Gelungener 47. Radebeuler Grafikmarkt

Man muss es gleich voranstellen: der diesjährige Grafikmarkt war wirklich gelungen, auch wenn man die schwierige personelle Ausgangslage bedenkt.

Natürlich könnte man allerlei Kritikpunkte finden, wenn man denn wöllte, und Öl ins Feuer gießen. Aber wem bringt das etwas? Aus Fehlern sollte man lernen und nicht immer so ein großes Geschrei provozieren. Unbedingt verbesserungsbedürftig sind allerdings zwei Dinge: Beleuchtung und Belüftung.

Sehr gefreut habe ich mich jedenfalls über den Zuspruch, welchen der diesjährige Grafikmarkt gefunden hat, und ich finde es bemerkenswert, dass die Stadtverwaltung als Veranstalter, nach wie vor zu „ihrem“ Grafikmarkt steht. Immerhin wird dieser „kunstlastige“ Markt trotz einiger Turbulenzen seit 1979 ohne Unterbrechung fortgeführt.

Ein Blick hinter die Kulissen offenbart, welcher Aufwand betrieben werden muss, um eine Ballspielhalle in eine Ausstellungshalle umzurüsten. Zirka 900qm schützenden Fußbodenbelag gilt es auszulegen und weit über 100 Stände aufzubauen, die dazu benötigten Ausrüstungsgegenstände dafür vorzuhalten bzw. anzumieten. Städtische Hausmeister, Mitarbeiter des Kulturamtes, Künstler und viele ehrenamtliche Helfer haben dabei mit angepackt.

Veranstaltungen wie der Radebeuler Grafikmarkt mit so einer langen Tradition sind rar. Wenngleich Improvisation gefragt ist und für jeden Künstler nur wenig Platz zur Verfügung steht, ist das Interesse, daran teilzunehmen, ungemindert groß. Besonders geschätzt wird sowohl von den Künstlern als auch vom Publikum die anregende Atmosphäre, welche sich nicht im Kommerziellen erschöpft. Vor allem die Kommunikation, das Knüpfen von neuen als auch das Auffrischen von alten Kontakten, der fachliche Austausch zwischen den Künstlerkollegen und die unmittelbare Resonanz des Publikums zeichnen den Grafikmarkt aus.

Bereits um 10 Uhr strömten am 2. November die ersten Besucher in die Halle. Die Fülle der Angebote war herausfordernd. Viele neue Künstlerinnen und Künstler konnte man entdecken. Der Flyer diente der Orientierung vor Ort und bot darüberhinaus die Möglichkeit zur vertiefenden Recherche im Internet. Die Schaudruck-Vorführungen von André Uhlig waren wieder dicht umlagert und die Serviceleistungen vom Passepartoutschnitt bis zur fachgerechten Verpackung wurden gern in Anspruch genommen. Die Sammlung von Familie Friedrich präsentierte aus ihrem Bestand 33 Radebeuler Grafikmarkt-Plakate, welche von 1979 bis 2001 entstanden sind. Auch das Künstlercafé, das vom Förderkreis der Stadtgalerie bewirtschaftet wurde, war sehr gut frequentiert. Und der selbstgebackene Kuchen hat nicht nur gut geschmeckt, er diente auch noch einem guten Zweck, denn der Spendenerlös kommt der Städtischen Kunstsammlung zugute.

Markus Retzlaff im Gespräch mit einem Interessenten
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Ausstellung »Radebeuler Grafikmarktplakate« (Detail)
Foto: K. (Gerhardt) Baum

André Uhlig in Aktion an der Druckpresse
Foto: K. (Gerhardt) Baum

Der unwirtliche Monat November scheint dafür prädestiniert zu sein, sich verstärkt der Kunst und den Künstlern zuzuwenden. So findet jeweils am ersten Sonntag im November der Radebeuler Grafikmarkt statt, am zweiten Wochenende folgt der Dresdener Grafikmarkt und am dritten Sonntag des Monats öffnen sich in Dresden und Umgebung zahlreiche Ateliers und Künstlerhäuser. Wer den „Kunstmarathon“ in diesem Jahr verpasst haben sollte, kann sich schon immer einen Vermerk im Terminkalender des Jahres 2026 eintragen.

Karin (Gerhardt) Baum

Editorial 12-25

In den letzten Jahren veröffentlichten wir mit großer Resonanz mehrere Zuschriften zu historischen Läden in Radebeul, die zumeist bereits seit vielen Jahrzehnten der Vergangenheit angehören.

Geht man heute durch die Einkaufstraßen von Radebeul Ost und West, dann wird offensichtlich, wie der Wandel bis ins Gegenwärtige reicht.

Einige Schaufenster stehen seit langem leer, neue Läden ziehen in diesen Zeiten nur mit Mühe ein.

Selbstredend, das Einkaufsverhalten hat sich verändert und die Verlockungen des Digitalen sind nicht zu verleugnen. Da braucht es schon eine besondere Geschäftsidee.

Im zu Ende gehenden Jahr sind in Radebeul Ost nun gleich zwei Geschäftsschließungen zu beklagen, wofür die Gründe aber unterschiedlicher Natur sein mögen.

Nach 44 Jahren schließt das traditionsreiche „Fotoatelier Meissner“ zum 12.12.2025 seine Pforten. Kaum auszudenken, wieviele Generationen sich hier in allen Lebensphasen ablichten ließen.

Zudem hatte bereits Anfang November nach 28 Jahren der „Kopiershop Schwalbe“ seinen Laden im Rahmung einer veränderten Geschäftsstruktur geschlossen. Unsere „Vorschau“ hatte seine Dienste für zahllose Veranstaltungen gern in Anspruch genommen.

Beiden Ladeninhabern sei im Namen aller Radebeuler für die vielen treuen Jahre ihres Bestehens nochmal herzlich Dank gesagt!

Bald wird es auch über sie Erinnerungsgeschichten geben. Und so vergeht die Zeit…

All unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir eine friedvolle Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins kommende Jahr!

Sascha Graedtke

Korrespondenz aus der Nachbargemeinde

Da stehe ich nun auf der Brühlschen Terrasse, die Elbe plätschert träge dahin. Im Geländerüberlehnen winkt herbstgrautrübe das Spitzhaus. Von der Lese ließe lößnitzfern sich mir ein Glas Traminer träumen, was auf zwei Fragen käme: Wann in den Neuzigeruffzich hatte ich zum letzten Mal die Puppentheatersammlung im Hohenhaus besucht? Und warum fand das Lügenmuseum bislang keinen Platz im Kraftwerk Mitte, wo Radebeul doch Plätze hätte?? Verzeihn Sie mein Herr, warum hält kaum ein Zug noch in Kötzschenbroda???

Neulich hatte ich den allerneusten Umstieg von der 9 in die 4 verpasst, das WATZKE in Altpieschen nahm sich meiner an. Jeden Monat hat es dort ein besonderes Bier. Wer mag, kann dahin auch herbstruhig spazieren. Bei mir gänge die Sonne ein paar Sekunden früher auf.

Bis dahin

Euer Tobi

Mit Michael Wüstefeld poetisch durch das Jahr

Zur Titelbildserie

Winzerhäuser




Unterhalb vom Jacobstein und nahe bei Schloss Wackerbarths Ruhe befindet sich an der Straße Am Jacobstein 40 das Haus Fliegenwedel. Der einprägsame Hausname dürfte noch im 18. Jh. entstanden sein. Die Ursprünge des Winzerhauses liegen im 17. Jh., wie ein Verkauf von 1674 an Oberlandrentmeister Rode belegt, während die heutige Ansicht mit Zwerchgiebel auf der Südseite durch einen Umbau von 1750 hauptsächlich barocke Formen zeigt.
Ein weiterer Besitzer war der Hofböttchermeister Jacob Krause gewesen, der 1743 den Jacobstein an der oberen Hangkante errichten ließ. Durch Parzellenverkäufe im Laufe der Zeit gehört dieses Lusthaus heute aber zum Imperium des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth. Das Winzerhaus glich bis 1750 einigen anderen Winzerhäusern der Lößnitz mit einem einheitlich steilen Walmdach und 5 Fensterachsen auf der Südseite – der 1750 dazugekommene, auffällig geschweifte Giebel hebt es aber aus der Masse der Winzerhäuser heraus und stellt so ein Erkennungsmerkmal dar. Dagegen ist der westliche Anbau von 1862 eine Raumerweiterung in angepasster Bauform. Die charakteristische Fensterordnung der Südseite, eine Mittenbetonung der Fenster mit Dreiergruppe im DG und Fünfergruppe im gehobenen EG und der barocken Außentreppe auf der Ostseite sowie der in barocker Form gestaltete Garten davor sind hier prägnante Details. Die Fassadenfarbe blassrosa ist etwas ungewöhnlich, soll aber auf Befunden basieren. Auf einem Stück des ursprünglich größeren Weinbergs bauen die heutigen Eigentümer, der Architekt Werner Hößelbarth und seine Frau, die das Grundstück in den 80er Jahren in sehr schlechtem Zustand erwarben, wieder Wein an und keltern ihn auch selbst.
Auch hier also ein Winzerhaus, wo Wohnen und Wein auf glückliche Weise wieder zusammen gekommen sind!

Dietrich Lohse

 

Antiglosse?

Jetzt muss endlich mal Schluss sein mit dem Gemecker und Gemotze! Die Bahnhofstraße: keine Parklücken, die kleinen Läden sterben aus, da die zahlreichen Kunden nicht direkt und alle gleichzeitig bis vor das Schaufenster mit dem Auto kommen, die Stadtkultur: ohne Konzept, alle Künstlerinnen und Künstler frustriert, das Lügenmuseum: … ach … Es reicht!
So fühle ich mich nun genötigt, eine Glosse – im wahrsten Sinne des Wortes – den Glossen von Herrn Motzi an den Seitenrand zu schreiben.
Radebeul ist so schön, und Vieles an Positivem ist erreicht oder es wird daran gearbeitet.
Wenn man durch die Straßen läuft, so springt es uns – wie der Hund hinterm Gartenzaun – förmlich an: Unsere Stadt ist viel, viel schöner geworden. In meiner Kindheit schlummerten hinter wucherndem Grünzeug halb verfallene Häuser und Villen. Die Wege und Straßen löchrig, verkrautet und sandig. Und heute? Fast alle Häuser sind hübsch hergerichtet, in die Unkrautecken und Brachen der Stadt (und selbst in Ecken, die gar keine sind) wurden wunderschöne neue Häuser gebaut, modern, der Beton in geraden Linien, kein Gramm Material zu viel. Das belebt doch vortrefflich das altmuffige Stadtbild. Stählerne Zäune und Mauern mit Sandsteinoptik schaffen endlich Klarheit. Die meisten Wege und Straßen sind ordentlich asphaltiert, gepflastert, akkurat von Bordsteinen begrenzt und lassen nun endlich keinen Raum mehr für Pfützen, in denen man sich nass oder gar dreckig machen kann. Toll! Die Kinder spielen doch heute lieber an ihren Plaste-Rutschen oder auf Riesen-Trambolins auf dem englischen Rasen in ihrem Gartenabteil der elterlichen Eigenheimparzelle, statt in Pfützen mit Hölzchen und Papierschiffchen und Regenwürmern. Igitt!
Apropos Hund: Es ist doch mit Freude festzustellen, wie tierlieb unser Radebeul geworden ist. Man trifft auf der Straße kaum noch eine Familie, die nicht einen Hund mit sich führt. Gerade in einer Stadt fühlen sich doch die Vierbeiner wie in ihrem Element.
Die Hinterlassenschaften des Tieres auf Gehwegen und in Parkanlagen werden von den verantwortungsbewussten Tierliebhabern natürlich ordnungsgemäß irgendwohin entsorgt.
Die Anzahl der Hunde hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Es freuen sich über dreifachen Umsatz die Radebeuler Fachgeschäfte für Tiernahrung und vor allem der Fiskus über die entsprechende Steuer, wovon die Stadt Radebeul wieder viele schöne Sachen finanzieren kann.
Zum Beispiel die Infrastruktur. Alle Bemühungen richten sich danach, immer mehr und immer größeren Autos die Fahrt um die Ecke und zum Einkaufsmarkt, ja zu allem Fortschritt und Wachstum zu ermöglichen. Und da all die fahrbaren, schön anzusehenden Symbole unseres wohlverdienten Wohlstandes auf ganz natürliche Weise leider auch unser Straßennetz hier und da etwas verschleißen, ist unsere Stadt immer sofort zur Stelle und repariert und flickt und asphaltiert, wo es nur geht. Ein Heer von Straßenbauarbeitern hat so das ganze Jahr über ihr ordentliches Auskommen. Und nicht zu vergessen, die Hersteller und Verleiher von Absperreinrichtungen und Straßenschildern. Das kurbelt doch auch und besonders hier in Radebeul die Wirtschaft an. Noch einmal und: OrtsansässigInnen lernen so ihre Heimatstadt bei ungeahnten Routen immer wieder neu kennen, und die Gäste entdecken – jenseits von ihren tunnelblickartigen Navi-Ansagen – die schönsten Sackgassen von Radebeul.
Denn bei allem liegt unserer Stadt natürlich die Sicherheit der Autofahrer besonders am Herzen.
Ein Beispiel: Ist es nicht eindrucksvoll, wie unzählige Ampeln fast die gesamte Pestalozzistraße entlang auf Rot schalten, sobald der Lößnitzdackel im Haltepunkt „Weißes Roß“ einfährt? Obwohl die Gleise immer schön parallel dem Straßenverlauf folgen und eine Kollision Auto-Eisenbahn gar nicht möglich ist, bleibt der Straßenverkehr stehen. Sicher ist sicher. So kommt mal Ruhe rein und man kann genießen, wie die historische Eisenlok vorüberdampft. Es ist doch schön, dass sich unsere Stadt Radebeul so eine Sicherheitsanlage leisten kann!
Wer jetzt vermutet, dass die VerantwortlichInnen den Verkehrsteilnehmern das vorausschauende, eigenverantwortliche Fahren abgewöhnen wollen, liegt völlig falsch. Das beste Beispiel ist der Bahnübergang des Lößnitzdackels an der Weinbergstraße. Dort, wo überhaupt gar nichts einsehbar ist, hat man extra das Stopp-Schild für die Autofahrer entfernt, warum? Jaaa! Um deren Aufmerksamkeit, das Mitdenken pädagogisch zu fördern!
Ach, da gibt es noch viel Schönes von Radebeul zu berichten. Nicht wahr, Herr Motzi?

Ihre Susi Sorglos

Radebeuler Miniaturen

In die Luft gegriffen

Andere fahren in Urlaub.
Mir genügt es, allemal zum Weinfest in K. mit Susanna eine Weltreise auf Georg Trabers Musik-Karussell zu unternehmen und danach noch von Stand zu Stand schlendernd den vergorenen Sonnenschein des vergangenen Jahres zu genießen.
Mal dankbar, mal notgedrungen sehen wir dabei auch die zahlreichen Begegnungen als Bereicherung. Wie sonst am Faß, erfahren wir bei solcher Gelegenheit allerhand Erstaunliches.
Zuerst ist da natürlich das nicht enden wollende Lob des Weines, für den wir ja alle hier sind – auch wenn der Trend dahin geht, dem edlen Saft den Geist zu entziehen. Dem Licht im Glase geht dabei freilich nichts verloren.
Wie aus dem Nichts steht Klaus neben uns. So schön vergoren mags gehen, lacht er, da ist das Gift raus, das übers Jahr auf die Reben verteilt wird.
Geht wohl nicht ohne, sag ich leise, Monokulturen brauchen fremde Hilfe.
Mag sein, mag sein, kontert Klaus, aber wenn das Zeug von Drohnen aus undifferenziert übers Tal versprüht wird, ohne Rücksicht auf Wäscheleinen und Kaffee trinkende Rentner, da ist für mich eine Grenze überschritten.
Drohnen? Frage ich – werfen die sonst nicht Bomben?
Klar, aber manchmal wollen sie auch bloß intime Bilder schießen … Na, nichts für ungut. Und schon ist er in der Menge verschwunden.
Mit einer Flasche aus dem eigenen Keller sitzen wir später bei Susanna auf der Terrasse, um den Tag ausklingen zu lassen. Die späte Herbstsonne bringt die Gläser noch einmal zum Leuchten.
Sieh dort, ruft Susanna plötzlich, da fliegt wieder eine – jetzt geht’s wohl wieder nur um Bilder – im Sommer hab ich aber deutlich und mehrfach die Sprühwolken gesehen, von denen vorhin die Rede war …

Ist wirklich das eine nicht ohne das andere zu haben??

Thomas Gerlach

Tagesfahrt des Lößnitzchors e.V. Radebeul

 

Tagesfahrt nach Seiffen, Foto: W. Papke

Die Vorfreude war groß, als sich am Morgen des 16.8.2025 die Sängerinnen und Sänger unseres Chores sowie einige Familienmitglieder am Bus einfanden, um auf die angekündigte Tagesfahrt zu starten. Das Ziel, Seiffen im Erzgebirge, war allen bekannt. Das weitere Programm des Tages war jedoch noch weitgehend geheim. Alle nötigen Informationen erhielten wir während der Busfahrt.Diese war durch Beiträge vieler Mitreisender zum „Tag des Witzes“ zuweilen sehr unterhaltsam.
Am Zielort angekommen, erhielten wir eine Führung durch die Werkstatt der Kunsthandwerkerin Eva Beyer. Diese erzählte uns sehr viel Interessantes zur Herstellung ihrer Räucherfiguren und verdeutlichte uns, wie viel Arbeit und Zeit investiert werden muss bis eine fertig ist. Die vielen detailreichen Darstellungen verschiedenster Berufe und Kreaturen in ihrer Schauwerkstatt entlockten dem einen oder anderen von uns ein Lächeln. Mit einem Ständchen bedankten wir uns für die tolle und informative Führung.
Nach dem Mittagessen im Hotel Heidelberg und einer anschließenden Fahrt mit dem Bus rund um Seiffen war unser nächstes Ziel der Schwartenberg. Dort konnten wir die Aussicht genießen und in der Schwartenbergbaude ein leckeres Kaffeetrinken zu uns nehmen. Unterhalten wurden wir dabei vom Besitzer des Hauses, der uns mit Fragen zu unserer Heimat Dresden und Radebeul herausforderte.
So gestärkt, war es nun Zeit für den Höhepunkt des Tages. Wir hatten die Gelegenheit, in der Bergkirche Seiffen ein Konzert zu geben. Die Akustik in der aus Holz erbauten und gut besuchten kleinen Kirche verlieh unserem Chorgesang ein besonderes Ambiente und bereitete allen Anwesenden musikalischen Hochgenuss. Nach dem Konzert ging es dann mit schönen Erinnerungen an die Erlebnisse des Tages wieder zurück nach Radebeul.
Dieses besondere Konzert noch gut in Erinnerung, lädt der Lößnitzchor nun zum traditionellen Adventskonzert in die Emmauskirche in Dresden-Kaditz ein. In diesem Jahr findet das Konzert am 29.11.2025 um 17 Uhr statt. Es werden traditionelle und moderne Weisen rund um diese ganz besondere Zeit im Jahr erklingen. Bereichert wird das Konzert außerdem durch Einstudierungen unseres kleinen Ensembles, der Gruppe „fEinklang“. Die musikalische Leitung liegt bei Erik Weisheit. Der Eintritt ist frei, um eine Spende am Ausgang wird gebeten.
Wer solchen Konzerten nicht nur lauschen, sondern sie aktiv als Sängerin oder Sänger mitgestalten möchte, ist herzlich zur unverbindlichen Teilnahme an einer Probe eingeladen. Wir proben immer montags von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr in der Aula des Lößnitzgymnasium auf der Steinbachstraße 21 in Radebeul. Um eine vorherige Anmeldung per Mail an gloeckner@loessnitzchor.de wird gebeten.

Laura Hackeschmidt

 

Mai 1945

Aus den Aufzeichnungen des Altbauern Max Klotzsche, Schluss
80 Jahre nach Kriegsende druckt die ›Vorschau‹ Auszüge aus zeitgenössischen privaten Aufzeichnungen des Serkowitzer Ortschronisten Max Klotzsche über seine Eindrücke aus jenen Maitagen in Radebeul. Anders als die zu DDR-Zeiten gedruckten Zeitzeugenberichten, musste Klotzsche die dunklen Schattenseiten der ersten Nachkriegswochen nicht beschweigen:
In den Nachmittagsstunden des 8. Mai setzte eine wüste Jagd auf Frauen und Mädchen aller Altersstufen durch die teilweise betrunkenen Russen ein, die sich in den Abend- und Nachtstunden bedeutend steigerte. Die Roheit der Wüstlinge kannte keine Grenzen. Zwölfjährige Mädchen und Frauen bis zu 68 Jahren wurden vergewaltigt, und wenn Ehemänner oder Mütter den Opfern beistehen wollten, so wurden dieselben misshandelt und mit dem Revolver bedroht und in einzelnen Fällen auch niedergeschossen. Auch der Straßenraub war am Dienstag, den 8. Mai und den folgenden Tagen und Wochen zur Tagesordnung geworden. Einzelne Personen wurden von der russischen Soldateska auf der Straße angehalten, auf Uhren und Wertsachen untersucht und dieselben fortgenommen, Radfahrer angehalten und, wenn das Rad noch gut war, einfach weggenommen.
Um Schutz und eventuell Abhilfe von diesem widerwärtigen Treiben zu erreichen, begab ich mich am anderen Tag in das Rathaus zu dem als vorläufigen Oberbürgermeister von Radebeul eingesetzten kommunistischen Schriftsetzer Phillip. Im Rathaus herrschte ein turbulentes Durcheinander; ich traf den Oberbürgermeister im Gespräch mit Arbeitern, die sich beschwerten, dass auch ihre Wohnungen und Frauen von den russischen Räubereien und Gewalt nicht verschont blieben. Ich hörte, wie Oberbürgermeister Phillip den Arbeitern den Rat gab, den russischen Soldaten verständlich zu machen, dass hier Proletarier wohnen, und zu zeigen, in welchen Häusern Kapitalisten und Nazis wohnten; nur durch solche Selbsthilfe könnten vorläufig erträgliche Zustände für die Arbeiter herbeigeführt werden. Mir selbst gab er den Rat, die Mädchen und Frauen abends in die Pestalozzi- oder Roseggerschule zu schicken, wo Platz und Schlafgelegenheit auf den Fußböden zu finden sei. Mehr könne er z.Z. nicht tun.
Diese chaotischen Zustände änderten sich in den folgenden Tagen in keiner Weise. Im Gegenteil, die bisher in deutschen Betrieben arbeitenden Polen und Ukrainer sammelten sich zum Abtransport in ihre Heimat und stahlen mit Hilfe russischer Soldaten alle möglichen brauchbaren Sachen und Einrichtungsgegenstände, die sie auf ebenfalls gestohlenen Wagen verstauten und nach den Verladebahnhöfen schafften. Die deutschen Einwohner waren mutlos und mussten sich dies alles ruhig gefallen lassen. Die kommunistischen Behörden zuckten hierzu die Achseln und sagten auf Beschwerden hin, die deutschen Soldaten hätten es im Kriege mit der polnischen und russischen Bevölkerung auch nicht anders gemacht.
Von Freitag, den 11. Mai ab mussten in Radebeul die Villen ganzer Straßenzüge geräumt werden, um die russischen Stäbe und ihre Verwaltungen unterzubringen. Besonders wurden hiervon die Straßen in Oberlößnitz, in der Gegend des „Weißen Roß“ und der Zillerstraße betroffen. Die Eigentümer mussten meist in kürzester Frist – 1 bis 2 Stunden – die beschlagnahmten Räume freistellen und alle Einrichtungsgegenstände zurücklassen. Die Möbel, Betten, Teppiche, Radiogeräte u. a. wurden von den russischen Offizieren samt ihren »Damen« und auch von den deutschen Kommunisten ausgetauscht, verschleppt und auf Lastkraftwagen oder mit der Eisenbahn nach Russland abtransportiert.
Am 12. Mai traf auf den Serkowitzer Elbwiesen eine von den Gütern der Großenhainer und Meißner Gegend stammende Viehherde von etwa 400 bis 500 Rindern, 300 Schafen und einer Anzahl Pferden ein und weidete daselbst etwa 14 Tage lang. Nach Abtrieb blieben noch etwa 30 bis 40 Rinder und Schafe zurück und wurde diese Herde nach Bedarf zur Schlachtung gebracht und durch neuen Zutrieb aufgefüllt. Erst Ende November wurde das Vieh abgetrieben und im Stadtgut Altserkowitz 4 eingestellt.
Die in der Lößnitz untergebrachten Truppenstäbe benötigten einen Flugplatz und wurde ein solcher vom 14. Mai ab mit zwei Rollbahnen auf den Serkowitzer Elbwiesen eröffnet. Zu diesem Zweck wurden alle Bäume auf diesem Gelände abgesägt, u. a. auch die von mir im Jahre 1937 angepflanzten und jetzt ertragsfähig gewordenen 14 Pflaumenbäume. Von Mitte Mai bis Anfang Juni herrschte ein reger Flugbetrieb, durchschnittlich waren 30 Flugzeuge immer auf dem Flugplatz anwesend. Durch den auf zwei Rollbahnen durchgeführten Flugbetrieb und die Hinfahrten wurde den Serkowitzer Bauern sowohl die Heu- als auch die Grummeternte vollständig vernichtet.
Mitte Mai begann der Russe die viergleisige Eisenbahnstrecke von Dresden-Hauptbahnhof bis Coswig abzubauen, indem die Schienen und Schwellen von drei Gleisen herausgerissen, auf Waggons geladen und nach Russland abtransportiert wurden. Zu diesem Zweck mussten auf Befehl der Ortskommandantur täglich über 1.000 Männer und Frauen zur Fronarbeit gestellt werden. Tagtäglich wurden durch russische Soldaten Männer und Frauen von der Straße, von den Feldern, Gärten und sonstigen Arbeitsplätzen zwangsweise zusammengeschleppt. Im September war dieses Zerstörungswerk vollendet, seitdem wird der Eisenbahnbetrieb eingleisig notdürftig durchgeführt. Auch fast alle Fabriken in der Stadt Radebeul wurden, wie überall in der russischen Besatzungszone, von der russischen Administration beschlagnahmt und abgebaut, indem die Maschinen, Anlagen, Betriebseinrichtungen usw. herausgerissen, verpackt und mit der Eisenbahn nach Russland überführt wurden.

Frank Andert

Michael Hofmann und seine künstlerischen Farbglasfenster

Der Künstler im Atelier, Foto: D. Lohse

Michael Hofmann kenne ich nun schon eine ganze Weile, etwa seit seinem Umzug 1999 nach Radebeul. Wir sind beide im Jahr 1944 geboren und inzwischen befreundet. Mein Interesse für seine Kunst galt bisher seinen drucktechnischen Arbeiten, den Farbholzschnitten, von denen zwei Blätter in meiner nun zurückliegenden Ausstellung in der Hoflößnitz zu sehen waren. Natürlich wusste ich, dass er als akademisch ausgebildeter Maler (1969-74 an der Dresdner Kunstakademie studiert und bis 1976 Meisterschüler bei Prof. Bondzin) noch weitere Techniken beherrscht, Grafik und verschiedene Arten Malerei und seine Themen in der Landschaft, bei Architektur und Menschen findet. Neu dagegen war für mich, dass er auch Farbglasfenster für Kirchen und andere öffentliche Bauten entworfen und ausgeführt hatte.
In einem zwanglosen Gespräch in seinem Atelier betont Michael, dass die Idee sich für Glaskunst zu interessieren beim Betrachten von Bildern des französischen Künstlers Fernand Léger geweckt wurde. Praktische Übungen zur Glaskunst machte Hofmann dann im Studium (betreut durch Prof. Stengel). Er unterstreicht, dass Farbglasfenster in den Jahren seines Schaffens eigentlich immer ein Thema waren, nur dass die Öffentlichkeit davon kaum etwas wahrnahm, anders als bei Bildern auf Papier und Leinwand, die wir aus vielen Ausstellungen kennen. Insofern ist das hier mit der Glaskunst etwas anders als z.B. bei Gerhard Richter oder Neo Rauch, die in Köln und Naumburg Kirchenglasfenster geschaffen haben, um in ihrem Schaffen noch einen anderen Akzent zu setzen. Halten wir also fest, für Michael Hofmann war die Kunst der geschnittenen und gemalten Bilder immer genauso wichtig, wie die Farbglasfenster. Diese ergaben sich aber in größeren, unregelmäßigen Zeitabständen, während künstlerische Bilder in seinem Atelier stets in Arbeit waren.
Bei einem Glas „Rotem“ aus Südfrankreich – der lockert die Zunge – schildert mir Michael nun am Beispiel der katholischen Kirche in Gera- Lusan, einer Neubaukirche von 1987 (!), wie seine Arbeit für ein Farbglasfenster vonstatten geht und was die Besonderheiten sind. In Gera haben wir den seltenen Fall, dass in DDR-Tagen für ein großes Plattenbaugebiet ein Kirchenneubau von der Obrigkeit vor dem Hintergrund eines Ost-West-Geschäftes bewilligt wurde. Architekt Lothar Gonschor durfte die Kirche planen und holte den Dresdner Künstler mit „ins Boot“. Für das große Farbglasfenster im Altarraum war die Vorgabe der Auftraggeber, die Geschichte von Pater Kolbe bildlich umzusetzen – „von der Dunkelheit ins Licht“.

Käuzchen – »Eine frühe Arbeit für einen Kindergarten«, Foto: D. Lohse

Pater Kolbe war in der Nazizeit ins Gefängnis gekommen und erfuhr da, dass ein Mitgefangener, ein junger Familienvater, in den nächsten Tagen hingerichtet werden sollte – er bot sich an, anstelle des Familienvaters zu sterben, was auch geschah. So soll dieser Familie ihr Vater über den Krieg hinaus erhalten geblieben sein. Pater Kolbe wird seither als Märtyrer verehrt. Hofmann skizziert das Leben Kolbes zunächst in einer vertikalen Bildfolge. Dafür verwendet der Künstler von unten beginnend die Farben Violett über Rot und Blau bis Weiß. Die figürliche Darstellung ist monumental und verzichtet selbstverständlich auf portraithaftes. Die Abmessungen des Fensters sind mit 1m Breite und 12m Höhe, die sich aus 12 x 1m Elementen ergibt, beachtlich. Der Entwurf auf Papier wurde vom Bistum und dem Kirchenvorstand bestätigt – Michael Hofmann konnte nun als Künstler und Handwerker in einer Person loslegen. Es war förderlich, dass Michael eine Werkstatt in Dresden Neustadt nutzen konnte und nicht so oft von Dresden nach Gera pendeln musste, sondern zum Schluss die einzelnen Elemente transportieren konnte. Nun aber erst mal ein paar Worte zu dem speziellen Glas, das Michael verwenden wollte. Das ist kein Flachglas, wie das bei historischen Kirchenfenstern, z.B. bei der Radebeuler Lutherkirche, üblich war, sondern es handelt sich um dicke, farbige Glasbrocken, die man als sogenannte „Dallen“ in verschiedensten Farben in bestimmten Glaswerken nach „Hafen“ (Fachbegriff für Menge) bestellen kann. Die Brocken mit einer Dicke von 2,5 – 3cm werden entsprechend des Entwurfs nach Farben vorgeordnet. Als nächstes mussten 12 Stahlrahmen, je 1 x 1m angefertigt werden. Jeder Rahmen wurde auf dem Arbeitstisch in der Werkstatt mit den vom Künstler bestimmten, vorbereiteten Gläsern dicht gefüllt. Das mag einem Puzzlespiel ähneln, weil es hier auf die Konzentration ankommt.
Die unregelmäßigen Fugen werden danach mit etwas flüssigem, feinem Beton ausgegossen und sind nach vier Tagen ausgehärtet, die Fläche wird dann gereinigt. Michael verrät mir, dass er im Nachhinein das Kirchenfenster in Gera für seine größte und vielleicht auch beste Arbeit auf dem Gebiet hält. Dazu kann man nur gratulieren! Als Ergebnis erhalten wir dann fertige Glasbilder mit dunkler, unscharfer oder etwas mystischer Wirkung, was aber nach meiner Empfindung zu einem Kirchenraum passen kann. Leider konnte ich mich bisher am Ort noch nicht von der Wirkung überzeugen, will das aber bei einem nächsten Gera-Besuch (wir haben da Verwandtschaft) unbedingt nachholen.

»Das Geraer Fenster ist fertig«, Foto: D. Lohse

Während die tiefstehende Sonne das Atelier zu vergolden scheint, trinken wir noch einen Schluck vom Roten. Zum Schluss gibt mir Michael Hofmann noch einen Überblick, wo und wann er noch derartige Farbglasfenster geschaffen hat. Das erste war eine im Freigelände eines Kindergartens in Frankfurt/ Oder stehende Glaswand mit Tiermotiven noch während seines Studiums. Es folgte ein kleines Farbglasfenster in einem Bootshaus in Dresden-Übigau (1971). 1983 bekam er den Auftrag, ein solches Fenster für den Eingangsbereich einer Berufsschule in Dresden zu schaffen – der Entwurf wurde von den Lehrern eher skeptisch betrachtet, die Ausführung gefiel dann allen aber recht gut. Es entstanden noch zwei farbige Betonglasfenster für katholische Einrichtungen nach Entwürfen von Michael Hofmann, eines für das Gemeindehaus in Kleinzschachwitz, 1987, und das andere für ein Seniorenheim in Gera – Lusan, 1989. Ein etwas kleineres Kirchenfenster entwickelte Michael 1991 auch für die evangelische Kirche „St. Lorenz“ in Halsbrücke bei Freiberg, darüber berichtete Günter Donath anläßlich des 80. Geburtstages von Michael Hofmann in Heft 10 / 24 von Vorschau & Rückblick. In diese Reihe gehört auch noch ein Farbglasfenster für eine Kirche in Schleitz. Und um zu zeigen, dass er auch Farbglasfenster nach altem Vorbild beherrscht, hat Michael 2009 ein Bleiglasfenster für ein privates Wohnhaus in Detmold gearbeitet. Wir haben die Sitzung im Atelier beendet und festgestellt, dass wir die Flasche Rotwein nicht ganz geschafft haben – wir müssen uns wohl noch mal treffen.
Man erkennt nun, wie umfangreich das Betätigungsfeld Glaskunst in Michael Hofmanns Schaffen war, man hatte aber meist nur seine Bilder auf Papier oder Leinwand in Ausstellungen gesehen. Jetzt, und nicht zuletzt durch den geselligen Nachmittag im Atelier Hofmann, erfahren wir, von welchem wichtigen Teil seiner Kunst Viele bisher wohl zu wenig gewusst haben.
Ich erkenne hier eine gewisse Parallele zu einem anderen, nicht mehr lebenden Künstler – Hermann Glöckner – der auch Großes neben seinen Bildern geschaffen hat, indem er als „Brotarbeit“ in Sgraffitos Kunst mit Handwerk verband. Der Artikel über die Farbglasfenster von Michael Hofmann soll zeigen, zu welchen Erfolgen hier das Zusammengehen von Kunst und Handwerk führen kann.

Dietrich Lohse

 

 

 

 

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