„Radebeul liest“

Vier Wochen unterhaltsames Lese-Programm für Groß und Klein

Radebeul startet in den Frühling. Bücher spielen dabei erneut eine große Rolle, denn „Radebeul liest“ geht in die nächste Runde. Wer selbst gern liest, wird sich über die Bücherkisten freuen, die mit den ersten warmen Sonnenstrahlen wieder auf die Lesebänke in Radebeul-Ost und Kötzschenbroda gestellt werden. Sie laden zum Verweilen, Stöbern, Schmökern und gern auch zum Ausleihen ein.

Wer dagegen lieber als Zuhörer einer Lesung lauscht, den erwartet ein wahres Fest für die Ohren. In der ganzen Stadt laden Gewerbetreibende, Initiativen, Vereine und Akteure der Radebeuler Kulturszene vier Wochen lang zu einem großartigen und bunten Lese-Erlebnis ein. Bücher und Geschichten aller Couleur sorgen für ein abwechslungsreiches, spannendes und unterhaltsames Programm. Den Auftakt machen am 18. März groteske Geschichten und schräge Gesänge im Sonnenhof. Patty Frank lädt in die Villa Bärenfett und erzählt aus seinem Leben. Eine bekannte PoetrySlamerin ist bei Thalia zu hören und Reisegeschichten gibt´s im Fotostudio. In Kötzschenbroda wird auf zwei Ebenen gelesen, und in der Stadtgalerie ist die aktuelle Personalausstellung der passende Hintergrund.

Zu bewährten Leseplätzen aus dem vergangenen Jahr sind neue, teils ungewöhnliche Orte hinzugekommen. So verwandelt sich beispielsweise Flack´s Getränkehandel in Radebeul-Mitte einen Feierabend lang in eine Lesebühne und in Kötzschenbroda dient ein leerstehender Laden als Veranstaltungsort. Den Organisatoren von „Radebeul liest“ wollen zeigen, welch buntes Netzwerk und Potenzial von Kultur, Gewerbe, Schauplätzen und kreativem Wirken in der Lößnitzstadt vorhanden ist.

Das vollständige Programm gibt’s unter: www.radebeul.de/veranstaltungen und www.radebeul-gemeinsam.de

18. März, 19 Uhr – Wirtshaus Sonnenhof, Altkö. 26
Den Auftakt gestaltet der Meißner Autor und Regisseur Tilo Schiemenz: „Am Tag des Butterbrotes – groteske Geschichten und schräge Gesänge“, musikalisch begleitet von Konrad Möhwald (Harmonium) & Matthias Weisbach (Violine)

20. März, 17 Uhr, Wolldepot A. Balzer, Hauptstr. 22
Mit den Radebeuler Schreibenden Senioren erleben wir eine „Kleine Geschichts-Stunde“. Günther Klemm begibt sich in die Vergangenheit, auf die „Suche nach der heilen Welt“. Geschichten, die zum Nachdenken anregen, unterhaltsam und authentisch sind.

21. März, 18 Uhr, Karl-May-Museum, Karl-May-Str. 5
Der legendäre Patty Frank (dargestellt von Roland Wichmann) erzählt in der Villa Bärenfett aus seinem Leben. Der Wiener Artist gründete 1928 gemeinsam mit Klara May das Karl-May-Museum in Radebeul.

25. März, 19 Uhr, SZ-Treffpunkt, Bahnhofstr. 18
Anja Hellfritzsch liest aus ihrem Roman „Der Theatermann“: Der königliche Hofschauspieler Maximus René träumt von einer eigene Bühne, die auch dem einfachen Volk zugänglich sein soll. Im Ränkespiel von Intrigen, Krieg und Inflation des frühen 20. Jhd. mischt er dabei Dresden und die sächsische Provinz gehörig auf.

26. März, 18 Uhr, Buchhandlung Thalia, Hauptstr. 16a
Die Dresdner Autorin Alexandra Casper ist bekannt durch ihre PoetrySlam-Auftritte, bei denen sie mit eindrucksvoller Sprache berührende Themen aufgreift und zum Nachdenken anregt.

28. März, 18 Uhr, Münch`s Backstube, Meißner Str. 250
Der Radebeuler Schauspieler Jürgen Stegmann liest die Novelle „Die Elfen“ von Ludwig Tieck, der 1819 bis 1842 in Dresden lebte und am Hoftheater wirkte. Eine spannende und unterhaltsame Reise zwischen Phantasie und Wirklichkeit.

30. März, 16 Uhr, Heimatstube Kötzschenbroda, Altkö. 21
Lesestunde auf zwei Ebenen mit Jana und Steffen Berger: Wissenswertes, Kurioses, Nachdenkliches, Historisches, Bemerkenswertes, Kritisches und Originelles aus dem reichen Literaturfundus über Kötzschenbroda.

30. März, 19 Uhr, Kunsthaus Kötzschenbr., K.-Kollwitz-Str. 9
„Was uns bewegt“. Karin Eva Baum und Karl Uwe Baum lesen aus Radebeuler Alltagsbüchern, welche im Jubiläumsjahr 2024 verfasst wurden: Alltägliches, Persönliches, Politisches, Überraschendes, Trauriges, Erfreuliches und vieles mehr.

31. März, 18 Uhr, Gräfe`s Wein & Fein, Hauptstr. 19
„Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski“ von Heinrich Heine liest Jürgen Stegmann. – Der junge Schnabelewopski reist über Hamburg und Amsterdam nach Leyden, um sein Studium aufzunehmen. Doch auf Reisen erfreut er sich mehr am Leben und Genuss als am trockenen Lernen.

4. April, 19 Uhr, Doktor Akustik, Güterhofstr. 1
„Die tragisch-komische Geschichte von Peter McGonagall“ von Paulus Schinew: Ein Möchtegern-Dichter stolpert durch absurde Abenteuer, hat skurrile Begegnungen, erlebt kuriose Wendungen. – Daniel Doktor stellt das Buch an einem ungewöhnlichen Ort vor.

6. April, 17 Uhr, Stadtgalerie, Altkö. 21
Thomas Gerlach liest Gedichte und Texte aus Büchern, die er gemeinsam mit dem Radebeuler Maler Michael Hofmann herausgegeben hat. Musikalische Begleitung: Benni Cellini. Eine gute Gelegenheit, sich die Personalausstellung von Michael Hofmann in der Stadtgalerie anzuschauen.

7. April, 16 Uhr – für Kinder, Kinderhaus Altkö. 53a
„Der kleine Schmetterling mit der großen roten Blume“ ist für Kinder ab 4 geeignet. Annette Richter liest aus dem Buch, das sie gemeinsam mit Dorothee Kuhbandner herausgegeben hat, und erzählt einiges aus dem Leben der Schmetterlinge.

9. April, 17 Uhr, Fotoatelier Meissner, Meißner Str. 108
Cara Catalina Fox liest aus ihrem autobiografischen Roman „Tränen der Erkenntnis“. Ein ungeschminkter Einblick in die Zerrissenheit einer Frau in den besten Jahren, die sich unbedingt den Traum von der Freiheit auf zwei Rädern erfüllen möchte.

10. April, 18 Uhr, Flack´s Getränke, Hoflößnitzstr. 3
„Wie das Leben so spielt…“ Tabea Weingartner liest Kurzgeschichten aus fünf Jahrzehnten: Leben, Lachen und Weinen – berührend, lustig, lebendig, kurzweilig.

12. April, 14 bis 16 Uhr, Stadtteilladen Schatzinsel, Hauptstr. 6
Morty und der verborgene Schatz & Seemannsgarn und das Schiff der Königin: Ein Mäuserich geht auf Schatzsuche und ein Piratenkapitän erlebt auf der Jagd nach dem Schiff der Königin eine große Überraschung. Für Kinder von 4 bis 10.
? Stadtteil-Schatzsuche in Radebeul-Ost vom 5. bis 17. April.

13. April, 11 bis 19 Uhr, Landesbühnen Sachsen, Meißner Str. 152
MEDIEN.KULTUR.KUNST.BÖRSE: Hiesige Künstler/innen aller Sparten (Musik, Tanz, Literatur, Theater, Fotografie, Bildende Kunst etc.) präsentieren die vielfältige regionale Kunst- und Kulturlandschaft, machen sie erlebbar und buchbar. Auf drei Bühnen und an mehreren Messeständen zeigen sie dem interessierten Publikum sowie Veranstaltern, was sie drauf haben.

Eine vorherige Anmeldung sichert die besten Plätze  -> lesen@radebeul-gemeinsam.de
Spontane Gäste sind ebenfalls immer willkommen.

 

„Farben? Dann Oehme!“

Oder: Frieder Jesch und sein Ladengeschäft

Frieder Jesch, der Geschäftsinhaber von Farben Oehme, Foto Privatarchiv

„Farben? Dann Oehme!“ Drei Worte. Zwei Sonderzeichen. Werbung – knapp und effektiv.
Dem einen Ausrufezeichen würde ich gern noch weitere hinzufügen, gespeist aus eigener Erfahrung. Doch bald schon ist das Altvertraute Nostalgie. Das Unwort „Räumungsverkauf“ wandert (nicht nur) in Radebeul von Schaufenster zu Schaufenster. Diesmal betrifft es Farben Oehme (Moritzburger Straße 12). Vor noch nicht allzu langer Zeit waren es Haushalt- & Eisenwaren Lindner (Bahnhofstraße 4) und Rau Raumausstatter (Moritzburger Straße 2).
Nachdem ich also meinen ersten Schreckmoment überwunden hatte, regte sich in mir das Bedürfnis über Frieder Jesch, den Inhaber des Farbenfachgeschäftes, einen Beitrag zu schreiben. Zum Glück ließ er sich auch darauf ein, beantwortete bereitwillig meine Fragen. Allerdings mutet es schon ein wenig seltsam an, in einem Laden zu stehen, dessen Warenbestand unwiederbringlich schwindet und vor Ort schon bald nichts mehr daran erinnern wird.

Geschäftsanzeige in „Vorschau & Rückblick“, Mai 1990

Frieder Jesch kenne ich seit einem halben Jahrhundert. Unsere Lebenswege haben sich mehrfach gekreuzt. Zum ersten Mal zu Beginn der 1970er Jahre. Das war im Gasthof Somsdorf, wo sich das Betriebsferienlager der Handelsorganisation Dresden-Land (HO) befand. Von meinem Ausbildungsbetrieb, der HO, wurde ich dort als Betreuerin eingesetzt. In meiner Gruppe war der damals wohl um die zwölf Jahre alte Frieder Jesch – ein recht lebhaftes Kind.
Ab Mitte der 1980er Jahre sahen wir uns dann häufiger. Angela und Frieder Jesch kamen mal mit, mal ohne ihre Kinder in die „Kleine Galerie“ in Radebeul Ost, deren Leitung ich seit Juni 1984 innehatte. Kulturell interessiert, verpassten sie kaum eine der zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen.
Als im Mai 1990 das erste kulturelle Monatsheft Vorschau & Rückblick erschien, gehörte Farben Oehme zu den Inserenten, welche die Publikation durch ihre Anzeigenwerbung finanziell unterstützten.
Doch wie kam es nun zum Namen Farben Oehme? Ein an Frieder Jesch gerichtetes Antwortschreiben vom 3.2.1989 aus dem Radebeuler Stadtarchiv mit dem Aktenzeichen Schl (Lieselotte Schließer) bringt uns des Rätsels Lösung näher. Übrigens stellte die Behörde damals für „2 Stunden Sucharbeit“ 6 Mark in Rechnung.

Farben Oehme nach 1990, Gebäude noch unsaniert, Foto: Privatarchiv

Bauakten belegen, dass das Gebäude auf der Moritzburger Straße 12 seit 1869 durch An- und Umbau von verschiedenen Besitzern mehrfach verändert wurde. Der Ladeneinbau erfolgte 1899. Ein Geschäft für Farben und Lacke ist allerdings erstmals seit August 1928 nachweisbar. Bereits am 29. November 1928 ist Max Oehme als Inhaber eingetragen. Dessen Witwe führte das Geschäft ab 1941 weiter. Von ihr übernahm es 1964 Rolf Jesch, ohne eine Namensänderung vorzunehmen. Das Sortiment umfasste neben Farben nun auch Drogerieartikel und Weihnachtsschmuck.
Rolf Jesch (1923 – 2016) war gelernter Drogist und leitete in Dresden eine Drogeriefiliale. Als sich die Gelegenheit bot, von der Witwe Oehme das Farbenfachgeschäft auf Kommissionsbasis in Radebeul zu übernehmen, gab es für ihn kein Zögern. Allerdings war die Geschäftsübernahme an eine Bedingung geknüpft. An der Gemse (Finstere Gasse 6) bewirtschaftete Frau Oehme ein kleines Pachtgrundstück, wo sie zusätzlich eine Art Betriebsverkauf eingerichtet hatte. Das etwas abgelegene Grundstück sollte nun ebenfalls mit übernommen werden. Also beides oder gar nichts! Später erfolgte die Nutzung durch Familie Jesch als Wochenendgrundstück. Heute befindet sich dort die von der Weinbaugemeinschaft Niederlößnitz betriebene Straußenwirtschaft „Zur Gemse“.

Betriebsausflug nach Bulgarien, Anfang 1980er Jahre Rolf Jesch (3.v.l.), Frieder Jesch (6.v.l.), Margot Jesch (8.v.l.) Foto: Privatarchiv

Rolf und Margot Jesch wohnten in Dresden Strehlen und fuhren (zunächst) mit der Straßenbahn ins Geschäft nach Radebeul. Ehefrau Margot Jesch (1925 – 2013) führte die umfangreiche Buchhaltung. Einen Großteil der Zeit beanspruchte das Schreiben von Rechnungen. Die Organisation des Wareneinkaufs wurde zur Herausforderung. Fast täglich waren Mitarbeiter im ganzen Land unterwegs, um Waren zu organisieren. Auch das Abfüllen von Verdünnungen und Anstrichstoffen sowie die individuelle fachkundige Beratung gehörten zu den speziellen Dienstleistungen von Farben Oehme. Mitunter waren bis zu acht Mitarbeiter beschäftigt.
Spätestens hier sollte noch einmal darauf eingegangen werden, was unter einem DDR-Kommissionshändler zu verstehen ist. Der politische Anstoß kam wohl durch Walter Ulbricht, der bereits Mitte der 1950er Jahre öffentliche Kritik an der Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen übte. Die Einführung des sogenannten Kommissionshandels sollte das zentrale Problem Mangelwirtschaft mildern. Private Einzelhändler schlossen Verträge mit dem volkseigenen Handelsbetrieb ab, der den Warenbestand finanzierte. Die Kommissionshändler erhielten für ihren Aufwand eine vertraglich vereinbarte Provision.
Damit wurde ein Anreiz zur verstärkten Eigeninitiative geschaffen. Allerdings gab es für den zu erzielenden Jahresumsatz Planvorgaben. Diese zu überbieten, machte in Zeiten der Mangelwirtschaft wenig Sinn. Und so manche Kapriole, die sich aus der sozialistischen Planwirtschaft ergab, entbehrte nicht der Ironie. Humor wurde zum Überlebenselixier. Ein Beitrag in der Satirezeitschrift Eulenspiegel von 1983 beschreibt den Irrsinn einer Bestellungsodyssee auf der Suche nach zuständigen Betrieben und Dienststellen zum Zwecke der Warenbeschaffung sehr anschaulich. Das Ganze gipfelte in dem Vorschlag, dass Rolf Jesch wohl dafür prädestiniert sei, gemeinsam mit dem Eulenspiegel ein Nachschlagewerk für „Unzuständigkeiten“ herauszugeben, welches große Chancen habe, ein Bestseller zu werden.
Was den Sinn für Humor und das Interesse am Handel anbelangt, waren sich Vater und Sohn nicht unähnlich. Die Geschäftsübergabe erfolgte innerfamiliär und gleitend.
Frieder Jesch wurde 1959 in Dresden geboren, wo er auch die Schule besuchte. Die Lehre als Fachverkäufer für Waren des täglichen Bedarfs (WtB) absolvierte er in der Handelsorganisation (HO) Dresden-Land. Seine Ausbildungsstätte war die Kaufhalle auf dem Rosa-Luxemburg-Platz. Frieder und Angela heirateten 1978. Im gleichen Jahr zog das junge Paar nach Radebeul, zunächst auf die Birkenstraße, später unters Dach im Haus der Konditorei Schiller, bis es mit nunmehr zwei Kindern nach Reichenberg ins eigene Grundstück wechselte.
Unmittelbar nach dem Wehrdienst begann Frieder Jesch ab 1980 im väterlichen Betrieb zu arbeiten. Die Übernahme des Kommissionswarengeschäftes erfolgte durch den Sohn 1984 und war eigentlich schon lange geplant.
Auf die Frage, was denn ein sogenannter Verkaufsschlager gewesen sei, kam prompt die Antwort: Purlack (Polyurethanlack)! Danach standen die Kunden Schlange. Doch der grandiose Farbanstrich sollte sich im Nachhinein als äußerst umweltunfreundlich herausstellen.
Vor allem die Zeitschrift „Guter Rat“, vermittelte den Lesern viele Tipps und Tricks wie man auf einfache Art sein Umfeld heimwerkelnd verschönen kann. Auch ich hatte mich davon infizieren lassen, wurde Dauergast in Jeschs Farbengeschäft und pinselte alle meine Möbel an, um sie wenig später wieder abzubeizen.
Wenngleich die Warenbeschaffung den Kommissionshändlern sehr viel Organisationstalent abforderte, war die Finanzierung des Warenbestandes durch die HO abgesichert. Nach deren Auflösung im Jahr 1990 mussten die Inhaber der nunmehr privaten Einzelhandelsgeschäfte den vorhandenen Warenbestand selbst abkaufen, was die Aufnahme von einem Kredit erforderte. Doch die Ost-Produkte waren kaum noch gefragt. Für den Ankauf eines neuen Warenbestandes benötigte man wiederum Geld, viel Geld.

Musikalischer Rundgang mit Schalmaienorchester durch Radebeul West zum Frühlingsspektakel 2015, Foto Sylvia Preißler

Werbung, Präsentation und Verkauf standen nun im Vordergrund. So beteiligte sich Frieder Jesch auch an einigen Gemeinschaftsaktionen der Händler. In guter Erinnerung ist mir eine Aktion zum „Frühlingsspektakel“ im Jahr 2015 geblieben. Bilder des Radebeuler Malers Klaus Liebscher mit Punkten, Streifen, Klecksen und Quadraten korrespondierten mit Farbbüchsen, Farbfächern und sonstigen Malutensilien. Und alles verschmolz zu einem herrlich intensiven Farbenrausch.
Rückblickend meint Frieder Jesch, dass der gesellschaftliche Umbruch mit sehr viel privater und geschäftlicher Unsicherheit verbunden war. Aber die neuen Herausforderungen eröffneten auch neue Möglichkeiten. Der klassische Einzelhandel wird, ähnlich wie die Telefonzellen, nach und nach verschwinden. Erhalten werden sich Dienstleistungen, Nischensortimente und regionalspezifische Angebote.
Viele Kunden bedauern die Schließung und bedankten sich sehr liebevoll für die schöne gemeinsame Zeit. Frieder Jesch selbst war 45 Jahre seines Berufslebens in diesem Geschäft tätig. Ein Abschnitt geht nun für ihn zu Ende. Die Entscheidung als Händler zu arbeiten, hat er nie bereut. Weitestgehend frei und selbstbestimmt arbeiten zu können, war ihm immer wichtig. Dass er nun viel mehr Zeit für seine privaten Interessen haben wird, darauf freut er sich schon sehr. Sportliche Aktivitäten wie Radfahren, Wassersport, Langlauf und Wandern gehörten schon immer dazu. Ein regelmäßiges Muss ist seit 1991das jährliche FolkFestival in Rudolstadt. Und vielleicht sehen wir uns dann auch wieder bei einigen der zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen, die allmonatlich in Vorschau & Rückblick angekündigt werden. Denn das kulturelle Monatsheft liest er noch heute regelmäßig und, wie Frieder Jesch schmunzelnd meint, fast immer vollständig.

Karin (Gerhardt) Baum

Beziehungsweisen

Zur Premiere von „Das perfekte Geheimnis“ am 25. Januar 2025 in den Landesbühnen

Seit einigen Jahren stellen die Landesbühnen Sachsen ihre Spielzeiten unter ein Motto, in diesem Jahr ist es „NEBENAN-nah dran.“ Rein optisch setzt das Theater dieses Motto mit gelungenen Fotos des Ensembles sowohl im Foyer als auch im Jahresspielzeitheft um, indem die Akteure sich in unterschiedlichen Konstellationen an verschiedenen Orten in Radebeul haben ablichten lassen. Das Signal, was davon ausgeht, ist klar: Wir sind die Landesbühnen für Sachsen, aber in besonderer Weise fühlen wir uns auch als Stadttheater für Radebeul den Menschen hier vor Ort verbunden. Für die meisten Besucher lässt sich dieses Motto ja ebenso leicht mit Leben erfüllen, schließlich wohnen viele nahe am Stammhaus und haben Zugang zu den vielfältigen Angeboten des Vierspartenhauses. Diese Angebote umfassen inzwischen neben dem eigentlichen Kulturerlebnis auch begleitende Aktionen wie die Nachbarschaftsfeste, die zu den Premieren auf der Hauptbühne das Publikum vor der Aufführung mit thematischen Angeboten passend zum neuen Stück unterhalten und natürlich involvieren wollen. Zwar hat sich meiner Beobachtung nach die Mehrzahl des etablierten Premierenpublikums wohl vorranging dem geselligen Parlando bei Sekt und Brezel hingeben, aber für diejenigen, die sich darauf einlassen, bieten diese Einstimmungen durchaus einen Reiz. Anlässlich der Premiere von „Das perfekte Geheimnis“ von Paolo Genovese (Regie: Jan Meyer) war eine Dresdner Wahrsagerin ebenso am Werk wie eine Radebeuler Kunsttherapeutin, die mit Besuchern über ihren Beruf ins Gespräch kam. In welcher Weise also stehen diese Berufe in Verbindung zum Stück? Dazu später mehr. Möglicherweise war ein Teil der Besucher mit dem Plot der Bühnenversion schon vertraut, weil diese auf einem Film basiert, der zunächst 2016 im italienischen Original, 2020 dann in seiner deutschen Variante sehr erfolgreich in die Kinosäle kam, gleichwohl die Corona-Pandemie manchem geplanten Besuch dann doch einen Riegel vorgeschoben hatte. Auf eine umfangreiche Nacherzählung des Inhaltes soll hier deshalb auch verzichtet werden, stattdessen das Augenmerk darauf gelenkt werden, was das Stück im Publikum auslösen will und warum es sich anzuschauen lohnt.
Die drei beteiligten Paare und ein Single (Sandra Maria Huimann/Michael Bernd-Canana, Moritz Gabriel/Cathrine Dumont, Dominik Tippelt/Karoline Günst und Johannes Krobbach) bilden einen Querschnitt durch die berufstätige Erwachsenenwelt und deren Lebenswirklichkeiten. Akademiker (u.a. Psychoanalytikerin, plastischer Chirurg, Tierärztin, Sportlehrer, leitender Angestellter), aber auch ein Taxiunternehmer und eine Mutter in Elternzeit treffen sich zu einem fröhlichen Abend bei einem der Paare. Man kennt sich zum Teil seit langer Zeit, insbesondere die vier Männer sind beste Freunde. Man (ver)traut einander, oder glaubt es zumindest. Das Stück ist insoweit ein Spiegelbild unserer seit gut 15 Jahren veränderten Gewohnheiten der Mediennutzung, als dass jeder der Akteure auch noch (s)ein Leben mit und durch das Smartphone führt. Bestehende Beziehungen werden hintergangen und neue digital getestet, Unwahrheiten auf die Tastatur getippt und amouröse Avancen in den Hörer gehaucht. Das Smartphone als ausgelagerter Teil des Gehirns und Herzens, als Träger und Medium des gut verheimlichten zweiten Ichs. Dass der Vorschlag der Gastgeberin, an diesem Abend die Handys offenzulegen und jede eingehende Text- und Sprachnachricht miteinander zu teilen nur auf verhaltene Zustimmung stößt, schließlich aber doch jeder mitmacht, um den Verdacht ein pikantes Geheimnis zu haben abzuwenden, ist verständlich. Der Reiz des Stückes liegt für die Zuschauer also vor allem darin, die sich anbahnenden Paarkonflikte und Freundschaftsenttäuschungen aus sicherer Entfernung verfolgen zu können. Spätestens aber auf dem Nachhauseweg dürften sich so manche Paare mehr oder weniger offen fragen: Und du, Schatz, was ist mit dir und deinem Handy? Möglicherweise ist das der Moment, in dem das Stück seine eigentliche Wirkung entfaltet: Wenn man (zu zweit) darüber nachdenkt, ob absolute Offenheit wünschenswert oder doch eher zum Fürchten ist. Ob ein gut gehütetes Geheimnis die Liebe zum Partner konservieren hilft oder sie doch eher destruiert. Ob der Spruch „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ auch in einer Liebes- und Paarbeziehung gelten sollte oder nicht. Die Antworten auf alle diese Fragen mögen unterschiedlich ausfallen, aber sie zu provozieren ist ein Verdienst des Stückes. Fraglich ist im Fall eines Zweifels an der Treue des Partners, ob eine Wahrsagerin Antworten wüsste. Und wenn es so wäre: Würde wohl eine Kunsttherapie die geschlagenen Wunden heilen können? Womit wir wieder beim Beginn des Abends wären…
Alle Akteure erfüllen ihre jeweiligen Figuren authentisch mit Leben und vermögen sowohl Sympathien als auch Antipathien hervorzurufen. Ungewöhnlich und zugleich sehr zu würdigen ist übrigens die Entscheidung, die kleine Rolle der heranwachsenden Tochter Sofia des gastgebenden Paares einer Schauspielerin anzuvertrauen, die behindert ist. Lena Flögel als Gast durchlief eine dreijährige Schauspielausbildung an der „Freien Bühne München“, dem ersten professionellen inklusiven Theater in Deutschland, wo sie auch den Regisseur des Stückes, Jan Meyer, kennenlernte, der vor seiner Tätigkeit in Radebeul eben dort tätig war.
Die sehr geschmackvoll eingerichtete Bühne und die passend zu den Charakteren ausgewählten Kostüme (Ralph Zeger) vermitteln den Eindruck, als sei die konkret in Frage stehende Problematik typisch für die Mittelschicht. Das ist sicherlich nicht der Fall. Aber möglicherweise ist in der Mittelschicht die Sehnsucht nach dem Kitzel, dem Geheimnis, dem Risiko stärker ausgeprägt als in der Unter- oder Oberschicht, weil die Mittelschicht der Geruch des Normalen, Gut-Bürgerlich-Langweiligen umweht. Zur Bühnenausstattung gehört auch ein im Verlauf des Abends größer werdender Mond, der im zweiten Akt fast schon drohend über der Bühnenmitte hängt. Es erschließt sich aus der Logik der Handlung anfangs nicht, warum überhaupt dieser Freundesabend anlässlich einer Mondfinsternis stattfindet, aber im Verlauf des Stückes schält sich eine Deutung heraus. Indem der Mond sich gar nicht verfinstert, sondern im Gegenteil immer größer, leuchtender wird, bildet er einen Kontrast zu den dunklen Geheimnissen der Protagonisten, die nach und nach ans „Mondlicht“ kommen.
Dem Programmheft lag ein Zettel bei, auf dem die Landesbühnen die Besucher darum bitten anzugeben, warum sie Theater mögen. Meine Antwort mache ich an dieser Stelle öffentlich: Ich mag Theater, weil sich dort Sprache von seiner vielfältigsten Seite zeigt. Langer Schlussbeifall im nicht ganz vollbesetzten Saal rundete einen unterhaltsamen Abend ab.

Bertram Kazmirowski
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Nächster Termin: 9. März, 19 Uhr, Stammhaus Radebeul

Eine Anne Frank Botschafterin aus Radebeul

Frank Andert hatte im Januar-Heft darüber informiert, dass zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar eine Veranstaltung im Lößnitzgymnasium geplant sei, die in den Händen von zwei Schülerinnen einer 10. Klasse läge. Eine davon, Antonia Ubbelohde, sei auch als Anne Frank Botschafterin ausgebildet worden. Wir haben diese Information zum Anlass genommen und Antonia gebeten uns mehr darüber zu erzählen.
Was ist ein Anne Frank Botschafter überhaupt und welche Aufgaben sind zu bewältigen? Vorab möchte ich sagen, dass das Anne Frank Zentrum, welches seinen Sitz in Berlin hat, Raum zur Entfaltung, Weiterbildung, Selbstentwicklung, aber auch zum Vernetzten für Jugendliche bietet. Es gibt verschiedene Angebote, die man wahrnehmen kann. Ich persönlich wurde durch meine Geschichtslehrerin darauf aufmerksam gemacht. Die Idee in einer Gemeinschaft zu sein, welche für Toleranz, Respekt und Unterstützung steht, hat mich sehr angesprochen. Daher hatte ich mich im Sommer 2024 für die Seminare, welche im November 2024 stattfinden sollten, angemeldet. Für viele Teilnehmer sind diese Seminare der Beginn einer Begleitung zum langfristigen Engagement oder der eigenen Selbstentwicklung. Es finden jährlich zwei viertägige Qualifizierungsseminare statt, in welchen vertieftes Wissen über den Nationalsozialismus und den Holocaust vermittelt wird. In den vier Tagen entwickeln die Jugendlichen eigene Projektideen wie Workshops, Ausstellungen, Konzerte und vieles mehr, welche sie dann in ihrem lokalen Umfeld umsetzen. Dabei ist nicht so wichtig, in welchem Zeitraum diese Umsetzung stattfindet. Bei den Projektideen wird der Schwerpunkt auf Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus und Homophobie gelegt. Die Jugendlichen können dort ihre ganze Kreativität einsetzen und frei entscheiden, in welche Richtung das Projekt gehen soll. Es werden eigene Erfahrungen und Herausforderungen besprochen, weshalb auch diese in Projekte einfließen und umgesetzt werden können. Die Jugendlichen werden auf ihrem Weg vom Anne Frank Zentrum unterstützt und bekommen individuelle Hilfestellung. Nach Umsetzung dieser Projekte werden die Jugendlichen in ein Jugendnetzwerk aufgenommen. Dieses dient zur Vernetzung und Weiterbildung, z.B. in internationalen summer schools. Das Netzwerk hilft auch bei weiterem Engagement in der Zukunft. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich im Netzwerk tolle Freunde und nette Menschen kennengelernt und viele wertvolle Erfahrungen und Eindrücke gesammelt habe, welche mir eine neue Sichtweise auf Geschichte und Gesellschaft gegeben und mir Mut gemacht haben, mein eigenes Projekt umzusetzen. Die letzten Monate waren deshalb definitiv eine der wichtigsten Zeiten in meinem Leben und eine super Erfahrung um auch herauszufinden, was man sich selbst zutrauen kann. Ich habe also im November 2024 an einem Seminar teilgenommen und bin aktuell mit der Umsetzung meines Projektes beschäftigt, über das ich aber im Moment noch nichts im Detail sagen möchte. Nur so viel: Ich konzentriere mich dabei auf Aufklärung und Weiterbildung über Politik in unserer heutigen Zeit. Dabei werde ich bestens von den Teamleitern des Seminars unterstützt, z.B. indem sie mir helfen Texte zu verfassen oder Konzepte auszuarbeiten. Bei dieser Arbeit lerne ich viele neue Menschen kennen, was mich sehr bereichert, weshalb ich ein Engagement als Anne Frank Botschafterin auch anderen Jugendlichen empfehlen kann.
Wer mehr erfahren möchte, kann sich auf der Website des Anne Frank Zentrums informieren: https://www.annefrankbotschafterinnen.de/

Antonia Ubbelohde, Lößnitzgymnasium Radebeul, Klasse 10

 

Radebeuler Musik-Salon lädt nun auch mit „Café inTakt“ ein

Foto: E.M. Breuer

Welch ein Lichtblick in der Bahnhofstrasse von Radebeul-West! Wo man andernorts in leere Schaufenster schaut, gibt es etwas versteckt in der Bahnhofstrasse 19d fortan ein kleines Café in den Räumen des bereits etablierten Musik-Salons der Sängerin und Stimmbildnerin Edith Maria Breuer.
„Mein Traum ist es schon länger, einen Wohlfühl-Ort zu schaffen, in dem Menschen Kunst und Kultur mit einem Glas Wein erleben und sich dabei begegnen und austauschen können, aber nicht müssen. Der Musik-Salon ist kein großer Saal, aber auch kein kleines Wohnzimmer. Er ist von seiner Größe her „irgendwo dazwischen“. Das ergibt eine Atmosphäre, die gleichzeitig Nähe und Ruhe erlaubt. Jede(r) so, wie er oder sie möchte. Mir scheint, dieser Traum wird jetzt wahr!“
Am 1. Februar fand in nun beiden Etagen die feierliche Eröffnung statt. Auch der Name „Café inTakt“ ist im Umfeld von Musikalität natürlich nicht zufällig gewählt.
Der kleine geschmackvolle Raum bietet von nun an die Möglichkeit, verschiedenste Veranstaltungen mit diversen Getränken und Speisen in „Musik-Salon-Atmosphäre“ erleben zu können. Sekt, Wein, Kaffee und Anderes lassen sich ab jetzt mit einer künstlerischen Veranstaltung im Café selbst oder im Galerie-Raum in der oberen Etage verbinden.

In der Mitte Inhaberin E. M. Breuer Foto: M. Reichel

Als Auftakt war am 1.2. die Band „Hiper-Piper“ (https://hiper-piper.de) bei E. M. Breuer zu Gast, die mit handgemachter irischer Musik auf hohem Niveau für wunderbar leichte Stimmung gesorgt haben: Geige, Dudelsack, Gitarre, Cajon und Gesang füllten den Raum mit Leben. 60 Gäste fanden zum Teil sitzend, zum Teil stehend Platz.
Zur Zugabe wurden schließlich alle Stühle zur Seite geschoben, um das Tanzbein zu schwingen.
Zu den irischen Getränken gab es auch etwas für den kleinen Hunger: einen leckeren Brotteller der „Herzensbäckerei“ Pegenau. Die Inhaber der Bäckerei waren selbst vor Ort und wollen auch zukünftig das Café unterstützen. Bäcker Martin Reichel hat als angehender Photograph zudem die Stimmung des Abends wunderbar eingefangen wie textbegleitend zu sehen ist.
Breuer möchte die vor zwei Jahren schon mal angedachte Freitagsmusik im neuen Format wieder anbieten: Solo-Künstler oder Bands, egal ob aus der Klassik oder der E-Musik kommend, finden hier eine Bühne.

Foto: M. Reichel

„Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die vielen Musiker und Künstler (auch Schauspieler!), die es in Radebeuls und der Umgebung gibt, bei mir melden, damit wir planen können und diesen Wohlfühl-Ort mit schönen Veranstaltungen beleben können!“
Auf ihrer Webseite www.impulssein.com sind die kommenden Veranstaltungen zu finden.
Geplant ist vorerst eine Freitagsmusik im Monat.

Foto: M. Reichel

Neben ihren beiden Chören „chorus resonia“ und „vocalis-Seele und Klang“ arbeitet Breuer in ihren Räumen auch als Stimmbildnerin.
Als Sängerin wird sie in diesem Jahr z.B. wieder in der Lutherkirche Radebeul am Karfreitag (18.4. 2025) mit der Johannes-Passion von J.S.Bach zu hören sein.
Ihre wachsende Seminartätigkeit liegt E.M. Breuer auch besonders am Herzen: für sprechende Berufe (wie Lehrer) und Heilberufe (wie Psychologen und Ärzte) bietet sie Tagesseminare an, die eine Stärkung der Wahrnehmung von Körper, Atem und Stimme zum Ziel haben. Sie ist bei der OPK (Ostdeutsche Psychologenkammer) für Fortbildungen akkreditiert.

Sascha Graedtke

 

Edith Maria Breuer – Sängerin und Stimmbildnerin
Bahnhofstrasse 19d
01445 Radebeul
0152-23 25 04 02
www.impulssein.com

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Editorial

Da war doch noch etwas im letzten Februar?
Ach so, die vorgezogenen Bundestagwahlen. Bei Drucklegung längst wieder Schnee von gestern. Was wird also wieder rausgekommen sein? Mehr Raum für Kultur? Oder doch nur wieder Platz für Streit-Kultur?
Mit dem Monat März und dem keimenden Frühling nimmt auch das Radebeuler Kulturleben endlich wieder spürbar Fahrt auf. Das Angebot für alle Kulturliebhaber ist groß.
Während Meißen bereits seit Jahren mit einem großen Literaturfest aufwartet, stimmt nun auch unserer Heimatstadt wiederholt mit „Radebeul liest“ mit einem stattlichen Monatsprogramm in den Reigen ein. Ganze vier Wochen sind Lesungen an altbewährten Orten sowie an ganz ungewohnten Stellen, wie bspw. In Flack’s Getränkehandel zu finden.
Auch der altbewährte und doch unverwüstliche Frauentag wartet diesmal mit unterschiedlichsten Veranstaltungen auf. So in Altkö im „Café 25“ mit Geschichten unbekannter und bekannter DDR-Bürgerinnen. Und letztlich, unser altbewährtes Familienzentrum, liebevoll „Fami“ genannt, begeht ihr nunmehr 35. Jubiläum.
Und schließlich sei noch auf eine Frauentagsfeier im Radebeuler Kulturbahnhof verwiesen.

Sascha Graedtke

 

Ein Nachtrag zur Ingo-Kuczera-Gedenkausstellung in der Stadtgalerie Radebeul

Was in Ausstellungsrezensionen häufig keine Erwähnung findet, sind die Umstände, unter denen Kunst entsteht, gesammelt, erworben, erforscht, präsentiert und aufbewahrt wird. Recht interessant ist auch, was mit den Nachlässen verstorbener Künstler geschieht. Ob das künstlerische Werk im öffentlichen Gedächtnis bleiben wird, hängt mitunter von vielen Zufällen ab.

Durch das Zusammenwirken zahlreicher engagierter Personen und Institutionen, die in uneigennütziger Weise zur Erhaltung, Sichtbarmachung und Einordnung des künstlerischen Werkes von Ingo Kuczera nach dessen plötzlichem Ableben im Jahr 2004 beigetragen haben, war es möglich, immer wieder neue Ausstellungen u. a. in Radebeul, Dresden, Medingen, Radeburg, Erfurt und Weimar mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen zu konzipieren.

Für die Ausstellung „Wandlungen“, welche aus Anlass des 60. Geburtstages und 20.Todestages von Ingo Kuczera bis zum 19. Januar 2025 in den Räumen der Radebeuler Stadtgalerie zu sehen war, wurden zum Großteil Exponate aus dem Bestand der Städtischen Kunstsammlung zusammengestellt, ergänzt durch Leihgaben aus vier Privatsammlungen. Nachvollziehbar wurden Ingo Kuczeras künstlerische Entwicklungsetappen veranschaulicht. Zahlreiche Bild- und Textdokumente sowie Alltagsgegenstände und eine Filmaufnahme, trugen dazu bei, einen authentischen Eindruck von der Persönlichkeit des Künstlers zu vermitteln.

Die Frage, ob es nötig sei, dass sich Radebeul eine Stadtgalerie oder eine städtische Kunstsammlung leistet, beantwortet sich durch die Besucherresonanz von selbst. Über neunzig Kunstfreunde kamen allein am letzten Ausstellungstag, darunter über vierzig, die an der Doppel-Kuratoren-Führung teilgenommen haben und im Anschluss noch viele Fragen stellten, aber auch von ihren persönlichen Begegnungen mit dem Künstler berichteten.

Sehr schön war es, zu erleben, wie junge Menschen, die zum ersten Mal Ingo Kuczeras Werke gesehen haben, von seiner Kunst beeindruckt waren und sich inspiriert fühlten.

Eine Abordnung der Galerie Hebecker, welche den Hauptteil des künstlerischen Nachlasses im Auftrag der Erbengemeinschaft betreut, hatte sich von Weimar aus nach Radebeul auf den Weg begeben, um sich die Ingo-Kuczera-Gedenkausstellung in der Stadtgalerie anzuschauen. Die anerkennenden Worte dieser etablierten Privatgalerie, schriftlich festgehalten im Besucherbuch, waren eine erfreuliche Bestätigung für die Radebeuler Ausstellungsgestalter.

Eine Personalausstellung mit Werken von Ingo Kuczera wird bis zum 15. Februar 2025 in der Galerie Hebecker gezeigt, die sich in Weimar auf der Schillerstraße 18 befindet und von Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr und am Samstag von 11 bis 16 Uhr geöffnet ist.

Karin (Gerhardt) Baum

Eine Glosse?

Die schwäbische Hausfrau

Ob nun der 2021 ins Häusliche zurückgetretenen Angela die alleinige Schuld an der Reanimierung der „Schwäbischen Hausfrau“ seit 2023 in die Schuhe geschoben werden kann, soll hier nicht diskutiert werden. Offensichtlich aber wollte sie die Dame nicht mit nach Hause nehmen. Sie ist vermutlich in der Besenkammer des Kanzleramtes steckengeblieben und einer hat sie da unlängst wieder rausgelassen. Ob versehentlich oder absichtsvoll wird gegenwärtig noch geprüft. Fakt aber ist, dass nun schon wieder alle vom Sparen schwadronieren, auch weil Staat, Europäische Union und damit letztlich die Wirtschaft vor zehn, fünfzehn Jahren die Kurve nicht bekommen haben und auch nichts dazulernen wollten. Wer über seine Verhältnisse lebt, so der Slogan, der muss halt sparen. Und seit der Eurokrise wurde besonders an den Löhnen und den Investitionen gespart.

Nicht genug, dass die Europäische Union 2013 den Europäischen Fiskalpakt eingeführt hat, setzte das Kabinett-Merkel III mit Sparfuchs Schäuble als Finanzminister noch eins obendrauf, in dem die Schuldenbremse 2016 ins Grundgesetz geschrieben wurde. Nun klemmt die Säge vollends und es geht nichts mehr vor und zurück. Selbst der CDU dämmert es langsam, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann.

Will aber jetzt keinen Vortrag über verfehlte Bundesfinanzpolitik halten. Die Spatzen pfeifen es eh schon längst von den Dächern. Zur Ehrenrettung der schwäbischen Hausfrauen sei aber angemerkt, dass diese sehr wohl den Unterschied zwischen mikro- und makroökonomischem Denken begriffen haben. Für die Instandhaltung des eigenen Hauses wurde da schon mal ein Kredit aufgenommen.

Selbst Mitarbeiter des Bundesministeriums für Wissenschaft und Klimaschutz haben bereits 2016 festgestellt, das „Investitionen und stabile Staatsfinanzen“ kein Widerspruch sein müssen und beispielsweise Investitionen in die Bildung Rendite abwerfen.

Dass aber der neue Schulcampus in Kötzschenbroda nur entstehen kann, wenn andere intakte Gebäude abgerissen werden, will mir einfach nicht in den Kopf. Muss man jetzt bauen, weil vorher auch zwei Schulgebäude plattgemacht wurden? Interessieren würde mich auch, woher dann eigentlich die Schüler kommen sollen, da die Geburtendelle in absehbarer Zeit wohl nicht überwunden wird und die Erwerbsbevölkerung in Sachsen bis 2040 um 36,5 Prozent schrumpfen soll? An der „Schwäbische Hausfrau“ kann es nicht liegen.

Die Investitionen der Stadt Radebeul für 2024 beliefen sich laut Plan immerhin auf über 19 Millionen Euro, die höchste Summe seit 2013. Dennoch dirigiert auch in Radebeul die „Schwäbische Hausfrau“, wenn sich CDU-Fraktion in der Haushaltsdebatte im April 2024 gegen jedwede Kreditaufnahme wandte. Realisiert wird also nur, wofür es Fördermittel gibt und da wird es wohl in den nächsten Jahren schlecht aussehen. Bereits Anfang 2024 ahnte der Oberbürgermeister, dass es künftig weniger geben wird. Dennoch wurde die Kolbe-Villa erworben, als ob die Stadt nicht schon genug Vorhaben an der Backe hätte. Gegenwärtig laufen dort die ersten Sicherungsmaßnahmen. Bei allen zweifelsfreien Erfolgen vermisst der Bürger eine Strategie, eine Prioritätenliste. Was man im April 2024 auf der Haushaltsberatung im Stadtrat noch als Standort für das neue Stadtarchiv „feierte“, verkaufte man sieben Monate später in einer Bürgerversammlung Anfang Dezember – welch wundersame Wandlung – als „Haus der Kultur und Geschichte“ in einem neuen städtischen Zentrumsbereich in Radebeul-Mitte. Die Jugendherberge soll da auch gleich einen Neubau erhalten. Baubeginn, so war nun in der Zeitung an 6. Januar zu lesen, frühestens 2031! Alles natürlich fördermittelabhängig. Ohne Fördermittel scheint in Radebeul nichts mehr zu gehen. Seltsamerweise war von diesem bedeutenden Projekt im Interview des Oberbürgermeistes Bert Wendsche in der Sächsischen Zeitung vom 27. Dezember über die Frage „Was kann sich Radebeul nächstes Jahr leisten?“ noch keine Rede. Die Bürger, die bei der Vorstellung des Vorhabens durch die Stadtverwaltung dabei waren, werden sich wohl verdutzt die Augen gerieben oder vermutlich beim Ohrendoktor angemeldet haben.

Aber was soll’s, auch vieles Andere kam in dem Interview nicht zur Sprache, etwa der soziale Wohnungsbau, wie die Klimabilanz der Stadt, die perspektivische Stadtentwicklung, von der Kultur ganz zu schweigen. Da wird wohl wieder die „Schwäbische Hausfrau“ zugeschlagen haben.

Euer Motzi

Keine Leistung?

Kulturgut Lügenmuseum

HundertzweiundfünfzigTage ist das Lügenmuseum nun offiziell geschlossen! Anfang Dezember, so der Betreiber, kam dort angeblich der Nikolaus vorbei und hat für kurze Zeit ein Weihnachtsmuseum und gar am 27. Dezember die Ausstellung „Zack-Zack“ eröffnet.

Auf oder zu? – Das ist hier die Frage!


Wer Eins und Eins zusammenzählen kann und im Sinne des Besitzers des Gebäudes denkt und fühlt, wird diese Aktion als eine reine Provokation interpretieren. Juristisch gesehen ist das so. Aber handelt es sich hier eigentlich nur um einen Streitfall zwischen dem Vermieter, der Stadtverwaltung in Gestalt des Oberbürgermeisters Bert Wendsche und dem Mieter der Familie Zabka als Betreiber des Museums? Gab es denn eigentlich eine Alternative für die Betreiber des Museums?

Bekannt ist, dass die Stadtverwaltung den ehemaligen Serkowitzer Gasthof bereits kurz nach dessen Erwerb 2007 wieder verkaufen wollte und bis heute an diesem Beschluss festhält. Die Nutzung durch die Betreiber des Lügenmuseums war also von vornherein nur als eine Interimslösung gedacht. Die bisherigen diesbezüglichen Versuche, das Objekt zu verkaufen, sind allesamt gescheitert, zumeist wegen zweifelhafter Wirtschaftlichkeit. Auch die Vermittlung an einen nichtwirtschaftlich interessierten Käufer schlug fehl. Mittlerweile ist das Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter derart zerrüttet, dass an eine einvernehmliche Lösung des Problems nicht zu denken ist. Der Mietvertrag wurde gekündigt, dennoch „sitzt“ der Mieter noch im ehemaligen Gasthof. Aber seit geraumer Zeit hat sich die gesamte Lage um den Casus „Lügenmuseum“ gravierend geändert, so dass es höchste Zeit ist, die Diskussion vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Seit Einzug des Lügenmuseums in das Gebäude des Serkowitzer Gasthofes hat sich dieser zu einem wahren „Pilgerort“ für Radebeul-Besucher entwickelt und die Stadt über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus zu mehr Ansehen und Anerkennung verholfen. Wer so eine Einrichtung in seinen Mauern hat, der, so die weit verbreitete Annahme von Besuchern, muss etwas für Kultur übrig haben. Den starken Besucherstrom bekommen auch die Beherbergungs- und Gaststättenbetreiber zu spüren, was wiederrum hilft, das Steuersäckel der Stadt zu füllen. Und so hat auch dieses Gewerbe seinen Anteil am 2022 erwirtschafteten Überschuss von 9,5 Millionen geleistet. Die Kultur- und Kreativitätswirtschaft steht in der Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik nach dem Fahrzeugbau an zweiter Stelle.

Warum also ist es so, dass Stadtrat und Verwaltung von Radebeul diese Binsenweisheit nicht zur Kenntnis nehmen wollen? Liegt es an dem vermeintlichen ungebührlichen Verhalten der Familie Zabka oder passt hier die ganze Einrichtung nicht ins Konzept? Rührt eventuell die Haltung beider Gremien von der bestellten negativen Einschätzung des einstigen Stiftungsdirektors der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen her, der am liebsten alle Museumsstücke auf einen Abfallcontainer gesehen hätte? Warum haben die 93 Briefe (s. Homepage Lügenmuseum), die seit Juni 2024 für den Erhalt des Museums sprechen und an den Oberbürgermeister Bert Wendsche und das Museum gegangen sind, nicht zu einem Umdenken oder doch wenigstens zu einem Innehalten und Überdenken des eignen Standpunktes geführt? Warum wurden all die Fragen, Probleme und Schwierigkeiten hinter verschlossenen Türen besprochen, verhandelt und kein öffentlicher Diskurs geführt? Spüren die Mandatsträger der Stadt keine Verantwortung gegenüber den Bürgern Europas, wenn sie dieser einmaligen Einrichtung in der Bundesrepublik den Stuhl vor die Tür setzen? Ein Museum oder eben eine Einrichtung dieser Art klemmt man nicht einfach unter den Arm und zieht weiter wie die bettelnden Gaukler vergangener Jahrhunderte. Dabei sei hier noch nicht auf die Leistungen verwiesen, die das Museum seit 12 Jahren bis zur seiner unfreiwilligen Schließung erbracht hat: Geöffnet an Feiertagen und Wochenenden, Betreuungen in den Schulferien, Kurse und Werkstätten, Sonderausstellungen, Konferenzen sowie Projekte im In- und Ausland. All diese Angebote haben die Stadt so gut wie nichts gekostet.

Natürlich hat die Stadt Mittel aufgewendet, um den ehemaligen Gasthof in einen Zustand zu versetzen, der eine Nutzung überhaupt erst ermöglicht. Diese Instandsetzungsarbeiten haben aber primär nichts mit dem Lügenmuseum zu tun. Sie wären auch so angefallen. Wie aber die Denkmalpflege in einer Stellungnahme bescheinigt, haben die Betreiber des Museums wesentlich zum Erhalt des Gebäudes beigetragen. Keine Leistung? Oder wird hier einfach fallengelassen, was nicht in den Kram passt? Es wäre höchste Zeit nochmals darüber nachzudenken, um eine sinnvolle Lösung anzustreben, ehe man als Kulturverhinderer am Pranger steht. Denn Kunst ist es zweifelsfrei, aber vermutlich nicht für alle, muss es aber auch nicht sein.

Karl Uwe Baum

15. Thematischer Filmclubabend


Es ist nun schon eine schöne Tradition, dass wir unsere Veranstaltungsreihe Film Club Mobil zum Jahresauftakt in der Heimatstube Naundorf eröffnen. Das lodernde Kaminfeuer, Harmoniumklänge, Gänsefettschnittchen und ein sich immer wieder aufs Neue, mit köstlichem Wein füllender Zauberbecher in urgemütlichem Ambiente nostalgisch anmutender Ausstellungsstücke stimmen auf den Filmclubabend ein. Gezeigt wird der Märchenfilm „Die Geschichte von der Gänseprinzessin und ihrem treuen Pferd Falada“. Die Vorlage für den Film bildete das Märchen „Die Gänsemagd“ der Gebrüder Grimm, welches recht grausame Passagen enthält. Der Film hingegen bietet eine menschenfreundlichere Interpretation. Themen wie Krieg und Frieden, Recht und Unrecht, Vertrauen und Missgunst werden nicht ausgespart und erfahren eine feine Nuancierung.

Bei unseren Recherchen stießen wir auch wieder auf einige überraschende Zusammenhänge. So ist der Regisseur Konrad Petzold (1930–1999) ein gebürtiger Radebeuler. Im Radebeuler Stadtlexikon steht, dass er (um 1948) Organisator der Jugendbühne Radebeul gewesen ist. 1952 wurde er zum Regiestudium an die Filmhochschule Prag delegiert. Regie führte er u.a. in Filmen wie „Das Kleid“ (1961) und „Alfons Zitterbacke“ (1965). Auch war er als Drehbuchautor und Schauspieler tätig. Nach dem gesellschaftlichen Umbruch kam seine Regiearbeit gänzlich zum Erliegen. In diesem Jahr würde Konrad Petzold seinen 95. Geburtstag begehen.

Die Geschichte von der Gänseprinzessin…“ hatte am 29. Januar 1989 im Berliner Colosseum Premiere. Es war der letzte Spielfilm des Regisseurs Konrad Petzold. Für den Schauspieler Alexander Höchst, in der Rolle des Prinzen, war es das Filmdebüt.

Während die zwei tschechischen Hauptdarstellerinnen Dana Moravková (Aurinia) und Michaela Kuklová (Liesa) sowie Alexander Höchst (Ivo) noch am Anfang ihrer filmischen Karriere standen, gehörten Gerry Wolff (1920 –2005) und Eberhard Mellis (1929–2019) in der DDR zu den bekannten künstlerischen Schwergewichten. Beide waren sehr vielseitig und mit ihren markanten Stimmen als Synchronsprecher gefragt.

Die Geschichte von der Gänseprinzessin
und ihrem treuen Pferd Falada

1988, DDR, DEFA-Studio für Spielfilme, 80 Minuten, FSK 6

Regie: Konrad Petzold; Drehbuch: Angelika Mihan; Kamera: Hans Heinrich
Musik: Zdének John; Besetzung: Dana Moravková (Aurinia), Michaela Kuklová (Liesa), Eberhard Mellis (König), Regina Beyer (Königin), Gerry Wolff (Soldat), Alexander Höchst (Ivo)

Auf dem Berg überm Tal lebte ein junges Königspaar mit seinem neugeborenen Töchterlein Aurinia. „… Frieden war und Sommerzeit. Das Korn auf den Feldern stand in goldener Reife und versprach eine reiche Ernte…“ Bis ein wildes Reitervolk das Land überfiel. Die Menschen folgten dem Ruf des Königs und verteidigten ihr Land. Auch König Ewald aus dem Nachbarreich eilte zur Hilfe. Gemeinsam besiegten sie das Reitervolk. Der Reiterkönig aber erschlug in blinder Wut seine Frau. Auch seine neugeborene Tochter Liesa wollte er töten, doch Aurinias Vater rettet den Säugling und wird dabei von einem Pfeil getroffen. Im Sterben verspricht er seine Tochter König Ewalds Sohn Ivo. Liesa wiederum, die zusammen mit Aurinia aufwächst ist von Missgunst geplagt.

Als Aurinia im heiratsfähigen Alter ist, schickt sie die Mutter auf die Reise zu Prinz Ivo, um das Versprechen des Vaters einzulösen. Begleitet wird sie von ihrer Ziehschwester Liesa, die sich als Magd angeboten hat, einem alten Soldaten und dem treuen Pferd Falada. Mit auf den Weg gibt ihr die Mutter ein Tuch mit 3 Tropfen Mutter-Blut und einen Zauberpokal, der sich von selbst mit Wein füllt.
Doch Liesa ist hinterlistig und es gelingt ihr, das Tuch, den Kelch und das Pferd an sich zu bringen. Dem Kleidertausch folgt der Rollentausch. Fortan gibt sich Liesa als Prinzessin aus. Die gutgläubige Aurelia wiederum wird gezwungen, sich als Magd auszugeben und hütet fortan mit dem Hütejungen Kurdchen die Gänse. Dem treuen Pferd Fallada wird der Kopf abgeschlagen und über ein Tor genagelt. Immer wenn Aurelia hindurchgeht, vertraut sie dem sprechenden Pferdekopf ihren Kummer an. König Ewald und Prinz Iwo werden allmählig misstrauisch, denn Liesa ist kalt und hartherzig. Zu Aurelia hingegen fühlt sich der junge Prinz seit der ersten Begegnung hingezogen.

Vorm Happy End gilt es jedoch noch einige Proben zu bestehen. Durch die Kraft des Zaubertuches, welches König Ewald der falschen Prinzessin entrissen hat, erscheint Aurinias Mutter und überführt Liesa der Lüge. Schließlich wird auch das Pferd Falada wieder lebendig. Liesa lässt man großmütig vom Hofe reiten und der König meint dazu, “Lasst sie, sie straft sich selbst mit Einsamkeit“

Karin Baum und Michael Heuser
Sprecher der Cineastengruppe „Film Club Mobil“ im Radebeuler Kultur e.V.
Anmerkung: unter Verwendung von verschiedenen Filmbegleitmaterialien und Wikipedia-Eintragungen
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Termin: 6.2.2025, Einlass: 19 Uhr, Reservierungen unter: 0160-1038663, Veranstaltungsort: Heimatstube Naundorf, Fabrikstraße 60, 01445 Radebeul

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