Drei Schwestern im Geiste

Es hatte sich so ergeben, einmal lagen auf meinem Schreibtisch drei regional-kulturelle Zeitschriften: der Elbhangkurier 11/21 (im Folgenden kurz Kurier genannt), die Erzgebirgischen Heimatblätter 02/20 (kurz Blätter) und Vorschau & Rückblick 08/21 (kurz Vorschau). Beim Vergleich der Publikationen kommen einem zwangsläufig ein paar Gedanken. Das Anliegen, diese Hefte monatlich erscheinen zu lassen, ist ganz ähnlich – für eine bestimmte Region, der Landschaft, der Geschichte, der Kunst, dem Handwerk und den hier lebenden bzw. früheren Menschen ein Podium zu geben. Von der Gestaltung und den Schwerpunkten des Inhalts her unterscheiden sie sich allerdings etwas. Die o.g. Exemplare wurden von mir spontan ausgewählt: den Kurier kaufe ich gelegentlich, wenn ich in Loschwitz, Blasewitz oder Pillnitz zu tun habe, die Blätter erwarb ich bei einem Ausflug zu einer Bilderausstellung im Schloss Lauenstein und die Vorschau liegt, wie leicht zu erraten, seit 1990 immer auf meinem Tisch.

Es machte mir Spaß, durch den Vergleich Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Fangen wir am besten beim Format an, zwei der Hefte haben mit A5 das gleiche handliche Format und eins, der Kurier, ist mit A4-Format doppelt so groß. Im A4-Format kann man mehr Inhalt und mehr Werbung unterbringen als im kleineren Format. Zumindest bei der Vorschau war das Format durch die Vorgängerzeitschrift „Die Vorschau“ 1954-1963 vorgezeichnet und da wollten wir 1990, als wir die alte Vorschau neu erschaffen wollten, anknüpfen. Für die Blätter dürfte das ähnlich gewesen sein, denn beide Hefte hatten, bzw. haben den Kulturbund als Schirmherr. Dass der Kurier ein anderes Format hat, kann daran liegen, dass er keinen Vorgänger in der DDR-Zeit hatte. Beim Umfang, also der Seitenzahl, liegen alle drei um die 32 Seiten dicht beieinander.

Aber bei der Preisgestaltung der drei Hefte gibt es Unterschiede. Ein Heft des Kuriers kostete bislang 1,50 € und ab Januar 2022 dann soll es 2,00 € kosten, wie in Heft 11/21 angekündigt. Der Preis ist trotz reichlich geschalteter Werbung so zu erklären, dass beim Kurier Profis und Laien arbeiten – der Kurier wird von der Friebel-Werbeagentur und Verlag GmbH herausgebracht. Die Blätter aus dem Erzgebirge bringt der Kulturbund Landesverband Sachsen e.V. heraus, ein Heft kann man für 2,45 € erwerben. Durch den höheren Preis ist der Verzicht auf Werbung erklärbar. Auch hier arbeiten Profis und Leute im Ehrenamt. Bei der Vorschau ist ein eingetragener Verein der Herausgeber, hier arbeiten nur Laien, also Ehrenamtliche. Unter dem Slogan „kostenlos aber nicht wertlos“ vertreiben wir unsere Hefte ohne einen Preis zu verlangen. 1990, im ersten Jahr, hatten wir einen Verkauf zum Preis von 1,50 DM pro Heft versucht, was aber in der Abrechnung bei den Geschäften, wo wir z.T. die Hefte auslegen, zu Schwierigkeiten geführt hatte. Seitdem müssen wir für einen finanziellen Ausgleich zwischen Einnahmen (Mitgliedsbeiträge, Spenden u. Einnahmen durch Werbung) und Ausgaben (Druckkosten u. Versand) sorgen.

Unterschiedlich ist auch das Thema Farbe bei den Abbildungen in den Heften. Die Blätter aus dem Erzgebirge zeigen farbige Titelbilder und im Inhalt sind über 50% der Bilder farbig, was wohl durch den teuersten Einzelpreis ermöglicht wird. Im Kurier gibt es nur zu besonderen Anlässen gelegentlich mal ein Farbfoto, sonst, wie im Heft 11/21, nur schwarzweiße Abbildungen. Unsere Vorschau kam bisher mit Schwarzweiß-Fotos gut zurecht, Farbbilder sind „Zukunftsmusik“, wer weiß, ob wir das noch erleben?

Vergleichen wir noch die Einzugsgebiete, also Gebiete, wo die Themen gefunden werden und wo die Hefte gelesen werden. Da erkennt man schnell, dass die Blätter mit dem Erzgebirge ein riesiges Territorium zwischen Osterzgebirge und bis ans Voigtland heran bedienen können. Das verdient Respekt! Dagegen ähnelt sich das jeweilige Gebiet, wo der Kurier und die Vorschau heimisch sind – zum einen die Dresdner Stadtgebiete Weißer Hirsch, Loschwitz, Blasewitz, Pillnitz und das Schönfelder Hochland, zum andern Radebeul, Coswig, Moritzburg, Radeburg und Cossebaude. Hinzu kommt, dass sich die Gebiete des Kuriers und der Vorschau mit Elbe, Steilhang und Wein, Seitentälern und dem Hochland ähneln und so in diesen Heften manchmal vergleichbare Themen auftauchen, worin m.E. ein besonderer Reiz liegt. Die Erzgebirgsblätter dagegen punkten mit speziellen Themen wie Geologie, Bergbau und Industrie. Kultur ist in allen drei Heften stark vertreten und widerspiegeln bildende Kunst, Literatur und Musik, Denkmalpflege sowie Ausstellungshinweise und auch Künstlerportraits. Die Vorschau hat durch die Landesbühnen Sachsen in Radebeul insofern etwas Besonderes, dass hier regelmäßig Theaterkritiken erscheinen.

Manchmal finden wir in den Heften auch kritische Texte in Richtung der jeweiligen Verwaltung der Gemeinden, der Städte und der Landkreise, was unsere Zeitschriften dann von den Amtsblättern unterscheidet. Sport ist ein eher seltenes Thema in den Kulturblättern. Was mir am Kurier angenehm auffiel, war, dass gelegentlich Hefte einem größeren Thema gewidmet sind, z.B. interessante Bäume im Einzugsgebiet oder alles über Äpfel – Sorten, Anbau, Zubereitung, Wirkung hinsichtlich Gesundheit usw. Da arbeiten dann verschiedene Autorinnen und Autoren zu speziellen Aspekten des Themas – dadurch kann ein Stoff erschöpfender behandelt werden. Und da wäre noch ein Blick auf die Fehlerquote. Die sollte bei Profiheften eigentlich kleiner ausfallen als bei der Vorschau. Ich habe beim Kurier früher auch schon Fehler erkannt – im Heft 11/21 sind mir aber keine aufgefallen. Bei der Vorschau diskutieren wir manchmal in der Redaktionssitzung, dass es im letzten Heft wieder Schreib- oder Satzfehler gab oder wie man die Seitengestaltung verbessern könnte. Dies ganz abzustellen bleibt ein Wunsch.

Man könnte sicherlich noch andere Kriterien bei den Monatsheften untersuchen und vergleichen, oder weitere, hier nicht genannte Hefte finden und so den Rahmen erweitern.

Ich will es aber für heute dabei belassen. Mein Fazit ist, jedes Heft ist auf seine Art mit der Kultur beschäftigt und ist in seinem Gebiet gut unterwegs und wird da gern gelesen. Weil ich aber dem einen Heft schon lange verpflichtet bin, möchte ich sagen, die Vorschau, verglichen mit zwei eher schon Profiheften, schlägt sich gut! Wir arbeiten daran, dass sie noch besser werden könnte.

Dietrich Lohse

Von der Lößnitzbahn über die Hechtwagen zum modernen Niederflur-Gelenkwagen

Dresdener Straßenbahnfahrzeuge in Radebeul im Wandel der Zeiten (2. Teil)

Kleiner Hechtwagen 1827, Baujahr 1934, Niesky


Gänzlich war die Zeit der „Hechtwagen“ für Radebeul jedoch noch nicht abgelaufen. Die 1934 bis 1938 für Dresden gebauten „Kleinen Hechtwagen“ (Bild 7), von denen 1945 ebenfalls von einst 48 Exemplaren noch 27 Stück im Bestand waren, konnten erst nach einer umfassenden technischen Erneuerung ab 1952 wieder eingesetzt werden. Diese Fahrzeuge waren in den Kriegsjahren noch vor 1945 fast allesamt ausgefallen, da große Materialprobleme wegen der Kriegswirtschaft auftraten.

Lowa ET54, Baujahr 1956, Gotha


So konnte die Linie 14 ab 1954 noch bis 1961 von Radebeul-West nach Dresden-Niedersedlitz oder Kleinzschachwitz mit diesen kleineren und doch recht modern wirkenden Hechtwagen eingesetzt werden.

ET60, Baujahr 1960, Gotha


Ihr Ende mit Aussonderung und Verschrottung erlebten die kleinen Hechtwagen noch vor dem Ende ihrer großen und etwas älteren Brüder ab 1961, da sie nicht für den Betrieb mit 2 Beiwagen geeignet waren.

ET50, Umbau zum Einrichtungswagen 1963, Dresden


Für die in Radebeul verkehrende Linie 15 gab es 1956 die erste größere Lieferung von 16 Neubau-Straßenbahnwagen seit 1938, den ET 54 aus Gotha (Bild 8). Hintergrund war die Dringlichkeits-Beschaffungs-Maßnahme für das entstehende Flugzeugwerk in Dresden-Klotzsche. Diese Fahrzeuge kamen jedoch dahin nie zum Einsatz. Es war wohl nur ein Alibi auf dem Linien-Ziel-Film.

MAN-Triebwagen, Umbau zum Einrichtungswagen 1960, Dresden


Leider aber reichten die Neubaufahrzeuge von 1956 nie für die 12 benötigten Kurse, es mussten stets ältere Fahrzeuge von 1925/26 oder noch älter aushelfen.

Tatra-Wagen T4D, Baujahr ab 1967, Prag


Entspannung kam erst nach 1958 als einige weitere Neubauten vom Typ ET 57 aus Gotha (Bild 9 ) zur Verfügung standen.

Niederflur-Gelenkzug NGT6DD, 1. Generation, Baujahr ab 1995, Bautzen, Länge ca. 30 m


Die ET 54 und auch die älteren ET 50 wurden ab 1962 umfassend modernisiert und standen als Einrichtungsfahrzeuge auf den Linien 15 und 14 noch bis zu ihrer Aussonderung 1988 im Einsatz (Bild 10).

Die Liniennetzreform am 4. 5. 1969 in Dresden hatte auch Auswirkungen auf die Radebeuler Linien 15 und 14. So wurde aus der 15 eine 5 und aus der 14 eine 4, jedoch mit einem anderen Endpunkt in Pillnitz.

Die Linie 4 wurde fortan mit älteren, modernisierten Fahrzeugen, zum Teil auch als Einrichtungswagen (Bild 11) betrieben.

Eine große Veränderung im Straßenbahnnetz gab es in Dresden durch den umfassenden Einsatz der seit 1969 in Betrieb genommenen neuen Tatrafahrzeugen T4D und B4D (Bild 12), so auch auf den Radebeuler Strecken. Da die Stromversorgungsanlagen im Raum Coswig und Weinböhla noch nicht erweitert und erneuert waren, wurden diese Fahrzeuge vorerst nur ab 26.3. 1977 auf der Linie 5 zwischen Radebeul-West und der Dresdener Südvorstadt eingesetzt. Dies hatte aber zur Folge, dass die Linie 4 mit Fahrzeugen des Typs Gotha die Strecke von Weinböhla bis Pillnitz als längste Linie im Dresdener Netz mit 32,5 km unterwegs war und dadurch auch die Störanfälligkeit anstieg.

Mit einer erneuten Liniennetzumstellung in Dresden am 22.05.2000 fiel dann die Linie 5 gänzlich weg und auf der Linie 4 galt ein neuer angepasster Fahrplan. Die Tatrafahrzeuge waren nun auch bis Weinböhla unterwegs, aber nicht mehr bis nach Pillnitz, diese Strecke wurde 1985 auf Busbetrieb umgestellt.

Niederflur-Gelenkzug NGTD12DD, 2. Generation, Baujahr ab 2003, Bautzen, Länge ca. 45 m


Die seit 1995 in Dresden in immer größeren Stückzahlen angelieferten Niederflur- Gelenkwagen NGT eroberten seit 2000 nach Schaffung weiterer technischer Voraussetzungen auch die Linie 4 zwischen Weinböhla – Radebeul und Dresden-Laubegast und sind seitdem in 2 Generationen und 4 Ausführungen sowie unterschiedlicher Längen (Bilder 13 und 14 ) im Einsatz.

Niederflur-Gelenkzug NGTD12DD, 2. Generation, Baujahr ab 2003, Bautzen, Länge ca. 45 m


Nachsatz :
In vorliegender Beschreibung hat sich der Verfasser in der Regel stets nur auf die in Radebeul eingesetzten Triebfahrzeuge beschränkt.

Selbstverständlich gab es auch noch eine große Zahl von Anhängerfahrzeugen unterschiedlichster Bauart. Deren Erläuterung würde allerdings diesen Rahmen zu weit spannen.

Auch gab es in Radebeul neben den beschriebenen „Stammlinien“, vornehmlich in Spitzenzeiten wie dem Berufsverkehr noch zusätzliche, planmäßig verkehrende weitere Linien.

Diese sollen hier nur kurz vorgestellt werden:

Alte Straßenbahnenlinien von oder über Radebeul:
Linie 25 Radebeul-West – Trachau – Kleinzschachwitz (bis 16.3.1948)
Linie S 14 Radebeul-West – Leuben
Linie S 15 Coswig – Radebeul – Postplatz – Plauen
Linie 13 (Coswig – Radebeul-West) – Radebeul-Ost – Leubnitz (ab 1974 nach Reick)
Linie 16 Radebeul-Ost – Zschertnitz (mit T4D+T4D)
Linie 52 (Radebeul-West) – Radebeul-Ost – Industriegelände Wilfried Heinrich

Linie 54 Radebeul-West – Seidnitz – Leuben
Linie 55 Coswig – Postplatz – Plauen
Linie 59 Radebeul-Ost – Freital Hainsberg (zum Teil auch mit kleinen Hechtwagen)
Linie E 13 Radebeul-Ost – Reick

35 Jahre Lößnitzchor Radebeul e.V.

„Sprich, und du bist mein Mitmensch! Singe und wir sind Brüder und Schwestern!“ (Theodor Gottlieb von Hippel)

Dieses Zitat beschreibt unsere Chorgemeinschaft ziemlich gut. Neben dem gemeinsamen Singen, das uns alle miteinander verbindet, verbringen wir auch außerhalb der Proben und Konzerte viel Zeit bei gemeinsamen Unternehmungen miteinander – und das seit nunmehr 35 Jahren.

Die Anfänge des Chores unter Walter Tippmann


Gegründet am 19.01.1987 als Betriebschor der LPG „Frühgemüsezentrum“, umfasste der Chor zunächst 12 Mitglieder. Er überstand die Zeitenwende und wurde 1991 in „Lößnitzchor“ umbenannt sowie ins Vereinsregister eingetragen. Walter Tippmann, der den Chor seit der Gründung leitete, übergab den Taktstock 1993 an Lore Weise. Sie leitete den Chor 14 Jahre lang. In dieser Zeit wurde nicht nur das Repertoire stetig erweitert, auch qualitativ machte der Chor große Fortschritte. Im Jahr 2007 übernahm Karen Lalayan die Chorleitung und gab sie aus beruflichen Gründen noch im gleichen Jahr an seinen Kollegen und Freund Alexey Fomenkov weiter. Während dessen Zeit als Chorleiter wurde unser Repertoire vor allem um geistliche und russische Lieder erweitert. 2012 dann übernahm für die Adventskonzerte kurzzeitig Martina Stoye die Leitung des Chores. Seit 2013 ist nun Eric Weisheit der Herr über den Taktstock. Er knüpft in seiner Arbeit an die lange Tradition des Chores an, bereichert unser Repertoire aber auch mit eigenen Kompositionen. Unter seiner Leitung wagten wir uns an große sinfonische Werke. Das „Te Deum“ von J. A Hasse führten wir u. a. zu unserem 30jährigen Jubiläum auf. Mit dem befreundeten Chor „Friedrich Wolf“ und dem Haydnorchester kam das Weihnachtsoratorium von G. A. Homilius „Die Freude der Hirten über die Geburt Jesu“ in der Stadtkirche Nossen und in der Lukaskirche Dresden zur Aufführung.

Im Laufe der Jahre wurde unter inzwischen 6 verschiedenen Chorleitern nicht nur die Auswahl an Liedern immer umfangreicher. Auch die Zahl der Mitglieder wuchs stetig. Aktuell sind 35 Sängerinnen und Sänger aus Radebeul und Umgebung in unserem Chor aktiv. Und das nicht nur stimmlich – viele Mitglieder engagieren sich auch darüber hinaus für die Chorgemeinschaft, so zum Beispiel im Vorstand oder als Schlüsselbeauftragte/r. Das Chorleben wird außerdem bereichert durch regelmäßige Wandertage, Chorschulungen, geselliges Beisammensein und auch Chorfahrten. Diese führten uns beispielsweise schon in Radebeuls Partnerstadt St. Ingbert in das Saarland und in den hohen Norden nach Husum. Unser Besuch im Oktober 2019 beim niederländischen Chor Crescendo wurde zu einem emotionalen Höhepunkt. Als deutscher Chor nahmen wir an den Feierlichkeiten zu 75 Jahre Frieden in Europa und am internationalen Chorfestival in Roermond teil.

Die aktuellen Mitglieder des Chores


Neben deutschen und internationalen Volksliedern umfasst unser Repertoire auch geistliche Stücke sowie Wein-, Spiel- und Spaßlieder. Je nach Anlass werden daraus verschiedenste Programme zusammengestellt. Zu Gehör gebracht werden diese zum Beispiel bei jährlich stattfindenden Frühlings- und Weihnachtskonzerten in der Emmauskirche in Dresden-Kaditz. Aber auch zum Pfingstsingen am „Waldmax“ oder zu Treffen mit anderen Chören sowie anderen sich bietenden Gelegenheiten lassen wir unsere Stimmen erklingen.

In den letzten zwei Jahren hatte unser Chor durch die Corona-Pandemie leider wenige dieser Gelegenheiten. Die wenigen Auftritte, die stattfinden konnten, waren meist Freiluft-Veranstaltungen und konnten durch die nötigen Abstandsregelungen nicht in gewohnter Weise durchgeführt werden. Auch die Probenarbeit wurde durch die Hygiene-Bestimmungen sehr stark eingeschränkt und konnte zweimal über mehrere Monate gar nicht stattfinden.

Gern hätten wir, wie vor 5 Jahren zum 30jährigen des Chores, ein großes Konzert gegeben, um das Jubiläum gebührend zu begehen. Doch da momentan alle Choraktivitäten zum dritten Mal auf unbestimmte Zeit ruhen, bleibt uns nur, im Geiste miteinander anzustoßen und darauf zu hoffen, dass wir bald wieder miteinander singen und gemeinsam Zeit verbringen können.

Nichtsdestotrotz freuen wir uns immer über neue Sängerinnen und Sänger. Bei Interesse kann jederzeit eine unserer Proben (montags, 18.30 Uhr auf der Pestalozzistraße 3 in Radebeul) – so sie denn irgendwann wieder stattfinden können – besucht werden.

Laura Hackeschmidt
____________
Alle weiteren Informationen zum Chor sowie Kontaktmöglichkeiten finden sich außerdem auf unserer Homepage www.loessnitzchor.de.

Objekt „Serkowitzer Gasthof“ ade?

Objekt »Serkowitzer Gasthof« vor 2012


Die meisten Radebeuler kennen das gewaltige Gebäude im Mittelpunkt des 1905 in die Lößnitzstadt eingemeindeten kleinen Ortes Serkowitz. Der denkmalgeschütze Bau zählt zu den ältesten Gasthöfen der Stadt überhaupt. Jahrzehnte lang war er eine beliebte Einkehrstätte für tanzlustige Menschen bis er schließlich 2007 durch Zwangsversteigerung für 10.000 Euro an die Stadt fiel. Die Vertreter der Stadt selbst waren damals von dem Zuschlag sichtlich überrascht.

Der Gasthof – so eine Stellungnahme nach dem Erwerb – sollte dann auch weiter verkauft werden. Der erste Versuch vor einigen Jahren scheiterte dann allerdings.

Nun hat sich seither die Lage verändert. Aus der als Zwischenlösung gedachten Überlassung des Gasthofes an den Künstler Reinhard Zabka entwickelte sich als ein kreativer Kunst- und Kulturort, dessen Einmaligkeit nicht nur in Sachsen verbrieft ist. Die positiven bis euphorischen Bekundungen der vielen Besucher und Kulturaktivisten sprechen hier für sich. Dazu wollen die neuerlichen Gerüchte über einen weiteren Versuch, das Objekt zu verkaufen, nicht so recht passen. Gerüchte deshalb, weil bisher nur hinter „vorgehaltener Hand“ etwas von diesem Vorgang zu erfahren war. Offizielle Verlautbarungen von Seiten der Stadtverwaltung oder gar des Stadtrates konnten nicht in Erfahrung gebracht werden.

Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren in der Radebeuler Kulturlandschaft entstandenen Fehlentwicklung – Stichwörter wie Zeitreisemuseum, Puppentheatersammlung, Heimatmuseum, Kulturkonzeption mögen genügen – würde der mögliche Verlust des Lügenmuseums besonders schwer wiegen. Zu hoffen ist, dass die Verantwortungsträger verantwortungsvoll mit diesbezüglichen Entscheidungen umgehen und dabei auch die kulturelle Entwicklung der Stadtgemeinschaft im Blick haben.

Karl Uwe Baum

„Diplomatie“ von Cyrik Gély auf der Studiobühne der Landesbühne Sachsen

Endlich darf wieder gespielt werden im Rahmen strenger Hygienekonzepte

Am 14. Juni 1940 marschieren deutsche Truppen in Paris ein. Nach dem Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland beginnt die Besatzung mit allen unwürdigen Begleiterscheinung, die Krieg nach sich zieht. Am 6. Juni 1944 landen die Alliierten in der Normandie. Adolf Hitler, der einigen seiner Generäle kein Vertrauen mehr schenkte, durch das auf ihn am 20.Juli 1944 ausgeübte Attentat im Führerhauptquartier u.a. durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg, setzte, in der aus Sicht des Militärs aussichtslosen Situation auf General von Choltitz (Frank Siebers) in Paris. Der General bekam am 23. August 1944 den Befehl: „Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen.“ General Dietrich von Choltitz zögerte den Befehl auszuführen. Das ist historisch nachweisbar. In der Stückvorlage (Gély) und der Inszenierung von Tine Josch sowie der Dramaturgie von Johanna Jäger handelte es sich um „Sternstunden.“ Der General erhält mitten in der Nacht Besuch von dem schwedischen Generalkonsul Raoul Nordling (Michael Heuser) im Hótel Le Meurice in Paris. Botschafter Nordling übergibt ihm einen Brief von der militärischen Gegenseite. General Choltitz lehnt im ersten Impuls die Post des französischen Generals ab. Es ist eine prekäre Situation für beide Männer.

»Diplomatie« – mit Michael Heuser und Frank Siebers (v.l.)


Der Schwede Raoul Nordling ist selbst als Sohn des vorherigen Konsuls, seines Vaters, in Paris geboren. Aus der genauen Kenntnis der gegenwärtigen Situation und seiner biografischen Erfahrung heraus, versucht der Diplomat sein Gegenüber, den General Choltitz zum Waffenstillstand mit den Franzosen zu bewegen und die befohlene Zerstörung der Stadt Paris zu verhindern. „Sie sind anders als ihre Vorgänger.“ Er malt im Gespräch Bilder, wie der General mit seiner Frau und seinen Kindern nach dem Krieg, also in Friedenszeiten Paris besucht. Der General von Choltitz hat vor der augenblicklichen Situation um seine Familie Angst. Er möchte nicht, dass diese als Geiseln benutzt werden, wenn er versagt. Hier verspricht der Generalkonsul seine persönliche Hilfe. Er schlägt vor: „Frau und Kinder von General Dietrich Choltitz in die Schweiz zu evakuieren.“ Ob er sein persönliches Ehrenwort als Diplomat dafür gebe?, fragt ihn sein Gegenüber. Konsul Raoul Nordling erklärte, dass er seine Frau, die Jüdin ist auf dem gleichen Weg in die Schweiz bringen ließ.

Zwei Militärs (Tom Hantschel, Maximilian Westphal), die für die persönliche Sicherheit des Generals zuständig sind, berichten auf offener Szene von der aktuellen Lage. „Die Alliierten stehen kurz vor Paris. Es ist kein Durchkommen.“ Paris wurde am 25. August 1944 mit Hilfe der Alliierten befreit. Fast ein Jahr später, am 8.Mai 1945 kapitulierte Deutschland. Welch ein Wahnsinn!

Trotz der zum Teil bedrückenden Atmosphäre (Ausstattung: Irina Steiner) ist es erstaunlich, wie viele Facetten während des Gesprächs, die Schauspieler Siebers und Heuser zum Klingen bringen.
„Endlich wieder richtiges Theater,“ sagte ein Gast neben mir. Anhaltende Beifall beim Publikum.

Endlich darf wieder gespielt werden. Sehr empfehlenswert für Schulklassen. (Falls möglich.)

Angelika Guetter

Ausblicke und Rückblick mit vielen Quäntchen Hoffnung

Veränderungen in der Tanzszene der Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Der hoffentlich nicht schon vergessene Chefchoreograf Carlos Matos von den Landesbühnen in Radebeul hatte mit seiner Company in den vergangenen Spielzeiten mehr Planungssicherheit und bot, ob von Maurice Ravel, der dreiteilige Tanzabend oder die vielschichtigen Choreografien zu Gräfin Cosel, ausgezeichnete künstlerische Leistungen solistisch und mit Team. Die Choreografie seiner Partnerin Wencke Kriemer de Matos für das „Schwanensee-Märchen“ folgten viele Kinderaugen und erhielt bei der Premiere viel Beifall. Die Liste der gelungenen Choreografien lässt sich durchaus fortsetzen.

Der in der darauffolgenden Spielzeit folgende Chefchoreograf Wagner Moreira hatte wunderbare Ideen, z.B. mit seinem Tanzprojekt zwischen Amazonas und Sachsen: „Bach Chianas“ oder entspanntes und barrierefreies Tanztheater für alle mit dem Titel: „Difference“ . Gedacht war die Uraufführung als Koproduktion mit dem europäischen Zentrum der Künste in Dresden. Oder der Tanzabend „Heimatbilder“, der zur Premiere trotz ausgiebiger Coronatests von Publikum und Tänzern/innen ein Erfolg war.

Intendant Manuel Schöbel wagte noch keine abschließende Prognose zur Spielzeit (2021/22).

Das gemeinsam gefundene Motto der aktuellen Spielzeit: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ regt dennoch zum Nachdenken an.

Der noch relativ neue Pressesprecher Herr Benjamin Abicht, (ein großer Dank an dieser Stelle der langjährigen Vorgängerin Frau Petra Grubitzsch), gab per Mail die Neubesetzung für die Chefchoreografie ab der Spielzeit 2022/23 weiter. Diesmal übernimmt mit Natalie Wagner eine Frau das Ruder.

„Mit großer Freude und Respekt gehe ich diese Herausforderungen an, dabei bietet die Arbeit an einem Mehrspartentheater spannende Möglichkeiten in der Entwicklung interdisziplinärer Formate.“ so Natalie Wagner.

Die gebürtige Schweizerin mit brasilianischen Wurzeln begann ihren künstlerischen Werdegang im Alter von 7 Jahren an der heutigen Züricher Tanzakademie.

Außerhalb der Bühnenkunst schlägt ihr Herz, so ist zu erfahren, für soziale Tänze.

Das künstlerische Interesse gilt zudem den Verbindungen und Wechselwirkungen als Gespräch zwischen Performance und Publikum.

Der Drang ihr Wissen zu vertiefen, brachte sie an die Palluca Hochschule für Tanz in Dresden, wo sie 2020 den Master of Arts in Choreografie absolvierte. Zudem erhielt sie ein zweijähriges Stipendium auf ihrem Gebiet für weitere künstlerische Forschungen.

Wir dürfen trotz Pandemie gespannt sein, auf das, was an guter künstlerischer Leistung auf uns zukommen mag.

Agelika Guetter

Die Lößnitz mit ihrem gleichnamigen Bach verbindet vier Kirchgemeinden

Im Evangelisch-Lutherischen Kirchspiel in der Lößnitz machen sich seit einem Jahr die vier Kirchgemeinden aus Radebeul, Reichenberg und Moritzburg gemeinsam auf den Weg

Friedenskirche Radebeul


Vielleicht ist einigen Radebeulern im vergangenen Jahr an der einen oder anderen Stelle aufgefallen, dass die beiden im Elbtal gelegenen evangelischen Radebeuler Kirchgemeinden (Luther- und Friedenskirche) sowie jene beiden im sogenannten Oberland der Lößnitz (Reichenberg und Moritzburg) gemeinsam, z.B. in der regionalen Zeitung, informieren. Sehr deutlich wurde dies bei den verschiedenen Angeboten der einzelnen Gemeinden zum Heiligen Abend, die von Gottesdiensten im Freien über Angebote an und in der offenen Kirche bis hin zu kurzen Christvespern mit kostenfreier Eintrittskarte unter Einhaltung der 2G-Regeln reichten. Viele hatten sich auf den Weg gemacht, um mit dem Besuch einer Kirche dem weihnachtlichen Fest durch das Hören der Weihnachtsgeschichte, durch Musik und Worte sowie Begegnungen den besonderen Glanz zu geben, mit dem dieser Tag seit der Kindheit verbunden ist. Möglicherweise war die eine oder der andere an diesem Tag erstmals in einer anderen als der angestammten Kirchgemeinde, weil ein bestimmtes Angebot der persönlichen Situation und den eigenen Bedürfnissen besonders entgegen kam.

Lutherkirche Radebeul


Die vier genannten evangelischen Kirchgemeinden begannen schon vor einiger Zeit, sich über eine gemeinsame Zukunft Gedanken zu machen. Ganz freiwillig geschah dies nicht, sondern erfolgte im Ergebnis eines mehrjährigen Strukturanpassungsprozesses innerhalb der sächsischen Landeskirche. Ziel dieser Veränderungen war und ist es noch immer, Kirchgemeinden über längere Zeit regionale und personelle Strukturen zu geben, durch die auch bei weiter sinkenden Mitgliederzahlen verlässlich Gemeindearbeit möglich ist. Die Landeskirche hatte die Gemeinden in diesen Prozess eingebunden und damit versucht, ihnen einen gewissen Gestaltungsspielraum einzuräumen. In unserer Region war das ein sehr produktiver und konstruktiver Prozess, denn so ganz fremd waren sich die vier Gemeinden ja auch nicht gewesen. Seit Jahren feiern alle Gemeinden zusammen mit der katholischen Christus-König-Gemeinde am Pfingstmontag auf der Schlossterrasse in Moritzburg einen ökumenischen Gottesdienst. Jugendliche aller Orte lernen zum Teil gemeinsam an der gleiche Schule. In der Jugendarbeit war seit längerem mindestens in Radebeul das Zusammenrücken der Jugendgruppen zu erleben. Zum 1. Januar 2021 schlossen sich nun die vier Gemeinden mit rund 8000 Gemeindegliedern und viereinhalb Pfarrstellen offiziell, d.h. vertraglich besiegelt, zu einem Kirchspiel zusammen, das seit Juli 2021 den Namen „Evangelisch-Lutherisches Kirchspiel in der Lößnitz“ trägt. Nun könnte man fragen: Was wird denn in einem Kirchspiel gespielt? Bei Wikipedia ist nachzulesen, dass der Begriff des Kirchspiels auf das niederländische Wort „dingspel” als Bezeichnung eines Rechtsgebietes im 13. Jahrhundert zurückgeht. Das althochdeutsche „spël“ bedeutet „Rede, Verkündigung, Erzählung“ oder aus theologischer Sicht „Predigt“. In dem Sinne beschreibt der Begriff Kirchspiel einen Predigtbezirk eines Pfarrers bzw. einer Pfarrerin. In der sächsischen Landeskirche wird damit im juristischen Sinne eine Gebietskörperschaft bezeichnet, in die Pfarrer und Pfarrerinnen durch die Landeskirche in das Kirchspiel entsandt werden. Sie sind jedoch durch ihre Seelsorgebezirke weiterhin vorwiegend in ihren Gemeinden tätig – stimmen sich aber viel regelmäßiger über ihre Arbeit ab und entwickeln gemeinsame Projekte. Derzeit sind im Kirchspielgebiet über 40 Mitarbeitende in den Bereichen Gemeindepädagogik, Kirchenmusik, Kinderhaus, Verwaltung, Kirchner/ Hausmeister, Friedhöfe angestellt. Das Kirchspiel ist deren Anstellungsträger und verwaltet den gemeinsamen Haushalt. Dafür ist der Kirchenvorstand als Leitungsgremium des Kirchspiels verantwortlich. Dem gehören neben den z.Z. vier im Kirchspiel tätigen Pfarrerinnen und Pfarrern weitere 16 Mitglieder aus allen Kirchgemeinden an. Alle rechtlich bindenden Beschlüsse sind durch den Kirchenvorstand zu fassen. Die Beschlüsse werden inhaltlich durch die verschiedenen Fachausschüsse und die vier Kirchgemeindevertretungen vorbereitet. Letztere beraten als gewählte Leitungsgremien der jeweiligen Kirchgemeinden in monatlichen Sitzungen die konkreten Aufgaben der Ortsgemeinde.

Kirche Reichenberg


Eine besondere Herausforderung war es, diese neuen Strukturen mit Leben zu füllen. Durch die immer wieder erforderlichen pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen sind bisher persönliche Begegnungen sowohl in der eigentlichen Gemeindearbeit mit den Menschen als auch in den unterschiedlichen Arbeitsgremien sehr eingeschränkt möglich gewesen. Vielfältige Sitzungen und Dienstberatungen konnten nur im virtuellen Umfeld stattfinden. Auch das eigentlich geplante „Kirchspiel-Hochzeitfest“ konnte nicht gefeiert werden. Dennoch blickt die Kirchspielleitung dankbar zurück auf das in den ersten 365 Tagen Erreichte und Erlebte. So haben die jeweiligen Ortsgemeinden alle im Kirchspiel tätigen Pfarrerinnen und Pfarrer in ihren Ortskirchen erleben können. Auch in den digitalen Sonntagsgrüßen, die in wechselnden Abständen aufgrund der Pandemiesituation über den YouTube-Kanal des Kirchspielsi erschienen und noch immer abrufbar sind, wirkten viele haupt- und ehrenamtlich Tätige mit und wurden gemeindeübergreifend sichtbar. Über diesen Kanal sind ebenso noch immer die kleinen Rätsel-Videos zu finden, die einiges über die vielen Besonderheiten der Gemeinden und der Kirchen erzählen, ebenso wie Eindrücke vom Rundflug über das Kirchspiel mit dem Gewinner der Rätsels. Im Juni waren alle unter dem Motto „Geh doch mal woanders hin“ eingeladen, mit Gemeindegliedern der anderen Gemeinden ins Gespräch zu kommen. Jugend- und Konfirmandenarbeit wird zunehmend gemeinsam geplant und durchgeführt. Mit Spannung und Freude warten insbesondere die Jugendlichen auf den neuen Gemeindepädagogen, der ab März mit vielen Visionen diesen Arbeitsbereich kirchspielweit mitgestalten wird. Geplant ist, dass in diesem Jahr die gemeinsame Internetseite online gehen und das Kirchspiel über ein einheitliches Logo in der Außenkommunikation erkennbar wird. Seit August 2020, fünf Monate vor dem offiziellen Zusammenschluss der Gemeinden im Kirchspiel, ist der gemeinsame alle zwei Monate erscheinende Gemeindebrief ein inzwischen bekanntes „Gesicht“. Er hält vielfältige Informationen zum Leben in den Gemeinden bereit, beleuchtet, erklärt und diskutiert darüber hinaus auch inhaltliche Themen in ihren Zusammenhängen und mit ihren Hintergründen. Im Interview für den im Februar 2022 erscheinenden Gemeindebrief habe ich den Wunsch geäußert, dass es mit Blick auf die Zukunft wunderbar wäre, wenn der uns gewöhnliche Begriff des Spiels, verbunden mit Tätigkeiten zur eigenen und gemeinsamen Freude, zur Vergnügung oder Entspannung auch auf viele Aktivitäten und Angebote im Kirchspiel zutreffen könnte. Schön wäre es, wenn wir bald mit den Puzzleteilen der einzelnen Gemeinden so zu spielen gelernt haben, dass ein zukunftsfrohes und Mut machendes Bild entsteht, das Lust zum Weiterspielen macht und sich viele Menschen unabhängig ihrer Kirchenzugehörigkeit angesprochen fühlen.

Kirche Moritzburg


Gertraud Schäfer

Vorsitzende des Kirchenvorstandes des Ev.-Luth. Kirchspiels in der Lößnitz

i www.youtube.com/c/KirchspielRadebeulReichenbergMoritzburg

Über Fußwege in Radebeul…

Romantisches Motiv für Maler und Fotografen: Zwei alte Platanen in der Friedlandstraße
vor Haus Friedland (Bennostraße)

Ein Foto in der Sächsischen Zeitung vom 6. Januar 2022 löste bei mir am morgendlichen Frühstückstisch eine regelrechte Lachsalve aus. Es zeigt einen fast fertig sanierten Radebeuler Fußweg mit großzügig eingefassten Baumscheiben (Pflanzbereiche für Bäume), die – wie im Beitrag beschrieben – an einigen Stellen für Fußgänger bis zur Grundstücksmauer nur noch 80 cm Platz lassen! „Nein, nicht schon wieder“, dachte ich. „Das kann doch einfach nicht wahr sein!“ Eigentlich wollte ich über etwas ganz Anderes schreiben. Doch das muss nun warten.
Mein ambivalentes Verhältnis zu Radebeuler Fußwegen wurde bereits in frühen Kindertagen geprägt. „Diese verfluchten Sterzl!“, klingt es mir noch heute in den Ohren, wenn ich mit meiner Großmutter (1902–1975) die Moritzburger hoch oder runter marschierte. Die Strecke zwischen Straßenbahn und Brühlstraße (später Prof.-Wilhelm-Ring) mit dem Bus zu fahren, wäre uns nie in den Sinn gekommen. Am ehemaligen Gasthof „Heiterer Blick“ war ja schon mehr als die halbe Strecke geschafft. Außerdem wurde es hier noch einmal richtig interessant. Denn in unmittelbarer Nähe befanden sich auch eine Anschlagtafel mit den Kinoprogrammen, eine Telefonzelle, ein Bäcker, ein Schreib- und ein Gemischtwarenladen. Kastanienbäume säumten die Straße. Im Herbst fiel uns Kindern das kostenlose Bastelmaterial in Form von rotbraun glänzenden Kastanien praktisch vor die Füße. Die Wurzeln der alten Bäume machten die Fußwege zur Abenteuerstrecke. Alles ist jedoch eine Frage der Perspektive und es macht einen Unterschied, ob man am Anfang oder am Ende des Lebens steht.
Beim Kramen in Kisten und Kästen stieß ich auf ein fünf Jahrzehnte altes Schreiben meiner Großmutter, genauer gesagt vom 22.11.1972, welches sie an den Rat der Stadt Radebeul, Örtliche Versorgungswirtschaft, gerichtet hatte. Darin bedankt sie sich für die Reparatur von zwei „Lampen“ im Bereich Moritzburger Straße/Winzerstraße/Ecke „Heiterer Blick“, wo es vorher so dunkel war, dass die Bus- und PKW-Fahrer verunsichert die Geschwindigkeit herab- und die Scheinwerfer heraufschalteten. Darüber hinaus weist sie auf ein weiteres, noch zu lösendes Problem hin. Recht anschaulich schilderte sie den Zustand der Fußwege, und meinte, dass es bei Regenwetter keinen Spaß machen würde, durch die „Babbe“ zu waten. Sie bekundete ihr Verständnis für die Behörde, bemerkte aber, dass sie für eine baldige Einreihung in die Planung dankbar wäre. Sie entschuldigte sich höflich für ihre Offenheit und endete wie damals üblich „Mit sozialistischem Gruß“.

Wie wichtig für sie und für viele andere Menschen der Zustand des Fußweges war, hing auch damit zusammen, dass sie in den frühen Morgenstunden zur Arbeit hasteten und nur die wenigsten ein eigenes Auto besaßen. Sehr gut erinnere ich mich an zwei unermüdliche Einzelkämpfer, wie sie nach Feierabend und an Wochenenden die Fußwege der Moritzburger Straße Abschnitt für Abschnitt mit Gehwegplatten bestückten. Im Stadtarchiv werden sich bestimmt noch Berichte über diese VMI-Einsätze finden lassen (VMI Abkürzung für Volkswirtschaftliche Masseninitiative).

Gehweg im mittleren Teil der Bahnhofstraße
mit Pflanzbereichen, Fahrradständer,
Geschäftsauslage und Fußgängern

Urlaubsschnappschuss von einem Fußweg
mit begehbarer Baumscheibenabdeckung

Dabei war das alles noch recht harmlos im Vergleich zur Finstern Gasse oder zur steil ansteigenden Burgstraße, die zur damaligen Ausflugsgaststätte „Friedensburg“ führte. Die abfließenden Regen- und Schmelzwässer suchten sich dort ihre eigenen Wege und ließen die Gräben zwischen großen Steinen und Geröll immer tiefer werden. Das Verlegen von ein paar Gehwegplatten hätte hier keinen Effekt gebracht. Doch das ist Vergangenheit und was lange währt, das wird vielleicht besonders gut. Die grundhafte Instandsetzung der Finsteren Gasse hat mein Redaktionskollege Dietrich Lohse dann im Juniheft von 2016 sehr fachkundig beschrieben und auch gelobt.

Ob Mangelwirtschaft oder Überflussgesellschaft – Diskussionen über den Zustand der Fußwege in Radebeul werden wohl ein Dauerthema bleiben. Bedingt durch die zahlreichen und großzügig bemessenen Einzelgrundstücke ist das Straßen- und Wegenetz außerordentlich weitläufig. So ist es auch verständlich, dass nicht alle auftretenden Mängel allein durch die wenigen Mitarbeiter der Bauverwaltung erfasst werden können. In Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung dürfte doch ein unkompliziert zu handhabendes Meldesystem kein Problem sein. Von Vorteil wäre auch ein Bauhof, wo man ortstypische Materialien erhält, um schnell mal ein kleines Loch in Eigeninitiative zu füllen, bevor es zu Unfällen führt. Wenn alle mitwirken im Sinne des Gemeinwesens, wäre das ein erster Schritt.

Neulich habe ich nicht schlecht gestaunt, als plötzlich ein Kleintransporter vor unserem Grundstück stand und ein Mann damit begann, die abgesunkenen Bordsteine anzuheben und schließlich den Fußweg auf traditionelle Weise mit einem frischen Sand/Kies/Lehm-Belag versah. Das Ganze lief reichlich unkompliziert ab. Ein Hinweis per Mail ans Bauamt hatte genügt. Meiner Dankesmail folgte eine Mail aus dem Amt mit dem Dank für die positive Rückmeldung und Dank für den Dank. Wer hätte das gedacht, die Methode „Machen statt meckern“ und auch mal „Danke“ sagen, hat doch wunderbar funktioniert!

Kreise beginnen sich zu schließen. Nun, da ich selbst kurz vor meinem 70. Geburtstag stehe, gehöre ich inzwischen zu denen, die den Blick bewusst vor und unter die Füße richten, wenn ich mich ohne Auto durch die Stadt bewege. Sand- und Kieswege werden von mir bei längeren Spaziergängen favorisiert. In den städtischen Zentrumsbereichen sind es die glatten Beläge, welche ich den unebenen vorziehe. Bei groben Kopfsteinpflasterungen denke ich zwangsläufig an mittelalterliche Folterinstrumente.

Vieles hat sich in einem halben Jahrhundert verändert. Bäume mussten dem Straßenverkehr weichen. Obstbäume sind heutzutage ohnehin als Straßenbäume ein Tabu. Das ländliche Flair der Lößnitz wird zunehmend verdrängt durch eine austauschbare Funktionalität. So manches romantische Motiv, das Generationen von Malern begeisterte, kann man sich nur noch auf deren Bildern anschauen.

Als gesunde ausgewachsene Bäume im mittleren Bereich der Bahnhofstraße leichtfertig für eine Neuordnung der Stellplätze geopfert werden sollten, standen alle Zeichen auf Sturm. Der Kampf um den Erhalt der Schatten- und Sauerstoffspender hatte sich schließlich gelohnt. Allerdings wundere ich mich bis heute darüber, wie man in Zeiten gravierender klimatischer Veränderungen überhaupt auf solche absurden Ideen kommen kann.

Der instandgesetzte Augustusweg mit Baumscheiben für Neupflanzungen im Gehwegbereich

Die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen gerät in der Gemengelage unterschiedlicher Instanzen und Zuständigkeiten sowie im Dschungel von Vorschriften, Empfehlungen oder Kann-Bestimmungen mitunter aus dem Blick. Dass das Konfliktpotenzial im öffentlichen Straßenraum zugenommen hat, ist eine Tatsache. Dabei könnte alles so einfach sein, würde sich jeder an den Paragrafen 1 der Straßenverkehrsordnung halten. Grundregel (1): „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Grundregel (2): „Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Nachträglich verkleinerte Pflanzbereiche auf der Gartenstraße

Die Realität sieht jedoch anders aus. So manches Problem hat sich von der Straße auf den Fußweg verlagert. Mehrfach habe ich erlebt, wie Radfahrer dort, von hinten kommend, rechts oder links in unfassbarem Tempo an mir vorbeigeschossen sind. In solchen Situationen schlägt meine Fantasie Purzelbäume und mein Herz beginnt wie wild zu klopfen bei dem Gedanken, was wohl passiert wäre, wenn ich im falschen Moment, eine falsche Bewegung gemacht hätte. Vielleicht sollte es auch eine Fahrerlaubnis für Radfahrer geben und jedwedes Gefährt, welches sich im öffentlichen Raum schneller als ein Fußgänger bewegt, sollte ein Kennzeichen erhalten.

Gefährlicher Gehwegabschnitt (Breite 40 cm)
mit Betonmast und Schaltkasten sowie
hohen Bordsteinen (Höhe 12,5 cm)
auf der neu sanierten Oberen Bergstraße

Der Seitenraum neben der Verkehrsfläche schließt nicht nur die Fußwege ein, sondern auch straßenbegleitende Park- und Grünflächen. Bei entsprechender Breite der verbleibenden Gehwege sind Misch- und Sondernutzungen möglich, was für Blinde und Sehbehinderte allerdings ein großes Problem darstellt. Abgesehen von Straßenlampen, Verkehrsleiteinrichtungen, Papierkörben, Hydranten, Elektrokästen, Mülltonnen, Pflanzkübeln, Fahrradständern, Pollern, Werbeschildern, Geschäftsauslagen und Außenbestuhlungen, sind oftmals wild abgestellte Fortbewegungsmittel wie Elektroscooter zu beachten. Selbst das Flanieren in Altkötzschenbroda setzt strategisches Denken voraus. Diese Strecke mit einem Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl zu testen, brächte zusätzlichen Erkenntnisgewinn.

Es ist schon ein wenig paradox, dort wo sich in Radebeul die wenigsten Fußgänger bewegen, sind die Fußwege am breitesten. Das betrifft sowohl die Kötzschenbrodaer, als auch die Meißner Straße. Bei letztgenannter muss ich mich jedoch korrigieren. Als neulich beim totalen Stromausfall keine Straßenbahnen fuhren, waren die Fußwege beidseitig sehr reich bevölkert. Vielleicht ist das Bauamt doch viel vorausschauender als die ewig nörgelnde Bürgerschaft vermutet und hat schon für wind- und sonnenarme Zeiten vorgesorgt.

Der breite Fußweg auf der Bahnhofstraße lädt zum Flanieren und Verweilen ein

Manche Fußwege gleichen einem Flickenteppich und andere wiederum konkurrieren farblich mit den Hausfassaden, statt deren zunehmende Intensität zu neutralisieren. Und manchmal verschmelzen die Fußwege gleich ganz mit dem modernistischen Ton in Ton von Zitronengelb über Hellkaramell bis Lößnitzocker. Doch die Natur bleibt davon unbeeindruckt. Sie setzt sich letztlich immer wieder durch. Im starken Kontrast zu den die „Sächsische Wegedecke“ imitierenden Betonsteinen verschafft sie sich, selbst in der schmalsten Fuge, die ihr gebührende Aufmerksamkeit.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und allen Radebeulern recht getan, ist (eben) eine Kunst, die keiner kann. Aber vielleicht sollten neue Mittel und Methoden angewendet werden, um die Bürger stärker in die Gestaltung ihrer Stadt einzubinden. Und vielleicht sollte man sich auch einmal Beispiele in anderen Städten anschauen, wie das Problem mit den Baumscheiben künftig besser gelöst werden kann. Meine Großmutter, und da bin ich mir ziemlich sicher, würde staunen, wieviel sich in Radebeul zum Positiven verändert hat – und das, nicht nur auf der Moritzburger Straße. Wenn mein Artikel über Fußwege in Radebeul das Interesse an der Thematik geweckt haben sollte, würde mich das sehr freuen. Zahlreiche Fakten zur historischen Entwicklung von Wegen, Gassen und Straßen der Lößnitzstadt finden sich u. a. auch in älteren Beiträgen von Vorschau & Rückblick, in der Radebeuler Denkmaltopografie sowie im Radebeuler Stadtlexikon.

Karin (Gerhardt) Baum

Weitere Beiträge zur Fußwegproblematik in Vorschau & Rückblick:
Dietrich Lohse „Es tat sich was in der Finsteren Gasse“, Juni 2016
Dietrich Lohse „Eine etwas kritische Wegebetrachtung – oder wo unsere Fußwege zu verbessern wären“, November 2016
Dr. Ursula Martin „Mit dem Rollator durch Radebeul“, September 2021

Editorial 2-22

Seit einigen Wochen geschieht Beispielloses nun auch im beschaulichen Radebeul.

Montag für Montag drängt eine stetig wachsende Zahl von Bürgern (nunmehr weit über 1000!) auf die Straße. Entgegen der zuerst ausgerufenen Versammlungsverbote, spaziert eine breite Bürgerschaft friedlich vom Bahnhof Radebeul-Ost über die Haupt- und Meißnerstraße, um nach einem längeren Bogen am Rathaus zu enden. Auf den Treppen des Haupteinganges werden unzählige Kerzen aufgestellt, die ein entschiedenes, wie auch versöhnliches Zeichen setzen wollen.

Ganz klar, wir alle sind ermüdet von den Strapazen und Zumutungen der letzten beiden Jahre. Die Meinungen sind bis in die Redaktion vielschichtig. Welcher Weg ist der geeignetste aus der Krise? Kann es nur eine richtige Antwort geben? Welche Maßnahmen ergeben tatsächlich Sinn, wo den heute zementierten Regeln morgen diametrale Erkenntnisse entgegenstehen?

Bei allem Verständnis für die schwierigen Abwägungsprozesse im Politikbetrieb, bleibt es nicht aus, dass der Irrgarten der geradezu kafkaesken Verordnungen und Richtlinien selbst den geduldsamsten Bürger kopfschütteln lässt.

Diese Zeit ist von einer enormen Dynamik geprägt. Pläne, die noch vor kurzem zur vollsten Blüte gebracht werden sollten, sind schon längst verwelkt. Daher ist und bleibt Behutsamkeit wohl das Gebot der Stunde.

Kurz vor Drucklegung erreichte mich zur Causa die Pressemitteilung unseres Oberbürgermeisters Bert Wendsche, der in einer überaus wohltuenden Weise mit seinem Schreiben: Zuhören, hinsehen, mitreden – Am Miteinander führt kein Weg vorbei! (S.35) zum gesellschaftlichen Zusammenhalt gemahnt.

Sascha Graedtke

Zum Titelbild




… von flüchtigen Momenten …

der seidene Faden II
temporäre Installation
Radebeul | 2020

Dieses fotografische Detail der Fadeninstallation entstand in einer wolkendurchzogenen, frühherbstlichen Mondnacht und spiegelte mir, in jenem Moment, den Gedanken des seidenen Fadens auf besondere Weise wider. Auch berührten mich die verschiedenen Reaktionen der Menschen, als einige von ihnen den Faden wie von selbst aufnahmen, ihn weiter spannen und durch ihre Einsichten erweiterten – schließlich mich damit bedachten.
So möchte ich Ihnen nun den seidenen Faden reichen und Sie im neuen Jahr begrüßen.
Möge er Sie, unscheinbar, kraftvoll, nicht nur durch dieses Jahr geleiten…

seiden der Faden
an dem alles hängt
verwebt er unsichtbar
den Raum, die Zeit und alles Sein
seiden der Faden
der alles trägt
auch dich
immer

Constanze Schüttoff

Copyright © 2007-2026 Vorschau und Rückblick. Alle Rechte vorbehalten.