Adventschmuck

Foto: S. Graedtke

Von einer Leserin erhielten wir ein ganz besonderes Geschenk zum Advent!
Aus alten „Vorschau-Heften“ bastelte sie aus den ausgeschnittenen Blättern und mit Faden verbunden einen Weihnachtskalender mit 24 Sternen. Jeder Stern wurde zudem noch liebevoll bemalt und mit grafischen Strukturen versehen.
Die phantasievolle Umwidmung unseres Heftes in diese Form können wir nur so deuten: Wie himmlisch die „Vorschau“ ist! – Herzlichen Dank!

Einladung zu einer Tasse Jasmintee

„Treten Sie ein,
legen Sie Ihre Traurigkeit ab,
hier dürfen Sie schweigen.“
Dieses Reiner-Kunze-Gedicht aus Heft 11/1968 des Poesiealbums hing früher oft an Wohnungstüren – mit Notizblock und Bleistift am Faden, um in dieser telefonarmen Zeit ein Zeichen geben zu können.
1968 ging ich in die POS. Vor der Schule gab es Tee oder Kakao, letzterer inklusive dieser legendär widerlichen Milchhaut. Milchtrinker war ich keiner – vermutlich eine frühe Form von Lackdose-Intoleranz, bin dann auch nicht Autolackierer geworden. Abends Tee oder eine Limo aus Verdünnungssirup, hergestellt aus abgeraspelter Apfelsinenschale, Zucker und Zitronensäure. Obwohl niemand ständig mit Thermobecher herumlief, sind wir nicht reihenweise vertrocknet vom Hocker geklappt. Heute wird selbst im Standesamt erst mal die persönliche Wasserflasche auf den Tisch gestellt. Wann fing das an?
Aber zurück zum eigentlichen Tee-ma. Tee – neben getrockneten Blüten oder fermentiertem Blattwuchs kommt auch durchaus Überraschendes in die Kanne – sibirischen Schamanen brühen als „Reisevorbereitung“ gerne ein paar Fliegenpilze auf und sind danach oft tagelang im Tee.
Den klassischen Tee entdeckte Kaiser Shen Nung 2737 v. Chr., als er mit einer Tasse heißem Wasser durch seinen Garten schlenderte und ihm ein Blatt hineinfiel. Die größten Kulturleistungen entstehen oft durch unerwartete Zufälle. 1904 füllte der Amerikaner Thomas Sullivan seine Teeproben in kleine Stoffbeutel, um keine teuren Blechdosen verwenden zu müssen. Seine Kunden warfen die kleinen Beutel ins heiße Wasser, im Glauben, dass dies so von Sullivan vorgesehen sei. Der heute übliche Teebeutel wurde erst später von Adolf Rambold, Mitarbeiter bei Teekanne Radebeul erfunden.
Tee ist eines der wenigen Getränke, für das Menschen ihr Leben riskierten. Die Kaiser Chinas schützten ihr lukratives Monopol durch harte Strafen. Mitte des 19. Jahrhunderts beauftragte die British East India Company dann den schottischen Botaniker Robert Fortune mit dem Diebstahl des chinesischen Teegeheimnisses. Fortune verkleidete sich als chinesischer Mandarin – mit Zopf und traditioneller Kleidung. Man könnte sagen: Fortune hatte Fortune. Aber es war neben Glück auch die erstaunliche Dreistigkeit eines Mannes, der sich dachte: „Vielleicht merkt ja niemand, dass ich 20.000 Teepflanzen mitnehme.“ Seine Industriespionage war erfolgreich. Das Tee-Monopol Chinas zerfiel – eine der folgenreichsten wirtschaftlichen Verschiebungen des 19. Jahrhunderts.
Auch die amerikanische Unabhängigkeit hat mit Tee und Verkleidung zu tun – die berühmte Boston Tea Party 1773 war im Grunde nichts anderes als ein massives „Ihr könnt euch euren Zoll-Deal sonstwohin stecken“ – in Form von 342 Kisten Tee, die man mit dramatischem Gestus (und als Indianer verkleidet) ins Hafenbecken warf. Nüchterner betrachtet war es eine sehr, sehr teure Schale erster Aufguss, symbolisch serviert an König George III.
Bei uns trank man sich durch die frühen Jahrhunderte eher in stiller Tradition des Kloster- und Hauskräutertees. Huflattich, Melisse, Salbei – beruhigende Getränke, die mit sanftem Aroma sagten: „Beruhige dich. Leg die Mistgabel weg. Geh wieder nach Hause.“
Passende Mischungen gestatteten es aber auch, mit einer feschen Hildegard mal eine Nacht durchzubingen.
Die industrielle Teekultur erreichte unsere Region dann im 19. Jahrhundert.
In Radebeul nahm sie ihren Anfang durch zwei prägende Unternehmer. 1881 gründete Otto E. Weber seine Firma, die chinesischen Tee sowie „Carlsbader Kaffeegewürz“ vertrieb. 1882 entstand an der Meißner Straße die Firma R. Seelig & Hille, zunächst mit einem Laden für „Japan- und Chinawaren sowie Thee“. Die Firma sicherte sich eins der ältesten deutschen Warenzeichen „Theekanne“ – die zeitgenössische Schreibweise mit „h“, wie sie damals noch üblich war. (Damals wurde in Zeitungen nach Zeilen bezahlt. Also verlängerte man, wo es nur ging: Thee, Thräne, Thal, Thor – jedes Füll-h klingelte in der Kasse. Heute veredeln wir unsere Texte, indem wir coole english words in unsere Sätze mixen, die unsere corporate wording vibes total upliften. Oder so.)
Jedenfalls, in dieser Epoche war Tee weit mehr als nur ein Getränk. Es war ein gesellschaftlicher Moment, den man mit feinem Porzellan, gedämpfter Stimme und der Feierlichkeit einer gepflegten Pause zelebrierte. Nicht nur 17.00 Uhr im britischen Empire, sondern auch in der Lößnitz.
Otto E. Weber verkörperte diesen kultivierten Umgang mit dem Tee besonders eindrucksvoll: 1889 ließ er durch den renommierten Architekten Carl Käfer eine prächtige Villa errichten (siehe V&R 3/2000). Weil Weber regelmäßig Teegesellschaften in diesem Anwesen veranstaltete, gab ihm die Radebeuler Bevölkerung einen prägnanten Namen: das Teehaus.
Diese beiden Unternehmungen – Webers Importgeschäft und die zukunftsweisende Marke Theekanne – legten den Grundstein für Radebeuls Ruf als Standort der deutschen Teekultur. Nach 1945 änderte sich auch hier alles. Der Betrieb wurde enteignet, der Name wanderte westwärts, die Belegschaft blieb größtenteils – und so entstand auf dem Gelände der Otto E. Weber GmbH in Radebeul später der VEB Kaffee und Tee. In den 1960er Jahren holten Radebeuler dort gerne die sperrhölzernen Teekisten ab – begehrt nicht nur als Bastelmaterial. Außen mit exotischen Herkunftsbezeichnungen bedruckt, konnte man mit den Kisten auch ein Stückchen von der unerreichbaren weiten Welt nach Hause tragen. (siehe V&R 5/2024).
Heute werden an der Meißner Straße jährlich über 1,7 Milliarden Doppelkammerbeutel hergestellt – genug, um sechsmal den Weg von Radebeul bis nach Shanghai zu pflastern, aber wer macht schon sowas.
Das Geheimnis des Tees ist nicht nur der Geschmack. Es sind die paar Minuten, in denen nichts passiert. Es geht es um souveräne Haltung und Zeit als Zutat, Gegenpol zur Welt, die immer „sofort“ schreit.
Radebeul ist nicht nur ein Ort des Weingenusses, sondern auch des Tees. Die Stadt hat dieses leicht geneigte Gefälle in Richtung Gelassenheit. Tee ist eine kleine Schule des Lebens. Er zeigt, dass große Dinge aus Ruhe entstehen. Tee bedeutet im Grunde immer dasselbe:
Nimm dir Zeit. Schließe einen Moment die Augen. Sei einfach da. Jetzt darfst du schweigen.
(Bis hierhin erstmal, ich gehe mir nur kurz ein Bier aufmachen…)

Volker Rönsch

Einladung zur Jahresmitgliederversammlung 2026

 

Liebe Mitglieder,

zu unserer Jahresmitgliederversammlung von
Radebeuler Monatsheft e.V. „Vorschau und Rückblick „

am Freitag, den 20. Februar 2026, um 19 Uhr
in das Familienzentrum Radebeul / Gewölbekeller,
Altkötzschenbroda 20

möchte ich Sie ganz herzlich einladen.

Tagesordnung

1. Feststellung der satzungsmäßigen Einberufung und Beschlussfähigkeit der Mitgliederversammlung
2. Feststellung der Tagesordnung
3. Rechenschaftsbericht 2025
4. Kassenbericht für das Jahr 2025
5. Bericht des Kassenprüfers
6. Entlastung des Schatzmeisters
7. Vorhaben für 2026

Wie immer werden wir bei Schnittchen und Wein den Abend ausklingen lassen.

Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag

I.Rau
Vereinsvorsitzende

 

Eine Weihnachtsgeschichte

Er zaubert mir immer noch ein Lächeln ins Gesicht

Nachdem wir einige Jahre in Radebeul Urlaub gemacht hatten, haben wir uns 2023 entschlossen, hierher zu ziehen. Hier fand ich, was ich mir wünschte: Natur, Kultur und Architektur! Ich bin viel spazieren gegangen und habe in Radebeul-Ost in der Hauptstraße auch die Fenster mit den schönen Sprüchen gelesen: „Jedes Lächeln, das du aussendest, kehrt doppelt zu dir zurück.“ Ich war begeistert, und es passte so gut zu der folgenden Geschichte, die ich wirklich erlebt habe:
Morgens trinke ich, Rentnerin (84), gerne meinen Kaffee vor dem Fernseher oder lese die Zeitung. Die Nachrichten machen mich traurig! Immer gehen die Menschen aufeinander los, schlagen, bestehlen sich, morden. Empfinden die Menschen nur Hass, Wut und Gewalt? Nein, es geht auch anders!
Ich schaue auf meinen Schrank – dort steht ein Glas mit einem kleinen Bergkristall. Ich lächle, fühle mich wieder gut und erinnere mich.
2017 habe ich meinen Urlaub wie schon oft in Italien verbracht, kleine Städtchen, Kirchen, Burgen und die Natur genossen und war auch ein paar Tage in Siena. Um zu meinem Hotel zu kommen, habe ich auch am letzten Tag den Bus genommen. Ich hatte einen wunderschönen Tag, ich war glücklich. Dann im Bus, etwa zwei Meter vor mir, sah ich ihn: einen jungen Mann, um die 30, in einem Leinenanzug, Strohhut, den Schal ganz locker über der Schulter, einen Rucksack, blonde Locken, wunderschöne blaue Augen – und ein strahlendes Lächeln. Er strahlte mich an, ich ihn.
Wir haben kein Wort gesprochen, nur uns angelächelt, nur ein „Dich finde ich nett, welch ein schöner Tag“ – ohne Worte! Dann kniete er sich hin, suchte etwas in seinem Rucksack. Wieder ein Lächeln.
Der Bus hielt am Bahnhof. Er musste aussteigen, machte zwei Schritte auf mich zu und reichte mir mit diesem so lieben Lächeln einen winzigen Bergkristall – und stieg aus. Außer meinem erstaunten „Oh“ kein Wort.
Ich weiß nicht, wer er war, woher er kam, ob er Engländer, Däne, Italiener, Deutscher oder, oder war. Er war ein Mensch, der einer Fremden eine Freude machen wollte, der einfach nur nett sein wollte.
Ich denke oft an ihn – mit einem glücklichen Lächeln und der Gewissheit: Es gibt nicht nur Hass. Auch nicht unter Fremden.

Ursula Bauert

Ein guter Platz

Matthias Kratschmer vorgestellt

Der Grafikdesigner Matthias Kratschmer ist ein angenehm zurückhaltender Mensch. Seine „Produkte“ hingegen sind im Radebeuler Stadtraum kaum zu übersehen. Die Plakathalter am Straßenrand mit dem werbenden Spruch „Ein guter Platz“ werden nicht nur von den Autofahrern mehr oder weniger bewusst wahrgenommen. Die Absicht hinter der städtischen Aktion ist unschwer zu erkennen. Dem wilden Plakatieren wollte man eine praktikable Alternative entgegensetzen.

Foto: D. Flechtner

Wer die Lößnitzstadt fußläufig erkundet, wird an verschiedenen Objekten quadratische Plaketten in den Farben des Radebeuler Stadtwappens, weiß-rot-grün, bemerken. Das Motiv erinnert an strukturierte Weinterrassen, wohl auch in Anspielung auf Karl Kröners Essay „Die Lößnitz-Gestalt und Wirkung einer Landschaft“. Wer diese Plakette erhält, gehört zu den Favoriten der Radebeuler Bauherrenpreisverleihung. Auch die Piktogramme mit der stilisierten Weintraube zur Kennzeichnung der Radebeuler Wein-Wanderweg-Routen wurden von Matthias Kratschmer gestaltet. Was so klar und schlüssig wirkt, ist das Ergebnis eines sorgfältigen Entwicklungsprozesses.
In enger Zusammenarbeit mit der Landschaftsarchitektin Katrin Rudloff entstand aus einer Gestaltungsidee für den Kreisverkehr an der Stadtgrenze zwischen Radebeul und Coswig ein markanter Blickfang. Wo hingegen die Städtepartnerschaftsbänke im Rathausareal vermutlich nur wenigen Menschen aufgefallen sein werden. Ihr Schöpfer selbst bezeichnete sie als DatenBänke. Was auch immer er damit gemeint haben mag
Einige Lebensstationen des Radebeuler Grafikdesigners Matthias Kratschmer sollten hier Erwähnung finden. Geboren wurde er 1952 in Gera. Mit der Familie zog er 1963 nach Radebeul, besuchte zunächst die „Gelbe Schule“ (heute OS Kötzschenbroda), später die „Uhrschule“ (heute GS Kötzschenbroda). Das Bootshaus befand sich in unmittelbarer Nähe und der 11-jährige Schüler entdeckte für sich den Rudersport, welchen er bis heute betreibt. In der Gruppe der über 70-jährigen (1000-Meter-Strecke) wurde er 2024 Deutscher Meister im Einer-Rudern und 2025 Europameister im Doppel-Vierer. Dass er die Broschüre zum 100-jährigen Bestehen des Bootshauses gestaltete, scheint nahezu folgerichtig.

Foto: M. Kratschmer

Später erlernte er den Beruf eines Maschinenschlossers, studierte an der TU Dresden Maschinenbau, arbeitete im Kraftwerksanlagenbau in der Bau- und Montagetechnologie und als Laboringenieur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 1982 bis 1987 absolvierte er ein Fernstudium für Produktgestaltung (heute Industriedesign) in Halle an der Burg Giebichenstein. Danach war er bis zu dessen Auflösung als Formgestalter am Institut für Luft- und Kältetechnik tätig. Schließlich wagte er im Jahr 1992, nicht ganz freiwillig, den Schritt in die Selbständigkeit. Seit 1995 ist er Partner im Büro H-Design. Das H steht für den Firmengründer Wolfgang Hartig. Arbeitsschwerpunkte sind Produktentwicklung, Industrie- und Grafikdesign. Die Referenzliste ist lang. Zur Ausstellung “Nützliche Ästhetik“ präsentierten sich im Jahr 2002 beide Designer mit Beispielen ihrer Produktpalette in der Radebeuler Stadtgalerie.
Besonders mit der Kultur- und Werbegilde Altkötzschenbroda entwickelte sich ab 2000 eine fruchtbare Zusammenarbeit. Zahlreiche Informations- und Werbeerzeugnisse, die danach für verschiedene Vereine und Institutionen entstanden sind, tragen Matthias Kratschmers Handschrift. Alle einzeln aufzuführen, würde jedoch diesen Beitrag sprengen.
Mit zwölf Titelbildern wird uns der Grafikdesigner durch das Jahr 2026 begleiten. Die erläuternden Texte hierzu schreibt er selbst und gewährt einen differenzierten Einblick in das Metier seiner Zunft.
Zum Zeichnen ist Matthias Kratschmer verstärkt in der Coronapandemie gekommen. So begann er am 11. März 2020 mit einem grafischen Tagebuch, welches er bis heute führt. Gespiegelt werden Eindrücke und Befindlichkeiten des jeweiligen Tages. Das fertige Werk stellt er abends in seinen Status bei Whats App. Seitdem sind weit über 700, zum Teil colorierte Zeichnungen entstanden, in der Regel Unikate, die von ihm mitunter digitalisiert und weiterbearbeitet werden.
Seine grafischen Blätter sind keine gegenständlichen Abbilder. Linien und Strukturen fügen sich zu seltsamen Gebilden. Die bemerkenswerte Akkuratesse in der Ausführung erfordert Konzentration und eine ruhige Hand. Florale und konstruktive Elemente scheinen auf surreale Weise zu verschmelzen. Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, ist ein umfangreiches Werk an freien grafischen Arbeiten entstanden, die den Designer nicht verleugnen.
Eine vielseitige Werkauswahl zeigte er 2024 zum Thema „Struktur und Farbe“ in einer Zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis. Bereits 2025 folgte eine weitere Personalausstellung in der Lößnitzbar unter dem Motto „Meine grafischen Tagebücher von 2021–2025“. Mehrfach beteiligte er sich an den Themenorientierten Sommerprojekten der Stadtgalerie und den Gemeinschaftsaktionen „Kunst geht in Gärten“. In diesem Zusammenhang, sind auch seine ersten plastischen Kunstobjekte entstanden.

Übrigens hat sich auch für Matthias Kratschmer „ein guter Platz“ gefunden. Die Lößnitzstadt wurde für ihn zum anregenden Lebensmittelpunkt, was nicht zuletzt in seinem künstlerischen Schaffen zum Ausdruck kommt.

Karin (Gerhardt) Baum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Editorial 01-26

Liebe Leserinnen und Leser,
Zwölf Tage und Nächte sind es vom Christfest am 25. Dezember bis zum Fest der Erscheinung am 6. Januar. Genau in der Mitte dieser Zeit schreiben wir – sofern wir der christlichen Tradition folgen – ein neues Jahr, 2026 mittlerweile nach Christi Geburt. Beginnen wird alles mit der Heiligen Nacht. Der Nacht, in der arme Hirten ihren Wert und ihre Würde fühlen und große Könige ihre Demut. Der Nacht, in der die Liebe zur Welt kommt und mit ihr der Frieden, gegen den Augenschein und vor allem gegen die so augenscheinliche Finsternis. In der langen Dunkelheit gerade dieser Nacht wird das Licht geboren. Wir selbst können neu das Licht der Welt erblicken, wenn wir in die Augen unserer Lieben schauen oder wenn wir in den Kirchen als Menschen zusammenstehen und singen, was sich niemand von uns ausdenken könnte: „Welt ging verloren, Christus wird geboren“.
Es sind die sanften Kräfte, die sich durchsetzen werden. Darauf liegt Segen, auf der schlichten Menschlichkeit, auf dem kleinen Kind, auf dem Mann und der Frau an der armseligen Krippe und bald schon auf der Flucht. Es liegt kein Segen auf dem Gebrüll, auf nationalistischen Parolen, auf der Abwertung oder Ausgrenzung anderer Menschen, auf der Gewalt nicht und nicht auf der zwanghaften Selbstdurchsetzung bis hin zum Krieg. Damit kann man kurzfristige Vorteile erzielen oder sich selber stark fühlen, aber niemals wird Segen darauf liegen.
Wenn uns der Grund des Lebens aus den Augen eines Neugeborenen anschaut, bittet er um ein neues Menschsein. Da braucht es nicht viele Dinge. Nur einfache, offene Herzen für das, was Gott uns damit gesagt hat. Ich rate gern dazu, sich nicht allzu sehr mit Äußerlichkeiten davon abzulenken. Denn nichts anderes kann uns Menschen retten.
Ich wünsche Ihnen, was immer Sie persönlich glauben, Gottes Segen für diese Tage und für das kommende Jahr!

Christof Heinze, Pfarrer der Lutherkirchgemeinde Radebeul im Kirchspiel in der Lößnitz

Mit Michael Wüstefeld poetisch durch das Jahr

Zur Titelbildserie

Winzerhäuser Dezember 2025

Wir kommen zum letzten Beispiel der Reihe von Radebeuler Winzerhäusern, dem Haus Breitig, Maxim-Gorki-Straße 22 in Oberlößnitz. Es ist ein großer, zweigeschossiger Fachwerkbau mit hohem Walmdach, der wohl um 1650, also nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet wurde. Ob es einen Vorgängerbau gab, läßt sich zZ. Nicht schlüssig nachweisen.

Der Name Haus Breitig erinnert an die Besitzerfamilie Breitig, die es von 1897 bis 1952 besaß. In den 70er Jahren des 20. Jh. stand es lange leer und war dem Verfall nahe, als es Familie Jäger 1984 kaufte. Der Familie von Prof. Dr. Wolfram Jäger ist es zu verdanken, dass dieses charakteristische Winzerhaus bis 1990 unter denkmalpflegerischen Auflagen saniert und damit gerettet werden konnte. Nach ausführlicher Diskussion wurde der westliche Stallanbau abgerissen und statt der vorgefundenen Fledermausgaupen neue Schleppgaupen, die für das 17. Jh. typischer waren, hergestellt.

Südlich des Hauses stehen wieder Reben, die daran erinnern, dass es vor dem Reblausbefall nördlich des Anwesens viel mehr Weinzeilen auch im Steilhang gab. Ich danke auch Familie Lukas in der Maxim-Gorki-Straße gegenüber, die mir zu einem erhöhten Fotostandort verhalf. Wer mehr zu diesem Gebäude wissen möchte, schlage bitte in Vorschau & Rückblick 05 / 2024 und 06 / 2024 nach.

Damit ist die diesjährige Reihe zu Winzerhäusern abgeschlossen. 2026 werden im gewohnten Wechsel unsere Titelbilder wieder mit Grafiken versehen sein. Wir freuen uns auf die Arbeiten des Radebeuler Künstlers und Grafikdesigner Mathhias Kratschmer.

Dietrich Lohse

Nachlese – Zur Autorenlesung mit Michael Wüstefeld

Es ist nunmehr eine schöne Tradition geworden, mit unserem „Jahrespoeten“ über das gedruckte Wort hinaus eine Veranstaltung zu organisieren.

Foto: S. Graedtke


Nachdem wir schon zu unserer „35 Jahr-Feier“ im Mai eine kleine literarische Kostprobe hören durften, bot sich nun am 7.11. die Gelegenheit zur ausführlichen Autorenlesung mit dem Schriftsteller Michael Wüstefeld im stimmungsvollen Kellergewölbe des Familienzentrums in Altötzschenbroda.

Im gut gefüllten Saal versammelte sich eine Schar interessierter Bürgerinnen und Bürger, um älteren und jüngeren Geschichten und Gedichten zu lauschen. Dabei entführte er die Zuhörer u.a. zu einem Aufenthalt in Paris noch vor dem Mauerfall oder in die längst verschwundene, einst verzweigte Kinoszene in Dresden. Aus den Erzählungen heraus entspann sich im Anschluss an die Lesung ein lebhaftes Gespräch, in dem Erinnerungen und Gedanken ausgetauscht wurden.

Mit unserem Dezemberheft verabschieden wir uns nun mit einem großen Dank an Michael Wüstefeld!

2026 setzen wir unsere Lyrikreihe fort – mit wem? – bleiben Sie gespannt!

Sascha Graedtke

Radebeuler Miniaturen

Fortgesetzter Versuch

Beleidigt und mit dem Rücken zum Tagesgeschehen sitzt der Kater unter dem Tisch. Er hat noch nie – wirklich: noch nie! – etwas von einer gedeckten Kaffeetafel gehört, und er hat natürlich auch keine Ahnung, was ein Milchkännchen ist. Das aber ist umgekippt, mitten auf dem Tisch einfach umgefallen, als er gerade allein im Zimmer war.

Typisch Mann, lacht Susanna, dem ist der Schriftzug „war ich nicht“ von Geburt an gut lesbar auf die Stirn geschrieben, wie übrigens euch Zweibeinigen auch …

Ihr habt doch, fährt sie nach einer Weile fort, den Zeigefinger nur, um von euch weg auf den „wahren“ Schuldigen zu weisen.

Leider hast du recht, entgegne ich, da muß bei der Schöpfung etwas völlig danebengegangen sein.

Siehst du, lacht Susanna aufs Neue, statt dir die Kraft zu wünschen, dich zu bessern, gehst du aufs Ganze und schiebst die Schöpfung selber vors Loch – wenn die schief ging, kann Mann natürlich nichts machen …

Laß mich bitte einmal ausreden, sage ich, du weißt doch, was geschrieben steht: Der alte Adam hat sich – was übrigens so schwer nicht war – von Eva überreden lassen. Na und danach bemerken sie, daß sie nackt sind und verstecken sich. Aber der Schöpfer findet sie natürlich, weil das in seinem Plan so vorgesehen ist. Und er stellt die peinliche Frage, hast du etwa …??

Na, und was sagt dieser Tropf?!

Ja, ruft er, ja, ich habe! und es hat geschmeckt und ich wills immer wieder haben –

Hätte er jedenfalls rufen können. Stattdessen fährt er den Zeigefinger aus: Das Weib, das Du mir zugesellst hast …

Auf die Weise hat er gleich zwei Instanzen vor sich, die die Verantwortung übernehmen sollen. Kurioser Weise nennt er an erster Stelle „das Weib“, das beherrschen zu können er sich ja sonst anmaßt (hat „es“ mit der „Verführung“ also nur seinen eigenen Willen erfüllt?).

Gott aber schickte die beiden zum Arbeiten nach draußen, schloß die Türe zu und hatte endlich wieder seine Ruhe. Zufrieden schlenderte er durch seinen Garten und sah, daß es sehr gut war.

Ja – und seither haben wir das Problem mit dem Zeigefinger.

Susanna staunt. Schön gesagt – aber nun kommts drauf an, was du draus machst. Zum tausend und was weiß ich wievielten Mal gibt der Advent Gelegenheit zu einem Neuanfang.

Ich wage einen Scherz: Tausend und wieviel?? – der da oben muß eine Geduld haben …!

Abermals behält Susanna lachend das letzte Wort: Er?? fragt sie spitz – Sie!!!

Vom nahen Kirchturm klingt Glockengeläut herüber – und das erste Lichtlein brennt …

Thomas Gerlach

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