Eine Weihnachtsgeschichte

Er zaubert mir immer noch ein Lächeln ins Gesicht

Nachdem wir einige Jahre in Radebeul Urlaub gemacht hatten, haben wir uns 2023 entschlossen, hierher zu ziehen. Hier fand ich, was ich mir wünschte: Natur, Kultur und Architektur! Ich bin viel spazieren gegangen und habe in Radebeul-Ost in der Hauptstraße auch die Fenster mit den schönen Sprüchen gelesen: „Jedes Lächeln, das du aussendest, kehrt doppelt zu dir zurück.“ Ich war begeistert, und es passte so gut zu der folgenden Geschichte, die ich wirklich erlebt habe:
Morgens trinke ich, Rentnerin (84), gerne meinen Kaffee vor dem Fernseher oder lese die Zeitung. Die Nachrichten machen mich traurig! Immer gehen die Menschen aufeinander los, schlagen, bestehlen sich, morden. Empfinden die Menschen nur Hass, Wut und Gewalt? Nein, es geht auch anders!
Ich schaue auf meinen Schrank – dort steht ein Glas mit einem kleinen Bergkristall. Ich lächle, fühle mich wieder gut und erinnere mich.
2017 habe ich meinen Urlaub wie schon oft in Italien verbracht, kleine Städtchen, Kirchen, Burgen und die Natur genossen und war auch ein paar Tage in Siena. Um zu meinem Hotel zu kommen, habe ich auch am letzten Tag den Bus genommen. Ich hatte einen wunderschönen Tag, ich war glücklich. Dann im Bus, etwa zwei Meter vor mir, sah ich ihn: einen jungen Mann, um die 30, in einem Leinenanzug, Strohhut, den Schal ganz locker über der Schulter, einen Rucksack, blonde Locken, wunderschöne blaue Augen – und ein strahlendes Lächeln. Er strahlte mich an, ich ihn.
Wir haben kein Wort gesprochen, nur uns angelächelt, nur ein „Dich finde ich nett, welch ein schöner Tag“ – ohne Worte! Dann kniete er sich hin, suchte etwas in seinem Rucksack. Wieder ein Lächeln.
Der Bus hielt am Bahnhof. Er musste aussteigen, machte zwei Schritte auf mich zu und reichte mir mit diesem so lieben Lächeln einen winzigen Bergkristall – und stieg aus. Außer meinem erstaunten „Oh“ kein Wort.
Ich weiß nicht, wer er war, woher er kam, ob er Engländer, Däne, Italiener, Deutscher oder, oder war. Er war ein Mensch, der einer Fremden eine Freude machen wollte, der einfach nur nett sein wollte.
Ich denke oft an ihn – mit einem glücklichen Lächeln und der Gewissheit: Es gibt nicht nur Hass. Auch nicht unter Fremden.

Ursula Bauert

Ein guter Platz

Matthias Kratschmer vorgestellt

Der Grafikdesigner Matthias Kratschmer ist ein angenehm zurückhaltender Mensch. Seine „Produkte“ hingegen sind im Radebeuler Stadtraum kaum zu übersehen. Die Plakathalter am Straßenrand mit dem werbenden Spruch „Ein guter Platz“ werden nicht nur von den Autofahrern mehr oder weniger bewusst wahrgenommen. Die Absicht hinter der städtischen Aktion ist unschwer zu erkennen. Dem wilden Plakatieren wollte man eine praktikable Alternative entgegensetzen.

Foto: D. Flechtner

Wer die Lößnitzstadt fußläufig erkundet, wird an verschiedenen Objekten quadratische Plaketten in den Farben des Radebeuler Stadtwappens, weiß-rot-grün, bemerken. Das Motiv erinnert an strukturierte Weinterrassen, wohl auch in Anspielung auf Karl Kröners Essay „Die Lößnitz-Gestalt und Wirkung einer Landschaft“. Wer diese Plakette erhält, gehört zu den Favoriten der Radebeuler Bauherrenpreisverleihung. Auch die Piktogramme mit der stilisierten Weintraube zur Kennzeichnung der Radebeuler Wein-Wanderweg-Routen wurden von Matthias Kratschmer gestaltet. Was so klar und schlüssig wirkt, ist das Ergebnis eines sorgfältigen Entwicklungsprozesses.
In enger Zusammenarbeit mit der Landschaftsarchitektin Katrin Rudloff entstand aus einer Gestaltungsidee für den Kreisverkehr an der Stadtgrenze zwischen Radebeul und Coswig ein markanter Blickfang. Wo hingegen die Städtepartnerschaftsbänke im Rathausareal vermutlich nur wenigen Menschen aufgefallen sein werden. Ihr Schöpfer selbst bezeichnete sie als DatenBänke. Was auch immer er damit gemeint haben mag
Einige Lebensstationen des Radebeuler Grafikdesigners Matthias Kratschmer sollten hier Erwähnung finden. Geboren wurde er 1952 in Gera. Mit der Familie zog er 1963 nach Radebeul, besuchte zunächst die „Gelbe Schule“ (heute OS Kötzschenbroda), später die „Uhrschule“ (heute GS Kötzschenbroda). Das Bootshaus befand sich in unmittelbarer Nähe und der 11-jährige Schüler entdeckte für sich den Rudersport, welchen er bis heute betreibt. In der Gruppe der über 70-jährigen (1000-Meter-Strecke) wurde er 2024 Deutscher Meister im Einer-Rudern und 2025 Europameister im Doppel-Vierer. Dass er die Broschüre zum 100-jährigen Bestehen des Bootshauses gestaltete, scheint nahezu folgerichtig.

Foto: M. Kratschmer

Später erlernte er den Beruf eines Maschinenschlossers, studierte an der TU Dresden Maschinenbau, arbeitete im Kraftwerksanlagenbau in der Bau- und Montagetechnologie und als Laboringenieur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 1982 bis 1987 absolvierte er ein Fernstudium für Produktgestaltung (heute Industriedesign) in Halle an der Burg Giebichenstein. Danach war er bis zu dessen Auflösung als Formgestalter am Institut für Luft- und Kältetechnik tätig. Schließlich wagte er im Jahr 1992, nicht ganz freiwillig, den Schritt in die Selbständigkeit. Seit 1995 ist er Partner im Büro H-Design. Das H steht für den Firmengründer Wolfgang Hartig. Arbeitsschwerpunkte sind Produktentwicklung, Industrie- und Grafikdesign. Die Referenzliste ist lang. Zur Ausstellung “Nützliche Ästhetik“ präsentierten sich im Jahr 2002 beide Designer mit Beispielen ihrer Produktpalette in der Radebeuler Stadtgalerie.
Besonders mit der Kultur- und Werbegilde Altkötzschenbroda entwickelte sich ab 2000 eine fruchtbare Zusammenarbeit. Zahlreiche Informations- und Werbeerzeugnisse, die danach für verschiedene Vereine und Institutionen entstanden sind, tragen Matthias Kratschmers Handschrift. Alle einzeln aufzuführen, würde jedoch diesen Beitrag sprengen.
Mit zwölf Titelbildern wird uns der Grafikdesigner durch das Jahr 2026 begleiten. Die erläuternden Texte hierzu schreibt er selbst und gewährt einen differenzierten Einblick in das Metier seiner Zunft.
Zum Zeichnen ist Matthias Kratschmer verstärkt in der Coronapandemie gekommen. So begann er am 11. März 2020 mit einem grafischen Tagebuch, welches er bis heute führt. Gespiegelt werden Eindrücke und Befindlichkeiten des jeweiligen Tages. Das fertige Werk stellt er abends in seinen Status bei Whats App. Seitdem sind weit über 700, zum Teil colorierte Zeichnungen entstanden, in der Regel Unikate, die von ihm mitunter digitalisiert und weiterbearbeitet werden.
Seine grafischen Blätter sind keine gegenständlichen Abbilder. Linien und Strukturen fügen sich zu seltsamen Gebilden. Die bemerkenswerte Akkuratesse in der Ausführung erfordert Konzentration und eine ruhige Hand. Florale und konstruktive Elemente scheinen auf surreale Weise zu verschmelzen. Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, ist ein umfangreiches Werk an freien grafischen Arbeiten entstanden, die den Designer nicht verleugnen.
Eine vielseitige Werkauswahl zeigte er 2024 zum Thema „Struktur und Farbe“ in einer Zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis. Bereits 2025 folgte eine weitere Personalausstellung in der Lößnitzbar unter dem Motto „Meine grafischen Tagebücher von 2021–2025“. Mehrfach beteiligte er sich an den Themenorientierten Sommerprojekten der Stadtgalerie und den Gemeinschaftsaktionen „Kunst geht in Gärten“. In diesem Zusammenhang, sind auch seine ersten plastischen Kunstobjekte entstanden.

Übrigens hat sich auch für Matthias Kratschmer „ein guter Platz“ gefunden. Die Lößnitzstadt wurde für ihn zum anregenden Lebensmittelpunkt, was nicht zuletzt in seinem künstlerischen Schaffen zum Ausdruck kommt.

Karin (Gerhardt) Baum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Editorial 01-26

Liebe Leserinnen und Leser,
Zwölf Tage und Nächte sind es vom Christfest am 25. Dezember bis zum Fest der Erscheinung am 6. Januar. Genau in der Mitte dieser Zeit schreiben wir – sofern wir der christlichen Tradition folgen – ein neues Jahr, 2026 mittlerweile nach Christi Geburt. Beginnen wird alles mit der Heiligen Nacht. Der Nacht, in der arme Hirten ihren Wert und ihre Würde fühlen und große Könige ihre Demut. Der Nacht, in der die Liebe zur Welt kommt und mit ihr der Frieden, gegen den Augenschein und vor allem gegen die so augenscheinliche Finsternis. In der langen Dunkelheit gerade dieser Nacht wird das Licht geboren. Wir selbst können neu das Licht der Welt erblicken, wenn wir in die Augen unserer Lieben schauen oder wenn wir in den Kirchen als Menschen zusammenstehen und singen, was sich niemand von uns ausdenken könnte: „Welt ging verloren, Christus wird geboren“.
Es sind die sanften Kräfte, die sich durchsetzen werden. Darauf liegt Segen, auf der schlichten Menschlichkeit, auf dem kleinen Kind, auf dem Mann und der Frau an der armseligen Krippe und bald schon auf der Flucht. Es liegt kein Segen auf dem Gebrüll, auf nationalistischen Parolen, auf der Abwertung oder Ausgrenzung anderer Menschen, auf der Gewalt nicht und nicht auf der zwanghaften Selbstdurchsetzung bis hin zum Krieg. Damit kann man kurzfristige Vorteile erzielen oder sich selber stark fühlen, aber niemals wird Segen darauf liegen.
Wenn uns der Grund des Lebens aus den Augen eines Neugeborenen anschaut, bittet er um ein neues Menschsein. Da braucht es nicht viele Dinge. Nur einfache, offene Herzen für das, was Gott uns damit gesagt hat. Ich rate gern dazu, sich nicht allzu sehr mit Äußerlichkeiten davon abzulenken. Denn nichts anderes kann uns Menschen retten.
Ich wünsche Ihnen, was immer Sie persönlich glauben, Gottes Segen für diese Tage und für das kommende Jahr!

Christof Heinze, Pfarrer der Lutherkirchgemeinde Radebeul im Kirchspiel in der Lößnitz

Weißes Roß – Geschichten aus der Kindheit – (12/12 Schluss)

Der Juli

Dieser Monat war geprägt von Muttels Geburtstag am 28. Juli. Vaterns Geburtstag habe ich nicht so in Erinnerung, er konnte ja von 1939 bis 1948 nicht bei uns sein. Aber Muttels Geburtstag war ein großer Tag. Alle Angestellten feierten die Chefin und wir bastelten und malten, was das Zeug hielt. Bei schönem Wetter wurde die Kaffeetafel im Grasgarten vor der Laube gedeckt, für uns Kinder auch etwas Besonderes. Einmal war auch die Dresdner Oma, begleitet von Tante Rosel mit dabei. Die Dresdner Oma verloren wir aber auch bald.

Im Juli fuhr Tante Emma mit uns für einige Wochen nach Oberbärenburg, ein Kinderparadies, zu dem es mich immer wieder hinzieht. An der Stelle, wo am Waldrand die Bank stand, auf der wir abends gerne saßen, steht jetzt der schöne Aussichtsturm, der einem Göpel aus dem Bergwerk nachempfunden wurde. Bei sehr klarem Wetter überblickt man das Elbtal von Meißen bis in die Sächsisch-Böhmische Schweiz. Als wir einmal auf der Bank saßen, sprach Tante Emma die unvergänglichen Worte: „Alles, alles ist vergänglich, nur der Kuhschwanz, der bleibt länglich.“ Doch hatten wir als Kinder noch keinen Begriff von der Zeit. Jeder Tag war lang, von morgens bis zum Abend. Das ist das Schöne und Einmalige an der Kindheit.

Neben der Pension Elise der beiden lieben Fräulein Spahn, wo wir unser Zimmerchen unterm Dach hatten, wohnte Tante Emma und Omas Schwester, die Tante Liesel, die ich auch sehr lieb hatte. Jeden Morgen musste ich zu ihr hinübergehen zum Haarkämmen. Tante Emma wurde mit meinem Schopf und den langen Zöpfen nicht fertig.

Obwohl Oberbärenburg inmitten seines Waldgürtels recht geschützt liegt, war doch einmal ein sehr heftiger Sturm, der mich auf dem Weg zu Tante Liesel voll erfasste und mich Dürrling ein Stückchen aushob. Zu Tode erschrocken rannte ich zu Tante Liesel, denn in mir lebte die Vorstellung vom fliegenden Robert im Struwwelpeter. Vom Winde davongetragen, wohin auch immer, getrennt von den Meinen ud hauptsächlich von Muttel, etwas Schlimmeres konnte es nicht geben. Aber Gottlob habe ich Oberbärenburg hauptsächlich bei Sonnenschein, der auf den bunten Gebirgswiesen lag, in Erinnerung. Für Wolfgang war die reine Gebirgsluft besonders dienlich, denn er hatte durch unsere dicke Elbluft asthmatische Beschwerden. Am Beginn unseres Aufenthaltes wurden wir gewogen und wir hatten bei der Heimreise immer zugenommen. Der Luftwechsel tat uns Kindern gut. Auch in Oberbärenburg waren wir immer beschäftigt und ließen Tante Emma in Ruhe. Vor allem bauten wir gerne Waldgärten. Material gab es ringsum genug. Fichtenzapfen, Borkenrinde, herrlich grünes Moos, Ästchen aller Art und helle Kieselsteine. Von Menschenhand wurde nichts davon zerstört, wir behoben im nächsten Jahr lediglich die Winterschäden.

Einmal brachte uns Vater mir dem Auto nach Oberbärenburg und wir aßen unterwegs an der Talsperre Malter zu Mittag. Das Mittagessen beeindruckte mich sehr, ich bekam ein kleines Schnitzel mit Spaghetti. Diese Zusammenstellung kannte ich nicht. Zu Hause gab es zu Schnitzel Rotkraut oder Gemüse mit Kartoffeln. Mit Spaghetti schmeckt es mir auch heute noch gut.

Mein Geburtstag fiel auch in den Juli und es waren noch richtige Geburtstage mit allen Nachbarskindern. Wir spielten „Bäumchen, Bäumchen wechsle dich“, denn der Grasgarten stand ja voller Obstbäume. Und dann „Wer will die goldene Brücke bau’n“. Dazu fassten sich gegenüberstehend zwei größere Kinder an den Händen und bildeten die Brücke. Die anderen bildeten eine Reihe und zogen unter Gesang „´wer will die goldene Brücke bau´n, wer hat sie denn zerbrochen…“ und: „der Letzte soll gefangen sein mit Spießen und mit Stangen“ hindurch. Das Kind, das zwischen die zwei Großen geraten war, wurde von ihnen mit den Armen umschlossen und musste sich dann hinten anstellen.

Den Schluss bildete dann Tauziehen, bis die Großen losließen und alles ins Gras purzelte.

Geturnt wurde auch viel, Purzelbäume vor- und rückwärts, Radschlagen und Handstand. Wolfs Hansel wurde sehr bewundert, denn er brachte einen perfekten Kopfstand zuwege.

Auf dem Geburtstagstisch stand der bunte Holzkranz mit den Geburtstagslichtern, jedes Jahr eines mehr, in der Mitte das große Lebenslicht. Tante Rosel erfüllte mir auch immer meine Wünsche. Einmal war es zum Beispiel ein langersehntes silbernes Armbändchen mit Glücksanhängern. Zum anderen Male ging mein Lieblingswunsch – und ich glaube, auch der von Wolfgang – nach einem Gartenzwerg in Erfüllung. Von Gartenzwergen wollte Muttel absolut nichts wissen. Für sie waren die Zwerge schlicht und einfach Kitsch. Tante Rosel hatte sie aber doch herumgekriegt, denn an einem Geburtstag – ich weiß nicht mehr an welchem – brachte sie zu unserem Entzücken drei Gartenzwerge mit. Ich weiß nur noch genau, dass Juttel ihrer auf einer Schnecke mit Haus thronte. Die beiden anderen waren glaube ich mit Spaten und Gießkanne bewaffnet.

So ähnlich spielte sich jeder Juli in meiner Kindheit ab.

Christa Stenzel/ Christian Grün

„Nacht der Chöre“ in 5. Auflage

Als außergewöhnliches Kulturereignis gestaltete sich am 30. Oktober die Nacht der Radebeuler Chöre in der Lutherkirche. Es präsentierten sich der Radebeuler Männerchor „Liederkranz 1844“ e.V. unter Leitung von Cornelia Matthes, der „Lößnitzchor“ unter Eric Weisheit, gleich drei Chöre dirigierte Chorleiter Seidel – die „Chorgemeinschaft Radebeul-Lindenau 1895“, „Sing My Soul“ der Lutherkirchgemeinde Radebeul und – wo gibt es so etwas noch? – den „Kneipenchor Radebeul“. Musikalische Begleiter waren das Orchester des Lößnitzgymnasiums, das speziell zu diesem Anlass zusammengestellt worden war und der Posaunenchor der Lutherkirchgemeinde.

Erste „Gänsehaut – Gefühle“ beim Gesang der Priester aus der „Zauberflöte“, zelebriert von allen Männern der beteiligten Chöre unter einfühlsamer Begleitung des Orchesters vom Lößnitzgymnasium. Festlich, geradezu hymnisch traf der Massenchor der Chorsänger den Nerv der Zuhörerschaft. Was auch das Verdienst des begleitenden Orchesters war.

Moderator Thomas Töpfer stellte die einzelnen Chöre vor, nicht ohne die Werbung zum Mitsingen für jedermann zu vergessen. Der traditionsreiche Männerchor Radebeul unter Leitung von Cornelia Matthes erfreute mit klassischem Männerchorgesang u.a. „Die Nacht“ von Abt und das „Türmerlied“ nach einem Goethe-Text. Mit Beifall quittierte das Publikum den im Quartett vorgetragenen Silcher- Satz „In einem kühlen Grunde“ mit Worten von Joseph von Eichendorf.

Die Liedfolge der „Chorgemeinschaft Radebeul – Lindenau“ zeigte auf, dass auch moderne Arrangements von Schlagerklassikern im Repertoire der Chöre zu finden sind, „Über sieben Brücken musst du gehen“ und „Du hast den Farbfilm vergessen“ waren ein besonderer Farbtupfer im Programm.

Unter Leitung von Robert Seidel konnte auch die Gruppe junger Leute „Sing my Soul“, die ihre Lieder im Gospelstil vortrugen, ihre Freude am Chorgesang nachweisen.

Klangvolles Intermezzo zwischen den Chorauftritten bot der Posaunenchor der Lutherkirche, die Musiker brachten den Kirchenraum zum Beben, auch mit Titeln nicht nur aus der Kirchenmusik.

Der traditionsreiche Lößnitzchor glänzte vor dem großen Finale mit seinen Liedvorträgen u.a. mit Franz Schuberts Komposition „Die Nacht“, Händels „Glücklich befreit“ und im modernen Stil „I will follow him“. Auch der Lößnitzchor pflegt den Gesang in der kleinen Vokalgruppe, FEINklang war dabei mit „Jay of hearts“.

Absoluter Höhepunkt des dreistündigen Konzerts waren erneut zwei Massenchöre, diesmal mit allen 150 Sängerinnen und Sängern und den Solisten Clara Först Sopran, Johannes Mittrach Tenor, und Constantin Haufe Bass. “ Lean on me“ von Bill Withers und „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ aus Joseph Haydns „Schöpfung“ waren für Mitwirkende und Zuhörer ein Erlebnis.

Viel Beifall und Standing Ovations waren der Lohn für alle Mitwirkenden, die sich mit dem Lößnitzlied verabschiedeten. Die Radebeuler Nacht der Chöre erwies sich als ein klingender Edelstein im Kulturkalender der Stadt und darf auf Fortsetzung hoffen.

Jochen Hiebel

Erinnerungen an Barbara Plänitz

Am 7. September 2025 verstarb in den frühen Nachmittagsstunden Barbara Plänitz. Sie wurde 72 Jahre alt. Zur Trauerfeier am 24. Oktober bot sich in der Radebeuler Friedenskirche ein ungewöhnliches Bild. Nahezu 300 Menschen waren gekommen, um von der Verstorbenen Abschied zu nehmen. Neben der Familie trauerten auch Freunde, Nachbarn, Kollegen, Tagesmütter, Klassenkameraden, Kommilitonen, Künstler und Kulturschaffende, ja sogar Bürgermeister und Stadträte. Die große Anteilnahme war überwältigend. Und so gestaltete sich die Trauerzeremonie in der Friedenskirche, der Trauerzug, die Grablegung und das anschließende Gedenken in den Räumen der Friedenskirchgemeinde ganz im Sinne der Verstorbenen, die zeitlebens eine offene, zugewandte, kämpferische, energische Persönlichkeit war, aber mitunter auch sehr unnachgiebig sein konnte. Die Pfarrerin Annegret Fischer und Barbaras Nachfolgerin in der Beratungs- und Vermittlungsstelle für Kindertagespflege im Familienzentrum, Britta Schöne, fanden warmherzige Worte. Ihre Enkelkinder hatten die Urne mit heiteren Motiven bemalt und das große Porträtfoto zeigte eine fröhlich lachende Barbara.

Barbara Plänitz und Karl Uwe Baum zur Diskussionsrunde im Bürgertreff auf der Bahnhofstraße, April 2016
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Im Nachruf, den der paritätische Wohlfahrtsverband am 2. Oktober veröffentlicht hatte, wurde Barbara Plänitz als eine Pionierin der Kindertagespflege bezeichnet. Und weiter heißt es, dass ihr Vermächtnis daran erinnern möge, „wie wichtig engagiertes kinderorientiertes Denken ist – und wie viel Gutes entstehen kann, wenn Mut, Fachkompetenz und Menschlichkeit Hand in Hand gehen“.

Mir wurde zunehmend bewusst, dass ich viele Facetten von Barbara gar nicht kannte. Trotzdem war es mir ein wichtiges Bedürfnis, mit einem Beitrag in „Vorschau & Rückblick“ an Barbara zu erinnern, was mir aber eben nur aus meiner ganz persönlichen Sicht, so wie ich Barbara wahrgenommen und verstanden habe, möglich ist.

Barbara Helene Keller wurde am 23. November 1952 in Dresden-Loschwitz geboren. Sie war das einzige gemeinsame Kind ihrer Eltern, welche in zweiter Ehe miteinander verheiratet waren. 1954 zog die Familie nach Radebeul ins eigene Haus auf der Käthe-Kollwitz-Straße. Zu ihrer zehn Jahre älteren Halbschwester hatte Barbara zeitlebens eine enge Beziehung. Sie besuchte den Evangelischen Kindergarten auf der Wilhelm-Busch-Straße. Eingeschult wurde sie 1959 in die Polytechnische Oberschule „Martin Andersen Nexö“ (heute Grundschule Niederlößnitz). Das Abitur absolvierte Barbara an der Erweiterten Oberschule Radebeul (heute Gymnasium Luisenstift).

Die Mutter hatte als Krankenschwester nur wenig Zeit. Für den Vater, der 25 Jahre älter als ihre Mutter war, bedeutete die Geburt der Tochter noch einmal ein spätes Lebensglück. Von ihm erfuhr sie viel Zuwendung. Als er starb, war das für die damals Dreizehnjährige ein traumatisches Ereignis.

Ihren späteren Ehemann Christian lernte sie auf einem Ausflug der Jungen Gemeinde kennen. Das junge Paar bekam drei Kinder. Gleichzeitig sanierten sie das Haus und Barbara erwarb an der TU Dresden ihr Diplom in der Fachrichtung Informationsverarbeitung. Danach arbeitete sie u.a. im VEB Kombinat Robotron, war zeitweise Hausfrau und später auch als Sprechstundenhilfe in einer Arztpraxis tätig. Der gesellschaftliche Umbruch eröffnete die Möglichkeit zur beruflichen Neuorientierung, eine Chance, die Barbara ergriffen hat. Sie studierte noch einmal und erwarb ihr Diplom als Sozialpädagogin.

Die Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs ging mit einer sozialen Durchmischung einher. Unsere Wege begannen sich verstärkt zu kreuzen, jedoch ohne dass wir voneinander wussten. Zum Bindeglied wurde Kathrin Wallrabe. Sie war gerade nach Radebeul gezogen. In ihr Tagebuch schrieb sie1986: „Ich bin froh, dass wir auch neue Bekannte haben, durch die Galerie und durch die Gemeinde und uns nicht abkapseln.“

Kathrin engagierte sich sowohl im Galerieinteressenkreis als auch in der Familieninitiative. Da die „Kleine Galerie“, welche sich damals in Radebeul-Ost befand, aus allen Nähten platzte, hatten wir uns erfolgreich um ein Grundstück in Altkötzschenbroda bemüht. Auch die Familieninitiative war auf der Suche nach Räumen. Welche Kettenreaktion mein Hinweis auf das freie Nachbargrundstück auslösen sollte, kann man in Kathrin Wallrabes zweiteiligem Beitrag „30 Jahre „Fami“ in Radebeul – eine Chronik“ (Vorschau & Rückblick, 2020/März, April) nachlesen. Aber ein persönlicher Kontakt zu Barbara Plänitz hatte sich daraus noch immer nicht ergeben.

So bezogen schließlich die Familieninitiative (1994) und die Stadtgalerie (1997) die Grundstücke Altkötzschenbroda 20 und 21. Die kleine Pforte zwischen beiden Anwesen symbolisierte Offenheit und Gemeinschaftssinn.

Vorbereitungstreffen zur 22. Radebeuler Kasperiade in der Stadtgalerie, v.l.n.r. Birgit Schaffer, Karl Uwe Baum, Karin Schröder, Barbara Plänitz, Marion Arnold, Juni 2009
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Der Bürgermeister von Moritzburg Jörg Hänisch als Gratulant zur Verabschiedungsfeier von Barbara Plänitz im Familienzentrum, Mai 2018
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Diese Pforte sollte sieben Jahre später auch eine ganz praktische Bedeutung erlangen, als die damals herrenlose Radebeuler Kasperiade im Jahr 2004 vom Radebeuler Kulturamt übernommen wurde und in dem benachbarten Familienzentrum in Gestalt von Barbara Plänitz einen Partner für das Figurentheaterfest fand. Barbara hatte dann neun Jahre lang eine entscheidende Rolle als Mittlerin zum Familienzentrum und Koordinatorin der ehrenamtlichen Helfer gespielt. Ehemänner, Kinder und Freunde wurden mobilisiert. Auf Barbara konnte man sich in jeder Hinsicht verlassen.
Nun ließe sich noch Vieles aufzählen, was Barbara Plänitz initiierte oder woran sie mitwirkte. Die evangelischen Hauskreise der Kirche boten dafür einen anregenden Nährboden. Daraus erwuchs beispielsweise der Friedenskreis, in welchem sich Barbara widerständig engagierte. Vor allem aber trug sie über viele Jahre wesentlich zur Profilierung des Familienzentrums bei. Als der Schauspieler Herbert Graedtke, der langjährige Vorsitzende des Fördervereins Internationales Wandertheaterfestival, im Jahr 2024 verstarb, stellte sich Barbara ohne Zögern für diese Funktion zur Verfügung.

Sie engagierte sich u.a. in der IG Jazz und in der AG Kötzschenbroda. Barbara war Mitglied im Schillerverein Weimar-Jena e. V.. Gemeinsam organisierten wir das erste Straßenfest auf der Käthe-Kollwitz-Straße. Auch beteiligte sie sich an „Kunst geht in Gärten“. Viele Erinnerungen verbinden sich mit Ausflügen und Museumsbesuchen.

Barbara Plänitz hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und setzte sich für alles ein, wovon sie überzeugt war. Sie besaß den Mut, auch unangenehme Dinge anzusprechen. Dass das Lügenmuseum geschlossen werden soll, dass der Bahnhof in Radebeul-West zur Ruine verkommt und dass intakte Gebäude abgerissen werden, dafür hatte sie keinerlei Verständnis. Bewundert habe ich Barbaras Logistik, wie es ihr gelang, ganz ohne Auto bis in die entlegensten Winkel der Lommatzscher Pflege vorzudringen, um „ihre“ Tagesmütter vor Ort aufzusuchen. Die ganze Familie bewegte sich von A nach B zu Fuß, mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie war begeistert vom Samstags-Wochenmarkt und unterstützte den lokalen Einzelhandel. „Was willst Du“, meinte sie, „wir haben doch alles vor der Haustür: Fleischer, Bäcker, Apotheke, Drogerie, Reformhaus, Modegeschäft, Bettenhaus, Schmuckgeschäft, Eisdiele, Schuhgeschäft, Uhrmacher, sogar zwei Buchhandlungen und ein Antiquariat.“

Kulturell war sie vielseitig interessiert, ja man kann sagen, dass sie eine „Kulturgroßverbraucherin“ war. Das Spektrum umfasste Schauspiel, Oper, Ballett, Literatur, Klassik, Jazz, Film und Bildende Kunst. So organisierte sie über viele Jahre die Ausstellungen im Café des Familienzentrums und hatte gar ein Premierenanrecht bei den Landesbühnen Sachsen.

Mit Barbara ist für mich ein Stück Heimat verlorengegangen. Sie gehörte zu den Menschen, die noch lesen, Radio hören und Briefe schreiben, die die Kultur nicht nur konsumieren, sondern auch darüber diskutieren wollen, die man spontan besuchen kann und die immer ein offenes Ohr haben. Oft saßen wir zusammen in der Wohnküche mit der gemütlichen Eckbank und der Tür zum Balkon, wo der wilde Wein im Laufe des Jahres vom zarten Grün bis ins weinrot wechselte, das Haus schützend, wie schmückend umhüllte und im Sommer Schatten spendete. Zu den Ritualen gehörte es, den Apfelmus in Strömen aus der „Flotten Lotte“ quellen zu lassen, selbsterfundene Theaterstücke von und mit der Familie und Freunden aufzuführen, gemeinsam und ausgiebig mit den Enkelkindern allerlei Spiele zu spielen, zur Weihnachtszeit mindestens zehn Sorten Kekse zu backen und die Alpenveilchen im Doppelfenster zu drapieren. Sie liebte es, zu besonderen Anlässen in der „guten Stube“ das „gute Geschirr“ für ein Mehrgänge-Menü aufzutragen, selbstverständlich mit weißer Tischdecke, frischen Blumen und Stoffservietten. Sie freute sich, wenn sie anderen eine Freude machen konnte. Sie ließ sich für Neues begeistern und schmiedete immerfort Pläne. Ideenzettel fanden sich in der Wohnung überall. Das Wegschmeißen fiel ihr schwer und was noch funktionierte, wurde be- und erhalten. Barbara war ein Genussmensch. Sie liebte das Bilz-Wellenbad und die Anlage von Schloss Wackerbarth. Oft war sie dort mit den Enkelkindern und hätte wohl gern noch eine Weile erlebt, wie sie aufwachsen.

Als wir am 1. Dezember 2024 mit den Geburtstagsgästen zur Doppel-Feier von Barbara und Christian Plänitz in geselliger Runde zusammensaßen, ahnte keiner, dass sich nur wenige Tage später, alles schlagartig ändern sollte. Der Diagnose Hirntumor folgten eine Operation und die sechswöchige Chemotherapie. Zwischen Hoffen und Bangen vergingen neun Monate. Solange es Barbara möglich war, zeigte sie aufmerksames Interesse an allem, was um sie herum geschah. Am 14. Januar mailte sie mir „Bin gerade nicht so stark, um zu kämpfen.“ Und ich antwortete „Liebe Barbara, Du kämpfst doch gerade sehr, nur diesmal für Dich und das ist wichtig.“

Barbara wurde von der Familie und Freunden liebevoll umsorgt. Die verbindenden Fäden liefen bei der Tochter Margret und ihrem Mann zusammen. Barbara wurde beschenkt mit Zuwendung, Zärtlichkeit und Zeit. Es wurde vorgelesen und gesungen. Doch die Spaziergänge wurden immer kürzer. Mitbringsel wie Blumen, Kuchen, Früchte und sogar gehäkelte Mützen sollten sie sie ein wenig erfreuen. Alle wollten etwas von dem zurückgeben, was sie von Barbara in so reichem Maße empfangen haben.

Auch der Humor spielte im Alltag von Barbara eine wesentliche Rolle. Ihr herzhaftes Lachen werde ich wohl nie vergessen. Erst neulich entdeckte ich eine Karte von ihr, mit folgender Botschaft:

Insbesondere für Dich, liebe Karin:
„Man kann nur
verstehen im Gefühl,
nur gestalten im Gewühl:
darum sind die großen Geister
im Chaos Meister.“

Gerhart Hauptmann

und herzliche Grüße von Barbara

Karin (Gerhardt) Baum

Gedenken zum 60. Todestag Paul Wilhelms (1886-1965)

Am 15. November 2024 haben Annerose und Gottfried Klitzsch in ihrer Villa in Radebeul-West, Hohe Str. 35, die Ausstellung „ Paul Wilhelm – im Garten seiner Kunst“ eröffnet. Sie vereint 80 Gemälde des Meisters. (V&R berichtete im Heft 12/2024)

Ausstellungsgespräch mit Prof. Dr. Harald Marx, Prof. Ralf Kerbach und Gottfried Klitzsch (v.l.n.r)
Foto: H. Flemming


Viele Kunstinteressierte, nicht nur aus dem Elbtal, waren gekommen, um die Ausstellung zu sehen, die auf Anfrage unverändert besichtigt werden kann und sich mit mehreren Sonderöffnungszeiten fast schon zu einer Dauerausstellung entwickelt hat.

Dies war die Grundlage, um auch des 60. Todestages von Paul Wilhelm am 23. Oktober 2025 in herausgehobener, besonderer und würdiger Weise zu gedenken.

Anknüpfend an die von Werner Schmidt zum zum 30. Todestag Wilhelms am 23. Oktober 1995 in der Johanneskapelle auf dem Radebeuler Johannesfriedhof ausgerichtete Gedenkfeier, sollte auch diesmal eine stille Stunde am Grab Paul Wilhelms gleichsam den geistigen Mittelpunkt des Erinnerns an diesen großen Künstler bilden.

Saxophonist Dietmar Diesner am Grab von Paul Wilhelm
Foto: H. Flemming


Um 14 Uhr versammelte sich dort bei Nieselregen unter Schirmen eine kleine Schar am feierlich geschmückten Grab, um sich dieses „…Vollenders und letzten bedeutenden Führers einer typischen Dresdner Malkultur…” (Fritz Löffler) zu erinnern. Der bekannte Dresdner Jazz-Musiker und Saxophonist Dietmar Diesner spannte mit einer nachdenklichen Performance zum Eingang und Ausgang dieser Stunde den musikalischen Raum für die eigenen Gedanken zu diesem Tag. Worte von Gottfried Klitzsch fassten Wesenszüge und Biografisches zusammen, umrissen die Bedeutung Paul Wilhelms für Kollegen seiner Zeit und für uns heute.

Am Abend fand 18 Uhr eine weitergehende Würdigung Paul Wilhelms in der Ausstellung selbst – inmitten seiner Bilder – in Form eines Ausstellungsgesprächs mit Professor Dr. Harald Marx, langjähriger Direktor der Galerie Alte Meister der Dresdner Kunstsammlungen und Professor Ralf Kerbach, Malerkollege Wilhelms und langjähriger Professor für Malerei und Grafik an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste statt.

Violinistin Johanna Mittag spielte zur Abendveranstaltung
Foto: H. Flemming


Dicht gedrängt füllte eine interessierte Kunstgemeinde die Räume in der AUSSTELLUNG DRESDNER KUNST und es entspann sich, moderiert von Herrn Klitzsch, eine angeregte Diskussion der Professoren Kerbach und Marx zum Wesen der uns in besonderem Maße berührenden Kunst Paul Wilhelms, ihrer Verankerung in der klassischen Kunst des 18. Jahrhunderts und ihrer Wirkung, bei der auch neuere Entwicklungen in der Hochschule, wie auch der Dresdner Museumslandschaft zur Sprache kamen. Der Abend wurde hinreißend von der Violinistin Johanna Mittag musikalisch begleitet und fand mit einer bejubelten Chaconne sein furioses Finale. Ihr sensibel-vortreffliches Spiel bleibt als ein Glanzlicht dieses Abends in Erinnerung. Anschließend war in kleinen Freundesgruppen bei Brot und Wein vor den Bildern Paul Wilhems ausreichend Zeit zum Gespräch, unter anderem auch mit dem Radebeuler Altmeister Peter Graf.

Wie man erleben und an den freudigen Gesichtern ablesen konnte, war es ein erfüllender, von vielen Besuchern begeistert aufgenommener Abend und ein gelungener Abschluss dieses Gedenktages zu Ehren eines großen Wahl-Radebeulers, der, wie sonst vielleicht nur noch Karl Kröner und Theodor Rosenhauer das künstlerische Bild der Lößnitz geprägt und seine Idee von der Schönheit mit derjenigen dieser Landschaft verschmolzen hat.

Sascha Graedtke

Spendenaufruf

Liebe Leserinnen und Leser,

wie häufig am Ende eines Jahres, schaut unser Schatzmeister aufs Konto unseres Vereins, und:

Wenn alle Außenstände noch beglichen werden, können wir unsere Vorgabe, mindestens Druckkosten für eine Ausgabe in petto zu haben, leider nicht erfüllen, es sei denn, Sie unterstützen uns wieder. Jedes Jahr konnten wir auf Ihre finanzielle Hilfe zählen. Es wäre toll, wenn wir auch dieses Jahr damit rechnen könnten. Dann gehen wir in das Jahr 2026 mit der Gewissheit, gegen eventuelle Schwierigkeiten gewappnet zu sein.

Vielen Dank im Voraus!

Im Namen des Vereins
Ilona Rau

Gelungener 47. Radebeuler Grafikmarkt

Man muss es gleich voranstellen: der diesjährige Grafikmarkt war wirklich gelungen, auch wenn man die schwierige personelle Ausgangslage bedenkt.

Natürlich könnte man allerlei Kritikpunkte finden, wenn man denn wöllte, und Öl ins Feuer gießen. Aber wem bringt das etwas? Aus Fehlern sollte man lernen und nicht immer so ein großes Geschrei provozieren. Unbedingt verbesserungsbedürftig sind allerdings zwei Dinge: Beleuchtung und Belüftung.

Sehr gefreut habe ich mich jedenfalls über den Zuspruch, welchen der diesjährige Grafikmarkt gefunden hat, und ich finde es bemerkenswert, dass die Stadtverwaltung als Veranstalter, nach wie vor zu „ihrem“ Grafikmarkt steht. Immerhin wird dieser „kunstlastige“ Markt trotz einiger Turbulenzen seit 1979 ohne Unterbrechung fortgeführt.

Ein Blick hinter die Kulissen offenbart, welcher Aufwand betrieben werden muss, um eine Ballspielhalle in eine Ausstellungshalle umzurüsten. Zirka 900qm schützenden Fußbodenbelag gilt es auszulegen und weit über 100 Stände aufzubauen, die dazu benötigten Ausrüstungsgegenstände dafür vorzuhalten bzw. anzumieten. Städtische Hausmeister, Mitarbeiter des Kulturamtes, Künstler und viele ehrenamtliche Helfer haben dabei mit angepackt.

Veranstaltungen wie der Radebeuler Grafikmarkt mit so einer langen Tradition sind rar. Wenngleich Improvisation gefragt ist und für jeden Künstler nur wenig Platz zur Verfügung steht, ist das Interesse, daran teilzunehmen, ungemindert groß. Besonders geschätzt wird sowohl von den Künstlern als auch vom Publikum die anregende Atmosphäre, welche sich nicht im Kommerziellen erschöpft. Vor allem die Kommunikation, das Knüpfen von neuen als auch das Auffrischen von alten Kontakten, der fachliche Austausch zwischen den Künstlerkollegen und die unmittelbare Resonanz des Publikums zeichnen den Grafikmarkt aus.

Bereits um 10 Uhr strömten am 2. November die ersten Besucher in die Halle. Die Fülle der Angebote war herausfordernd. Viele neue Künstlerinnen und Künstler konnte man entdecken. Der Flyer diente der Orientierung vor Ort und bot darüberhinaus die Möglichkeit zur vertiefenden Recherche im Internet. Die Schaudruck-Vorführungen von André Uhlig waren wieder dicht umlagert und die Serviceleistungen vom Passepartoutschnitt bis zur fachgerechten Verpackung wurden gern in Anspruch genommen. Die Sammlung von Familie Friedrich präsentierte aus ihrem Bestand 33 Radebeuler Grafikmarkt-Plakate, welche von 1979 bis 2001 entstanden sind. Auch das Künstlercafé, das vom Förderkreis der Stadtgalerie bewirtschaftet wurde, war sehr gut frequentiert. Und der selbstgebackene Kuchen hat nicht nur gut geschmeckt, er diente auch noch einem guten Zweck, denn der Spendenerlös kommt der Städtischen Kunstsammlung zugute.

Markus Retzlaff im Gespräch mit einem Interessenten
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Ausstellung »Radebeuler Grafikmarktplakate« (Detail)
Foto: K. (Gerhardt) Baum

André Uhlig in Aktion an der Druckpresse
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Der unwirtliche Monat November scheint dafür prädestiniert zu sein, sich verstärkt der Kunst und den Künstlern zuzuwenden. So findet jeweils am ersten Sonntag im November der Radebeuler Grafikmarkt statt, am zweiten Wochenende folgt der Dresdener Grafikmarkt und am dritten Sonntag des Monats öffnen sich in Dresden und Umgebung zahlreiche Ateliers und Künstlerhäuser. Wer den „Kunstmarathon“ in diesem Jahr verpasst haben sollte, kann sich schon immer einen Vermerk im Terminkalender des Jahres 2026 eintragen.

Karin (Gerhardt) Baum

Editorial 12-25

In den letzten Jahren veröffentlichten wir mit großer Resonanz mehrere Zuschriften zu historischen Läden in Radebeul, die zumeist bereits seit vielen Jahrzehnten der Vergangenheit angehören.

Geht man heute durch die Einkaufstraßen von Radebeul Ost und West, dann wird offensichtlich, wie der Wandel bis ins Gegenwärtige reicht.

Einige Schaufenster stehen seit langem leer, neue Läden ziehen in diesen Zeiten nur mit Mühe ein.

Selbstredend, das Einkaufsverhalten hat sich verändert und die Verlockungen des Digitalen sind nicht zu verleugnen. Da braucht es schon eine besondere Geschäftsidee.

Im zu Ende gehenden Jahr sind in Radebeul Ost nun gleich zwei Geschäftsschließungen zu beklagen, wofür die Gründe aber unterschiedlicher Natur sein mögen.

Nach 44 Jahren schließt das traditionsreiche „Fotoatelier Meissner“ zum 12.12.2025 seine Pforten. Kaum auszudenken, wieviele Generationen sich hier in allen Lebensphasen ablichten ließen.

Zudem hatte bereits Anfang November nach 28 Jahren der „Kopiershop Schwalbe“ seinen Laden im Rahmung einer veränderten Geschäftsstruktur geschlossen. Unsere „Vorschau“ hatte seine Dienste für zahllose Veranstaltungen gern in Anspruch genommen.

Beiden Ladeninhabern sei im Namen aller Radebeuler für die vielen treuen Jahre ihres Bestehens nochmal herzlich Dank gesagt!

Bald wird es auch über sie Erinnerungsgeschichten geben. Und so vergeht die Zeit…

All unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir eine friedvolle Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins kommende Jahr!

Sascha Graedtke

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