Klingendes Inseldrama, auch ohne Leitfaden herrlich

Ariadne auf Naxos von Strauss / Hoffmansthal an den Landesbühnen

Opera seria oder Lustspiel? Diese Frage sollte sich nicht ernsthaft auf einer Bühne stellen, es sei denn, der Librettist will es so. Ein willkommener Ansatz für jeweils aktuelle Umarbeitungen wie diese von Annette Jahns.

Ganz offensichtlich hat dies dem gesamten Opernensemble der Landesbühnen großen Spaß gemacht, Intendant und Schauspieldirektor eingeschlossen, Szenografin Ulrike Kunze sowieso. Bei dieser Inszenierung stand die akribische Umsetzung des antiken Stoffes, tiefgründig ins Verhältnis gesetzt mit dem Ernst des Lebens heute, dem Versuch, es leicht zu nehmen, gegenüber. Mehr »

Editorial Mai 2014

Ende Mai finden die nunmehr 23. Karl-May-Festtage unter dem Zeichen “Indian Spirit” statt.
Bis in die Gegenwart hinein wird das reiche spirituelle Erbe der indianischen Völker bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben.
Vertreter der Oneida Indian Nation aus den USA vermitteln mit Liedern, Tänzen, Spielen und Geschichten einen Einblick in die Vielfalt spiritueller Traditionen. Ray Halbritter, der oberste Repräsentant der Oneidas und zugleich zum zweiten Mal in Folge Schirmherr der Festtage, wird mit den Häuptlingen Dale Rood (Turtle Clan) und Chuck Fougnier (Wolf Clan) von eigenen spirituellen Erfahrungen berichten. Gemeinsam sprechen sie über den Stellenwert, den die Spiritualität der amerikanischen Ureinwohner in der heutigen Zeit einnimmt. Dabei wird auch an den aktuellen Konflikt zur Rückforderung eines Häuptlings-Skalpes zwischen dem Karl-May-Museum und dem Stamm der Chippewa Indianer angeknüpft.
Doch auch Abenteuer und Spannung dürfen während der Festtage natürlich nicht zu kurz kommen. In zahlreichen Westerncamps erwacht der Wilde Westen wieder zum Leben. Cowboys liefern sich Raufereien, Outlaws begehen Zugüberfälle, Pistolenschüsse donnern und Pulverdampf liegt in der Luft. Bei erstklassiger Countrymusik und Line Dance Shows wird ausgelassen gefeiert und getanzt.
Besonders für Kinder gibt es jede Menge Spannendes zu entdecken und zu erleben. Bei Westernspielen, Kletterabenteuern, Eselreiten, Goldschürfen und Lagerfeuer sind Abenteuer garantiert.
Ein jährlicher Höhepunkt ist die große Sternreiterparade am Sonntag auf der Meißner Straße am Weißen Roß. Feiern wir also mit raubeingen Cowboys und staunen über die neue Welt, die wir betreten, erweitern aber zugleich unseren Geist und unsere Sinne für die spirituellen Besonderheiten der amerikanischen Ureinwohner.

Ina Hantschke

Empört Euch! (Oder lieber doch nicht?)

Zur Premiere von „Frank der Fünfte“ an den Landesbühnen Sachsen am 19./20. April 2014

Binnen eines guten Jahres hat das Schauspiel der Landesbühnen Sachsen drei Stücke auf die Bühne gebracht, die vor dem Hintergrund der so genannten „Bankenkrise“ und des nachfolgenden Zusammenbruchs von einst für stabil gehaltenen sozioökonomischen Systemen in Europa von Irland bis Griechenland (wieder) aktuell sind. Was mit einem ganz neuen Stück des Spaniers Sergi Belbel und einen Blick auf den Absturz der vermeintlich materiell abgesicherten Mittelschicht im März 2013 begann Mehr »

„Ich wollte doch nur witzig sein!“ –

Premiere der schrillen französischen Komödie „Der Vorname“ an den Landesbühnen Sachsen

 
Manchmal sagt eine Wohnungseinrichtung sehr viel über deren Bewohner aus. Bei Elisabeth und Pierre Garaud aber scheint so eine Zuordnung schwierig. Oder anders gesagt, jeder der beiden hat seins dazu getan. In einer mit Wissen (Bücher; CD’s etc.) vollgestopften und dennoch ausgesprochen gemütlich wirkenden guten Stube (Ausstattung: Stefan Wiel) erwarten Hausherrin Elisabeth (Sophie Lüpfert) und Hausherr Pierre (Michael Berndt) ihre Gäste zum gemeinsamen Abendessen. Mehr »

„Ich male das Leben, weil ich gern lebe!“ –

Der Weinböhlaer Maler und Kunsterzieher Manfred Beyer ist tot

 
Wenn man mit Manfred Beyer im Gespräch war, dann führten seine Hände immer so eine Art Eigenleben. Er benutzte sie bspw., um einen wichtigen Satz nochmals zu unterstreichen. Er erklärte mit beiden Händen in großen Gesten, was er mit einem Bild aussagen will. Und irgendwie schlug er auch mit den Händen den Takt zu irgendeiner Melodie, die in jenem Moment aber nur er selbst hörte. Manfred Beyer spielte nebenher auch ein wenig Gitarre. Vor allem aber war er ein Maler aus Leidenschaft. Und er war ebenso einer, der sein künstlerisches Credo so oft und so intensiv wie es möglich war an den künstlerischen Nachwuchs weitervererbte. Mehr »

Auf der Scene

„Heiterer Blick“ in Publikation verewigt

Die darstellende Kunst hat in Radebeul durchaus eine längere Tradition und ist nicht erst seit dem Umzug der zur Landesoper umbenannten Volksoper Gittersee im Juli 1950 nach Radebeul an diesem Ort präsent. So waren u.a. Puppenspieler in der Stadt ansässig, wie Paul Bongers und der berühmte Carl Schröder. Gerhart Hauptmann fertigte hier u. a. das Lustspiel Die Jungfer vom Bischofsberg und Ernst Schuch (Generalmusikdirektor der Dresdner Hofoper), dessen Todestag sich dieses Jahr zum 150. Mal jährt, hatte in der Stadt seinen Wohnsitz. Unzählige nichtprofessionelle Theatergruppen komplettieren das Bild. Mehr »

(K)eine Kirche für Niederlößnitz

Im Mittelpunkt des Gedenkjahres 2014 steht, hier wie überall, die Erinnerung an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Da geht es fast unter, dass mit Ober- und Niederlößnitz gleich zwei der Ursprungsgemeinden unserer Stadt heuer 175. Geburtstag hätten. Diese Überlagerung ist nichts Neues. Schon die 75. Jahrestage ihrer Konstituierung als politische Gemeinden am 6. bzw. 7. August 1914 – die letzten feierwürdigen Jubiläen, die ihnen als selbständigen Kommunen beschieden sein sollten – waren einst vom Taumel der ersten Kriegswoche überschattet. Mehr »

Leserbriefe an Vorschau & Rückblick

»Mäuseturm«, um 1900

»Mäuseturm«, um 1900

Zu meinem Artikel „Ein namenloser Turm in Radebeul Ost – gibt’s so was?“ (V&R 01/14) gab es verschiedene Reaktionen von Lesern, darunter einen Brief von Christine Rothe aus Dresden und eine Mail von Harald Wennerlund. Zunächst eine Passage aus Frau Rothes Brief:
Ich bin als Kind (Ende der 50er Jahre) in diesem Gelände herumgestöbert und hatte an dem 2. Turm bzw. der Turmruine eine Bronzetafel entdeckt mit einem Gedicht über die Elbe und den Durchzug napoleonischer Truppen. Daraufhin bin ich ein zweites Mal zu der Turmruine gegangen, um diese Verse abzuschreiben, aber leider war die Tafel nicht mehr da – schade. Ist bekannt, wo sich diese Tafel befindet?
Nun ein Auszug aus der Mail von Herrn Wennerlund:
Dieser Beitrag weckt bei mir Kindheitserinnerungen. In den 1965er Jahren kletterten wir Abenteuer suchenden Kinder im Bilz’schen Grundstück auf einem Turm herum und spielten Bergsteiger. Mit Wäscheleinen ausgerüstet und auch etwas Proviant bestiegen wir den Turm. Ich erinnere mich an marode Holztreppen, welche erst in der 1. Etage begannen sowie Absätze. Was hätte passieren können, bedachten wir nicht, Nun weiß  ich nicht, ob es sich um den in der Vorschau behandelten Turm handelt oder nicht. Ich habe ihn höher und dunkler in Erinnerung.
Ja, hübsche Geschichten zu einem Turm, doch ich kann Herrn Wennerlunds Vermutung nur bestätigen: beide Leser meinen einen ähnlichen, aber doch anderen Turm! Die Kindheitserinnerungen der Leser beziehen sich auf den so genannten „Mäuseturm“ (Volksmund) im Gelände des ehemaligen Bilzsanatoriums, Eduard-Bilz-Straße 53, in Radebeul. Der Oberlößnitzer Friedensrichter Tischer hatte den viergeschossigen, runden Aussichtsturm ca. 1850 am höchsten Punkt seines Grundstücks errichtet – die etwas sachlichere, aber wenig gebräuchliche Bezeichnung „Tischerturm“ bezieht sich also auf den Erbauer. Und tatsächlich wirkte der Turm düster wegen der verwitterten Natursteinfassade. Der Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz kaufte 1890 das große Grundstück samt dem Turm und baute 1894/95 hier die Kurhäuser I und II. Über verschlungene, ansteigende  Wege im parkartigen Gelände konnten seine Kurgäste auch den Aussichtsturm erreichen und besteigen. Nach dem Tod von F. E. Bilz 1922 ging der Kurbetrieb unter Ewald und Willy Johannes Bilz zwar weiter, war aber rückläufig. Es kann angenommen werden, dass der „Mäuseturm“ 1945 noch erhalten war. Als die Kurhäuser zuerst Umsiedlern als Unterkunft dienten und dann später Lehrer-Studentinnen hier einzogen, kümmerte sich niemand mehr um den Turm, so dass er verfiel. Auf die neue Denkmalliste von 1991 wurde er noch als Kulturdenkmal aufgenommen, obwohl da bereits Zweifel bestanden, ihn erhalten zu können. Die von Frau Rothe erwähnte Bronzetafel, die ich nie gesehen hatte, ist offensichtlich schon vor 1991 nicht mehr da gewesen. Etwa 1993 wurde die Turmruine von einem Blitz getroffen, ein halbrunder Stumpf stand noch ein paar Jahre bis schließlich nur noch ein etwa 7m hohes, jedoch schmales, hochgradig einsturzgefährdetes Mauersegment und ein Steinhaufen die Stelle des „Mäuseturmes“ markierten. Die Betreiber der Wohnanlage (ca. ab 2005) im ehemaligen Sanatorium hatten das Grundstück geteilt und heute ist es unklar, wer sich um das Restgrundstück, wozu auch der Turm gehört, kümmert, respektive nicht kümmert. An einen Wiederaufbau dieses Turmes ist nicht mehr zu glauben. Was den Verbleib der o.g. Bronzetafel, bzw. deren Inhalt betrifft, will ich versuchen, mich weiter zu informieren, fürchte aber, dass sie in DDR-Tagen einem Buntmetallsammler zum Opfer gefallen ist. Die im Januarheft beschriebene andere Turmruine und auch eine zweite Ruine in halber Hanghöhe befinden sich im knapp 1km östlich gelegenen Grundstück Augustusweg 110.

Dietrich Lohse

Zum Titelbild April 2014

Als ich im vergangenen Jahr meinen Redaktionskollegen den Vorschlag unterbreitete, die Tierkarrikaturen von Lieselotte Finke-Poser als Titelbildserie zu veröffentliche, ahnte ich nicht, was auf mich zukommt. Mein Vorschlag, die Kunst ohne Worte wirken zu lassen, stieß auf heftigen Widerspruch.  Und so sinniere ich nun: Was fällt mir beim Anblick eines Spiegelaffen ein?

Dass der Affe ganz schön durchtrieben ist, war mir sofort klar. Nicht sich, sondern uns Menschen hält er den Spiegel vor. Gezeichnet hatte ihn Lieselotte Finke in den 50er Jahren aus purer Lust am Fabulieren. Mehr Sein als Schein, lautete der elterliche Rat, den sie einstmals mit auf den Weg bekam und der ihrem Leben Orientierung bot. Doch damit würde sie heute wohl kaum Karriere machen können – weder als Künstlerin noch als Bankangestellte, denn nur ein makellos schöner Mensch gilt als begehrenswert und vorzeigbar. Ewige Jugend und Schönheit sind die Ideale der Neuzeit.  Spiegelaffen liegen im Trend, vermehren sich rasant und unisex. Ob Botox oder Tatoo, ob Marken- oder Designerfummel, der Mensch mutiert zum Lifestyle-Kunst-Produkt.  Nur der Blick nach Innen würde dem Spuk wohl ein rasches Ende setzen. Denn Schein oder Sein, fremd- oder selbstbestimmt, das sind hier die entscheidenden Fragen.

Karin (Gerhardt) Baum

„Ich lebe noch gern“ – Vier Jahre nach dem Tode des in Radebeul gebürtigen Schriftstellers Gerhard Eckert erschien nun sein letztes Buch

In Ostholstein trug Gerhard Eckert den Beinamen „Schriftstellerkönig“. Ein gewichtiger Titel, der sich aber durchaus über das umfangreiche Lebenswerk Eckerts erklärt. Denn das umfasst immerhin über zweihundert Bücher. 6-buchcover-eckertDarunter eine Fülle an Reisebeschreibungen, Anekdotensammlungen, Wanderführer, Kochbücher, Kriminalromane etc. Vor wenigen Tagen nun erschien sein letztes Buch als ein nachgelassenes einzigartiges literarisches Komprimat eines spannenden, aufregenden und vor allem ertragreichen Schriftstellerlebens, das beachtliche 97 Jahre währte. (Übrigens widmeten die DNN kurz nach der politischen Wende dem Schriftsteller in der Serie „Dresdner – weltweit!“ eine ganze Seite)
Geboren wurde Gerhard Eckert im Februar 1912 im heutigen Radebeuler Ortsteil Oberlößnitz. Hier legte er auch sein Abitur ab. Studiert und promoviert hat er in den Fächern Germanistik, Zeitungswissenschaft und Kunstgeschichte in Dresden und Berlin. Seine Dissertation schrieb Gerhard Eckert über ein damals noch junges und von daher sehr revolutionäres Thema: Tonfilm und Hörspiel. Im 2. Weltkrieg verschlug es ihn zum Wehrdienst und dort beim Sender Belgrad in den Hörfunkjournalismus. Unzählige Male – so erinnerte sich Gerhard Eckert später – wurde dort von den Frontsoldaten bspw. der von Lale Andersen gesungene Schlager „Lilli Marlen“ gewünscht.
Nach dem Untergang des 1000jährigen Reiches fand sich Gerhard Eckert im bayerischen Altötting wieder, wo sein aktives Schriftstellerleben seinen Anfang nahm. In den 1960er Jahren gehörte er neben zahlreichen prominenten Deutschen zu den ersten Befürwortern für ein privates Fernsehen in Deutschland, dessen Einführung die damalige Adenauerregierung aber verhinderte. Gerhard Eckert ließ sich dann im ostholsteinschen Dörfchen Kükelühn nieder und lebte dort mit seiner Frau Anneliese und zahlreichen Haustieren in einem reetgedeckten Bauernhaus. Er wurde zum Vorsitzenden des dortigen Schriftstellerverbandes gewählt und übte dieses Amt bis 1989 aus. Nach der deutschen Wiedervereinigung besuchte er nach Jahrzehnten erstmals wieder seine Heimatstadt Radebeul, knüpfte hier u.a. Kontakte zur städtischen Bibliothek und beschenkte diese über die Jahre hinweg mit einer üppigen Auswahl seiner Bücher.
Die Aufzeichnungen seines unsteten, spannenden und so überaus abwechslungsreichen Lebens sind nun unter dem Titel „Ich lebe noch gern“ erschienen. Um die Herausgabe hat sich vor allem seine Witwe Anneliese Eckert verdient gemacht. Der Buchtitel ist eines hoffnungslosen Optimisten würdig. Denn solch ein Optimist war Gerhard Eckert sein ganzes Leben lang gewesen.

Wolfgang Zimmermann

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