Korrespondenz aus der Nachbargemeinde

Da stehe ich nun auf der Brühlschen Terrasse, die Elbe plätschert träge dahin. Im Geländerüberlehnen winkt herbstgrautrübe das Spitzhaus. Von der Lese ließe lößnitzfern sich mir ein Glas Traminer träumen, was auf zwei Fragen käme: Wann in den Neuzigeruffzich hatte ich zum letzten Mal die Puppentheatersammlung im Hohenhaus besucht? Und warum fand das Lügenmuseum bislang keinen Platz im Kraftwerk Mitte, wo Radebeul doch Plätze hätte?? Verzeihn Sie mein Herr, warum hält kaum ein Zug noch in Kötzschenbroda???

Neulich hatte ich den allerneusten Umstieg von der 9 in die 4 verpasst, das WATZKE in Altpieschen nahm sich meiner an. Jeden Monat hat es dort ein besonderes Bier. Wer mag, kann dahin auch herbstruhig spazieren. Bei mir gänge die Sonne ein paar Sekunden früher auf.

Bis dahin

Euer Tobi

Mit Michael Wüstefeld poetisch durch das Jahr

Zur Titelbildserie

Winzerhäuser




Unterhalb vom Jacobstein und nahe bei Schloss Wackerbarths Ruhe befindet sich an der Straße Am Jacobstein 40 das Haus Fliegenwedel. Der einprägsame Hausname dürfte noch im 18. Jh. entstanden sein. Die Ursprünge des Winzerhauses liegen im 17. Jh., wie ein Verkauf von 1674 an Oberlandrentmeister Rode belegt, während die heutige Ansicht mit Zwerchgiebel auf der Südseite durch einen Umbau von 1750 hauptsächlich barocke Formen zeigt.
Ein weiterer Besitzer war der Hofböttchermeister Jacob Krause gewesen, der 1743 den Jacobstein an der oberen Hangkante errichten ließ. Durch Parzellenverkäufe im Laufe der Zeit gehört dieses Lusthaus heute aber zum Imperium des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth. Das Winzerhaus glich bis 1750 einigen anderen Winzerhäusern der Lößnitz mit einem einheitlich steilen Walmdach und 5 Fensterachsen auf der Südseite – der 1750 dazugekommene, auffällig geschweifte Giebel hebt es aber aus der Masse der Winzerhäuser heraus und stellt so ein Erkennungsmerkmal dar. Dagegen ist der westliche Anbau von 1862 eine Raumerweiterung in angepasster Bauform. Die charakteristische Fensterordnung der Südseite, eine Mittenbetonung der Fenster mit Dreiergruppe im DG und Fünfergruppe im gehobenen EG und der barocken Außentreppe auf der Ostseite sowie der in barocker Form gestaltete Garten davor sind hier prägnante Details. Die Fassadenfarbe blassrosa ist etwas ungewöhnlich, soll aber auf Befunden basieren. Auf einem Stück des ursprünglich größeren Weinbergs bauen die heutigen Eigentümer, der Architekt Werner Hößelbarth und seine Frau, die das Grundstück in den 80er Jahren in sehr schlechtem Zustand erwarben, wieder Wein an und keltern ihn auch selbst.
Auch hier also ein Winzerhaus, wo Wohnen und Wein auf glückliche Weise wieder zusammen gekommen sind!

Dietrich Lohse

 

Antiglosse?

Jetzt muss endlich mal Schluss sein mit dem Gemecker und Gemotze! Die Bahnhofstraße: keine Parklücken, die kleinen Läden sterben aus, da die zahlreichen Kunden nicht direkt und alle gleichzeitig bis vor das Schaufenster mit dem Auto kommen, die Stadtkultur: ohne Konzept, alle Künstlerinnen und Künstler frustriert, das Lügenmuseum: … ach … Es reicht!
So fühle ich mich nun genötigt, eine Glosse – im wahrsten Sinne des Wortes – den Glossen von Herrn Motzi an den Seitenrand zu schreiben.
Radebeul ist so schön, und Vieles an Positivem ist erreicht oder es wird daran gearbeitet.
Wenn man durch die Straßen läuft, so springt es uns – wie der Hund hinterm Gartenzaun – förmlich an: Unsere Stadt ist viel, viel schöner geworden. In meiner Kindheit schlummerten hinter wucherndem Grünzeug halb verfallene Häuser und Villen. Die Wege und Straßen löchrig, verkrautet und sandig. Und heute? Fast alle Häuser sind hübsch hergerichtet, in die Unkrautecken und Brachen der Stadt (und selbst in Ecken, die gar keine sind) wurden wunderschöne neue Häuser gebaut, modern, der Beton in geraden Linien, kein Gramm Material zu viel. Das belebt doch vortrefflich das altmuffige Stadtbild. Stählerne Zäune und Mauern mit Sandsteinoptik schaffen endlich Klarheit. Die meisten Wege und Straßen sind ordentlich asphaltiert, gepflastert, akkurat von Bordsteinen begrenzt und lassen nun endlich keinen Raum mehr für Pfützen, in denen man sich nass oder gar dreckig machen kann. Toll! Die Kinder spielen doch heute lieber an ihren Plaste-Rutschen oder auf Riesen-Trambolins auf dem englischen Rasen in ihrem Gartenabteil der elterlichen Eigenheimparzelle, statt in Pfützen mit Hölzchen und Papierschiffchen und Regenwürmern. Igitt!
Apropos Hund: Es ist doch mit Freude festzustellen, wie tierlieb unser Radebeul geworden ist. Man trifft auf der Straße kaum noch eine Familie, die nicht einen Hund mit sich führt. Gerade in einer Stadt fühlen sich doch die Vierbeiner wie in ihrem Element.
Die Hinterlassenschaften des Tieres auf Gehwegen und in Parkanlagen werden von den verantwortungsbewussten Tierliebhabern natürlich ordnungsgemäß irgendwohin entsorgt.
Die Anzahl der Hunde hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Es freuen sich über dreifachen Umsatz die Radebeuler Fachgeschäfte für Tiernahrung und vor allem der Fiskus über die entsprechende Steuer, wovon die Stadt Radebeul wieder viele schöne Sachen finanzieren kann.
Zum Beispiel die Infrastruktur. Alle Bemühungen richten sich danach, immer mehr und immer größeren Autos die Fahrt um die Ecke und zum Einkaufsmarkt, ja zu allem Fortschritt und Wachstum zu ermöglichen. Und da all die fahrbaren, schön anzusehenden Symbole unseres wohlverdienten Wohlstandes auf ganz natürliche Weise leider auch unser Straßennetz hier und da etwas verschleißen, ist unsere Stadt immer sofort zur Stelle und repariert und flickt und asphaltiert, wo es nur geht. Ein Heer von Straßenbauarbeitern hat so das ganze Jahr über ihr ordentliches Auskommen. Und nicht zu vergessen, die Hersteller und Verleiher von Absperreinrichtungen und Straßenschildern. Das kurbelt doch auch und besonders hier in Radebeul die Wirtschaft an. Noch einmal und: OrtsansässigInnen lernen so ihre Heimatstadt bei ungeahnten Routen immer wieder neu kennen, und die Gäste entdecken – jenseits von ihren tunnelblickartigen Navi-Ansagen – die schönsten Sackgassen von Radebeul.
Denn bei allem liegt unserer Stadt natürlich die Sicherheit der Autofahrer besonders am Herzen.
Ein Beispiel: Ist es nicht eindrucksvoll, wie unzählige Ampeln fast die gesamte Pestalozzistraße entlang auf Rot schalten, sobald der Lößnitzdackel im Haltepunkt „Weißes Roß“ einfährt? Obwohl die Gleise immer schön parallel dem Straßenverlauf folgen und eine Kollision Auto-Eisenbahn gar nicht möglich ist, bleibt der Straßenverkehr stehen. Sicher ist sicher. So kommt mal Ruhe rein und man kann genießen, wie die historische Eisenlok vorüberdampft. Es ist doch schön, dass sich unsere Stadt Radebeul so eine Sicherheitsanlage leisten kann!
Wer jetzt vermutet, dass die VerantwortlichInnen den Verkehrsteilnehmern das vorausschauende, eigenverantwortliche Fahren abgewöhnen wollen, liegt völlig falsch. Das beste Beispiel ist der Bahnübergang des Lößnitzdackels an der Weinbergstraße. Dort, wo überhaupt gar nichts einsehbar ist, hat man extra das Stopp-Schild für die Autofahrer entfernt, warum? Jaaa! Um deren Aufmerksamkeit, das Mitdenken pädagogisch zu fördern!
Ach, da gibt es noch viel Schönes von Radebeul zu berichten. Nicht wahr, Herr Motzi?

Ihre Susi Sorglos

Radebeuler Miniaturen

In die Luft gegriffen

Andere fahren in Urlaub.
Mir genügt es, allemal zum Weinfest in K. mit Susanna eine Weltreise auf Georg Trabers Musik-Karussell zu unternehmen und danach noch von Stand zu Stand schlendernd den vergorenen Sonnenschein des vergangenen Jahres zu genießen.
Mal dankbar, mal notgedrungen sehen wir dabei auch die zahlreichen Begegnungen als Bereicherung. Wie sonst am Faß, erfahren wir bei solcher Gelegenheit allerhand Erstaunliches.
Zuerst ist da natürlich das nicht enden wollende Lob des Weines, für den wir ja alle hier sind – auch wenn der Trend dahin geht, dem edlen Saft den Geist zu entziehen. Dem Licht im Glase geht dabei freilich nichts verloren.
Wie aus dem Nichts steht Klaus neben uns. So schön vergoren mags gehen, lacht er, da ist das Gift raus, das übers Jahr auf die Reben verteilt wird.
Geht wohl nicht ohne, sag ich leise, Monokulturen brauchen fremde Hilfe.
Mag sein, mag sein, kontert Klaus, aber wenn das Zeug von Drohnen aus undifferenziert übers Tal versprüht wird, ohne Rücksicht auf Wäscheleinen und Kaffee trinkende Rentner, da ist für mich eine Grenze überschritten.
Drohnen? Frage ich – werfen die sonst nicht Bomben?
Klar, aber manchmal wollen sie auch bloß intime Bilder schießen … Na, nichts für ungut. Und schon ist er in der Menge verschwunden.
Mit einer Flasche aus dem eigenen Keller sitzen wir später bei Susanna auf der Terrasse, um den Tag ausklingen zu lassen. Die späte Herbstsonne bringt die Gläser noch einmal zum Leuchten.
Sieh dort, ruft Susanna plötzlich, da fliegt wieder eine – jetzt geht’s wohl wieder nur um Bilder – im Sommer hab ich aber deutlich und mehrfach die Sprühwolken gesehen, von denen vorhin die Rede war …

Ist wirklich das eine nicht ohne das andere zu haben??

Thomas Gerlach

Tagesfahrt des Lößnitzchors e.V. Radebeul

 

Tagesfahrt nach Seiffen, Foto: W. Papke

Die Vorfreude war groß, als sich am Morgen des 16.8.2025 die Sängerinnen und Sänger unseres Chores sowie einige Familienmitglieder am Bus einfanden, um auf die angekündigte Tagesfahrt zu starten. Das Ziel, Seiffen im Erzgebirge, war allen bekannt. Das weitere Programm des Tages war jedoch noch weitgehend geheim. Alle nötigen Informationen erhielten wir während der Busfahrt.Diese war durch Beiträge vieler Mitreisender zum „Tag des Witzes“ zuweilen sehr unterhaltsam.
Am Zielort angekommen, erhielten wir eine Führung durch die Werkstatt der Kunsthandwerkerin Eva Beyer. Diese erzählte uns sehr viel Interessantes zur Herstellung ihrer Räucherfiguren und verdeutlichte uns, wie viel Arbeit und Zeit investiert werden muss bis eine fertig ist. Die vielen detailreichen Darstellungen verschiedenster Berufe und Kreaturen in ihrer Schauwerkstatt entlockten dem einen oder anderen von uns ein Lächeln. Mit einem Ständchen bedankten wir uns für die tolle und informative Führung.
Nach dem Mittagessen im Hotel Heidelberg und einer anschließenden Fahrt mit dem Bus rund um Seiffen war unser nächstes Ziel der Schwartenberg. Dort konnten wir die Aussicht genießen und in der Schwartenbergbaude ein leckeres Kaffeetrinken zu uns nehmen. Unterhalten wurden wir dabei vom Besitzer des Hauses, der uns mit Fragen zu unserer Heimat Dresden und Radebeul herausforderte.
So gestärkt, war es nun Zeit für den Höhepunkt des Tages. Wir hatten die Gelegenheit, in der Bergkirche Seiffen ein Konzert zu geben. Die Akustik in der aus Holz erbauten und gut besuchten kleinen Kirche verlieh unserem Chorgesang ein besonderes Ambiente und bereitete allen Anwesenden musikalischen Hochgenuss. Nach dem Konzert ging es dann mit schönen Erinnerungen an die Erlebnisse des Tages wieder zurück nach Radebeul.
Dieses besondere Konzert noch gut in Erinnerung, lädt der Lößnitzchor nun zum traditionellen Adventskonzert in die Emmauskirche in Dresden-Kaditz ein. In diesem Jahr findet das Konzert am 29.11.2025 um 17 Uhr statt. Es werden traditionelle und moderne Weisen rund um diese ganz besondere Zeit im Jahr erklingen. Bereichert wird das Konzert außerdem durch Einstudierungen unseres kleinen Ensembles, der Gruppe „fEinklang“. Die musikalische Leitung liegt bei Erik Weisheit. Der Eintritt ist frei, um eine Spende am Ausgang wird gebeten.
Wer solchen Konzerten nicht nur lauschen, sondern sie aktiv als Sängerin oder Sänger mitgestalten möchte, ist herzlich zur unverbindlichen Teilnahme an einer Probe eingeladen. Wir proben immer montags von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr in der Aula des Lößnitzgymnasium auf der Steinbachstraße 21 in Radebeul. Um eine vorherige Anmeldung per Mail an gloeckner@loessnitzchor.de wird gebeten.

Laura Hackeschmidt

 

Michael Hofmann und seine künstlerischen Farbglasfenster

Der Künstler im Atelier, Foto: D. Lohse

Michael Hofmann kenne ich nun schon eine ganze Weile, etwa seit seinem Umzug 1999 nach Radebeul. Wir sind beide im Jahr 1944 geboren und inzwischen befreundet. Mein Interesse für seine Kunst galt bisher seinen drucktechnischen Arbeiten, den Farbholzschnitten, von denen zwei Blätter in meiner nun zurückliegenden Ausstellung in der Hoflößnitz zu sehen waren. Natürlich wusste ich, dass er als akademisch ausgebildeter Maler (1969-74 an der Dresdner Kunstakademie studiert und bis 1976 Meisterschüler bei Prof. Bondzin) noch weitere Techniken beherrscht, Grafik und verschiedene Arten Malerei und seine Themen in der Landschaft, bei Architektur und Menschen findet. Neu dagegen war für mich, dass er auch Farbglasfenster für Kirchen und andere öffentliche Bauten entworfen und ausgeführt hatte.
In einem zwanglosen Gespräch in seinem Atelier betont Michael, dass die Idee sich für Glaskunst zu interessieren beim Betrachten von Bildern des französischen Künstlers Fernand Léger geweckt wurde. Praktische Übungen zur Glaskunst machte Hofmann dann im Studium (betreut durch Prof. Stengel). Er unterstreicht, dass Farbglasfenster in den Jahren seines Schaffens eigentlich immer ein Thema waren, nur dass die Öffentlichkeit davon kaum etwas wahrnahm, anders als bei Bildern auf Papier und Leinwand, die wir aus vielen Ausstellungen kennen. Insofern ist das hier mit der Glaskunst etwas anders als z.B. bei Gerhard Richter oder Neo Rauch, die in Köln und Naumburg Kirchenglasfenster geschaffen haben, um in ihrem Schaffen noch einen anderen Akzent zu setzen. Halten wir also fest, für Michael Hofmann war die Kunst der geschnittenen und gemalten Bilder immer genauso wichtig, wie die Farbglasfenster. Diese ergaben sich aber in größeren, unregelmäßigen Zeitabständen, während künstlerische Bilder in seinem Atelier stets in Arbeit waren.
Bei einem Glas „Rotem“ aus Südfrankreich – der lockert die Zunge – schildert mir Michael nun am Beispiel der katholischen Kirche in Gera- Lusan, einer Neubaukirche von 1987 (!), wie seine Arbeit für ein Farbglasfenster vonstatten geht und was die Besonderheiten sind. In Gera haben wir den seltenen Fall, dass in DDR-Tagen für ein großes Plattenbaugebiet ein Kirchenneubau von der Obrigkeit vor dem Hintergrund eines Ost-West-Geschäftes bewilligt wurde. Architekt Lothar Gonschor durfte die Kirche planen und holte den Dresdner Künstler mit „ins Boot“. Für das große Farbglasfenster im Altarraum war die Vorgabe der Auftraggeber, die Geschichte von Pater Kolbe bildlich umzusetzen – „von der Dunkelheit ins Licht“.

Käuzchen – »Eine frühe Arbeit für einen Kindergarten«, Foto: D. Lohse

Pater Kolbe war in der Nazizeit ins Gefängnis gekommen und erfuhr da, dass ein Mitgefangener, ein junger Familienvater, in den nächsten Tagen hingerichtet werden sollte – er bot sich an, anstelle des Familienvaters zu sterben, was auch geschah. So soll dieser Familie ihr Vater über den Krieg hinaus erhalten geblieben sein. Pater Kolbe wird seither als Märtyrer verehrt. Hofmann skizziert das Leben Kolbes zunächst in einer vertikalen Bildfolge. Dafür verwendet der Künstler von unten beginnend die Farben Violett über Rot und Blau bis Weiß. Die figürliche Darstellung ist monumental und verzichtet selbstverständlich auf portraithaftes. Die Abmessungen des Fensters sind mit 1m Breite und 12m Höhe, die sich aus 12 x 1m Elementen ergibt, beachtlich. Der Entwurf auf Papier wurde vom Bistum und dem Kirchenvorstand bestätigt – Michael Hofmann konnte nun als Künstler und Handwerker in einer Person loslegen. Es war förderlich, dass Michael eine Werkstatt in Dresden Neustadt nutzen konnte und nicht so oft von Dresden nach Gera pendeln musste, sondern zum Schluss die einzelnen Elemente transportieren konnte. Nun aber erst mal ein paar Worte zu dem speziellen Glas, das Michael verwenden wollte. Das ist kein Flachglas, wie das bei historischen Kirchenfenstern, z.B. bei der Radebeuler Lutherkirche, üblich war, sondern es handelt sich um dicke, farbige Glasbrocken, die man als sogenannte „Dallen“ in verschiedensten Farben in bestimmten Glaswerken nach „Hafen“ (Fachbegriff für Menge) bestellen kann. Die Brocken mit einer Dicke von 2,5 – 3cm werden entsprechend des Entwurfs nach Farben vorgeordnet. Als nächstes mussten 12 Stahlrahmen, je 1 x 1m angefertigt werden. Jeder Rahmen wurde auf dem Arbeitstisch in der Werkstatt mit den vom Künstler bestimmten, vorbereiteten Gläsern dicht gefüllt. Das mag einem Puzzlespiel ähneln, weil es hier auf die Konzentration ankommt.
Die unregelmäßigen Fugen werden danach mit etwas flüssigem, feinem Beton ausgegossen und sind nach vier Tagen ausgehärtet, die Fläche wird dann gereinigt. Michael verrät mir, dass er im Nachhinein das Kirchenfenster in Gera für seine größte und vielleicht auch beste Arbeit auf dem Gebiet hält. Dazu kann man nur gratulieren! Als Ergebnis erhalten wir dann fertige Glasbilder mit dunkler, unscharfer oder etwas mystischer Wirkung, was aber nach meiner Empfindung zu einem Kirchenraum passen kann. Leider konnte ich mich bisher am Ort noch nicht von der Wirkung überzeugen, will das aber bei einem nächsten Gera-Besuch (wir haben da Verwandtschaft) unbedingt nachholen.

»Das Geraer Fenster ist fertig«, Foto: D. Lohse

Während die tiefstehende Sonne das Atelier zu vergolden scheint, trinken wir noch einen Schluck vom Roten. Zum Schluss gibt mir Michael Hofmann noch einen Überblick, wo und wann er noch derartige Farbglasfenster geschaffen hat. Das erste war eine im Freigelände eines Kindergartens in Frankfurt/ Oder stehende Glaswand mit Tiermotiven noch während seines Studiums. Es folgte ein kleines Farbglasfenster in einem Bootshaus in Dresden-Übigau (1971). 1983 bekam er den Auftrag, ein solches Fenster für den Eingangsbereich einer Berufsschule in Dresden zu schaffen – der Entwurf wurde von den Lehrern eher skeptisch betrachtet, die Ausführung gefiel dann allen aber recht gut. Es entstanden noch zwei farbige Betonglasfenster für katholische Einrichtungen nach Entwürfen von Michael Hofmann, eines für das Gemeindehaus in Kleinzschachwitz, 1987, und das andere für ein Seniorenheim in Gera – Lusan, 1989. Ein etwas kleineres Kirchenfenster entwickelte Michael 1991 auch für die evangelische Kirche „St. Lorenz“ in Halsbrücke bei Freiberg, darüber berichtete Günter Donath anläßlich des 80. Geburtstages von Michael Hofmann in Heft 10 / 24 von Vorschau & Rückblick. In diese Reihe gehört auch noch ein Farbglasfenster für eine Kirche in Schleitz. Und um zu zeigen, dass er auch Farbglasfenster nach altem Vorbild beherrscht, hat Michael 2009 ein Bleiglasfenster für ein privates Wohnhaus in Detmold gearbeitet. Wir haben die Sitzung im Atelier beendet und festgestellt, dass wir die Flasche Rotwein nicht ganz geschafft haben – wir müssen uns wohl noch mal treffen.
Man erkennt nun, wie umfangreich das Betätigungsfeld Glaskunst in Michael Hofmanns Schaffen war, man hatte aber meist nur seine Bilder auf Papier oder Leinwand in Ausstellungen gesehen. Jetzt, und nicht zuletzt durch den geselligen Nachmittag im Atelier Hofmann, erfahren wir, von welchem wichtigen Teil seiner Kunst Viele bisher wohl zu wenig gewusst haben.
Ich erkenne hier eine gewisse Parallele zu einem anderen, nicht mehr lebenden Künstler – Hermann Glöckner – der auch Großes neben seinen Bildern geschaffen hat, indem er als „Brotarbeit“ in Sgraffitos Kunst mit Handwerk verband. Der Artikel über die Farbglasfenster von Michael Hofmann soll zeigen, zu welchen Erfolgen hier das Zusammengehen von Kunst und Handwerk führen kann.

Dietrich Lohse

 

 

 

 

Einladung zur Autorenlesung mit Michael Wüstefeld

Weißes Roß – Geschichten aus der Kindheit – (Teil 11/12)

Hinweis der Redaktion: Sicher warten viele Leserinnen und Leser bereits auf die Fortsetzung unserer 12-teiligen Serie. Über ein Dreivierteljahr gelang uns die Veröffentlichung passend zu jedem Monat. Aus redaktionellen Gründen war es uns in den letzten Monaten aber leider nicht möglich. Nun der langersehnte Anschluss:

Der Juni

Als Geschäftsleute war es meinen Eltern schlecht möglich, mit uns Kindern zu verreisen. So wurden wir von Oma und zumeist von Tante Emma mitgenommen. Es war am Anfang meines Erinnerungsvermögens, als Oma und Tante Emma mit mir in den Tharanter Wald nach Spechtshausen reisten. Ich hatte ein weißes Wahlkleidchen an (sehr dünner Stoff), das mir die gute Wo mit Kränzeln aus Stickblumen – damals Sammelobjekte in Zigarettenschachteln – verziert hatte. Als es abends zu Bett gehen sollte, war ich nicht zu bewegen, das Kleid auszuziehen und schrie die ganze Pension zusammen. Als Oma und Tante Emma die Geduld ausging, ließen sie mich in dem Kleidchen schlafen. Ich sehe mich heute noch früh in dem Gitterbettchen stehen mit dem total zerknautschten Kleid, das wie ein Lappen an mir herunterhing. Da habe ich mich zum ersten Mal in meinem kleinen Leben tief geschämt. Das hat sich mir eingeprägt. Erinnern kann ich mich auch noch an ein kleines Hexenhaus dort am Waldrand, wahrscheinlich war es ein Kiosk, denn es wurde Milch ausgeschenkt und wir pilgerten jeden Tag dorthin.

Gastwirt Kurt Stiller mit »Maikätzchen«, Foto: Archiv C. Grün

Christa Stiller im Hof vom Weißen Roß, Foto: Archiv C. Grün

Die kleinen Maikätzchen waren Anfang Juni so weit gediehen, dass wir mit ihnen spielen konnten. Geboren waren sie auf dem Heu- oder Garagenboden, versteckt von ihren Müttern und kamen erst zum Vorschein, als sie nicht mehr gesäugt wurden. Die nicht vergeben werden konnten, verkrümelten sich meist von selber. Wurden sie gleich gefunden, musste Vater Petzold sie töten. Zwei wurden aber immer belassen. Streunende Katzen gab es sehr selten, meistens waren sie zu Hause und waren nur auf Raunze, wie man bei uns so schön sagt, unterwegs. Die schwarz-weißen Katzen waren meine besonderen Lieblinge, warum weiß ich auch nicht mehr zu sagen. Große Freude kam auf, als einmal eine Dreifarbige darunter war. Diese bringen Glück, sagten die Leute. Ganz ruhige Kätzchen wurden in dem Puppenwagen herumgefahren, bis sie es satt hatten.
In unserer Kindheit gab es noch viele Mai- und Junikäfer, die kleiner waren. Bei den Maikäfern gab es Schornsteinfeger und Müller mit schwarzen und weißen Pelzchen, und wir tauschten eifrig aus. Noch heute heute fühle ich das feste Klammern der gezackten Beinchen an meinen Fingern. Wir entließen sie aber immer wieder aus den mit frischen Blättern ausgestatteten Einweckgläsern in die Freiheit. Wissentlich haben wir kein Tier gequält, sie waren unsere Spielgefährten und gehörten einfach zu unserem täglichen Leben. Ob sich allerdings die Kohlweißlingsraupen bei uns sehr wohlgefühlt haben, bezweifle ich heute stark. Jedenfalls gaben sie, wenn sie im Blumenkohl oder Kohlrabi ihre Saison hatten, herrliche Besatzungen für unsere Sandburgen ab. Raupen, die immer wieder versuchten auszubüchsen, wurden in den Kerker gesteckt. Eng gesteckte Hölzchen verhinderten das Ausbrechen. Am Ende wurden die Hühner mit ihnen beglückt.
Vater hatte viel Sand für einen großen Sandkasten an der Laube anfahren lassen. Der Sandkasten war das Zentrum für uns im Garten. Er war so tief, dass wir im Sitzen unsere Beine bis über die Knie einbuddeln konnten. Dazu wurde mit der Gießkanne der Sand ordendlich nass gemacht, ein Loch gegraben, die Beine nass gemacht und der feuchte Sand ringsum festgeklopft. Es war ein herrlich prickelndes Gefühl. Dann wurde versucht, die Beine vorsichtig wieder hinauszuziehen, ohne dass die Röhren zusammenfielen. Uns fiel eben immer etwas ein.
Vom Sandkasten aus sah ich auch den ersten Heißluftballon meines Lebens, der in Richtung Kirche schwebte. Das waren damals elefantengraue runde Kugeln, nicht zu vergleichen mit einem heutigen bunten Ballon. Aber beeindruckt hat es mich schon bis heute.
Um die Laube herum, genannt nach Mutteln „Villa Maja“, spielte sich auch viel ab. Einmal saß ich friedlich mit meiner Puppe im Arm auf meinem Lieblingsplatz auf Großmutters Schoß. Was plötzlich in Wolfgang hineinfuhr, wird er heute auch nicht mehr sagen können. Jedenfalls riß er mir die Puppe weg, packte sie an den Beinen und schlug sie mit dem Porzellankopf auf die hellen Fliesen vor der Laubentür. Diese rohe Behandlung überstand der Kopf natürlich nicht. Nur ein Scherben ragte aus dem Hals heraus. Großmutter gelang es mich zu trösten, indem sie um den Scherbel, schon dass ich mich nicht verletzte, ein Taschentuch band und mir sagte, dass die Puppe nun krank sei und ins Bett gehörte. Wie Muttel erzählte, bin ich lange mit dem laweden Puppenkind im Puppenwagen herumkutschiert, ich konnte mich einfach nicht von ihm trennen. Zu Weihnachten bekam meine Puppe einen neuen Kopf.
Hin und wieder kamen Heyls Kinder Inge, Erika und Rosi mit ihren Puppenwagen angefahren und wir fuhren gemeinsam auf dem Hof umher. Wie ich mich noch besinnen kann, hatte Inge auch schon einen Sportwagen, Erika hatte ein weißes gängiges Kinderwagenmodell und Klein-Rosi schob eine altertümliche hochrädrige Karre vor sich her. Wir waren glückliche, zufriedene und auch friedfertige Kinder, behütet von verständnisvollen Eltern und Großeltern sowie von allen lieben Verwandten. Inges Lieblingstante war Tante Elly, meine die Tante Rosel. Es war immer wieder ein freudiges Ereignis, wenn die Tanten aus Dresden kamen. Allerdings hatten wir Stiller-Kinder leider keine Großväter, beide waren frühzeitig verstorben. Wir hätten aber gerne wenigstens einen Großvater gehabt und so ernannten wir Vater Damme vom Mühlweg, einen lieben Stammgast, zu unserem Großvater.
Das waren so die Erinnerungen der Kindheit im Juni.

Christa Stenzel/ Christian Grün

„Kaltblütigkeit“ – ein wichtiger Gesundheitsfaktor?

In Zeiten des Radebeuler Naturheilkundlers F. E. Bilz wurde es „Kaltblütigkeit“ genannt. Heute wird in Fachkreisen von Resillienz oder vom Immunsystem unserer Seele gesprochen. Damals wie heute ist damit die Fähigkeit gemeint, eine Krise gut durchzustehen oder sogar gestärkt daraus hervorzugehen. In unserer Zeit, in der Krisen und Stress allgegenwärtig sind, man denke an die Corona-Pandemie, Klimakrise und Ukrainekrieg, aber auch an berufliche und familiäre Herausforderungen, ist das Wissen um diese Problematik für unsere Gesundheit von außerordentlichem Wert.
F. E. Bilz verstand unter „Kaltblütigkeit“ nicht wie im klassischen Sinne „Gefühlskälte“ oder „Mangel an Empathie“, sondern eher eine mentale Haltung, die mit einer gewissen Selbstbeherrschung und innerer Ruhe zu tun hatte. Dabei ging es ihm um die Fähigkeit, in stressigen oder schwierigen Situationen ruhig zu bleiben und rationale Entscheidungen zu treffen – also eine Art emotionaler Kontrolle und Gelassenheit.
Er sprach häufig darüber, wie wichtig es ist, den Körper und Geist in Balance zu halten. Eine „Kaltblütigkeit“, die Bilz als positiv ansah, war demnach die Fähigkeit, das Gefühl der Angst oder Panik zu überwinden, um klug und zielgerichtet zu handeln. Diese Selbstbeherrschung sah er als wichtig an für ein gesundes Leben.

Repro: P. Eppinger;

Selbstbeherrschung setzt Achtsamkeit voraus. F. E. Bilz beschäftigte sich zwar nicht direkt mit dem modernen Konzept der „Achtsamkeit“ im Sinne von Meditation und Achtsamkeitsübungen, wie wir es heute kennen, jedoch befürwortete er eine Lebensweise, die ähnliche Prinzipien wie Achtsamkeit beinhaltet, insbesondere in Bezug auf die Selbstwahrnehmung und das bewusste Leben. Er empfahl eine achtsame Haltung gegenüber dem eigenen Körper, der Ausrichtung der Gedanken und der Natur, was sich in seiner Betonung auf gesunde Ernährung, Bewegung, frische Luft und regelmäßige Pausen widerspiegelt.
Die achtsame Lebensweise wird Thema unseres nächsten Bilz-Gesundheitsstammtisches sein. Dazu haben wir die MBSR-Lehrerin Frau Tina Eger eingeladen. Alle die dieses Thema interessiert sind herzlich eingeladen.

Petra Eppinger

Termin: 12.11.2025 18.30 Uhr
Thema: „Stressreduktion durch Achtsamkeit“
Ort: WELLNESS AKADEMIE, Eduard-Bilz-Str. 18, 01445 Radebeul
Anmeldung: bilz-bund@t-online.de, oder Tel.-Nr. 0162 3367046

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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