Kulturelle Höhepunkte 2026 (Änderungen vorbehalten)

Januar
18.01. Start „Radebeul 100“
Februar
01.02.-28.02. Sei kreativ
März
01.03-31.03. Radebeul liest
20.03. Internationaler Glückstag
28.03. Whiskyfestival Radebeul
APRIL
01.04. Weltlügentag
Mai
02.05.-03.05. Mt. Everest Treppenmarathon
09.05. Deutscher Sekt Tag auf Schloss Wackerbarth „190 Jahre Bussard-Sekt“
15.05.-17.05. Karl-May-Festtage Radebeul
17.05. Internationaler Museumstag
24.05. Museumsfest in der Hoflößnitz
Juni
01.06. Kindertag in Kötzschenbroda
06.06. Weinblütenfest in der Hoflößnitz
06.06.- 07.06. Radebeuler Kasperiade
13.06.-14.06. Tag des offenen Weinberges der Radebeuler Steillagenwinzer
14.06. Schwarzes-Teich-Singen
20.06. Dorf- und Schulfest „150 Jahre Bahnhof Radebeul-Naundorf“
20.06.-21.06. Kunst geht in Gärten
21.06. Fête de la Musique
August
29.08.-30.08. Tage des offenen Weingutes in Sachsen
September
04.09. Radebeuler Künstlerfest
06.09. Stadtteilfest Niederlößnitz
12.09.-13.09. Federweißerfest Schloss Wackerbarth
13.09. Projektauftakt „20 Jahre Heimatstube Kötzschenbroda“
13.09. Tag des Offenen Denkmals
18.09.- 20.09. Radebeuler Herbst- und Weinfest mit Internat. Wandertheaterfestival
Oktober
03.10.-04.10. Churfürstliches Weinbergfest
November
01.11. Radebeuler Grafikmarkt
07.-08.11. Radebeuler Anglühen
Dezember
1.- 3. Adventswochenende „Lichterglanz & Budenzauber“
12.12.-13.12. Weihnachten für die ganze Familie in der Hoflößnitz
21.12. Internationaler Kurzfilmtag

 

KORRESPONDENZ AUS EINER NACHBARGEMEINDE

Achtung, Sie werden ein Paddelboot brauchen. Zunächst, meinen Text „Wann beginnt Weihnachten“ hatte V&R im Januar 2019 veröffentlicht. Motivation: Ich stand fassungslos vor einem ansonsten lieben Nachbarn, der seinen Weihnachtsbaum gegen Mittag des ersten Weihnachtstages entsorgte. Weihnachten wäre ja nun vorbei. Sprach‘s und schritt zur Tonne.
Wer Weihnachten wirklich länger auskosten möchte, nehme also das Paddelboot, begebe sich elbaufwärts und verpasse bei M?lník nicht den Abzweig in die Moldau, binde es in Prag Nähe der Malostranská fest, lasse das Rudolfinum links liegen und laufe bis zum Altstädter Ring. Dort hat vor wunderbarer Kulisse bis zum 6. Januar 2026 einer der schönsten Weihnachtsmärkte im alten Europa geöffnet. Die liebe DB will zwar wieder alle Verbindungen mit dem Fahrplanwechsel anbieten, in die andere Richtung nach Hamburg bliebe es aber durchwachsen. Also doch Paddelboot elbabwärts…. Bis 11. Januar hält der Loki-Schmidt-Garten seine Christmas-Show bereit. Mit dem Paddelboot ab Heidenau die Müglitz rauf? Ich bin da ratlos und vielleicht kann mir jemand von Erfahrungen berichten. Weil ich dem knappen Anschluss der S1 dort nie traue, kaufe ich mir beim Bäcker in Ruhe eine Käsesemmel, warte und werde bis zum 11. Januar auf Schloss Weesenstein dem „Spuk unterm Tannenbaum“ auf die Schliche gegangen sein. Und nach Mariä Lichtmess hat es schon den halben Weg zum Frühlingspunkt. Eine Kollegin ließ einmal den Tannenbaum und Reste vom Stollen tatsächlich, nun ja, bis Ostern präsent und lud davor noch in den Spreewald zum Paddeln. Ich kam nicht mit, sondern verkroch mich in der Sauna.

Tobias Märksch

 

Felix Meyer – Künstlerporträt

Es ist uns eine große Freude 2026 für unser Heft Felix Meyer gewonnen zu haben! Jenseits von Konzertbesuchen wird er vielen Hörerinnen und Hörern von MDR-Kultur kein Unbekannter sein.
Felix Meyer, geboren am 10. Dezember 1975 in Berlin, feierte im Rahmen der Drucklegung dieser Ausgabe seinen 50. Geburtstag. Er gehört heute zweifelsohne zu den markanten Stimmen der deutschsprachigen Liedermacherszene. Aufgewachsen in Berlin, Bayern und Schleswig-Holstein, suchte er früh seinen eigenen künstlerischen Weg. Bevor er sich der Musik widmete, studierte er Dokumentarfotografie – ein Hintergrund, der seine späteren Texte prägt, denn er denkt in Bildern und verwandelt Beobachtungen in poetische Momentaufnahmen. Der Weg zur professionellen Musik führte ihn nicht durch Akademien oder Wettbewerbe, sondern über Straßen, Plätze und Bahnhöfe Europas. Mehr als fünfzehn Jahre lang zog Meyer mit seiner Band Project Île durch Städte wie Barcelona, Paris oder Dubrovnik und entwickelte dabei jenen unverwechselbaren Stil, der zwischen Chanson, Folk, Straßenmusik und poetischem Erzählen oszilliert.
Sein Durchbruch kam unerwartet: Bei einem Straßenauftritt in Lüneburg wurde der Musikproduzent Peter Hoffmann auf ihn aufmerksam. Zusammen mit dem Hamburger Produzenten Franz Plasa entstand die Idee, Meyers Straßenmusik-Erfahrungen in eigene deutschsprachige Lieder zu übersetzen. 2010 erschien schließlich das Debütalbum „Von Engeln und Schweinen“, eine Mischung aus eigenen Songs und deutschsprachigen Versionen französischer Chansons. Noch im selben Jahr organisierte Meyer ein Straßenmusikfestival in Lüneburg – eine Verneigung vor seinen Wurzeln und der Kultur des freien Musizierens.
Mit dem zweiten Album „Erste Liebe / letzter Tanz“ (2012) erreichte er ein größeres Publikum. Die anschließende Deutschlandtour führte ihn in Clubs und Theater, und das Album wurde mehrfach positiv besprochen. Auch Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten: Noch im selben Jahr erhielt er den Transvocale-Preis im polnischen S?ubice. 2013 folgte „Menschen des 21. Jahrhunderts“, dessen Titel sich auf den berühmten Fotoband von August Sander bezieht – ein Hinweis darauf, wie stark Meyers bildhafte Sprache weiterhin mit seiner fotografischen Vergangenheit verbunden bleibt. Ein weiteres, sehr persönliches Album erschien 2016 unter dem Titel „Fasst euch ein Herz“. Darauf mischte Meyer Folk-, Pop- und Chanson-Elemente mit gesellschaftlichen und privaten Themen und arbeitete erneut eng mit Project Île zusammen. Meyers Musik entzieht sich festen Kategorien. Sie ist geprägt von akustischen Arrangements, von Akkordeon, Gitarre, Geige und dezenten Weltmusik-Einflüssen. Seine Texte stehen stets im Mittelpunkt: Sie erzählen von Sehnsucht, Zugehörigkeit, politischen Stimmungen und den stillen Momenten des Alltags. Mit Projekten wie „Später noch immer“ beweist er weiterhin, dass authentische, handgemachte Musik auch jenseits des Mainstreams ein großes Publikum berühren kann.
Seine hier veröffentlichten Texte sind ein insgeheimer Ausblick auf seine 2026 erscheinende Scheibe Felix Meyer & project île „Paradies“.

Sascha Graedtke

Radebeuler Miniaturen

Darfs ein Viertel mehr sein?

Januar – der Gott des Übergangs, der zwigesichtige Janus, schaut mit seinen Greisenaugen mißmutig zurück ins kahle schwarze Geäst der alten Bäume, während sich in seinem Jungengesicht schon das Wiederergrünen zu spiegeln beginnt.
Indessen schaut die Mittagssonne in leere Gläser. Im Winter kann sie das, im Sommer reicht sie kaum bis zum Tisch. Am Grunde der Karaffe beleuchtet sie nun eine Neige Rotwein.
Darfs noch ein Viertel sein?
Der aufmerksame Kellner bringt die wohlverpackten Reste der Haxe. Wir werden noch ein paar Tage davon zehren können.
Ach ja – ein Viertel noch – da macht Bruchrechnen wieder Spaß…
Schon aber schiebt sich eine schwarze Wolke vor die Sonne – also, so was von Schwarz gibt’s auch nur im Winter. Mit ihr triften die Gedanken ab. Bruch-Rechnungen haben auch ganz andere Seiten:
Im letzten Fünftel des ersten Viertels des einundzwanzigsten Jahrhunderts (also grade eben) wurde alles zertrumpelt und zertrampelt, was an Hoffnung und Zuversicht im letzten Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts gewachsen und in dessen fünftem Fünftel fast zum Blühen gekommen war.
Alles?
Alles!
Wir glaubten uns (und wenn ich „Wir“ sage, meine ich diesmal nichts weniger als die Menschheit als Ganze) schon sehr weit gediehen mit dem Vorhaben, die Clausewitzsche Lüge endgültig zu entlarven: Krieg ist eben nicht die „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“! Krieg ist das Versagen der Politiker auf der Ganzen Linie.
Es war ein schöner Traum, nun aber ist dieser so verhängnisvoll verharmlosende Satz der Generalität wieder oft zitierte „schöne“ Selbstverständlichkeit geworden.
Ja, das damit verbundene Geschehen wird sogar als „Zeitenwende“ apostrophiert, obwohl es doch nichts als ein bedauerlicher Rückfall in die Barbarei ist wobei ich sogar fürchte, den „Barbaren“ damit Unrecht zu tun). Das großartige Friedensprojekt Europa droht zu scheitern; die vereinigten Nationalisten aller Länder aber glauben, gerade das feiern und ihre Groß-Reich-Träume wieder aufleben lassen zu können.
Janus aber hat es dennoch beginnen lassen, das zweite Viertel des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Mit seinem Greisengesicht blickt er zurück auf den Scherbenhaufen der Hoffnungen vieler Jahre. Vielleicht helfen ja seine Tränen wenigstens, das Grundwasserdefizit etwas auszugleichen.
Was sieht aber sein vorausblickendes Junges??
Es sieht, wie der Wind die Wolken auseinandertreibt, es sieht, wie es wieder hell wird im Raum.
Der Kellner schenkt Wein nach. Da lacht nicht nur die Sonne. Susanna schaut fragend zu mir herüber.
Ein Viertelchen noch, sag ich, und dann laß uns das neue Jahr irgendwie beginnen …

Thomas Gerlach, Winter 2025

Wohin mit den Lügen?

Radebeul setzt Museum endgültig vor die Tür

Das Urteil vom Landesgericht scheint eindeutig und war erwartbar: Die Kündigung der Stadtverwaltung sei rechtsmäßig, das Mietobjekt ist herauszugeben. Die Antwort von Herrn Zabka nach der Verkündung des Urteils auf die Frage der ehemaligen Galeristin Karin Baum „Was nun?“ war kurz und bündig: „Jetzt gehen wir nach Hause.“.

Dreizehn Jahre hat nun das Lügenmuseum Asyl im Serkowitzer Gasthof erhalten. Dem gescheiterten Verkauf der städtischen Immobilie im vergangenen Jahr an einen willigen Förderer des Museums folgte postwendend die Kündigung des Mietvertrages durch die Stadtverwaltung. Die Herausgabe des Objekts wurde schließlich von den Zabkas verweigert. Seit dieser Zeit versuchte die Verwaltung dem Problem mit den Gerichten beizukommen. Nun liegt ein vorläufig endgültiges Urteil vor.

Nach Hause? Dieses „Nach-Hause“ existiert nach dem Urteil nicht mehr, hat genaugenommen nie wirklich existiert, weil durch Selbstermächtigung „erworben“. Dieses „Nach Hause“ offenbart aber auch einen ganz anderen Aspekt, der in diesem Urteil explizit nicht enthalten, wenn überhaupt, nur zwischen den Zeilen zu erahnen ist. Es ist das Museum, welches für die Zabkas ihr „Zuhause“, gewissermaßen „ihr Leben“ ist. Es ist untrennbar mit dem Künstlerpaar verbunden. Ihm haben sie bisher ihre ganze Kraft und Engagement gewidmet und es darüber hinaus in den Dienst der Stadtgesellschaft gestellt. Die Stadtverwaltung wiederum hat es vielfältig vermarktet und außer der Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit des Objektes, dafür keinen Cent ausgegeben müssen. Fairerweise mussten die Zabkas nur für die Betriebskosten aufkommen.

Der Oberbürgermeister weiß genau, dass er mit der nun gerichtlich durchsetzbaren Kündigung den Betreibern die Lebensgrundlage entzieht. Es ist eben nicht so, dass man zu jeder Zeit, an jedem beliebigen Ort, die „Museumszelte“ erneut aufschlagen kann, wie der OB Bert Wendsche den Lesern der Mai-Ausgabe des SAX-Magazin bereits 2022 einreden wollte. Seit 15 Monaten bemühen sich nun Dorota und Reinhard Zabka vergebens um ein neues Objekt. Auch ein vorgeschlagener Aufschub der Kündigung für zwei Jahre, um eine sich im ersten Halbjahr 2025 ergebene Chance für die Zabkas nutzen zu können, scheiterte an der Haltung der Stadtverwaltung.

Warum eigentlich? Will man für unbedeutende 310.000 Euro (ca. 0,4% des HH) den Gasthof erneut anbieten, dessen Verkauf schon viermal gescheitert ist? Oder will man vielleicht über diesen Hebel gleich das ganze Problem „Zabka“ loswerden? Braucht man dieses „Museum“ nicht, welches eine der wenigen innovativen Einrichtungen der Stadt überhaupt und in Europa einmalig ist? Oder ist man unwillig, aufeinander zuzugehen und eine vernünftige Lösung im Sinne der Stadt, deren Einwohner und der Entwicklung des Tourismus‘ herbeizuführen?

Dabei bemüht sich gerade die Stadtverwaltung auf einem anderen Gebiet, ihr Image nicht nur für den Tourismus aufzubessern, wie die im vergangenen Monat erfolgte Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Urlaubsort“ belegt. Der Tourismus aber befindet sich nach Aussagen des Oberbürgermeisters gegenwärtig in einer „schwierigen Lage“. Die Übernachtungen sind allein in Radebeul gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent zurückgegangen. Und mit der endgültigen Vertreibung des Lügenmuseums wird die Stadt für die Touristen nicht interessanter. Ob aber künftig das Karl-May-Museum den notwendigen Schub bringt, ist keinesfalls ausgemacht, wo doch bis 2030 laut der Studie des Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus von 2023 im Freistaat ein weiteres Absinken der Besucherzahlen bei Museen zu erwarten ist, wie auch deren finanzielle Absicherung immer schwierige werden wird. Bisher hatte das Lügenmuseum jedes Wochenende sowie in den Schulferien geöffnet. Zahlreiche Helfer standen bei den vielfältigen Projekten im In- und Ausland zur Verfügung. Das Museum, wie schon erwähnt, hat in 13 Jahren keinerlei Kosten verursacht. Ganz im Gegenteil, mit seinen Angeboten liegt es genau in den vom Ministerium in der Museumsstudie aufgezeigten wichtigen künftigen Handlungsfeldern und Perspektiven, wie u.a.: Entwicklung eines breiten Bildungs- und Vermittlungsangebotes, Öffnung für breite Bevölkerungsschichten, Finanzierungssicherheit und eine beständige Weiterentwicklung der Ausstellung.

Man kann nur hoffen, dass die Kontrahenten doch noch zu einer vernünftigen Lösung finden, und dass das neuerliche Kaufangebot für den Gasthof auf eine positive Reaktion seitens der Stadtverwaltung trifft, um die „Kuh vom Eis“ zu bringen und der Stadt mit ihren Bewohnern die Blamage erspart bleibt.
Beim genauen Hinsehen ist das Urteil des Landesgerichts gar nicht mal so übel, weist es doch das Lügenmuseum als ganzheitliches Kunstwerk aus, das – und so sollte man hinzufügen – nicht zerstört werden darf.

Karl Uwe Baum

 

Karikaturenpreis wird in Radeburg vergeben

„Zum achten Mal vergibt die Stadt Radeburg im Januar 2026 zusammen mit der Galerie Komische Meister Dresden den Heinrich Zille-Karikaturenpreis. Mit einem Preisgeld von insgesamt 1.500 EUR dotiert, steht der Wettbewerb diesmal unter dem Motto „Jetzt krachts! Das Leben ist ein Pulverfass“ und wird auch im kommenden Jahr von REWE PETZ sowie dem Ideenwerk Radeburg gesponsort. Eine Fachjury wählt bereits in diesen Tagen den Sieger aus.
Ob Weltkonflikte, Politikreibereien, Familienstreit, Ehekrach, Stress im Job oder unter Nachbarn – die Welt ist in Bombenstimmung, egal, wohin man schaut. Manche reden vom Wetter – aber selbst das steht kurz vor der Explosion. Krachts bald an allen Ecken und Enden? Jeder Tag beginnt mit einem neuen Knall: in den Nachrichten, im Hausflur, auf der Straße, in der Beziehung, im Job, zwischen den Nachbarn… Ein Funke genügt und alles fliegt uns um die Ohren! Die Welt redet vom Krieg und braucht noch mehr Waffen für den Frieden. Daheim reicht der vergessene Abwasch, um das Ehe-Fass zum Überlaufen zu bringen. Katastrophe! Der Nachbar hämmert auch am Sonntag durch. Und auf der Arbeit sind alle auf Hundertachtzig – dabei hat die Woche gerade erst begonnen. Cartoons und Karikaturen zum Thema Krieg oder Frieden, Streit oder Harmonie, Anfeuern oder Ablöschen – im Großen und Ganzen und im Kleinen und Privaten beleuchten das aktuelle Motto in allen Facetten, auf gewohnt satirische, humorvolle, bissige und heitere Weise.“

PR Museum Radeburg

„Am Sonntag, den 11. Januar 2026 wird um 11 Uhr im Ratssaal der Stadt Radeburg feierlich der neue Zillepreisträger geehrt und gleichzeitig die Ausstellung zum Wettbewerb 2026 eröffnet, die eine Auswahl der besten Karikaturen und Cartoons, bestehend aus den über 500 Einreichungen von 60 Künstlerinnen und Künstlern im Museum Radeburg zeigen wird.“

Zur Preisverleihung werden die Jurymitglieder Michaela Ritter (Bürgermeisterin Radeburg), Dr. Peter Ufer und Mario Süßenguth (beide Galerie Komische Meister Dresden), sowie der Leiter des Heinrich-Zille-Museums Robert Rösler anwesend sein.

Wir freuen uns über Ihr Kommen!

Mario Süßenguth und Robert Rösler.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weißes Roß – Geschichten aus der Kindheit – (12/12 Schluss)

Hinweis der Redaktion: Sicher warten viele Leserinnen und Leser bereits auf die Fortsetzung unserer 12-teiligen Serie. Über ein Dreivierteljahr gelang uns die Veröffentlichung passend zu jedem Monat. Aus redaktionellen Gründen war es uns in den letzten Monaten aber leider nicht möglich. Hiermit endet unsere Serie.

Der Juli

Dieser Monat war geprägt von Muttels Geburtstag am 28. Juli. Vaterns Geburtstag habe ich nicht so in Erinnerung, er konnte ja von 1939 bis 1948 nicht bei uns sein. Aber Muttels Geburtstag war ein großer Tag. Alle Angestellten feierten die Chefin und wir bastelten und malten, was das Zeug hielt. Bei schönem Wetter wurde die Kaffeetafel im Grasgarten vor der Laube gedeckt, für uns Kinder auch etwas Besonderes. Einmal war auch die Dresdner Oma, begleitet von Tante Rosel mit dabei. Die Dresdner Oma verloren wir aber auch bald.
Im Juli fuhr Tante Emma mit uns für einige Wochen nach Oberbärenburg, ein Kinderparadies, zu dem es mich immer wieder hinzieht. An der Stelle, wo am Waldrand die Bank stand, auf der wir abends gerne saßen, steht jetzt der schöne Aussichtsturm, der einem Göpel aus dem Bergwerk nachempfunden wurde. Bei sehr klarem Wetter überblickt man das Elbtal von Meißen bis in die Sächsisch-Böhmische Schweiz. Als wir einmal auf der Bank saßen, sprach Tante Emma die unvergänglichen Worte: „Alles, alles ist vergänglich, nur der Kuhschwanz, der bleibt länglich.“ Doch hatten wir als Kinder noch keinen Begriff von der Zeit. Jeder Tag war lang, von morgens bis zum Abend. Das ist das Schöne und Einmalige an der Kindheit.
Neben der Pension Elise der beiden lieben Fräulein Spahn, wo wir unser Zimmerchen unterm Dach hatten, wohnte Tante Emma und Omas Schwester, die Tante Liesel, die ich auch sehr lieb hatte. Jeden Morgen musste ich zu ihr hinübergehen zum Haarkämmen. Tante Emma wurde mit meinem Schopf und den langen Zöpfen nicht fertig.

Auto der Familie Stiller, Foto: Archiv C. Grün

Obwohl Oberbärenburg inmitten seines Waldgürtels recht geschützt liegt, war doch einmal ein sehr heftiger Sturm, der mich auf dem Weg zu Tante Liesel voll erfasste und mich Dürrling ein Stückchen aushob. Zu Tode erschrocken rannte ich zu Tante Liesel, denn in mir lebte die Vorstellung vom fliegenden Robert im Struwwelpeter. Vom Winde davongetragen, wohin auch immer, getrennt von den Meinen ud hauptsächlich von Muttel, etwas Schlimmeres konnte es nicht geben. Aber Gottlob habe ich Oberbärenburg hauptsächlich bei Sonnenschein, der auf den bunten Gebirgswiesen lag, in Erinnerung. Für Wolfgang war die reine Gebirgsluft besonders dienlich, denn er hatte durch unsere dicke Elbluft asthmatische Beschwerden. Am Beginn unseres Aufenthaltes wurden wir gewogen und wir hatten bei der Heimreise immer zugenommen. Der Luftwechsel tat uns Kindern gut. Auch in Oberbärenburg waren wir immer beschäftigt und ließen Tante Emma in Ruhe. Vor allem bauten wir gerne Waldgärten. Material gab es ringsum genug. Fichtenzapfen, Borkenrinde, herrlich grünes Moos, Ästchen aller Art und helle Kieselsteine. Von Menschenhand wurde nichts davon zerstört, wir behoben im nächsten Jahr lediglich die Winterschäden.
Einmal brachte uns Vater mir dem Auto nach Oberbärenburg und wir aßen unterwegs an der Talsperre Malter zu Mittag. Das Mittagessen beeindruckte mich sehr, ich bekam ein kleines Schnitzel mit Spaghetti. Diese Zusammenstellung kannte ich nicht. Zu Hause gab es zu Schnitzel Rotkraut oder Gemüse mit Kartoffeln. Mit Spaghetti schmeckt es mir auch heute noch gut.
Mein Geburtstag fiel auch in den Juli und es waren noch richtige Geburtstage mit allen Nachbarskindern. Wir spielten „Bäumchen, Bäumchen wechsle dich“, denn der Grasgarten stand ja voller Obstbäume. Und dann „Wer will die goldene Brücke bau’n“. Dazu fassten sich gegenüberstehend zwei größere Kinder an den Händen und bildeten die Brücke. Die anderen bildeten eine Reihe und zogen unter Gesang „´wer will die goldene Brücke bau´n, wer hat sie denn zerbrochen…“ und: „der Letzte soll gefangen sein mit Spießen und mit Stangen“ hindurch. Das Kind, das zwischen die zwei Großen geraten war, wurde von ihnen mit den Armen umschlossen und musste sich dann hinten anstellen.
Den Schluss bildete dann Tauziehen, bis die Großen losließen und alles ins Gras purzelte.
Geturnt wurde auch viel, Purzelbäume vor- und rückwärts, Radschlagen und Handstand. Wolfs Hansel wurde sehr bewundert, denn er brachte einen perfekten Kopfstand zuwege.
Auf dem Geburtstagstisch stand der bunte Holzkranz mit den Geburtstagslichtern, jedes Jahr eines mehr, in der Mitte das große Lebenslicht. Tante Rosel erfüllte mir auch immer meine Wünsche. Einmal war es zum Beispiel ein langersehntes silbernes Armbändchen mit Glücksanhängern. Zum anderen Male ging mein Lieblingswunsch – und ich glaube, auch der von Wolfgang – nach einem Gartenzwerg in Erfüllung. Von Gartenzwergen wollte Muttel absolut nichts wissen. Für sie waren die Zwerge schlicht und einfach Kitsch. Tante Rosel hatte sie aber doch herumgekriegt, denn an einem Geburtstag – ich weiß nicht mehr an welchem – brachte sie zu unserem Entzücken drei Gartenzwerge mit. Ich weiß nur noch genau, dass Juttel ihrer auf einer Schnecke mit Haus thronte. Die beiden anderen waren glaube ich mit Spaten und Gießkanne bewaffnet.
So ähnlich spielte sich jeder Juli in meiner Kindheit ab.

Christa Stenzel/ Christian Grün

 

In Radeburg „einen Glöckner“ gefunden!

Foto: D. Lohse

Alle dürften die bekannte Kleinstadt Radeburg kennen, etwa 15 km nördlich von Radebeul, bekannt als Geburtsstadt von Heinrich Zille, in Berlin später Pinselheinrich genannt, Endstation der Lößnitzgrundbahn und hatte bis vor kurzem noch ein Flachglaswerk. Aber ein Künstler Glöckner, eher nicht.
Zwei Artikel in der Tageszeitung SZ aus dem Oktober 2025 brachten mich in die Spur, im Verbreitungsgebiet der Vorschau in Radeburg nach einer Sgrafittoarbeit von Hermann Glöckner zu suchen. Die beiden Artikel, das alte Rathaus in Radeburg betreffend, hatten jeweils

Foto: D. Lohse

verschiedene Aspekte dazu. Der erste schilderte den baulichen Zustand des Denkmals am für eine Kleinstadt recht großen Marktplatz. Die Verwaltung ist längst in einen anderen, geeigneteren Bau unweit des Marktes umgezogen. Durch Leerstand war dann am alten Rathaus ein katastrophaler Zustand eingetreten, der Turm abgenommen, der Ratskeller längst geschlossen und ein zuletzt da betriebener Laden verwaist. Die schwache Hoffnung, dass es in nächster Zeit eine Verbesserung geben könnte, klang sehr zaghaft. Aber auf einem Foto in der SZ war auf der Längsseite des Gebäudes der Schriftzug „Zum Ratskeller“ im Putz noch zu erkennen, das interessierte mich. Die Art der Schrift und die gewählten Schrifttypen hatte ich ähnlich in Radebeul schon gesehen und dachte sofort an Glöckner, war mir aber nicht ganz sicher. Der zweite Artikel, ein paar Tage später, berichtete über die alte Glocke von 1581, die G. Biener aus Dresden gegossen hatte, die derzeit im Landesamt für Denkmalpflege in Dresden gereinigt und in Stand gesetzt wird und später nach Radeburg in den Turm zurückkehren soll. Voraussetzung ist natürlich als erster Schritt eine Sanierung des Rathauses, dann erst könnte der zweite Schritt, die Rückkehr von Turm und Glocke erfolgen. Diese Glocke ist älter als das Rathaus, vielleicht hatte sie vorher zu einer Kirche gehört. Solche Glockenübertragungen gab es im Laufe der Geschichte gelegentlich.
Ich aber war neugierig auf den Schriftzug am Rathaus, kann man ihn nun Glöckner zuordnen oder nicht. Das sollte man am besten vor Ort überprüfen, also fuhr ich an einem schönen Herbstnachmittag zusammen mit meiner Frau nach Radeburg. Hier bestätigte sich nun meine Vermutung: solche in der Art schwungvolle Buchstaben hatte Glöckner in der Zeit von den 30er bis in die 60er Jahre des 20. Jh. auch andernorts, z.B. Radebeul, verwendet. Die Farbe der vertieften Putzschrift, ein Umbra-Braun, ist auch typisch für Glöckner. Das Wetter an dem Tage ließ ein paar Fotos zu. Der Schriftzug befindet sich jedoch nicht an der zum Markt gerichteten Fassade, sondern an der Längsseite des Rathauses in einer Gasse. Die Zeit war so weit fortgeschritten, dass wir beschlossen, am Markt in einer Bäckerei Kaffee und Kuchen zu uns zu nehmen, durchaus zu empfehlen.

Foto: D. Lohse

Wieder daheim, suchte ich die fast vollständige Übersicht von Herrn Dittrich aus den 80er Jahren zu den Sgrafittis von Glöckner heraus und fand da, dass die Glöckners (seine Frau war immer mit dabei) diese Schrift in Radeburg vom 26. Oktober bis zum 2. November 1949 ausgeführt hatten. Da muss es noch frostfrei gewesen sein, denn diese Putztechnik wird „nass-in-nass“ hergestellt. Das im Text erwähnte Radeburger Wappen von Glöckner gibt es auch noch, es befindet sich aber ein paar Schritte vom Schriftzug entfernt an der gleichen Wand über einer Toreinfahrt. Es ist in schlechterem Zustand als die Schrift. Bei der angestrebten Ertüchtigung des Rathauses sollte die Erhaltung von Schrift und Wappen geboten sein. Auch in dem Fall, dass der Ratskeller vielleicht nicht mehr bewirtschaftet werden könnte.

Foto: D. Lohse

Hermann Glöckner (1889-1987) war ein Dresdner Künstler der Moderne, der aber in zwei politischen Systemen vor und nach dem Kriege ausgegrenzt war und nicht von seiner Kunst hätte leben können. Seine Gemälde, Faltungen und Plastiken wurden erst in der späten DDR ausgestellt und anerkannt. In gut der Hälfte seines langen Lebens fand er mit seinen Sgrafitti ein Arbeitsgebiet zwischen Kunst und Handwerk, von dem er und seine Frau halbwegs leben konnten. Ob sich Glöckner hier, wie auch andernorts geschehen, einen Teil seines Lohnes in Naturalien (Essen u. Trinken) auszahlen ließ, ist nicht bekannt aber gut denkbar, wenn man an das Entstehungsjahr 1949 denkt. Die Sgrafitti dienten als Geschäftswerbung, Information oder auch Schmuck einer Fassade, werden aber leider über die Jahre immer weniger. Deshalb wünsche ich mir von den Verantwortlichen in Radeburg die Erhaltung von Schrift und Wappen möglichst als Original am alten Rathaus.

Dietrich Lohse

 

 

 

 

 

Adventschmuck

Foto: S. Graedtke

Von einer Leserin erhielten wir ein ganz besonderes Geschenk zum Advent!
Aus alten „Vorschau-Heften“ bastelte sie aus den ausgeschnittenen Blättern und mit Faden verbunden einen Weihnachtskalender mit 24 Sternen. Jeder Stern wurde zudem noch liebevoll bemalt und mit grafischen Strukturen versehen.
Die phantasievolle Umwidmung unseres Heftes in diese Form können wir nur so deuten: Wie himmlisch die „Vorschau“ ist! – Herzlichen Dank!

Einladung zu einer Tasse Jasmintee

„Treten Sie ein,
legen Sie Ihre Traurigkeit ab,
hier dürfen Sie schweigen.“
Dieses Reiner-Kunze-Gedicht aus Heft 11/1968 des Poesiealbums hing früher oft an Wohnungstüren – mit Notizblock und Bleistift am Faden, um in dieser telefonarmen Zeit ein Zeichen geben zu können.
1968 ging ich in die POS. Vor der Schule gab es Tee oder Kakao, letzterer inklusive dieser legendär widerlichen Milchhaut. Milchtrinker war ich keiner – vermutlich eine frühe Form von Lackdose-Intoleranz, bin dann auch nicht Autolackierer geworden. Abends Tee oder eine Limo aus Verdünnungssirup, hergestellt aus abgeraspelter Apfelsinenschale, Zucker und Zitronensäure. Obwohl niemand ständig mit Thermobecher herumlief, sind wir nicht reihenweise vertrocknet vom Hocker geklappt. Heute wird selbst im Standesamt erst mal die persönliche Wasserflasche auf den Tisch gestellt. Wann fing das an?
Aber zurück zum eigentlichen Tee-ma. Tee – neben getrockneten Blüten oder fermentiertem Blattwuchs kommt auch durchaus Überraschendes in die Kanne – sibirischen Schamanen brühen als „Reisevorbereitung“ gerne ein paar Fliegenpilze auf und sind danach oft tagelang im Tee.
Den klassischen Tee entdeckte Kaiser Shen Nung 2737 v. Chr., als er mit einer Tasse heißem Wasser durch seinen Garten schlenderte und ihm ein Blatt hineinfiel. Die größten Kulturleistungen entstehen oft durch unerwartete Zufälle. 1904 füllte der Amerikaner Thomas Sullivan seine Teeproben in kleine Stoffbeutel, um keine teuren Blechdosen verwenden zu müssen. Seine Kunden warfen die kleinen Beutel ins heiße Wasser, im Glauben, dass dies so von Sullivan vorgesehen sei. Der heute übliche Teebeutel wurde erst später von Adolf Rambold, Mitarbeiter bei Teekanne Radebeul erfunden.
Tee ist eines der wenigen Getränke, für das Menschen ihr Leben riskierten. Die Kaiser Chinas schützten ihr lukratives Monopol durch harte Strafen. Mitte des 19. Jahrhunderts beauftragte die British East India Company dann den schottischen Botaniker Robert Fortune mit dem Diebstahl des chinesischen Teegeheimnisses. Fortune verkleidete sich als chinesischer Mandarin – mit Zopf und traditioneller Kleidung. Man könnte sagen: Fortune hatte Fortune. Aber es war neben Glück auch die erstaunliche Dreistigkeit eines Mannes, der sich dachte: „Vielleicht merkt ja niemand, dass ich 20.000 Teepflanzen mitnehme.“ Seine Industriespionage war erfolgreich. Das Tee-Monopol Chinas zerfiel – eine der folgenreichsten wirtschaftlichen Verschiebungen des 19. Jahrhunderts.
Auch die amerikanische Unabhängigkeit hat mit Tee und Verkleidung zu tun – die berühmte Boston Tea Party 1773 war im Grunde nichts anderes als ein massives „Ihr könnt euch euren Zoll-Deal sonstwohin stecken“ – in Form von 342 Kisten Tee, die man mit dramatischem Gestus (und als Indianer verkleidet) ins Hafenbecken warf. Nüchterner betrachtet war es eine sehr, sehr teure Schale erster Aufguss, symbolisch serviert an König George III.
Bei uns trank man sich durch die frühen Jahrhunderte eher in stiller Tradition des Kloster- und Hauskräutertees. Huflattich, Melisse, Salbei – beruhigende Getränke, die mit sanftem Aroma sagten: „Beruhige dich. Leg die Mistgabel weg. Geh wieder nach Hause.“
Passende Mischungen gestatteten es aber auch, mit einer feschen Hildegard mal eine Nacht durchzubingen.
Die industrielle Teekultur erreichte unsere Region dann im 19. Jahrhundert.
In Radebeul nahm sie ihren Anfang durch zwei prägende Unternehmer. 1881 gründete Otto E. Weber seine Firma, die chinesischen Tee sowie „Carlsbader Kaffeegewürz“ vertrieb. 1882 entstand an der Meißner Straße die Firma R. Seelig & Hille, zunächst mit einem Laden für „Japan- und Chinawaren sowie Thee“. Die Firma sicherte sich eins der ältesten deutschen Warenzeichen „Theekanne“ – die zeitgenössische Schreibweise mit „h“, wie sie damals noch üblich war. (Damals wurde in Zeitungen nach Zeilen bezahlt. Also verlängerte man, wo es nur ging: Thee, Thräne, Thal, Thor – jedes Füll-h klingelte in der Kasse. Heute veredeln wir unsere Texte, indem wir coole english words in unsere Sätze mixen, die unsere corporate wording vibes total upliften. Oder so.)
Jedenfalls, in dieser Epoche war Tee weit mehr als nur ein Getränk. Es war ein gesellschaftlicher Moment, den man mit feinem Porzellan, gedämpfter Stimme und der Feierlichkeit einer gepflegten Pause zelebrierte. Nicht nur 17.00 Uhr im britischen Empire, sondern auch in der Lößnitz.
Otto E. Weber verkörperte diesen kultivierten Umgang mit dem Tee besonders eindrucksvoll: 1889 ließ er durch den renommierten Architekten Carl Käfer eine prächtige Villa errichten (siehe V&R 3/2000). Weil Weber regelmäßig Teegesellschaften in diesem Anwesen veranstaltete, gab ihm die Radebeuler Bevölkerung einen prägnanten Namen: das Teehaus.
Diese beiden Unternehmungen – Webers Importgeschäft und die zukunftsweisende Marke Theekanne – legten den Grundstein für Radebeuls Ruf als Standort der deutschen Teekultur. Nach 1945 änderte sich auch hier alles. Der Betrieb wurde enteignet, der Name wanderte westwärts, die Belegschaft blieb größtenteils – und so entstand auf dem Gelände der Otto E. Weber GmbH in Radebeul später der VEB Kaffee und Tee. In den 1960er Jahren holten Radebeuler dort gerne die sperrhölzernen Teekisten ab – begehrt nicht nur als Bastelmaterial. Außen mit exotischen Herkunftsbezeichnungen bedruckt, konnte man mit den Kisten auch ein Stückchen von der unerreichbaren weiten Welt nach Hause tragen. (siehe V&R 5/2024).
Heute werden an der Meißner Straße jährlich über 1,7 Milliarden Doppelkammerbeutel hergestellt – genug, um sechsmal den Weg von Radebeul bis nach Shanghai zu pflastern, aber wer macht schon sowas.
Das Geheimnis des Tees ist nicht nur der Geschmack. Es sind die paar Minuten, in denen nichts passiert. Es geht es um souveräne Haltung und Zeit als Zutat, Gegenpol zur Welt, die immer „sofort“ schreit.
Radebeul ist nicht nur ein Ort des Weingenusses, sondern auch des Tees. Die Stadt hat dieses leicht geneigte Gefälle in Richtung Gelassenheit. Tee ist eine kleine Schule des Lebens. Er zeigt, dass große Dinge aus Ruhe entstehen. Tee bedeutet im Grunde immer dasselbe:
Nimm dir Zeit. Schließe einen Moment die Augen. Sei einfach da. Jetzt darfst du schweigen.
(Bis hierhin erstmal, ich gehe mir nur kurz ein Bier aufmachen…)

Volker Rönsch

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