dass Achilles den neuen Anforderungen nicht mehr gewachsen war.
Achilles ist wütend und verlässt die Feier. Seine Frau Marga weint. Doch die Tränen trocknen schnell und die Feier geht weiter. Achilles wiederum versucht zu sich selbst zu kommen. Seinem Nachfolger rät er, auch mal mit dem Kopf durch die Wand zu stoßen. Aber was will Achilles? Sein Familienleben kam in all den Jahren zu kurz. Nun hätte er endlich Zeit für die Kinder, die Frau und ab und zu eine schöne Reise. Aber ist es wirklich das, was er will? Hatte er nicht immer davon geträumt, resistente Pflanzen zu züchten, eine Kreuzung aus Wegwarte und Kornblume, die die Halden von März bis Oktober mit leuchtendem Blau überziehen? Aber auch Pflegetochter, Tochter und Enkeltochter tun ihm gut, und die Angst vorm Alter beginnt sich aufzulösen.
Der erste Tag als Rentner beginnt. Der Wecker klingelt, die Aktentasche wird gepackt, Achilles setzt sich aufs Rad und fährt zu seinem am Vortag zerstörtem Versuchsbeet, dass er wieder neu anlegt. Die Beine will er nun doch noch nicht untern Tisch stecken.
Karin Baum und Michael Heuser
Sprecher der Cineastengruppe „Film Club Mobil“ im Radebeuler Kultur e.V.
Anmerkung: unter Verwendung von verschiedenen Filmbegleitmaterialien und Wikipedia-Eintragungen
Wann und wo: am 26. März 2026, um 19 Uhr
im Kunststall Naundorf, 01445 Radebeul, Altnaundorf 6,
Reservierungen ab sofort über 0160-1038663
Kneipp-Verein Radebeul e.V.
So., 1. März. 2026 – 00:06
Am 22.10.2025 feierte der Kneipp-Verein Radebeul e.V. sein 35-jähriges Bestehen im „Goldenen Anker „ zu Altkötzschenbroda.
Die Kunde hatte auch den „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp in Bad Wörishofen erreicht – gespielt von der Laienschauspielerin Sibylle Wagner.Kneipp machte sich sofort aus der Vergangenheit nach Radebeul auf, um unseren Verein zu seinem Jubiläum zu gratulieren.
Gegen 18 Uhr traf er in Radebeul im „Goldenen Anker“ ein und wurde herzlich von der Vorsitzenden Manuela Hamann, ihrer Stellvertreterin Steffi Hanke, den Vereinsmitgliedern und allen Anwesenden begrüßt.
Wir fragten Monsignore Kneipp wie er zu uns gefunden hat: Natürlich habe ich zu Fuß hierher gefunden und bin auch weite Strecken barfuß gelaufen. Es war ein sehr weiter, sehr beschwerlicher, aber auch sehr schöner Weg von Bad Wörishofen bis nach Radebeul, ungefähr 500 km. Vorbei an Nürnberg, über das Fichtelgebirge, durch das Erzgebirge mit seinen prächtigen Bäumen und saftigen Wiesen. Ich habe mich an den üppigen Kräutern, an der Fülle von Obst und Beeren gelabt. Ich traf wandernde Menschen, alle haben mich herzlich aufgenommen und mir ein Bett bereitet, obwohl ich doch auch gern im Heu oder Stroh geschlafen hätte.
Ich kam an einigen Barfußpfaden und Wassertretbecken vorbei, ganz so wie ich es anno dazumal den Menschen gezeigt habe. Das hat mich sehr gefreut.
Am Abend gingen helle Lichter an. Die Menschen sagten mir, das ist die Elektrizität.
Auch sah ich viele Menschen und erstaunlicherweise auch Kinder, die mit leuchtenden technischen Geräten vor dem Gesicht herumliefen und mich gar nicht bemerkten.
Ich konnte den Blick in das Elbtal genießen und durch die saftigen Elbauen streifen.
Beim Baden in dem wunderschönen Elbestrom konnte ich die Heilkraft des Wassers spüren. Das allgemeine Heilmittel, das uns gesund erhält, ist und bleibt das Wasser.
Der Anfang zur Abhärtung bleibt aber immer das Barfußgehen.
Ja, Vorbeugen ist besser als Heilen.
Gegen 20 Uhr verabschiedeten wir Monsignore Kneipp mit den besten Wünschen nach Bad Wörishofen.
Steffi Hanke
___________________________
Kneipp – Verein Radebeul e.V.
Vereinshaus Radebeul, Dr.-Külz-Str. 4a
Handynummer: 0151 500 12 888
e-mail: steffi.hanke61@gmail.com
Ein Dackel mit vielen Herrchen und Pfeifen
So., 1. März. 2026 – 00:05
Als Hundebesitzer kommt man bekanntlich ganz schön rum, denn das Tier muss raus an die frische Luft. Und auch unser Hund läuft mit uns seine Runden seit über 5 Jahren in und um Radebeul.
Immer wieder begegnen wir verschiedenen Herrchen und Frauchen mit großen und kleinen Vierbeinern und beobachten während dessen einen Dackel, der 10 verschiedene Herrchen und auch Pfeif-Signale hat.
Sind Sie ihm auch schon begegnet?
Die Rede ist vom Lößnitz-Dackel! Ganz offiziell ist es die Lößnitzgrundbahn.
Am 18. August 2025 um 8 Uhr verabredeten wir uns hinter dem Bahnhofsgelände in Radebeul-Ost und sprachen mit den Lokführern Christian Schubert und Maximilian Häslich, der an diesem Tag als Heizer fährt. Sie sind zwei der 10 „Herrchen“ des Dackels. Das Team ist mit ihrer Zugbegleiterin komplett, die ja auch noch eine Pfeife hat! Bevor es losgeht, gibt es jeden Morgen ein gemeinsames Frühstück.
Uns ist aufgefallen, dass das Pfeifsignal ganz unterschiedlich ausfällt, je nachdem welcher Lokführer Dienst hat und an den P-Zeichen von Radebeul über Moritzburg nach Radeburg mit seinem Pfiff zu hören ist.
„Da gab’s früher die Rio Grande Filme, wenn die berühmten Lokomotiven durch die Gegend fuhren. Die haben immer einen ganz markanten Pfiff gehabt, von uralten Lokführern. Und das hat man sich ein bisschen abgeguckt. Und der Moment, wenn man es selber machen darf, so zu pfeifen, wie man es damals in den Filmen gesehen hat, ist natürlich cool. Wenn man so seine eigene Nuance reinlegt, dann fetzt das schon.“, erzählt uns Max.
Natürlich sind die Pfiffe Warnhinweise für Autofahrer und Fußgänger, dass da etwas Großes kommt, doch nicht nur, weiß Chris:
„Früher, als der Alkoholkonsum bei der Eisenbahn noch viel höher war, also auf Schmalspurbahnen, was man so erzählt, wir haben das ja nicht erlebt, da hat man zum Beispiel, als es überall noch Bahnhofskneipen gab, mittels der Anzahl der Pfiffe angesagt, wieviel Bier bereitzustellen seien. Das ist natürlich heute nicht mehr der Fall.“
Schade eigentlich! Wir winken den Lokführern und Heizern seither immer begeistert zu, mit und ohne Hund und werden manchmal mit einem freundlichen „Tut-Tut“-Pfiff gegrüßt.
Jens Albrecht und Astrid Kubisch












