Glosse oder auch nicht

Ist die Welt noch zu retten?

Nun sind mittlerweile über 35 Jahre vergangen, als ich, noch im naiven Glauben an die Menschheit, 1989 aufatmete. Das Ende der Machtblöcke, so war damals meine felsenfeste Überzeugung, würde auch deren Kampf um Einflusssphären und vor allem das Wettrüsten, die ewige Geißel der Menschheit, ein für allemal beenden. Der Wunsch vieler Millionen Menschen lenkte wohl in jenen Tagen auch meine Gedanken. Dabei hätte ich es besser wissen müssen, bin ich doch im Osten in die Schule gegangen. Froh war ich, als sich im Zuge der Friedensübereinkünfte von Helsinki 1975 eine Entspannung über Europa legte. Der Osten hatte das damals angeschoben. Wahrlich, lang ist‘s her…

Nicht erst 2014 machten sich aber andienende Politiker und Historiker daran, die Mitschuld des Deutschen Reiches an den damals unvorstellbaren Völkermord des Ersten Weltkrieges zu relativieren und die Geschichte umzuschreiben. Und heute rufen sogenannte „Führer des Landes“ die Jugend wieder zu den Waffen mit dem Spruch „Das Vaterland braucht Euch“. Kalt läuft es mir da den Rücken herunter.

Wie es überhaupt kalt in der Gesellschaft geworden ist, in der sich alles rechnen muss, egal ob in der Wirtschaft oder bei den sogenannten weichen Faktoren. „Konzern Stadt“ war auch in Radebeul ein gängiger Begriff und Sozialwohnungen fast ein Fremdwort. Doch die ewige Sparpolitik zerstört gesellschaftliche Bereiche, die eben nicht auf jede kurzfristige Entwicklung an den Börsen reagieren können, die gewissermaßen zu den „Grundfesten“ einer Gesellschaft gehören sollten. Wir erleben dies gerade dramatisch im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen. Es fehlt überall an qualifizierten Arbeitskräften, auch weil die Finanzierung zurückgefahren wurde. Drastisch haben sich die Geburtenzahlen verringert, was sich im anwachsen der Singlehaushalte auf 44 Prozent spiegelt. Und wenn ich dann noch daran denke, dass ein Viertel der junger Menschen gegenwärtig eine engere emotionale, gefühlsmäßige Beziehung zu ChatGPT entwickeln, als zu einer lebenden Person, sehe ich förmlich den Untergang der Welt vor meinen Augen. Wir werden aus der Geschichte verschwinden, nicht weil wir mit einem sinnlosen Atomkrieg die Welt zerstört haben oder eine Pandemie uns ausgerottet hat, sondern weil uns die „Künstliche Intelligenz“ lebensunfähig machen wird! Die KI lässt die Nutzer nicht nur abhängig werden, sondern lässt sie auch verblöden, so eine Studie.

Diese Kälte unter den Menschen ist schon erschreckend, was man an der Abschiebung von Flüchtlingen, an der Aggressivität von Vierjährigen, wie auch am Mietwucher ersehen kann. Wohnen ist in diesem Land kein Bürgerrecht. Die Durchschnittsmiete in Radebeul liegt gegenwärtig bei 10,37 €/m², in Sachsen zwischen 6,65 und 7,26 €/m². Da weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Diese Stadt muss man sich leisten können. Wien lässt grüßen. Ist das die Kommunalpolitik, die wir brauchen?

Freilich gibt’s jetzt in Radebeul auch den Hoffnungsschimmer „Sportlich-kulturelle Mitte“. Da durften Interessierte am 9. Mai schon mal schnuppern. Wollen wir glauben, dass die Radebeuler bei der Ausgestaltung und Nutzung des großen Areals zwischen Bernhard-Voß-Straße und Steinbachstraße längs der Bahntrasse aktiv mitwirken können. Geduld muss aber mit- und aufgebracht werden, denn die endgültige Fertigstellung ist erst für 2039 vorgesehen.

Gleichwohl malen Heerscharen von Alleswissern von der Zukunft ein düsteres Bild, weil, laut Udo Di Fabio, die Menschen die Moral und ihre traditionelle Bindung an die Religion über Bord geworfen hätten und es ihnen besonders an Leistungswille fehle. Und damit auch gleich klar ist, wer hier unter „die Menschen“ zu verstehen ist, führt der Autor in seinem Werk Die Kultur der Freiheit, den Bäcker, Fußballspieler, Chirurgen, Forscher oder Kinderbuchautor auf, alles natürlich Individuen, die in dieser Gesellschaft das Sagen haben – aller vier Jahre! Kommt mir alles verdammt bekannt vor, auch wenn Udo Di Fabio sein Machwerk bereits 2005 verfasst hatte.

So ist die Welt nicht zu retten, meint

Euer Motzi

Was macht eigentlich unser früherer Artikelschreiber Reiner Roßberg?

Über lange Zeit, vor allem in den neunziger und Nuller-Jahren, war Reiner Roßberg regelmäßig in der Vorschau zum Thema Wein mit fachlichen Artikeln und Schnorren vertreten. Er gehörte zum Kreis der Schreiber um die Redaktion herum, wie z.B. Liselotte Schließer, Tine Schulze-Gerlach oder Frank Thomas. So erfreute er uns mit konkreten Themen zum Weinbau oder er ließ Karalambos philosophieren, der aber auch immer irgendwie beim Wein landete. Klar, Reiner Roßberg ist gelernter Gärtner und Winzer und weiß, wovon er schreibt.

Foto: D. Lohse

Dann aber wurden seine Artikel in der Vorschau weniger und hörten 2014 schließlich ganz auf. Viele Leser der Vorschau dürften das bedauert haben. In der Zeit kam das Gerücht auf, Roßberg schreibe an etwas ganz Großem. Und 2018 erschien dann sein Roman „Wolf von Kreyern“ im Notschriften-Verlag (wir berichteten in V&R 08 /19), sein bisher größtes und ein tolles Werk. Wer aber gedacht hatte, nun kann er sich wieder den kleinen Artikeln in der Vorschau zuwenden, hatte sich getäuscht. Es kam nichts mehr für die Vorschau aus seiner Feder. Warum, weiß man nicht. Könnte es vielleicht mit dem Tod und dem Ende der Redakteurszeit von Dieter Malschewski zusammenhängen?

Nun hatte ich schon geraume Zeit vor, mal bei ihm vorbeizuschauen und zu sehen wie’s ihm geht. Aber dann kam immer wieder was Anderes dazwischen. Wir, Reiner Roßberg und ich, kennen uns schon lange und hatten über die Jahre hinweg eine ganz gut laufende Weinpartnerschaft – ich verkaufte ihm das Lesegut aus meinem Weingarten, er kelterte es sortenrein (Müller-Thurgau) mit seiner Ernte und ich kaufte im Folgejahr dann ein paar Flaschen Wein zurück. Das Ende dieser Partnerschaft musste leider im Jahr 2024 vereinbart werden, da sich Reiner Roßberg einer weiteren Hüft-OP unterziehen musste. Zu meiner o.g. Absicht, Herrn Roßberg mal zu besuchen, kam nun die Frage aus der Redaktion der Vorschau dazu, was macht eigentlich Reiner Roßberg? Telefonisch wurde dann der 12. März 2026 für einen Besuch bei ihm zuhause vereinbart.

Nach erfolglosem Klingeln fand ich schließlich den Gesuchten mit zwei Krücken im Schuppen hantierend. Dann saßen wir im Wohnzimmer, aber ein Gespräch kam nur schleppend in Gang – wir sind halt beide älter geworden, seit wir uns zuletzt sahen. Ja, es ist so, wie ich vermutet hatte, es geht dem 84-jährigen Roßberg nicht so gut. Er ist allein seit seine Frau vor zwei Jahren gestorben ist. An den Hüftgelenken kann man nach mehreren Operationen nun wohl nichts mehr ändern, er spricht von einer miglückten OP und verschiedenen Nachbesserungen. Dazu kommen noch ein paar Beschwerden, die sich so im Alter einstellen. Dagegen ist, was man in dem Alter nicht immer voraussetzen kann, der Kopf noch „voll da“. Während des weiteren Gesprächs kann er sich noch recht gut an die Stationen des beruflichen Werdegangs erinnern und darüber sprechen.

Er stammt aus einer Zitzschewiger Gärtnersfamilie und hat nach der Schulzeit dann auch Gärtner als Beruf gelernt. In den 50er Jahren existierten hier noch viele Gärtnereien – heute gibt’s in Zitzschewig wohl nur noch die Gärtnerei Kießlich und die Baumschule Schumann. Eigentlich wäre Reiner Roßberg gern Handwerker geworden, aber er folgte den Wünschen der Eltern, bzw. der Großeltern. Als der „VEB Wackerbarth“ Leute suchte, bewarb er sich um eine Stelle als Winzer und qualifizierte sich da weiter zum Winzermeister und dort hat er dann fast 20 Jahre gearbeitet. Nach 1990 wechselte Roßberg für reichlich 6 Jahre ins stadteigene Weingut „Hoflößnitz“, wo Bio-Wein erzeugt werden sollte. Aber hier redeten ihm zu viele in seine Arbeit rein. Als Übergang zur Rente richtete er schließlich im eigenen Grundstück am Langenbergweg noch eine anfangs gut gehende Schoppenstube ein, die meine Frau und ich auch gern besucht hatten. Nach ca. 10 Jahren wurde der Betrieb der Schoppenstube dann eingestellt. Sein Berufsleben und seine Freizeit waren also immer irgendwie mit dem Wein verbunden gewesen!

Foto: D. Lohse

Während unseres Gesprächs erkenne ich aber, dass sich Reiner Roßberg parallel zum Wein auch immer Gedanken über die Gesellschaft gemacht hat, ja der Philosophie gedanklich sehr nahe gekommen ist. Vielleicht ist er dadurch gar dem alten Prohliser Astronom und Bauernwissenschaftler Johann Georg Palitzsch ein bißchen ähnlich? Manchmal zeigt er aber auch, dass er’s nicht so mit den „Studierten“ hat. Ist das ein Grund, weshalb unsere Bekanntschaft nicht über das „Sie“ hinausgekommen ist? Doch man kann auch Freund per „Sie“ sein, oder? Diese Veranlagung, über die Welt im Großen und Kleinen nachzudenken, sehen wir auch in seiner Schreiblust. Außer den Artikeln, die wir in der Vorschau lesen konnten, hat er etliche Bücher im Radebeuler Notschriften-Verlag (der ist neulich erst umgezogen: AK 22!) herausgebracht, darunter den „Wolf von Kreyern“. Und ein weiteres Buch „Balkon Gottes“ mit der Kritik am Leben in der Überflussgesellschaft hat Roßberg fertiggestellt, man darf gespannt sein!

Jetzt ist sein Leben stiller und der Radius seiner Handlungsmöglichkeiten kleiner geworden. Wahrscheinlich werden wir in der Vorschau künftig auch keine Artikel von Roßberg mehr finden, schade, aber wohl nicht zu ändern.

Ich verabschiede mich mit besten Wünschen für noch ein paar gute Jahre unter den o.g. Umständen und grüße von der Redaktion von „Vorschau und Rückblick“.

Dietrich Lohse

Wassersportzentrum Radebeul

Seit nunmehr 103 Jahren ist das Bootshaus Radebeul ein wichtiges Zentrum für Sportler, Freunde und Liebhaber des Wassersports – Ruderer, Kanuten und Segler. Mittlerweile ist es aber auch ein gefragter Ort für Wasserwanderer auf der Elbe und Fahrradfahrer die auf dem Elberadweg unterwegs sind und hier gern eine Zwischenrast einlegen.

Die umgebaute Kegelbahn des Dampfschiffrestaurants
Foto: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Es waren Ruderer des Rudervereins Lößnitz (R.V.L.) die in der umgebauten Kegelbahn des Dampfschiffrestaurants ihr Domizil hatten, das den Ansprüchen des jungen Vereins durchaus genügte. Mit stetigem Anstieg der Mitgliederzahl und der zur Verfügung stehenden Ruderboote musste aber über eine Alternative nachgedacht werden. Ein neues Bootshaus wurde erforderlich. Nicht zuletzt dank großzügiger Spenden konnte das Vorhaben in Angriff genommen werden und im ersten Schritt die Bleichplatzanlage der Badeanstalt Kleinert in Kötzschenbroda als Bauland erworben werden.
Der Radebeuler Architekt Alfred Tischer entwarf 1923 einen verputzten Ziegelbau mit Zollingerdach. Die Giebel sind teilweise verbrettert, im Erdgeschoss befinden sich zwei große, korbbogige Hallentore.

Bild: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Am 26. Mai 1923 erfolgte der offizielle Baubeginn und bereits am 30. September fand die Einweihung des neuen Bootshauses statt. Die Radebeuler Baufirma Johannes Eisold hatte das Bootshaus errichtet.

Der Mittelbau mit dem Zollingerdach ohne die seitlichen Anbauten ist unter dem Denkmalnamen „Wassersportheim Lößnitz“ ein Kulturdenkmal. Als markanter Bau mit seltener Lamellendachkonstruktion, nach Patent des Merseburger Architekten Friedrich Zollinger“ ist das Gebäude ortshistorisch und baugeschichtlich bedeutend. In seiner Schlichtheit und Zweckmäßigkeit fügt sich der Bau sehr schön in das umgebende Landschaftsbild ein.

Bootshaus in den 1920er Jahren
Foto: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Ein überaus reges Vereinsleben mit Training, Regattateilnahmen, geselligen Zusammenkünften machte das Bootshaus zu einem wichtigen Begegnungsort in Radebeul.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde es bis 1948 zweckendfremdet als KfZ-Werkstatt von der Roten Armee genutzt.

Danach aber entwickelte sich das Bootshaus wieder zu einer Heimstatt vieler, engagierter Wassersportler. Ruderer, Segler und Kanuten. Gemeinsam nutzten sie das Bootshaus und kümmerten sich im Verbund eines Bootshausaktives um sämtliche Belange dieses Hauses. Organisatorisch und sportlich agieren die jeweiligen Abteilungen auch heute noch eigenständig.

Immer wieder reagierten die Sportler und die Verantwortlichen auf neue Herausforderungen und neue Bedingungen. So werden Anfang der 1970er Jahre eine Seglerhalle, ein Kanuanbau, Garagen und ein Sozialtrakt mit Toiletten, Duschen und Umkleideräume für die Damen angebaut. Neben der Seglerhalle entsteht außerdem eine Bootshalle für die wachsende Zahl der Ruderboote und ein neues Ruderbecken für das Rudertraining außerhalb der Freiluftsaison. Damit hatten sich die Trainingsbedingungen für alle Sportler wesentlich verbessert.

Traditionelle Veranstaltungen wie Fasching, Sommer- und Weinfest, Weihnachtsfrühschoppen und Silvesterpartys wurden, neben den sportlichen Aktivitäten wieder zu festen Größen im Jahreskalender der Abteilungen.

Eine besondere Würdigung gilt an dieser Stelle dem Ehepaar Walter und Erika Friedrich die sich über viele Jahre mit Leidenschaft für den Rudersport und für sämtliche Belange des Hauses und Geländes eingesetzt haben und nachhaltige Spuren hinterlassen haben.

Nach anfänglichen Unsicherheiten ist seit 1990 das Bootahaus und Gelände Eigentum der Stadt Radebeul und die Sportabteilungen sind Pächter und eigenverantwortlich für „ihr“ Bootshaus und das Gelände zuständig.

Eigentlich ist ein Bootshaus am Wasser und nicht unter Wasser. Aber Hochwasser an der Elbe waren keine Seltenheit und man hatte sich daran gewöhnt, manchmal zweimal im Jahr, die Bootshallen vom zurückgelassenen Schmutz des Elbehochwassers zu säubern.

Aber die Fluten der Elbe 2002 und 2013 zerstörten alles, was nicht niet- und nagelfest war. Bis in den Saal im Obergeschoss (2002) stand das Wasser. Die Schäden waren enorm und es folgten Tage und Wochen an denen es schwer war sich vorzustellen wie es weitergehen soll.

Die Schäden waren gewaltig. Garagen, Segler- und Ruderhalle mit dem Ruderbecken mussten abgerissen werden. Das historische Bootshaus war so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass es zum Teil entkernt, Decken neu eingebaut und der Saal nebst Küche instand gesetzt werden mussten. Das Haus bekam ein neues Dach, aber einige Provisorien blieben noch. Diese Herausforderungen zu bewältigen, erforderte enormen Einsatz aller Mitglieder und Freunde des Wassersports.

Aktuelle Ansicht des historischen Bootshauses
Foto: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Und genau dieses Engagement der wassersportbegeisterten „Bootshausfamilie“ war maßgebend, dass mit großer städtischer Unterstützung, mit staatlichen Fördermitteln, Spenden vom Verein „Arche noVa“, privaten Spendern ein „erneuter“ Neustart möglich wurde. 2017 war es dann soweit, dass mit einer feierlichen Grundsteinlegung ein moderner Bootshaus-Ersatzneubau beginnen konnte.

Es entstanden moderne Bootshallen mit Werkstatt, Ruderbecken im Erdgeschoss, Sanitäranlagen, Umkleideräume sowie der Kraft- und Gymnastikraum im Obergeschoss. Eine gelungene Planung des Radebeuler Architekturbüros Atelier2 unter Leitung von Frank Mehnert und Dirk Georgi.

Neubau Bootshaus Radebeul
Foto: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Heute ist das Bootshaus mit seinen Abteilungen Mitglied in der SSV Planeta Radebeul, immer wieder ein sehr lebendiger Treffpunkt für sportbegeisterte Ruderer, Kanuten, Segler und natürlich für Kinder. Jugendliche und Erwachsene, die sich für Wassersport interessieren und vielleicht auch aktive Mitglieder in einer der Abteilungen werden wollen, sind herzlich willkommen.

Matthias Kratschmer
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Textauswahl aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Bootshauses/Wassersportheim Radebeul, Zusammenstellung Matthias Kratschmer

Indigene Nordamerikas zu Gast in Schulen

Vom 11.-13.5.2026 kam es zu zahlreichen wertvollen Begegnungen von Schülerinnen und Schülern mit Indigenen Nordamerikas. Der Tänzer und Sänger Supaman von der Apsaalooke Nation in Montana und NuVassie Blacksmith vom Stamm der Oglala Lakota in South Dakota nahmen als Akteure am diesjährigen Karl-May-Fest teil, und so ergab sich vor dem Festival die wunderbare Gelegenheit von Treffen in Klassenzimmern und Turnhallen. Folgende Schulen nahmen teil: Gymnasium Dresden Plauen, Oberschule Dresden Cotta, Romain-Rolland-Gymnasium Dresden, Kurfürst-Moritz-Oberschule Boxdorf, Gymnasium Luisenstift Radebeul, Lößnitzgymnasium Radebeul, Evangelische Oberschule Radebeul und die Grundschule Oberlößnitz Radebeul.

Foto: A.Hintz


Organisiert wurden die Veranstaltungen durch das Kulturamt Radebeul. Der Radebeuler Kultur e.V. organisierte eine willkommene Geldspritze von der „Partnerschaft für Demokratie“ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Diese trug wesentlich zur Finanzierung des Projektes bei, das 2025 zum ersten Mal stattfand.

Was ist der Gewinn für Grundschüler als auch für Schülerinnen und Schüler oberer Klassen?

Aus einem Englisch- oder Geschichtsbuch Informationen zum Leben indigener Völker zu erhalten, ist sicher eine fundierte Basis für Wissen, Völkerverständigung und Toleranz. Aber wenn Supaman,
der neben anderen Auszeichnungen 2014 von MTV den Titel „Artist of the Week“ errang, ein indigenes Lied seines Stammes im Klassenzimmer direkt vor den neugierigen Schüleraugen singt, ist das ein anderes, emotional aufgeladenes Erlebnis. Und wenn NuVassie das Leben seiner Stammesangehörigen beschreibt, ein Lied für seinen kleinen Sohn singt und dabei Wörter aus seinem Wortschatz benutzt, hinterlässt das in seiner Authentizität und Ehrlichkeit einen bleibenden Eindruck und berührt die Zuhörer.

Man muss es erlebt haben: Supaman legt seinen vollen, wunderschönen Festschmuck an, schließt die Augen und beginnt mit großer Intensität zu tanzen. Er nutzt bei seiner Präsentation die Loop-Station, ein technisches Gerät zur Aufnahme von Tonspuren, die dann parallel abgespielt werden können. Supaman verbindet indigene Traditionen und modernen Hip-Hop auf unnachahmliche Weise. Die Schüler und Schülerinnen waren begeistert!

NuVassie trommelt, während er singt. Auch er schließt die Augen und ist hochkonzentriert. Er reicht verschiedene medizinische Heilkräuter in die Runde und erklärt deren Wirkung und Nutzung. Angetan sind die Jugendlichen von einem Spiel der Lakota, das ihren Teamspirit entfacht. NuVassie und Supaman überzeugen ihr Publikum mit Empathie und erfrischendem Optimismus. Die uralten Weisheiten ihrer Stämme erreichen uns sofort, denn sie zeugen von menschlicher Erfahrung und Demut der Natur gegenüber.

Der musikalische oder erzählerische Zugang zu zwei der über 600 indigenen Stämme in den USA lässt so Raum für ein ganz subjektives, individuelles und unverwechselbares Gefühl. So entwickeln sich bei den Kindern und Jugendlichen ein echtes Verständnis und Anteilnahme für die Lebensweise indigener Stämme Nordamerikas.

Danke für alles, Supaman und NuVassie!

Angela Hintz

Kunst geht in Gärten

20. und 21. Juni 2026
jeweils 13 bis 18 Uhr, Ausnahmen sind zu beachten

Nunmehr zum siebenten Male lädt die Radebeuler Veranstaltungsreihe „Kunst geht in Gärten“ kultursinnige Menschen dazu ein, sich auf eine Entdeckungsreise in Gärten und an besondere Orte der Lößnitzstadt zu begeben.

Maler, Grafiker, Bildhauer, Fotografen und Kunsthandwerker präsentieren ihre Arbeiten im Wechselspiel mit Natur, Kultur und Architektur. Auch Schüler und Autodidakten werden ihre eigenen Werke zeigen. Wandernde Musiker sowie zahlreiche zusätzliche Begleitprogramme mit Kurzkonzerten, Lesungen, Performancedarbietungen, Schauvorführungen und Workshops bereichern das Angebot.

Der Flyer mit dem Statement der Veranstalter, dem vollständigen Programm, einem Orientierungsplan und zusätzlichen Hinweisen ist in der Stadtverwaltung, in allen Kultureinrichtungen, Buchhandlungen und der Tourist-Information ab sofort erhältlich.

STATIONEN

1. Stadtgalerie Radebeul
Ausstellung: Cesar Olhagaray & Muriel Cornejo „Zugvögel“
IM GARTEN André Uhlig: Malerei, Grafik, Zeichnung
Sylvia Pásztor: Tuschemalerei
SA 15 Uhr Actionpainting mit Klaus Liebscher
SA/SO 13-18 Uhr ?WC
Altkötzschenbroda 21

2. Kunsthof
Simone Ghin: Malerei, Glaskunst
Markus Retzlaff: Malerei, Druckgrafik, Schaudrucken
SA/SO 13-18 Uhr
Altkötzschenbroda 23

3. Café 25
Franziska Kunath: Malerei, Grafik
Musik:
SA Kai Schmerschneider
SO Les Anges, Kommune Woodstock
SA/SO 13 – 18 Uhr ?WC
Altkötzschenbroda 25

4. Garten GS Kötzschenbroda
Schülerinnen und Schüler
zeigen ihre Kunstwerke
SA 13 – 18 Uhr
Harmoniestraße 7

5. Kunsthaus Kötzschenbroda
Motto „Blütenträume – Ungeziefer“
Bilder, Objekte, Installationen
Bernd Hanke, Matthias Kistmacher, Matthias Kratschmer, Christiane Latendorf, Anita Rempe, Gerald Risch, Heidrun Rueda, Gabriele Schindler, Pseudo 1, Pseudo 2, Emilia, Lucia & Nina
Interaktiver Kinderbereich
Kurzführungen stopp
SA/SO 13 – 18 Uhr
Käthe-Kollwitz-Straße 9

6. Kunstscheune Altnaundorf
KUNSTSTALL
Schüler der Semperschule Dresden, Fachrichtung Kunst: Malerei, Projektarbeiten
KUNSTSCHEUNE
Bettina Zimmermann: Malerei
Konzert und Vernissage am SO 16 Uhr
SA/SO 13 – 18 Uhr ?WC
Altnaundorf 6

7. Garten „Jardin sans arrosage“
Annette von Bodecker: Illustration, Collage, Mischtechnik
Rita Richter: Aquarell, Mischtechnik
Peter Schwill: Grafik, Holzplastik
Musik: SA/SO 15 Uhr Matthew Rogers: Times with the bogleman (Performance)
SA/SO 13 – 18 Uhr
Mittlere Bergstraße 51

8. Besenwirtschaft Genussbutze
Frank-Ole Haake: Malerei
Edna Ressel: Malerei
Zusatzangebot: „Märchenbilder in den Zwischenräumen“, Erzählungen von Frank-Ole Haake
SA/SO 13 – 18 Uhr ?WC
Zechsteinweg

9. Garten Familie Schulze
Heike Herzog: Grafik, Malerei
Jürgen Cominotto: Skulpturen
Petra Schulze: Grafik, Malerei
Musik am SA
SA/SO 13 – 18 Uhr
Am Talkenberger Hof 21

10. Garten „An der Sternwarte“
Astrid Lehmann, Ines Hoferick, Monika Kuhlmann, Claudia Mertens, Torsten Fuchs:
Lederplastik, Keramik, Malerei, Zeichnung, Textilgestaltung, Objekte aus Edelstahl
SA/SO 13 – 18 Uhr
Auf den Ebenbergen 10

11. Garten Rosemarie Junker
Malerei, Aquarelle, Keramik
Gruppe „Blaues Haus“
mit Peter „Pit“ Müller, Britta Berninger, Andrea Franke, Rosemarie Junker, Isabel Kopatz, Claudia Thieme, Silvia Ibach
Musik: Irina von Toll, Akkordeon
SA 13 – 18 Uhr
Prof.-Wilhelm-Ring 28b

12. Garten Emmerling
Sigrun Anderßen: Druckgrafik
SA/SO 13 – 18 Uhr
Karl-Liebknecht-Straße 2c

13. Garten Familie Alberich
Thomas Reichstein und Dipa Doreen Wolf: Plastik
Viola Große: Malerei
Ulrike und Theresa Pusch: Malerei
SA/SO13 – 18 Uhr
Karl-Liebknecht-Straße 8b

14. Garten Familie Miksch
Grafik, Malerei, Aquarelle
Steffen Gröbner, Michael Klose, Sophie Cau, Rita Stepanek
SO 13 – 18 Uhr
Heinrich-Zille Straße 52

15. Garten Seitz
Gabriele Seitz: Fotografie
Lieselotte Finke-Poser: Aquarelle
SA/SO 13 – 18 Uhr
Dr.-Külz-Straße 9

16. Garten Langer
Malerei
Ines Strauß, Vera Barcik, Sylvia Graumüller
SO 13 – 18 Uhr
Dr. Külz-Straße 16

17. Garten Renate Kern
Malerei, Grafik, Aquarelle
Anke Kern, Ute Scholze, Mechthild Mansel, Hans-Oskar Metz
Steffen Gröbner nur SA
Ruth Rittweger nur SO
Patchwork Mitmachaktion
SA/SO 13 – 18 Uhr
Humboldtstraße 6

18. Garten Johanna Mittag
Malerei, Druckgrafik, Keramikobjekte
Johanna Mittag, Gabriele Reichelt, Theresa König
Musikalisches Intermezzo jeweils 16 Uhr
SA Streichtrio baroccolo
SO „von Bach bis Gershwin“, Kilian Forster & Tanja Grandmontagne
SA/SO 13 – 18 Uhr
Bodelschwinghstraße 1

19. Garten und Weingut JWD
Friedrich Porsdorf: Malerei
Bernd Hanke: Fotografik
Live-Musik: Carolina Federbusch, Valentin und weitere
SA/SO 13 – 18 Uhr
Obere Bergstraße 72

20. Garten Wieczorek
Sylva Wieczorek: Keramik
SA/SO 13 – 18 Uhr
Moritzburger Straße 95

21. Garten Heidi Göhler
Künstlergemeinschaft “Notart“
Grafik, Malerei, Schmiedekunst, Sandsteinarbeiten
Grit Holomek, Gunnar Pfaffe, Edgar Kupfer, Heidi Göhler
SO 13 – 18 Uhr
Höhenweg 24

22. Sächsisches Weinbaumuseum Hoflößnitz
Ausstellung „Zwischen Elbe und Weinberg“, Lößnitzbilder von Karl Friedrich
SA/SO 10 – 18 Uhr ?WC
Knohllweg 37

23. Garten Herzog
Achim Leupold: Malerei (Toskana und Sächsische Schweiz)
Zusatzprogramm:
ca. 14.30 Uhr und 16.30 Uhr
im Wechsel
Lesung Christian Grün „Märchen- und Sagenhaftes“
Konzert „Spencer unplugged“ (Eigene Songs, Rock/Country)
SA/SO 13 – 18 Uhr
Weinbergstraße 42

24. Hotel Villa Sorgenfrei
Nadine Wölk: DIY Cyanotypie
Rita Goldschmidt: „Besondere Figuren aus Ton“
SA/SO 13 – 18 Uhr ?WC
Augustusweg 48

25. Villa Olga Garten Familie Tresp Alberte
Natasha Lenkereit: Malerei, Aquarell, Pastell und Gouache
Erwin Swiderski: Fotografie
Musik
SA/SO 13 – 18 Uhr
Augustusweg 51A

26. Garten Familie Nagy
Ölmalerei, Aquarelle
Ferenc Nagy, Marion Nagy
SO 15 Uhr Chor Globalsoundries
Mitmachangebot:
Malen für Kinder mit Aquarell und Acryl,
Basteln mit Schmuckelementen
SA/SO 13 – 18 Uhr
Augustusweg 103e

27. Garten Böhme
Malerei, Zeichnung, Fotografie
Sophie Peters, Lars Kohl
Rahmenprogramm:
Live-Malerei von Sophie Peters
Familien-Malpavillion
SA 13 – 18 Uhr
Maxim-Gorki-Str 18

28. Garten F4 ? ARTenreich
Renate Winkler: Grafik, Malerei, Keramik
Babak Nayebi: Malerei
Harald Türke: Holzgestaltung
Constanze Schüttoff: interaktive Installation
Mathilda: Kinderzeichnungen
Rahmenprogramm:
Demonstration des Holzschnittes
Künstlerrundgänge
SA 14 Uhr
Chorklänge mit „chorusvocalis“ unter der Leitung von Edith Maria Breuer
SA/SO 13 – 18 Uhr
Freiligrathstraße 4

29. Garten Wieland
Irene Wieland: Stahlskulpturen, Keramik
Karen Kamiya: Skulptur
Karen Koschnick: begehbares Objekt aus Plexiglas und Stahl
SA/SO 13 – 18 Uhr
Meissner Straße 57

30. Garten Villa Kolbe
René Kuhnt: Malerei
Kunstschmiede EHNERT: Gestaltetes Metall
Musikalisches Zusatzprogramm:
Streichquartett Mahlers Musen
Ilka Kraske: Jazz Lounge Musik
SA 13 – 18 Uhr ?WC
Zinzendorfstr. 16

31. Wiese »Weißes Haus«
GRAFFITI / GRAFIK / MALEREI
Künstlerkollektiv »Seven Hells« und Freunde …
Hannah Heduschka, Nadine »Lart de Lossie« Lossie, Gunnar »MYTH« Pfaffe,
Max »ORES24« Robra, Carsten »CASOM« Langner, Nico »SHAZ« Lattermann,
Alexander »SHRINER« Sitt, Ferdinand »WATC« Liebscher, Edgar Kupfer
Live Graffiti Performance:
»The Fake Train Project«
Casom/ Shaz / Shriner / Ores24 / Watc
SA 13 –18 Uhr
Kötzschenbrodaer Straße 60

32. Garten Martina Beyer
Martina Beyer: Skulptur, Grafik
U.S. Buchart: Malerei
Eric Beier: Objekte
Anne Brandt: Malerei, Grafik
Zusatzprogramm:
Kreatives Mitmachen, Gestaltung persönlicher Wegbegleiter
SA/SO 13 – 18 Uhr
Straße des Friedens 53a

Wandernde Musiker
Michael Lindner, Thabet Azzawi, Max Loeb Garcia, Alona Liakh, Thomas Knor,. Rainer Promnitz, Gabriel Jagieniak, Antony Heulin, Annett Otto, Gennadiy Nepomnischi, Tommy Lehmann, Dieter Beckert, SHOWKO, Alexander Kens, Alexander Däßler, Igor Daniluk, Klezmart

Hinweise
Bitte das eigene Glas und eventuell das eigene Picknickkörbchen mitbringen. Getränke sind vor Ort erhältlich. Bei starkem Regen können Ausstellungen und Aktionen ausfallen.
Eintritt frei. Änderungen vorbehalten!

Projektleitung, Kontakt & Info
Dr. Gabriele Lorenz/ Magdalena Piper
Kulturamt/ Stadtgalerie Radebeul, Altkötzschenbroda 21
0351 8311-605, -625
E-Mail: galerie@radebeul.de
www.radebeul.de/stadtgalerie

9. Bauherrenpreiswanderung

Von Radebeul nach Serkowitz

Haben Sie es auch gehört oder gelesen? Die 20. Bauherrenpreisverleihung im Herbst 2025 soll die letzte gewesen sein. Viele haben ausgedrückt, dass sie das sehr schade finden. Die Anzahl der eigenständigen stadtbildprägenden Bewerbungen um diesen Preis nahm leider stetig ab. Wenn man sich aber auf die aktive Suche macht, sind doch immer wieder eine ganze Reihe neuer oder baulich veränderter Gebäude in unserer Stadt zu finden, die eine intensivere Betrachtung und Würdigung verdient haben.
Natürlich fällt heute der Blick, außer vielleicht bei der Villa Kolbe, nicht mehr für die Mehrheit zwangsläufig auf bauliche Veränderungen, wie das in den Anfangsjahren war. Aber es wird weiter gebaut werden – Wasapark, Wohnpark an der Villa Engel, Anne – Frank Schule, Hort Oberlößnitz usw. Man kann nur hoffen, dass dies qualitativ so überzeugend wird, dass es sich aufdrängt, vielleicht doch noch einmal Bauherrenpreise zu vergeben.
Der Bauherrenpreis war erdacht worden, um die Diskussion über Bauen im Sinne des „besonderen“ Charakters von Radebeul mit breiter Öffentlichkeit zu führen. Der Traum war, dass diese Diskussion die Baukultur in Radebeul hebt und dies von der Allgemeinheit auch erlebt wird. Ein starkes Echo darauf sehe ich in der Stadtverwaltung Radebeul. Dort sind viele Organisationsformen und Hilfsmittel geschaffen worden, um Bauherren und Planern Leitlinien an die Hand zu geben, ihre Vorhaben im Sinne dieses Charakters zu denken.

Auch diese Jahr lädt der Verein für Denkmalpflege und neues Bauen wieder zur Bauherrenpreiswanderung ein:

Freitag den 3.Juli, 18 Uhr
Treffpunkt: ehemaliger Eingang des AWD Klubhauses am Turnerweg

2022 fand eine Bauherrenpreiswanderung mit dem Titel „Radebeul Ost – südlich der Meißner Straße“ statt, nachdem wir in den Jahren davor hauptsächlich in den Villengebieten unterwegs waren. Und welche Überraschung, ein nicht unwesentlicher Teil der Bewerbungen zum Bauherrenpreis 2025 kam von „weit südlich der Meißner Straße“. Wie auf einer Perlenkette reihen sich diese zumeist an der Serkowitzer Straße auf. In der Jury war es schwer die Bewerber zu vergleichen und ein Platzierung festzulegen. Je tiefer man in die Idee eines Bauvorhabens einstieg, desto schwieriger war es, zu werten. Gerade in gewachsener Umgebung oder bei bestehenden Gebäuden sind die Freiheiten der Bauherren und Architekten „gestalterisch Neues“ zu schaffen begrenzt. Die Qualität liegt im „Sich einordnen“, welches in der Gesamtwirkung eine höhere städtebauliche Qualität haben kann.

Der Reiz besteht darin, beim „sich einfühlen“ sich doch gestalterisch zu zeigen.

Und dem wollen wir in diesem Jahr nachgehen.

Am Ende der Tour, die ca. 2,5 km lang sein wird, sind die, die es möchten, wieder eingeladen, in Serkowitz in gemütlicher Runde bei einem Glas Wein noch etwas zum Gedankenaustausch zusammen zu bleiben.

Mehr aber wird noch nicht verraten.

Wie in den Vorjahren soll hier nun die Gelegenheit genutzt werden, einen kleinen Rückblick auf unsere letzte Bauherrenpreiswanderung am 28.06.2025 zu halten – zur Erinnerung für Dabeigewesene und vielleicht für Nichtdabeigewesene als Anregung für einen eigenen Spaziergang. Wir besuchten diesmal Kötzschenbroda und trafen uns an der Straßenbahnhaltestelle Flemmingstraße.
Ich begann mit ein paar Ausführungen zur Meißner Straße, die 1661 als Leipziger Landstraße erwähnt, unter Napoleon zur Chaussee ausgebaut wurde, auch schon Stalin- und Wilhelm-Pieck-Straße hieß, da öffnete der Himmel kurz seine Schleusen…

Glücklicherweise war der Besitzer der gegenüberliegenden Villa Meißner-Straße 296 anwesend und bot uns Schutz unter seinem Altan an. Zumindest ein Teil der Gruppe konnte sich ins Trockene retten (also niemals den Schirm zur Bauherrenpreiswanderung vergessen). Die Villa mit ihrer reich gegliederten Fassade hatte 2001 für die „vorbildliche, behutsame Sanierung“ den Bauherrenpreis bekommen Der Guss war kurz und wir bekamen so vom Eigentümer noch ein paar persönliche Erläuterungen zu Haus und Grundstück.

Villa, Meißner Straße 296
Foto: Wikipedia

Weiter ging es auf der Carl-Pfeiffer-Straße, die ich bergwärts noch nie bewusst zu Fuß gegangen war. Dies kann ich bei den schönen Blicken nur als Empfehlung weitergeben. Am oberen Ende bei Hausnummer 3 stehen Häuser mit der charakteristischen Handschrift von Frank Mehnert. Diese haben an zwei anderen Stellen in Radebeul Bauherrenpreise bekommen. Wir bogen nach rechts ab und strebten vorbei am ehemaligen Winzerhaus Neufriedstein und dem ehemaligen Weingut Liborius dem Bornberg zu. Den nächsten Bauherrenpreisträger erreichten wir bei Hausnummer 5. Mit der Sanierung dieses spätklassizistischen Landhauses erhielt unser leider viel zu früh verstorbenes Vereinsmitglied und „Mister Wikipedia“ Jens Bergner 2000 den begehrten Preis.

An der Moritzburger Straße bogen wir rechts ab und Harald Borgmann wusste dazu interessante Geschichten aus den letzten Kriegstagen zu berichten. An der Kreuzung zur Meißner Straße stießen wir auf die dort verlegten „Stolpersteine“, die im Andenken an vertriebene und ermordete jüdische Bürger verlegt wurden. Immer wieder ist es bestürzend, wie Feindbilder Menschen ihrer Menschlichkeit berauben. Wir waren uns einig, dass das mahnende Gedenken stets fortgesetzt werden muss, um mit Zivilcourage für ein friedliches Miteinander einzutreten. Dem, der sich mit der Geschichte der Juden in Radebeul näher beschäftigen möchte, kann ich das im NOTschriftenverlag unter dem Titel „Juden in Radebeul 1933 – 1945“ erschienene Heft von Ingrid Lewek und Wolfgang Tarnowski ans Herz legen.

Unter der Eisenbahnbrücke bewunderten wir das neu angebrachte Grafitto zu Udo Lindenberg und dem „Sonderzug nach Pankow“. Noch immer wartet das Bahnhofsgebäude auf seinen Prinzen, der ihm neues Leben einhaucht. Das so etwas auch nach langer Zeit noch gelingen kann, sieht man an der Villa Kolbe. Nun hatten wir zu tun, uns zeitlich nicht in den vielen geschichtlichen Details der uns umgebenden Gebäude der Bahnhofstraße zu verlieren (Eisenbahngeschichte, Alte Apotheke – Hermann Ilgen, Sparkassengebäude mit Ratskeller, ehem. Hotel Stadt Culmbach, Kinos – Leerstand,…)
Unser nächstes Ziel war das Hirten- und Armenhaus am Kuffenhaus.

Hirten- und Armenhaus am Kuffenhaus, Altkötzschenbroda 70
Foto: M.Mitzschke

Herzlich wurden wir von dessen Besitzern Kerstin und Andreas Dietze begrüßt. Das Haus hat sogar zwei Sonderpreise des Bauherrenpreises erhalten – 1999 für städtebaulichen Denkmalschutz und 2000 für Freiflächen- und Gartengestaltung. Gerade war es wieder eingerüstet, denn nach 25 Jahren ist dem Zahn der Zeit entgegenzuwirken.

Auch wenn im Areal des Kuffenhauses für die neu errichteten Häuser und Gärten kein Bauherrenpreis vergeben wurde, war es reizvoll, die kleinen Wege an liebevoll gepflegten Häuschen und Gärten entlang zu gehen. Hier zeigt sich mal wieder, dass eine gewisse Gleichmäßigkeit der Proportionen und Gestaltungen zu Identifikation und städtebaulicher Ausgewogenheit führt.

In der Mitte des Angers schauten wir uns noch die Häuser der Nr. 23 intensiver an und stellten uns die Frage: Was lässt diese Häuser gefallen?

Blick auf die Häuser Altkötzschenbroda Nr. 23
Foto: M.Mitzschke

Hier wurden die Proportionen der Häuser des sächsischen Straßendorfes in moderne Bauweise überführt – beeindrucken die Ballance aus „sich einfügen“ und sich zeigen. Erbaut wurden diese 1997/98 durch das Architekturbüro „aT2-architektur-TRAGWERK“, Mehnert u. Georgi. Warum gab es dafür keinen Bauherrenpreis?

Angefüllt mit vielen Eindrücken und Gedanken erreichten wir den Pfarrgarten der Friedenskirche. Wir warfen dort noch einen Blick auf Radebeuls älteste Sandsteinplastik „Chronos und die Trauernde“. Durch Wirken des Vereins für Denkmalpflege und neues Bauen und der Bürgerstiftung Radebeul wurde diese vor nun über 20 Jahren restauriert und fand nach langem Schattendasein in der Hoflößnitz, überdacht wieder eine Aufstellung in der Nähe ihres Ursprungsortes.

Für Interessierte gab es noch die Möglichkeit, den Kirchturm zu besteigen und den Blick in alle Himmelsrichtungen über die im Abendlicht liegende Lößnitz und weit darüber hinaus schweifen zu lassen.

Bei interessanten Gesprächen und gutem Wein klang der Abend auch mit dem Wunsch „weitere Bauherrenpreiswanderungen folgen zu lassen“ im Pfarrgarten aus. Dafür ist nun Gelegenheit.

Michael Mitzschke

Karl Friedrich – ein unbekannter Maler

Gedenkausstellung zum 130. Geburtstag in der Hoflößnitz

Als Frank Andert Ende Februar 2026 bei mir anfragte, ob ich zur Gedenkausstellung von Karl Friedrich einen kleinen Katalogtext beisteuern würde, zögerte ich zunächst, wusste ich doch nur sehr wenig über diesen Radebeuler Künstler und der zeitliche Vorlauf war mehr als knapp bemessen.

Porträtfoto Karl Friedrich, 1911

Doch die digitale Übersicht der für die Ausstellung vorgesehenen Werke überraschte mich sehr und ich sagte spontan zu. Im Nachhinein bin ich Frank Andert dankbar, denn so hätte ich mich wohl niemals so intensiv mit dem Schaffen von Karl Friedrich auseinandergesetzt. Und ohne diese Anfrage hätte ich wohl auch niemals Karl Friedrichs Tochter – Gabriele Gottschalk – kennengelernt.

Selbstbildnis, Bleistift 1915

Der bevorstehende 130. Geburtstag von Karl Friedrich bot den Anlass zu dessen Würdigung mit einer umfassenden Personalausstellung und einem ausstellungsbegleitenden Katalog. Im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz fand sich hierfür der passende Ort. Bereits 1924 war der junge Karl Friedrich zur großen Lößnitzausstellung im Haus Hoflößnitz mit einem Werk vertreten und, 58 (!) Jahre später, folgte 1982 wiederum am selben Ort seine erste und (zu Lebzeiten) einzige Personalausstellung.

Karl Friedrich, der am 17. September 1896 in Hannover geboren wurde, zog bereits ein halbes Jahr später mit seinen Eltern nach Radebeul. Er war das älteste von acht Kindern. Bis sich für die beständig wachsende Familie eine passende Wohnung fand, erfolgten noch mehrere Umzüge. Schließlich schien sich 1906 das repräsentative viergeschossige Eckhaus auf der Bahnhofstraße 14, heute Hauptstraße 8, am besten zu eignen, um in Radebeul sesshaft zu werden. Im Untergeschoss eröffnete der Vater Carl Friedrich ein Geschäft für Tapeten, Linoleum und Wachstuch.

Über die Elbe zur Gohliser Windmühle, Kohle 1913

Hoflößnitz im Winter, Filzstift 1970

Zunächst begann für Karl Friedrich alles sehr vielversprechend. Schon früh zeigte sich seine zeichnerische Begabung. So war es auch naheliegend, dass er sich in Dresden an der Königlichen Kunstgewerbeschule bewarb, die man für die künstlerischen Belange des Handwerks und Gewerbes eingerichtet hatte. Nach zweitägiger Aufnahmeprüfung wurde er 1911 immatrikuliert und erwarb in drei Jahren eine solide künstlerisch-handwerkliche Grundausbildung. Sein Zeugnis weist folgende Fächer aus: fachliches Zeichnen und Malen, Naturzeichnen, Figurenzeichnen, Perspektive, Projektionslehre, Schattenlehre, Schriftschreiben und Kunstgeschichte.

Danach schloss sich eine verkürzte Lehrausbildung in der Tapetenfabrik Coswig an. Mit Kriegsausbruch wurde der Betrieb geschlossen und so begann er im Dezember 1914 in der „Werkstatt für Malerei“ von Carl Hausmann in Dresden zu arbeiten. Schließlich wurde er 1916 in die Armee eingezogen und bis Kriegsende 1918 an der Westfront eingesetzt. Danach fasste er wieder bei seiner alten Firma als Dekorationsmaler Fuß und war in ganz Deutschland unterwegs. Zu den Einsatzsorten zählten Kirchen, Villen und Schlösser. Da er fachlich sehr geschätzt wurde, übertrug man ihm immer anspruchsvollere Aufgaben, so dass er viele Entwürfe für die malerische Gestaltung in großer Selbständigkeit angefertigt hat.

Radebeul-Ost, Blick (aus der Wohnung) zur Ernst-Thälmann-Straße, Tusche auf farbigem Papier 1976

Das väterliche Geschäft übernahm Karl Friedrich1937. Jedoch forderte auch der zweite Weltkrieg seinen Tribut. Noch 1943 wurde er zum Kriegsdienst eingesetzt, dem 1945 ein Jahr Gefangenschaft folgte.

Pappeln und Kühe an der Elbe, Tusche 1966

Der Versuch, sich ab 1946 als selbständiger Kunst- und Dekorationsmaler durchzuschlagen, war in Ermangelung von Aufträgen in der Nachkriegszeit wenig erfolgreich. Und so verwundert es kaum, dass er pragmatisch nach existenzieller Sicherheit strebte. Ab 1951 arbeitete Friedrich als Sachbearbeiter in der Chemischen Fabrik von Heyden, später VEB Arzneimittelwerk Dresden (AWD), Standort Radebeul, wo er bis zum Erreichen des Rentenalters im Jahr 1964 beschäftigt war.

Blick von der Gutenbergstraße zur Lutherkirche, Tusche 1976

Dennoch, dem Malen und Zeichnen galt seine Leidenschaft, die er nicht aufgeben wollte. Im betrieblichen Mal- und Zeichenzirkel, dessen Leiter der Radebeuler Maler und Grafiker Johannes Thaut bis 1963 war, wurde Friedrich 1952 Mitglied. Nach Thaut übernahm Hidegard Stilijanow die künstlerische Leitung und ab 1973 Dieter Fuchs. Das AWD-Klubhaus auf dem Turnerweg/Ecke Gartenstraße bot Arbeits- und Ausstellungsräume, auch für den Mal- und Zeichenzirkel.

Karl Friedrich im Puschkin-Museum in Moskau, 1967

Entstanden sind Stillleben, Porträts und figürliche Darstellungen. Die Zirkelteilnehmer saßen einander Modell, lernten neue Techniken kennen, zeigten ihre Arbeiten und übten produktive Kritik. In der wärmeren Jahreszeit arbeiteten sie vor Ort in unmittelbarer Umgebung.

Karl Friedrich – Litfaßsäule in Serkowitz, Öl auf Pappe, 1960

In jenem Mal- und Zeichenzirkel lernte Karl Friedrich die drei Jahrzehnte jüngere Eva Krause kennen, die im AWD als Laborantin tätig war. Beide heirateten 1958. Die gemeinsame Tochter wurde im gleichen Jahr geboren. Da hatte Karl Friedrich die Schwelle zum sechsten Lebensjahrzehnt bereits überschritten.

Karl Friedrich war kulturell interessiert und sportlich aktiv. Er sammelte Briefmarken, spielte Schach und kannte sich in Geschichte, Kunst und Literatur aus. Er mochte sowohl die Künstler des Impressionismus als auch des Expressionismus. Gegenstandslose Kunst lehnte er allerdings ab.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand waren ihm noch reichlich anderthalb Jahrzehnte für das künstlerische Schaffen vergönnt. Die Mappen füllten sich rasant. Zu deren Lagerung hatte er auf dem häuslichen Dachboden spezielle Regale eingebaut.

Karl Friedrich verstarb am 1. Juli 1987 in der Radebeuler Wohnung, in die er mit seinen Eltern und Geschwistern 1906 eingezogen war.

Postum kam es 1996 aus Anlass des 100. Geburtstages von Karl Friedrich zu einer weiteren Personalausstellung in der Stadt Radebeul, welche von seiner Witwe angeregt und von den Mitarbeitern der Stadtgalerie realisiert worden war. Als Ausstellungsort hatte man das Technische Rathaus auf der Pestalozzistraße gewählt, denn die Galerie verfügte von Juli 1995 bis August 1997 über keine eigenen Ausstellungsräume.

Da die Stadt bereits 1992 damit begonnen hatte, für Radebeul eine städtische Kunstsammlung aufzubauen, wurden aus dieser Ausstellung durch das Kulturamt vier Werke von Karl Friedrich angekauft.

Inflation, Arbeitslosigkeit und zwei Weltkriege schärften Friedrichs Sinne für das Wesentliche. Die Kunst hatte ihm innere Stabilität verliehen und durch unruhige Zeiten getragen. Das eigene Erleben brachte für ihn die Erkenntnis, sich von keinem System mehr vereinnahmen zu lassen. Das künstlerische Werk reifte in aller Stille und im eigenen Selbstverständnis. Es zeugt von Kontinuität und Qualität. Die Versachlichung geht ins Dokumentarische über. Die Momentaufnahmen des Alltags geben Einblick in eine längst vergangene Zeit. Die schnörkellosen, nüchternen, mitunter distanziert wirkenden Arbeiten, alles Überflüssige vermeidend, haben in ihrer Exaktheit gleichwohl eine faszinierende als auch eine anziehende Wirkung.

Manche Arbeiten erinnern an die Zeichnungen von Architekten. Linien, Schraffuren und Flächen wusste Friedrich geschickt einzusetzen, um eine klare räumliche Ordnung herzustellen. Dazu bedurfte es lediglich Bleistift, Kohle, Filzstift, Tusche, Kugelschreiber und einen Skizzenblock. Seine Farbpalette wiederum wirkt vorwiegend gedämpft. Besondere Akzente hat er nur sparsam eingesetzt. Zahlreiche seiner Aquarelle sind unmittelbar vor Ort entstanden. Die „nass-in-nass“ Technik erforderte Schnelligkeit. Der lasierende Farbauftrag erzeugte ein hohes Maß an Transparenz. Die mit Öl- und Temperafarbe gemalten Bilder auf Pappe hingegen entstanden unter Verwendung von Skizzen im Atelier.

Friedrich mochte weder Übertreibungen noch kleinteilige „Pingelei“. Der beträchtliche Umfang seines Œuvres zeugt vom Bedürfnis, bildnerisch tätig zu sein, offensichtlich allein von der Freude am kreativen Prozess inspiriert. Weder drängte es ihn, öffentlich wahrgenommen zu werden, noch war er auf den Verkauf seiner Kunstwerke angewiesen.

Karl Friedrich – Gärtnerei in der Lößnitz, Aquarell, 1978

Karl Friedrich – Jung und Alt in Kaditz, Öl auf Pappe, 1965

Karl Friedrich – Graue-Presse-Weg am Jägerberg, Öl auf Pappe, 1981

Zur Jubiläumspräsentation werden ausschließlich Motive der Lößnitz gezeigt. Sowohl Ausstellung als auch Katalog sind in vier Themenbereiche gegliedert: „Am Fluss. Im Ort. Am Hang. Im Grund“. Eine zeitliche wie lokale Zuordnung der Motive wird durch die jeweiligen Bildunterschriften ermöglicht.

Mit Karl Friedrich begeben wir uns auf eine Reise in die Vergangenheit. Seine Bilder zeugen vom Alltag der Bewohner, Winzer und Gemüsebauern. Noch bis weit in die 1970er Jahre prägten zahlreiche Gärtnereien das Bild von Radebeul. Inzwischen sind viele dieser Flächen überbaut. Gewachsene Dorfkerne stehen bis heute im Kontrast zu schlossähnlichen Landsitzen inmitten weitläufiger Parkanlagen. Und immer wieder Mauern, Mauern, Mauern…und Stufen, Stufen, Stufen…, die bergauf und bergab in die Enge oder Weite führen…

Die ausgestellten Lößnitzbilder beschreiben Radebeul als Wein- und Gartenstadt, obwohl die Industrialisierung bereits weite Flächen für sich in Anspruch nahm und das Bild der Stadt verändert hatte.

Eine Arbeit erinnert an den Plattenbau der Polytechnischen Oberschule Hermann Matern (später Waldparkschule) auf der Kottenleite, welcher 1973 eingeweiht und 2005 wieder abgebrochen wurde. Doch diese Arbeit ist ohnehin eine der wenigen Ausnahmen in Friedrichs Schaffen. Ebenso existieren kaum figürliche Darstellungen. Selbstbildnisse oder Bilder von Frau und Tochter gibt es nur wenige. Auch Radierungen und Linolschnitte sind rar und wohl eher beiläufig entstanden.

Der künstlerische Nachlass umfasst ca. 1.500 Werke, darunter Zeichnungen, Aquarelle, Öl- und Temperabilder. Darüber hinaus geben viele Dokumente wie Zeugnisse, Schriftverkehr, Zeitungsauschnitte und detaillierte biografische Aufzeichnungen Aufschluss über diesen bisher unbekannten Künstler.

Gabriele Gottschalk hat die künstlerische Hinterlassenschaft ihres Vaters bewahrt, geordnet, digitalisiert und nunmehr erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert. Die Resonanz zur Vernissage am 10. Mai war überwältigend.

Das Konvolut mit Karl Friedrichs Werken ist sowohl von kunst- als auch stadtgeschichtlicher Bedeutung und harrt seiner weiteren Erschließung. Mit der diesjährigen Gedenkausstellung im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz wurde ein vielversprechender Anfang gemacht.

Karin (Gerhardt) Baum
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Die Ausstellung „Zwischen Elbe und Weinberg – Lößnitzbilder von Karl Friedrich“ wird bis zum 21. Juni 2026 gezeigt. Der reichbebilderte Katalog ist zum Preis von 6 Euro im Weinbaumuseum Hoflößnitz erhältlich.

Editorial

Haben Sie im Juni in Radebeul und Umgebung kulturell schon was Konkretes vor? Nein? Na dann müssen Sie mehrfach wohl schwierige Vorentscheidungen treffen, denn viele Veranstaltungen überlappen sich oder finden parallel statt. Warum eigentlich? Nun, der Juni ist der erste echte Sommermonat – alle möchten etwas erleben, und entsprechend viele haben etwas zu bieten. Danach beginnen naturgemäß die großen Sommerferien, wenn Kulturschaffende wie Kunstliebhaber mit ihren Sprösslingen selbst schon einmal über alle sieben Berge sind. Dann wird es zunächst wieder etwas ruhiger im Kulturkalender. Doch ehe man sich versieht, steht fast schon der Herbst mit seinen ganz eigenen Festen und Höhepunkten vor der Tür – aber soweit sind wir noch lange nicht.

Insbesondere in den Tagen um die Mittsommernacht laden wieder zahlreiche Orte zum Verweilen ein. Naundorf feiert beim Dorffest 150 Jahre Eisenbahnanbindung. Die „WeinbergKulTour“ lädt mit wandernden Musikern zum geselligen Beisammensein in die Weingüter ein, und beim „Fête de la Musique“ wird in Altkötzschenbroda ein bunter Strauß musikalischer Angebote präsentiert, der zudem – wie gewohnt – zum eigenen Musizieren ermuntert.

Besonders gespannt darf man sicher wieder auf das fast schon zur Tradition gewordene Veranstaltungsformat von „Kunst geht in Gärten“ sein. Zahlreiche Bürger öffnen ihre individuell gestalteten Gärten, um Künstlern und den Künsten in Symbiose Raum zu bieten.

Vieles mehr sowie nähere Informationen finden Sie im Heft und im ausführlichen Veranstaltungsteil.

Sascha Graedtke

ZUR TITELBILDSERIE

Aus meinen grafischen Tagebüchern

Ich denke nicht in Linien, sie passieren mir. Und dann sehe ich mich manchmal selbst in diesen Linien. Wenn sie sich winden, kreuzen, sich verlieren – so wie meine Gedanken, wenn ich versuche, Ordnung in mein Inneres zu bringen. Denn nichts läuft geradeaus. Alles tastet sich vor, zögernd, manchmal mutig, manchmal müde. Ein Spiegelbild der Wirklichkeit, aber auch als würden sie Erinnerungen nachzeichnen.
Die dunklen Linien stehen vielleicht für etwas Schweres, das, was bleibt, egal wieviel Zeit vergeht. Hellere Flächen sind vielleicht Atempausen, kurze Momente, in denen ich glaube, es könnte leicht sein. Sie gleiten nur kurz vorbei, wie ein Streifen Licht, den ich fast verpasse. Schraffuren flüstern von Tiefe, von verborgenen Schichten unter der Oberfläche. Alles existiert gleichzeitig, ohne sich gegenseitig aufzuheben.
Ich spüre Bewegung, auch wenn ich stillstehe. Ein inneres Drängen, ein Weitergehen, selbst im Chaos. Diese Grafik ist kein Bild von außen – sie ist ein Zustand. Mein Zustand. Unruhig, überlagert, ehrlich. Und genau darin bin ich ganz bei mir und meine Grafik fühlt sich an wie ein innerer Monolog. Er erzählt nicht was gefühlt wird, sondern wie es sich anfühlt.

Matthias Kratschmer

Mit Felix Meyer poetisch durch das Jahr

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