Ein Teehaus mit acht Ecken

Spender gesucht für Pavillon im Mohrenhauspark

Foto: B. Zscheischler


Ein Hut mag drei Ecken haben. Ein Teepavillon im Garten sollte mindestens sechs haben. Der Pavillon im Mohrenhauspark hat acht. Aber, um auf den Hut zurück zu kommen, der möchte gefüllt sein, von hochherzigen Spendern, die Euro-Scheine erübrigen können, weil sie ein Herz haben für alte Dinge mit Charme, die es behutsam zu pflegen und zu erhalten gilt. Kurzum, dieser Text ist ein einziger Bettelbrief!

Nach dem erfolgreichen Großprojekt, der stufenweise verkauften Treppe im Bismarckturm, hat sich der Radebeuler Bau- und Erhaltungsverein mit dem ellenlangen klein geschriebenen Namen ein etwas kleineres, dafür um so klein-odrigeres gesucht. Wobei: Gefunden hat es längst Robert Bialek. Der im allerbesten Sinne Hand-Werker, Eigentümern denkmalwürdiger Bausubstanz in Radebeul bestens bekannt, hat schon seit Jahren mindestens ein Auge auf den Pavillon geworfen. Bereits vor einem halben Jahrzehnt hat er sich, unter Zuhilfenahme Sohn-seitiger Unterstützung, daran gemacht, das Siechtum des Teehauses im Mohrenhauspark zu stoppen. Da wurde das Gesims unterm Kuppeldach neu gemauert und das runde Dach regensicher gemacht. „Erste Sicherungsarbeiten“ nennt man so etwas. Bei zwei Denkmaltagen führte Bialek Vereinskollegen und Interessierte durch den Park und brachte seine Idee „unter die Leute“.

Mittlerweile sind wichtige Mitmacher, die Stadt Radebeul und der Denkmalschutz mit im – ja, welchen Vergleich ziehe ich nun: „Boot“ klingt so abgedroschen, also: mit am Teetisch im Pavillon. Besagte Mitmacher geben jedoch Steuergeld aus, und das ist bekanntlich rar. Daher, es stand eingangs bereits: Es wird um Spenden gebeten!

Pavillon und Wintergarten am nahen Anwesen sind beide im Tudor-Stil errichtet. Das wollte Fabrikbesitzer Alwin Bauer so haben. Geld spielte eine untergeordnete Rolle, bekanntlich hat Derselbe der damals klammen Königsfamilie Schloss Weesenstein abgenommen, für schlappe 1,9 Millionen Mark. Das müssen damals Gold- und keine Renten-Mark gewesen sein. Da war das 1910 erworbene Mohrenhaus sicher eins der kleineren Schnäppchen, weshalb Bauer dann auch fleißig daran herumbaute, weshalb er erst 1913 seinen Wohnsitz darin nahm und 1928 starb.

Wer den Kompass zuhilfe nimmt und nach der Nord-Süd-Ausrichtung des Pavillons sucht, wird allerdings enttäuscht. Der Bauherr wollte nur Eines: Den geraden unverwachsenen Blick ins Elbtal. Kann man sich heute, mit hohen Bäumen ringsum, kaum vorstellen. Man sieht gerade noch auf den Kinderspielplatz im Park.

Der achteckige Pavillon ist auf fünf Seiten gemauert und öffnet sich mit drei offenen Seiten nach Südosten, bestehend aus gusseisernen Tudorbögen. Die obenauf sitzende, ebenfalls achteckige Haube war verschiefert, was sie auch wieder sein soll. Den Boden zieren Zementfliesen, gefertigt von Villeroy & Boch in Dresden. Die kaputten durch neue zu ersetzen wird sicher spannend. „Und die gusseisernen Säulen müssen sandgestrahlt werden“, behaupte ich, voll mit denkmal-ungerechtem Wissen. „Strahlen schon, aber nicht mit Sand“, korrigiert mich Bialek. Ich höre heraus: So eine Sanierung ist herausfordernd. Und dann erst die „befundgerechte Rekonstruktion des Gipsstucks“. Klingt alles nicht nach billig. So um die 100.000 Euro könnten es werden. Also sei hiermit wiederholt: Es wird um Spenden gebeten.

Übrigens, zu finden im Stadt-WiKi: Einer der Vorkäufer des Mohrenhauses war 1819 Ludwig Pilgrim. Der Mitbegründer der Sektkellerei Bussard lagerte im Haus nebenan in der Hauptsache Wein. Dann lasst uns doch im sanierten Pavillon zu einem Glas, oder zwei, verabreden! Notfalls nehmen wir auch den Tee.

Burkhard Zscheischler
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Spendenkonto bei der Sparkasse Meißen DE45 8505 5000 3011 0054 68
Stichwort: Spende Pavillon im Mohrenhauspark
Empfänger: siehe der klein geschriebene Vereinsname oben

Nachstehenden Text bitte im Kasten unter dem oberen Text:
Denkmalsprechstunde mit der unteren Denkmalschutzbehörde:

Die neuen Termine für die Denkmalsprechstunde im Jahr 2026 sind am

06. Mai
24. Juni
26. August
23. September
28. Oktober

wie immer im Ladenbüro der Fami, Altkötzschenbroda 20 von 16 – 17 Uhr.

Frau Elliger von der unteren Denkmalschutzbehörde aus Großenhain und Mitglieder des Vereins erwarten Denkmalbesitzer und –Interessenten, um anstehende Vorhaben und Probleme zu besprechen.
Vom neuen Fenster über die Dachgaube und den Fassadenanstrich bis zur Solaranlage. Anliegen und Anforderung sollen unter einen Hut passen? Dann nutzen Sie bitte diese Termine!
Wir freuen uns auf Sie!

Korrespondenz aus einer Nachbargemeinde

Tharandt. Ich sitze bei Kaffee und Eierschecke, ein Glas Waldmeisterbowle wäre schön gewesen, denn hier hat es schließlich 6.000 ha Wald vor der Haustür. Die Wege sind gut markiert, Infotafeln erzählen Historie und Geheimnisse. Und ist man erstmal sanft emporgestiegen, sind die mäßigen Höhenamplituden selbst leicht zu erwandern oder zu erradeln. Reitern begegnet man auch. Selbst an gewissen Feiertagen habe ich den Tharandter Wald nie so überlaufen erlebt wie z.B. das Elbsandsteingebirge. Man nehme den Zug bis Tharandt oder Klingenberg-Colmnitz. Von beiden Bahnhöfen erschließen Buslinien das Gebiet. Nur Achtung, die DB hat zahlreiche SEV bis November auf der Strecke Richtung Freiberg angekündigt. Zentraler Punkt im Wald ist Grillenburg. Ich mag diesen lautmalerischen Namen und bin gespannt auf die Zukunft des Schlosses unter Nutzung der TU Dresden. Sowohl am Gondelteich (montags meist zu) wie am Badesee gibt es sehr respektable Imbissmöglichkeiten. Vielleicht könnten die in Zukunft Waldmeisterbowle…? Witzig, am Badesee befand sich immer ein Wegweiser in zwei Richtungen: „textil“ und „naggsch“. Der ist im letzten Jahr wohl als Souvenir verschwunden. Wir sind gern dort in einem sonnigen April, im Hinterkopf, dass offizielle Bäder erst im eisheiligkalt-verregneten Mai öffnen und später zum Altweibersommer wieder pünktlich schließen. „Waldmeister“ ist übrigens der Titel einer apokryphischen Operette von Johann Strauss jr. Am Ende kriegen sich die richtigen Paare nach einem Gelage mit eben solcher Bowle. Zumindest in der Urfassung von 1895 spielt die in einer Kleinstadt unter Nennung der Königlich-Sächsischen Forstakademie: Tharandt. Für mich bitte noch eine…, na was denn nun?

Tobias Märksch

22. Thematischer Filmclubabend

Das Wanderkino Filmclub mobil macht im Monat April Station im Bunker Oberlößnitz. Gezeigt wird der DEFA-Film „Das Beil von Wandsbek“ aus dem Jahre 1951. Die literarische Vorlage bot hierfür der gleichnamige Roman von Arnold Zweig (1887-1968). Dem im Exil lebenden Schriftsteller war im Jahr 1938 die Zeitungsnotiz „Selbstmord eines Henkers“ aufgefallen, was ihn zum Schreiben des Romans veranlasste. Darüber hinaus verknüpfte Zweig die Handlung mit den Geschehnissen um den „Altonaer Blutsonntag“, der am 17. Juli 1932 eskalierte. Es fielen tödliche Schüsse und die Nazischergen nutzten das für ihre Zwecke. Obwohl die vier, von einem Sondergericht verurteilten Kommunisten unschuldig waren, wurden sie hingerichtet.

Der Roman erschien 1943 auf Hebräisch und 1947 auf Deutsch. Die DEFA-Verfilmung kam 1951 in die Kinos und wurde nach wenigen Wochen vor allem auf Druck sowjetischer Funktionäre aus dem Verleih genommen. Somit war das „Beil von Wandsbek“ der erste, von über 30 verbotenen DEFA-Filmen. Aus Anlass des 75. Geburtstages von Arnold Zweig wurde der Film ab 1962, allerdings stark gekürzt, für die Aufführung in Kinos wieder zugelassen. Die vollständige Version (110 Minuten!) kam erstmals im Jahr 1981 zur Aufführung.

Obwohl das Regiedebüt von Falk Harnack (1913-1991) aus fachlicher Sicht als eine seiner besten Kinoarbeiten eingeschätzt wird, fiel diese Romanverfilmung der politischen Zensur, zum Opfer. Angeblich sei der Klassenstandpunkt nicht eindeutig herausgearbeitet. Dem Publikum wurde vorsorglich die eigene Urteilsfähigkeit abgesprochen, denn es hätte den Henker, der auch ein überzeugter Nazi war, womöglich bemitleiden können. Weitere Handlungsstränge gewährten differenzierte Einblicke in den Lebensalltag sehr unterschiedlicher sozialer Schichten und deren Verstrickungen in das NS-System.

Harnack wiederum, der selbst aktiven Widerstand gegen das Naziregime geleistet hatte, kehrte der DDR enttäuscht den Rücken. Ab Ende der 1950er Jahre drehte er in Westdeutschland vorwiegend Fernsehfilme und galt als einer der bedeutendsten Filmregisseure der Nachkriegszeit. Für den Schauspieler Erwin Geschonneck (1906-2008) war das Weggehen keine Option und so durchlebte er die widersprüchliche DDR-Kulturpolitik bis zum gesellschaftlichen Umbruch als ein wacher und kritischer Geist. Selbst Arnold Zweig, der 1948 aus dem Exil nach Ostberlin zurückgekehrt war, um beim Aufbau einer neuen fortschrittlichen Gesellschaftsordnung mitzuwirken, geriet als Kunstschaffender mehrfach in Konflikt mit den starren Vorgaben durch die Politik.

„Das Beil von Wandsbek“

1951, DDR, DEFA, 110 Minuten, s/w, FSK 12

Regie: Falk Harnack; Drehbuch: Hans-Robert Bortfeldt, Falk Harnack, Erich Conradi; Musik: Ernst Roters; Kamera: Robert Baberske; Besetzung: Erwin Geschonnneck (Albert Teetjen, Metzgermeister und Henker), Käthe Braun (Stine Teetjen, Ehefrau des Metzgers), Gefion Helmke (Dr. Käthe Neumeier, Amtsärztin), Arthur Schröder (Dr. Koldewey, Gefängnisdirektor), Hermann Stövesand (Timme, einer der vier Verurteilten), Willy A. Kleinau (Footh, Reeder und SS-Standartenführer) u. v. a.

Handlung: Hamburg/Wandsbek 1934. Das Eingangsbild zeigt Kinder, die auf der Straße Himmel und Hölle spielen. Unbekümmert lärmen sie vorm Laden des Metzgermeister Teetjen, der sie immer wieder verjagt. Die Stimmung ist angespannt. Die Geschäfte laufen schlecht. Die Konkurrenz ist groß. Ein Beil vom Großvater ist des Metzgers ganzer Stolz. Deutsche Wertarbeit! Mit seiner Frau Stine träumt er davon, den Laden zu modernisieren. Doch dafür fehlt das Geld.

Ein ehemaliger Kriegskamerad könnte helfen. Der Reeder Footh ist zum SS-Standartenführer aufgestiegen, hat Geld und Einfluss. Dieser wiederum wünscht sich, dass der Führer nach Hamburg kommt. Doch da gibt es ein Problem. Schnell sind noch vier Kommunisten hinzurichten. Dass sie unschuldig sein könnten, spielt hierbei keine Rolle. Was fehlt, ist ein Scharfrichter. Da kommt der Metzger gerade recht. Für 2.000 Mark lässt er sich nach kurzer Bedenkzeit darauf ein und übernimmt diese Aufgabe. Allerdings unter der Bedingung, niemand darf etwas davon erfahren. Selbst seine Frau ahnt nicht, woher plötzlich, so viel Geld kommt.

Das kleine Glück im trauten Heim, währt jedoch nur kurze Zeit. Als herauskommt, wer das Beil geschwungen hat, ist die Empörung der scheinheiligen Mitbürger groß und sie meiden die Teetjes und deren Metzgerei. Das Beil macht Stine Angst. Doch Teetjen wird es einfach nicht los. Nur die Nazis feiern den Henker und dessen „vaterländische Tat“. Das Blutbeil erhält in ihrem Vereinslokal einen Ehrenplatz. Aber Stine findet keine innere Ruhe mehr und hängt sich schließlich auf. Nun erst beginnt auch der Metzger zu begreifen, dass er alles verloren hat. Es fällt ein Schuss. Der Metzgerladen ist geschlossen. Die Straße ist dunkel und leer.

Karin Baum und Michael Heuser
Sprecher der Cineastengruppe „Film Club Mobil“ im Radebeuler Kultur e.V.

Anmerkung: unter Verwendung von verschiedenen Filmbegleitmaterialien und Wikipedia-Eintragungen.
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Am Donnerstag, dem 23.4.2026, um 19 Uhr,
im Bunker Oberlößnitz, Hoflößnitzstraße 82, 01445 Radebeul
Reservierungen ab sofort unter 0160-1038663

Lessing konzertant in Radebeul

Überraschungssalon bei Friedrich Aust für einen Mimen und wundersame Begleitung

Das Glück nach getaner Kunst: Pianist Martin Fischer, Schauspieler Tom Quaas, Steinbildhauermeister Marcus Faust und Gastgeber Karl-Friedrich Aust. Hinter der Kamera die versammelte Begeisterung aus Radebeul und Umgebung.
Foto: S. Graedtke


Fiete Junge hat es hoffentlich von oben gut sehen und hören können, was ihm da gewidmet war: Eine ungeplante Laudatio, eigentlich verboten trotzdem glänzend formuliert von Junges Freund Frank Richter, und ein Nathan, frisch gewaschen und nicht gebügelt von Tom Quaas. Es gibt sie noch, diese Abende, von denen man gern sagt: Ich war dabei! An denen klar ist, wie kostbar manche Stunden sein können. Die Zuhörerschaft kam aus dem Staunen nicht heraus, denn während Tom Quaas Lessings Meisterwerk aufleuchten ließ, pianoforte begleitet von Martin Fischer, jede Rolle mit eigener Stimme und Duktus ausstaffierend, war ein Dritter dabei, draußen vor der Tür unterm Bildhauerzelt auf seine Art das Erinnern an F.W. Junge in Stein zu meißeln. Allen nicht Dabeigewesenen zum Trost: Das Format der szenischen Lesungen wächst und gedeiht, dazu später mehr. Tage danach nahm sich Tom Quaas Zeit für Fragen von Christine Ruby.

Man sagt, Tom Quaas spielt immer an schönen Orten. Was ist für Dich ein schöner Ort?

Ich habe Themen im Kopf, hier zum Beispiel Lessings Gedanken zum Judentum, zur Menschlichkeit, zu Personen wie Fiete Junge. Dann findet sich ein Platz, der dazu passt. So ist er schön für mich. In diesem Falle ergab sich das alles beim Anwesen von Friedrich Aust. Da war Fiete sozusagen mit dabei. Andere Orte warten förmlich auf andere Themen. Der Kreisler-Abend „Die Tauben sind nicht totzukriegen“ gehört für mich unbedingt auf den Theaterkahn, wo ich gern gute Unterhaltung auf hohem Niveau präsentiere. Anderes kommt auf Batzdorf oder im Societaetstheater am besten zur Geltung. Zum Glück gibt es im Elbland genügend schöne Orte. Ein ganz Besonderer ist unter der Linde von Fietes ehemaligem Zuhause. Da wird es demnächst Lyrik geben.

Sie wohnen und arbeiten auf einem alten Schlösschen. Da gibt es sicher immer etwas zu bauen. Sind Sie zur Not Ihr eigener Zimmermann?

Ja, das kann ich ganz gut, weil ich mal eine entsprechende Lehre gemacht habe. Ursprünglich wollte ich Restaurator werden, habe mich an der Abendschule der HfBK ausgebildet dafür. Auf Batzdorf baute ich mir als erstes eine Probebühne, später auch schon mal ein Hochbett oder was man so braucht. Dazu ist zu sagen, es gab einmal einen Wechsel in meinem. Vorher war die Bühne mein Hobby, das Restaurieren mein Beruf. Das habe ich dann mal umgedreht. Es passt alles gut zusammen.

Was könnte schöner an Lessing, Fiete Junge und die Kunst der Bühne erinnern als der Ring von unschätzbarem Wert? Der Stein von Marcus Faust wird auf dem Weingut einen guten Platz finden.
Foto: S. Graedtke


Eine obligate Frage an den Bühnenkünstler muss sein: Wie gerne drehen Sie Filme?

Ach, das ist eben etwas ganz anderes. Ich bin, ehrlich gesagt, nicht so sehr filmaffin. Es gibt dort keine direkte Rückmeldung. Man spielt in die Kamera, in eine Menge von Leuten, die den Film machen, hinein. Da ist es mir sehr viel lieber, direkte Reaktionen aus dem Zuschauerraum zu bekommen. Das ist lebendiger, inspirierender.

Wonach entscheiden Sie, was Sie spielen? Was beschäftigt Sie gerade?

Da gibt es zwei Aspekte. Entweder der Inhalt ist wichtig, so dass er mich beflügelt, dann ist mir das Geld nicht so wichtig. Oder der Inhalt ist gut, und gleichzeitig eine Gelegenheit, auch gut zu verdienen. Die Wahl hat man immer.

Derzeit bereite ich mich vor, an den Jüdischen Tagen in Meißen dabei zu sein. Und wie immer beschäftigt mich wirklich gute Unterhaltung. So hat der Kreisler-Abend ja seine Fortsetzung gefunden und wer weiß, wie weit das noch gehen mag.

Ganz aktuell ist ein Herzensprojekt meine neue Reihe „ELB-LESUNGEN“. Die Lesungen, zum Teil szenisch, werden an verschiedenen Orten im Elbland stattfinden. Auftakt ist am 4. April auf Schloss Batzdorf! Zusammen mit meiner Tochter Paula können Sie den ganzen Faust, leicht gekürzt erleben. Vorher gern einen Kaffee, danach einen Wein, an einem der schönsten Orte im Elbland.

Vielen Dank – und eine kleine Erinnerung: Radebeul liegt ja recht zentral im Elbland. Also freuen wir uns auf ein Wiedersehen!

Christine Ruby
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Immer mal reinschauen lohnt sich: https://www.theaterzirkus-dresden.de/dates/

Radebeul las…und ließ lesen

Ein Interview mit Marie Dreßler, der jüngsten Mitwirkenden

Im reichhaltigen Veranstaltungsprogramm von „Radebeul liest“ entdeckte ich neben vielem anderen auch den Hinweis auf eine Veranstaltung am 14. März in der Kleingartensparte „Elblößnitz“, vis-à-vis vom Kaufland, die mein Interesse spontan weckte. Angekündigt wurde darin eine „preisgekrönte Dresdner Nachwuchsautorin“. Eine Recherche im Internet förderte tatsächlich zutage, dass Marie Dreßler nicht nur insgesamt dreimal den Lessing-Wettbewerb der Stadt Kamenz gewonnen hat, sondern sie sogar mehrfache Preisträgerin des Europäischen Literaturwettbewerbs ist, der alljährlich von der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz für Kinder und Jugendliche aus ganz Europa ausgerichtet wird. Kein Wunder, dass sie inzwischen auch beim Dresdner Emil-Verlag veröffentlicht, auf dessen Website Marie als „außergewöhnliches Schreibtalent“ bezeichnet wird. Freundlicherweise war Marie zu einem kurzen Gespräch im Umfeld der Lesung bereit, damit sie die Leser von „Vorschau & Rückblick“ kennenlernen können.

Foto: privat


Marie, wann hast du angefangen zu schreiben?

Als ich in der 2. Klasse war, ist meine erste Geschichte entstanden. Aber eigentlich war das noch gar nichts „Richtiges“, denn ich habe das Buch, das ich damals las, einfach umgeschrieben und mich zur Protagonistin gemacht. In der 5. Klasse auf dem Gymnasium hatte ich dann später eine Deutschlehrerin, die mich gefördert und mir immer auch mal Zusatzaufgaben beim kreativen Schreiben gegeben hat. Zum Beispiel konnte ich freiwillig Märchen schreiben. Auf diese Weise habe ich das eigene Schreiben immer mehr vertieft.

Hast du Vorbilder, an denen du dein Schreiben ausrichtest, deren Texte dir Orientierung geben?

Ich glaube, ich bin immer davon beeinflusst, was ich gerade selbst auch lese. Wenn ich zum Beispiel ein Buch lese, in dem viele Dialoge vorkommen, dann habe ich auch selbst Lust, Dialoge zu schreiben. Es gibt natürlich einige Autorinnen und Autoren, die ich bewundere, Iris Wolff etwa, die sehr poetisch schreibt. Vieles fließt sicherlich unbewusst mit ein, aber es ist nicht so, dass ich konkret jemandem nacheifere.

Erzähle doch bitte darüber, wie bei dir Texte entstehen. Welche Bedingungen brauchst du dafür?

Wenn ich eine Idee für eine Geschichte habe, dann trage ich sie eine Weile mit mir herum und denke in unterschiedlichsten Situationen darüber nach, etwa auf dem Weg von der Schule nach Hause oder vor dem Einschlafen. Dabei entsteht so langsam ein Schreibplan. Am produktivsten bin ich in den Dämmerstunden, morgens oder abends. Die erste Fassung schreibe ich immer mit der Hand. Ich weiß zwar, dass es Autoren gibt, die sagen, wenn man gut ist, kann man immer schreiben, aber ich warte doch lieber auf einen Inspirationsschub.

Marie Dreßler bei ihrer Lesung in der Kleingartensparte »Elblößnitz«
Foto: B. Kazmirowski


Du schreibst noch mit der Hand?

Ja, dabei kann ich besser auf den Inhalt achten. Wenn man gleich auf dem PC schreibt, dann sieht es immer schon so fertig aus, aber das ist es ja noch gar nicht. Die zweite Fassung schreibe ich natürlich am PC, wobei ich mich da besonders auf den Ausdruck konzentriere, mit Sprache arbeite, was mir immer viel Spaß macht.

Was bedeutet dir das Schreiben an sich, was passiert da mit und in dir?

Ich habe schon sehr früh angefangen Tagebuch zu schreiben. Meine Geschichten sind oft in gewisser Weise verwandelte Tagebucheinträge, in denen ich Erlebnisse verarbeite und im Schreiben Distanz dazu gewinnen, sie verarbeiten kann. Das ist noch mal eine ganz andere Qualität der Auseinandersetzung mit den Dingen, mit denen ich konfrontiert bin. Ich versuche Bilder für etwas zu finden und gehe damit gleichzeitig auf Abstand zu dem, wofür die Bilder stehen. Und das tut mir gut.

Wenn ich das richtig verstehe, bist du 18 Jahre alt und machst gerade Abitur. Welche Rolle soll denn das Schreiben nach der Schulzeit einnehmen?

Das werde ich oft gefragt. Ich möchte es erst einmal so weitermachen wie bisher, also nebenbei schreiben, weil ich nicht den Druck haben möchte, etwas abliefern zu müssen, nur weil irgendetwas gerade im Trend ist. Und dann werde ich mal schauen, was sich daraus ergibt. Zunächst fange ich an zu studieren, Germanistik im Hauptfach und im Nebenfach Klassische Philologie an der TU Dresden. Aber natürlich ist es mein Traum, einmal als freiberufliche Autorin arbeiten zu können, wobei da auch viele glückliche Zufälle mitspielen müssen, damit das klappt.

Aus welchen Büchern liest du heute?

Ich habe zwei sehr unterschiedliche Bücher mitgebracht. Das eine ist schon ein paar Jahre alt und ist ein kleines Kinderbuch, es heißt „Zuhause“. Es bedeutet mir sehr viel, denn es ist mein erstes Buch und hat mir bewusst gemacht, wie komplex die Herstellung eines Buches ist, was es braucht, damit es gut wird. Zum Beispiel bin ich ganz glücklich darüber, dass eine Hamburger Künstlerin den Text so liebevoll illustriert hat. Das andere Buch „Spuren“ ist noch gar nicht veröffentlicht. Es besteht aus sechs einzelnen Erzählungen, die miteinander verwoben sind, nach und nach werden die Beziehungen zwischen den Figuren klar. Einige zentrale Ereignisse verbinden die Geschichten, werden von den einzelnen Protagonisten aber unterschiedlich wahrgenommen. Dieses Einnehmen verschiedener Blickwinkel fasziniert mich beim Schreiben. Zwischen der ersten und der sechsten Geschichte liegen 30 Jahre, aber der Protagonist Johannes ist derselbe.

Nun bist du ja heute hier bei einer Lesung vor gemischtem Publikum. Hast du damit schon Erfahrung?

Nein, noch nicht. Ich habe schon vor Kindergartenkindern und in Grundschulen gelesen, auch bei Schreibwettbewerben vor Gleichaltrigen, aber vor Erwachsenen noch nie. Vorlesen ist für mich grundsätzlich wichtig. Wenn ich etwas fertig habe, lese ich es immer zuerst meinen Meerschweinchen vor, die sehr gute Zuhörer sind (lacht).

Vielen Dank, Marie, für das Gespräch und viel Erfolg beim Abitur!

Bertram Kazmirowski

Der Lößnitzchor begrüßt den Frühling musikalisch

Frühlingskonzert des Lößnitzchor e.V. Radebeul

„Da tönet Gesang“ – „Da“ meint in diesem Fall die Emmauskirche in Dresden-Kaditz, in die der Lößnitzchor am 11.04.2026 um 17 Uhr zum Konzert einlädt, um musikalisch den Frühling zu begrüßen.

Neben traditionellen Weisen, die die erwachende Natur und die damit verbundenen Gefühle besingen, werden auch geistliche sowie fremdsprachige Werke zu hören sein. Auch unser kleines Ensemble, die Gruppe „fEinklang“, wird das Konzert wie-der mit einigen Stücken bereichern. Die musikalische Leitung des Konzerts liegt bei Eric Weisheit. Wie in den vergangenen Jahren auch ist der Eintritt frei und es wird um eine Spende am Ausgang gebeten.

Wer nicht nur zuhören, sondern das Konzert als aktiver Sänger oder aktive Sänge-rin mitgestalten möchte, ist herzlich zur unverbindlichen Teilnahme an einer Probe des Chores eingeladen. Diese finden immer montags von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr in der Aula des Lößnitzgymnasiums auf der Steinbachstraße 21 in Radebeul statt. Um vorherige Anmeldung per E-Mail an die Vorstandsvorsitzende über gloeck-ner@loessnitzchor.de wird gebeten.

Laura Hackeschmidt
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Lößnitzchor e.V. Radebeul
www.loessnitzchor.de

Frühlingsblüher im Himmelsbusch

Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.

Theodor Storm (1817 – 1888)

Corydalis cava im Himmelsbusch
Foto: G. Seidel

Wir schreiben den 10. Januar. Sturmtief “Elli” hat sich mit einigen ungelenken Pirouetten verabschiedet. Über Radebeul breitet sich eine geschlossenene Schneedecke aus. Nachmittägliche Sonnenstrahlen bringen die Lößnitzhänge zum Leuchten. Unsere Liegefenster haben dicke Schneepolster über sich gezogen.

Wettermeldungen überschlagen sich; prophezeien weiteren Schneefall, eiskalte Nächte und zu guter Letzt auch noch Regen auf diese Pracht.

Der 100-jährige Kalender verheißt einen langen eisigen Winter bis in den März. Aber es könnte ja auch ganz anders kommen.

Jedenfalls wird er zuverlässig wieder eintreffen – der Frühling. Wird uns seine Pretiosen übermütig in Wald und Feld darbieten. Auf ihn ist jedenfalls Verlass.

Wollen wir ihn besuchen?

Aufgestiegen zu den Ebenbergen folgen wir gewöhnlich der den Weinberg säumenden Mauer und geniessen Blicke ins Elbtal. Ab Ende März wählen wir aber den Weg hinter der Mauer durch den Himmelsbusch. Dort nämlich erfreuen uns größere Bestände einer trübviolett bis weiß blühenden Pflanze.

Der Hohle Lerchensporn, Corydalis cava, ist ein mehrjähriges Kraut und an ein Leben im lichten Laubwald angepasst. Er liebt feuchte, mullreiche, lockere Lehm- und Hang-Lössböden. Wir finden ihn links- und rechtselbisch recht häufig.

Bevor belaubte Bäume ihre Schatten werfen, durchläuft der Hohle Lerchensporn den sichtbaren Teil seiner Existenz. Die Pflanze wächst 20 bis 35 cm hoch. Eine tief im Boden verborgene, kugelige, braune, bald hohl werdende Sproßknolle (namensgebend) trägt den stets aufrechten Stengel mit zwei gestielten, doppelt 3-zähligen kahlen, blaugrünen Blättern.

Darstellung in: New Kräuterbuch, Leonhart Fuchs, 1543
Bild: Repro G. Seidel

Ihre eigenwillige Blütenform bescherte der Pflanze zahlreiche Trivialnamen (z.B. Lerchenhelm, Schopflerche, Zottelhose). Die Blüten sind zweiseitig symmetrisch und tragen einen langen Sporn, in den der Nektar abgeschieden und gesammelt wird.

Reichblütige Trauben von violett über rosa bis weiß verströmen einen lackartigen Duft.

Früchte zeigen sich als grüne Bälge, die schwarze Samen mit großem, äußerst nahrhaftem Anhängsel, einem Fettkörper, enthalten. Ameisen tragen diese Samen in ihre Baue und fördern damit die weitere Ausbreitung des Lerchensporns.

Er ist eine wichtige Futterpflanze für viele Fluginsekten; allem voran für solche mit langem Rüssel, wie z.B. Gartenhummel, gehörnte Mauerbiene, Pelzbiene.

Kurzrüsselige Insekten verstehen ein Loch in den Sporn zu beissen um so an die begehrte Tracht zu gelangen. Auch der Apollofalter ist abhängig vom Lerchensporn. Seine Raupe ernährt sich ausschließlich von dessen Blättern.

Lerchensporn wurde in zurückliegenden Jahrhunderten als Heilpflanze genutzt. Die Knollen wurden in Branntwein angesetzt und galten u.a. als Mittel gegen Magenbeschwerden und Herzrasen. Auch halluzinogene Wirkungen sind nachgewiesen. Heute gelten Anwendungen mit Verweis auf enthaltene Alkaloide (u.a. Bulbocapnin) als problematisch.

Sind Sie neugierig geworden? Dann sollten Sie die Apriltage zur Schau nutzen. Denn aufgrund seiner kurzen oberirdischen Vegetationsperiode wird sich der Lerchensporn bald komplett in die Wurzelknolle zurückziehen. Um sich dann im nächsten Frühling wieder dezent zu präsentieren.

Was übrigens den Herbst angeht: Unser Lerchensporn gilt als Lospflanze. Wenn am 1. Mai die Samen reif sind, ist ein gutes Weinjahr zu erwarten.

Gudrun Seidel

HELGA ALSCHNER

(7.7.1930 – 23.2.2026) – ein Nachruf

Zur Eröffnung ihrer letzten Ausstellung 2019 bei »Gräfes Wein & fein«
Foto: F. Eisenkrätzer


Eine Radebeuler Künstlerin ist von uns gegangen – eine große Persönlichkeit, die bis zum Tode ihr Leben und ihren Abgang – von der Bühne des Lebens – selbstbestimmt in die Hand genommen hat. Helga Alschner hat auf der Paradiesstrasse gelebt – sie ist da in ihrem Elternhaus groß geworden, hat lange ihre Mutter gepflegt und wollte auf keinen Fall diese Heimat verlassen – weder in ein Pflegeheim oder auch nicht – und zwar auf KEINEN FALL! – in ein Krankenhaus kommen. „ Nu ist es aber auch mal genug!“ hat sie gesagt und sich gegen eine stationäre Behandlung entschieden. Und tapfer mit dem Blick auf die geliebten Lößnitzberge ihre letzten Tage verbracht.

Sie kann auf ein langes erfolg- und abenteuerreiches Leben zurückblicken. Statt Tänzerin zu werden nutzte sie ihre andere Begabung – bildnerisch tätig zu sein. Sie studierte an der Hochschule in Berlin Weißensee Bühnen-und Kostümbild bei Heinrich Kilger und schloss 1961 mit einem Diplom ab. Zehn Jahre lang arbeitete sie als Kostümbildnerin am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, am Theater der Bergarbeiter Senftenberg, am Staatstheater Dresden und am Städtischen Theater Leipzig. Seit 1971 war sie freischaffend an verschiedenen Theatern und für Film und Fernsehen der DDR tätig. Aber immer war ihr Lebensmittelpunkt und ihr „Kraftraum“ ihr wunderschön gelegenes Elternhaus.

Auch beteiligte sie sich an verschiedenn Ausstellung – zuletzt hatte sie in Radebeul in ihrem 90. Lebensjahr eine Personalausstellung bei „Wein & fein“, wo man Gelegenheit hatte, die wunderbaren Arbeiten von ihr zu bewundern. Ihre Figurinen waren von großer kunsthistorischer Kenntnis, inszenierungsbezogen und auf die Darsteller eingehend liebevoll bis ins Detail mit Humor und Menschenkenntnis gestaltet. Die Silhouetten, die Farbabstimmungen, die Materialwahl, alles durchdacht und von hoher künstlerischer Qualität, und so gezeichnet und gemalt, dass das Blatt nicht nur eine sehr genaue und nachvollziehbare Vorlage für die Schneiderei war, sondern auch schon ein Kunstwerk an sich.

Helga Alschner mit Anfang 20
Foto: privat


Helga Alschner war nach der Wende überglücklich, endlich die Orte ihrer Sehnsucht besuchen zu können: in die Provence auf den Spuren der Maler des Lichts und der Kunst in der betörenden Landschaft sowie nach Andalusien – Sevilla!

Ebenso wie in der Kunst, konnte sie in der Natur die Wunder der Schönheit bestaunen – strahlend und dankbar. Die Dankbarkeit war ihr ein großes Thema – auch als sie nicht mehr so beweglich war hat sie nie geklagt – sie hat sich gern von Premieren, Ausstellungen und Reisen berichten lassen: „ das kann ich nicht mehr, aber ich habe auch meine schönen Erinnerungen“ sagte sie.

Mit den „modernen Zeiten“, also mit allen nach der Festnetztelefonie entwickelten Kommunikationsmöglichkeiten stand sie auf Kriegsfuß. „Das Internet ist der Beginn des Untergangs der Menschheit“- darauf bestand sie. Genau wie sie die Klassiker der Musik und der Schriftkunst verehrte – ein immer geliebter und nie langweiliger Schiller und als höchstes Vergnügen auch selbst in Gemeinschaft oder allein gesungene Arien und Lieder.

Und auch ohne Internet hatte sie ein großes, gut funktionierendes Netzwerk an Freundinnen und Freunden. Große Verehrung für einige Studienfreunde, Kontakte mit Jugendfreundinnen, Nachbarn und besonders ihre langjährige Haushalts-und Lebenshilfe waren wichtige Kommunikationspartner.

Ihre Lebenserfahrung, ihr bis zuletzt scharfsinniges Beobachten und auch Beurteilen politischer und kultureller Ereignisse machten sie zu einer streitbaren und immer interessierten großen Persönlichkeit.

Sie fehlt.

Ulrike Kunze

Ehre, wem Ehre gebührt

Die Radebeuler Buchhandlung Sauermann ist für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert

Ute Sauermann (re) mit ihrer Mitarbeiterin Bernadette Beier
Foto: B. Kazmirowski


Nicht mal in Ruhe Urlaub kann man machen – so hat Ute Sauermann vielleicht gedacht, als sie Mitte Februar einen Anruf von einer unbekannten Nummer auf ihrem Handy angezeigt bekam. Wie gut, dass sie ranging, denn sonst hätte sie es wohl erst aus der Presse erfahren: Ihre Buchhandlung gehört zu den acht Buchhandlungen in Sachsen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis 2025 nominiert wurden, bundesweit sind es 105, nachdem 483 Bewerbungen eingegangen waren. Zum elften Mal zeichnet die Bundesregierung inhabergeführte Buchhandlungen aus, die sich in besonderer Weise um das Kulturgut Buch verdient gemacht haben. Am 19. März sollten eigentlich im Rahmen der Leipziger Buchmesse die Gewinner bekanntgegeben und ausgezeichnet werden, aber zur Überraschung und Entrüstung der Buchhandelsbranche wird daraus nun nichts, was Ute Sauermann am 20. Februar, an dem wir das nachstehende Interview führten, nicht ahnen konnte. Was ist seither geschehen: Kulturstaatsminister Weimer hat einseitig und unbegründet entschieden, drei Buchhandlungen von der Liste der Nominierungen zu streichen, angeblich gäbe es verfassungsrechtliche Bedenken. Trotz Intervention der ganzen Buchbranche blieb Weimer bei seiner Haltung und sagte die Preisverleihung in Leipzig dann kurzerhand ab. Zwar werde es Prämierungen geben, aber die „ausgewählten Buchhandlungen werden Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten“, und für die Gewinner der Hautpreise werde es eine öffentliche Bekanntgabe „in gesonderter Form“ geben, so ließ sein Haus wissen. Vorschau & Rückblick nahm die bevorstehende Ehrung der traditionsreichen Radebeuler Buchhandlung Sauermann (1922 durch Utes Großvater Heinrich Sauermann gegründet) zum Anlass, mit der Chefin ins Gespräch zu kommen.

Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung für den Deutschen Buchhandlungspreis! Was bedeutet das für dich und deine drei Mitarbeiterinnen?

Es ist ein Ritterschlag, allerdings ein für uns unerwarteter. Wir hatten uns ja schon einige Male beworben, wurden aber nie berücksichtigt, weshalb wir nun nicht mehr damit gerechnet hatten. Aber natürlich freuen wir uns sehr und nehmen es als Anerkennung für unsere tägliche Arbeit.

Worin unterscheidet sich denn deine Buchhandlung von anderen kleinen Buchhandlungen, was macht euch preiswürdig?

Die Jury entscheidet auf Basis von vier Kriterien, die vorab geprüft wurden. Dazu zählen das Geschäftsmodell, das literarische Sortiment, das Engagement bei der Lese- und Literaturförderung und auch die kulturellen Veranstaltungen. Wir konnten in allen vier Bereichen punkten. Einige Aspekte würde ich gern herausheben. Alle drei Mitarbeiterinnen sind gelernte Buchhändlerinnen, was uns eine persönliche Betreuung der Kunden ebenso ermöglicht wie eine zielgerichtete Auswahl und Präsentation unseres Sortiments. Unsere Schwerpunkte liegen im Bereich Belletristik und Kinderbuch, aber auch regionale Literatur ist bei uns gut vertreten. Tatsächlich schauen wir bei Neuerscheinungen die gedruckten Kataloge der Verlage durch und entscheiden dann ganz eigenständig, was wir einkaufen. Wir gestalten auch Thementische zu bestimmten Anlässen und dekorieren unsere Schaufenster regelmäßig neu. Auch im Hinblick auf Veranstaltungen sind wir aktiv, obwohl wir natürlich in erster Linie Händler und nicht Veranstalter sind. Letztes Jahr hatten wir beispielsweise eine Sachbuchlesung, im Jahr zuvor eine Buchpremiere von Ralf Günther zu seinem Werk „Die Könige von Babelsberg“ und Ende März wird Christoph Kloeble bei uns aus seinem neuen Buch „Durch das Raue zu den Sternen“ lesen.

Du erwähntest vorhin auch die Leseförderung. Wie muss ich mir das konkret vorstellen?

Seit 15 Jahren engagieren wir uns zum Welttag des Buches. Klassen der 4. und 5. Jahrgangsstufen können sich dafür anmelden. Wir zeigen ihnen die Buchhandlung und das Antiquariat, erklären ihnen unsere Arbeit und machen auch ein Quiz mit ihnen. Das sorgt immer für viel Spaß, wodurch die Kinder mit der Welt der Bücher freudbetont in Berührung kommen. Dieses Jahr sind das immerhin 12 Klassen aus Radebeuler Schulen! Zusätzlich stellen wir einmal im Monat unser Antiquariat für ein Angebot der Leseförderung zur Verfügung. Unter qualifizierter Anleitung erhalten Eltern Hinweise und Tipps, wie sie mit ihren eigenen Kindern, denen das Lesen schwerfällt, gezielt üben können.

Welche Ideen hast du zur Verwendung des Preisgeldes, ganz gleich in welcher Höhe es sein wird?

Offen gestanden geht es mir und den allermeisten kleinen Buchhandlungen mehr um die öffentliche Wertschätzung unserer Arbeit als um das damit verbundene Geld, es geht um die Ehre, die mit der Nominierung verbunden ist. Weil die Nominierung auch so überraschend kam, habe ich noch keine konkreten Vorstellungen darüber, wie wir das Geld verwenden. Damit bin ich übrigens nicht allein. In der aktuellen Ausgabe des „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ wird über uns und drei andere kleine und für den Preis nominierte Buchhandlungen berichtet, und keiner der anderen Inhaber konnte auf diese Frage etwas sagen.

Inwieweit kannst oder musst du in die Zukunft schauen, wenn du an das wirtschaftliche Überleben der Buchhandlung Sauermann denkst?

Wir befinden uns gerade in einer Umbruchsituation im Buchhandelsgeschäft. Letzten Herbst wurde eine Statistik veröffentlicht, wonach seit 2020 etwa ein Viertel aller kleinen Buchhandlungen aufgeben musste. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist die Digitalisierung des Buchhandelsgeschäftes, der wir uns aber stellen und die wir bewältigen müssen. Ein anderer ist die Preisentwicklung. Alles wird teurer, denn Herstellungskosten, Transport- und Personalkosten steigen. Das hat Auswirkungen auf uns. Die Buchpreisbindung sichert ja eine Deckelung des Preises nach oben, aber die Margen für uns Händler werden kleiner, weil die Verlage keine größeren Rabatte geben, nur weil die Kosten steigen. Deswegen kann ich nicht in die Zukunft schauen und sagen, in drei oder fünf Jahren wird die Lage so oder so sein. Im Fachbuchmarkt geht der Trend beispielsweise zur digitalen Veröffentlichung, wodurch ein Marktsegment zunehmend verschwindet. Die Verlage befördern das sogar, woran wir aber nichts ändern können. Aber eines kann ich versprechen: Wir werden alles daran setzen, um die Radebeuler weiter und noch mehr an uns zu binden, sodass sie eben nicht online bestellen, sondern zu uns kommen und sich kompetent beraten lassen. Und wo bekommt man außer Neuerscheinungen auch so eine große Auswahl an antiquarischen Büchern, ergänzt um Grafiken, eine große Weinauswahl und sogar Herrnhuter Sternen? Ein Besuch bei uns lohnt sich also immer, zu jeder Jahreszeit!

Vielen Dank für das Gespräch! „Vorschau & Rückblick“ drückt dir die Daumen und hofft, dass du einen der Hauptpreise erhalten wirst – in welcher Form auch immer du davon erfährst!

Bertram Kazmirowski

Editorial 4-26

Seit nunmehr über 35 Jahren verfolgt „Vorschau & Rückblick“ das unermüdliche Bestreben, für das Radebeuler Kulturleben ein facettenreicher Spiegel zu sein. Dabei finden auch angrenzende oder umliegende Gemeinden wie Coswig, Weinböhla, Moritzburg oder Radeburg Berücksichtigung. Mitunter reicht die Strahlkraft gar bis Meißen, Radeberg oder noch weiter.

Für den abwechslungsreichen Inhalt zeichnen seit mehreren Jahrzehnten weitgehend noch immer unsere treuen, langjährigen Redaktionsmitglieder verantwortlich, die je nach Interessenlage eine Rubrik zielsicher repräsentieren.

Zudem sind wir dankbar für die Zuarbeit einer Vielzahl von Gastautoren sowie von Leserzuschriften, die über all die Jahre mit weiteren thematischen Nuancen die Vielfalt unseres Heftes bereichert haben und noch immer bereichern.

Nur gemeinschaftlich können wir auch künftig diese Herausforderungen meistern!

Ein wichtiger Bestandteil seit Anbeginn ist die monatliche Bündelung aller relevanten Veranstaltungs- und Kulturtermine auf den letzten Seiten. – An dieser Stelle möchten wir die Frage an Sie stellen: Ist die Zusammenstellung für Sie hilfreich? Ist der Abdruck in Konkurrenz zu digitalen Medien überhaupt noch „zeitgemäß“? Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschen Sie sich?
Über Ihre Gedanken, Meinungen und Vorschläge würden wir uns sehr freuen. Schreiben Sie uns, digital oder ganz klassisch per Hand.

Sascha Graedtke

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