Eine Talutanlage, was ist das?

Keine Ahnung! Trösten sie sich, ich wußte es bisher ebenfalls nicht und fand auch in keinem Nachschlagewerk eine Erklärung. Der Begriff hat etwas mit Weinbau zu tun und kommt aus dem Französischen. Sagen wir frei nach Buch und Film „Feuerzangenbowle“: „Watt is ein Talut? Da stelle mer uns janz dumm und sage mehr, ene Talutanlage is so watt wie een Frühbeet für Wein.“ Nun wissen Sie’s ganz genau! ln Zeiten, als noch kein Tafelwein (= solcher zum Essen) aus Griechenland, Südafrika oder Neuseeland fast ständig auf dem hiesigen Markt war, kam der Wunsch auf, ein paar Trauben schon früher zu essen als der Wein üblicherweise (Ende September / Anfang Oktober) im Elbtal gelesen wird. Das heißt, man mußte künstlich optimale Wachstumsbedingungen schaffen, Frost und Winde fernhalten, dafür Wärme speichern. Und wir haben in Radebeul eine fast vollständige Talutanlage, in der Größe (ca. 40 x 70 m) wohl einzigartig in Deutschland. Wir finden sie in der Rebenversuchsstation auf der Mittleren Bergstraße 44. Vielleicht konnten Sie sie am 21. August zum Tag der offenen Tür sehen? Das o. g. Areal ist von ca. 2,5 bis 3 m hohen Mauern umgeben und hat 5 Abteilungen, die durch ebensolche Mauern gebildet werden. Jede Abteilung ist also etwa 8 m breit und 70 m lang. Die Wände sind verputzt und wurden mit dunklem, wärmespeichernden Anstrich versehen.

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              Blick auf die Talutanlage

Die Längswände tragen nach Westen geneigte, kurze Verdachungen aus Holzlattung mit handgestrichenen Biberschwanzziegeln. Vor den Ost-Südostseiten der Wände steht der Tafelwein, vor den meist im Schatten liegenden West-Nordwestseiten wuchsen früher Sauerkirschen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, daß früher an die kurzen Dächer zeitweilig Frühbeetfenster angelehnt wurden, um im Frühjahr Frost- und Windschutz – kritisch sind überschlagende Winde, fallende Fröste und auch Hagel – zu bieten. Leider hat sich keines der Fenster mehr erhalten. Vielleicht sollte man sich die komplette Anlage so ähnlich vorstellen, wie die verglasten Terrassen in Sanssouci, die ursprünglich auch dem Weinbau gedient haben. Eine kleine Talutanlage bzw. die Reste davon sah man bis vor kurzem im Grundstück Meißner Str. 126. Einen alten Weinstock unter Glas gab es auch im Gelände des Schlosses Seußlitz. Aber zurück zur Anlage an der Mittleren Bergstraße. Interessant sind z. T. noch vorhandene Zahlen auf Porzellanschildern und unleserliche, ehemals beschriftete Holztafeln an den Wänden. Sie gaben wohl Auskunft über die hier

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Vor den Ost-Südostseiten der Wände steht der Tafelwein

angebauten Rebsorten. Weitere Recherchen führen da sicherlich zu Ergebnissen, eine hieß ganz sicher Tafeltraube Fleischmann. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Ursprung der Anlage in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt und vielleicht auf Oberlandweinmeister Fleischmann, Bergverwalter Kadner oder Leutnant Fischer zurückgeht, die alle in der Zeitspanne mit dem Krapenberg zu tun hatten. Die Talutanlage wird heute durch Herrn Häntsch und seine Mitarbeiter von der Rebenversuchsstation genutzt und so der Nachwelt erhalten – ein Denkmal zur Produktionsgeschichte des Weinbaus.

Dietrich Lohse

Was uns Archivakten zu sagen haben

Die Versteigerung der „Hoflößnitz“ im Jahre 1889

Am 24. August des Jahres 1887 veröffentlicht die Kötzschenbrodaer Zeitung folgende Bekanntmachung, die die Einwohner wohl in großen Schrecken versetzt haben wird. Es heißt darin: „Nachdem in den Königlichen Weinbergen zu Oberlößnitz das Auftreten der Reblaus durch den Herrn Sachverständigen konstatiert worden ist, werden alle Weinbautreibenden veranlaßt, die sorgfältigsten Beobachtungen ihrer Anpflanzungen vorzunehmen und dieselben auf das Genaueste zu untersuchen, verdächtige Erscheinungen aber sofort bei der Ortspolizeibehörde zur Anzeige zu bringen. Die hier bestehende Beobachtungskommission wird hiernach das Nötige veranlassen. Der Einlaß in die Weinberge und in die Rebenanlagen der Gärten sowie das Abschneiden einzelner Tauwurzeln hat der Besitzer der Kommission ohne Entschädigung zu gestatten. Kötzschenbroda, den 23. August 1887, W. Vogel, Gemeinde-Vorstand.“ Ähnliches geben auch die anderen Gemeinden bekannt. Ein Reichsgesetz betr. Auftreten der Reblaus war schon 1875 erlassen worden. Am 25. September 1875 wurde ein ständiges Aufsichtsorgan zur Überwachung des etwaigen Auftretens in Sachsen eingerichtet, und dementsprechend Überwachungskommissionen in den Gemeinden gebildet. Doch zunächst scheint man den möglichen Anzeichen weniger Beachtung geschenkt zu haben, bis zur obigen Bekanntmachung. Für die „Hoflößnitz“ hatte man schon einige Jahre zuvor die Veräußerung in Erwägung gezogen, da die Erträge zurückgingen. Die Verwüstungen durch die Reblaus machten die Entscheidung spruchreif. So berichtet die Kötzschenbrodaer Zeitung am 9. Mai 1888: „…hat sich die Regierung entschlossen, den Weinbau aufzugeben und die früheren Weinberge behufs Bebauung zu veräußern….

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Haus „Hoflößnitz“ – Museum und kultureller Mittelpunkt

Ein Anerbieten der Weinbergbesitzer, ihre Bepflanzungen der Regierung zu verkaufen, wurde wegen zu hoher Kosten abgelehnt, und so ist der Ausrottung der Weinstöcke und das Ende des Weinbaus in der Lößnitz beschlossen.“ Wenn auch die „Berliner Post“ ein abfälliges Urteil über den Lößnitzwein fällte und die Meinung vertrat, daß für die Menschheit sein Verschwinden von der Bildfläche kein Verlust sei, so setzte die Kötzschenbrodaer Zeitung doch namhafte Schriften entgegen, die die Güte des Weines betonten, wie z.B. „von besonderem Gewicht ist ein Urteil der Firma Mauson & Jordan in der berühmten Champagnerstadt Rheims über unsere vaterländischen Weine. Diese Autoritäten sprechen sich folgendermaßen aus: Die Elbweine sind den feinsten fremden Weinen gleichzusetzen, und es dürfte nur bei manchen Weinbergsinhabern verbessertes Sortieren der Trauben, Abpressung und Behandlung im Keller stattfinden. – Es ist daher zu bedauern, daß man den Weinbau so leichten Herzens aufgibt.“ Ein Jahr später, am 29, Mai 1889, ist der Regierungsbeschluß vollzogen. „Die Staatsdomäne – ehemaliges Staatsweinberggut Hoflößnitz – wurde am vergangenen Montag in öffentlicher freiwilliger Lizitation im Herrschaftsgebäude zur Versteigerung gebracht. Für die gesamten sieben Parzellen, welche außer dem genannten Herrenhause ein modernes Wohnhaus, eine Reihe Winzerhäuser, Stallgebäude, Presse, das herrlich gelegene Spitzhaus und insgesamt 23 ha 96 ar Berg- und Flachland, dabei wohl 16 Bergterrassen umfassen, wurde ein Höchstgebot von zusammen 95000 Mark erzielt. Vorbehaltlich der Genehmigung des Königl. Finanzministeriums werden die ersteigerten Grundstücke an die drei Ersteher überlassen werden. Die 10 Winzereien gehen ein, die große Treppe nach dem Spitzhaus bleibt bestehen. Bei der Versteigerung wurde das Spitzhaus mit dem Wahnsdorfer Gehöft (Winzerwohnungen) zusammen ausgeboten Die größte versteigerte Parzelle ist die, zu welcher Herrenhaus, Verwalterhaus, Presse und Winzerwohnungen am Preßhof gehören. Dieselbe hat eine Größe von 10 ha 77,4 ar und waren von diesen 10 ha 9,7 ar ehemals Weingelände und Gräserei. Auf diesem Grundstück liegt die Haupttreppe und ruht die Erhaltung der Hoflößnitzer Wasserleitung.“ Soweit der Zeitungsbericht. Fast 500 Jahre zuvor – 1401 – war mit dem Erwerb der sogenannten drei Preßteile mit dem Preßhaus der Weinbergsbesitz der Wettiner in der Lößnitz begründet und in den folgenden Jahrhunderten durch Zukauf und Tausch vergrößert worden. Sachsens Kurfürsten und Könige ließen hier für ihre Keller den Wein erbauen, zuletzt unter der königlichen Domänenverwaltung. Nun – 1889 – im Jahr der 800-Jahn Feier des Hauses Wettin, schien das Ende der „Hoflößnitz“ gekommen. Zwar folgten wieder fast 100 Jahre sehr wechselvoller Geschichte, doch nun ist das Gebäude-Ensemble mit einem zugehörigen Weinbergsgelände wieder zusammengeführt und im Besitz unserer Stadt.

Liselotte Schließer

Was uns Archivakten zu sagen haben

Alt-Friedstein, von der Familien-Pension zum Pflegeheim – und was nun?

Am 18. Januar berichtete die Sächsische Zeitung, daß ein Dresdner Investor Alt-Friedstein zu einem Hotel-Garni ausbauen will und den Zuschlag erhielt. – Eine erfreuliche Nachricht für alle, die schon lange um das Schicksal dieses geschichtsträchtigen Bauwerkes bangen. Bekannt ist es vielen Einwohnern als „Pflegeheim“, denn als solches wurde es von 1965 bis 1987 genutzt. Seit 1927 war die Stadt Kötzschenbroda – sie bestand von 1924 bis 1935 – im Besitz des Gebäudes; sie hatte es als Rentnerheim für anfangs 10 Insassen gekauft. Und 1949 war daraus ein „Altersheim“ geworden. Wer nutzte es aber vor 1927? Lassen wir einmal die „frühe“ Geschichte, in der das Grundstück zusammengekauft wurde und privaten Zwecken diente, außer Betracht, so treffen wir im .Jahre 1878 Herrn Rentier Carl Lamsbach als Besitzer des großen Grundstücks, das damals bis an die Meißner Straße hinunter reichte. Die heutige Ludwig-Richter-Allee war schon damals mit schönen alten Bäumen bestanden. Durch diese Allee fuhren die Herrschaften in ihren Kutschen geradewegs auf das große Einfahrtstor zum „Friedstein“ hinauf. Und da das Gelände beiderseits der Straße zum Besitz gehörte, sie also lange Zeit ein Privat-Weg war, hieß sie einfach „Allee-Weg“, später „Friedstein-Allee“ und schließlich „Allee-Straße“. – Herr Lamsbach hatte große Pläne und wohl auch das nötige Geld. Schon 1878 ließ er eine Wasserleitung bauen, mit Brunnen, Bassin, Maschinenhaus und transportabler Kesselmaschine, geheizt mit Braun- und Steinkohle. Der Dampfmaschinenbetrieb diente der Wasserhebung aus dem Tiefbrunnen (Die Wasserversorgung wurde 1891 vom Niederlößriitzer Wasserwerk übernommen). Bauliche Erweiterungen durch neue Wirtschaftsräume folgten, und schließlich beantragte Herr Lamsbach im Februar 1895 die Genehmigung, den westlichen Seitenflügel des Wohnhauses um ein Stockwerk zu erhöhen. Gleichzeitig stellte er das Gesuch, eine Pension einrichten zu dürfen. Beides wurde genehmigt, und schon im Juli 1895 war der Bau vollendet, die Gäste konnten kommen. Um seine Einrichtung bekanntzumachen, gab er eine reich bebilderte Werbeschrift heraus, in der es heißt: „Die Pension Alt-Friedstein ist mit 20 gut eingerichteten Zimmern ausgestattet. Im Parterre befinden sich Speisesaal, Lese- und Billardzimmer, im Seitenflügel neu eingerichtete Bäder, im Garten und Park Kegelbahn, Tennis-, Croquet- und Spielplätze. Die Pension Alt-Friedstein eignet sich zur Ausführung der verschiedensten Kuren: da Landwirtschaft betrieben wird zur Milchkur, da Obst und Wein gebaut wird zur Obst- und Traubenkur, und durch die Lage des Grundstücks selbst zu Terrainkuren. Anfragen: An die Pension Alt-Friedstein Poststation Kötzschenbroda erbeten. Telegramm-Adresse: Lamsbach-Kötzschenbroda, Telefon: Kötzschenbroda Nr. 37, Prospekte gratis“. – Wie viele Gäste dieses Angebot nutzten und welche Gründe Herrn Lamsbach zum Verkauf veranlassten, bleibt offen. Als Anfang Mai 1899 das gesamte Grundstück an die Baumeister Schilling und Grabner in Dresden überging, hatten diese die Absicht. das Gelände mehr dem Verkehr anzuschließen, indem sie die Allee direkt mit der Moritzburger Straße verbinden wollten. Zwar konnten sie den Mittelbau mit dem Turm durch eine geschickte architektonische Lösung erhalten, doch der Abriß des westlichen Flügels war zur Durchführung der Straße unvermeidlich. Der Pensionsbetrieb konnte unter diesen Umständen natürlich zunächst nicht weitergeführt werden. Erst nachdem das Hauptgebäude restauriert worden war, konnte der Kötzschenbrodaer Generalanzeiger am 2. Juli 1903 die Neu-Eröffnung der Pension bekanntgeben. Frau verw. Schönstädt hatte die Räume gemietet und erhielt auf ihr Gesuch die Konzession, ihren Pensionären Bier und Wein in Flaschen zu verkaufen. Sie leitete die Pension bis 1913. dann wurde sie von Frau Marie v. Haken übernommen. 2016-06-19-schliesser-93-06

Auch als 1916 Herr v. Kiesewetter Eigentümer des Restgrundstückes mit dem Haus wurde, führte sie die Pension weiter; ob auch in der Inflationszeit, konnte ich nicht feststellen. Vielleicht hat das Haus schon damals einige Jahre keine Gäste mehr beherbergt. Als städtisches Rentnerheim war es, wie die Akten ausweisen, meist voll belegt, d. h. 12 alleinstehende Frauen fanden hier ein Zuhause. Sie hatten jede ein Einzelzimmer, für das sie einschließlich Beköstigung, Heizung und Beleuchtung je nach Lage – Erdgeschoß oder Etage – 60,00 bis 90,00 Mark monatlich zu zahlen hatten. Kriegs- und Nachkriegsjahre erforderten höhere Auslastung. Die längst fällige Renovierung wurde dann 1971 mit finanzieller und materieller Unterstützung von Betrieben durchgeführt, um den Aufenthalt der Insassen zu verbessern. Doch der weitere Verfall ließ sich damit nicht aufhalten. 1987 wurde das Haus geschlossen. – Nun bleibt die Hoffnung, daß bald wieder Gäste einziehen können.

Lieselotte Schließer

Der Jacobstein ein Wahrzeichen Radebeuls

Seit 250 Jahren grüßt dieses kleine, weithin sichtbare Bauwerk die Einwohner und Gäste unserer Stadt. Der Erbauer – der Hofböttchermeister und Ratseichmeister Jacob Krause zu Dresden ließ es wohl mehr als Unterkunft bei Schlechtwetter für die von ihm beschäftigten Winzer und zu seinem eigenen Vergnügen errichten.
Jacob Krause hatte bereits 1734 zwei Weinberge erworben, die Graf von Wackerbarth kurz vor seinem Tode verkaufte. 1737 erwarb er zwei weitere Weinberge in Kötzschenbrodaer Flur, die Frau verw. von Hohberg geborene von Schrenkendorf bisher besaß. Dazu gehörte auch eine große Baumpresse samt Zubehör an Preßgeräten. Er zahlte dafür 1 800 Thaler. 1738 verkaufte ihm schließlich Frau Johanna Charitas Lingke geborene Rothe, die sich an den Hammerwerksbesitzer Friedrich Christian Lingke in Rothenthal verheiratet hatte, ihre zwei Weinberge „Fliegenwedel“ und „Bischoff“, wozu auch das Weinberghaus gehörte, das sie bisher mit ihrer Schwägerin Eleonore Horn geborene Lingke gemeinsam besessen hatte. Durch einige weitere Käufe kleinerer Bergteile von Naundorfer Einwohnern brachte er bis 1740 einen stattlichen Besitz zusammen. Als Krönung des selben war dann wohl der Bau des „Lusthäuschens“ gedacht, wie es zur Zeit auch auf anderen Berghöhen geschah.
Die Form läßt den Gedanken an ein „Faß“ zu, was ja seinem Handwerk entsprechen würde. Es steht auf einem vorspringenden Stein, direkt auf dem Felsengrund. Drei Fenster nach der Talseite gestatteten ihm den Überblick über seinen ganzen Weinberg, Aber auch die Winzer, die während der Reife- und Lesezeit Wache halten mußten, konnten vielleicht hier bei Regen Schutz finden, Über dem Eingang soll eine doppelte Kartusche die Jahreszahl 1743 getragen haben. Ob sie noch vorhanden ist? Der einzige Raum ist unterkellert und nach oben mit einem kuppelartigen Gewölbe ab geschlossen. Dieses trägt den Bachusknaben (nicht den heiligen Jacob, wie manche meinen), Er trägtin der linken Hand den Bachantenstab mit einem Pinienzapfen. Diese sollen einst bei der Weinbereitung verwendet worden sein. Um den Turm herum zieht sich eine Mauer, die sich verjüngende Schlitze hat, hinter denen tatsächlich wahrend der Reifezeit der Trauben kleine Böller standen, mit denen Herr Krause Spatzen und sonstige Diebe verjagen konnte. – Über die Inneneinrichtung erfährt man erst etwas, als die Erben Krauses – die Witwe Erdmuthe Sophie geborene Roos und ihre Kinder – den Besitz verkaufen. Käufer war Samuel Bauer, Weinhändler in Dresden, der Krauses Tochter Erdmuthe Dorothee geheiratet hatte. Für 2940 Thaler erwarb er Grundstück, Gebäude und Inventar. In diesem ist am Ende einer langen Liste aufgeführt: „Im Lusthaus“: 1 gemalet Faß mit einer runden Tischplatte, 8 eiserne Mortiers (die Böller oder kleinen Kanonen), 1 Keu|e zum Laden der Böller, 2 Lehnstühle mit grauer Leinwand bezogen, 1 Hammer, 1 Karsch, 1 Keulhaue, 1 Weinhaue, Häckchen und Trommel. Sonst fand man noch etwas Schießpulver incl. leere Flaschen. Bei dieser Ausstattung haben hier wohl kaum große „Lustbarkeiten“ stattgefunden, doch vielleicht zog sich Herr Krause zu einem kleinen Gelage mit einem guten Freund hierher zurück. Die Familie Bauer hatte den „Fliegenwedel-Besitz“ bis 1797, verkaufte ihn dann an Carl Friedrich Clauß auf Kohlsdorf, der ihn aber schon zwei Jahre später an den Freiherrn Christian Friedrich von Gregory, derzeit Besitzer von Wackerbarths Ruhe, weitergab. Damit gehörte auch der „Jacobstein“ zu Wackerbarths Ruhe, und er blieb dabei, als Herr von Gregory „Fliegenwedel“ an seinen Sohn Albert von Gregory verkaufte. Das Gelände um den „Jacobstein“ wurde von diesem abgetrennt und „Wackerbarths Ruhe“ zugeschlagen. Dafür mußten alle späteren Besitzer 1 Steuerschock und 1 Pfg. Quatembergeld an den jeweiligen Besitzer des „Fliegenwedel“ zahlen, das legte ein Königliches Rescript fest. » So blieb es, der „Jacobstein“, wie er übrigens seit frühester Zeit genannt wurde, wechselte seine Besitzer zusammen mit „Wackerbarths Ruhe“ mehrmals. Chronisten wie Schubert, Schruth und Reuter beschäftigten sich mit seiner Geschichte, und auch die Denkmalpflege war bemüht um seine Erhaltung. Doch trotz verschiedener Maßnahmen, haben Sonne, Wind und Kälte, mitunter wohl auch mutwillige Zerstörungen, immer wieder Schäden verursacht. Es wäre an der Zeit, dieses Wahrzeichen einmal gründlich zu restaurieren – doch wer hat soviel Geld?

Lieselotte Schließer

Ein Gymnasium für die Lößnitzgemeinden

lm Juli 1902 regte der Gemeinderat von Oberlößnitz die Errichtung „einer für die Verhältnisse passenden höheren Öffentlichen Lehranstalt“ an, was einem „schon lange empfundenen Bedürfnis entsprach“. Am 29. 8. 1906 wurde der Grundstein gelegt, am 7. 10. 1907 fand die Einweihung des großen schönen Hauses statt, das für die „Realschule mit Progymnasium“ errichtet wurde. Wieviele junge Menschen sind hier zur Schule gegangen? Ja, Schulzeit! Da hat ja jeder so seine eigenen Erinnerungen, von der „Zuckertüte“ bis zu „Prüfungsängsten“, an beliebte und weniger beliebte Lehrer, an Mitschüler und besondere Ereignisse ebenso, wie an Schülerstreiche.
– Doch wer könnte sich noch an die Anfangszeit erinnern? Nur Akten und Jahresberichte der Schule geben über das Wirken dieser Bildungseinrichtung in den ersten Jahrzehnten Auskunft: über die Geschichte, Lehrstoff, Schuleigentum, Namen der Lehrer und Schüler, Prüfungen u.s.w. Eröffnet hatte man die Schule bereits am 21. April 1906 mit den unteren Klassen in der alten Schule von Serkowitz. Da noch kein geeigneter Festraum zur Verfugung stand, fand die Feier in dem vom Gärtnereibesitzer Pietsch festlich geschmückten Saal des „Albertschlößchens“ statt. Die Festansprache hielt der Rektor Lic. Theol. Fritzsche. Erste Geschenke waren ein Harmonium von Frau Barth, Radebeul, und ein Globus von Herrn Pittjus. Der Buchhändler Lämpe in Radebeul versprach, jährlich ein Buch zur Prämierung des besten Schülers zu stiften. Die Realschule umfaßte 6 Klassen. Zur Aufnahme genügte das erfüllte 9. Lebensjahr und eine in mindestens 3 Jahren Volksschule erworbene gute Vorbildung. Erwünscht war allerdings, die Kinder erst nach dem 4. Schuljahr aufzunehmen. Der Unterricht umfaßte zunächst die Fächer Religion, Deutsch, Französisch, Englisch, Geschichte, Erdkunde, Rechnen und Mathematik, Naturbeschreibung, Naturlehre (Chemie und Physik), außerdem Linear- und Freihandzeichnen, Schreiben, Gesang und Turnen, Daneben gab es für Interessenten die Möglichkeit, Anfangsgründe der Stenographie, der Trigonometrie und des kaufmännischen Rechnens zu erlernen. Die Realschule war also bestimmt, „für den unmittelbaren Übergang in das bürgerliche Leben eine allgemeine, über das Ziel der Volksschulen hinausgehende Bildung zu vermitteln“. Das Reifezeugnis einer sächsischen Realschule berechtigte z B. zum einjährig-freiwilligen Militärdienst, zur Feldmesserlaufbahn, zum Besuch der Königlichen Gewerbeakademie, zum Eintritt in die Baugewerkenschule und Tiefbauschule in Zittau, in das Königliche Lehrerseminar, und in die mittlere Beamtenlaufbahn. Es ginge zu weit, alle Möglichkeiten aufzuführen. Das angegliederte Realprogymnasiurn umfaßte anfangs nur die Klassen bis Untersekunda, erst später erfolgte die Weiterführung bis Oberprima. Der Lehrplan – natürlich mit Latein – entsprach dem für Realgymnasien. Die Abschlußprüfungen fanden öffentlich statt. Prüfungsarbeiten, Zeichnungen und Handfertigkeitsarbeiten der Schüler lagen zur Einsicht aus. Übrigens, Mädchen wurden damals nicht in die Schule aufgenommen.
Neben den Schulentlassungsfeiern gab es natürlich auch andere Anlässe, z. B. Weihnachtsfeiern und bestimmte Gedenktage. Regelmäßig feierte man die Geburtstage des Sächsischen Königs und des Kaisers mit der gesamten Schülerschaft. Den musikalischen Teil gestaltete Herr Kolibabe an der Orgel mit dem Schulchor und einzelnen Solisten aus dem Kreis der Schüler. Die „Festreden“ waren aber stets unter ein „fachliches“ Thema gestellt. Zum Beispiel sprach beim Kaisergeburtstag Herr Oberlehrer Dingeldey uber „Kathoden-, Röntgen- und Becquerelstrahlen und die Hypothese des Elektron“, in einem anderen Jahr Herr Dr. Schoene über „Erdbeben und ihre Verbreitungsgebiete“.
Ein Höhepunkt im damaligen Schulleben war der 4. Mai 1909. Im Jahresbericht ist zu lesen: „Mit freudiger Spannung sahen wir dem 4. Mai entgegen, hatte doch für diesen Tag Se. Majestät König Friedrich August unserer Anstalt seinen Besuch zugesagt. Von hohen Masten wehten die Flaggen in Reichs- und Landesfarben Das Treppenhaus war mit Lorbeerbäumen und Teppichen geschmückt, die nördliche Seite des Schulsaales in einen Palmenhain verwandelt. Inmitten desselben stand auf teppichbelegtem Tritt der Sessel für den König, beiderseits die hohen Lehnstühle für die Herren seines Gefolges, der Schulkommission und des Lehrkörpers. Schüler und Schulchor hatten sich vor der Orgel aufgestellt. Unter Hochrufen begrüßte der Rektor Se. Majestät ehrfurchtsvoll am Portal und geleitete ihn unter Orgelspiel in den Schulsaal. Der Schulchor trug das Lied „Ich bin ein Sachse …“ vor, und der Rektor brachte in seiner Ansprache Dankesworte und das Gelübte unverbrüchlicher Treue zum Ausdruck. Der König bewies „die ihm eigene Freundlichkeit dadurch, daß er beim Verlassen des Saales die Schülerschaft mit lobenden Worten auszeichnete.“ Nach Besichtigung der Schule und einer kleinen Ausstellung geleitete der Rektor Se. Majestät durch das Spalier der Schüler zum Ausgang. „Zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag beschloß die Schulkommission die Errichtung von 6 Freistellen, um tüchtigen, aber unbemittelten Schülern die Aneignung einer höheren Bildung zu ermöglichen“.
Im Schuljahr 1914/15 hatten die Schüler, die 1906 als erste in der Sexta begonnen hatten, eben die Oberprima erreicht, da brach „längst erwartet und doch überraschend während der Sommerferien der Krieg aus. – Welch eine Begeisterung für Kaiser und Reich, für König und Vaterland löste der Mobilmachungsbefehl vom 2. August überall wo Deutsche wohnten aus.“ liest man im Jahresbericht. Die Lehrer Dr. Naechster, Nietzold und Dr. Thenius eilten zu den Fahnen, 43 Schüler meldeten sich freiwillig. In den folgenden Jahren beeinflußte das Kriegsgeschehen den Unterricht und das Schulleben tiefgreifend. Die Schulgeschichte ließe sich fortsetzen, doch das vielleicht später einmal. Knüpfen wir an das Jahr 1902 an, in dem der Beschluß zur Errichtung des Gymnasiums gefaßt wurde, – nun, – 90 Jahre später, wird das Haus nach Jahrzehnten anderer Nutzung wieder zum Gymnasium.

Lieselotte Schließer

Rathausbau anno 1892-1894

Am Rathaus der ehemaligen Gemeinde Niederlößnitz wird schon einige Zeit gebaut, und ein Ende der Arbeiten ist noch nicht abzusehen. Nun konnte man kürzlich in der Sächsischen Zeitung lesen, daß auch am Dachstuhl noch erhebliche Mängel zu beheben sind. Dazu sei rund eine Million erforderlich, und eine Million sei bereits investiert. Dabei kam mir die Frage, was wohl der Neubau einst gekostet haben mag. Das müßte doch in einer Akte zu finden sein. Aber – kaum‘ zu glauben eine Akte „Rathausbau“ fand sich nicht, dafür brachte ein Aktenstück „Königsplatz“ die Lösung – denn sie enthielt die gesuchten Angaben zum Bau, und natürlich zum Baugelände. Schon seit 1890 hatte man sich im Gemeinderat mit der Frage beschäftigt, ob man ein Rathaus bauen solle oder nicht, denn es gab Für und Wider abzuwägen; auch die Einwohner trugen nicht unwesentlich dazu bei, daß im Januar 1892 endlich der Beschluß dafür gefaßt wurde. Über das geeignete Baugelände war man sich schneller einig geworden, und hatte im Oktober 1891 verschiedene Flurstücke (am späteren Königsplatz) von dem Dresdner Stadtrat Herrn Liebe, käuflich erworben – zum Preis von nur 7988,- Mark. Das war pro Quadratmeter der Baustelle je 3,- Mark, und 0,65 M für den Platz. Auf das am 25.August 1892 eingereichte Baugesuch folgte am 17. September die Genehmigung der vom Baumeister Neumann in Niederlößnitz vorgelegten Pläne. Dieser führte den Bau auch aus. Die Grundsteinlegung konnte schließlich am 2. Juni 1894 stattfinden. In die Kapsel wurde unter anderem eine Stiftungsurkunde eingelegt, und der Gemeindevorstand, Herr Herz, führte in seiner kurzen Rede aus: „…ich glaube, es ist hier der beste Ort, alles, was wir gegen den Rathausbau hatten, mit hineinzugraben in den Grundstein“. Seine drei Hammerschläge begleitete er mit den Worten: „Grundstein halte aus, Friede sei im Haus! Wohlergehen blühe fort, Segen unserem Ort!“. Nachdem auch alle Gemeinderatsmitglieder ihre guten Wünsche mit Hammerschlägen bekräftigt hatten, beschloß man diese einfache Feier. – Schon wenige Wochen später, am 15. August 1894, berichtet die Kötzschenbrodaer Zeitung von der „Hebefeier“ (dem Richtfest), bei der der Zimmererpolier, Herr Reck, die Festrede hielt, und alle Anwesenden das Innere des Hauses (so weit möglich) besichtigen konnten. Mit Musik begaben sich dann alle zum „Heiteren Blick“, wo ein geselliges Beisamensein das Fest beendete. In den ersten Monaten des Jahres 1895 wurde der „höchst geschmackvolle Bau“ (wie die Zeitung schreibt) fertig, so daß die Geschäftsräume am 1. April in Benutzung genommen werden konnten, gemäß Beschluß ohne große Feier.
Soviel zur Baugeschichte. Und die Kosten? Wie hoch waren sie? Aus den vielen Posten hier nur einige: der Rohbau 41415,- M, die Heizungsanlage 2849,- M, Tischler und Glaserarbeiten 3567,- M, Malerarbeiten 1 971,- M, die Badeinrichtung 270,- M, elektrische Beleuchtung 1 110,- M, die Turmuhr 700,-M usw., gesamt 57 724,- M. Dazu kamen weitere 11 511,-M für Mobiliar, Straßenbau und Platzanlage vor dem Rathaus. Da man aber die erste Etage für jährlich 1020,- M, die zweite Etage für 300,- M und die Räume im Souterrain für 120,- M vermietete, konnten die für das aufgenommene Darlehen zu zahlenden Zinsen zum großen Teil damit gedeckt werden. – Freilich war damit noch nicht alles geschafft. Der „Königsplatz“ sollte durch gärtnerische Anlagen gestaltet werden. Den Auftrag erhielt der Gärtnereibesitzer Gustav Pietzsch in Oberlößnitz. Es mußten aber erst viele Furen Muttererde aufgebracht werden, ehe Herr Pietzsch seine wohl durchdachte Anlage verwirklichen konnte. Seine Bedingung war, das ganze mit einem Zaun zu um geben, damit die Pflanzen sich ungestört entwickeln konnten. In späteren Jahren fand hier die vom Gemeinnützigen Verein veranstalteten „Promenadenkonzerte“ statt, die sich großer Beliebtheit erfreuten, Auf Anregung der Bevölkerung wurden 15 Bänke aufgestellt, die aus einem Legat des Herrn Direktor Brunn in Niederlößnitz bezahlt wurden, Das Bild zeigt uns den Königsplatz mit dem Rathaus um 1899. Mächtige Bäume sind aus den damals jungen Stämmchen geworden, und manche Veränderung wurde im Laufe der bei nah 100 Jahre vorgenommen, ebenso wie das Haus seit 1943 an deren Zwecken dienen mußte. Wenn es nun bald wieder unter einem festen Dach sicher auf sei nem alten Grundstein stehen wird, ist das allen an der Wiederherstellung des Hauses Beteiligten zu danken.

Lieselotte Schließer

 

Wissenswertes über Weinsorten im Elbtal

Ich denke, eine Handvoll Weinsorten könnte jeder nennen, doch ob alle von dieser Auswahl in der Region Elbtal angebaut werden, ist für den Laien schon eine schwierige Frage. Also suche ich mir einen kompetenten Gesprächspartner in Sachen Weinbau. In der Reben-Versuchs-Station des Sächsischen Landesamtes für Landwirtschaft finde ich ihn: Herrn Oswald Häntsch, Stationsverantwortlicher und Fachmann für Wein- und Gartenbau. Mir sitzt ein Winzer gegenüber, „wie er im Buche steht“, nur irritiert mich das rollende Lausitzer „R“ in seiner Stimme dort gibt es doch gar keinen Wein. Herr Häntsch versucht es, in die Reihe zu bringen. Zunächst ist da eine französische Linie in seiner Familie vielleicht erblich mit Wein belastet? Wichtiger erscheint mir der berufliche Werdegang des Gärtners aus Ebersbach. Facharbeiter, Meister und Ingenieur in verschiedenen Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, bis er 1961 hier in Radebeul in der Station auf der Mittleren Bergstraße (Krapenburg) landete. Damals betrieb die Versuchsstation Obst- und Weinbau, heute nur noch Weinbau. Die Hauptaufgabe der Station besteht darin, innerhalb einer bestimmten Weinsorte verschiedene Erbanlagen aus unterschiedlichen Regionen (Prüfung der Klonenherkünfte) zu testen und durch Auslese und Kreuzung solche Pflanzen zu entwickeln, die in unseren geographisch geologischen Lagen und dem Klima im Standort Elbtal die besten Wachstumsraten und optimalsten Erträge bringen. Derartige Forschung ist nach Meinung von Herrn Häntsch bisher nicht konsequent genug betrieben worden, so daß es noch Reserven für Erhaltungszüchtungen gibt. Das heißt nicht, daß es immer neue Sorten sein müssen, es geht um Verbesserungen innerhalb bekannter Rebsorten. Außer dem dienstlichen muß Herr Häntsch aber auch noch einen privaten Weinberg betreuen. So erklärt sich, daß man ihn zu Hause so selten antrifft. Doch nun einiges zu Weinsorten, die man nach der Reblauskatastrophe hier ausprobiert hat. Die Sorten werden auf reblausfeste Unterlagen gepfropft, um so sicher vor erneutem Reblausbefall im Weinberg zu sein. Dieses Verfahren stellt eine rein biologische Methode zur Schädlingsbekämpfung dar, während ansonsten viel mit Chemie gearbeitet wird. Ganz gewiß ist im Elbtal der Müller Thurgau (eine etwa 100 jährige Sorte) der am meisten angebaute Wein. Er verspricht große Erträge pro Stock. ist aber leider empfindlich gegen Pilzbefall und Winterfröste.
Gesicherte Angaben über prozentuale Anteile der Rebsorten werden von einer laufenden Umfrage unter Berufs- und Hobbywinzern erwartet; deshalb wollen wir hier nicht Prozentzahlen nennen. In der Reihenfolge der Weine kommen dann Weißburgunder und Traminer, beides Weine, die auf Syenitstandorten gute Ergebnisse bringen und so als charakteristische Weine Sachsens zu bezeichnen sind. Es folgen in der Anbauhäufigkeit Riesling und Ruhländer. Während Riesling nur auf reine Südlagen beschränkt ist und da gute Erträge bringt, aber in der Lese relativ spät liegt und in punkto Traubenreife ein Risiko birgt, konnte der Ruländer durch Klonenselektion ertraglich verbessert werden. Diese fünf Weinsorten haben eine längere Tradition und bilden den Hauptanteil der hiesigen Weinherstellung. Es gibt darüber hinaus noch einige Weißweinsorten, die im Elbtal Bedeutung hatten, haben bzw. zur Zeit ausprobiert werden. Da wäre zuerst der Gutedel zu nennen, eine Sorte, die hauptsächlich als Hausspalierwein bekannt ist, aber auch auf einer Weinbergfläche, „der Hölle“ (unterhalb des Spitzhauses) angebaut wird. Von den neueren Sorten hat sich der Kerner am besten bewährt, eine recht frostharte Sorte, aber als Nachteil mit vielen Geiztrieben. GoldriesIing und Bacchus könnten im Elbtal die Zukunft noch vor sich haben, schätzt mein Gesprächspartner ein. Goldriesling hat ausreichend Frosthärte und wird zur Zeit nur hier angebaut. Mit Morio-Muskat hingegen hat man hier schlechtere Erfahrungen gemacht, die Traube ist empfindlich und der Stock verträgt Winterfröste schlecht. Die Sorten Veltiner und Silvaner sind im Elbtal kaum noch vorhanden. Silvaner liebt kalkige Böden und hat deshalb im Saale-Unstrut Raum größere Bedeutung. Ohne nennenswerte wirtschaftliche Bedeutung sind die Sorten Huxle-Rebe, Scheurebe, Farber und Matingre. Letzterer ist aber recht frosthart und findet als Spaliertraube Anwendung. Schließlich wäre noch die Sorte Elbling zu nennen, die bekanntermaßen eine gute Sektgrundlage liefert, aber z. Zt. auch ohne Bedeutung ist. Von den wenigen hier angebauten Rotweinen (vorwiegend im Seußlitzer Raum) hat der Blaue Burgunder die größte Bedeutung, Portugieser ist etwas frostempfindlich und Schwarzer Riesling (auch als Müller Rebe bekannt) sehr selten. Meine Vermutung, daß 1992 ein sehr gutes Weinjahr hinsichtlich Quantität und Qualität bevorsteht, möchte Herr Häntsch gern bestätigen, vorausgesetzt, es regnet bis Ende August noch etwas, es kommt kein Hagel und der September bringt noch genug Sonne. Dann hätten die Winzer mal Glück und wir als Konsumenten des Weines schließlich auch!
Ich danke Herrn Häntsch für die freundlichen Auskünfte.
Dietrich Lohse

Radebeuler Herbst- und Weinfest – die Anfangszeit im morbiden Altkötzschenbroda

oder Zu jeder Feier Schuhe von Meyer

Altkötzschenbroda an einem Sonntagabend im August. Zwei pinkfarbene Telefonzellen künden von post-modernen Zeiten. Aus der Dachrinne des ehemaligen Gasthofes „Goldener Anker“ wuchert Moos und allerlei Grünzeug. Der „Ratz-Batz-Möbelabholmarkt“ läßt vermuten, daß hier kein Dornröschen schläft und „Kinderlachen schönstes Lachen“ mußte „Meyers Schuherlebnis“ weichen. Grelle Reklame beginnt die Spuren der Vergangenheit zu übertönen. Die Zeit läßt sich nicht anhalten. Doch die verblassenden Schriftzüge an altem Gemäuer wie „Roh-Eis Verkauf Rudolf Küttner“ oder „Destillation Reinhold Senf“ sollten wir bewahren für die, die nach uns kommen. Romantischer Reiz des Verfalls wohin das Auge schaut, denn nahezu lückenlos erhalten ist die ursprüngliche Bebauung des Dorfangers. Dichtgedrängt schmiegen sich die Bauernhöfe aneinander. Lebendig und natürlich wirken deren Fassaden durch ihre feinen erdfarbenen Tonabstufungen. Große Tore schirmen die Bewohner ab von der Außenwelt. Ein wenig abweisend und respekteinflößend zugleich. Überwindung hat es uns gekostet, als wir im vorigen Jahr von Hof zu Hof zogen und darum baten deren Innenleben den neugierigen Blicken fremder Menschen preiszugeben. Besessen waren wir von der Idee, ein Fest in und um Altkötzschenbroda zu gestalten, so wie wir es aus Erzählungen, von vergilbten Fotos und alten Dokumenten des Stadtarchivs her kannten. Voller Zurückhaltung und Skepsis hörte man uns artig zu. An Versprechungen aus dem Rathaus aber glaubte in Altkötzschenbroda schon lange niemand mehr. Umso größer war die Überraschung, als dann tausende Besucher kamen. Das Gesicht Altkötzschenbrodas hatte sich verändert. Die bröckelnden Fassaden bildeten die schönste Festkulisse. Zwei Tage wurde über und unter der Erde gefeiert. Menschen kamen miteinander ins Gespräch, und wer dabei war, gerät noch heute ins Schwärmen. Nun ist ein Jahr vergangen und unsere Gedanken kreisen wieder um Altkötzschenbroda. Anwohner, Mitglieder der Friedenskirchgemeinde, die Puppentheatersammlung, das Sächsische Staatsweingut, der Handels- und Gewerbeverein und zahlreiche Kollegen aus der Stadtverwaltung bringen viele gute Ideen ein und wollen die Organisatoren unterstützen. Nicht nur das Kirchweihfest, auch ein Geschäftsjubiläum fällt in diese Zeit. Die Feinbäckerei Büchner ist seit 80 Jahren in Familienbesitz. Frischer Blechkuchen nach alten sächsischen Rezepturen, reichverziertes Teegebäck und natürlich Dresdner Stollen sorgen für Kundschaft von Striesen bis Friedewald. Die jetzigen Inhaber, Günter Gellermann und seine Frau Gisela, eine gebürtige Büchner, fühlen sich sehr wohl und geborgen in Altkötzschenbroda. Und natürlich lassen sie sich etwas Besonderes für das Herbst- und Weinfest einfallen. Gegenüber wohnt der Bauer Reiche, Bei ihm wird gebaut und gezimmert. Bis Ende September soll alles fertig sein, Wieder flott gemacht wird nach langer Pause auch „Schwarzes Weintonne“. Der Dorfanger, das Kirchgelände, die Streuobstwiesen, das Elbufer, die Festwiese und das Hohe Haus mit seiner Parkanlage werden in das Festgeschehen einbezogen. Pech hat, wer Bierzelt. Diskosound und Schnäppchen-Angebote sucht. Denn unser Fest soll mit einheimischen Traditionen und der uns umgebenden Landschaft im Einklang stehen. Ruhig und fröhlich soll es zugehen – für ältere Menschen und junge Familien gleichermaßen angenehm. Gäste aus ganz Deutschland, aus Italien und den östlichen Nachbarländern werden erwartet und sind uns herzlich willkommen.
Karin Gerhardt

Festprogramme sind ab Mitte September in allen Radebeuler Buchhandlungen, im Rathaus, in Kultur- und Freizeiteinrichtungen erhältlich. Weitere Informationen erfolgen über das Festbüro mit Sitz im Bildungs- und Kulturamt, Körnerweg 3.

Die ersten Gaslaternen in Kötzschenbroda

Zur Zeit laufen die Vorbereitungen für die Umstellung auf Erdgas, die sicher von vielen Gasnutzern begrüßt wird. Damit durften wohl auch in absehbarer Zeit die in vielen Vorgärten aufgestellten Gasbehälter wieder verschwinden, die wahrlich kein Schmuck für unsere Stadt sind. Zu gegeben, man soil sich das Leben so angenehm wie möglich machen, und Gas ist nun mal ein unentbehrlicher Helfer im Haus, steht – wie auch die Elektrizität -Tag und Nacht zur Verfügung, ganz selbstverständlich. Wer denkt heute noch daran, daß vor wenig mehr als 100 Jahren die Bewohner unserer Lößnitzgemeinden noch bei Petroleum-Lampen arbeiteten, obwohl in Dresden seit Jahrzehnten ein Gaswerk bestand. Blättern wir mal in der Geschichte zurück. Erste Versuche, Gas zu Beleuchtungszwecken zu nutzen, waren bereits Ende des 18. Jh. in England und Frankreich unternommen worden, 1814 brannten die ersten Gaslampen in London. – In Sachsen beschäftigte sich 1797 Prof. Lampadius an der Bergakademie in Freiberg damit und stellte 1799 im Dresdner Schloß seine ,,Thermolampe“ vor, mit wenig Erfolg. Erst 1816 erteilte König Friedrich August l. den Auftrag, ,,Vorschläge für einen Versuch im Großen“ zu unterbreiten, um die Dresdner Straßen mit Gas zu beleuchten. Unter den Einreichern war auch Rudolf Sigismund Blochmann, z. Z. Inspektor des Mathematisch Physikalischen Salons, der sich schon privat eine Gasbeleuchtung an seinem Haus geschaffen hatte. Allerdings kam die Sache erst in‘s Rollen, als sich 1824 eine englische Firma um den Auftrag bewarb. Ob wohl das vorteilhaft erschien, lehnte man ab, da es ,,für die vaterländische Industrie sehr niederschagend wäre, von Ausländern ein Werk ausführen zu lassen, dem die inländischen Techniker ebenfalls gewachsen sein dürften.“ So erhielt R. Blochmann die Genehmigung, probeweise das Schloß mit Gas zu beleuchten, danach aber zunächst 50 Straßenlaternen mit Gas zu versorgen. So wurde er zum Begründer der ersten Dresdner Gasanstalt und einer selbständigen deutschen Gasindustrie. Drei Jahre später, am 27.4.1828, erstrahlten die ersten gußeisernen Kandelaber in Dresden. – In unseren Lößnitzorten blieb es noch lange finster. Erst 1872 begann man in Kötzschenbroda mit der Aufstellung von Petroleum-Lampen zur Straßenbeleuchtung. Das Gas kam 20 Jahre später, also genau vor 100 Jahren. Am 15. Oktober 1892 brannten die ersten Gaslaternen, und sogar aus dem eigens erbauten Gaswerk. Den Beschluß hatte der Gemeinderat am 13. Februar 1892 gefaßt. Das erworbene Gelände lag in günstiger Entfernung zur Bahn (für die Zufuhr der benötigten Steinkohle) und über der Hochwasserlinie der Elbe. Die Größe ließ auch spätere Erweiterung zu. Die Baupläne hatte Direktor Pflücke aus Meißen entworfen, dem später die technische Leitung übertragen wurde. Als Maximum der täglichen Gasproduktion hatte er 10000 m3 angenommen, aber auch Ausbau der Anlage vorgesehen. Es war ja zu erwarten, daß sich die Nachbargemeinden anschließen wurden. Man mußte mit dem Wachstum der Gemeinden, der Industrie usw. rechnen und konnte voraussehen, daß die Gaswerke in nicht zu ferner Zeit außer für Licht-, auch für Kraft- und Wärmeversorgung dienen würden. Der angenommene Tageskonsum, der manchem etwas hoch erschien, war also begründet. Außerdem hatte man bereits eine Liste von Gasabonnenten vorliegen. – Im Mai 1892 begann das Verlegen der Rohre, und der Bau der Gebäude ging gut voran. So konnte der Gasausschuß am 7. Oktober 1892 dem Gemeinderat berichten, ,,daß die Hochbauten der Gasanstalt, nach erfolgter Garantieübernahme für das Dach des Apparatehauses, vertragsgemäß fertiggestellt sei und zur Übernahme empfohlen werde“. Die Eröffnungsfeier wurde auf den 15. Oktober festgelegt. Die Kötzschenbrodaer Zeitung gab ihren Lesern eine ausführliche Beschreibung der Fabrikanlagen, um damit nicht nur die interessierten, sondern wohl auch die kritischen oder gar etwas ängstlichen Einwohner zu informieren. Es war schon beachtlich, was in so kurzer Zeit geschaffen wurde: An der Straße das Verwaltungsgebäude, dahinter die Produktionsanlage mit dem Ofenhaus mit 2 Öfen. einem für 2 und einem für 3 Retorten, von denen jede etwa 200 m3 Gas pro Tag liefern konnte. Daneben der Kohlenschuppen, der 22 Doppelwaggons Kohle faßte. Ferner gehörten dazu die Räume der Kondensations-Abteilung zur Abkühlung des von den Öfen kommenden Gases und einem Kondensator zum Ausscheiden des Ammoniaks, sowie mehrere Reinigungsapparate. Schließlich gelangte das Gas in den Stationszähler, um die produzierte Menge festzustellen, bevor es in den Gasbehältern bzw. zu den Straßenlaternen und Privatkonsumenten geleitet wurde. Soweit die kurze Zusammenfassung des Zeitungsartikels, Doch die Entwicklung ging weiter. Auer von Welsbach – er lebte von 1858-1929 erfand das Gasglühlicht, indem er den Bunsenbrenner mit einem Glühkörper aus feinem Gewebe versah und damit die Leuchtkraft bedeutend erhöhte. Als dann Niederlößnitz den Bau eines Elektrizitätswerkes plante und um Abnehmer zu werben begann, befürchteten die Kötzschenbrodaer natürlich Rückgang der Gasnutzung. Sie lehnten die elektrische Beleuchtung ab und stellten versuchsweise erst mal 5 Straßenlaternen mit dem Gasglühlicht auf. Die Helligkeit überzeugte. 1895 erstrahlte die Meißner Straße in dem neuen Glanz, und im Jahr darauf wurden alle Straßen in Kötzschenbroda so beIeuchtet. 1896 entschloß sich auch der Gemeinderat von Naundorf für die Gasbeleuchtung. Inzwischen hatte das ,,heIlere und billigere Gaslicht“ auch in den Haushaltungen, Geschäften und Werkstätten Einzug gehalten. Altere Einwohner erinnern sich sicher noch an die Gaslampen, die allerdings meist weit einfacher waren, als die hier angebotene von 1892. Bis 1922 lieferte das Kötzschenbrodaer Werk das Gas, danach kam es aus dem um die Jahrhundertwende errichteten Werk in Dresden-Reick. Nun wird das ,,Stadtgas“ bald vom ,,Erdgas“ abgelöst.

Liselotte Schließer

Ein Spaziergang von Serkowitz nach Kaditz

Nachdem wir bisher unsere Spaziergänge stets oberhalb der Meißner Straße unternommen haben, möchte ich Sie heute einmal ein Stück entlang der Elbe führen, denn auch das Gebiet steht unter Landschaftsschutz.
Ausgangspunkt soll der Serkowitzer Gasthof sein, den Sie von der Straßenbahnhaltestelle Wasastraße zu Fuß gut erreichen können. Von hier aus gelangen wir nach Alt-Serkowitz, das trotz mancher Veränderung das Bild seiner ursprünglichen Anlage zeigt. Bis 1904 floß noch der Lößnitzbach offen durch die Dorfstraße. Von den Linden vor den Höfen sind leider nur noch wenige erhalten. Der auf dem Dorfplatz stehende Baum erinnert an Zeiten, als sich hier die Einwohner versammelten, wenn wichtige Dinge zu entscheiden waren. An der Biegung der Straße stand die Mühle, sie war die siebente, die der Lößnitzbach an trieb, Das Mühlengut – erstmals 1337 urkundlich genannt – wurde 1860 verkauft und zerteilt. So entstand die Gaststätte „Talmühle“, die jedoch schon lange wieder geschlossen wurde. Der einstige Fischreichtum der Elbe ermöglichte es, daß sich einige Familien davon ernähren konnten. Ihre Häuschen standen nahe der Elbe, der Weg zu ihnen hieß also die „Fischergasse“. Neben anderen fing man Aale, und selbst bis Anfang unseres Jahrhunderts berichten die Zeitungen von guten Ergebnissen des Lachsfangs, z. B. bei Kaditz und Niederwartha. Die Fischer legten dazu Fangplätze an, um hier übernachten zu können.
Bald kommen wir an die Flurgrenze zu Kaditz, die hier etwa von dem Seegraben gebildet wird. Dieser war in der Vorzeit ein Elbarm, der – nördlich um Trachau und Radebeul fließend – bei Serkowitz wieder in den Hauptstrom mündete. In diesem bildeten sich durch Ablagerungen Inseln, die den Lauf des Stromes so veränderten, daß schließlich das Dorf und die alte Poststraße (Kötzschenbrodaer Straße) gefährdet waren. Hochfluten und Eisgang richteten öfter großen Schaden an, spülten Teile des Ufers fort und zwangen die Fuhrleute, von der überspülten Poststraße auf die Felder der Bauern auszuweichen. Mehrfach wurde die Straße verlegt und neu befestigt. So auch 1783, doch die Hochflut von 1784 zerstörte sie erneut. Erst nachdem der Kurfürst im Oktober 1784 wohl verunglückt wäre, hätten ihn nicht 3 Frauen rechtzeitig gewarnt, setzte er eine Kommission ein, die
die Regulierung des Stromes in die Wege leiten sollte. Auf ihre Empfehlung wurde das mittlere Strombett verbreitert und vertieft, und danach durch Dammbauten der Strom in dieses gezwungen, um die beiden Nebenarme trocken zu legen. Es Wurden dadurch etwa 18 Hektar Land gewonnen, von dem die Serkowitzer Bauern um 1816 einen Teil als Entschädigung für das abgerissene Land und für die Verlegung der Poststraße auf ihre Felder erhielten. In den Jahren 1786 bis 1789 errichtete man auch den Hochwasserschutzdamm von Serkowitz bis Kötzschenbroda und baute als neue Poststraße die Strecke von Mickten über Trachau aus. – Wo die Straße „Am Seegraben“ beginnt, biegen wir rechts ab, um zur Gohliser Fähre zu gelangen, die seit Jahrhunderten unsere Dörfer mit denen der anderen Elbseite verband. Das Fährrecht lag auf dem Grundstück Cat.Nr. 12 und stand seit dem 15. Jh. der Familie Hertzschuch zu, bis es 1738 verpachtet Wurde. Zu ihren Rechten gehörte auch der Transport des Getreides der durch Mahlzwang in die Gohliser Schiffsmühle verpflichteten Bauern von Radebeul und Serkowitz. Wer möchte, kann sich auch heute übersetzen lassen um der Gohliser Windmühle einen Besuch abzustatten. Anfang des vorigen Jahrhunderts errichtete man an Stelle der abgebrannten Bockwindmühle eine sogen. Holländermühle. 1955 übergab man sie nach Restaurierung als Technisches Denkmal an die Gemeinde Gohlis. Leider ist sie nicht als solches erhalten worden. Unser Weg geht nun auf dem schmalen Wiesenpfad elbaufwärts. Weit breitet sich vor uns das Land mit Wiesen, Bergen des anderen Elbufers und in der Ferne Dresden aus. Schließlich nähern wir uns dem alten Kaditz, das längst nach Dresden eingemeindet wurde, und haben bald die weithin sichtbare Kaditzer Kirche vor uns. Links abbiegend, gehen wir gerade auf sie zu und betreten den schön angelegten Kirchhof. Vor der Reformation – sie gehört zu den ältesten Kirchen im Elbtal – war sie Filiale der Kötzschenbrodaer Kirche. In den Jahren 1671 bis 1703 wurde sie erneuert, später verschiedentlich verändert. Doch Zeuge all der Jahrhunderte ist die Linde, die am Eingang steht. Sie ist wohl so alt wie die Kirche. Sie soll im Umfang größer als die in Augustusburg gewesen sein. „In ihrem Innern war sie hohl, so daß man sich bequem darin aufhalten konnte“ und „sie wuchs im inneren weiter“, berichtet um 1839 ein Zeitgenosse. Heute ist ihr Stamm nicht mehr vollständig, aber er trägt noch eine mächtige Krone. Wir verlassen den Kirchhof und kommen in das unter Denkmalschutz gestellte alte Kaditz. Besonders beachtenswert ist das Haus Nr. 23b, das noch die einst an vielen Häusern übliche Oberlaube besitzt. Nach dem Dorfrundgang können wir im Gasthof eine Rast einlegen, bevor wir auf der Serkowitzer Straße den Rückweg antreten. Ein Gang über den Emmaus-Friedhof ist auch lohnend. Dann aber folgen wir der Straße, die uns zurück nach Serkowitz fuhrt.

Liselotte Schließer

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