Auf der Suche nach dem IRGENDWAS

Die Entstehungsgeschichte eines Lückenfüllers für die „Vorschau“

Und da fällt sie wieder, die Frage, die wir alle am Ende einer Redaktionssitzung fürchten: „Schreibt noch jemand über irgendwas? Das nächste Heft ist noch nicht ganz voll.“ Sascha Graedtke darf so fragen, denn er ist schließlich verantwortlich für die redaktionelle Gestaltung unseres Monatsheftes. Er schaut erwartungsfroh in die Runde, doch unsere Blicke senken sich nach unten oder gehen angestrengt nachdenkend in eine Ferne, die realistischerweise als ideenfreie Zone bezeichnet werden müsste. „Ich habe doch aber schon im letzten Heft…“ – denkt sich der Eine.

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Anordnung 1                                                             Foto: B. Kazmirowski

„Diesen Monat habe ich leider gar keine Zeit…“ – äußert eine Zweite. „Ich fahre in den Urlaub…“ – sagt der Dritte. „Im Moment habe ich kein Thema, aber so ungefähr in zwei Monaten…“ – meint die Vierte. „Vielleicht kommt ja noch etwas von…“ – hofft ein Fünfter. „Frage doch mal den…“ – rät eine Sechste. „Tut mir leid…“ – entschuldigt sich also der Erste. Stille. Jemand nimmt einen Schluck aus der Teetasse. Ein anderer hustet. Eine Dritte kramt in der Tasche. Deren Nachbarin schaut geschäftig auf das Smartphone. Wieder jemand anderes schreibt sich etwas auf. Und der Sechste versucht sich darin, überhaupt nichts zu tun. Es gelingt. Immer noch Stille. „Also, wie sieht’s aus? Hat jemand noch irgendwas?“ In mir regt sich ein Gedanke. Sollte ich Sascha Graedtke dieses eine Mal wörtlich nehmen, also über IRGENDWAS schreiben? „Also gut, ich mache IRGENDWAS“, sage ich in die Runde, und plötzlich spüre ich so etwas wie Dankbarkeit, die mir vom Teetrinker und der Smartphoninhaberin und der Schreibenden sowie aus Richtung des Hustenden und der Taschenbesitzerin – kurz: von allen Seiten des rechteckigen Tisches – entgegenströmt.

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Anordnung 2                                                           Foto: B. Kazmirowski

Jetzt habe ich den Salat. Über IRGENDWAS muss ich schreiben. Was ist das nur für ein doofes Thema! Schwierig ist’s allemal, wo doch die „Vorschau“ von Menschen gelesen wird, die nicht IRGENDWAS interessiert, sondern ganz konkret etwas zu und über Radebeul oder Umgebung wissen wollen. Was bleibt mir anderes übrig als mich auf den Weg zu machen nach dem IRGENDWAS? Ich laufe los. Gehe durch Straßen, passiere Häuser und Villen und Gärten und Fabrikanlagen, durchmesse die Stadt von Nord nach Süd und West nach Ost und muss mir dabei immer wieder sagen: Das alles ist ETWAS, worüber in der „Vorschau“ schon zu lesen war. Jedenfalls ist es nicht das IRGENDWAS, wonach ich suche. Also weiter. Ich durchforste das Stadtlexikon in der Hoffnung auf einen Anhaltspunkt, was das IRGENDWAS sein könnte. Ich stelle fest: Alles, was von Belang ist, hat unser Heft in den letzten 25 Jahren aufgearbeitet. Noch immer bin ich ohne das IRGENDWAS, und der Zeitpunkt des Redaktionsschlusses rückt bedenklich nahe. Ein letzter Versuch. Ich frage Menschen auf der Straße, ob sie von IRGENDWAS wüssten, worüber in „Vorschau und Rückblick“ zu schreiben lohnt. Nach all dem Kopfschütteln, den ganzen „Nees“, den zuckenden Schultern und den „Keene Ahnungs“ treffe ich meinen alten Freund B., ganz in der Nähe der Stadtgrenze zu Dresden. Der lacht kurz auf, bedeutet mir ihm zu folgen, läuft die Forststraße in die Junge Heide hinein und bleibt auf Höhe der Kleingartensparte vor – ja, wie soll ich sagen? – vor IRGENDWAS stehen. Sollte ich es wirklich gefunden haben, DAS IRGENDWAS? Es ist keine Müllkippe, obwohl unzweifelhaft Müll herumsteht. Es ist kein Kunstwerk, obgleich es nicht einer gewissen Ästhetik entbehrt. Es ist kein Denkmal, obschon es zum Nachdenken anregt. Es ist kein Manifest, wiewohl eine grundsätzliche Überzeugung zum Ausdruck kommt. Im Ganzen entzieht es sich einer Beschreibung, nur in den Teilen lässt es sich fassen. Ich entschließe mich, jedes dieser Teile „Anordnung“ zu nennen, denn „Kunst“ scheint mir zu hoch gegriffen und „Installation“ zu avantgardistisch. Anordnung 1: Autoreifen (ungeordnet), PC-Bildschirm und Drehstuhl (gekippt). Dazu ein Hinweis in einer Drastik, die keine Unklarheit lässt: „Die, die Müll illegal im Wald entsorgen, sind die gleichen, die ins Wohnzimmer kacken und den Mülleimer als Suppenschüssel verwenden.“ Anordnung 2: Steinmülleimer (gefüllt), Wäschekorb (mit Müll gefüllt), Hartschalenkoffer, blauer Müllsack (gefüllt). Markiert wird dieses Ensemble durch eine Verlautbarung, als deren Urheber „Der Wald“ angegeben wird: „Wenn ich Menschen sehe, die ihren Müll hier abladen, muss ich kotzen.“ Anordnung 3: gelber Plastiktisch (rechtwinklig gekippt), Fragment eines Aquariums (ohne Fische), Mikrowelle (gekippt), ein asymmetrisches Stiefelpaar sowie

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Anordnung 3                                        Foto: B. Kazmirowski

Gartenutensilien und anderer Kleinmüll. Der Betrachter nimmt dabei folgende Behauptung zur Kenntnis: „Damit sich Fuchs, Igel und Reh heimisch fühlen, entsorgen Vollidioten ihren Hausrat im Wald.“ Unter jedem der drei Beschriftungsfelder lese ich: „Wir freuen uns über fachgerechte Entsorgung durch die Müllabfuhr und warnen vor weiterer illegaler Müllablagerung.“ Ja, das ist das IRGENDWAS, das, wonach ich so lange gesucht habe! So klar mir inzwischen ist, dass es sich beim IRGENDWAS um Müll handelt, der dort nicht liegen dürfte, so unübersichtlich ist, wer hinter diesen Beschriftungen steckt. Wer verbirgt sich hinter dem „Wir“, das sich über Entsorgung freut und gleichzeitig vor weiteren Ablagerungen warnt? B. und ich, wir rätseln darüber und stehen eine Weile einfach nur davor. Stille. Einer von uns hustet. Der andere guckt auf sein Smartphone. Dann blicken wir beide in eine Ferne, die besser als ideenfreie Zone beschrieben werden könnte. Dann schauen wir uns plötzlich an. „Nimm doch irgendwas davon mit und schmeiße es vorn an der Haltestelle in den Mülleimer“, sagt B. „Ich nehme auch irgendwas.“ Gute Idee, denke ich, und greife zu, ich weiß nicht mehr genau, was es war. Irgendwas wird’s schon gewesen sein.

Sollte zum Zeitpunkt des Erscheinens des Mai-Heftes das beschriebene IRGENDWAS verschwunden sein und sich der geneigte Leser nicht mehr selbst ein Bild davon machen können, dann tut es mir nicht darum Leid. Es wird wohl daran liegen, dass dankenswerter Weise IRGENDJEMAND dort inzwischen aufgeräumt hat. Aber auf dessen Suche begebe ich mich nun nicht auch noch, mir hat die Fahndung nach dem IRGENDWAS gereicht!
Bertram Kazmirowski

1940 – Die Stadt Radebeul wird Schulträger des Luisenstifts

In diesen Tagen jährt sich die Übernahme des Luisenstifts durch die Stadt Radebeul zum 75. Mal. Das ist Anlass eines kurzen Rückblicks.
Die ursprünglich in Tharandt gegründete Mädchenschule war bereits am 22.4.1865 in die Hände der Dresdner Diakonissenanstalt gelegt worden. Das war der Wunsch ihrer Gründerin Luise von Mangoldt, die wenige Tage vor der Übernahme verstarb. Im Herbst des Jahres 1865 bekam die Schule ihr zu Ehren den Namen „Luisenstift“.
Die Radebeuler Geschichte des Hauses begann Ostern 1870. Am 2. Mai zogen die letzten Tharandter Schülerinnen mit ihrer Oberin in die Niederlößnitz. Es sollten 75 Jahre vergehen, bevor die Diakonissenanstalt ihre „Filiale“ der Stadt übergeben musste.

Die Änderungen deuteten sich an.
Noch 1939 hatte die Oberin, Ilse Freiin d`Orville von Loewenclau, noch die Zusage bekommen, das Luisenstift in bisheriger Form weiterführen zu können.
1940 aber wurden alle konfessionellen Schulen Sachsens geschlossen. Die Politik der Gleichschaltung machte auch mit unserer Schule keine Ausnahme.

Schulberichte und Gespräche mit Luisenkindern bestätigen: Man tat sich schwer mit der neuen Zeit, und das seit Jahren. Die Aufsatzthemen hatten sich geändert. Gretel Högg übte neben den Chorälen verstärkt Wander- und Sportlieder ein. Aus der christlichen Nächstenliebe wurde die Solidarität. Direktor Prof.
Bischoff kommentierte politisches Geschehen“ nicht nur weil es verordnet war, sondern weil es uns so ums Herz war, dass wir reden mussten“.
Für die „Jungmädchen“ gab es sonnabends frei, wenn man Kindergruppen betreute. Also dann eher zum „Kynast“ als in die Schule.
Ilse von Loewenclau schreibt in ihrem Abschiedsgruß, wie schwer es ihr falle, diese Entscheidung mitzuteilen. Eine letzte Konfirmation im Haus (Ostern 1940), ein Gottesdienst aller Mitarbeiter und ein besonderer Dank an das Mutterhaus, das waren die letzten Handlungen.
Mit Erleichterung schreibt die Oberin, dass viele Lehrerinnen und Lehrer an der Schule verbleiben werden.
Was wurde mit der geliebten Schulkleidung? Im Stift erschien man nun in weißer Bluse, tiefblauem Rock, das schwarze Dreieckstuch mit einem Lederknoten festgezogen.
Auf dem ersten Appell im hinteren Teil der Schule trat der neue Direktor, Oberstudiendirektor Seeliger, vor die Schülerinnen. Er war in Begleitung neuer Lehrerinnen und einem Lehrer(!), Herrn Dr. Fischer.
Aus der konfessionell gebundenen Einrichtung war eine Anstalt, die ausschließlich nach nationalsozialistischen Grundsätzen geführt wurde, entstanden.
Die kleine Kapelle im Erdgeschoss des Hauses war verschwunden.

Schule und Internat wurden als Luisenstiftschule, Städtische Oberschule für Mädchen mit Schülerinnenheim, weitergeführt.

Frank Thomas

Warum mir „Vorschau & Rückblick“ so viel bedeutet

Interessant wäre es schon, einmal zu wissen, wer unser kulturelles Monatsheft liest und warum, wie viele Komplettsätze noch in Bücherregalen oder auf Dachböden schlummern, wie viel Staub beim Suchen bestimmter Beiträge aufgewirbelt wird und wie oft das wiederum ein befreiendes Niesen provoziert?

Auch ich gehöre in mehrfacher Hinsicht zu denen, die gern Staub aufwirbeln, zum einen, weil ich in meinen Beiträgen hin und wieder etwas gegen den Strich zu bürsten pflege, zum anderen, weil ich mitunter auf den heimischen Dachboden steigen muss, um nach bestimmten Artikeln zu suchen, was mich immer viel Zeit kostet. Hilfreich fände ich deshalb eine thematisch geordnete Gesamtübersicht aller Beiträge, die in den letzten 25 Jahren veröffentlicht worden sind. Leider hat sich für diese zweifellos verdienstvolle Aufgabe noch niemand finden können, was wohl auch daran liegt, dass die ehrenamtlichen Redaktionsmitglieder auf mehreren Hochzeiten tanzen.

Die Tatsache, dass „Vorschau und Rückblick“ Monat für Monat immer wieder gut gefüllt und pünktlich erscheint, löst vor allem bei den Insidern große Verwunderung aus. Deshalb möchte ich mich in dieser Jubiläumsausgabe bei Sascha Graedtke, der für die Endredaktion des kulturellen Monatsheftes verantwortlich ist, und Antje Herrmann, die für die finanzielle Absicherung durch Anzeigenschaltungen sorgt, einmal in aller Öffentlichkeit ganz herzlich bedanken.

„Vorschau und Rückblick“ gehört zu den geburtenstarken Nachwende-Jahrgängen. Damals schossen die schrägen Ideen und kulturellen Projekte wie Pilze aus dem Boden. Und selbst nach 25 Jahren empfinde ich es immer wieder als ein großes Glück, ohne Zensur schreiben zu können, was mir wichtig und mitteilenswert erscheint. Ein wenig irritiert mich allerdings die geringe Resonanz in Form von Leserzuschriften, sogar bei kritischen Themen mit aktuellem Bezug. Seit Januar 2010 ist Vorschau und Rückblick auch im Internet präsent. Aber nur selten gibt es mal einen herzerfrischenden Kommentar zu den Beiträgen. Und ich frage mich, woran das liegen könnte. Denn was nutzt die viel beschworene Meinungsfreiheit, wenn sie kaum praktiziert wird? Schon aus diesem Grunde sollten wir uns die stürmische Wendezeit mit all den Auf- und Umbrüchen öfter ins Gedächtnis rufen.

Karin Baum
Gründungs- und Redaktionsmitglied

Grußwort

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe Radebeulerinnen und Radebeuler,

das Jahr 2015 ist ein Jahr der Jubiläen. Natürlich werden im Herbst in ganz Deutschland 25 Jahre „Deutsche Einheit“ gefeiert. Aber auch in Radebeul können einige Jubilare auf ein Vierteljahrhundert ihres Bestehens zurückschauen. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang die Familieninitiative oder das Radebeuler Herbst- und Weinfest. In den Reigen der Jubiläen fügt sich ebenfalls das kulturelle Monatsheft „Vorschau und Rückblick“ ein, dessen Wiedergeburt vor 25 Jahren im Mai 1990 erfolgte.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle meinen großen Glückwunsch an all jene übermitteln, die diese kleine handliche Broschüre über einen so langen Zeitraum am Leben erhalten und mit lesenswerten Inhalten gefüllt haben. Auch im Rathaus kommen Bürger vorbei und schauen ob das Heft schon oder noch ausliegt. Und es dauert oft nur wenige Tage, bis alle Exemplare in der Stadtverwaltung restlos vergriffen sind. Dies zeugt davon, dass der Wunsch nach gedruckten Medien trotz fortschreitender Digitalisierung weiterhin vorhanden ist.

Selbst mir geht es so, dass ich zum Lesen gern noch „richtiges“ Papier in den Händen halte. Und ich finde es auch sehr wichtig, dass sich inmitten der bunten Sensations- und Hochglanzjournale alt vertraute traditionsreiche Blätter erhalten können.

Wer die „Vorschau und Rückblick“-Hefte gesammelt hat, besitzt einen gut recherchierten Schatz an wissens- und bemerkenswerten Beiträgen über die Stadt Radebeul und deren Umgebung. Das inhaltliche Spektrum ist breit gefächert und behandelt Themen der Stadtgeschichte, Denkmalpflege, Botanik, Kunst und Kultur sowie des Vereinslebens und der Alltagskritik. Vermittelt werden nicht nur Sachinformationen, sondern auch Gefühle wie Geborgenheit und Zugehörigkeit. Und damit leistet diese heimatverbundene Publikation einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur lokalen und regionalen Identifikation.

Ich wünsche dem Redaktionskollegium weiterhin reichlich Inspiration und „flinke Federn“ und freue mich in jedem Monat immer wieder neu auf „Vorschau und Rückblick“.

Ihr Bert Wendsche
Oberbürgermeister

Was verbirgt sich hinter dem Meer… ?

Ausstellung "Lumiere - Licht" von Sophie Cau in der Stadtgalerie Radebeul, 2015

Foto: J. Oelker

 

Eine Ausstellung mit Malerei, Grafiken, Collagen und Objekten von Sophie Cau in der Stadtgalerie Radebeul

Transparentes Blau in reichen Nuancierungen durchflutet die frisch renovierte Stadtgalerie.  „Lumière – Licht“ nannte Sophie Cau ihre Ausstellung, mit der sie vor allem auf das Licht des Meeres anspielt. Doch Meer ist nicht gleich Meer. Und zwischen Atlantik, Mittelmeer und Pazifik liegen große Unterschiede, so wie eben Blau auch nicht gleich Blau ist.

Auf die Frage, warum sie sich als Künstlerin nun gerade in Radebeul mit dieser Thematik auseinander setzt, meinte sie, dass es die große Distanz sei, die ihre Sehnsucht weckt. Denn Sophie Cau wurde 1962 in der südfranzösischen Stadt Orange geboren und ist aufgewachsen am Meer, genauer gesagt in Royan an der Atlantikküste. In Bordeaux studierte sie zunächst Architektur, wechselte später an die „École Émile Cohl“ in Lyon, wo sie 1988 das Diplom für Illustration und Neue Medien erwarb. Danach war sie zum Broterwerb als Restauratorin, Grafikerin und Illustratorin tätig.

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Sophie Cau am Tag der Ausstellungseröffnung                 Foto:K. (Gerhardt) Baum

Im Jahr 1992 zog sie mit ihrem Mann ins beschauliche Radebeul. Es folgte von 1994 bis 1996 ein zweijähriger Aufenthalt in Kalifornien, wo sie auch ihr erstes Kind gebar. Direkt von San Francisco aus verschlug es sie 1997 schließlich wieder mit der Familie nach Radebeul ins ländlich abgelegene Lindenau. Einen größeren Kontrast kann man sich kaum vorstellen. So nach und nach wurde sie jedoch in Radebeul heimisch. Der Künstlerkollegin Constanze Schüttoff ist es zu verdanken, dass ein Kontakt zur Stadtgalerie geknüpft wurde. Sie selbst wäre von sich aus wohl niemals auf die Galerie zugegangen. Die Zusammenarbeit begann im Jahr 2008 mit der Gemeinschaftsausstellung „Radebeuler Künstler-Heute“. Seit dieser Zeit beteiligte sich Sophie Cau an weiteren Gemeinschaftsprojekten der Galerie, nicht zuletzt auch deshalb, weil ihr der fachliche und menschliche Austausch sehr wichtig ist.

Zum künstlerischen Durchbruch kam es im Jahr 2010 mit der ersten großen Personalausstellung im Französischen Kulturzentrum Dresden. Freunde hatten Sophie Cau ermutigt, ihre Arbeiten endlich auch einmal in der Öffentlichkeit zu zeigen. Vorausgegangen sind viele Jahre des stillen Experimentierens, in denen ihre Kunst ohne äußeren Druck reifen konnte, allein einer inneren Notwendigkeit folgend. Von der gegenständlichen bis zur freien Malerei war es ein weiter Weg, an dessen Anfang wohl das Sammeln und am Ende das Weglassen steht.

Sophie Cau reagiert auf ihr Umfeld sehr sensibel. Eindrücke werden in Form von Texten, Fotografien oder Skizzen gespeichert und tauchen als Fragmente in ihren collageartigen Bildern wieder auf. Der besondere Reiz der gegenwärtigen Ausstellung liegt in ihrer Musikalität, liegt im Rhythmus von kleinen und großen Formaten, von Verdichtung und Weite, von Konzentration und Entspannung. Angesprochen werden dabei alle Sinne.

„Vormittage, die singen“ heißt eine dreiteilige Objekt-Serie. Erinnerungsfetzen, gemalt mit Acrylfarbe auf Papier, sind all-ansichtig gefangen in kleinen Würfeln aus Glas. Die Poesie des Alltags lässt sich in vielen Werken von Sophie Cau entdecken. Vor allem die unbeschwerte Stimmung am Morgen genießt sie immer wieder aufs Neue. Sie schenkt ihr die Energie für den Rest des Tages. Denn die schweren Wolken kommen dann von ganz allein.

Das Erwachen des Tages spürt Sophie Cau besonders intensiv, wenn sie von Altkötzschenbroda aus, wo sie seit einiger Zeit wohnt, mit dem Fahrrad an der Elbe entlang in ihr Atelier fährt. Der Abstand zwischen Wohnung und Atelier ist der Künstlerin sehr wichtig und ermöglicht das konzentrierte Arbeiten, manchmal bis weit nach Mitternacht. Große Fenster lassen die Arbeitsräume hell und freundlich wirken. Der Blick schweift über Schienenstränge bis hin zu den Weinbergen. Das Atelier befindet sich in Radebeul-Ost auf der Gartenstraße in einer ehemaligen Schuhfabrik. Der weitläufige Gebäudekomplex beherbergt auch die Ateliers von anderen Künstlern wie Matthias Kistmacher, Dieter Beirich, Karen und Peter Graf, welche ebenfalls in der Radebeuler Stadtgalerie mit Personalausstellungen zu sehen waren.

Obwohl Sophie Cau von Natur aus ein zurückhaltender Mensch ist, kann sie auch sehr energisch und leidenschaftlich auftreten, wenn es um Kunst und Künstler geht. Beeindruckend war zum Beispiel, wie sie sich im Radebeuler Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss für den Aktionskünstler Reinhard Zabka und den Erhalt seines Lügenmuseums im Gasthof Serkowitz einsetzte und versuchte, unseren Stadträten den künstlerischen Wert von Installationen, Licht- und Klanginszenierungen zu erklären. So wie sie um Verständnis für die Kunst wirbt, bemüht sie sich auch seit vielen Jahren um einen lebendigen Austausch zwischen Franzosen und Deutschen. Diesbezügliche ausstellungsbegleitende Veranstaltungen führten bisher zu einem überwältigenden Besucheransturm.

Sophie Cau ist für die Radebeuler Kunstszene eine Bereicherung. Und es scheint so, als würde mit ihr eine frische Brise durch das enge Elbtal wehen. Zurück bleibt auf der Zunge ein leichter Salzgeschmack. Man spürt das Andersartige und fühlt sich angezogen von funkelnden Augen und einem magischen Blau, worin die Aufforderung liegt: Komm doch näher und lerne mich kennen!

Zugegeben, ein wenig fremd wirkt in der Lößnitz die Farbe Blau letztlich doch, dominieren bekanntlich und euphorisch beschrieben seit Generationen in der hiesigen Malerei satte Erdfarben. Blau lässt sich in dieser Intensität und Nuanciertheit wohl höchstens bei Paul Wilhelms Ritterspornen oder Karl Kröners Himmeln finden. Aber es könnte auch sein, dass ich mich irre und wir haben uns nur noch nie auf die Suche nach dem Radebeuler Blau begeben. Sophie Cau meinte hierzu lachend: Vielleicht müsste ich mal wieder eine Weile am Meer leben, dann hätte ich die nötige Distanz und male alle meine Bilder in Erdfarben. Mit den Sehnsuchtsorten ist das eben so eine Sache.

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„Licht“ Aquarell auf Tusche und Papier 2014                                                             Foto: J. Oelker

Für Generationen, die im Elbtal aufgewachsen sind, war die Elbe ein Ort zum Träumen. Dahin, wo die Elbe fliest, würde man wohl niemals gelangen.
Auch eine Ausstellung wie diese, mit einer Künstlerin aus Frankreich, wäre wohl zu DDR-Zeiten in der Stadtgalerie kaum möglich gewesen und man fragt sich nach einem viertel Jahrhundert ein wenig irritiert – wo lag das Problem? Wovor hatte man eigentlich Angst im Staat der Arbeiter und Bauern?

Vielleicht liegt die Antwort schon allein darin, Fragen wie die des spanisch baskischen Bildhauers und Zeichners Eduardo Chillida überhaupt zuzulassen: „Was verbirgt sich hinter dem Meer und mir, der es anschaut?“

Die Ausstellung „Lumière – Licht“ ist bis zum 3. Mai zu sehen, jeweils DI, MI, DO, SO von 14 bis 18 Uhr.  Am letzten Ausstellungstag findet um 16 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin eine Sonderführung statt.

Karin (Gerhardt) Baum

Titelbild April 2015

Die Kirche von Naustadt bei Scharfenberg ist wirklich alt – erste Nennung 1346 -, was man heute kaum vermuten würde. Für die Erscheinung war die prägende Umgestaltung als Saalkirche in den Jahren 1591-98 wesentlich, hinzu kam der Neubau des Kirchturms 1717 unter Ratsmaurermeister Johann Christian Fehre und seinem Sohn Johann Gottfried Fehre, die an der Dresdner Frauenkirche mitwirkten. Eine ehemals barocke Turmhaube wurde 1846 nach einem Brand durch einen Spitzhelm ersetzt, der noch heute den Turm abschließt. Sie war lange Zeit Patronatskirche derer von Miltitz, woran noch einige schöne, alte Grabsteine an und in der Kirche erinnern.

Eine Mauer umschließt den Friedhof an der Kirche. Die Bebauung mit Bauernhäusern, darunter das Pfarrhaus, folgt einem größeren Kreis, was nochmals verdeutlicht, dass die Kirche der Mittelpunkt der Gemeinde ist. Baulich und restauratorisch macht die Naustädter Kirche einen guten Eindruck, letzte Arbeiten liegen wohl noch nicht allzu lange zurück.
Das wäre doch ein Ziel für einen Osterspaziergang, respektive eine Osterspazierfahrt!

Dietrich Lohse

Kleine Buchreihe „Menschen und Orte“ entdeckt

Ja, Buchbesprechungen oder –ankündigungen tauchen in unregelmäßigen Abständen in V&R immer wieder mal auf. Wenn sich Mitglieder unserer Redaktion ein neues Buch vornehmen oder auch an eine ältere Bucherscheinung erinnern, dann geschieht das meist aus einem emotionalen Antrieb, also dann, wenn das Buch bzw. der Inhalt gefallen hat und man glaubt, das könne auch andere interessieren – kommerzielle Gründe sollte man da eher ausschließen.

Foto: D. Lohse

Foto: D. Lohse


Vor etwa sieben Jahren habe ich für mich die kleine aber feine Buchreihe „Menschen und Orte“ der Edition A. B. Fischer Berlin entdeckt, Gefallen am ansprechenden, unaufwändigen Äußeren sowie an den Inhalten (kurz und bündig, etwa 30 Seiten, gut bebildert) gefunden und meine diesbezügliche Sammlung auf inzwischen zehn Exemplare erweitern können. Auch als Rentner kann ich mir ab und zu ein Büchlein für 7,80 € leisten.

Ach so, viele werden an den bekannteren S. Fischer Verlag oder Fischer-Taschenbuch-Verlag Frankfurt / Main denken, nein, das ist eine andere Liga, die wohl nichts mit der o.g. Edition zu tun hat. Kurioserweise bin ich im Ausland, genauer gesagt in der Schweiz, auf diese Buchreihe aufmerksam geworden. Wir hatten im Urlaub Montagnola und das dortige Hesse-Museum besucht. In den Auslagen fand ich das Heft (Heft trifft’s besser als Buch!) über Hesse und sein Haus in der Schweiz, erwarb es und hatte so eine passende Lektüre um etwas über Hermann Hesse zu erfahren ohne gleich zum Hesse-Fan zu werden.

Später stellte ich „Thomas Mann in Nidden“ in mein Regal neben Hesse. Im vergangenen Herbst bereisten wir dann die baltischen Länder und hatten in Litauen die Möglichkeit, das Thomas-Mann-Museum in Nidden auf der Kurischen Nehrung zu besuchen. Da ich das Heft vorher gelesen hatte, war ich bestens vorbereitet.

In der Reihe „Menschen und Orte“ wird jeweils ein Künstler, Wissenschaftler oder eine andere, nicht mehr lebende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts knapp vorgestellt und dazu ein mit ihm, respektive ihr, in Verbindung stehendes Gebäude – das Geburtshaus, Wohnhaus, Atelier oder auch ein Sommerhaus – näher dargestellt. In dem Zusammenhang erfährt man meist auch wer’s gebaut hat oder sieht verschiedene zeitliche Zustände des Hauses. Es kann schon sein, dass dem einen Leser die Personen und einem anderen die Häuser interessanter sind. Meist ist aber das Zusammenwirken beider das Wesentliche, darin liegt wohl der tiefere Sinn der kleinen Buchreihe.

In der Reihe tauchte dann auch Karl May und Radebeul auf, ich glaube das war meine fünfte Erwerbung. Der Band „Gerhart Hauptmann auf Hiddensee“ berührt Radebeul insofern, als darin die Thienemann-Töchter aus dem Hohenhaus erwähnt werden. Zum Thema „Göschen und Seume in Grimma“ haben es die Radebeuler auch nicht weit, das ist mit einem Tagesausflug gut zu schaffen. In meiner bisherigen Auswahl finden sich noch Hefte zu Marie Luise Kaschnitz, Henry van de Velde, Otto Dix, Ernst Barlach und Hans Fallada.
In Ankündigungen sind weitere Bändchen mit klangvollen Namen wie: Ernst Jünger, Wilhelm Busch, Karl Hagemeister, Brecht und Weigel, Wolfgang Koeppen, Voltaire, Georg Kolbe, Hermann Sudermann und Arno Schmidt, man kann also seinen Bestand je nach Lust und Geldbeutel noch erweitern und so eine Sammlung nach seinem Geschmack anlegen.

Da ich oben die Form, bzw. Gestaltung, erwähnte – sie ist denkbar einfach mit einem je Heft anders farbigem Kartoneinband (grau, blau, gelb, braun …), dem eine kleinere Manschette mit Bild und Titel über den Rücken geklebt ist, dem inneren Titelblatt ist eine Handschrift von der behandelten Persönlichkeit grau hinterlegt und alle Bilder sind als Schwarz-Weiß-Fotos wiedergegeben. Und, wenn auch sicherlich Zufall, das handliche Format entspricht mit 21×13,5 cm nahezu dem der Vorschau und passt in manche Jackentasche. Da die meisten Orte / Häuser zugleich als Museum fungieren, sind jeweils auf der letzten Seite als praktische Hilfe die Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten aufgeführt. Natürlich ist das mit Vorsicht zu genießen, da können sich über die Zeit auch Änderungen ergeben.

Bis auf das erste bezog ich meine Hefte von der Buchhandlung Sauermann, aber da kann sicherlich auch jeder andere Buchladen helfen, eventuell auch als Bestellung, wenn’s nicht im Regal steht.

Dietrich Lohse

Der kirchenmusikalische Höhepunkt des Jahres 2015 in Radebeul

– Zur Aufführung der „Matthäuspassion“ am 3. April 2015 –

Radebeul kann sich seit Jahrzehnten an einer für eine Stadt dieser Größe überaus vielfältigen und beständig in die Öffentlichkeit hineinwirkenden Kirchenmusik erfreuen. Bestimmt haben viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, im Laufe der Zeit das eine oder andere Mal die Lutherkirche oder Friedenskirche anlässlich eines Konzertes besucht, vielleicht vor wenigen Monaten erst zu einer Aufführung des Weihnachtsoratoriums. Es ist ein schöner Brauch, dass sich die Kantoreien in Radebeul-Ost und Radebeul-West dabei nicht gegenseitig Konkurrenz machen, sondern sich sinnvoll ergänzen. So erklangen die Kantaten 1-3 in der Kirche an der Meißner Straße, die Kantaten 4-6 in Kötzschenbroda.
Vielleicht sind Ihnen in den letzten Wochen auf Ihren Wegen durch Radebeul die Plakate aufgefallen, welche auf die am Karfreitag stattfindende Aufführung der Bachschen „Matthäuspassion“ hinweisen. Wer näher herantritt kann erfahren, dass dazu beide Kantoreien gemeinsam unter der Gesamtleitung von KMD (Kirchenmusikdirektor) Gottfried Trepte und noch verstärkt um den Chor der Johanneskapelle Radebeul-Naundorf (üblicherweise geleitet von Kantorin Angelika Werner) sowie der Kurrende der Lutherkantorei auftreten werden. Man ist auf den ersten Blick geneigt, diese Information einfach so zur Kenntnis zu nehmen. Möglicherweise aber ahnen auch Sie, dass sich dahinter ein Vorhaben verbirgt, das die insgesamt gut 140 (!) Sängerinnen und Sänger an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit führt und für Radebeul den kirchenmusikalischen Höhepunkt in diesem Jahr darstellt. Diese Tatsache hat mich dazu bewogen, mich bei den beiden Kantoren Gottfried Trepte (Lutherkantorei) und Karlheinz Kaiser (Kantorei der Friedenskirche) nach dem Zustandekommen des Projektes und dessen näheren Umständen zu erkundigen.

Die Wirkung auf die Zuhörer, die von der „Matthäuspassion“ von J.S. Bach ausgeht, beruht ganz wesentlich auf seiner Anlage als doppelchörig komponiertes Werk, d.h., dass Bach zwei jeweils vierstimmige Chöre vorgesehen hat, die auch von zwei getrennt agierenden Orchestern begleitet werden. Diese Vorgabe erklärt, warum sich weder die eine noch die andere Kantorei dieses Werk alleine zumuten kann: es würde schlicht an sängerischer Kraft in den einzelnen Stimmgruppen fehlen. Eine Zusammenarbeit allerdings erfordert ein großes Maß an Abstimmung zwischen den Beteiligten und führt(e) im konkreten Fall dazu, dass nicht nur beide Kantoreien und der Chor der Johanneskapelle seit Anfang Januar für sich prob(t)en, sondern es im Februar und März auch drei gemeinsame Sonderproben gab. Die Kantoren Trepte und Kaiser können sich allerdings auf eine große Zahl erfahrener Choristen stützen, die bereits 2005 dabei waren, als letztmalig beide Kantoreien sich vereint an Bachs opus magnum gewagt hatten. (Dass es darüber hinaus in jüngerer Vergangenheit zwei weitere Kooperationen in Sachen Matthäuspassion gab – die Lutherkantorei führte sie mit der Meißner Domkantorei auf, die Kantorei der Friedenskirche mit dem Chor der Himmelfahrtskirche Dresden-Leuben – sei der Vollständigkeit halber erwähnt.) Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass zu Bachs Zeiten die Matthäuspassion vermutlich weit weniger Mitwirkende band als heutzutage. Bach hatte die Passion 1727/29 als Thomaskantor in Leipzig geschrieben und konnte damals auf ca. 60 Knaben- bzw. Männerstimmen zurückgreifen. Man geht davon aus, dass auch die Zahl der Musiker 20 nicht überschritten hatte, während die aktuelle Produktion auf die Unterstützung von etwa 40 Musikerinnen und Musiker (Elblandphilharmonie Sachsen sowie eine Gambistin und einen Organisten) baut. Wie andere Werke Bachs auch geriet die Matthäuspassion nach dessen Tod 1750 in Vergessenheit und wurde – ebenso wie z.B. das Weihnachtsoratorium – erst von Felix Mendelssohn-Bartholdy wieder entdeckt. Dieser führte sie 1829 in Berlin zum ersten Mal wieder auf, allerdings in einer gekürzten Fassung, weil eine Gesamtaufführung (noch) als undurchführbar galt. Befördert durch die von Carl Friedrich Zelter begründete sog. „Singebewegung“ um 1810 mit der Gründung von zahlreichen weltlichen Chören („Singakademien“/ „Liedertafeln“) wurde die Matthäuspassion im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend einem breiteren Publikum bekannt und gehört spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts trotz ihrer außergewöhnlich langen Dauer von ca. zweieinhalb Stunden (in der Radebeuler Aufführung wird es allerdings eine kleine Pause geben) zum festen Bestandteil insbesondere der ost- und mitteldeutschen musica sacra.
Wenn Gottfried Trepte am Karfreitag kurz nach 15 Uhr den Taktstock hebt und den Einsatz für den monumentalen und doch tief berührenden Eingangschor „Kommt, Ihr Töchter, helft mir klagen“ in e-moll gibt, wird die Lutherkirche hoffentlich gut gefüllt sein. Bis zu 600 Besucher erwarten Trepte und Kaiser, nicht zuletzt, um die erheblichen Kosten des Projektes von ca. 7000€ wieder einspielen zu können. Denn abgesehen von der Elblandphilharmonie Sachsen, die als das traditionell mit dem Kulturraum Meißen – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge verwachsene Orchester durch ihre Mitwirkung auch ihrem satzungsgemäßen Auftrag gerecht wird und deshalb relativ preiswert „zu haben“ ist, müssen immerhin auch noch sechs Solistinnen und Solisten bezahlt und die Nebenkosten gedeckt werden. Eine weitere Aufführung ist nicht vorgesehen, denn als originäre Passionsmusik ist der Matthäuspassion nur ein kurzer Zeitraum beschieden, zu dem sie aufgeführt werden kann. Auch wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, vielleicht eine CD oder Schallplatte mit einer Aufnahme zu Hause haben: Wie wäre es, wenn Sie die seltene Chance nutzten, sich dieses großartige Werk live durch Radebeuler Chöre darbieten zu lassen? Dieses ambitionierte Projekt hat eine gut besuchte Aufführung verdient, nicht zuletzt darum, damit die Verantwortlichen eine Bestätigung dafür erfahren, dass sich gemeindeübergreifende Zusammenarbeit im besten Sinne des Wortes für alle lohnt.

Bertram Kazmirowski

„Einblicke“

Ausstellung der Malgemeinschaft der Stadtgalerie in der Stadtbibliothek vom 11. April – 10. Juli

Ausstellungen sind immer Höhepunkte im Leben eines Künstlers. Auch für die Mitglieder der Malgemeinschaft der Stadtgalerie wird am 11. April um 17 Uhr solch ein Höhepunkt sein. An diesem Tag eröffnet sie ihre 6. Ausstellung, diesmal in den Räumen der Stadtbibliothek Radebeul-Ost.

»Radebeuler Landschaft«, Heidrun Lohse, Collage, 2014 Foto: S. Wagner

»Radebeuler Landschaft«, Heidrun Lohse, Collage, 2014
Foto: S. Wagner


Hier hat der Kulturverein der Stadtbibliothek seit vielen Jahren eine Möglichkeit geschaffen auch Bildwerke zu präsentieren. Dafür wollen wir diesem Verein vorab schon einmal herzlich Danke sagen. Das Besondere unserer Ausstellung ist, dass nicht nur ein Künstler seine Bilder zeigt, sondern eine ganze Gruppe.

Das sind : Dr.Christiane Engelmann, Lothar Haupt, Gisela Kötz, Helga Kutzsche, Heidrun Lohse, Monika Nabielek, Erika Metzner, Gisela Reich, Hannelore Scheerbaum, Dr.Karl Stich und Edith Thelemann.

Alle eben Genannten sind seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame künstlerische Arbeit eng miteinander verbunden. Sie treffen sich regelmäßig: meist in den Ausstellungsräumen der Stadtgalerie oder auch draußen in der wunderbaren Radebeuler Landschaft. Dass sich bei solchem Tun auch eine freundschaftlich anregende und produktive Atmosphäre entwickelt, kann man wohl nachempfinden. Und das ist etwas Schönes.

Viele Bilder in der geplanten Ausstellung zeigen etwas von dieser Art Schönheit, Schönheit, die ganz harmonisch, poetisch, heiter und zart, aber auch dramatisch, temperamentvoll und expressiv daherkommen kann. Einige Akteure lieben die leisen verhaltenen Töne, andere „spielen“ lauter, dramatischer.

Man kann von dieser Spezifik der einzelnen Persönlichkeiten nicht alles über das Wort verdeutlichen, man kann nur ein paar Einblicke in die Art und Weise des Schaffens geben. „Einblicke“, so heißt auch diese Ausstellung.

Wer die Räumlichkeiten unserer Stadtbibliothek kennt, weiß, dass für elf Aussteller der Platz im eigentlichen „Galerieraum“ nicht reicht. Wir nutzen deshalb auch die Wände des Kulturbahnhofes für die großen, farbstarken und dekorativen Arbeiten, für Bilder, die eine Fernwirkung und einen Abstand brauchen. Sie sollen zudem den Besucher einladen, auch die Ausstellung in den oberen Bibliotheksräumen wahrzunehmen.

Hier, in diesen kleineren Räumen, werden wir die Bilder sehr dicht hängen müssen, um jedem Mitglied der Malgemeinschaft gerecht zu werden. Elf unterschiedliche Persönlichkeiten gut zu präsentieren ist nicht einfach. Schon eine Auswahl zu treffen war schwer. Weit über 100 Malereien, Grafiken und Collagen in unterschiedlichen Größen und Intensitäten standen zur Diskussion. Es waren frei erfundene Motive und solche, die einen direkten Bezug zur Stadt Radebeul haben, deren 80. Geburtstag auch durch uns gewürdigt werden soll.

Vielleicht konnte ich Sie, verehrte Leser, für unsere Arbeit interessieren. Sie sind aber auch herzlich zur Eröffnung unserer Ausstellung oder zum Betrachten der Bilder eingeladen.

Gudrun Täubert
Leiterin der Malgemeinschaft

Die Heidelbeere, die Preiselbeere und die Mistel

Der Coswiger Porzellanmaler Klaus Henker feiert seinen 80 Geburtstag mit einer Ausstellung im Museum Karrasburg

»Figürliche Studie«, Bleistift/Aquarell, 1973 Foto: W. Zimmermann

»Figürliche Studie«, Bleistift/Aquarell, 1973
Foto: W. Zimmermann


„Im Blickpunkt“ ist die aktuelle Ausstellung im Coswiger Museum Karrasburg überschrieben. Ein solcher Titel suggeriert dem Besucher zunächst die Notwendigkeit zu höchster Aufmerksamkeit. In zweiter Linie aber verweist er natürlich auf die ganz bestimmte Person, die mit dieser (Personal-) Ausstellung gewürdigt wird. Und damit leitet die Aufmerksamkeit über auf den in Freiberg gebürtigen und seit langem schon in Coswig lebenden Maler und Grafiker Klaus Henker. Ein solch gewichtiger Geburtstag wie der 80. aber rückt nicht nur den Maler selbst, sondern vor allem auch sein Werk in den Fokus des Betrachters. So zeigt dann auch die Geburtstagsausstellung einen nicht nur umfangreichen, sondern auch sehr detailliert geordneten Querschnitt eines immensen Lebenswerks. Das sich eben nicht nur in dem umfangreichen Ergebnis seiner langjährigen Arbeit für die Porzellanmanufaktur Meißen erschöpft, sondern auch den Grübler, den Sucher und den Perfektionisten Klaus Henker zeigt. Gleichzeitig wird mit dieser Ausstellung auch ein Künstler geehrt, der immer bereit war, sein spezifisches Wissen und Können an andere weiterzugeben. Wie bspw. an die Mitglieder seines Coswiger Mal- und Zeichenzirkels, denen er eine stattliche Anzahl von Jahren nicht nur Lehrer, sondern auch Freund war.
»Flaschen«, aus dem Zyklus »Begegnungen«, Tusche, 2001 Foto: W. Zimmermann

»Flaschen«, aus dem Zyklus »Begegnungen«, Tusche, 2001
Foto: W. Zimmermann


Unbedingt erwähenswert aber ist die Akribie in der Arbeit wie auch die Forscherlust, die Klaus Henker über die Jahrzehnte hinweg im Griff hatte.
»Preiselbeere«, Tusche/Aquarell, 1981 Foto: W. Zimmermann

»Preiselbeere«, Tusche/Aquarell, 1981
Foto: W. Zimmermann


Er ließ kaum eine Gelegenheit aus, sein Wissen um die Dinge zu erweitern. Forschte immer wieder in neuen Ausdrucksmöglichkeiten und Formen seines Metiers. Und wagte sich begeistert an immer neue Herausforderungen. Die Ausstellung weist sehr übersichtlich auch darauf hin, mit welcher Akribie Klaus Henker neue Ideen in der Porzellanmalerei verfolgte. Wie er sich nicht nur dem Motiv „Heidelbeere“ widmete, sondern auch durch die Beschäftigung mit der Preiselbeere, der Mistel etc. das eigene Wissen vervollkommnete. Und er ist auch mit 80 Jahren keinen Deut ruhiger gworden. Doch das ist dem schöpferischen Menschen wahrscheinlich stets immanent. Die Ausstellung in der Karrasburg blickt sozusagen auf ein komplettes Künstlerleben.

Wolfgang Zimmermann

Bis zum 12. April 2015 ist die Ausstellung zu besichtigen.

Fotos (Zi)
1.    „Figürliche Studie“ (Bleistift/Aquarell/1973)
2.    „Flaschen“ (aus dem Zyklus „Begegnungen“/Tusche: 2001)
3.    „Preiselbeere“ (Tusche Aquarell 1981)        

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