Mit Wolf Biermann poetisch und politisch durch das Jahr

Die künstlerischen Chaoten

Vom Scheitern eines Radebeuler Fernsehsenders. Endgültig?

Als technischer Unterstützer des Kabelnetzbetreibers wirsNET erfuhr Stephan Liebich, dass es kein Problem darstellt, 500 TV- und Radioprogramme aus dem Himmel, von diversen Satelliten, zu holen und ins Radebeuler Netz zu speisen. Da müsste es doch ein Leichtes sein, noch ein 501. dazu zu geben. Einen eigenen Radebeuler Fernsehsender! Gesagt getan. Am 19. August 2013 erhielt Liebich vom Medienrat der Sächsischen Landeszentrale für privaten Rundfunk und neue Medien eine Sendelizenz. Aus einer Quasi-Schnapsidee entstand Radebeul TV.
Die Voraussetzungen erschienen günstig: Der Sender wird potenziell in 5.000 Wohneinheiten des Kabelnetzes von wirsNET und GAL eingespeist. Über Facebook und Internet ist die Reichweite praktisch unbegrenzt – die höchsten Klickraten lagen bei 10.000. Wir bekamen bundesweit Rückmeldungen von Ex-Radebeulern, die sich gerne an Bildern aus der alten Heimat labten. So machten wir nicht schlecht Außen-Werbung für unser Städtchen.
Was braucht es schon fürs Fernsehen? Eine Videokamera, ein Mikrofon und einen Computer als Schneidetisch. Man geht mit der Kamera zum Bürgermeister, stellt sie vor ihn hin und lässt ihn erzählen, wie es denn nun weitergeht mit der Meißner Straße. Praktisch, dass einige Parteien, Vereine und Organisationen eigene Presseleute haben, die Mitteilungen schreiben. Nun kann man diese Papiere nicht einfach vor die Kamera halten. Dafür braucht es einen Vorleser, etwas vornehmer Moderator genannt. Jedoch ist im übersandten Text (so definiert sich Journalismus) zunächst das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen, bevor (Achtung: Scherz!) Letzteres zur Aussendung kommt. Dafür braucht es einen Bearbeiter, auch Redakteur genannt.

Die künstlerischen Chaoten Burkhard & Stephan Foto: B. Zscheischler

Nun, einen PC hat doch jeder! Und ein jeder einigermaßen brauchbare Fotoapparat hat mittlerweile einen Video-Knopf. Ein Smartphone tuts notfalls auch. Wenn da nicht mit der Zeit der Anspruch aufkäme, mindestens (fast) so gut zu sein wie ARD und ZDF. Dort steht der Moderator vor der Frauenkirche. Wie machen die das? Ganz einfach: Der Moderator steht, gut ausgeleuchtet in einem Studio vor einer grünen Wand. Dem Computer befiehlt man am Schneidplatz, er möge doch bitte überall dort, wo es gleichmäßig grün ist, das Foto der Frauenkirche setzen (der Moderator darf dann nur kein grünes Hemd tragen, sonst wird er „durchsichtig“). Das PC-Programm dafür kostet wenig. Den grünen Stoff gibt es günstig im Nähladen. Man muss ihn nur gut verspannt an eine Wand anbringen. Aber jetzt kommts: Um den Stoff möglichst gleichmäßig auszuleuchten, braucht es ein paar Lampen. Bei denen gilt: Je besser das Licht sein soll, desto teurer sind sie. Und dann so Sachen wie Interviews. Schon ist eine zweite Kamera nötig. Nice to have: Funkmikrofone statt Kabelsalat! Ach, das Thema Ton und Musik! Schon ist die GEMA nicht weit. Sie will in erster Linie Geld sehen. Viel Geld! Und so weiter…
Nach einigen Monaten kam ich dazu: Burkhard Zscheischler. Bei der Süddeutschen Zeitung in München, bei der UNION bzw. den Dresdner Neuesten Nachrichten, Anfang der 90er Jahre sogar in einer Radebeuler Redaktion auf der Bahnhofstraße, habe ich “Print” gelernt. Als Sprecher von Behörden und Ministerien des Freistaats lernte ich dann, wie man sich vor Mikrofon und Kamera verhält. Ich übernahm die Redaktion und schrieb viele Texte, die ich zumeist auch sprach – meistens abends oder am Wochenende. Einen Vormittagstermin unter der Woche beim Bürgermeister oder bei der Feuerwehr konnte ich nie wahrnehmen, da muss ich beim Freistaat Geld verdienen. Das übernahm dann oft Stephan Liebich. Er hat als Sänger den idealen Beruf für solche Hobbys. Dafür hat er abends keine Zeit, denn dann singt er. Zwischen uns war also viel Kommunikation nötig. Eine Zusammenarbeit, die den eigentlichen Spaß ausmachte. Das änderte sich mit Marco Huber. Er war der ideale Allein-Redakteur, der alles zugleich machte. Aber eben wirklich alles und alles alleine. Interne Kommunikation war schwierig. Dann ging er aber weg und macht heute in Zittau Internet-Fernsehen.
Simone Laack, Susanne Hanke, Kathrin Däbritz, die Liebich-Familie, Angela & Burkhard Zscheischler und Maik Beyer – manche kamen und gingen, manche blieben bis zum Schluss. Der “harte Kern” waren Burkhard & Stephan. Es war immer ihr Hobby. Den anfänglichen Ansatz, Geld damit zu verdienen, mussten sie bald aufgeben. Die beiden verstehen sich hauptsächlich als “Künstler”. Damit ist Kreativitiät gemeint, die eng verwandt ist mit dem Chaos. Um Geld einzusammeln, hätte “mal jemand” Klinken putzen gehen müssen bei Handel, Handwerk und Industrie. Dieser “jemand” fand sich nie. Das ist nämlich eine ziemlich undankbare Aufgabe, getragen von viel Reden und Überzeugungsarbeit, “belohnt” mit Enttäuschungen. Die wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel. Liebich hat privat einen fünfstelligen Euro-Betrag in die Technik gesteckt, um nur einen Teil wieder einzuspielen. Mittlerweile, nach sechs Jahren, ist alles abgeschrieben und manche Technik überholt. Der ganze “Krempel” ist eigentlich neu anzuschaffen: Kameras, leistungsfähige Computer mit je zwei Bildschirmen, Stative, Lampen, Mikrofone, Ersatz-Akkus, Ladegeräte, Speichermedien und noch einiges an Kleinkram, der im Einzelnen wenig kostet, der sich aber leider ständig verliert.
Denn Radebeul TV ist ein Privatsender. Wer glaubt, wir würden vom Gebührenaufkommen der GEZ profitieren, der irrt gewaltig. Die Kabelnutzer von wirsNET bezogen uns kostenlos. Deshalb machten wir nach gut 6 Jahren Kassensturz und kamen zur Erkenntnis: Ok, Spaß war manchmal dabei, aber außer Spesen ist nichts gewesen. Nicht zuletzt scheiterten wir am eigenen Qualitätsanspruch: Speziell Burkhard hat zwar einen Mordsspaß am Schreiben von Drehbüchern und witzigen Moderatorentexten, doch kann der mittlerweile über 60-Jährige sich selbst kaum im Spiegel ertragen, geschweige denn als Fernsehbild. Fernsehen, so sein Credo, lebt nicht von einem angegrauten Moderator mit Rauschebart und Glatze, wahlweise von anderen “Stand”-Bildern, ob weiblich oder männlich, die irgendwelche lahmen Texte vorlesen, sondern von Bildern vom schönen Radebeul. Um aber 15 Minuten Magazin pro Woche mit bewegten Bildern zu füllen, muss etwa das zehnfache dessen aufgenommen, gesichtet, verarbeitet und geschnitten werden. Archiv? Theoretisch ja, praktisch ist das Richtige selten dabei. Wir haben Hochsommer, aber unser Archivbild zeigt sich tief verschneit. Deshalb steigen wir doch schnell aufs Rad und “holen” uns ein aktuelles Bild. Dumm nur, dass Radebeul bisweilen ziemlich weitläufig sein kann, zwischen AWD und LÖMA liegen einige Kilometer. Na, das hält uns wenigstens gesund, denn wir sind meist mit dem Rad unterwegs. Aber ein Kindergartenanbau in Wahnsdorf? Ach nee, da will ich jetzt nicht hoch strampeln.
Trotz alledem! Wir haben Preise errungen, im Wettbewerb privater TV-Sender in Sachsen und darüber hinaus. Geldpreise sogar! Die eine Hälfte steckten wir in neue Technik, die andere in einen gemeinsamen Urlaub. Ein Wochenende. Mit dem Fahrrad. So viel Geld wars dann doch nicht. “Man hätte vielleicht mal Reklame machen müssen.” – Ja, “man” hätte. Aber weder “man” noch “frau” haben sich eingefunden. Es gab auch wohlmeinende Ratschläge von Zeitgenossen (mit beiden Händen in den Hosentaschen) wie: “Ihr solltet mal in die Schulen gehen.” Haben wir gemacht. Wir erfuhren: Fernsehen ist “old school”. Die Jugend heute macht nur noch „in“ Youtube oder Instagram. Also machten wir alleine weiter. Für ein aussterbendes Publikum.
Im März 2019 haben wir uns von unseren Zuschauern verabschiedet mit dem Hinweis auf eine Denkpause. Seitdem wurden wir immer wieder gefragt, wann wir wieder losmachen. Fein! Unser Programm wurde also doch bemerkt und es gibt offenbar nicht wenige, die unserem Angebot nachtrauern. Ja, klar! Man konnte es, bequem im Sessel sitzend, konsumieren. Kostenlos! Das machen wir jetzt auch: Bequem sitzen wir im Sessel und warten darauf, was sich so bietet – kostenlos. Radebeul TV ist für uns Geschichte. Im Wesentlichen gescheitert. Aber eine nette Episode. In der alten Form würden wir es nicht wieder aufleben lassen wollen.
Wieso schreibe ich dann so lange drüber? Wenn die Radebeuler doch so darauf bestehen, was wäre denn nötig? Notwendig wäre: Eine Redaktion von 4-5 engagierten Damen und Herren, die Lust darauf haben, das Radebeuler Zeitgeschehen mit einer Videokamera, letzten Endes aber gemeinsam, zu begleiten: Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport und das vielfältige Vereinsgeschehen. Eine Reportage über die Mühlengeschichte im Lößnitzgrund, zum Beispiel. Es gibt ein Buch darüber. Wieso das nicht als Film? “Mein Lieblingsplatz!” Eine Vorstellung unserer Weingüter und Straußwirtschaften. “Zu Besuch bei…” – einem Politiker, einem Künstler im Atelier, einer 100-Jährigen im Heim. Eine aktuelle Debatte aus dem Stadtrat zum Sanierungsgebiet Radebeul-West. Eine Übertragung einer Premiere der Landesbühnen in ein Seniorenheim. Porträts unserer Wirtschaftsbetriebe. Ach, Ideen hätten wir genug. Man muss nur regelmäßig Lust dazu haben, unabhängig vom Wetter und von anderen Verpflichtungen wie Erwerbs-Arbeit, Ehegespons oder Enkelkindern. Denn es ist ein Hobby. Die Leute guggen gerne sowas, wollen aber nichts dafür bezahlen. Wirklich? Grundsätzlich zu klären wäre die Technikfrage. Alle 4-5 Jahre ist der Krempel veraltet und auszutauschen. Ein wenig Geld sollte also doch hereinkommen.
WirsNET war bisher so freundlich, keine Sendegebühren zu verlangen. Mal angenommen, das bleibt so… Der Sender ist für den Kabelnetzbetreiber vielleicht sogar ein nettes “Zuckerl” für seine Kunden. Dies weiter gedacht, kommt mir ein grandioser Gedanke: Ob wirsNET-Kunden bereit wären, sagen wir mal: 50 Cent pro Monat über den bisherigen Gebührensatz hinaus zu bezahlen für den Service, Lokalnachrichten zu sehen? Wenn 100 Kunden das ein Jahr lang machen, wäre schon eine halbe Kamera bezahlt. Im Internet sind sogenannte “Bezahlschranken” mittlerweile weit verbreitet, technisch kein Hexenwerk. Wir haben es überschlägig errechnet. Wenn wir nichts damit verdienen, aber auch nicht mehr draufzahlen wollen, bräuchten wir monatliche Einnahmen von 500-1.000 Euro. Absolute Untergrenze. Bereits ein Dumpingpreis. Nahe der Selbstausbeutung.
Schön wäre es, wenn man ab und zu einem professionellen Sprecher/einer Sprecherin einen Hunderter in die Hand drücken könnte, der oder die einen deutschen Satz mit Subjekt, Prädikat, Objekt ohne viele Äh und Stottern aufsagen kann, weil das viel Arbeit ersparen würde: Das mühsame Herausschneiden der Versprecher am Computer, weil sonst die Zuschauer bereits nach dem ersten Halbsatz aktiv weghören. Denn stell Dir vor, es ist Fernsehen und keiner guggt zu. Den Beweis erhielten wir vorm Herbst- und Weinfest 2018: In der letzten Minute der Sendung verlosten wir zwei Freikarten. Es hat sich kein Schwein dafür interessiert! 100% der Zuschauer hatten bereits einige Minuten zuvor abgeschaltet. An welcher genau? Schwer zu sagen. Es ist nicht messbar. Deshalb folgten wir unseren Zuschauern einige Monate später nach und schalteten das Programm ab.
Unseren Anspruch, den gibt es immer noch: Ein lokales Nachrichtenangebot für jene Mitbürger schaffen, die keine Zeitung mehr lesen. Denn dieser Personenkreis wird immer größer. Ein Angebot auch für Mitmenschen, die sich nur noch in Filterblasen a-sozialer Medien aufhalten. Die Erde wird zwar nicht allein dadurch zum Würfel, wenn erregte Bürger dies wiederholt in Internetforen behaupten, doch diese Art Mitmenschen scheint sehr vermehrungsfreudig zu sein. Dagegen ist nur Information zu setzen. Vielleicht mit einem Bürgerfernsehen. Dort, anders als in der gescholtenen “L”-Presse, spricht einer aus der direkten Nachbarschaft. Den kennen wir. Wenn der das sagt, muss es Hand und Fuß haben. Ein Informationsangebot also, gemacht von Bürgern für Bürger. Spannend, unterhaltsam und informativ. Vielleicht getragen von einem Bürger-Verein. Wo sind die Vereinsjuristen unter den Lesern? Wäre das etwas Gemeinnütziges und Spenden steuerabzugsfähig? Und, nicht zu verachten: Wir sehen uns!
Da wären wir wieder bei dem: “Man müsste”. Bei uns hat sich “man” bisher nicht eingefunden. Und mit dem “müsste” haben wir es auch nicht so. Wir machen nämlich nur, was uns Spaß macht. Wir sind eben die künstlerischen Chaoten.

Burkhard Zscheischler

Der neue Erweiterungsbau am Lößnitzgymnasium „Luisenstift“

Meine alte Schule, dass ich sie erfolgreich verließ, ist jetzt 55 Jahre her, wächst und wächst und wird, wie mir scheint, dabei immer jünger. Über die fast 150 Jahre der Schule (ob man das feiern wird?) hatte sie verschiedene Namen und Funktionen. Das „Luisenstift“ war bis nach dem 1. Weltkrieg eine kirchennahe, reine Mädchen-schule, gemischte Klassen mit Mädchen und Jungen kamen erst in den 40er Jahren auf. Als ich die Schule besuchte, war es eine Erweiterte Oberschule und erhielt später den Namen des sowjetischen Kosmonauten „Juri Gagarin“. Bald nach der Wende hieß die Schule dann auch wieder „Luisenstift“.

Altbau und Neubau, fast fertig Foto: D. Lohse

Aber Moment mal, den ersten Satz habe ich mit „meine alte Schule“ begonnen. „Mein“ ist jedoch ein besitzanzeigendes Fürwort, doch gehört mir die Schule? Juristen könnten das schnell widerlegen und Makler würden vielleicht fragen, ob ich ihnen die Schule verkaufen möchte. Doch die meisten Schüler und auch Lehrer werden leichthin von ihrer Schule sprechen. Man möge mir bitte die Sentimentalität verzeihen, wenn ich wider besseren Wissens weiter von meiner Schule in der Straße der Jugend 3 sprechen möchte.

Ansicht aus Süden Foto: D. Lohse

Hier zunächst ein kurzer Abriss zur Baugeschichte insgesamt. Eindeutig das älteste Gebäude ist das „Luisenstift“ von 1870, entworfen und gebaut von der Baufirma Gebr. Ziller in nur zwei Jahren. Um 1900 erfolgte ein zweiteiliger Anbau auf der Westseite. Die freistehende Turnhalle mit schönen Proportionen und Mehrzweck-raum wurde 1926 gebaut. Eine nach der Zillerstraße hin orientierte Plattenbauschule Typ Dresden steht seit 1979. Im südlichen Gelände kam etwa 1995 eine neue, größere Turnhalle hinzu. 2008 konnte der Plattenbau erfolgreich umgebaut und um einen Flügel erweitert werden und noch mehr Schüler aufnehmen. In diesen Komplex wurden eine Aula und ein Aufzug integriert. 2015 erkannte man die Notwendigkeit eines weiteren Neubaus vor allem für die naturwissenschaftlichen Fächer. Dazu schrieb die Stadt Radebeul einen Architektenwettbewerb nach EU-Richtlinie aus, der dann 2016 ausgewertet und entschieden werden konnte: den 1. Preis bekam das Dresdner Büro Pussert Kosch Architekten zugesprochen. Grundsteinlegung für den 5,3 Mio € teuren Neubau war am 14. August 2018 und mit der Fertigstellung kann im Februar 2020 gerechnet werden. Unter heutigen Verhältnissen scheint mir das ein recht zügiger Bauablauf zu sein – man denke nur an den Flughafen Berlin-Brandenburg! Für die Baufreiheit wurde ein kleineres Gebäude abgerissen, das als Gärtnerhaus bekannt war und daran erinnerte, dass das „Luisenstift“ ursprünglich mal Selbstversorger von den umliegenden Feldern, Beeten und Obstbäumen war.

Durch den neuen Baukörper, der dem ältesten Gebäude zugeordnet und mit ihm verbunden ist, werden neue Freiräume und Verbindungswege zwischen allen Häusern entstehen. Ich hoffe aber, dass vom alten Schulpark mit gutem Baumbestand möglichst viel erhalten werden kann.

Was wäre noch über den Neubau zu sagen? Beste technische Bedingungen für die Spezialkabinette hatte ich oben bereits erwähnt. Dazu kommt eine Photovoltaik-anlage auf dem Dach, die den Strombedarf des gesamten Gymnasiums abdecken soll und in ein neues Blockheizwerk einspeist. Die Architektur ist eher logisch, aber spannungsarm, eine regelmäßige, zweigeschossige Lochfassade, darüber ein Flachdach. Eine Schule ist nun mal in erster Linie ein Zweckbau und kann auch ohne „Kunst am Bau“ oder Verspieltheiten auskommen. Durch die im Entwurf bestimmte Lage des Neubaus im gering nach Süden abfallenden Gelände konnte auf der Südseite ein Teil des Kellergeschosses freigestellt und künftig als Cafeteria genutzt werden.

Detail am Neubau Foto: D. Lohse

Ich hoffe, dass das dann mit den Höhen klappt! Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, war an eine solche komfortable Einrichtung nicht zu denken.

Meine Frage an Frau Stolzenhain, die Direktorin, ob mit dem Neubau nun ein Schul-campus entstehen würde, verneint sie. Da müssten noch andere Bedingungen erfüllt werden. Zur schon erkennbaren Farbgebung „Mausgrau“ sagten mir ein paar Rade-beuler, dass es ihnen so nicht gefiele. Die Farbe heißt laut Siegerentwurf „Graubraun“ und will wohl die Farbe der Plattenschule (Gelbgrün) keinesfalls über-trumpfen. Man wird sich sicherlich bald an die „Maus“ gewöhnt haben.

Als ehemaligen Schüler und Denkmalpfleger würde ich mich freuen, wenn die Sanierung des alten „Luisenstift“ bald nach der Fertigstellung des Neubaus, wie versprochen, erfolgen könnte. Und auch da wird man sich auf eine Fassadenfarbe nach denkmalpflegerischen Befunden und anderen Gesichtspunkten einigen und das Farbzusammenspiel mit dem Neubau überprüfen müssen. Ich halte diese große Bauaufgabe in der relativ kurzen Bauzeit für gut gelungen und sehe darin insgesamt eine Bereicherung für Radebeul.

Dietrich Lohse

Familientaugliches Skandalstück

Zur Premiere von „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ am 1. Adventswochenende an den Landesbühnen Sachsen

Sicherlich nicht ganz ohne Hintergedanken hatte Intendant Manuel Schöbel die Premiere der von ihm verantworteten Neueinstudierung von Brecht/Weills dreiaktiger Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (1930) auf das 1. Adventswochenende terminiert. Einen Tag nach dem Kaufrausch-Freitag (durch die Werbeindustrie als „Black Friday“ hochgejubelt) fanden am Abend eines der umsatzstärksten Tage des Jahres immerhin doch genug Besucher in das Radebeuler Haupthaus. Bei ihrer Anreise hatten sie deutlich weniger mit Parkplatzproblemen zu kämpfen als die mehreren Zehntausend, die zeitgleich im Elbepark oder in der Dresdner Innenstadt die Kassen klingeln ließen, weil sie den Versuchungen der Rabattangebote, Vorzugspreise und saisonalen Schnäppchen nicht widerstehen konnten.

»Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« – Premiere war am 30.11.2019

Womöglich also wollten Schöbel und Ausstatter Stefan Wiel dieses Wochenende bewusst mit einer passenden Aufführung bebildern, mit „Mahagonny“ quasi einen Kommentar zur vorweihnachtlichen Konsumvergessenheit und Vergnügungsopulenz (Weihnachtsmärkte allerorten, dazu Weihnachtszirkus im Ostragehege, ein Riesenrad neben dem Goldenen Reiter und weihnachtlich verbrämte Lichtverschmutzung etwa im Schlosspark Pillnitz) abgeben, wozu das Stück ja allemal taugt. Die Vorlage ist bekannt: In 20 Szenen entfaltet sich die Parabel von einer Stadt, die in der Wüste aus Not gegründet bald zum Eldorado für all jene (Männer) wird, denen das Geld locker in der Tasche sitzt und die sich dort nach harter Arbeit in Alaska mit Schnaps, Frauen und (Glücks-)Spiel vergnügen wollen, bis einem von ihnen, Jim, aufgeht, dass jene Verlustierungen nur oberflächliche Betäubung einer eigentlich nach Sinn dürstenden Seele sind und die Geld-ist-Geil-Mentalität die Menschen über kurz oder lang entmenschlicht. So weit so einfach. Was macht nun das Radebeuler Theater daraus? Zunächst überrascht es mit einem interessanten Einfall: Die Bühne verlängert sich über die vorderen zehn Sitzreihen als Rampe in den Zuschauerraum hinein, als wollte sie eine Einladung symbolisieren: Der Weg nach Mahagonny steht allen offen, man muss nur gehen und (an)kommen. Zur Ouvertüre kommen die drei wichtigsten Protagonisten über eben jene Rampe. Leokadja Begbick (Michaela Ische) im Rollstuhl (ein fahrbarer Rollstuhl ja ist immer noch besser als ein in der Wüste liegen gebliebener PKW,) geschoben von Dreieinigkeitsmoses (Paul Gukhoe Song) und begleitet von Fatty, einem Prokuristen (Edward Lee). Wie immer man sich auch Steuerflüchtlinge vorstellt, diese drei sind zwar eitle und am Ende auch brutale, letztlich aber unerfahrene Geschäftemacher und halten während der ganzen Oper nicht nur optisch Distanz zu allen, die Mahagonny nach und nach bevölkern. Vielleicht liegt es auch am Brechtschen Libretto und dieser Oper als eines der wenigen Beispiele für episches Musiktheater, dass das Miteinanderspiel eher wie eine nüchterne Versuchsanordnung daherkommt: Auf der einen Seite die drei benannten Anzugträger (und zwei als „Schatten“ bezeichnete Tänzer, deren Notwendigkeit allerdings nicht herausgearbeitet wird), auf der anderen Jim, Jack, Bill und Joe (Aljaž Vesel, Andreas Petzoldt, Johannes Leuschner, Michael König), deren Namen für das denkbar Durchschnittlichste im Menschen stehen, was die nordamerikanische Gesellschaft in ihrer männlichen Ausprägung hervorzubringen im Stande war und ist. Und so durchschnittlich verhalten sich alle dann auch und sind dadurch eigentlich wie die Menschen überall. Nicht dazwischen, aber sehr prononciert platziert ist Jenny (Kirsten Labonte, die dieser Rolle Charakter und bisweilen auch stimmlichen Glanz verleiht), die die einzige weibliche Rolle mit Tiefgang besetzt. Hinzu kommt eine Großgruppe an weiteren Jims und Jacks und Bills und Joes (Opernchor und Zusatzchor), die sich vor allem daran weiden, was die Mädchen von Mahagonny (neun Darstellerinnen und ein Darsteller in der Rolle einer Drag Queen, jeweils in eindeutig körperliche Vorzüge betonender Kostümierung) und die Saloons anbieten. Allerdings bleiben diese Szenen voller Ausschweifung und Erotik („Erstens kommt das Fressen, zweitens kommt der Liebesakt. Drittens das Boxen nicht vergessen, viertens Saufen, laut Kontrakt.“) alle recht brav und bieder, was umgekehrt bedeutet, dass diese „Mahagonny“-Einstudierung auch von kulturbeflissenen Eltern nebst Heranwachsenden besucht werden kann, ohne dass man verlegen husten (Eltern), peinlich berührt erröten (Kinder) und hinterher noch ein (auf-) klärendes Gespräch führen müsste (beide Seiten). Statt deftiger Szenen zur expliziten Sprache wurde auf großflächige Videoeinspielungen im Bühnenhintergrund gesetzt, die eher Verweischarakter tragen als dass sie konkret sind. Natürlich ist dieser zurückhaltende inszenatorische Ansatz legitim, denn schließlich gibt es ja auch noch die Musik (die Elblandphilharmonie unter Hans-Peter Preu musiziert stimmig die Weillsche Partitur und arbeitet deren stilistische Vielgestaltigkeit schön heraus), die die Handlung kongenial untersetzt. Allerdings mag mancher nicht ohne Berechtigung einwenden, dass eine so weichgespülte Fassung das verstörend-aufrüttelnde Potential der Vorlage, die ja die Zuschauer der Uraufführung irritiert zurückließ und die Nazi-Schergen auf den Plan rief, nicht zur Gänze entfalten vermag. Kritisch anzumerken ist überdies die vielfach mangelnde Textverständlichkeit in den Gesangspassagen, wodurch eine Menge inhaltlicher Impulse verpuffen. Warum werden nicht Übertitel eingeblendet, so wie es an vielen anderen Häusern üblich ist? (Nebenbei: Da nützt es auch wenig, wenn man an der Garderobe auf die Möglichkeit hinweist, dass Träger eines Hörgerätes auf eine Schwerhörigenanlage zurückgreifen können, was ja an sich eine sehr lobenswerte Initiative ist.)
Das durch Jim nach dem überstandenen, die Stadt zwischenzeitlich existentiell bedrohenden Wirbelsturm ausgegebene Motto „Du darfst“ begründet sowohl die wirtschaftlich erfolgreichste als auch die moralisch verdorbenste Ära von Mahagonny. Wenn das Dürfen aber nicht durch ein (Bezahlen-)Können gedeckt ist, fällt das Kartenhaus in sich zusammen, ist der Deal zwischen Käufer und Verkäufer geplatzt und wird Jim am Ende auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet, was zweifellos eine dramatische Überspitzung ist, aber erst in der Übertreibung wird der Schrecken ja deutlich. Dass Geld die Welt regiert, wussten wir schon vorher. Dass Geld letztlich aber auch die Welt in ihrer sozialen Verfasstheit negiert, ist eine Erkenntnis, die Brecht/Weill zwar schon vor 90 Jahren formulierten, deren dramatische Gültigkeit wir aber erst in letzter Zeit angesichts der global zu besichtigenden Auswüchse unserer marktkapitalistischen Gesellschaft zu begreifen beginnen. Freundlicher Beifall zum Ende eines zweieinhalbstündigen Theaterabends, der eingefleischte Brecht/Weill-Fans sicherlich enttäuschte, für andere aber eine willkommene (Erst-)Begegnung darstellte.

Bertram Kazmirowski
Nächste Aufführungen am 10.1. und 19.1.

Unter einem Himmel

Malerei und Grafik von Renate Winkler in der Fachhochschule der sächsischen Verwaltung Meißen

Seit vielen Jahren schon präsentiert der Verein der Freunde und Förderer der Fachhochschule Ausstellungen regionaler Künstler. Dem liegt der kluge Gedanke des Gründungsrektors und langjährigen Vereinsvorsitzenden Werner Schnabel zugrunde, Verwaltungsfachkräfte sollten schon während ihres Studiums und quasi „nebenher“ erfahren, dass die Welt größer ist, als Verwaltung vermuten lässt und der Himmel mehr Farben unter sich vereint, als das Grau der Theorie.
Die Ausstellung „Unter einem Himmel“ der Radebeuler Malerin und Grafikerin Renate Winkler reflektiert diesen Gedanken auf ganz eigene Weise. Seit mehr als zwanzig Jahren begeistert sich die Malerin für die arabischen

»Alte aus Gizeh«, Öl 2019 Foto: R.Winkler

Wüstengebiete, für die kargen Landschaften des Sinai und für die dort lebenden Menschen. Sie ist immer wieder fasziniert vom Leben der Beduinen, die bei aller Einfachheit, ja, mit unseren Augen gesehen, geradezu Ärmlichkeit, ein so hohes Maß an Herzlichkeit und Gastfreundschaft zeigen, wie es hierzulande schon lange undenkbar ist. Da hat sie gelernt zu staunen, was es „unter einem Himmel“ für Möglichkeiten gibt für den, der bereit ist, sich darauf einzulassen.
Und also zieht es sie immer wieder ins „Heilige Land“, einmal sogar nach einer schweren Operation gegen den Rat ihrer Ärzte, denn „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“.
Renate Winkler schreibt es dem stillen Vermächtnis ihres Großvaters zu, dass sie sich von klein auf angezogen fühlte von den Künsten. Martin Klippel hatte in Meißen als Kunstmaler gelebt und war noch vor ihrer Geburt verstorben. Dennoch glaubt sie, dass er es war, der ihr diese Sehnsucht vererbt hat, die so ganz elementar wirkende Sehnsucht nach Kunst und künstlerischem Tun.
Es war gar nicht von Anfang an das Malen – sie war Statistin bei den Landesbühnen, tanzte bei Palucca. Natürlich hat sie auch Ton geknetet. Da ist sie später drangeblieben und hat schließlich einen Abschluss als Keramik-Zirkelleiterin gemacht. Während der zugehörigen Ausbildung hat sie von Menschen wie Prof. Kaiser von der Burg Giebichenstein oder Lothar Sell aus Meißen lernen können. Die Eindrücke sind unvergesslich geblieben. Und sie profitiert noch immer davon.

»Obere Bergstraße«, Radebeul, Öl 2015 Foto: R.Winkler

Das Elternhaus hatte ihr in Mitten von Büchern eine gediegene, fast bürgerliche Bildung ermöglicht. Der Vater achtete ihren Hang zur Kunst, hatte aber darauf bestanden, dass sie erstmal was Ordentliches lernte. Und da die Meinung von Vätern damals noch Gewicht hatte, ist sie zunächst Kindergärtnerin geworden und hat dann noch Pädagogik studiert. Dann arbeitete sie an der Fachschule für Kindergärtnerinnen. Das sind Berufe, die den Tag ausfüllen. Dennoch blieb der Traum von einer eigenen künstlerischen Tätigkeit in ihr immer lebendig.

»Phöenix«, Öl 2018 Foto: R.Winkler

Mit ihrem Eintritt in den Grafikkurs bei Markus Retzlaff im Atelier Oberlicht begann sich der Traum zu erfüllen. Seither ist Renate Winkler, wie ihr Mentor Retzlaff sagt, zu einer Künstlerin gereift, die „eins scheint mit ihrer Grafik, ihrer Malerei, die nicht Vollkommenheit sucht, sondern Lebendigkeit“.
Ihre Bilder entstehen zu Hause an der Staffelei. Von „draußen“ bringt sie Skizzen und Fotos als Erinnerungshilfen mit. Vor Ort zu zeichnen gelingt ihr eher selten. Wer zeichnet, sagt sie, darf nicht ungeduldig sein. Vor allem nicht mit sich selbst. Aber das Foto allein reicht nicht aus. Damit das Bild gelingt, muss sie die Situation erlebt haben. Sie braucht die unmittelbare Lebendigkeit „unter einem Himmel“, sich von ihr ergreifen und zum Bild drängen zu lassen.

»Anflug auf Teheran«, Holzschnitt, verlorene Form 2019 Foto: R.Winkler

Die Meißner Ausstellung zeigt Arbeiten der Künstlerin aus dem letzten Jahrzehnt, Arbeiten, die von Erlebnissen im Orient, in Persien, Ägypten oder im Sinai ebenso inspiriert sind, wie von Spaziergängen durch das heimische Radebeul. Denn alles liegt – und das ist Renate Winklers beinahe politische und nicht mehr von jeden gern gehörte Botschaft – alles liegt „unter EINEM Himmel“.

Thomas Gerlach

Mit Thomas Rosenlöcher poetisch durch das Jahr

18. Bauherrenpreises der Großen Kreisstadt Radebeul 2019


Am 15. November 2019 wurde durch die Stadt Radebeul und den Verein für Denkmalpflege und Neues Bauen Radebeul e.V. zum nunmehr achtzehnten Mal der Bauherrenpreis der Großen Kreisstadt Radebeul verliehen. 21 Einreichungen in den drei ausgeschriebenen Kategorien Garten- und Freiflächengestaltung, Denkmalpflege und Sanierung sowie Neues Bauen sorgten für die notwendige Spannung und intensive Diskussion in drei Jurysitzungen; sie werden auch langfristig optisch unsere Stadt bereichern. Damit konnten in der Stadt seit 1997 nunmehr 81 Objekte mit der begehrten Plakette ausgezeichnet werden.

Festzuhalten bleibt, dass über die Jahre hinweg immer nur sehr wenig Gärten und Freiflächen eingereicht werden, diesmal wieder nur zwei. Unser Selbstbild ist doch aber gerade (noch??) ein anderes: wir sehen unsere Stadt als Villen- und Gartenstadt; die Villen benötigen geradezu einen angemessenen Garten, sonst wären es keine. Oder wird Radebeul sukzessive eine Stadt der Ein- und Zweifamilienhäuser, der Doppelhaushälften und der sog. Stadtvillen? Auch die Freiflächen, im engeren Sinne die gestalteten Plätze, geben unserer Stadt erst ihr Flair. Hier ist aber erkennbar, dass sich Verwaltung und Bürger gleichermaßen um diese wichtigen Zäsuren bemühen, das öffentliche Bewußtsein dafür sehr ausgeprägt ist. Viel wurde schon geschafft: sei es der Robert-Werner-Platz, die Anger in Zitzschewig und Naundorf, der Fontänenplatz, der Platanenplatz, der Bilzplatz, der Rosa-Luxemburg-Platz und nunmehr der Karl-May-Hain. Fehlt zukünftig noch der Ziller-Platz; hier ist dringender Handlungsbedarf geboten.

Wenn mit den Gärten und Freiflächen die Lunge Radebeuls angesprochen ist, so dann mit der Kategorie Denkmalpflege und Sanierung das Herz unserer Stadt; diesmal waren es 15 Einreichungen, so dass sich die Jury entschloss, in dieser Kategorie je einen Preis für sanierte Altbausubstanz und einen für die fachgerechte Denkmalsanierung zu vergeben. Unser Festredner, Landeskonservator a. D. Prof. Dr. Heinrich Magirus, ging auf den Wert dieser historischen Bausubstanz eindringlich ein und machte deutlich, dass von diesen – und nicht von Neubauquadern – etwas in die Seele der Anwohner und im positiven Sinne Flaneure zurückwirkt. Diesen stadtbildprägenden Wert nahm auch die Jury in ihren Diskussionen auf. Überhaupt greifen die Diskussionen in der Jury naturgemäß immer weiter als nur auf die einzelnen Baulichkeiten. Nicht zuletzt merkt man den Diskussionen ihre Befreiung von den sonstigen rechtlichen Zwängen an, die manchmal gleich Denkgrenzen markiere. Die inhaltlichen Ideen und fachlichen Hinweise der Jury sollten für die Verwaltung und den Stadtentwicklungsausschuß nutzbar gemacht werden.

Am meisten verändern unsere Stadt natürlich die Neubauten, von denen 4 Objekte eingereicht wurden. Neubauten allgemein sind daher auch Schwerpunkt bei der Beurteilung der Stadtentwicklung, sie geben Hinweise auf Rücksichtslosigkeit gegenüber der gewachsenen Stadt oder den Willen zur Einfügung (nach Größe usw.) und auch dem Einpassen, was nichts anderes meint als der Suche nach Harmonie mit dem hier Vorhandenen. Ein Neubau kann schön sein – und doch den Straßencharakter zerstören. Er muss auch nicht historisieren. Schwer ist immer das „richtige“ Maß, für das es auch gar keinen für jedermann gleichermaßen fassbaren Rahmen gibt. Neues Bauen ist weder Kopie noch purer Selbstzweck mit sich als alleinigem Maß; es positioniert sich, fügt sich ein, anerkennt die Umgebung und respektiert Natur und Nachbarn. Es gilt, dies wurde in letzter Zeit deutlich, den „erhalt des besonderen Charakters der Stadt Radebeul“ klarer in Worte und Handlungen zu übersetzen. Denn wie zitierte Gabriele Schirmer nicht Winston Churchill: „Wir formen unsere Gebäude, danach formen sie uns.“

Zur Preisverleihung konnte das Vorstandsmitglied der Sparkasse, Herr Daniel Höhn, rund 150 Besucher, darunter Oberbürgermeister Bert Wendsche, in den Räumen der Sparkasse Radebeul West begrüßen. Die Sparkasse hatte darüber hinaus, wie schon in den letzten Jahren, freundlicherweise dafür gesorgt, dass alle Gäste in angenehmer Atmosphäre bei kleinen Snacks und anregenden Getränken zu ebensolchen Gesprächen über Baukultur und mehr verweilen konnten. Ein Grußwort sprach Dr. Jörg Müller, 1. Bürgermeister der Großen Kreisstadt Radebeul, der nicht zuletzt die notwendigen Erhaltungssatzungen für die Ober- und Niederlößnitz in den Blick nahm.

Innerhalb der zwei Ausstellungswochen in der Sparkasse Radebeul-West bis zur Preisverleihung hatten diesmal sage und schreibe 318 Bürger (!) wieder von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihren Publikumsfavoriten zu wählen. Der Entscheidung der Jury (drei Vertreter der Stadtverwaltung, drei Vertreter des Stadtrates und sechs Vertreter des Vereins), die kein reines Fachgremium ist und in einem geheimen Wahlgang entscheidet, wurde damit die öffentliche Meinung gegenübergestellt.

In der Kategorie „Denkmalpflege und Sanierung“ gab es 15 Vorschläge und einen geteilten Preis. Der Bauherrenpreis für die Denkmalpflege ging an das Kyauhaus Wettinstraße 2, der für Sanierung von Altbausubstanz ohne Denkmaleigenschaft an die Johannisbergstraße 5 in Naundorf, die zugleich den Publikumspreis in dieser Kategorie erhielt. Die Laudatoren (Denkmalpflege Andre Schröder, Sanierung Robert Bialek, Neues Bauen Gabriele Schirmer, Gärten Dr. Grit Heinrich/Jürgen Tauchert; die jeweilige Laudatio bildet auch die Grundlage für die vier kurzen Objektbeschreibungen) würdigten in fundierten Beschreibungen die Objekte und machten deutlich, warum gerade diese den Preis erhielten.

In der Kategorie „Neues Bauen“ gewann von den vier Einreichungen das neue Gemeindehaus der Lutherkirchgemeinde. Der Publikumspreis ging dagegen an die Obere Bergstraße 81.

In der Kategorie „Freiflächengestaltung“ musste aus diesmal nur zwei Objekten ausgewählt werden, die zudem ganz unterschiedlich in ihrer Ausdehnung und Anspruch sind. Hier entschied sich die Jury für den Karl-May-Hain, das Publikum hingegen sprach den Preis mit jeweils 276 Stimmen beiden Objekten zu.

Der Verein wird in 2020 wieder einen Stadtspaziergang zu verschiedenen Preisträgern anbieten, immer in der Hoffnung, bei Bauwilligen somit das Bewusstsein zu schärfen, was für Radebeul passt. Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden – ob Bauherr, Einreicher, Jurymitglied, Sponsor oder interessierter Bürger; ebenso bei der Druckerei Krause für die Einladungen und beim Grafiker Matthias Kratschmer, der wie gewohnt für die Urkunden, Plakate und Plaketten verantwortlich zeichnete. Wir gratulieren allen Preisträgern und bedanken uns für die großzügige Unterstützung der Sparkasse Meißen.

Dr. Jens Baumann

Kategorie Neues Bauen

Bereits seit Ende der 1990 Jahre suchte die Lutherkirchgemeinde nach räumlichen Erweiterungsmöglichkeiten für ihre Gemeindearbeit. Den Architekturwettbewerb entschied das Büro knoche_architekten aus Leipzig für sich. Ausgezeichnet werden konnte nunmehr ein rechteckiger langgestreckte Baukörper, der gemäß der denkmalpflegerischen Vorgaben als Baustein zwischen Kriegerdenkmal, Lutherkirche und der südlichen Bebauung des Grundstücks eingeordnet wurde. Als Knotenpunkt vermittelt er zwischen der Kirche als Andachtsraum sowie den Pfarrhäusern als Sitz der Verwaltung. Das neue Kirchgemeindehaus bindet in das nach Süden abfallende Gelände ein, tritt als Volumen zurück und belässt der Lutherkirche ihre Wirkung als Solitär. Außenwände aus farblich auf die Fassadenfarben der Kirche abgestimmtem Ziegelmauerwerk und große, einheitlich gegliederte Glasfronten prägen das ruhige, ausgewogene äußere Erscheinungsbild. Vor dem zurückgesetzten südlichen Eingang wurde ein überdachter Vorplatz geschaffen; unter der als Umgang und auch Fuge zwischen Alt und Neu dienenden Außentreppe verläuft die geschickte barrierefreie Anbindung des Neubaus an das Kirchenschiff. Betritt man das neue Gemeindehaus, ist man erstaunt über die klare Gliederung und das von außen so nicht vermutete großzügige Platzangebot. Auch hier wirkt die Reduktion der Materialien auf Putz, Estrich, Holz und Glas wertig und angenehm zurückhaltend. Es ist ein in sich schlüssiges Gebäude entstanden, das in seiner langlebigen, fein austarierten Formen- und Materialsprache beispielgebend nicht nur für Radebeul ist.

Kategorie Denkmalpflege

Als vor knapp 20 Jahren die Bebauung des Dichterviertels begann, gab es noch einenfantastischen Blick von der Karl-Marx-Straße über das Feld zur Jungen Heide und einigen Häusern unterhalb der Berge der Oberlössnitz. Ein Haus hob sich schon damals besonders hervor mit seinem hellen Anstrich, dem steilen Walmdach, mit den in zwei Reihen übereinanderliegenden Schleppgauben und dem hohen Schornstein. Im Volksmund heißt es „Kyau-Haus“; obwohl gerade diesem Bauherrn, dem Königsteiner Festungskommandanten Friedrich Wilhelm von Kyaw (1654 – 1733) aus oberlausitzschen Uradelsgeschlecht, der Besitz nicht nachgewiesen werden kann. Nachgewiesen als Besitzer ist hingegen der Architekt Samuel Locke (1710 – 1793). Er übernahm das Weingut in der Oberlößnitz 1754 käuflich. Ende 2014 wurde das historisch bedeutsame Haus durch die Herren Jacob Reichstein und Jens Güldemann käuflich erworben. Fachwerk musste ausgewechselt werden, Zwischenwände und Deckenverkleidungen wurden entfernt, die Kellertonne freigelegt, insgesamt fielen 20 Container Bauschutt an. Nun gibt es 80 Seiten Befunderhebung, barocke und junge Wandmalereien wurden aufgespürt. Das nun wiederhergestellte Treppenhaus und der restaurierte Festsaal mit dem Stuck und Deckenmalereien spiegeln den Sächsischen Barock zu Lockes Zeiten wider. Der ehemals stark renovierungsbedürftige Zustand des Gebäudes wurde im Sinne des Denkmalschutzes mit viel Liebe, Sorgfalt und Sachkenntnis in allen Bereichen saniert. Nun gilt es Danke zu sagen.

Kategorie Sanierung Altbausubstanz (ohne Denkmaleigenschaft)

Als Zweifamilienhaus 1899 in einer für Naundorf in jener Zeit nicht untypischen Weise gebaut, wurde das Gebäude Johannisbergstraße 5 im Jahr 2007 von Familie Jentzsch in heruntergewirtschaftetem Zustand erworben und im letzten Jahrzehnt durch die Eigentümer mit hohem Aufwand und der heutigen Wohnnutzung entsprechend instandgesetzt. Beauftragte Handwerker aus der Region haben mit Hand angelegt. Der zur Straße hin traufständige Bau mit Mittelrisalith incl. Giebeldreieck trägt schlichte klassizistische Züge des 19. Jahrhunderts. Es handelt sich um einen teilunterkellerten zweigeschossigen Putzbau mit Bruchsteinsockel und schieferähnlichem Prefa-Dach. Nebengebäude und die historisierende Einfriedung ergänzen das Grundstück. In der Denkmalliste von Radebeul ist kein Eintrag vorhanden, was die Bauherren aber nicht davon abgehalten hat, viele Details an der Fassade und im Inneren des Hauses wieder zu rekonstruieren oder zu restaurieren. Dachdeckung, Gesimse, Glattputz, Putzzierrat, zurückhaltende Farbgebung, liebevoll geschliffene und reparierte Sandsteingewände der Fenster und Türen und der sanierte Bruchsteinsockel geben dem Haus wieder seinen vornehm-schönen Charakter zurück. Dieser wird durch das wieder bepflanzte Weinspalier an der Straßenfassade in hervorragender Weise ergänzt. Im Inneren des Hauses sind besonders die wieder sehenswert aufgearbeitete Bestandsdielung der Fußböden und die restaurierten Wohnungs- und Eingangstüren mit ihren dazugehörigen Kastenschlössern, Beschlägen und originalen Verglasungen hervorzuheben. Die Einfriedung entlang der Straße trägt durch die gut sanierten Bruchsteinmauerenden, den Holzzaun aus Lärche und die dem Original nachempfundenen Betonsäulen zum guten Sanierungserfolg bei. Insgesamt ein nachahmenswertes Beispiel für eine Altbausanierung!

Kategorie Gärten und Freiflächengestaltung

Der Karl-May-Verein legte 1932 zu Ehren des Schriftstellers den Karl-May-Hain an. 1992 wurde dieser als öffentliche Parkanlage umgestaltet und 2017 / 2018 im Auftrag der Stadtverwaltung Radebeul durch das Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten und den Holzdesigner Alexander Fromme attraktiv aufgewertet und erweitert. Die ursprüngliche Anlage wurde in Teilbereichen saniert und durch punktuelle Eingriffe attraktiver gestaltet. So wurden die Wegeführung überarbeitet, die Pflanzungen ergänzt und der Bestand behutsam denkmalgerecht erhalten. Schwerpunkt war die mit der Erneuerung der Wassertechnik verbundene Sanierung der Wasserläufe sowie der Wasserbecken des Silber- und des Herzsees. Wie die fünf Kontinente, über die Karl May schrieb, fließen jetzt nach ca. 50 Jahren wieder fünf Bachläufe. Die Erweiterung der Parkanlage erfolgte in östlicher Richtung in Form eines Spiel- und Erlebnisbereiches für die jüngeren Besucher des Karl-May-Museums. Karl Mays Buchthemen sind für die Kinder lebhaft und plastisch umgesetzt. Vom Silbersee zieht die Karawane in die Wüsten Arabiens, dem Schauplatz der Abenteuer Kara Ben Nemsis. Da tummeln sich gelbbraune Kamele zum Schaukeln und Wippen, goldgelbe Dünen und Schluchten sind zu erkunden, rote Berge und eine goldene Wüstenstadt leuchten im Hintergrund, kräftig grüne Kakteen laden zum Klettern ein. Es gibt Hinterhalte, Rutsch-, Balancier- und Hangelmöglichkeiten, eine Schatzhöhle uvm. Und manchmal ist es auch heiß wie in der Wüste. Die Erweiterung mit den bespielbaren Holzkonstruktionen und mit Bänken und Tischen in erfrischendem Outfit ist nicht nur für die kleinen Besucher und Fans des Karl-May-Museums attraktiv, sondern auch für die umliegenden Anwohner und Kitas ist die Anlage ein Gewinn. Der denkmalgeschützte Pavillon wurde als öffentliches WC umgenutzt; auch dies ist wichtig und nicht zuletzt für die Pflanzen im Park ein Gewinn. Durch die Wegverbindung zur Schildenstraße konnte der vormalige “Sackgassen”-Charakter des Parks aufgelöst werden. Die Anlage ist gestalterisch, museumspädagogisch, qualitativ und funktionell sehr gut gelungen und eine bespielgebende Bereicherung unserer Freianlagen – abseits einfacher Standardlösungen.

Buchempfehlung

„Ein Weingut in der Oberlößnitz. Seine Geschichte und Geschichten“


In Radebeul gibt es Häuser die einem kaum entgehen können. Ein solches ist insbesondere das zauberhafte Gebäudeensemble mit dem Meinholdschen Turmhaus und dem im Osten angrenzenden wohlproportionierten Landhaus. Das heute denkmalpflegerisch vorbildhaft sanierte Anwesen ziert zahlreiche Reiseführer und ist ein gern zitiertes Markenzeichen von Radebeul. Das heutige Weingut, gepaart mit Schloss Hoflößnitz und dem bekrönenden Spitzhaus, die allesamt von malerischen Weinterrassen großzügig umsäumt werden, bilden im kongenialen räumlichen Zusammenspiel das Herzstück, vielleicht sogar die Seele unserer Stadt.

Die langjährige Eigentümerin Elisabeth Aust, die mit ihrem viel zu früh verstorbenen Mann Ulrich Aust bereits seit Ende der 60er Jahre mit dem Objekt Schritt für Schritt verbunden war, gibt mit ihrer jetzt erschienenen „Hausdokumentation“, fußend auf der einstigen Archivarin des Grundstücks Helene Flockemann, einen äußerst persönlichen Einblick in die mühseligen und aufopferungsvollen Jahre der Bewahrung eines einst im Verfall begriffenen Kleinods.

Mit einem Architekten und einer Restauratorin fiel das Grundstück im Zusammenwirken von hoffnungslosem Idealismus und fachlichem Sachverstand wohl noch zur rechten Zeit in die richtigen Hände. Detailreich schildert die Autorin die teils abenteuerlichen Entdeckungen und Überraschungen bei den nicht enden wollenden Baumaßnahmen. Zudem war der Baustoffmangel und die Behördenwillkür eine weitere Front die es zu bezwingen galt.

Nach der Wende boten sich nun ganz neue Möglichkeiten. Elisabeth Aust beschreibt die Begebenheiten und Wirrnisse der Nachwendezeit und erfüllte sich schließlich den Wunsch einer eigenen Restaurierungswerkstatt im Grundstück, während ihre drei Kinder ihre berufliche Entwicklung verfolgten. Schließlich fanden alle im künstlerischen Handwerk ihr Zuhause.

Mit der Entscheidung des jüngsten Sohnes Karl Friedrich Aust ein Weingut aufzubauen, fand das Anwesen schließlich eine gesicherte wirtschaftliche Perspektive und ist wieder dort angelangt, wo es vor vielen Generationen seinen Anfang nahm.

Heute ist das Weingut mit Weinstube ein lebendiger Ort der Begegnung für Weinfreunde und Kulturliebhaber geworden.

Elisabeth Aust hat mit ihrem Buch der Stadt ein überaus anerkennenswertes Geschenk gemacht und sich nicht zuletzt selbst ein schönes Denkmal gesetzt.

Sascha Graedtke
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Das quadratische Buch, erschienen im Thomas Helms Verlag umfasst 160 Seiten, ist reich bebildert und ist für 24,80€ zu erwerben.

Zum 70. Geburtstag von Ingrid Zeidler

„Sybillen zwischen heidnischer Weissagung und christlicher Prophetie“ – So hieß vor 20 Jahren eine Ausstellung im Weinbaumuseum Hoflößnitz. Die Kuratorin dieser Ausstellung war Ingrid Zeidler, Museumsleiterin von 1981 bis 2009.

Foto: L. Weidler, Rechte Stiftung Hoflößnitz


Die selbstbewusste Visionärin feierte im November 2019 ihren 70. Geburtstag.

Radebeul ist ihr Geburtsort und war lange Zeit ihr privater und beruflicher Lebensraum.

In Diesbar-Seußlitz führte sie gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Ronald nach 2009 ein kleines Café. Ein Rückzugsort war das für sie nicht gewesen. Bis heute kümmert sie sich mit Freunden und Seußlitzern ehrenamtlich um das Schloss und die Parkanlage.

Ich lernte Ingrid 1972 an der Schule Oberlößnitz in Radebeul kennen. Dort war sie Lehrerin für Deutsch und Geschichte. Kurz danach wechselte sie als Assistentin im Wissenschaftsbereich “Alte Geschichte” an die Pädagogische Hochschule Dresden. Mit Hochachtung und Begeisterung erzählt sie noch heute von ihrem Mentor Dr. Gerhard Billig, den sie auch zu Ausgrabungen in Wermsdorf begleitete. Er war es, der ihr Mut machte, ihren eigenen Lebensweg zu finden und zu gehen.

Zu ihren Vorbildern zählt auch der Puppenspieler Carl Schröder, den sie in den 80er Jahren kennenlernte. Seine einfache, kreative und herzliche Lebensart wurden zum Bestandteil ihrer Suche nach dem, was sie in ihrem Leben möchte.

1981 löst Ingrid Zeidler die damalige Museumsleiterin der Hoflößnitz Frau Dahms ab und beginnt 1984 ein externes Studium der Museologie in Leipzig.

Zu DDR-Zeiten wurde die Hoflößnitz zum Treffpunkt vieler Künstler. Es war auch eine Zeit, in der sich Familien zu Festen und Spielen in der Anlage treffen. Noch heute schwärmen meine Kinder von der angenehmen Atmosphäre die damals herrschte.

Restaurierungsarbeiten im Schloss, mit gleichzeitiger Ausstellungsarbeit und der Erstellung einer neuen Konzeption zum Weinbau kennzeichnen den damaligen Arbeitsumfang der Museumsleiterin.

Interessante Kontakte zu Gunter Herrmann und seiner Familie, zu Prof. Dr. Magirius, Ralf Kerbach und der Familie Aust sind inspirierend und für ihre Arbeit gewinnbringend.

Bereits vor der Stiftungsgründung 1996 zum Weingutmuseum Hoflößnitz erstellt Ingrid Zeidler eine 1. Konzeption zum ökologischen Weinbau in der Region. Geschäftsführer des neuen Weingutes war Gerhard Roth aus Franken. Klaus Vogel übernahm den Vorsitz der Stiftung und Frau Zeidler bleibt Museumsleiterin.

Die ständige Ausstellung zum historischen Weinbau in Sachsen wird neu überarbeitet. Wichtige Mitarbeiter sind Elisabeth Aust, Mathias Blumhagen und Maik Huth.

Im Jahr 1998 ist das Gesamtkonzept der Hoflößnitz als Stiftung, wirtschaftliches Weingut (GmbH) und Schoppenstube fertig. Sonderausstellungen wie: “350 Jahre Lust und Berghaus” (2000), “Kutte und Kelter- die Zisterzienser und der Wein” (2002), “Weinland Burgung” (2004) und “400 Jahre Terrassenweinbau” (1999) bereichern die Angebote, ebenso die beliebte Kammermusikreihe.

Eine kontinuierliche museumspädagogische Arbeit für Schulen, Kindergärten und Familien gehören zur Museumsarbeit von Anfang an dazu.

2009 wird dann allen Mitarbeitern der Hoflößnitz, bis auf den Hausmeister und der Museumspädagogin, gekündigt und erhalten teilweise eine Entschädigung. Neuer Chef der Stiftung wird Rechtsanwalt Dr. Kramer, neuer Geschäftsführer Herr Hahn.

In der Laudatio zum 70. Geburtstag von Ingrid Zeidler möchte ich nicht auf die Gründe für diese Kündigungen eingehen. Ich kann aber nicht unerwähnt lassen,wie kränkend und auch gesundheitlich schädigend diese Kündigung nach all den Jahren für sie war.

Rudolf Steiner sagte einmal: “Alles im Leben ist Rhythmus und Veränderung und es ist wichtig, dass wir diesen Veränderungen offen zustimmen.” Das hat Ingrid Zeidler längst getan.

Inneren Halt und tiefes Glücksempfinden bedeuten für sie ihre Kinder Eiko, Inka und Sebastian.

Ihren Geburtstag hatte sie in Diesbar-Seußlitz mit Freunden und mit ihrer Familie gefeiert.

Dabei sein wird in ihren Gedanken auch Carl Schröder, dessen Herzenswärme ihr Mut und Kraft gaben.

Danke, liebe Ingrid für deine intensive Arbeit zur Entwicklung der Hoflößnitz und für deine Freundschaft.

Petra Maria Neumann

Eröffnung des Pflegeheims in Klausenburg

Förderverein zur Unterstützung der X. Reformierten Kirchgemeinde Klausenburg/ Rumänien e.V.

Festliche Einweihung
Foto: Förderverein zur Unterstützung der X. Reformierten Kirchgemeinde Klausenburg e.V.


Zur festlichen Einweihung des neuen Altenpflegeheimes am 13. Oktober besuchte eine Gruppe aus Radebeul die Partnergemeinde in Klausenburg. Nach der Grundsteinlegung am 21. Mai 2000 und der Errichtung des Kellergeschosses ruhte der Bau bis zum 6. August 2018.

Viele Sach- und Geldspenden, auch aus Radebeul, wurden gesammelt. So konnten wir Pflegebetten, Matratzen, Rollstühle, einen Geschirrspüler, eine Kaffeemaschine, Kopier- und Computertechnik, bis hin zu einer Kehrmaschine nach Klausenburg transportieren.

Nach dem Festgottesdienst, den der Bischof der reformierten Kirche Bela Kato hielt, ging es hinüber zum Altenheim zur Einweihung. Neben der offiziellen Vertreterin aus Ungarn, Frau Brendus Réka und Vertretern der Sozialämter in Klausenburg, übermittelte der Oberbürgermeister Radebeuls, Bert Wendsche, die Grüße und Glückwünsche der Bürger unserer Stadt.

Neues Pflegeheim in Klausenburg
Foto: Förderverein zur Unterstützung der X. Reformierten Kirchgemeinde Klausenburg e.V.


Die Lutherkirchgemeinde grüßte mit Herrnhuter Adventssternen und der „Förderverein Klausenburg e.V.“ konnte einen Scheck von 20.000€ für zwei Pflegebadewannen überreichen.

Wir erlebten an diesem Tag in vielerlei Hinsicht ein großes dankbares Strahlen. Die Sonne strahlte vom klaren Himmel. Der neue Bau strahlte, aber vor allem die Augen und Herzen der vielen alten Menschen strahlten über die neue Wohnstätte.

Dank an alle Spender in Radebeul und weit über die Stadtgrenzen hinaus. Dank allen, die diesen langen Weg mit ihren Gebeten begleitet haben.

Sabine Wendsche

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