Radebeuler Miniaturen

Von der Köstlichkeit des Lebens
Zum 35. Geburtstag von Vorschau & Rückblick

Die Spatzen pfeifens von den Dächern: Vorschau & Rückblick ist 35 Jahre alt geworden. Wir feiern gleich ein halbes Menschenleben.

Halten wir uns nämlich an Luthers Bibelübersetzung, währt „ein Leben siebzig Jahre (…) und wenns köstlich war, ist es Mühe und Arbeit gewesen“. Wer, wie ich, das Alter hat, wird sicher gern bestätigen, sich schon fast ein halbes Leben lang Monat für Monat an den 32 Seiten zu erfreuen. (Für jüngere wird es prozentual immer mehr.) Jedenfalls können wir alle behaupten, mit dem Heft jung geblieben zu sein.

Sind wir allerdings ganz ehrlich (was manchmal durchaus von Nachteil ist), müssen wir zugeben, daß wir, anstatt jung geblieben zu sein, lediglich gemeinsam gereift sind. Das ist immerhin auch schon was. Aber: Wir sind nicht nur ge-reift, wir sind auch be-reift, denn der Graureif auf unseren Köpfen will selbst bei heißester Sommersonne einfach nicht mehr wegtauen.

Weil wir gerade von Reifen reden:

Noch einmal dreißig Jahre früher als V&R uns, brachte eine lustige Modeerscheinung ganze Gesellschaften in Bewegung: Hula-Reifen.

Erinnert euch: Das waren Plastereifen von etwa einem Meter Durchmesser, die durch stetige Hüftbewegung in der Körpermitte gehalten werden sollten. Mit der Bewegung wurden Träume wach, Träume von Südseestränden und sommerlich-freizügigen Hula-Mädchen – damals alles für uns auf ewig unerreichbar. Umso beweglicher und bewegter wurden die Träume.

Gereift (und versteift) wie ich nun inzwischen bin, stellt sich mir die Frage, ob dergleichen Gerätschaft heute noch ebenso im Einsatz ist wie damals. Immerhin konnte ich seither lernen, daß Hula-Tänze die spezielle Funktion haben, auf Hawaii die Fruchtbarkeit der Felder zu befördern. Ihre meist stümperhafte aber stets fröhliche Nachahmung durch gutgepolsterte Europäerhüften dürfte als „kulturelle Aneignung“ gelten, also wenigstens verpönt sein und schon deshalb als nicht mehr wünschenswert erscheinen.

Vorschau & Rückblick ist hingegen etwas durch und durch indigen Radebeulsches.

Wir tun also gut daran, uns auf unsere Kernkompetenz zu besinnen und alle freudige Erwartung auf den Erscheinungstermin des jeweils neuen Heftes zu richten. Denn auch wenn die einst jungen Leute, wie etwa unser verdienstvoller Redakteur Sascha Graedtke, sich der Tendenz zu ergrauen angeschlossen haben, besteht die berechtigte Hoffnung, noch weitere Jahrgänge von V&R erleben zu dürfen. Ob es noch einmal fünfunddreißig Jahrgänge werden, wird sich denen zeigen, deren von Luther zugemessene Höchstlebensdauer (…wenns hoch kommt, sinds achtzig Jahre…) das erlaubt. Wir älteren aber können damit rechnen, selbst unsere letzten Tage mit dem Heft in der Hand verbringen zu dürfen. Denn es gibt sie noch, die Unermüdlichen, die Mühe und Arbeit auf sich nehmen, zwölfmal im Jahr die 32 Seiten mit köstlichen Inhalten zu füllen – dafür ganz herzlichen Dank!

Anders als zur Lutherzeit zeigt sich die Köstlichkeit des Lebens für uns immer dann, wenn wir das neue Heft schwarz auf weiß besitzen, getrost nach Hause tragen, im Sessel genußvoll darin blättern und der Katze zurufen: Gestehe, daß ich glücklich bin…

Thomas Gerlach

Glosse

Es werde Licht

Nun ist sie vorbei, die angeblich „schönste Jahreszeit“. Eigentlich noch nicht ganz, einige Tage fehlen noch. Am 20./21. Juni aber hat sich das mit den Frühlingsgefühlen endgültig erledigt, da fängt der Sommer an und dann müsste es nach den Prognosen ziemlich heiß werden, mitunter auch schwül.

Wenn es aber nach dem 100-jährigen Kalender ginge, soll der Sommer allerdings verregnet werden. Der Sommer ist halt auch nicht mehr das, was er mal war. Früher war sowieso alles besser.

Und so ändert sich heutzutage das Wetter eben nicht nur, wenn der Hahn kräht. Man kann überhaupt nicht so schnell denken wie die Wetterlagen wechseln, vor allem die politischen. Das Gescheiteste wird sein, man macht sich nur noch Abendbrot und keine Gedanken – also, das geht auch mit jeder anderen Mahlzeit. Wie sagte da immer meine Mutter: „Überlasse das Denken den Elefanten, die haben einen größeren Kopf.“ Kann man machen, aber dann darf man sich hinterher nicht beschweren, wenn etwas ganz anderes herauskommt, als man sich eingebildet hat. Und meistens ist das so.

Da will ich nun jetzt nicht wieder von der Radebeuler Bahnhofstraße anfangen… Aber auffällig ist schon, dass man in der Stadt mit Entscheidungen, Begründungen und Sprüchen schnell zu Hand ist, sich aber die Dinge dann in der Wirklichkeit anders entwickeln als vorausgedacht. Da sei nur an die abgerissene Waldparkschule erinnert, wo die protestierenden Eltern mit der Auskunft beruhigt wurden, dass in einigen Jahren ein Neubau folgen würde. Was mit dem neuen Stadtzentrum Radebeul-Mitte werden könnte, will ich mir da gar nicht erst ausmalen. Ich ahne nur, dass wir mindestens 15 Jahre kein richtiges Stadtarchiv mehr in Radebeul haben werden. Schon jetzt ist es so, dass nicht mehr alles, was vor einigen Jahren noch registriert und gesammelt wurde, im Archiv ankommt. Neulich habe ich mir von der Harmoniestraße klammheimlich einen Ziegelstein mitgenommen. Nein, nicht fürs Archiv. Den kann man ja nicht abheften. Dort ist man in der Hauptsache nur an Flachware interessiert. Der Stein ist für meine eigene Sammlung bestimmt. Irgendwas, so dachte ich mir, sollte doch später von dem einst so völlig intakten Gebäude Zeugnis ablegen können.

Nun ist ja nicht alles schlecht, was in der Stadt geschieht. Beispielsweise die 1. Medien.Kultur.Kunst.Börse Ende April, eine private Initiative, für die die Landesbühnen nicht nur die Räume bereitstellten, war ja wirklich eine begrüßenswerte Nummer. Auch die Stadt hat hier kräftig unterstützt. Und ganz zu begrüßen ist, dass – anders als in so mancher Kommune – an der Kultur nicht gespart wurde. Oder die vermutlich stromsparende Straßenbeleuchtung, die in Radebeul-West installiert wurde und Licht ins Dunkle bringen wird.

Der liebe Leser möge entschuldigen, wenn das Stichwort „Licht“ meine Überlegungen wieder in die Bahnhofstraße lenkt, fand doch neulich dort eine musikalisch untermalte „Lichtshow“ statt. Udos Likörell sowie Arbeiten anderer Künstler, mit selbstleuchtenden Displays hinterlegt, schmücken nun die Unterführung. Das Panik-Orchester hat mächtig aufgedreht. Die „Lichtshow“ aber war eher verhalten und wirkt wie Touristenwerbung. Dumm nur, dass an dem zum Haltepunkt geschrumpften Bahnhof nur noch wenig Touristen ankommen. Da hoffen wir mal, dass die Installation das erste Jahr schadlos übersteht.

Überhaupt hat man sich die Gestaltung des Umfeldes um den Bahnhofsplatz einiges kosten lassen. Die 280.000 Euro kamen allerdings aus dem Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR. Ob sich davon nicht auch was für den Serkowitzer Gasthof abzweigen ließe, meint

Euer Motzi.

Das Stehaufmännchen bei Lindenau

Als Stehaufmännchen versteht man ein Spielzeug aus der vorelektronischen Zeit – also eine lustige Figur mit gerundetem Fuß, der mit Eisen oder Blei beschwert wurde. Wie wir diese Figur auch hinstellen oder wegwerfen, sie wird am Schluss immer gerade, d.h., lotrecht, stehen bleiben. Hinlegen geht nicht! Ich habe so eine Figur nicht zu Ostern geschenkt bekommen, ich dachte aber unwillkürlich an Stehaufmännchen, als ich vor einem knappen Jahr an der Wegesäule im oberen Rietzschkegrund vorbeikam und sie wieder mal umgefahren war. 2018 war dieser historische Sandstein-Wegweiser (um 1835) schon einmal durch private Initiative aufgerichtet worden – vergl. V&R 02/19.

Foto: D. Lohse


Diesen Standort bringt man auch als Radebeuler eher mit Lindenau in Verbindung, wenn ich in der Überschrift „bei“ schreibe, dann deshalb, weil der Wegweiserstein eigentlich auf der äußersten Ecke der Naundorfer Flur steht. Naundorf hat einen Geländestreifen, der bis auf die Höhe von Lindenau führt.

Hier nun wünschte man sich eine Wegesäule nach dem Stehaufmännchen-Prinzip. Da es das für solche Fälle leider nicht gibt, mussten wir – mein Freund Christian Lempe und ich – uns wieder mal was einfallen lassen, dass die Säule wieder „auf die Beine“ kommt. Die örtlichen Dienststellen im Radebeuler Rathaus und bei der Unteren Denkmalschutzbehörde in Großenhain waren an dem Thema weniger interessiert als wir erwartet hätten. Sie wurden aber informiert, dass wir die alte Wegesäule in Eigenregie wieder aufstellen wollten. Nach anfänglicher Unklarheit, wie die Wegesäule zum zweiten Mal zu Fall gekommen war, stellte sich dann heraus, dass ein Baggerfahrer von einer benachbarten Baustelle versehentlich die Säule während der Arbeit beschädigt und zu Fall gebracht hatte. Für eine Wiederaufrichtung wurden vorab verschiedene Varianten diskutiert: Sollte der Originalstandort nahe der Spitze einer abbiegenden Hauptstraße beibehalten werden oder sollte man den Wegweiserstein an einer anderen, weniger gefährdeten Ecke der Kreuzung Rietzschkegrund/ Kreyernweg aufrichten? Ein anderer Standort war abzulehnen, weil dann die eingemeißelten Orte und Richtungen nicht mehr stimmen würden. So entschieden wir uns schließlich für den Orginalstandort, jedoch ein wenig aus dem Straßenraum zurückgesetzt nahe an der Grundstücksmauer.

Foto: D. Lohse


Aber nun musste Freund Christian erst mal einen Krankenhaustermin wahrnehmen. Dann wurde der Stein durch einen Steinmetz bearbeitet, Fehlstellen mit Sandsteinpaste ausgebessert und die Schrift ein wenig vertieft, um eine bessere Lesbarkeit zu erzielen. Das Ergebnis ist etwas rau, aber zu glatt sollte es auch nicht sein. Damit verging wieder etwas Zeit. Die eigentliche Wiederaufrichtung des Steins erfolgte durch den Verursacher, der ein entsprechendes Hebezeug hatte. Die Abrechnung der Arbeiten erfolgte über den Verein für Denkmalpflege und neues Bauen. Am 17. April konnte Vollzug gemeldet werden.

Zu danken ist allen Beteiligten. Hoffen wir nun auf eine längere Standzeit!

Dietrich Lohse

Kunst geht in Gärten

28 Stationen, 100 Künstlerinnen und Künstler

28. und 29. Juni 2025
jeweils 13 bis 18 Uhr, Ausnahmen sind zu beachten

Nunmehr zum sechsten Male lädt die Radebeuler Veranstaltungsreihe „Kunst geht in Gärten“ kultursinnige Menschen dazu ein, sich auf eine Entdeckungsreise in Gärten und an besondere Orte der Lößnitzstadt zu begeben.

Maler, Grafiker, Fotografen und Kunsthandwerker präsentieren ihre Arbeiten im überraschenden Wechselspiel mit Natur, Kultur und Architektur. Wandernde Musiker sowie zahlreiche zusätzliche Begleitprogramme mit Kurzkonzerten, Puppenspiel, Lesungen, Performancedarbietungen, Schauvorführungen und Workshops bereichern das Angebot. Alle Mitwirkenden werden ihr Bestes geben und freuen sich auf interessierte Besucherinnen und Besucher.

Der Flyer mit dem vollständigen Programm, einem Orientierungsplan und zusätzlichen Hinweisenden ist in der Stadtverwaltung, in allen Kultureinrichtungen, Buchhandlungen und der Tourist-Information ab sofort erhältlich.

STATIONEN

1. Stadtgalerie Radebeul
Ausstellung FERMATA
10 Jahre Kunstspuren Radebeul
Im Garten:
SA 15 Uhr Actionpainting mit Klaus Liebscher
SA/SO 13-18 Uhr
Altkötzschenbroda 21

2. Kunsthof Altkötzschenbroda 23
Malerei, Glaskunst, Druckgrafik, Keramikobjekte
Simone Ghin, Markus Retzlaff, Sabine Herrmann
Schaudrucken, Hofcafé, Musik
SA/SO 13-18 Uhr
Altkötzschenbroda 23

3. Garten Gerlinde Queißer
Malerei, Grafik
Max Manfred Queißer
Ständig Kurzkonzerte
SA/SO 13-18 Uhr
Meißner Straße 247

4. KunstWerk Radebeul
Malerei, Zeichnung
Ausstellungen „Gegen das Vergessen“ und „Mein Garten“,
Workshop „Blumen die nie verblüh’n“
Bar, Musik, Liegewiese
Nur SA 13-18 Uhr!
Bahnhofstraße 18

5. Garten an der Naundorfer Heimatstube
Skulptur, Fotografie
Kai Nitzsche, Frank Damme 
Schauvorführungen Spinnen, Klöppeln u.v.m.
Patchworkgruppe Große
Naundorfer Heimatstube offen!
Kaffee, Kuchen, Snacks, Wein u.a.
SA/SO 13-18 Uhr
Fabrikstraße 60  
    

6. Kunstscheune Altnaundorf
In der Kunstscheune:
Malerei
„Himmel, Steine, Stroh und Wein“
Mechthild Mansel, Matthias Kistmacher
Im Kunststall:
Schüler der Malgruppe Mansel
Kunstautomat Atelier „FARBIG“
Musik, Schautöpfern, Snacks und Getränken
SA/SO 13-18 Uhr
Altnaundorf 6

7. Garten Fliesen Ehrlich
Malerei
Anna Ameno, Leonore Adler
SA/SO 13-18 Uhr
Meißner Straße 373

8. Garten „Jardin sans arrosage“
Malerei/Grafik, Illustration, Fotografie
Annette von Bodecker, Frank K. Richter-Hoffmann
SA/SO 13-18 Uhr
Mittlere Bergstraße 51

9. Besenwirtschaft Genussbutze
Malerei
Frank-Ole Haake, Edna Ressel
SA/SO 13-18 Uhr
Zechsteinweg

10. Garten Familie Schulze
Grafik, Skulpturen, Machwerke und Fotos
Petra Schulze, Horst Schulze
Rahmenprogramm mit Musik
Workshop „Jeder Mensch ist ein Künstler“
Kaffee, Kuchen, Getränke
SA/SO 13-18 Uhr
Am Talkenberger Hof

11. Garten Rosemarie Junker
Malerei, Keramik
Gruppe „Blaues Haus“:
Peter PIT Müller, Britta Berninger, Andrea Franke, Rosemarie Junker, Isabel Kopatz, Claudia Thieme
Rahmenprogramm mit Musik
Imbiss und Getränke
Prof. Wilhelm-Ring 28b

12. Kunsthaus Kötzschenbroda
Motto „Schattenspender, Lückenbüßer“
Bilder, Objekte, Installationen
Bernd Hanke, Matthias Kistmacher, Matthias Kratschmer, Christiane Latendorf, Anita Rempe, Gerald Risch, Heidrun Rueda, Gabriele Schindler, Moritz Jason Wippermann, Nele Wippermann
SA/SO 13-18 Uhr
Käthe-Kollwitz-Straße 9

13. Garten Emmerling
Druckgrafik
Sigrun Anderßen
SA/SO 13-18 Uhr
Karl-Liebknecht-Straße 2c

14. Garten Familie Alberich
Malerei, Skulptur, Fotografie
Silvia Ibach, Lucas Oertel, Jens Gebhardt, Sylvia Preißler
SA/SO 13-18 Uhr
Karl-Liebknecht-Straße 8b

15. Garten Johanna Mittag
Malerei, Objekte, Goldschmiedearbeiten
Johanna Mittag, Wieland Richter, Elena Mittag
Rahmenprogramm mit Musik
Kaffee, Kuchen, Wein und mehr
SA/SO 13-18 Uhr
Bodelschwinghstraße 1

16. Garten und Weingut JWD
Malerei, Fotografik
Friedrich Porsdorf, Bernd Hanke
Rahmenprogramm mit Musik und Lesung
SA/SO 13-18 Uhr
Obere Bergstraße 72

17. Weingut Förster
Malerei
Mandy Friedrich
SA/SO 13-18 Uhr
Obere Burgstraße 21

18. Garten Renate Kern
Malerei, Grafik, Aquarelle, Keramik
Anke Kern, Renate Winkler, Anne Klose,
Steffen Gröbner nur SA
Dorothee Kuhbandner nur SO
SA/SO 15.00 – 15.30 Uhr: Rakubrand
SA/SO 13-18 Uhr
Humboldtstraße 6

19. Garten Familie Schöne
Aquarelle, Emaillebilder auf Kupfer, Fotografie
Liselotte Finke-Poser, Günter Gläser, Gabriele Seitz
SA/SO 13-18 Uhr
Karl-Liebknecht-Str. 40

20. Garten Familie Miksch
Grafik, Malerei, Fotografie
Steffen Gröbner, Rita Stepanek, Michael Klose
Nur SO 13 – 18 Uhr!
Heinrich-Zille Straße 52

21. Garten Langer
Malerei
Sylvia Graumüller
Kuchen, Getränke
Nur SO 13 – 18 Uhr!
Dr. Külz-Straße 16

22. Sächsisches Weinbaumuseum Hoflößnitz
Fotografie
„Hörst du die Stille atmen?“
Gabriele Seitz
SA/SO 13-18 Uhr
Knohllweg 37

23. Garten Familie Scherf
Malerei
Jochen Rohde
Buchkunst
Heike Herzog (nur SA)
Kleines Imbissangebot, Wein
SA/SO 13-18 Uhr
Eduard-Bilz-Straße 51d

24. Hotel Villa Sorgenfrei
Malerei, Grafik, Keramik
Mechthild Mansel
Nur SO 13 – 18 Uhr!
Augustusweg 48

25. Garten Familie Nagy
Ölmalerei, Aquarelle, Bildhauerei
Ferenc Nagy, Marion Nagy, Peter Fiedler
Rahmenprogramm mit Lesungen und Musik,  
sowie Malen für Kinder,
Kaffee, Kuchen, kalte Getränke
SA/SO 13-18 Uhr
Augustusweg 103e

26. HellerKunstRaum
Malerei, Grafik, Skulpturen, Objekte
Beate Bilkenroth, Kai Robert Kluge, Rita Richter, Ines Westenhöfer.
Rahmenprogramm mit Musik
SA/SO 13-18 Uhr 
Hellerstraße 22

27. Garten Martina Beyer
Bildhauerei, Grafik
Martina Beyer
Kaffee, Kuchen, Wein
SA/SO 13-18 Uhr
Straße des Friedens 53a

28. Garten Ralf Uhlig
Ölarbeiten, Druckgrafik, Aquarelle
Ralf Uhlig
SA/SO 13-18 Uhr
Straße des Friedens 49

Hinweise
Bitte das eigene Glas und eventuell das eigene Picknickkörbchen mitbringen. Getränke sind vor Ort erhältlich. Bei starkem Regen können Ausstellungen und Aktionen ausfallen.

Eintritt frei. Änderungen vorbehalten!

Projektleitung, Kontakt & Info
Alexander Lange/Magdalena Piper
Stadtgalerie Radebeul
0351 8311-600, -625, -626, -627
E-Mail: galerie@radebeul.de
www.radebeul.de/stadtgalerie

8. Bauherrenpreiswanderung

Kötzschenbroda

Erstaunlich, dass Kötzschenbroda als Hauptort der Lößnitzgemeinden erst bei der Suche nach Zielen für die 8. Auflage der Bauherrenpreiswanderungen in den Fokus rückte. Verbindet man doch mit dem Dorfanger ein erfolgreiches Sanierungsgebiet, welches durch Erhaltung der gewachsenen Proportionen der dörflichen Bebauung einen Hauptanziehungspunkt von unserer Stadt bildet.

Durch diese Ursprungsgemeinde, die neben Radebeul zwischen 1924 und 1935 sogar eigenes Stadtrecht besaß, flanieren heute Einheimische und Gäste über die „Kneipenmeile“ über den „Markt“ oder beschwingt mit einem Glas Wein in der Hand durch das „Herbst- und Weinfest“. Die Friedenskirche liegt hier, die Fami, die Stadtgalerie, besondere Geschäfte … und welche Überraschung, Bauherrenpreisträger sind kaum zu finden. Woran liegt das? Hat sich niemand gefunden, prämierungswürde Vorhaben aus Kötzschenbroda vorzuschlagen oder waren andere Bauherren prämierungswürdiger?

An dieser Stelle möchte ich nochmals herausstellen, dass die Ambition des Radebeuler Bauherrenpreises im eigentlichen Sinne nicht zu „Gewinnern“ und „Verlierern“ führen soll. Aber was macht man, wenn man öffentliche Aufmerksamkeit erreichen möchte, wenn Bauvorhaben vorgeschlagen, verglichen, diskutiert und abgewogen werden sollen? Ein Wettbewerb hat da viele Elemente, um eine Diskussion über Baukultur anhand konkreter Objekte zu initiieren. Trotzdem ist es schade, dass es doch Bauherren gibt, denen das Nichtgewinnen die Freude an ihrer Beteiligung am Wettbewerb ein Stück verdarb. Dabei haben sie doch einen wichtigen bleibenden Beitrag zur Radebeuler Baukultur geleistet.

In diesem Jahr wird es die Verleihung des 20. Radebeuler (und vielleicht letzten) Bauherrenpreises geben. Bis 15. August 2025 ist die Einreichung von Vorschlägen bei der Stadt oder unserem Verein erbeten.

Der Aufruf erscheint im Amtsblatt. Haben Sie den Mut, Gebautes, was Sie mit Herz und Engagement in Radebeul errichtet oder mit Freude entdeckt haben, in die Diskussion der Öffentlichkeit einzubringen!

Die Wanderung durch Kötzschnbroda dieses Jahr ist ein Beispiel dafür, dass wir unseren Blick weniger auf Bauwerke lenken, deren Bauherrschaft prämiert wurde, sondern wir werden mit offenen Augen „durchs Dorf“ und Umgebung gehen und genießen, was hier alles mit oder ohne Preis erhalten wurde oder geschmackvoll neu entstanden ist.

Lassen Sie sich herzlich für Freitag den 27.Juni, 18 Uhr einladen.

Treffpunkt ist die stadtwärtige Straßenbahnhaltestelle Flemmingstraße.

Wie gewohnt wird bei der Einladung zur Wanderung in V&R noch nicht so viel über das Programm verraten. Die Wegstrecke wird wieder nicht besonders weit und nicht anspruchsvoll sein und an der Friedenskirche enden. Am Ende sind die, die es möchten, eingeladen, dort noch in gemütlicher Runde bei einem Glas Wein etwas zum Gedankenaustausch zusammen bleiben.

Nun möchte hier wieder die Gelegenheit genutzt werden, einen kleinen Rückblick auf unsere letzte Bauherrenpreiswanderung am 28.06.2024 zu halten – zur Erinnerung für die dabeigewesenen und vielleicht für Nichtdabeigewesene als Anregung für einen Spaziergang.

Zu unserer Überraschung nahmen reichlich 80 Interessierte an der Wanderung durch die Villenkolonie Altfriedstein teil.

Bild: Wikipedia

Treffpunkt war am ehemaligen Heiteren Blick, der noch vor 200 Jahren ein Ausschank auf einem Weinberg war. Nur wenige Häuser standen damals an der Hausgasse (Winzerstraße) u.a. der erste Bauherrenpreisträger der Wanderung, das Haus Lotter (Bauherrenpreis 1998 in der Kategorie Sanierung).

Nordwestlich davon begann das vom Dresdner Architekurbüro Schilling & Gräbner (s. V&R 12/2008) 1899 erworbene 12 ha große und auf ehemaligen Weinbergen entwickelte Baugebiet der „Villenkolonie Altfriedstein“.

Man stelle sich den damaligen Blick vor: Von der noch über große Strecken durch die Felder führenden „Allee“ Meißner Straße führte eine andere Allee (heute Ludwig-Richter-Allee) bergan durch Obstgärten und ehemalige Weinberge mittig auf den am Hang thronenden Herrensitz Altfriedstein zu. In erheblichem Abstand stand das Herrenhaus des Neufriedstein mit Berghaus auf der Höhe, die Sektkellerei Bussard im Nierenberg oder das Haus Liborius an der Kreuzung der Allee mit dem Weg Bornberg/ Am Jacobstein.

Zuerst wurden durch Schilling & Gräbner in dem hängigen Gelände Straßen mit Kanalisation angelegt und gewaltige Stützmauern gebaut. Welch ein gewaltiger Eingriff in das bestehende Erscheinungsbild der Landschaft! Sogar Nebengebäude und der Westflügel des symmetrisch gebauten Altfriedsteins wurde abgebrochen, um die 98 Bauparzellen zu erzielen.

Ob es damals dazu Widerstände gab, ist mir nicht überliefert. Bekannt ist, dass der Gemeinderat von Kötzschenbroda mit kurzen Genehmigungszeiten das Vorhaben wohlwollend begleitete.

Nun wurden bis zum 1. Weltkrieg durch das Architekturbüro im Auftrag von Bauherren oder in eigener Initiative für den späteren Verkauf Häuser gebaut. Man konnte auch erschlossene Parzellen erwerben und nach Entwürfen anderer Architekten bauen lassen. Die Bauwelt war gar nicht so anders als heute.

Wir spazierten mit Blick auf verschiedene Villentypen die Lindenaustraße zum Altfriedstein hinauf. Dort gab es viel Geschichtliches zu erzählen. Selbst Graf Brühl hatte den Herrensitz 1763 als „Mon Repos“ in seinem Besitz. Das Wasser für die Wasserspiele kam vom heutigen Schwarzes Teich….

Auch wenn die Giebelfassade zur Ludwig-Richter-Allee heiter mit Putzstuck verziert wurde, sieht man die dem Gebäude durch Abbruch des Westflügels zugefügte Verletzung.

Nun liefen wir den Prof.-Wilhelm-Ring bergab, vorbei an der Hausnummer 20, in der auch 1951/52 der Schriftsteller Martin Andersen Nexö wohnte. Dieses Gebäude bauten Schilling & Gräbner 1903 als Leitbau, konnten es aber erst 1916 verkaufen.

Ein weiteres Stück hinunter, in der Kurve mit der Hausnummer 26, steht die prächtige Villa Schwarze. Wir wurden vom Team des im EG befindlichen „Zahn Ateliers“ herzlich begrüßt und durften das Grundstück und die Praxisräume besichtigen. Nochmals herzlichen Dank dafür.

Villa Schwarze Foto: M. Mitzschke

Für den der Villa Schwarze gegenüberliegende öffentliche Park erhielt die Stadt Radebeul 2011 den Bauherrenpreis. Möglich wurde dessen Sanierung auch durch eine erhebliche Spende Erivan Haupts.

Am heutigen Pflegeheim Neufriedstein entdeckten wir den ehemals hinter dem Altfriedstein stehenden Delfinbrunnen. Auch versuchten wir uns zu erinnern, wie wohl die vormals hier gestandene, als Altenheim für Artisten genutzte Sarrasanivilla aussah. So richtig hatte keiner mehr konkrete Erinnerungen. Der in der Nachbarschaft liegende Garten der Familie Dr. Junker erhielt 1999 den Bauherrenpreis.

Ein kleiner Weg führte uns zur Straße Neufriedstein hinunter, wo wir in westlicher Richtung weitergingen und auf den ehemaligen Herrensitz Neufriedstein stießen. Dieses Ensemble hat im Erscheinungsbild ebenfalls verschiedene Entwicklungen durchlaufen. Als Veranschaulichung wurden hier alte Ansichtskarten herumgereicht. Interessant war es, den kleinen Platz vorm Hauptgebäude als ehemaligen Kutschenwendeplatz erläutert zu bekommen.

Bauherrenpreisträger sind aber hier die Besitzer des Nachbargebäudes Neufriedstein 3a. Sie erhielten den Preis im Jahr 2002 für die gelungene Altbausanierung.

Mit freundlicher Erlaubnis des Pächters stiegen wir nun die durch den Weinberg „Sandleite“ führende Weinbergstreppe zur Straße Am Jacobstein hinab. Nun war es nicht mehr weit zum Haus Fliegenwedel. Familie Hößelbarth, die 1998 in der Kategorie Sanierung den Bauherrenpreis erhielt, empfing uns herzlich. Fachkundig erläuterte uns Herr Hößelbarth als Architekt die Bau- und Sanierungsgeschichte und führte uns durch verschiedene Räume bis in den Keller. Dort wurde bereitwillig zur Herstellung des auf eigenem Berg gewachsenen Weins Auskunft gegeben. Bei Hößelbarthschem Wein klang an einem lauen Sommerabend mit guten Gesprächen diese Wanderung aus.

Haus Fliegenwedel Foto: M. Mitzschke

Michael Mitzschke

Nachrufe

Gedenkblatt für Friedrich-Wilhelm Junge

15. Juli 1938 – 20. Februar 2025

Foto: Thomas Adler

Respekt und Klarheit – Klarheit und Respekt

„Einfach nur hinsetzen und vorlesen bringt gar nichts“, sagte er. Jeder Text wollte durchdacht, wollte erarbeitet werden – das war er den Worten, deren Urheber, das war er auch sich, seinem Publikum schuldig.

So konsequent, wie er auf der Autonomie eines jeden Menschen bestand, nahm er zuerst sich selbst in die Verantwortung.

Als Gründungsmitglied des Courage-Preis-Vereins und natürlich vor allem als Kunstpreisträger der Stadt war seine Stimme auch in Radebeul gegenwärtig.

Je näher ich ihn kennenlernen durfte, umso mehr beeindruckten mich der Respekt und die Klarheit, mit denen Friedrich-Wilhelm Junge unterschiedslos allen Menschen gegenübertrat.

Respekt und Klarheit – darin liegt aus meiner Sicht das Vermächtnis, das er uns hinterlassen hat: Klarheit in Gedanken, Worten und Werken, getragen vom Respekt vor allem Leben als Ausdruck der Hoffnung, daß sich die Menschheit den Ehrentitel „homo sapiens“ irgendwann vielleicht doch noch verdient.

 

Gedenkblatt für Lieselotte Finke-Poser

29. Dezember 1925 – 10. April 2025

Foto: Thomas Adler

Frühjahrsputz – wo nur hin mit den alten Lexika? Immerhin finden sich dort noch ganzseitige Lebensbilder von Lieselotte Finke-Poser …

Lebensbilder –

Das Leben selbst war ihr Thema von allem Anfang an. Sie konnte es später mit Albert Schweitzers Wort von der „Ehrfurcht vor dem Leben“ für sich und ihre Arbeit vertiefen und lebenslang bewegen.
Tief verwurzelt im christlichen Glauben ist sie stets ihren eigenen Weg gegangen. Schon während ihres Studiums der Malerei und Grafik in Leipzig ließ sie sich von keinerlei Versprechungen korrumpieren und verließ die Hochschule ohne Diplom.

Aus eigener Kraft suchte und fand sie Zugang zu verschiedenen Verlagen und bekam Aufträge zu Illustrationen. Im Raum der Kirche fand sie für sich und ihre Kunst eine Heimstatt.

Die Stadt Radebeul, wohin sie ihrem Mann, dem Flötisten Willy Finke, 1953 gefolgt war, wurde für sie nach eigenem Bekenntnis „zur lieben Heimat“, um die sie sich freilich zunehmend Sorgen machte. Es war, sagte sie, ihr „vordringlichstes Anliegen, Radebeul als Gartenstadt darzustellen, bevor noch der letzte Baum gefällt, der letzte Garten zugebaut ist“.

Hervorzuheben in ihrer Kunst sind die Portraits insbesondere von Kindern und Senioren, Menschen also, die sich noch nicht oder nicht mehr verstellen, die keine „Rolle“ (mehr) spielen zu müssen glauben, sondern sich so zeigen, wie sie sind. In jedem Falle aber, so war sie überzeugt, verlangt ein Portrait, wenn es gut werden soll, viel Arbeit.

Lieselotte Finke-Poser wird fehlen in der Stadt – und das nicht nur während des Grafikmarktes, den sie mit aus der Taufe gehoben hatte und bei dem sie stets persönlich anwesend war.
Nun bleibt ihr Stuhl leer …

Thomas Gerlach

Jegliches hat seine Zeit

„Galerie mit Weitblick“ ab Juni geschlossen

Es kündigte sich schon an, dass da etwas im Hintergrund schwelt. Seit Jahresbeginn war die Radebeuler Wochenendgalerie nur noch nach Vereinbarung geöffnet oder wenn ein entsprechendes Schild auf dem Fußweg stand. Die 30. Ausstellung ist nun definitiv die letzte. Sie zeigt ausschließlich Dorothee Kuhbandners eigene Arbeiten. Die sporadischen Öffnungszeiten wollte die Galeristin keinem anderen Künstler zumuten.

Es war einmal
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Die „Galerie mit Weitblick“ auf der Oberen Bergstraße 13, wie wir sie von 2012 bis 2024 erleben durften, gibt es nicht mehr. Wie es so vieles nicht mehr gibt – in Radebeul. Ab Juni beginnt nun unwiederbringlich der Abschied auf Raten. Wer sich alles noch einmal anschauen oder etwas käuflich erwerben möchte, der ist herzlich bis Ende Juli eingeladen, allerdings bedarf es einer Vorabsprache.

In heutiger Zeit eine private Galerie führen zu wollen, ist ein gewagtes Unterfangen. Ich selbst trug mich nie mit dieser Absicht, hatte ich doch schon viele Galeristen nach 1990 scheitern sehen. Als ehemalige Leiterin der Radebeuler Stadtgalerie weiß ich nur zu gut, welcher Aufwand und welche Risiken mit dem Betreiben einer Galerie verbunden sind. Wer kann sich noch an die „Zeitgalerie“ auf der Bahnhofstraße, die „Galerie Galow“ in der Remise auf der Borstraße oder die „Galerie Kempin“ auf der Burgstraße (später Meißner Straße) erinnern?

Es interessierte mich also sehr, was Dorothee Kuhbandner bewogen hat, eine private Galerie zu betreiben und aus welchen Gründen diese nun so plötzlich geschlossen wird.

Der Grund für die Schließung ist recht simpel und schnell erzählt: Das Grundstück wurde verkauft und der neue Besitzer verlängerte den befristeten Mietvertrag nicht. Damit enden für Dorothee Kuhbandner ziemlich abrupt dreizehn erfüllte Jahre als Galeristin.

Die Remise, 2025
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Die Geschichte, wie es dazu kam, dass Dorothee Kuhbandner eine private Galerie eröffnete, ist hingegen etwas länger. Musische Einflüsse verschiedenster Art hatten Dorothee schon frühzeitig geprägt. Geboren wurde sie 1964 in Dresden. Aufgewachsen ist sie in Radebeul-Niederlößnitz auf der Oberen Bergstraße 20. Als die Familienvilla 1974 einen neuen Fassadenanstrich bekam, wurde die fast Einhundertjährige nach einer Zehnjährigen benannt. „Villa Dorothee“ war nun weithin lesbar, was die namensgebende Schülerin damals als ziemlich peinlich empfand.

Ihr Vater pflegte als Kunsthistoriker zu vielen Künstlern enge Kontakte. Von klein auf wurde die Tochter in deren Ateliers mitgenommen. Das Ambiente beeindruckte sie sehr. Und es reifte der Wunsch, selbst einmal Künstlerin zu werden.

Da ihr der EOS-Besuch wegen FDJ-Nichtmitgliedschaft verwehrt blieb, absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Buchbinderin und später zur Krankenschwester, arbeitete als Tagesmutter und in verschiedenen ABM-Maßnahmen. Seit 2010 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig.

Dorothee Kuhbandner und Thomas Gerlach
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Doch wie kam es nun dazu, dass Dorothee Kuhbandner im Jahr 2012 eine private Galerie eröffnete:

Von ihrem Wohnatelier aus schaute sie immer auf ein leerstehendes Gebäude. Schließlich fragte sie den Grundstückseigentümer, ob sie die ehemalige Remise mieten könne. Ursprünglich wollte sie dort nur ihre eigenen Arbeiten präsentieren und verkaufen. Doch Ausstellungsräume sind rar. Und so dauerte es gar nicht lange, bis die ersten Anfragen von anderen Künstlern kamen, ob sie dort auch einmal ausstellen dürften.

Entstanden ist ein freundlicher Ort für Begegnung und Kommunikation. Der Eingangsbereich und das Treppenhaus wurden im morbiden Zustand belassen. Auf einem Schild steht: „Hereinspaziert! Oben wird es heller!“. Über ausgetretene Stufen, gelangt man ins Obergeschoss und wird tatsächlich überrascht. „Die bunte Stube“ strahlt eine heitere Atmosphäre aus.

Blick in die Ausstellungsräume
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Der Blick aus dem Fenster schweift weit über das Elbtal. Der Kaminofen verbreitet in der kalten Jahreszeit wohlige Gemütlichkeit. Die Sitzecke lädt zum Verweilen ein. Angeboten werden Kaffee, Tee und Gebäck. Der Seelentrost ist inclusive. Dorothees farbintensive Bilder – auf denen Menschen, Tiere und seltsame Wesen mit Landschaften verwoben sind – hängen, stehen und liegen zwischen einem Sammelsurium kleiner liebenswerter Dinge wie Wundertüten, Vorfreudekalender, Eisblumenbilder, Brillenhalter aus Wäscheklammern, Mutmachbüchlein und überall handgeschriebene humorvolle sowie nachdenklich stimmende Sprüche. Der „Dorealismus“ feiert hier seine Urstände.

Heinz Weißflog
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Zwei der drei Räume, in neutralisierendem Weiß gestrichen, sind den wechselnden Ausstellungen vorbehalten. Künstler aus Radebeul, Dresden, dem näheren und weiteren Umfeld konnten sich mit ihren Werken in Jubiläums-, Gedenk-, Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen präsentieren. Die „Galerie mit Weitblick“ bot ein wichtiges Podium, dass ihnen nun fehlen wird.

Die Konstanten und die Variablen bilden für Dorothee eine existenzielle Balance. Zu den Konstanten gehören stabile Beziehungen. Mit Thomas Gerlach verbindet sie eine langjährige Freundschaft. Der Autor hielt fast alle Eröffnungsreden. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel. Denn auf ausdrücklichen Wunsch von Christian URI Weber hielt der Dresdner Kunstkritiker und Autor Heinz Weißflog (1952-2024) dessen Eröffnungsrede. Die Journalistin Lilli Vostry wiederum schrieb zahlreiche Ausstellungsrezensionen und einen sehr schönen Beitrag zum 10-jährigen Jubiläum der Galerie. Nachzulesen in meinwortgarten.com. Dass Dorothee seit vielen Jahren im Kirchenchor singt, ist wohl eine weitere Konstante in ihrem Leben.

Zu den Variablen gehören die ausstellenden Künstler. Dankbar ist Dorothee für die vielen Kontakte und Anregungen. Fördermittel hat sie nie bekommen. Beim Ausstellungsaufbau half sie oftmals praktisch mit. Besonders spannend war für sie, die unterschiedlichen Herangehensweisen der Künstler zu erleben. Das Ausstellungsprogramm wurde durch Performances, Konzerte, Lesungen und Künstlergespräche bereichert. Das Stammpublikum ist beständig gewachsen und wird diesen lebendigen Ort sehr vermissen.

Die 29. Ausstellung „Home Sweet Home“ von Danny Hermann, hatte es in sich. Der in Freital lebende Künstler war bis 2019 Meisterschüler von Prof. Ralf Kerbach an der Dresdner Kunstakademie. In ihrer Ausstellungsrezension schreibt Lilli Vostry: „Da thront in einem Bild ein Rabe in seinem Nest voll Müll, abstruse Plastikgewächse wuchern. Ein Mann wie ein Außerirdischer in Raumanzug, mit Erdkugelhelm, Schutzbrille und Gasmaske steht vor einem riesigen Pilz, ein anderer steckt in einer Zwangsjacke. Der Himmel ist für VIP´s reserviert, die Hölle steht allen offen in diesen ironischen und symbolreich auf die Welt blickenden Szenarien, in denen Mensch und Natur sich immer fremder werden.“ Schwarzhumorige Bilder von einer verstörend kaputten Welt inmitten der heimischen Lößnitzidylle – was für ein Kontrast zum Umfeld, in dem Dorothee Kuhbandner aufgewachsen ist und lebt!

Die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Hang hat es seit jeher, musisch ambitionierte Menschen angezogen. In Dorothees unmittelbarer Nachbarschaft wohnten die Malerin Käthe Kuntze (1878-1969) und der Kunsthistoriker Wolfgang Balzer (1884-1968). Sie erinnert sich noch an flüchtige Begegnungen in der Kinderzeit. Ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft wohnte der feinsinnige Wolfram von Minckwitz (1934-2024), in einem der ältesten und bekanntesten Weingutanwesen. In der Galerie konnte man ihm oftmals begegnen.

Vernissage im Freien mit Galeristin, Redner, Musikerin und Publikum Foto: K. (Gerhardt) Baum

Die Überschrift „Jegliches hat seine Zeit“ war ein Vorschlag von Dorothee. Ob man dabei nun an einen Bibelspruch, an ein populäres Lied der Puhdys oder etwas ganz anderes denkt, steht den Lesern frei. Apropos Zeit: Während die DDR-Frauen mit 60 in Rente gegangen sind, musste sich Dorothee mit 60 nochmals um eine Arbeitsstelle bewerben. Nur so viel – sie hatte Glück.

Im Gespräch erfährt man fast beiläufig, woran sie überall mitgewirkt hat, und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Über mehrere Jahre war sie für die Ausstattung der städtischen Großveranstaltungen wie Karl-May-Festtage, Herbst- und Weinfest, Weihnachtsmarkt und Kasperiade zuständig. Sie beteiligte sich an den Grafikmärkten in Radebeul und Meißen, der Kunstmesse in Dresden, den Veranstaltungsreihen „Kunst geht in Gärten“ und „Kunstoffen in Sachsen“. Sie unterstützte das Team der Stadtgalerie bei der Gestaltung des Galeriehofes zum Künstlerfest und auch im Grünen Bushaus spann sie zum Dorfjubiläum in Lindenau ihr künstlerisches Netz. Für die Schaufenster-Aktion „Kunst statt Leerstand“ im Einkaufszentrum von Radebeul-West steuerte sie einige ihrer Bilder bei, die man sich vor Ort anschauen kann.

Christian URI Weber in inmitten seiner Jubiläumsausstellung »URI – ein Meister wird achtzig«, 2023 Foto: K. (Gerhardt) Baum

Im Jahr 2015 gründete Dorothee Kuhbandner den Zilp Zalp Verlag und nimmt seitdem alljährlich an der Leipziger Buchmesse teil. Für einige Bücher, die im Notschriftenverlag von Jens Kuhbandner, mit dem sie seit 2001 verheiratet ist, erschienen sind, gestaltete sie die Buchumschläge bzw. steuerte Illustrationen bei.

Als Künstlerin ist sie weiterhin aktiv, malt Bilder, druckt Grafiken, illustriert Bücher, gestaltet Kalender und nimmt Aufträge entgegen.

Dorothee Kuhbandner in der Radebeuler Stadtgalerie zum Sommerprojekt »Gestalt und Wirkung einer Landschaft«, 2011 Foto: K. (Gerhardt) Baum

Tatendrang und Schaffensfreude sind bei ihr ungebrochen. Sie wird zum vierten Mal für den Radebeuler Familienweihnachtsmarkt den Lichterpfad gestalten. Mindestens eine kulturelle Veranstaltung soll es noch in diesem Jahr im eigenen Garten geben. Die Familie, Künstler und Freunde haben versprochen, unterstützend mitzuwirken. Sobald sich geeignete und bezahlbare Räume finden, würde sie gern wieder eine Galerie betreiben wollen.

Dorothee Kuhbandner ist eine Pragmatikerin mit Fantasie und Empathie. Als Ehefrau, vierfache Mutter, zweifache Großmutter, pflegende Angehörige steht sie fest auf dem Boden der Realität. Auf Künftiges schaut sie voller Zuversicht. Und für kleine Verrücktheiten ist sie immer wieder gern zu haben. Das ist es wohl auch, was sie mir so sympathisch macht.

Karin (Gerhardt) Baum

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Kontakt: Dorothee Kuhbandner, 0174 1471270, d.kuhbandner@gmx.de, WWW.DORO-MALEREI.54DE

Gelber Lerchensporn – (k)ein Mauerblümchen

Unsere Radebeuler Weinbergshänge sind wohl zu jeder Jahreszeit betrachtenswert.

In Winter und Frühling üben Trockenmauern mit ihrer horizontalen Gliederung einen starken graphischen Reiz aus. Von Frühsommer bis Herbst entfaltet die Vegetation ein Farbspektakel, beginnend mit lichtem Grün des Austriebs und furios endend mit üppigen Rot- und Goldtönen.

Foto: G. Seidel


In diesem Beitrag sollen die alten Mauern im Stadtgebiet gleichfalls eine Würdigung erfahren.

Bereits Ende April zeigen sich an solchen alten Mauern leuchtend zitronengelbe Blüten einer zierlich belaubten, wintergrünen und anspruchslosen Staude von 15 – 20 cm Höhe.

Es ist der GELBE LERCHENSPORN, Corydalis lutea (1771 Carl von Linne), ein Dauerblüher aus der Familie der Mohngewächse.

Die schattenliebende Staude strebt uns aus Mauerfugen entgegen, die scheinbar keinerlei Nährboden anbieten. Sie besitzt ein verzweigtes Rhizom und ist in der Lage dichte Bestände auszubilden. Die zarten aufrechten Stängel sind in der Regel verzweigt, vierkantig und markig. Wechselständig angeordnete Laubblätter sind in Blattstiel und Spreite gegliedert, wobei letztere doppelt bis dreifach gefiedert sind. Das hellgrüne, unterseits eher bläulich-grüne Laub besticht den Betrachter durch seine Zartheit.

Die Blütenform ist spiegelsymmetrisch mit gekrümmtem Sporn. 6 bis 15 Blüten stehen in endständigen traubigen Blütenständen zusammen. Die Trauben sind einseitswendig angeordnet. Anfangs stehen die Blütenstände dicht beieinander. Später verlängern sie sich.

Der Blütenflor begleitet uns nahezu den gesamten Sommer von Mai bis Oktober und erfreut uns mit zartem Duft. Wildbienen mit langen Rüsseln werden angelockt. Sie ernten geschickt den tief in der Blüte lagernden Nektar. Auch andere Pollensammler stellen sich ein.

Nach der Blüte entwickeln sich schotenförmige Kapselfrüchte mit zwei Klappen. Zur Reifezeit öffnen sich diese Klappen und entlassen zahlreiche glänzend schwarze, mit ölhaltigem Futterkörper versehene Samen. Die wiederum sind für Ameisen äußerst interessant; sie tragen die Samen in ihre Vorratsspeicher und sind somit für die Verbreitung zuständig.

Der Gelbe Lerchensporn ist ein Vertreter submediterraner Flora und stammt wohl aus den südlichen Alpen. Ursprünglich dürfte er ein Bewohner kalkreicher Felsspalten und Schutthalden mit kalkreichem Gestein sein. Das eigentliches Areal lässt sich wegen Verwilderung und Einbürgerung kaum noch ermitteln.

Häufig wurde der Gelbe Lerchensporn als Zierpflanze in Gärten eingebracht und ist seitdem in fast alle Gebiete mit wintermildem Klima verschleppt. In Mitteleuropa ist er noch in 1700m Meereshöhe anzutreffen. Hierzulande finden wir ihn in Mauerritzen und am Grunde von Mauern in eher nord-östlicher Exposition. Dort gedeiht er auf gut durchsickerten, felsig-steinigen Böden.

aus Jacob Sturm, Deutschlands Flora in Abildungen, Stuttgart 1796
Bild: Jacob Sturm, Deutschlands Flora in Abb., Stuttgart 1796


Beste Bedingungen bieten dem Gelben Lerchensporn offensichtlich auch die ehrwürdig alten Mauern der Kellereistrasse in Radebeul-West. Dort findet sich sein frisches Grün schon Ende Februar zwischen den Resten des Vorjahres. Ab Ende April hat er dann seinen leuchtendgelben bis weit in den Herbst währenden Auftritt.

Mauern werden spontan besiedelt. Flechten, Moose, Farn- und Blütenpflanzen können – je nach Beschaffenheit der Mauer – den ihnen genehmen Lebensraum finden.

Erstaunlich ist die Fähigkeit von Pflanzen, beschränkte Ressourcen an einem solchen Extrem-Standort für ihre jeweiligen Bedürfnisse zu nutzen und in kleinräumiger Vielfalt zu leben. So siedeln sich oft Pflanzengesellschaften mit verschiedenen “Mauerspezialisten” an.

Weißer Mauerpfeffer (Sedum album ) auf Mauerkronen speichert beispielsweise benötigtes Wasser in dickfleischigen Blättern. Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) passt seinen Wasserhaushalt den jeweiligen Bedingungen an. Die Mauerraute ( Asplenium ruta-muraria) ein Farn, begnügt sich mit nährstoffarmen Mauerbereichen.

Auch die Blattrosetten einer in VORSCHAU & RÜCKBLICK (Juli 2024) bereits vorgestellten Einjährigen finden sich als Gäste in und an der Mauer: das Rapünzchen (Valerianella locusta).

Wer diesen Wintersalat allerdings zu ernten gedenkt, sollte sich üppigere Standorte suchen.

Die Weinbergsflächen über Schloss Wackerbarth bieten, beginnend am Fuße des Jacobsteins, bis März reiche Ernte, so man sich die Mühe machen möchte. Ebenso wird man im Weinberg unter der Friedensburg fündig. Auch die Uferbereiche des Lößnitzbades sind von Rapünzchen besiedelt. All die mit Valerianella locusta gesäumten Gehwege in der Stadt dürften für Ernten weniger geeignet sein.

Allerdings sollten wir Trockenmauern nicht nur als wichtige Ersatz-Lebensräume für Tiere und Pflanzen betrachten. Vielmehr prägen sie seit Jahrhunderten das ästhetische Erscheinungsbild unserer heimischen Kulturlandschaft. Sie seien unserer Obhut empfohlen.

Gudrun Seidel
AG Geobotanik des Elbhügellandes

Statement eines Kunstliebhabers

Das Lügenmuseum – ein Gesamtkunstwerk

Was heißt hier „Lüge“? Hinter jeder Lüge steckt die Wahrheit und hinter „Gesamtkunstwerk“ der Beuys’sche Begriff, das Beuys’sche Verständnis von einer sozialen Plastik. Mit „sozial“ ist gemeint die Vielzahl der Menschen, die daran beteiligt waren, es entstehen zulassen, und die es heute lebendig erhalten.

Das Zabka’sche Gesamtkunstwerk erweitert sich zu einem sich wandelbaren Objekt, in das man ein und aus gehen kann – der Erwachsene ebenso wie das Kind. Das intensive Schauen und Erkennen und mitunter Handhaben der Objekte sollte man erlebt haben, denn das Gesamtkunstwerk vereint zwei wesentliche Sinneswahrnehmungen: das Sehen und das Hören. Manche Objekte erzeugen Klänge, manche sind Lichtinszenierungen, andere Bewegungschoreografien. Bisweilen streift eine Feder über ein Tamburin mit zartem Ton, bisweilen klingelt ein Glöckchen auf einem sich drehenden Teller. Ich werde erinnert an Jean Tinguely, der im großen Maßstab Ähnliches installierte: So steht in Basel auf dem Theaterplatz der „Fasnachts“-Brunnen, der endlos klingt und Wasser schöpft, und nur der strengste Frost friert die Bewegung von Kellen, Stäben, Wasser ein.

Ich denke auch daran, wie sich das Radebeuler Gesamtkunstwerk dem Betrachter darbietet:

Überrascht wie in einem Labyrinth, entdecken wir Werke einheimischer und internationaler Künstler, zum Beispiel das raumhohe Stahl-Instrument Jan Heinkes oder Lutz Fleischers nachgebaute Kuriositäten-Bude vom Dresdner Schaubudensommer, ebenso wie die Spielzeugkreationen des brasilianischen Künstlers Getulio Damado, die auch ins New Yorker MOMA gefunden haben.

Unvergesslich die Konzerterlebnisse im großen Saal, wenn sich Skulpturen, Tanz und Musik vereinen, ich erinnere mich an Joe Sachse, Matthias Macht und den japanischen Fluxus-Künstler Taka Kagitomi, der bei Penck in Düsseldorf studierte.

Und nicht zuletzt die Kreationen von Reinhard Zabka, die Vergangenheit und Gegenwart auf ihre Art kommentieren.

Diese Beispiele stehen für viele weitere Akteure.

Das Lügenmuseum ist schon lange keine Immobilie mehr, ein baulich zu irgendeinem Zweck verwertbares Objekt. Es ist ein durch kreative Menschen entstandenes und sich ständig veränderndes lebendiges Kunstwerk, das sich vom archivierenden Museum unterscheidet.

Und nicht nur darum ist das Lügenmuseum des Erhaltens wert:

Es ist einzig in der Radebeuler Kulturlandschaft mit Strahlkraft weit über Sachsen hinaus.

Es stellt ein Alleinstellungsmerkmal auch im Stadtmarketing dar.

Und es ist ein nicht zu unterschätzender Wert, deshalb:

Erhaltet das Lügenmuseum! Bewahrt das Gesamtkunstwerk!

Klaus Liebscher im Mai 2025

10 Jahre KunstSpuren Radebeul

Mehr als zehn Jahre ist es nun her, dass sich eine handvoll Kunstschaffender aus Radebeul von meiner Idee anstecken ließ, gemeinsam einen Tag des Offenen Ateliers auf die Beine zu stellen. Ich glaube an die Kraft der Gemeinschaft – und hatte mit meiner Idee ja nichts zu verlieren. Warum also nicht mit auf Empfang gestellten Antennen Ausstellungen und Grafikmarkt besuchen, erste Bekanntschaften machen, denn ich war ja erst 2013 nach Radebeul gekommen.

Da ich im Rheinland aufwuchs, kam mir die offene Mentalität des Rheinländers sicher zugute. An den ersten Treffen 2015 waren vier Kunstschaffende beteiligt. Unser Vorhaben drohte hier schon im Alltagsgeschehen unterzugehen, als dann Cornelia Konheiser nachfragte, ob nicht mal wieder ein Treffen stattfinden sollte. Es gab also doch Interesse, dachte ich, und gab dem Rad einen neuen Schwung. Und dann rollte es los: zu unserer ersten Ausstellung im April 2016 im Kulturbahnhof und der Stadtbibliothek waren wir 13 beteiligte Radebeuler Künstlerinnen und Künstler. Thomas Gerlach hielt für uns eine wunderbare Laudatio und im Herbst des gleichen Jahres gleich die nächste: mit der Ausstellung „Wenn der Wind weht“ waren wir zu Gast in Dorothee Kuhbandners Galerie mit Weitblick.

2017 dann der erste „Tag des Offenen Ateliers“. Zwischenzeitlich hatten wir uns Logo und Layout für eine Broschüre erarbeitet. Sie wurde gedruckt, ebenso wie eine textile Fahne, die unsere Ateliers für die Besucher auffindbar machen sollte. Großes Glück hatten wir, da uns die Sparkasse Meißen, die Osterberg-Stiftung und das Kulturamt Radebeul finanziell unter die Arme griff. Bis heute sind wir alle sehr dankbar für diese Aufbau-Hilfe!

Alle KunstSpurler machten mit verteilten Broschüren und gesprochenem Wort Werbung für unser Vorhaben, und tatsächlich: am 17. September 2017 öffneten wir – flankiert von einer Ausstellung in den Räumen der Stadtsparkasse in den Filialen Radebeul Ost und West – unsere Ateliertüren für Besucher und hofften gespannt auf Interessenten, die zum Glück nicht lange auf sich warten ließen.

Zwischen all den Tagen des Offenen Denkmals, Weinguts, Gartens… und all der anderen vielfältigen Veranstaltungen in Radebeul war es gar nicht so leicht, einen Termin für unser Offenes Atelier zu finden, und nicht selbstverständlich, dass wir es mit unseren überschaubaren Mitteln geschafft haben auf interessierte Ohren und neugierige Augen zu treffen.

Eröffnung Kunstsommer – Moritzburg am »Roten Haus« Moritzburg, Dippelsdorfer Teich
Foto: Archiv KunstSpuren


Kurzum: sie kamen, die Besucher aus Radebeul und der näheren und weiteren Umgebung, beim Einen mehr, beim Nächsten ein paar weniger. Jedenfalls waren wir alle zufrieden und unsere Idee hatte sich bewährt. – Gemeinsam geht es besser!

In den folgenden Jahren organisierten wir mehrere Ausstellungen: u.a. in den Landesbühnen Sachsen 2019, im Fraunhofer Institut in Dresden 2023. Wir zeigten unsere Arbeiten bei einem gemeinsamen Messeauftritt in Dresden 2019 und waren verantwortlich für das Programm des Kunstsommers Moritzburg 2022. 2023 gestalteten wir das Künstlercafé zum Grafikmarkt, und an den ersten beiden Veranstaltungen von „Kunst geht in Gärten“ nahmen wir als Gruppe gemeinsam teil, 2020 im Garten von Irene Wieland und 2021 bei Fliesen Ehrlich, beides wunderbare Gastgeber!

Vielleicht ist es noch wichtig zu erwähnen, dass alle Mitglieder ihren Themen, ihrer Technik nachgehen – eine Zusammenarbeit in der künstlerischen Auseinandersetzung ist möglich, aber nicht Programm der KunstSpuren. Uns eint das künstlerische Schaffen mit Leidenschaft sowie die Philosophie und Energie der Gemeinschaft – ein Tun zum Wohle aller Beteiligten.

In unseren vielfältigen künstlerischen Positionen kann der Einfluss des Elbtals, der Landschaft in der wir leben dürfen manchmal nachvollzogen werden. Sie strahlt und prägt eben.

Ja natürlich sind wir nicht immer einer Meinung. Es hat sich aber ein Kreis gefunden, der sehr achtsam und respektvoll miteinander umgeht. Und so haben wir doch immer eine Lösung gefunden.

Im Laufe der Jahre hatten wir auch Austritte – Vorstellungen, Wohnorte und Lebensabschnitte ändern sich – die entstandenen Lücken wurden immer schnell mit tollen Kollegen geschlossen. Derzeit gehören 14 Künstlerinnen und Künstler den KunstSpuren an, und wir haben uns auch ins Umland – von Dresden bis Meißen und Radeburg – ausgedehnt. Es ist nun eine gute Gruppengröße, überschaubar einerseits und doch groß genug um auch aufwändigere Projekte gut stemmen zu können.

Wir sind doch selbst ein wenig überrascht, dass es die KunstSpuren nun schon 10 Jahre gibt. Ein Grund zum Feiern. Ein ganzes Jahr lang, so haben wir unser Jubiläumsjahr mit einer Ausstellung „Im Miteinander“ in der Galerie Felix im Februar 2025 begonnen.

Am 13. Juni 2025 laden wir Sie ein, liebe Leserinnen und Leser, mit uns den nächsten Höhepunkt zu feiern: unsere Ausstellung „Fermata“ in der Stadtgalerie Radebeul, bevor wir am 5. September im Jahnaischen Hof in Meißen unsere Ausstellungstrilogie beschließen werden.

Ausgestaltung des Cafés zum Grafikmarkt, Radebeul
Foto: Archiv KunstSpuren


Im zehnten Jahr das fünfte Mal „Offenes Atelier“: am 7. September 2025 stehen unsere Ateliertüren wieder offen.

Wir sind also mittendrin im Jubiläumsjahr!

„Wir“, das sind aktuell: Uwe Beyer, Sörnewitz; Sylvia Fenk, Meißen; Gabriele Kreibich, Radebeul; Klaus Liebscher, Dresden; Johanna Mittag, Radebeul; Peter PIT Müller, Radebeul; Anita Rempe, Gauernitz; Petra Schade, Radeburg; Gabriele Seitz, Radebeul; André Uhlig, Radebeul; Ralf Uhlig, Radebeul; Anita Voigt, Dresden; Bettina Zimmermann, Batzdorf; Silvia Ibach, Radebeul

Es ist nicht selbstverständlich in unserer schnelllebigen Zeit, dass Ideen eine Dekade überdauern. Umso mehr bin ich meinen Kolleginnen und Kollegen dankbar, die mit mir an die Gemeinschaft glauben.

Ich freue mich jedenfalls auf weitere KunstSpur-Aktionen in der Zukunft— jetzt aber erst einmal auf unser weiteres Jubiläumsjahr.

Silvia Ibach
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weitere Infos, auch über bevorstehende Ausstellungen:
www.kunstspuren-radebeul.de

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