Im Archiv gestöbert: Der Architekt und Kunsthistoriker Richard Steche

Manfred Altner hat im Dezemberheft der Vorschau als kleinen Nachtrag zum Radebeuler Stadtlexikon Wissenswertes zur Biographie von Generaloberarzt Walter Stechow berichtet, der 1885 das Hohenhaus in Zitzschewig erwarb. Uns geht es aus gegebenem Anlass in diesem und im folgenden Heft um das Leben eines Mannes mit ganz ähnlich lautendem Namen, der sich etwa zur gleichen Zeit, Heilung suchend, in Niederlößnitz niederließ und seinem deutlich bescheideneren Domizil an der Winzerstraße aus Liebe zum vierbeinigen Haustier die Bezeichnung „Mops-Haus“ verpasste. Im Stadtlexikon taucht der Jubilar – im Februar jährt sich sein Geburtstag zum 170sten Male – zwar schon auf, doch die Liste seiner Verdienste ließ sich dort nur in Ansätzen skizzieren. Gemeint ist

 Der Architekt und Kunsthistoriker Richard Steche

vorschau_1-07_richard-stecheDie besondere Wertschätzung, die Richard Steche gegen Ende seines Lebens genoss, lässt sich schon daran ablesen, dass ihm 1893 – lange nach Schließung des Kötzschenbrodaer Kirchhofs für Begräbnisse – die letzte Ehre zuteil wurde, „unter den Klängen der Feiertagsglocken“ direkt neben der heutigen Friedenskirche bestattet zu werden. Das mit einem bronzenen Portraitrelief versehene Grabdenkmal gereicht dem Kirchhof noch heute zur Zierde.
Doch wer war Richard Steche? Die bis heute ausführlichsten Würdigungen seiner Person verdanken wir Hermann Arthur Lier (1857-1914), der jahrzehntelang als Bibliothekar an der königlichen öffentlichen Bibliothek in Dresden wirkte und mit Steche unter anderem das Interesse für historische Bucheinbände teilte. Auch Lier gehört zu den runden Lößnitz-Jubilaren dieses Winters. Er wurde am 1. Februar vor 150 Jahren in Herrnhut geboren und wohnte seit den 1890er Jahren in Niederlößnitz, später bis zu seinem frühen Tod, wie Kürschners Deutscher Literatur-Kalender etwas irreführend vermerkt, in „Dresden-Serkowitz, Mozartstr. 4“. Obwohl Lier nur wenige selbständige Publikationen hinterlassen hat, war er ein überaus produktiver Schriftsteller. Allein zur „Allgemeinen Deutschen Biographie“, dem vielbändigen biographischen Standardwerk der Kaiserzeit, steuerte er mehr als 400 Lebensbeschreibungen bei. Um auch Lier zu seinem Recht kommen zu lassen, lehnen wir uns im Folgenden eng an seine Aufsätze über Richard Steche an.[1]
Franz Richard Steche wurde am 17. Februar 1837 in Leipzig als Sohn ei­nes angesehenen Rechtsanwalts geboren. Er wuchs in einem kunstsinnigen Hause auf, dessen Seele seine Mutter Lidy, geb. Angermann, war. Vor ihrer Heirat Sängerin am Leipziger Gewandhaus, leitete sie spä-
ter einen Gesangverein, der 1853 Ri­chard Wagners „Lohengrin“ zur konzertanten Uraufführung brachte. Zu den Musikern, die in Steches Elternhaus verkehrten, gehörten neben Wagner unter anderem auch Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Robert Schumann. Die musischen Interessen des jungen Richard richteten sich allerdings, befördert durch seine Lehrer an der Thomasschule, eher auf die bildenden Künste und die Altertumskunde. Seinen Wunsch, Kunstgeschichte zu studieren, gab er auf Betreiben der Eltern auf und bezog stattdessen 1856 die Dresdner Bauschule, um Architekt zu werden. Von 1859 bis 1861 setzte er seine Studien an der Bauakademie in Berlin fort und arbeitete danach in den Ateliers von Oberhofbaurat Jo­hann Heinrich Strack und Richard Lucae, die die besonderen zeichnerischen Fähigkeiten Steches zu schätzen wussten und ihm erste selbständige Aufträge vermittelten.
1863 fand Steche eine Anstellung als Architekt bei der Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn, für die er u. a. die Bahnhöfe von Neubrandenburg und Oertzenhof entwarf. Diese zeigen in ihrer zeittypischen Backsteinarchitektur deutlich den Einfluss seines Lehrers Strack. In seinen Mußestunden widmete sich Steche der Erforschung der mittelalterlichen Kirchen- und Profanbauten Mecklenburgs. Durch Aufträge zur Restaurierung der historischen Dorfkirchen von Lübberstorf und Sadelkow konnte er in dieser Zeit auch erste Erfahrungen in der praktischen Denkmalpflege sammeln.
1867 kehrte Steche nach Sachsen zurück und ließ sich nach Ablegung des Bauhandwerkerexamens in Dresden als Architekt nieder. Trotz einiger Erfolge in diesem Beruf – in Leipzig baute Steche unter anderem den Eilenburger Bahnhof und gewann den Wettbewerb für einen Kirchenneubau – gehörte seine eigentliche Leidenschaft der kunstwissenschaftlichen und archäologischen Forschung. Um den Kreis seiner Anschauungen zu erweitern, unternahm er jährlich größere Reisen, von denen er stets eine Fülle neuer Eindrücke und Beobachtungen mit heimbrachte. Diese verarbeitete er in Aufsätzen für Zeitungen und Zeitschriften, mit denen er sich auch in akademischen Kreisen einen Namen machte. Unter seinen ersten wissenschaftlichen Arbeiten finden sich auch einige zur Baugeschichte und künstlerischen Entwicklung der Residenzstadt Dresden, etwa über George Bähr, den Baumeister der Frauenkirche, oder seine Leipziger Dissertation (1877) über Hans von Dehn-Rothfelser, den Oberbauleiter des Dresdner Schlosses.
Steches besondere Aufmerksamkeit galt dem Gebiet der angewandten Kunst und dem Kunstgewerbe, etwa der Geschichte der Möbel und Öfen. 1875 initiierte er in Dresden eine viel beachtete Ausstellungen älterer kunstgewerblicher Arbeiten, eine der ersten ihrer Art in Deutschland. Mit einer Arbeit zur Entwicklung der sächsischen Buchbinderkunst habilitierte er sich 1878 an der königlichen technischen Hochschule, wo er 1880 zum außerordentlichen Professor für die Geschichte der technischen Künste berufen wurde. Im gleichen Jahr übernahm Steche die Leitung des Inventarisationswerkes der sächsischen Kunstaltertümer. In dieser Funktion erarbeitete er die ersten Bände der „Beschreibenden Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler Sachsens“ (1882ff.), sein bis heute wichtiges wissenschaftliches Hauptwerk, das uns im nächsten Heft ebenso beschäftigen soll wie Steches letzte Jahre in Niederlößnitz.
Frank Andert

 1 H.A. Lier: Richard Steche. Ein Nekrolog. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte 14(1893), S.125-137. – H.A. Lier: Steche,
 Franz Richard. In: Allgemeine Deutsche
 Biographie, Bd. 35, S.537-539.

In Erinnerung an den Moritzburger Künstler Hans-Georg Annies

Ein treuer Leser unserer „Vorschau…“

annies-nachruf_9-2006

Hans-Georg Annies übergibt im Frühjahr 2005 eine Holzskulptur an die Moritzburger Schule

Oft genug rief er mich an und hatte an irgendeinem Beitrag in unserem Monatsheft „Vorschau und Rückblick“ etwas zu loben oder auch zu kritisieren. Doch wenn er letzteres tat, dann nie, ohne gleichzeitig zu sagen, was er anders oder besser machen würde. Hans-Georg Annies war unser Leser vom ersten Tage an, seit die „Vorschau…“ ab Mai 1990 wieder erschien. Und aus dieser Affinität rührte auch meine private Bekanntschaft oder besser gesagt Freundschaft zu dem am Moritzburger Ortsrand in einer natürliche Idylle lebenden und arbeitenden Künstler. Was mir von den Atelierbesuchen bei ihm in Erinnerung geblieben ist, das sind vor allem die tiefgründigen Gespräche, die man mit ihm führten konnte. Am 7. Juni 2006 verstarb der Grafiker und Holzbildhauer Hans-Georg Annies wenige Tage nach seinem 76. Geburtstag. Annies entstammt einer ostpreußischen Familie und hatte schon von klein auf den Wunsch, einmal Bildhauer zu werden. Von der Schulbank weg aber wurde er zur Wehrmacht geholt und musste so seinen Berufswunsch erst einmal begraben. Da er sich in der frühen DDR  beharrlich weigerte, FDJ-Mitglied zu werden, wurde ihm ein Kunststudium verweigert. Alternativ absolvierte er eine künstlerische Ausbildung an der Volkshochschule und fand 1963 seine Heimat als freischaffender Künstler in Moritzburg. Annies gilt als der Erfinder der Holztiefdrucktechnik und erhielt für seine Arbeit an der Wei­ter­entwick­lung dieser Technik im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz I. Klas­se verliehen. Vor einigen Jahren besiegte er eine Krebserkrankung und wertete dies als ein wahres Wunder. Über den Krebs hatte er gesiegt, nun wollte das Herz nicht mehr mitmachen. Werke von Hans-Georg Annies befinden sich in unzähligen Sammlungen in Deutschland, aber auch in Japan, Frankreich und Luxemburg.
Wolfgang Zimmermann     

Der Maler Claus Weidensdorfer wird 75 Jahre alt

Kunst ist auch eine Sucht – 

weidensdorf_9-2006Vor genau vierzig Jahren begann seine Arbeit als Freiberufler in Sachen Bildender Kunst, vor genau dreißig Jahren zog er um in die Lößnitzstadt Radebeul. Das war kein sonderlich gewaltiger Schritt, denn die neue Heimat befand sich nur wenige Kilometer von seiner Geburtsstadt Coswig entfernt. Was aber auch für die sprichwörtliche Bodenständigkeit von Claus Weidensdorfer spricht. Das unstillbare Fernweh – von dem Maler so gern sprechen – war ihm nie sonderlich erstrebenswert. Claus Weidensdorfer fand stets ausreichend Motive für seine Kunst in der heimischen Umgebung, vor allem aber in den Faltenwürfen der gesellschaftlichen Verhältnisse wie auch im menschlichen Miteinander hierzulande – in Coswig, in Radebeul und vor allem in Dresden. „Kunst ist u. a. eine Sucht“ definierte Claus Weidensdorfer vor etwa zehn Jahren einmal seine künstlerische Affinität. Und erklärte diese Sucht so „Nimm einen Stift in die Hand und du kannst nicht mehr aufhören, so wie manche Leute nicht mehr aufhören können zu sprechen, wenn man sie nach dem Weg fragt“  Zwei schwer vergleichbare Süchte, dennoch versucht es der Künstler und zementiert damit zugleich seine Bodenhaftung, seine Normalität. Bodenständig ist Claus Weidensdorfer bis heute geblieben und auf dieser soliden Basis feierte er am 19. August ein dreiviertel Jahrhundert  Leben – seinen 75. Geburtstag.
1931 in Coswig geboren und aufgewachsen, bewarb er sich mit 20 Jahren an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste und studierte dort von 1951 bis 1956 bei Max Schwimmer, Erich Fraaß und Hans-Theo Richter. Danach ging er als Zeichenlehrer für ein Jahr nach Schwarzheide und kehrte dann für die nächsten neun Jahre als Assistent für Grafik und Malerei an den Ort seines Studiums zurück. Von 1966 an arbeitete Claus Weidensdorfer freischaffend. 1992 kehrte er erneut an die Hochschule zurück, trat hier eine Professur an und unterrichtete bis 1997 Kunststudenten. Gemeinsam mit dem Jazztrommler Günter „Baby“ Sommer bekam Claus Weidensdorfer vor wenigen Jahren den Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul verliehen. Dieser Zweisamkeit mit einem Musiker liegt eine weitere Besonderheit des Malers zugrunde; seine Affinität zur freien improvisierten Musik nämlich. Diese Beziehung war und ist in seinen Arbeiten oft zu entdecken, und sie  prägte logischerweise auch seinen engeren Künstlerfreundeskreis – zu denen vor allem Jürgen Haufe, Andreas Dress, Wolf-Eike Kuntsche, Gunter Herrmann oder Werner Wittig zählten und zählen.
Ein Laudator sagte mal u.a. über Claus Weidendorfer „….seine Kunst ist tiefgründig und voll augenzwinkerndem Humor“. Wer ihn etwas näher kennt, der weiß, dass diese Eigenschaften auf den gesamten Menschen Claus Weidensdorfer zutreffen.

Architekt Albert Patitz zum Hundertsten

Am 24. Mai 1906 wurde Albert Patitz geboren – am 6. August 1978 starb er in Radebeul. Sein Grabmal befindet sich auf dem Friedhof der Lutherkirchgemeinde in Radebeul-Ost. Wir erinnern an den Architekten, weil auf seine Entwürfe viele Wohnhäuser der 30-er, aber auch der 50-er Jahre in Radebeul, vor allem im Ortsteil Oberlößnitz, zurückgehen. Als Architekt war er ein Vertreter zwischen Tradition und Moderne. Von den etwa zur gleichen Zeit in Radebeul tätigen Architektenkollegen – Max Czopka und Dr. Alfred Tischer – ist Patitz derjenige mit der „ausgeprägtesten Handschrift“. Vor allem sind es die jeweils individuell gestalteten Eingangsbereiche, an denen man seine Häuser erkennt, wie ein Bildbeispiel der Sachsenstraße 7 zeigen soll. Da die Patitz-Wohnhäuser für meist begüterte Radebeuler Bürger über das gesamte Stadtbild verstreut stehen, fügen sich hier, anders als bei Czopka, die Häuser zu keiner eigenen Städteplanung zu­sammen, jedoch kann man immer eine sehr gute Einfügung in das bestehende Stadtbild feststellen. Dazu trägt der entfernt an Radebeuler Winzerhäuser erinnernde, zweigeschossige, verputzte Baukörper mit hohem, ziegelgedecktem Walmdach wesentlich bei.
Albert Patitz hatte sein Entwurfsbüro, zeitweilig mit Karl Lötzsch, in der heutigen Eduard-Bilz-Straße 9 (kein Patitz-Bau). Außer guter Zusammenarbeit mit verschiedenen Handwerkern, wie z. B. Kunstschmieden, fand ich besonders interessant, dass Patitz auch Sgraffito-Arbeiten mit dem Dresdner Künstler Hermann Glöckner, wie die Sonnenuhr am Hause Bodelschwinghstraße 10 beweist, realisierte. Eine ganze andere Bauaufgabe löste Patitz für den Einbau der Stadtbibliothek in das ältere Mehrfamilienhaus Sidonienstraß 5 – hier sind die Spuren seines Wirkens durch Leerstand seit einigen Jahren leider fast verwischt.
Sein Wirkungskreis er­streckte sich auch über Radebeul hinaus. Durchaus größere städteplanerische Ideen verwirklichte Patitz nach dem zweiten Weltkrieg in Dresden (Nürnberger Ei) und in der Stadt Riesa.
Ulrich Patitz, der ältere Sohn von Albert Patitz, schrieb in „Vorschau und Rück­blick“ um 1960 einige Beiträge zum damaligen Radebeuler Kulturleben – gereiftere Vorschau-Leser können sich vielleicht daran erinnern. Ich habe den jüngeren Sohn Lutz Patitz, Architekt in Frankfurt/Oder, gewinnen können, etwas mehr zur Biografie des Vaters und zu seinen Bauaufgaben für uns aufzuschreiben. Diesen vertiefenden Artikel möchte ich für das Juniheft, vielleicht auch das Juliheft von „Vorschau und Rückblick“ ankündigen und unsere Leser schon ein wenig neugierig machen.

Dietrich Lohse

Die stille Malerin – Lieselotte Finke-Poser feiert 80. Geburtstag

finke-poser_12-2005Wie in jedem Jahr – und das nun schon seit 1979 – hatte Lieselotte Finke-Poser ihren Stammplatz beim traditionellen Radebeuler Grafikmarkt am ersten Novemberwochenende bezogen. Um sie herum eine Fülle an Aquarellen und Radierungen – Radebeuler Landschaften, Tierporträts, Stilleben und vieles andere mehr. Gewiss; als sie damals mit einer Reihe von Gleichgesinnten den Grafikmarkt gründete, da war sie noch um ganze 27 Jahre jünger. Nun ist ihr Haar grau geworden und sie kann nicht mehr so sehr lange auf den Beinen stehen. Ihrer Leidenschaft aber geht sie nach wie vor intensiv nach: der Malerei. Derzeit kann man über 50 Porträts und Porträtstudien von Lieselotte Finke-Poser im Autohaus von Rainer Gommlich be­trachten. Aus dem Jahre 1943 datiert das älteste ausgestellte Bild; damals malte Lieselotte Finke-Poser ein Selbstporträt in schwarzer Kreide. Die jüngste Arbeit entstand 2004 und zeigt die Porträtstudie einer alten Frau, die in einem Pflegeheim lebt. Zwischen beiden Bildern liegen mehr als sechzig Jahre.
Seit 1953 schon lebt und arbeitet Lieselotte Finke-Poser in Radebeul. Geboren wurde sie 1925 in der Nähe von Kassel, Kunst studierte sie von 1945 bis 1950 an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Zu ihren Professoren dort zählten u. a. solch bedeutende Künstler wie Elisabeth Voigt und Ernst Hassebrauk. Im Übrigen studierte sie in einer äußerst komplizierten Zeit, die noch weitgehend davon geprägt war, dass die Bildende Kunst als eine Männerdomäne gehandelt wurde. Auch Lieselotte Finke-Poser bekam das zu spüren, indem sie von Professoren der Hochschule geradezu abgelehnt wurde. Und als man ihr künstlerisch nichts tun konnte, versuchte man es mit politischen Repressalien. Nichtsdestotrotz biss sich Lieselotte Finke-Poser durch; 1950 heiratete sie den Flötisten Willi Finke und folgte ihm 1953 nach Radebeul, als er eine Stelle im Orchester der Landesbühnen Sachsen erhielt.
Lieselotte Finke-Poser war lange Jahre auch als Illustratorin tätig und viele der in der DDR aufgewachsenen Kinder verbinden ihren Namen mit nachhaltig wirkenden Kinderbuchillustrationen. Am 29. Dezember feiert die Künstlerin ihren 80. Geburtstag. Die Redaktion von “Vorschau und Rückblick” gratuliert ganz herzlich.
W. Zimmermann

Albert Patitz – ein Radebeuler Architekt (Teil 2)

Zum 100. Geburtstag am 24. Mai 2006 (Fortsetzung aus Heft 6)
Als am Ende des Krieges die sowjetischen Truppen nach Ra­debeul drangen, mussten die Eltern wie die anderen Bewohner das Lämmel’sche Mehrfamilienhaus (Gabelsberger Str. 1, dann Straken 9, heute Eduard-Bilz-Str. 9) verlassen, ur­sprünglich sollte die Einquartierung nur zwei Tage dauern, daraus wurden dann mehr als zwei Monate. Nach der Rückkehr und der Beseitigung des Schmutzes und der Spuren des Vandalismus, versuchte Va­ter, das Architekturbüro wieder in Gang zu bringen und verzeichnete in seinen Rentenantragsunterlagen ei­nen Einsatz bei der neuen Stadtverwaltung. Dabei wurde er auch zu Planungen (Wohnungsneubau) für so­wjetische Dienststellen mehr oder weniger zwangsverpflichtet.
Vom 25. Januar 1946 datiert eine Mitgliedsbescheinigung der Landeskammer der bildenden Künstler Sachsens – Gruppe Dresden – die seine Anerkennung als freischaffender Künstler enthält und den Vermerk „Es stehen ihm deshalb Befreiungskarte, Arbeiterlebensmittelkarte so­wie Arbeitsräume und das dafür erforderliche Heizmaterial zu“. Vom 21. August 1946 gibt es ferner eine Bescheinigung des FDGB über die (wohl seit dem 1. Juli 1946) bestehende Mitgliedschaft in der Gewerkschaft 17, Sparte 7 Bildende Kunst, ebenfalls mit der Anerkenntnis als freischaffender Künstler und der Befürwortung der Berechtigungskarte bis zur Dauer von einem Jahr. Am 6. Juli 1946 wurde auch sein zweiter Sohn, der Verfasser dieses Artikels, geboren, der 1973 Radebeul verließ, um in Frankfurt (Oder) als Stadtplaner zu wirken.
Wohl schon 1946, mit Sicherheit ab 1947 ist Vater mit Planungen für Maßnahmen gemäß dem Neubauernprogramm betraut. In einem Schreiben des Landrates von Pirna vom 7. März 1947 erfolgt eine Bestätigung als „Bezirksarchitekt“ für neun Gemeinden im Raum Pirna / Sächsische Schweiz. hier entstanden zahlreiche Entwürfe für meist kleinere Bauten im ländlichen Raum. Laut einer Bescheinigung vom 4. März 1948 war er deshalb „als Kulturschaffender von anderweitigem Arbeitseinsatz befreit“.
Sein jüngster Bruder Rudolf Patitz, der damals in Pirna wohnte, scheint nicht unwesentlich bei der Vermittlung und Auftragserfüllung mitgeholfen zu haben und bildete mit Vater in dieser und der folgenden Zeit ab 1949 eine Arbeitsgemeinschaft (eine schriftliche Bestätigung datiert vom 10. Januar 1950). So ist Bruder Rudolf, wahrscheinlich auch durch Beziehungen zum Zellstoffwerk Heidenau, die Beschaffung eines größeren Auftrags, die Planung für das Zellstoffwerk Magdeburg-Rothensee (ab 15. Juni 1949), zu danken. Die Arbeitsgemeinschaft arbeite damals als „Sub“ für die Landesprojektierung Sachsen. Erwähnenswert aus dieser Zeit sind Planungen für die Schiffswerft Roßlau, verschiedene Bauten in Bernburg, die Sprungschanze in Altenberg / Geising und das Pionierlager in Papstdorf.
Vom 1. Januar 1951 bis zum 30. Mai 1951, die Selbständigkeit war wohl – auch angesichts der staatlich dekretierten Wertumfangbeschränkungen für Privatarchitekten auf Objekte bis, wenn ich mich recht erinnere, maximal 50 T DM Bauleistung, nicht mehr zu retten, wird Vaters Radebeuler Büro mit inzwischen etwa zwölf Be­schäftigten, eine Art Zweigstelle des VEB Industrieentwurf. Am 1. Juni 1951 erfolgte die endgültige Übernahme durch den VEB (Z) Projektierung – Entwurfsbüro für Hochbau Dresden I. Vater musste dann – mit eigenen Ausrüstungen, die er teilweise später zurückerhielt – mit der gesamten Mannschaft in die Tannenstraße nach Dresden ziehen und erhielt am 1. Oktober 1951 einen Einzelvertrag. In nur sieben Monaten wurde von ihm die Sportschule Neuländer Straße geplant und errichtet. Dafür wurde er am 13. Oktober 1952 zum ersten Mal als „Aktivist“ ausgezeichnet. Am 10. Dezember 1952 erhielt er eine Berufung als Brigadeleiter. Bereits seit dem 30. Juni liefen Planungen für die Wismut, Wohnungs- Kultur- und Sozialbauten in Johanngeorgenstadt und, ab 1. Oktober 1952 die Poliklinik in Aue. Dafür wurde Vater im Oktober 1953 zum zweiten Male Aktivist.
Seit Mitte 1953 entstanden auf den Zeichenbrettern schon die Planungen für die Dresdner Südvorstadt (im Rahmen eines Sonderbauprogramms für Arbeiter des Bergbaus mit etwa 1500 Wohnungen). Aufgrund eines Schreibens des Ministers für Aufbau vom 25.3.1954 erhielt Vater für das Projekt „331 Wohnungen in der Nürnberger Straße“ aus dem Ministerfonds eine persönliche Prämie in der für damalige Verhältnisse nicht geringen Höhe von 1500 DM. Die Südvorstadt muss ihn auch in den Folgejahren beschäftigt haben (u. a. Nebenstraßen der Nürnberger Straße, Würzburger Straße). 1954 tritt er dem, auch in der DDR wieder konstituierten Bund Deutscher Architekten zum zweiten Mal bei und hat die Mitgliedsnummer 275; denn die erste Mitgliedschaft aus dem Jahre 1932 währte nur bis Ende 1933. Am 15. Dezember 1933 wurde er – nach Auflösung des BDA – mehr oder weniger automatisch Mitglied der Reichskulturkammer als Vertretung der Architektenschaft; einen Abstammungsnachweis musste er allerdings erst 1938 erbringen. Vater legte immer sehr viel Wert auf die BDA-Mitgliedschaft und unterschrieb in der Regel mit „Architekt BDA“, auch dann noch, als der Bund am 5. Juli 1972 zum Bund der Architekten in der DDR (mit einer nunmehrigen Mitglieds-Nr. 03039) transformiert wurde.

patitz-2_7-2006

Entwurf für das Wohnhaus des Buchbinders K. L., 1936

Aufgrund fachlicher und politischer Differenzen mit einem neuen Betriebsdirektor wurde ihm, wohl Ende 1958, der Einzelvertrag gekündigt; ich kann nicht sagen, ob das auch einer generellen Kündigung gleichkam. Es gab jedenfalls sehr viel Aufregung zu Hause, und ich erinnere nur, dass damals der Direktor des Büros für Gebiets-, Stadt- und Dorfplanung aus der Altenzeller Straße in Dresden, der ihm persönlich sehr gewogen war, in unserer Wohnung vorstellig wurde und Vaters „Umsetzung“ zu diesem Büro vorschlug, was dann ab 1. Januar 1959 auch stattfand. Hier wurde er Leiter der Stadtplanungsgruppe II (zuständig für die Kreise Riesa, Meißen und Großenhain), seit dem 1. April 1963 nannte er sich Leiter der Komplexbrigade II (für den gleichen Arbeitsbereich), und es sind wohl besonders seine Bemühungen um die „Generelle Planung der Stadt Riesa“ und der städtebauliche Entwurf für den „Wohnkomplex Riesa-Weida“ (etwa 4000 Wohnungseinheiten) aus dieser Zeit hervorzuheben.
Zum 1. Januar 1965 wurde er in das neugegründete Büro für Territorialplanung beim Rat des Bezirkes Dresden, das sich aus Teilen der Mitarbeiterschaft des Büros für Gebiets-, Stadt- und Dorfplanung rekrutierte, übernommen. Es arbeitete auch in der Altenzeller Straße, wohingegen die verbleibenden Stadtplaner nun das neugeschaffene Büro des Be­zirksarchitekten (damals Peter Sniegon) bildeten. Die letzten Monate vor seinem Eintritt in die Altersrente im Mai 1971 wurde Vater zum sogenannten Bezirksenergiestab delegiert, trat aber dann Mitte August endgültig aus dem Beschäftigtenverhältnis. Bis zu seinem Tode am 6. August 1978 – er verstarb im Radebeuler Krankenhaus an den Folgen einer Operation – hatte er dann noch eine Fülle kleinerer Projekte, zumeist Um- und Ausbauten in Radebeul, gefertigt.
In seiner näheren Umgebung, insbesondere für die Belange der Schule Oberlößnitz hat sich Vater immer sehr engagiert eingesetzt. Für die Gestaltung des Festumzugs „600 Jahre Radebeul“ im Jahre 1953 hat er sich ebenso verantwortlich gefühlt wie für den anlässlich der 100-Jahr-Feier der Schule Oberlößnitz im Jahr darauf, für die er auch das langjährige Logo (mit Spitzhaus, Schulgebäude und einer Weintraube) unentgeltlich entwarf. Er war nach dem Kriege „Freund der neuen Schule“, viele Jahre Mitglied des Elternbeirates und oft Vorsitzender des Elternaktivs, da mein Bruder 1953 die Schule verließ und ich im gleichen Jahre eingeschult worden war. Maßgeblich hatte er, nachdem die sowjetischen Truppen Ende der 50er Jahre aus der Oberlößnitz abgezogenen waren, die Um­planung des Grundstücks der Villa Wach im Augustusweg als Schulerweiterung zusätzlich zum Altstandort geleistet und den Umbau mehrerer Gebäude, nebenbei zu seinen Dresdner Aufgaben, bis etwa 1961 geleitet. Sein größtes „Einfamilienhaus mit Privatlabor im Keller“, das er in jener Zeit privat – also neben seinen Dresdner Aufgaben im volkseignen Betrieb – entwarf, ist wohl das Wohngebäude im Augustusweg für den Kaufmann und Chemiker Gerhard Meyer, den Gründer und damaligen Direktor von Myraplast in der Gartenstraße, der dann aber irgendwann den Osten verließ.
1959 war Vater Mitglied der Auftragskommission des Kreises Dresden-Land geworden, 1960/61 Vorsitzender des Bauaktivs, dessen Mitglied er wohl schon seit 1955 war. Seit September 1961 war er (für den Kulturbund, in dem er schon viele Jahre in der Arbeitsgruppe Denkmalpflege und Stadtgeschichte mitgearbeitet hatte) Stadtverordneter, ich denke für eine Legislaturperiode und in diesem Zu­sammenhang Mitglied der Ständigen Kommission Bauwesen. 1962 wurde er zudem ehrenamtlicher „Denkmalpfleger“ für Radebeul. (Schluss)

Lutz Patitz

Zum 75. Geburtstag des Moritzburger Grafikers und Bildhauers Hans Georg Anniès

annies_6-2005_1

Hans Georg Anniès – 2. Internationales Bildhauersymposium in Moritzburg 2004

Die Bäume sind seit meinen Kindertagen meine Gefährten, Freunde und Lehrer – ohne sie ist mein Werk undenkbar“, sagt Hans Georg Anniès. Er müsse nur vor die Tür treten und er habe die einzigartige Moritzburger Wald-, Wiesen- und Teichlandschaft vor sich, in der er nun schon mehr als vier Jahrzehnte lebe.
Gleichnishaft verkörpert der Baum den Kreislauf des Lebens, Geburt, Wachsen, Sein, Altern, Tod. Er verkörpert vor allem den Herbst des Lebens, das Welken und Vergehen – Vergänglichkeit als Martyrium des Menschen, als Schicksal, als Unabänderlichkeit. Mit dem Baum ist also eine Marke von Gut und Böse, von Leben und Tod gegeben, aber auch – wie es Ernst Barlach nannte – ein Mittelstück zwischen Himmel und Erde.
Die Hölzer Hans Georg Anniès’ enthalten diese Sinngrenzen in ihrer Struktur, in ihren Lebenslinien. Sie sind Konstruktion und Destruktion in einem, Zeichen des Lebenswillens und zugleich solche der Vergänglichkeit. Der Bildhauer folgt den Wachstumsformen des Baumes, der Spirale, um sich gleichzeitig gegen das Unabänderliche aufzulehnen. Er arbeitet mit vielschichtigen Eingriffen von verletzender Direktheit den Wesenskern körperlicher und seelischer Erfahrungen aus dem Holz heraus. Eigentlich will er den Baum zum Singen bringen, nicht zum Sterben. Aber nicht immer kann das gelingen. Es lassen sich Grundformen ausmachen, langgestreckt nach oben gerichtet und ovale Grundmuster, die ein weibliches Körperverständnis evozieren können. Freie Visionen des Liegens, des Emporwölbens und des Aufsteigens, des Schwebens und des Versinkens. Raumbildungen, die fließend ineinander übergehen oder sich mit dem Außenraum berühren. Der Innenraum der Hölzer aber ist Symbol der Unzerstörbarkeit des Lebens. Höhlenartige Vertiefungen werden zur lebenserhaltenden, lebensschützenden, lebens“gebärenden“ Form. Dazwischen ist oft ein mathematisch scharfes, jäh schmerzhaftes Einschneiden in diese Zeichen naturhaften Wachsens, Risse öffnen sich beim Abtasten, um die dahinterliegende Wahrheit zu erfahren. Wunden heilen ebenso wenig im Holz wie im Menschen. Beim Umwandern der Skulpturen, so z.B. der überlebensgroßen Skulptur „hegen“ (2004) im Moritzburger Wildgehege, erschließen sie sich in ihrer Allansichtigkeit als Vorgang, nicht als Gegenstand, wie eben auch Anniès’ Holztiefdrucke Vorgänge, Prozesse sind.

Gerade seine Holztiefdrucke stellen eine besondere künstlerische Innovation dar, der wir uns noch gar nicht so recht bewusst geworden sind. Der herkömmlichen Grafik, die eine Vervielfältigung der Zeichnung war, hat er durch mehrfache Druckvorgänge mit ein und demselben Druckstock ein Ende gesetzt. Der Druckstock wird immer wieder anders eingesetzt und bringt deshalb stets ein anderes Bild hervor. Jeder Druck ist also ein Unikat. Der Druckstock, selbst ein Stück Natur, aus einem Baum geschnitten, dessen Gewebe und Strukturen, die Zellenformen, die helleren, äußeren Zonen und der dunkle gefärbte Kern bleiben erhalten und verhalten sich kontrapunktisch zu den Hinzufügungen des Künstlers. In dem Moment, in dem der Künstler ein neues Element hinzufügt (Bildzeichen, Chiffren, elementare Formen der Baumästhetik wie Kreis, Spirale, Samenkorn, Dreieck, Viereck und Kreuz, die sich räumlich aufrichten, zu schweben oder zu rotieren scheinen, auch Hell-Dunkel-Kontraste), fängt die Natur an, sich zu verwandeln. Sie macht eine Permutation durch, wie in der polyphonen Musik kontrapunktische Elemente ausgetauscht und wechselnd kombiniert werden, die in verschiedenen Stimmen zugleich erklingen können. Die Natur erhält die Bedeutung einer Bildmetapher, die in Richtung einer naturphilosophischen, anthropologischen oder auch kosmologischen Dimension weisen kann.

Sein Grafikzyklus „Großer Gesang der Bäume“ (2000) ist nach einem Gedicht Rainer Maria Rilkes benannt worden, in dem es heißt: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, / die sich über die Dinge ziehn. / Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen / aber versuchen will ich ihn.“ Anniès’ Zyklus besteht aus 7 Arbeiten und zeigt jeweils eine negative und positive Kreisform, der jedesmal ein anderes Holz zugrunde liegt. Seine Verbindung von endloser Linie und statischer Ruhe ließen den Kreis zum Sinnbild für den Schöpfergott und den Himmel, seine bruchlose Geschlossenheit zur Schutzzone oder zum Zeichen von Kraft, seine Entsprechung zur immer neuen Wiederkehr der Jahreszeiten, zum Symbol der Zeit und Unendlichkeit, des Lebens werden. Das Ungleichgewicht der Blätter 3 und 4 wird in ein dynamisches Gleichgewicht der vorangehenden wie anschließenden Blätter – der Blätter 1, 2, 5, 6 und 7 – verwandelt und verdeutlicht so das Wachstum der Bäume: Bewegung und Ruhe, Rauschen – Schweben – Balance – schwerelos, labil – verletzlich – unberührbar, Übergang – Verwandlung, Erinnerung, Ahnung – Traum, Dämmerung – Lauschen – Einsamkeit, Schein – Sehnsucht – Sein. Der dunkle (positive) Kreis rückt nach hinten, der helle (negative) Kreis nach vorn. Weiß und Schwarz ergeben ein Grau in verschiedenen Valeurs und Abstufungen, das den Strukturen eine ungeheure Transparenz, Hans Georg Anniès – Arbeiten in der Kreuzkirche Dresden 2003 Fragilität, Flüchtigkeit verleiht. Das Papierweiß wird zum Raum; wenn etwa ein Viertel des Kreises offen bleibt, dann scheint hier ein Moment der Sehnsucht, der Hoffnung auf. Wie würde sich ein Dreieck verhalten? Was würde passieren, wenn man mit demselben Druckstock mehrfach druckt und ihn dabei immer weiter in die Diagonale bringt? Wieder eine ganz andere, neue Seinserfahrung würde freigesetzt. So ergeben sich völlig entgegengesetzte Formbefunde, nur um 180 Grad gedreht und neu zusammengesetzt – und das alles mit ein und demselben Druckstock.

annies_6-2005_2

Hans Georg Anniès – 2. Internationales Bildhauersymposium in Moritzburg 2004

 

Die Arbeiten Hans Georg Anniès, aus Stille und Kontemplation entstanden, erzeugen beim Betrachter einen Zustand des Verharrens, des Sich-Erinnerns, des Erkennens und Ahnens. Sie machen uns – und wenn auch nur für einen Moment – still, bevor uns die Hektik des Alltags wieder einfängt.

Prof. Klaus Hammer

Worte des Gedenkens für Rüdiger Kollar

Gesprochen am 18. März zur Beerdigung auf dem Hauptfriedhof der Friedenskirchgemeinde Radebeul von Werner Peinke

Rüdiger Kollar war viele Jahre Mitglied des Kreisvorstandes Dresden-Land der URANIA, immer aktiv mitgestaltend im Wirken an der Bildung des Volkes! – Im Na­men aller unserer URANIA-Mitglieder sage ich Dir Danke, lieber Rüdiger Kollar! Du bleibst mit uns in unserem Leben.

ruediger-kollar_5-2005Hermann Hesse: „Der verstorbene Mensch bleibt lebendig mitten unter uns mit dem Wesentlichen, mit dem er auf uns gewirkt hat, solange wir selbst leben.“
Die Sternwarte „Adolph Diesterweg“ auf den Ebenbergen zu Radebeul. Die Plastik auf der Brühlschen Terrasse zu Dresden. Deine pädagogische Leidenschaft, mit welcher Du Dir einen festen Platz in den Herzen und Köpfen Deiner Schüler gesichert hast. Astronomie! Du zeigtest uns in der Sternwarte oder bei Veranstaltungen der URANIA die Größen-Relationen von Raum und Zeit – wie klein, wie winzig der Mensch dagegen. Wie groß die Verantwortung, Natur zu erhalten und nicht zu verunstalten – in Ehrfurcht vor der Schöpfung. Du, lieber Rüdiger, hast das Wort des Dichters Walter Dehmel befolgt: „Handeln müsst ihr, nicht nur träumen, nutzlos bleibt, was man nur plant. Hemmnisse zur Seite räumen – das ist’s, was den Weg uns bahnt.“
Mit großer Bewunderung, Begeisterung sprachen Leiter, Angestellte, Arbeiter der Zentralwerkstatt der Technischen Universität Dresden von Deiner Ideenfreudigkeit, von Deinem Organisationstalent, von Deinem Engagement bei der Errichtung der Sternwarte auf den Ebenbergen. Du brachtest es fertig, lieber Rüdiger Kollar, Mondgestein nach Radebeul zu holen, mitgebracht von amerikanischen Astronauten von unserem Himmelstrabanten. Du brachtest es fertig, die Ausstellung des polnischen Kulturzentrums in Berlin zum 500. Geburtstag von Nikolaus Kopernikus im Jahre 1973 in Radebeul zu präsentieren. Du brachtest es fertig, viele Sonnenwendfeiern in un­serer Heimat anzuregen und auszuführen, große Resonanz bei vielen Menschen glückhaft erlebend.
Johann Wolfgang von Goethe: „Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht, und mit Entzücken blickt man auf in jeder heiter’n Nacht.“ Du, lieber Rüdiger, hast viele Menschen gelehrt, jung und alt, Deutsche und Ausländer, den heiteren Sternenhimmel zu betrachten, sich daran zu erfreuen. Du warst ein Stern in unserem Leben. Du bleibst ein Stern in unserem Leben. Hab‘ Dank, Rüdiger Kollar, Du mein Freund, Du unser Kamerad in der Verbreitung von Wissen. Hab‘ Dank. Du wirst uns unvergessen bleiben!

Albert Patitz – ein Radebeuler Architekt (Teil 1)

Zum 100. Geburtstag am 24. Mai 2006

patitz-1_6-2006

Albert Patitz

Wahrscheinlich Anfang 1922, lief ein fünfzehnjähriger Baugewerkeschüler von der Dresdner Neustadt nach Radebeul, die Fotografie eines unbekannten, schwarzbezopften Mädchens, die er einem Freunde entrissen hatte, in der Hand. Er klingelte an der Wohnung des Malermeisters Richard Lämmel, Gabelsberger Str. 1, und begehrte, mit dessen Tochter Erna spazieren gehen zu dürfen.
Da der Zunftmeister der Radebeuler Malerinnung wohl keine Einwände machte, seine Tochter besagtem, sehr ernstem Jüngling, Albert Patitz, dem ältesten Sohn des Baugewerken Hermann Patitz anzuvertrauen, begann so die Beziehung meiner Eltern, der fünf Jahre später (Mündigkeit meines Vaters) die Verlobung und weitere fünf Jahre darauf die Hochzeit folgte.
Am 31. Mai 1906 war Hermann Patitz auf dem Standesamt Dresden III erschienen und hatte dem Beamten mitgeteilt, dass am 6. Mai, nachmittags 9 Uhr, von seiner Ehefrau Anna geb. Löwe in seiner Wohnung in der Böhmischen Straße 13, ein Knabe geboren worden sei und dass sein Kind die Namen Hermann Wilhelm Albert erhalten habe. Großvater, damals ein Witwer mit zwei Töchtern, hatte mit Anna am 29. Juli des Vorjahres die Ehe geschlossen, in die auch sie eine Tochter mitbrachte. Am ersten Hochzeitstag des Paares fand die evangelisch-lutherische Taufe Alberts statt.
Albert, zu dem sich später noch zwei Brüder, Oskar (1907–1990) und Rudolf (1912–1993), gesellten, besuchte von 1912 bis Ostern 1920 eine Dresdner Volksschule und war am 21. März in der Martin-Luther-Kirche konfirmiert worden. Dann begann er im väterlichen Betrieb mit der Maurerlehre, die er ab November bei der Fa. Georg Tauer in Dresden fortsetzte. Die Ausbildung erfolgte zumeist in den Abendstunden, denn gleichzeitig besuchte er für zweieinhalb Jahre die Technische Lehranstalt.
Schon im Wintersemester 1922/23 absolvierte Vater den ersten Halbjahreskurs der Sächsischen Staatsbauschule, im Sommer 1923 wie auch im Sommer darauf besuchte er zusätzlich Abendkurse der Kunstgewerbeschule, dies alles parallel zur Ausbildung als Maurerlehrling, die er am 12. April 1924 mit der Gesellenprüfung abschloss. Er blieb aber noch bis zum 20. November bei der Fa. Tauer. Am 2. Semesterkurs an der Staatsbauschule hatte er im Winter zuvor teilgenommen. Durch die Gesellenentlohnung über mehrere Sommer- und Herbstmonate hatte er vermutlich finanziell soweit vorgesorgt, dass er die letzten drei Semester ab Winter 1924/25 zusammenhängend bis zum Erhalt des Reifezeugnisses der Staatsbauschule am 17. März 1926 absolvieren konnte, wobei er sich im Sommer 1925 als Hörer der TH Dresden zusätzlich für einen Sonderlehrgang Städtebau eingeschrieben hatte, dem ein Jahr darauf ein weiterer für das ländliche Bauen gefolgt war.
Zu diesem Zeitpunkt hatte er, beginnend vierzehn Tage nach der Staatsbauschulprüfung, schon als Bautechniker im Architekturbüro Dr. Tischer gearbeitet, wechselte aber bereits Mitte November 1926 in das renommierte Architekturbüro Lossow und Kühne. Die nunmehrige materielle Sicherheit erlaubte dann wohl auch, Ende August 1927, die Verlobung mit Erna Lämmel. Allerdings zog Vater erst am 1. September 1930, nach Angabe eines Meldescheins des Stadtrats von Radebeul vom 29.12.1932, in die Lößnitzstadt in das Haus der Schwiegereltern.
Obwohl es ausschließlich dem Bürovorsteher, der auf einer Empore über dem Zeichensaal thronte, vorbehalten war, hatte Vater heimlich Fassadenentwürfe gefertigt, die er dann Prof. Max Hans Kühne bei dessen Rundgang durch sonst nur die Grundrisse „durchmiezelnden“ Reihen der gewöhnlichen Mitarbeiter, zeigte. Dieser erkannte Vaters künstlerisches Talent und förderte ihn, zum Leidwesen des verärgerten Bürovorstehers, von nun an persönlich. Die damit verbundene bessere Dotierung hatte allerdings den Nachteil, dass er hier nur bis zum 30. September 1930 beschäftigt wurde, da wegen der aufziehenden Wirtschaftskrise zuerst die besser bezahlten Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit entlassen wurden.
Die Arbeitslosigkeit dauerte fast drei Jahre, kurzzeitig unterbrochen durch Honorararbeiten für die Architekten Wichmann, Hans Richter, Schilling und Gräbner, Dr. Tischer sowie Prof. Rauda sen. 1932 gewann er zwei gutsagende Bürgen und wurde in den Bund Deutscher Architekten aufgenommen. Ab und an arbeitete er auch als einfacher Maurer bei der Fa. Günther und Söhne in Klotzsche. Am 26. Dezember 1932 heirateten die Eltern trotz aller Ungewissheiten der Zeit. Pfarrer Straube nahm die anschließende Trauung in der Radebeuler Lutherkirche vor. Der Auszug aus dem Gotteshaus erfolgte durch ein Spalier von Mitgliedern des Jungdeutschen Ordens mit gehissten Ordensfahnen. Vater und Mutter gehörten seit Mitte der zwanziger Jahre (bis zur Auflösung durch die Nazis) diesem Orden an, der sie als politische Heimat sehr geprägt hatte und aus dem sich auch ihr damaliger Freundeskreis ergab. Vater war mehrere Jahre „Meister“ von Dresden-Neustadt.
Vom 27. August 1933 stammt der letzte Vermerk seiner Arbeitslosen-Stempelkarte, der ausweist, dass sich Vater nun zur Selbständigkeit entschlossen hatte. Und es gelang ihm noch im gleichen Jahr, die ersten Projekte für Wohnhäuser in Gittersee, Langebrück, Liegau und Klotzsche zu realisieren. 1934 fasste er dann auch in Radebeul Fuß. Ein Wohnhausumbau (für Dr. Bayer), das Fünffamilienhaus für Bildhauer Schuster in der Wasastraße (mit dieser Firma war er lange Jahre, eigentlich bis zu seinem Tode, besonders auch durch die Anfertigung von Grabstein-Entwürfen und –Beschriftungen eng verbunden) sowie der Neubau der privaten Frauenklinik für Dr. med. R. Taubert sind die ersten Zeugnisse seiner selbständigen Tätigkeit in der Lößnitz, wenn man den Entwurf für den Anbau an die alte Oberlößnitzer Schule im Augustusweg 42 von 1926, den er, wohl noch als Angestellter bei Dr. Tischer, gefertigt hatte, nicht mitrechnet.Da es Vater, nach eigenem Bekunden, an einer „praktischen Geschäftstüchtigkeit“ mangelte, hatte er sich, infolge der sich jetzt, Mitte der dreißiger Jahre, ständig verbessernden Auftragslage, recht bald einen Kompagnon fürs Geschäftliche gesucht – Karl Lötzsch, der sich aber am 19. September 1936, aus Sorge vor Einbußen nach einer längeren Erkrankung Vaters, wieder von ihm trennte. Dennoch bleibt Vaters Büro noch bis in die ersten Kriegsjahre hinein, im Aufschwung. Mutter hatte diese Zeit immer als die glücklichste ihres Lebens empfunden, so dass auch der Kinderwunsch durch die am 21. Januar 1935 erfolgte Geburt meines Bruders Ulrich (der 1993 verstarb) erfüllt werden konnte, weil es in nun leidlicher materieller Sicherheit geschah. Bis 1942 ist eine Liste geführt mit rund 130 Planungen aller Art, insbesondere Wohnhäuser, Siedlungen, Fabrikbauten, Innenausgestaltungen. Allerdings nimmt die Anzahl der Vermerke „Projekt“ Ende der dreißiger Jahre und während der ersten Kriegsjahre zu. Dies könnte darauf hindeuten, dass die tatsächliche Bauausführung nicht sogleich oder gar nicht mehr erfolgte.
Eine schwere Operation im Jahre 1939 hatte die günstige Folge, dass Vater nicht aktiv in den Krieg ziehen musste. Aber im Jahre 1942, irgendwo verwahre ich noch den angestrichenen Zeitungsausschnitt, gab es einen Aufruf von Minister Speer an die deutschen Architekten und Ingenieure, sich einem Auslandseinsatz zu stellen. Da hatte sich auch Vater für die Ukraine beworben und, wohl bis kurz nach Stalingrad, die gesamte Planung für den Wiederaufbau der der Dnepr-Holz GmbH in der Südukraine zugewiesenen Werke in Kiew und Saporoshje, vorwiegend aber in Dnepropetrowsk selbst, geleitet. Ich bewahre noch einige Aquarelle mit Dnjepr-Landschaften.
Als nach der durch Stalingrad herbeigeführten Kriegswende der Rückzug auch der Zivilisten angeordnet wurde, kam Vater nach Deutschland zurück, wurde aber Mitte 1944 bis Anfang 1945 nach Leipzig beordert, um Fliegerschäden beseitigen zu helfen. In den Fliegerangriffen auf Dresden verloren Vaters Eltern ihre Wohnung Rothenburger/Ecke Bautzener Straße, überlebten glücklicherweise und hatten fürs Erste in Großvaters Niederlage in der Holzhofgasse eine Bleibe, in der Großvater 1952 auch verstarb.
(Fortsetzung folgt)
Lutz Patitz

Im Archiv gestöbert – Die Geschichte der Niederwarthaer Elbbrücke (Schluss)

Der historische Artikel im vorigen Heft hat sich aus gegebenem Anlass mit der Baugeschichte der ersten Niederwarthaer Elbbrücke beschäftigt, einer ingenieurtechnischen Meisterleistung, die das Interesse der Lößnitzbewohner seinerzeit in ähnlicher Weise gefangen nahm wie vorher nur der Bau der Leipzig-Dresdner Eisenbahn. Für genau siebzig Jahre – ein Menschenalter lang – diente sie nicht allein dem Eisenbahnverkehr, sondern auch als Straßenbrücke zwischen den Kötzschenbrodaer Elbwiesen und der Naundorfer „Enclave“ am alten Fährhaus auf Niederwarthaer Seite. Dass sich heute kaum jemand an diese Tatsache erinnert, liegt daran, dass die Brücke am letzten Tag des Zweiten Weltkriegs ohne Sinn und Verstand demoliert wurde, mit weitreichenden und bis heute spürbaren Folgen.

Die Geschichte der Niederwarthaer Elbbrücke (Schluss)

Das vorläufige Ende dieses wichtigen Bauwerks kündigte sich im zeitigen Frühjahr 1945 an. In der aberwitzigen Hoffnung, den Vormarsch der sowjetischen Armee noch stoppen zu können, wurde die Brücke Ende April durch eine in Naundorf einquartierte österreichische SS-Einheit und ein Sprengkommando der Wehrmacht zur Zerstörung vorbereitet. Als Sprengsätze dienten große Fliegerbomben ohne Leitwerk. Nachdem die Rote Armee am Nachmittag des 7. Mai Wahnsdorf und Lindenau eingenommen hatte, wurde gegen 23 Uhr ein erster Sprengversuch unternommen, der allerdings fehlschlug. Die zweite Sprengung kurz vor zwei Uhr früh – sowjetische Stoßtrupps hatten bereits die Elbe erreicht – zerstörte die äußeren Stromjoche der östlichen Brückenseite einschließlich der Fahrspur. Da nicht alle Ladungen gezündet hatten, blieb der stromabwärts gelegene Brückenstrang zwar stehen, einer der Bögen wurde aber um mehr als einen Meter aus den Auflagen ge­rissen. Die Häuser in der Umgebung waren durch die Detonation beschädigt, Dä­cher abgedeckt, Fenster und Türen eingedrückt.
Stunden später war der Krieg vorbei. Die Brückenruine wurde für den Bahnverkehr gesperrt, war aber für Fußgänger noch eingeschränkt passierbar. Erst ein folgenschwerer Unfall am frühen Morgen des 31. Juli 1945, als ein aus Berlin kommender Leerzug mit überhöhter Geschwindigkeit die Warnsignale überfuhr, brachte auch ein Stromjoch des zweiten Brückenstrangs zum Einsturz. Die Zeitzeugenberichte über den Unfallhergang sind widersprüchlich, fest steht jedoch, dass der Heizer und ein russischer Eskortesoldat ums Leben kamen. Mehrere Reichsbahnbeamte wurden daraufhin we­gen vermeintlicher Sabotage an­geklagt; ein kurz vor der Pensionierung stehender 72-jähriger Amts­vorsteher starb kurze Zeit später in sowjetischer Lagerhaft.

vorschau_5-05_elbbruecken-niederw
Neun Monate lang war der Übergang dann nur noch über eine provisorische Hängebrücke möglich. Bahnreisende von Dresden nach Berlin mussten von der Leipziger Strecke mit Sack und Pack zu Fuß zum Bahnhof Naundorf marschieren. Am 13. April 1946 ging der not­dürftig reparierte westliche Ei­senbahnstrang der Brücke dann wieder in Betrieb; der Personenverkehr wurde, wie in alten Zeiten, durch eine diesmal stromabwärts eingerichtete Fährverbindung ge­währleistet. Der Straßenverkehr blieb unterbrochen, und auch die Mär, für einige Zeit sei noch per Ampelregelung eine Überfahrt für Autos und Fuhrwerke möglich ge­wesen, gehört nach Zeitzeugenberichten ins Reich der Fabel.
Schon im November 1945 hatte der Radebeuler Stadtrat „mit Rück­sicht auf die gestörten Verbindungen mit dem überelbischen städtischen Gebiete“ beschlossen, eine „Ausbezirkung“ des Ortsteils „Am Fährhaus“ und eine Einflurung nach Niederwartha zu beantragen. Dies scheiterte zunächst am Widerspruch mehrerer Grundbesitzer, wurde aber auf Betreiben des teilweise auf Kötzschenbrodaer Flur gelegenen Pumpspeicherwerks Niederwartha, damals Teil des VEB Verbundnetz Ost, im Oktober 1952 wieder auf die Tagesordnung gerückt. Stadtrat und Stadtverordnete stimmten im April 1953 dafür, „da der Ortsteil linksseitig der Elbe liegt und durch die 1945 erfolgte Zerstörung der Niederwarthaer Brücke von der Stadt Radebeul praktisch getrennt ist.“ Vorher hatte sich jahrhundertelang niemand daran gestört, dass die sogenannten Weiherwiesen, die die Gemeinde Kötzschenbroda im Jahr 1519 als Weideland erworben hatte, jenseits der Elbe lagen. Mit insgesamt reichlich 53 ha, davon knapp 10 ha ehemals Naundorfer, der Rest, einschließlich des unteren Staube­ckens, Kötzschenbrodaer Flur, be­deutete die per 1. April 1954 wirksame Umflurung den größten Ge­bietsverlust in der Radebeuler Geschichte.
Ende 1973 begannen schließlich Beratungen über einen Neubau der Eisenbahnbrücke, der jedoch erst 1979 in die Wege geleitet und 1983 abgeschlossen werden konnte. Da­mit fiel die eigentliche Bauzeit mehr als doppelt so lang aus wie zu Kaisers Zeiten. Dass die durch zwei eingleisige, auf die alten Pfeiler montierte Tragwerke gebildete Stahlbetonkonstruktion – die Reste des ursprünglichen Bogenfachwerks wurden demontiert – überhaupt wieder einen Fußgänger- und Fahrradweg erhielt, war der ausdrücklichen Intervention der Stadt Radebeul zu verdanken. vorschau_5-05_elbbruecken-niederw-1

Die Autofahrer hatten bei der Planung des vom Ingenieurbaubetrieb Dresden der Deutschen Reichsbahn ausgeführten Bauvorhabens naturgemäß keine Lobby. Ist die neue Straßenbrücke, deren Vorlaufzeit jetzt schon DDR-Rekorde bricht, nun wünschenswert? Als Radebeuler muss man sich zurückhalten, denn vom anderen Ufer heißt es, nur wir hätten die Vorteile. Als historisch Denkender könnte man argumentieren, es wüchse zusammen, was zusammen gehört(e). Als unbekannter Freund des sagenumwobenen Wachtelkönigs wiederum… Man wird sehen, ob hier noch eine Fortsetzung folgt.
Frank Andert

Copyright © 2007-2026 Vorschau und Rückblick. Alle Rechte vorbehalten.