„Der erste Eindruck ist der Beste!“

Günter Schreiber stellt im Coswiger Museum Karrasburg aus

Argwöhnisch und zum sofortigen Angriff bereit bewacht der Patriarch sein Häuschen. Am Fenster zeigt sich eine nackte Schöne, auf dem Dach üben sich noch weitere Grazien in allerlei erotischen Posen. „My Home Is My Castle“ könnte der Titel des Bildes lauten, doch das wäre zu eindeutig. Der direkte Weg aber ist Günter Schreibers Sache nicht. Er denkt um die Ecke und verbirgt in seinen Bildern manch durchaus kompliziertes Rätsel. „70 + 1“ hat der in Meißen gebürtige Künstler seine Ausstellung überschrieben, die am Abend des 14. Februar 2014 im Coswiger Museum Karrasburg eröffnet wurde. So hintersinnig wie ihr Titel ist aber auch der Inhalt dieser Ausstellung. Denn sie fordert neben einer notwendigen Ästhetik des Betrachtens zugleich auch immer die Fantasie des Besuchers heraus.

»Der erste Eindruck ist der Beste«, Radierung

»Der erste Eindruck ist der Beste«, Radierung

Wie zum Beispiel durch die Aquatinta-Grafik mit dem sinnigen Titel „Lästige Brührung“. Darin trifft der Friede (Pferd) auf den Krieg (Düsenjet). Glücklicherweise bleibt es nur bei einer eher flüchtigen Begegnung. Oder das Ölbild, auf dem ein geflügeltes Pferd (Öl/2014) seinen Reiter abwirft, die Flügel ausbreitet und endlich „frei“ von seiner Last ist. Pegasus lässt grüßen. Auch jene wundervoll hässlichen „Drei Grazien“ (Öl/2014), die sich ihre Unansehnlichkeit schönreden und sich so im Eigenlob sonnen. Sich selbst hat der Maler ebenfalls auf einem seiner Bilder in der Ausstellung untergebracht. „Selbst – Im Kreise der Freunde“ hat er das Ölbild unterschrieben. Die Freunde aber sehen weniger wie solche sondern eher wie das krasse Gegenteil aus. Schließlich sei noch jene Grafik erwähnt, der Günter Schreiber den Titel „Der erste Eindruck ist der beste“ gegeben hat und die ein besonders groteskes Beispiel für die Überheblichkeit des homo sapiens gegenüber der eigenen Art abliefert.

»Frei«, Öl, 2014

»Frei«, Öl, 2014

Egal, mit welcher Einstellung  und von welcher Seite sich der Betrachter den Bildern von Günter Schreiber nähert. Hintersinnig sind sie immer; die grafischen und malerischen Impressionen des im Jahre 1943 gebürtigen Meißners, der zunächst den Berufs des Graveurs erlernte und dann in den Jahren 1970 bis 75 an der Dresdner HfBK ein Studium der Wandmalerei absolvierte. In die Praxis entlassen arbeitete er in den 1980-iger Jahren u.a. am Wiederaufbau bzw. an der Restaurierung  der Semperoper mit, vermittelte seine Erfahrungen als Lehrer an junge Menschen und ist seit 2008 als Restaurator tätig.

»Drei Grazien«, Öl, 2013

»Drei Grazien«, Öl, 2013

Die Ausstellung in der Coswiger Karrasburg zeigt einen repräsentativen Querschnitt des gesamten Werkes von Günter Schreiber, dass sowohl die Malerei als auch die Grafik (mit all ihren verschiedenen Möglichkeiten) beinhaltet.

»Selbst – Im Kreis der Freunde«, Öl, 2013

»Selbst – Im Kreis der Freunde«, Öl, 2013

Wolfgang Zimmermann

Der Verein im Jahre 2014

Der Verein wird sich auch in diesem Jahr wieder in die städtebauliche Diskussion einbringen und versuchen, weiterhin Fürsprecher unserer Denkmale und des Stadtbildes, aber auch offen für Neues zu sein. Entsprechend ist unser Programm gestaltet, zu dem wir herzlich einladen. Als Moderator und Impulsgeber verstehen wir uns insbesondere beim zweiten Forum Was macht Radebeul aus; diesmal unter dem Thema „Wohin führt uns die Meißner Straße“. Diese ist ein Brennpunkt in der Verkehrsdiskussion und an sie sind viele Erwartungen gerichtet: sie soll den Verkehr bündeln und Ausweichverkehr vermeiden, überregionalen Verkehr durch die Stadt leiten und den Touristen als sächsische Weinstraße durch Radebeul führen. Da wir aber ein überkommenes Straßennetz haben und zum Glück keine großen Zerstörungen hinnehmen mussten, sind in vielen Bereichen die Ausbauquerschnitte erreicht. Gleichzeitig haben viele Familien mehr als einen PKW, wird der öffentliche Nahverkehr weiterhin stark nachgefragt und fahren wir wie auch unsere Kinder gern Rad. So bleibt als Alternative, neben einer guten Straßenqualität, oftmals nur, Rücksicht zu nehmen, rechtzeitig loszufahren, das „Immer mehr“ des täglichen Wollens nicht im Straßenverkehr für sich herauszufahren. Aus diesen Gedanken heraus erscheint es wichtig, dass wir unser Leitbild, unsere Vision der Meißner Straße fortentwickeln: für wen soll und kann sie da sein (z. B. Schwerlastverkehr, öffentlicher Personennahverkehr, PKW-Verkehr, Radverkehr, Handel, Wirtschaft, Wohnbebauung, Weinstraße, Aus- und Eingangstor zu Dresden und Coswig). Es sollte uns dabei nicht stören, dass ein Ziel vielleicht niemals ganz erreichbar ist, das Leben stets Abweichungen bereithält und manches nur für Teile zutrifft. Aber einen Leitgedanken zu haben, versetzt uns in die Lage, Vorhaben hieran zu messen und bewusst steuern zu können. Deshalb lädt der Verein für Freitag, den 16. Mai, herzlich in das Gymnasium Luisenstift um 19.30 Uhr ein. Sie sind gern gebeten, bereits vorab uns ihre Kurzstellungnahmen zuzusenden (vv@denkmalneuanradebeul.de), weil wir dann gezielt die Veranstaltung mit Themengruppen vorbereiten können, es soll ja nicht nur dabei bleiben, dass sich jeder seines Unmutes über die Zustände entledigen kann.

Ein weiteres zentrales Vereinsthema ist natürlich der Bismarckturm mit der Idee der Belebung des Denkmales, um damit dessen Sicherung erreichen zu können. Hier läuft unsere Sammlungsaktion gut, ca. 45.000 € sind schon zugesagt und damit etwa ein Viertel der benötigten Mittel, um eine Treppe und eine multimediale Installation einbringen zu können. Letztere ist uns genauso wichtig wie die Treppe, denn sie soll die Geschichte der Stadt dem heutigen Blickfeld gegenüber stellen. Aus einem Schauen ins Land kann damit ein bewusstes Schauen in die Stadtentwicklung werden. Werden Sie Pate einer Stufe oder eines Podestes; Stufen kann man auch gemeinsam mit anderen „erwerben“ und die Namen auf dieser eintragen lassen.

Weitere Themen, mit denen sich der Verein in 2014 befassen möchte, sind am 11. April ein Vortrag mit anschließender Gesprächsrunde zu „Bäumen in Radebeul“. Uns wird interessieren, was in den letzten 20 Jahren gewachsen und verschwunden ist, also die Ergebnisse der Baumerfassung, und in welchem Zustand sich der Baumbestand Radebeuls befindet. Es geht um einen wichtigen Teil des Stadtgrüns und nicht zuletzt steht die Frage zur Beantwortung an, wann ein Baum gefällt werden muss. Am 14. September soll es dann um „Die Haustür – Der Ausweis des Hauses“ gehen. Der Verein bemüht sich ja, auch mit ganz praktischen Hinweisen zu helfen und Orientierung zu geben. Mit Vortrag und Diskussion unter dem Titel „Weißt Du, wo Du wohnst? Radebeuler Ortsteile, ihre Grenzen und geographische Hintergründe“ schließen wir die diesjährige Vortragsreihe ab.

Besonders liegt uns natürlich auch das Erleben der Stadt in ihren Ortsteilen am Herzen. Daher wechseln sich jährlich der Tag der offenen Aussicht und der Tag des offenen Gartens ab. Am 14. Juni, zum dritten Mal nunmehr, ist es wieder soweit: alle interessierten Radebeuler sind herzlich eingeladen, grüne Kleinode zu erleben und sich so Anregungen zu holen und auszutauschen. Wer wann wo für uns öffnet, erfahren Sie rechtzeitig aus der Presse. Interessierte Gartenbesitzer, die jetzt oder in den nachfolgenden Jahren ihren Garten für Besucher öffnen möchten, können sich gern unter der o.g. Email an uns wenden. Das gilt natürlich auch für alle Themen, die der Verein in Radebeul vertreten kann.

Nicht zuletzt lädt jeden letzten Samstag im Monat 11 Uhr der Verein zu einer literarischen Führung durch den Hohenhauspark ein. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr der 100ste Todestag von Marie Hauptmann am 6. Oktober.

Dr. Jens Baumann

Vom Roten Haus zur Streuobstwiese

Ausstellung mit Werken von Irene Wieland in der Radebeuler Stadtgalerie

Wie schön, dass es inmitten der winterlichen Tristesse einen Ort gibt, der an warme sonnige Tage erinnert. Gleich einer heiteren Ouvertüre lädt die erste Ausstellung des Jahres 2014 „Ins Grüne“ ein. Seltsame Stahl-Gewächse sprießen überlebensgroß aus der verschneiten Galerie-Hof-Wiese. Bilder in leuchtender Farbigkeit wecken Sehnsüchte, lassen Kälte und Dunkelheit vergessen. Mehr »

Editorial

Was, nur 30 im Monat?
Samstag war Premiere in der Landesbühne: „König Lear“. Wie immer, erhalte ich freundlicherweise eine Einladung von den Landesbühnen Sachsen, und wenn es die Zeit erlaubt und die Lust dazu kommt, nehme ich die Einladung gern wahr. So auch diesmal, aber keine Angst, die Rezension kommt nicht jetzt an dieser Stelle, sondern einige Seiten später. Die Vorbereitung auf den Theaterbesuch beginnt ja oft mit einem Blick ins Internet, um sich über Anliegen und Darsteller zu informieren und dabei ist mir etwas aufgefallen. Mehr »

Werner Wittig verstorben

Als wir in der Januar-Ausgabe des kulturellen Monatsheftes „Vorschau und Rückblick“ eine Rezension über die Gemeinschaftsausstellung der Radebeuler Maler und Grafiker Werner Wittig und Michael Hofmann veröffentlichten, ahnten wir nicht, dass Werner Wittig bereits am 31. Dezember 2013, wenige Wochen nach seinem 83. Geburtstag, verstorben war.
Mit ihm verliert Radebeul einen der profiliertesten Künstler, welcher in bester Tradition des „Dresdner Malkultur“ stehend, weit über die Grenzen der Lößnitzstadt hinaus Anerkennung fand. Neben nationalen und internationalen Auszeichnungen erhielt er im Jahre 2000 den Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul. Geschätzt wurde Werner Wittig vor allem auch von den Grafiksammlern, hatte er doch eine ganz spezielle Holzrisstechnik entwickelt. Gleichsam als Maler und Grafiker reflektierte er die einfachen Dinge des Alltages, lies er Landschaften und Stillleben ineinander verschmelzen, hob er mit seiner Kunst die Grenzen auf von Raum und Zeit.
Ein ausführlicher Beitrag zur Erinnerung an Werner Wittig befindet sich in Vorbereitung und wird in einer der nächsten Ausgaben veröffentlicht.
Die Redaktion

Ceterum censeo

Zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Magirius

Der Lauf der Begebenheiten hat dem Genius der Zeit eine Richtung gegeben, die ihn mehr und mehr von der Kunst des Ideals zu entfernen droht. […]Jetzt aber herrscht das Bedürfnis und beugt die gesunkene Menschheit unter sein tyrannisches Joch. Der Nutzen ist das Idol der Zeit, dem alle Kräfte fronen und alle Talente huldigen sollen.
Es war Friedrich Schiller, der diese Feststellungen traf. Sie könnten gestern geschrieben sein, doch die Tinte ist bereits seit 230 Jahren trocken. Der zählbare, greifbare Nutzen aber ist heute mehr denn je zum Maß aller Dinge geworden. Selbst die Geburt von Kindern hat diesem Idol zu fronen. Zwar hat Lenin zwischenzeitlich sein wem nutzt es? zu fragen gewagt, doch der ist ja nun mit gutem Gewissen nicht mehr zitierbar, und also ist auch die Frage nicht mehr relevant.

Schiller hielt trotz seiner Einsicht an seinem Vorhaben fest, zur Erziehung des Menschen zur Ästhetik seinen Beitrag leisten zu wollen. Seit her gab und gibt es, sicher auch durch ihn ermutigt, immer wieder Menschen, die versucht haben und versuchen, kulturelle Werte gegen die Tyrannei des Marktes und des Geldes zu verteidigen.
Professor Dr. Heinrich Magirius ist einer von ihnen.Verleihung Kunstpreis 2010
Scheinbar unbeeindruckt von dem von Schiller bezeichneten Genius der Zeit hat er seit frühester Jugend an seinem Ideal festgehalten, die uns von unseren Vorfahren überlieferten ästhetischen Werte für die Zukunft zu bewahren. Ja, dieses Bewahrenwollen ist ihm, geradezu in Umkehrung der Schillerschen Negativanalyse, sehr früh schon zum beherrschenden Bedürfnis geworden, unter dessen Joch er sich freudig beugte.
Die Motivation dazu zog der Knabe aus dem traumatischen Erlebnis des Unterganges von Dresden. In dessen Folge pflegte er schon als Jugendlicher Umgang mit so bedeutenden Denkmalpflegern wie Fritz Löffler und Hans Nadler. Da konnte er erleben, wie diese keine Gelegenheit ausließen, die Notwendigkeit des Wiederaufbaus etwa des Zwingers oder des Semperschen Opernhauses zu betonen. Ohne deren ceterum censeo (sie hatten ihren Cato gelesen und verstanden), ohne dieses gebetsmühlenarige Wiederholen des Selbstverständlichen hätten vermutlich auch in Dresden erst gut ausgeleuchtete zwischenzeitliche Flachbauten entfernt werden müssen, um das Residenzschloß aus dem Nichts neu erstehen lassen zu können. So aber blieben mit den Ruinen von Frauenkirche, Taschenbergpalais und Schloß auch als Vermächtnis und Verpflichtung im Bewußtsein der Öffentlichkeit erhalten.
Heinrich Magirius speiste seine Begeisterung aus dem Studium der Kunstgeschichte und der christlichen Archäologie. Trotz erheblicher ideologischer Bedenken – der Jubilar entstammt einer Pfarrerfamilie – bekam er 1958 eine Anstellung am damaligen Institut für Denkmalpflege in Dresden.
Der praktische Umgang mit den Zeugnissen romanischer und gotischer Baukunst, mit Kunst und Architektur der Renaissance und des Barock bis hin zur Gründerzeit und frühen Moderne vertiefte seine Kenntnisse und sein Verständnis im Umgang mit dem Erbe. Dies ermöglichte es ihm recht bald auch, die Banalität sich modern gebärdender Nachfolgebauten – ein Zug, in dem sich die Jahre vor und nach 1990 leider kaum unterscheiden – deutlich beim Namen zu nennen. Umso größer ist seine Freude, wenn er gelegentlich auf qualitätvolle Gegenwartsarchitektur trifft.
Seine Beharrlichkeit, seine aus tiefer Sachkenntnis wachsende Kompetenz verhalfen freilich nicht nur ihm selbst, sondern auch seinem Dresdner Amt zu internationaler Anerkennung.
Denkmalpflege, schrieb Volker Helas 1996, erleichtert die Orientierung in der Geschichte. Es mag sein, daß diese vielleicht nicht zu beziffern ist, für ein erfülltes Leben ist sie jedoch unerläßlich.

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß wir allen Grund haben, Heinrich Magirius zu seinem 80. Geburtstag am 1. Februar nicht nur zu gratulieren, sondern ihm zu danken für sein auch uns zu Orientierung verhelfendes Wirken. Für die Zukunft wünschen wir ihm anhaltende Wachheit und Kraft für die Begeisterung an den ästhetischen Werten der Vergangenheit und auch der Gegenwart, die nicht zuletzt dank aufmerksamer Denkmalpfleger im Lauf der Begebenheiten erhalten bleiben werden.
Thomas Gerlach

 

„Ein gewisses kleines Präriehuhn!“ 

Das Westernmusical „Annie Get Your Gun“ hatte an den Landesbühnen Sachsen Premiere

Dass ein Musical statt auf nur einen Song gleich auf mehrere echte Ohrwürmer verweisen kann, ist wohl eher die Ausnahme in diesem Genre. Auf dieser positiven Seite würde man natürlich Musicals wie „My Fair Lady“, „Cats“ oder „Evita“ finden.  Bei Irving Berlins Musik zum Westernmusical „Annie Get Your Gun“ hält sich der musikalische Aha-Effekt zwar in überschaubaren Grenzen. Dennoch trällert nicht nur der kundige Besucher im Geiste mit, wenn im Duett Annie Oakley/Frank Butler der Ohrwurm „Alles was Du kannst, das kann ich viel besser“ erklingt. Oder summt leise mit, wenn Annie mit dem Song “Doch am Schießeisen beißt keiner an“ die sehr einseitige Sicht der Männer auf die Weiblichkeit beklagt. Allein unter diesen Aspekten betrachtet, ist „Annie Get Your Gun“ nur ein Musical unter vielen. Das aber sieht etwas anders aus, wenn diese abenteuerliche Liebesgeschichte in einer Neuinszenierung an den Landesbühnen Sachsen bzw. in Radebeul ihre Premiere erlebt. Hier ist man im speziellen Fall stets gut beraten, wenn auch lokales Kolorit in die Inszenierung einfließt.

»Annie get your gun« – mit Michael König, Susanne Engelhardt und den Damen und Herren des Chores

»Annie get your gun« – mit Michael König, Susanne Engelhardt und den Damen und Herren des Chores

Will sagen, wenn man aus dem Stoff selbst Rückschlüsse auf bedeutende lokale Persönlichkeiten ziehen kann. Gemeint sind damit bspw. ein Karl May oder auch ein Hans Stosch Sarrassani. Ersterer hat den Wilden Westen ausgiebig beschrieben ohne ihn je life gesehen zu haben, der Zweite hat als einer der ersten u. a. originale Indianer über das „große Wasser“ nach Europa geholt und sie hier in seinen Shows auftreten lassen.  Landesbühnen Sachsen Intendant Manuel Schöbel, der „Annie Get Your Gun“ als erstes Stück seines Hauses im neuen Jahr 2014 selbst inszenierte, fügt der temporeichen Handlung zudem noch allerhand anderes lokales Kolorit bei. So lässt  er z.B. beim Empfang der Protagonisten von „The Best Show On Earth“ auch Mister und Missis Müller aus Zitzschewig  aufrufen. Schöbel scheut sich ebenso nicht, dem Text zusätzlich ein paar sehr bekannte Filmzitate beizumischen. Dazu gehören bspw. Sätze wie die im Filmhit „Casablanca“ geäußerten  Aufforderungen „Schau mir in die Augen, Kleines!“ und  „Spiel’s noch mal, Sam!“, die längst schon der Kategorie „geflügelte Worte“ angehören.  Unter diesen bzw. inklusive dieser Aspekte nun scheint der Stoff der ersten Premiere der Theater GmbH „Landesbühnen Sachsen“ im neuen Jahr 2014 durchaus eine gute Wahl gewesen zu sein. Zumal das Buch von Herbert und Dorothy Fields sich an tatsächlichen Ereignissen orientiert. Doch nicht nur deshalb ist das Ensemble mit einer spürbaren Spielfreude bei der Sache, die Akteure vertiefen durch ihr engagiertes Spiel noch zusätzlich die zahllosen Turbulenzen dieser wahrhaften Geschichte.
Die Handlung ist relativ schnell erzählt. Die junge Annie Oakley (Susanne Engelhardt) ist mit ihren Geschwistern auf der Suche nach dem Schießkünstler Frank Butler (Michael König). Als sie fündig wird, fordert siel ihn zu einem Wettstreit  heraus, den er in reichlich überheblicher Manier annimmt. Denn für ihn ist Annie eh nicht mehr als ein „gewisses kleines Präriehuhn“. Doch Annie gewinnt das Schießen und Franks Superman – Image bekommt erste Risse. Natürlich verlieben sich beide dennoch ineinander, ohne es aber dem jeweils anderen gegenüber zugeben zu wollen. Annie macht Karriere und geht als Schießkünstlerin mit auf Europatournee. Mit ihr landen auch die ersten nordamerikanischen Indianer in der alten Welt. Auch mit dieser Geschichte bleibt der Autor ganz dicht dran an tatsächlichen historischen  Ereignissen. Wenn man sich auch hie und da gewünscht hätte, dass der Pfefferstreuer intensiver geschüttelt worden wäre. Denn sowohl die verbalen wie auch musikalischen Streitigkeiten zwischen Annie und Frank wirken mitunter weniger emotional als vielmehr allzu einstudiert.  Dieses Manko  kann leider auch die opulente Ausstattung (Tilo Staudte) nicht wettmachen.  Obwohl man sich ganz am Rande im Text gar einen leisen Seitenhieb auf die Macht der Künstlersozialkasse leistet, den die aber wohl geflissentlich überhören wird.
„The Best Show On Earth“ geht zu Ende mit dem gesungenen und getanzten Optimismus, der suggeriert, dass man ja trotz aller Widrigkeiten immer noch „…die goldene Sonne und den Silbermond“ besitze.

Wolfgang Zimmermann

Neuer Pfarrer in Coswigs Ev.-Luth. Kirchgemeinde Peter-Paul ab Februar 2014

Pfarrer Christoph Gutsche

Pfarrer Christoph Gutsche

Vor 13 Jahren begann Pfarrer Ullrich Schuster in Coswig seinen Dienst. Im letzten „Zweiklang“, den Mitteilungen der Ev.-Luth. Kirchgemeinden Peter-Paul Coswig und Brockwitz-Sörnewitz, verabschiedeten sich nun Ingrid und Ullrich Schuster von ihren Gemeindemitgliedern. „Es waren meist aufregende Zeiten miteinander“, schreiben sie.
Da der Abschied von Schusters in den verdienten Ruhestand lange bekannt war, wurde die Pfarrerstelle öffentlich ausgeschrieben. Als einziger Bewerber hatte sich Pfarrer Christoph Gutsche aus Heimburg im Harz beworben.
Die Coswiger Kirche war am 6. Oktober 2013 im unteren Kirchenschiff bis auf den letzten Platz besetzt. Etwa 300 neugierige Besucher wollten den evtl. neuen Pfarrer kennen lernen. Der Brockwitzer Pfarrer Matthias Quentin stellte der Gemeinde Pfarrer Christoph Gutsche aus Heimburg (Harz) vor. Nach dem Gottesdienst, in dem der 45-jährige Pfarrer über das Thema „Heil und Heilung“ gepredigt hatte, blieben noch viele Besucher bei einer Gesprächs- und Fragestunde in der Kirche, in der man noch viel über Herrn Gutsche erfuhr. In Bischofswerda geboren, studierte er in Leipzig und Berlin Theologie und war in Gemeinden im Ostharz tätig.  Nach Ablauf seines Vertrages in Heimburg wäre er ab Jahresbeginn frei und könnte seine Tätigkeit in Coswig beginnen.
Nachdem er sich also am 6. Oktober 2013 in Coswig im Gottesdienst und der anschließenden Fragestunde vorgestellt hat, haben die Kirchvorstände von Brockwitz-Sörnewitz und Coswig in einer gemeinsamen Sitzung Pfarrer Gutsche zum neuen 1. Coswiger Pfarrer gewählt.

Er hat die Wahl angenommen und so ist er und seine Partnerin Frau Anne Kersten, von Beruf Hebamme, im Januar 2014 nach Coswig gezogen und ab Februar wird er dann hier Dienst tun. Die Wohnung im Pfarrhaus am Ravensburger Platz wird zurzeit renoviert. Familie Schuster war nach Sohra gezogen, wo sie sich ein Haus gebaut hatten. Aber weil der neue Pfarrer Gutsche erst ab Februar zur Verfügung steht, stieg Ullrich Schuster in der Weihnachtszeit noch einmal auf die Kanzel und predigte vor „seiner“  Gemeinde.

Hans Kühl

Baum des Jahres 2014: Trauben-Eiche (Teil 1)

Als 1989 erstmals ein Baum des Jahres gewählt wurde, entschied man sich für die Stiel-Eiche (Quercus robur). 2014 steht nun die nahe verwandte Trauben-Eiche (Quercus petraea) im Mittelpunkt.
Während bei der Wahl des Baumes häufig auch der Gefährdungsgrad einer Art (z. B. Elsbeere oder zuletzt Holz-Apfel) ausschlaggebend war, trifft das für die Trauben-Eiche keineswegs zu. Sie ist eine gängige Waldbaumart, wenn sie auch nicht so häufig wie die Stiel-Eiche vorkommt.
Dennoch gibt es gute Gründe, sich neuerlich mit einer Eiche zu befassen – nicht zuletzt auch, weil sie in unserem Denken gewissermaßen als der „deutsche Baum“ verankert ist, wobei man dabei zwischen den beiden Eichenarten gar nicht so genau unterscheidet.
Auf den ersten Blick sehen sich beide Eichenarten  auch ziemlich ähnlich. Das Borkenmuster weist keine nennenswerten Unterschiede auf, ebenso wenig die Wuchsform, zumal die sehr von den jeweiligen Standortbedingungen abhängt. Nur im Freistand kann ein Baum seine tatsächlichen Eigenarten entfalten, im Bestand dagegen nur mehr oder weniger.
Wirklich markante Unterschiede beider Eichenarten gibt es nur bei den Blättern und bei den Fruchtständen.
Die oberseits dunkelgrünen und unterseits etwas helleren Blätter der Trauben-Eiche haben ca. 2 -2,5 cm lange Stiele, an die sich die Blattspreite keilförmig anschließt. Bei der Stiel-Eiche ist der Blattstiel nur ein paar Millimeter lang, und das Blatt umgibt ihn mit zwei kleinen Öhrchen. Die Blattformen unterscheiden sich kaum. Sie sind eingebuchtet, verfügen über 5 – 7 Lappen und erreichen bei einer Breite von 5 -7 cm eine Länge von 10 – 15 cm.   Allerdings haben die Blätter der Trauben-Eiche im Gegensatz zu denen der Stiel-Eiche lediglich zu den Lappen hin verlaufende  Adern.  Bezüglich der Blattgröße beider Arten, zeigt ein bloßer Blick auf den herbstlichen Waldboden, wie groß die Variationsbreite selbst bei ein und demselben Baum ist.
Noch eindeutiger lassen sich beide Arten – allerdings erst im Herbst und dann nur für kurze Zeit –  anhand ihrer Fruchtstände bestimmen. Bei der Stiel-Eiche sitzen die Becher mit 1 – 3 Eicheln an einem längeren Stiel, während sie bei der Trauben-Eiche zu mehreren traubenartig an einem kurzen Stiel ausgebildet werden.
Ihren Namen verdanken beide Arten also ihren Fruchtständen.
Nicht immer aber sind diese Merkmale so eindeutig, weil beide Arten fertile Bastarde (Quercus x rosacea) bilden können, die dann natürlich  über Merkmale beider Eltern verfügen. Ob es sich tatsächlich um einen  solchen Nachkommen handelt, lässt sich endgültig  nur durch eine Genanalyse klären. Eine derartige Vermischung setzt aber voraus, dass Stiel- und Trauben-Eiche einen gemeinsamen Standort besiedeln. Dabei hat die Stiel-Eiche eine höhere Standortamplitude, ist also in Bezug auf die Boden- und Klimaverhältnisse flexibler, während die lichtbedürftige Trauben-Eiche feuchte Böden oder gar Staunässe meidet und eher an trockenen und wärmebegünstigten Hängen wächst.
Im Radebeuler Raum lässt sich diese Vorliebe der Trauben-Eiche sehr überzeugend an den südexponierten Hängen einstiger, aber längst wieder bewaldeter Rebhänge ablesen. baum
Wie die Stiel-Eiche gehört die Trauben-Eiche zur Familie der Buchengewächsen (Fagaceae).
Ihr Verbreitungsareal erstreckt sich weit über die nördlich Hemisphäre. In Mitteleuropa gilt sie als häufig, wobei es dort wohl kaum noch ganz ursprüngliche Vorkommen gibt, weil die Trauben-Eiche eben auch ein geschätzter Forstbaum ist und so unter menschlicher Einwirkung auch auf ihr zusagenden Arealen gepflanzt wurde.
Sie bevorzugt mäßig trockene Stein- und Lehmböden,  wintermilde Klimalagen und kommt von der Ebene bis ins Mittelgebirge vor.
Charakteristisch für die sommergrüne Trauben-Eiche ist vor allem  der langschäftige Stamm. Die graubraune Rinde ist bei jüngeren Bäumen noch glatt. Mit zunehmendem Alter bildet  sich die längsrissig tief gerippte Borke aus.
Der Blattaustrieb setzt bei der Trauben-Eiche etwa 14 Tage später als bei der Stiel-Eiche ein; dafür fallen ihre Blätter wesentlich später ab, was ihr auch den volkstümlichen Namen „Wintereiche“ eintrug.
Die windblütige Art ist einhäusig und bildet männliche ca. 6 cm gelbe, hängende Kätzchen und recht unscheinbare weibliche Blüten aus, die zwischen April und Mai erscheinen. Die Fruchtreife erfolgt von September bis Oktober. Dann fallen die sehr nährstoffreichen, aber wegen ihrer Bitterstoffe für uns eher ungenießbaren Eicheln aus ihren Bechern und bieten Nahrung für Mäuse, Eichhörnchen, Wildschweine und natürlich für den Eichelhäher, der nennenswert an ihrer Verbreitung beteiligt ist, indem er die Eicheln als Wintervorrat oft weitab von der Fundstelle versteckt. Dort können sie sehr schnell keimen und schon im nächsten Jahr eine kleine Eiche hervorbringen. Im in-vitro-Versuch hatte die Wurzelspitze bereits nach 8 Tagen die hölzerne Fruchthülle durchstoßen, und nach weiteren 20 Tagen hatte die Wurzel schon eine Länge von ca. 3 cm. Wenig später zeigte sich erstes Grün – der Grund der künftigen, aber noch in der Eichel verborgenen Keimblätter.
Ehe solche Pflanzen aber ins blühfähige Alter kommen, vergehen mindestens 15 – 20 Jahre – gemessen an dem möglichen Alter von mehr als 800 Jahren ist das allerdings eine sehr kurze Zeitspanne. Ihre maximale Wuchshöhe von bis zu 40 m haben die Eichen dann längst erreicht und möglicherweise einen Stammdurchmesser von 2 m und mehr. Solche imposanten Veteranen sind jedoch die Ausnahme; denn auch die Trauben-Eiche wird seit jeher vom Menschen genutzt.

Dr. Ulrike Schaksmeier                       (Fortsetzung im  nächsten Heft)

Die Unkersdorfer Kirche

Ruth Wagner. 2003

Ruth Wagner. 2003

Im 1999 nach Dresden eingemeindeten Unkersdorf gehören Schule, Kindergarten, Dorfkonsum, Poststelle, Telefonzelle und Tankstelle nun schon länger der Vergangenheit an. Unkersdorf kann aber eine Kirche und einen Gasthof aufweisen. Begibt man sich von diesem und der vor ihm stehenden Nagelschen Säule auf der durch das Dorf führenden Straße bergab, so gelangt man bald zum Mittelpunkt des Ortes. Diesen bildet die evangelische Dorfkirche. Sie ist der Stolz der Unkersdorfer. Umschlossen wird die Kirche vom Friedhof mit einer Friedhofsmauer aus heimischen Plänersteinen.
Schon Mitte des 14. Jahrhunderts besaß Unkersdorf eine Kirche. Im Chorbereich der kleinen Saalkirche sind noch romanisches Mauerwerk und Reste mittelalterlicher Wandbemalung vorhanden. Über die Jahrhunderte war Unkersdorf im Oberland ein relativ wohlhabendes Bauerndorf. Noch 1871 war es von der Einwohnerzahl (202) eines der größten Dörfer der Region. Wo sollte, wenn nicht hier, eine Kirche stehen?
Ursprünglich war Unkersdorf ein Bestandteil des Burgwardkirchsprengels von Briesnitz. Schon vor 1495 trennte sich Unkersdorf kirchlich von Briesnitz. Der Pfarrer hatte seinem Briesnitzer Amtsbruder als Entschädigung bis ins 17. Jahrhundert hinein 12 Scheffel Getreide abzugeben. Andererseits floss der Zehnte (Bischofszehnt) von Oberwartha, Rennersdorf, Cossebaude, Leuteritz, Merbitz und Mobschatz nach Unkersdorf.
Die Nachbardörfer Steinbach und Roitzsch wurden 1539 bzw. 1578 nach Unkersdorf eingepfarrt. Erster evangelischer Pfarrer wurde 27 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers in Wittenberg 1544 Johannes Underheil. Von ihm wissen wir, dass er als armer, ungelehrter Mann, der Latein weder reden noch schreiben könne, die Pfarrstelle erhielt. Inzwischen hat Unkersdorf seinen 25. Pfarrer. Letzterer betreut auch die Kirchgemeinden in Weistropp und in Constappel. Bereits 1931 wurde die Unkersdorfer Kirche eine Filialkirche von Weistropp.
Die Kirche befindet sich in einem guten baulichen Zustand und wurde kürzlich erst außen renoviert. Der Einsatz der Gemeindemitglieder für ihre kleine wohlgefällige Dorfkirche war zu allen Zeiten bemerkenswert.
Umbauten erfolgten 1586 und 1613 sowie 1697 mit Neubau des Saales und Umbau des Chores. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde die Kirche 1766 wieder hergestellt und ausgeschmückt. Erneuerungen erfolgten in den Jahren 1774, 1797, 1894 und 1906. Wahrscheinlich wurde auch 1906 der Abriss der zweigeschossigen Empore und der Einbau einer eingeschossigen Empore vorgenommen. 1938 wurde das Kircheninnere umfassend renoviert. Der durch Beschuss 1945 schwer beschädigte Kirchturm war 1949 in etwas veränderter Form wieder aufgebaut worden. Erstaunlich, was damals möglich war und geleistet wurde.
1971 wurde eine Neueindeckung des Turmes mit Schiefer notwendig. Eine große Renovierung erfolgte von 1979 bis 1985. Dabei wurde ein Gemeinderaum eingebaut. Gleichzeitig erfolgte der Verkauf der Pfarre. In letzterer weilte im Siebenjährigen Krieg auch Friedrich der Große. Der Kirchraum ist ein saalartiger Bau mit flacher Decke, der gegen Osten im Achteck geschlossen ist und hier an den Ecken halbhohe Strebepfeiler hat. Das Dach ist über dem Chor abgewalmt, über dem Westgiebel befindet sich ein achteckiger verschieferter Dachreiter mit Haube und spitzem Helm. In der Wetterfahne ist die Jahreszahl 1586 erkennbar. An den Längsseiten hat die Kirche flachbogige Fenster und am Chor Rundbögen.
Das Eingangstor aus Sandstein befindet sich an der Südseite. Es stammt vermutlich aus dem Jahr 1586. Erst kürzlich wurde es erneuert. Ein weiteres Tor wurde 1906 an der Westseite eingebaut. Der Raum ist im Lichten 5,90 m hoch. An der Chorseite liegt die Sakristei, welche durch eine hölzerne Wand mit zwei Durchgängen verdeckt wird.

Ruth Wagner. 2003

Ruth Wagner. 2003

Zwischen diesen Durchgängen befindet sich der Altar. Auf dem Altarbild von um 1600 ist eine Abendmahlszene dargestellt. Über dem Altar ist die Kanzel angeordnet. Der prachtvolle Kanzelaltar mit seinen Rokoko-Formen stammt von 1766. Er ist ein besonderes Schmuckstück der Kirche.
An beiden Seitenwänden befindet sich eine einfache Empore. Die nach Westen liegende Orgelempore ist vorgezogen. Die Orgel von Bruno Kircheisen aus dem Jahr 1896 wurde nach einer umfassenden Restaurierung für ca. 60.000 DM im Mai 1999 wieder eingeweiht.
Die beiden farbigen Altarfenster schenkte 1904 seiner Heimatgemeinde der 1839 als Sohn des Unkersdorfer Schullehrers geborene Leberecht Hartwig. Zuvor hatte er bereits 1891 eine der drei Kirchenglocken gespendet. Als markante Persönlichkeit war er 20 Jahre Stadtverordneter in Dresden und 4 Jahre Mitglied des Reichstages.
Im Jahr 2003 gaben die Unkersdorfer zwei nach dem letzten Kriege von Weistropp erhaltene Glocken (die von 1521 und 1836) wieder zurück. Das Geläut wurde wieder vervollständigt durch eine frei verfügbare Weistropper Glocke und den Guss einer neuen Bronzeglocke in Lauchhammer. Pfingsten 2004 erfolgte die Glockenweihe.
Auf dem Friedhof wird an die einheimischen Gefallenen des 1. Weltkrieges erinnert. Ein Gemeinschaftsgrab für die im Mai 1945 um Unkersdorf gefallenen deutschen Soldaten mahnt.
In der Kirche haben die Unkersdorfer am 31. Dezember 2000 in einer Edelstahlschatulle eine Nachricht an ihre Nachkommen im Jahre 2100 hinterlegt. Diese werden dann hoffentlich die 750. Wiederkehr der urkundlichen Ersterwähnung Unkersdorfs begehen, wo heute ein so reges Gemeindeleben stattfindet.
Den Unkersdorfer Jazztagen bot die Unkersdorfer Kirche von 2001 bis 2005 eine Heimstatt mit besonderer Atmosphäre.
In der Regel ist die Kirche verschlossen. Eine Besichtigung des Innenraumes außerhalb von Gottesdiensten ist nur mit etwas Glück möglich. Dann muss man auf einen Einwohner treffen, welcher einen Kirchschlüssel besitzt.
Gegenwärtig gehört die Unkersdorfer Kirche, obwohl auf dem Territorium Dresdens liegend, noch zum Kirchenbezirk Meißen. Vielleicht führen die Strukturveränderungen in der evangelischen Landeskirche Sachsens zu einem Näherrücken der Unkersdorfer an ihre alte Mutterkirche in Briesnitz.

Harald Worms

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