Eine Schwimmhalle für die Lößnitz

Ideen und Realisierung – Teil 2

Während des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit war überhaupt nicht an einen solchen Luxus wie den Bau einer Schwimmhalle zu denken, obwohl Radebeul kaum direkte Zerstörungen durch Kriegseinwirkungen hatte. In den 70er Jahren begann dann wieder ein Nachdenken über die Möglichkeiten, eine für Volkssport und Schulschwimmen dringend benötigte Halle in Radebeul zu bauen. Als wesentlicher Förderer dieser Ideen erwies sich der damalige Bürgermeister, Herr Theuring. Man fand einen geeigneten Standort an der Richard-Wagner-Straße, unmittelbar neben dem Haltepunkt „Weintraube“. Als günstig erwiesen sich die verkehrsmäßige Erschließung und die Möglichkeit, einen eigens dafür errichteten Tiefbrunnen zu nutzen. Schwieriger war aber wohl die Einordnung dieser großen Baumaßnahme in die damalige sogenannte Planwirtschaft der DDR, genauer gesagt, die Maßnahme konnte zunächst nicht eingeordnet werden. Um aber dennoch einen Baubeginn 1977 zu realisieren, schlossen sich 5 Großbetriebe des Territoriums (AWD, Planeta, Frühgemüsezentrum, Kraftwerksanlagenbau und Energiebau) zu einer Interessengemeinschaft zusammen. Hauptauftragnehmer Bau war der damalige Kreisbaubetrieb Radebeul, unterstützt durch eine Reihe von Nachauftragnehmer-Betrieben für spezielle Gewerke. Heute können wir froh darüber sein, daß man das Projekt eines großzügigen Schwimmbades auswählte (Berliner Typenprojekt), im Gegensatz zum Beispiel zur Dresdner Volksschwimmhalle in der Steinstraße. Der Montagebau mit vorgespannten Beton-Dachelementen (sogenannte VT- Falten) überspannt ein großes Schwimmbecken mit 25 m-Bahnen, ein Lehrschwimmbekken sowie Sauna- und andere Nebenräume. Solange der Bau als lnitiativbau,eine bessere Formulierung für Schwarzbau, betrieben wurde, kam es zwangsläufig immer wieder zu Unterbrechungen des Baugeschehens; eine längere Verzögerung stellte sich ein, als wegen mangelnder Qualität der o. g. VT-Falten mit der Staatlichen Bauaufsicht sowie vor allem dem Hersteller verhandelt werden mußte. Einige Elemente mußten danach ausgewechselt werden.

Zu Anfang der 80er Jahre konnte schließlich der Bau doch noch in das offizielle Baugeschehen eingeordnet und 1984 fertiggestellt werden. Die feierliche Einweihung fand am 1. September 1984 statt. Die schöne Schwimmhalle erfreut sich seit dem wachsender Beliebtheit auch über Radebeul hinaus. Gegenwärtig denkt die Leitung der Schwimmhalle über eine eventuelle Erweiterung in Form eines Schwimmbeckens im Freien nach, das im Zusammenhang mit dem Hallenschwimmbecken oder separat genutzt werden könnte.

Dietrich Lohse

Denkmalpflege – Denkmalschutz „Altfriedstein“ Prof.-Wilhelm-Ring 1

Der Besitz an Weinbergen und Ländereien ist im Laufe der Geschichte seit dem Mittelalter wechselhaft und vielfältig, läßt sich aber im Rahmen dieser Bearbeitung nicht erfassen. Sicherlich hat es an Stelle des heutigen Gebäudes schon Vorgängerbauten gegeben, ohne daß jedoch zur Zeit ein exakter Nachweis möglich ist. Uns interessiert der Bau, der zwischen 1742 und 1745 unter Oberlandweinmeister Friedrich Roos als barocke Anlage nach Brand des Vorgängerbaues entstand. Unter Roos hatte der Besitz wohl die größten Ausmaße gehabt. Der 1745 vollendete Barockbau besaß einen betonten Mittelbau von 8 Achsen und 2 Geschossen mit mittigem Haupteingang, Dachreiter, darin Turmuhr mit Glockenspiel (bis 1924) und Schlagwerk. Nach Ost und West schlossen sich Seitenflügel mit zurückgesetzten Baufluchten und niedrigeren Firstlinien an. An der Ostseite, 8 Achsen, 2 Geschosse, waren Wohnräume angeordnet, während sich westlich an den Mittelbau eine Orangerie mit wohl ebenfalls 8 Achsen anschloß. lnsgesamt wurde eine symmetrische Anlage angestrebt, wobei funktionelle Unterschiede der Flügel einer strengen Symmetrie entgegenstanden. Man kann davon ausgehen, daß es im Grundstück noch verschiedene Wirtschaftsgebäude gegeben haben muß – Weinpresse, Ställe, Schuppen – diese lassen sich jedoch heute nicht mehr nachweisen. Im 18. Jahrhundert wurde eine in der Hauptachse des Gebäudes nach Süden bis zur Meißner Straße verlaufende Allee angelegt, die weitestgehend der heutigen Ludwig-Richter-Allee entspricht. Ein großes rundes Wasserbecken, welches in der Hauptachse lag, erscheint vor der Jahrhundertwende auf alten Fotos, muß dann durch den Straßenbau verschüttet worden sein und wurde beim Bau des Eigenheimes Brettschneider, Ludwig-Richter-Allee 36, in den 70er Jahren wiedergefunden, jedoch aus Unkenntnis beseitigt. Das Gebäude diente im Laufe des18.und 19. Jahrhunderts verschiedenen begüterten, zum Teil adligen Familien als ständiger oder Sommerwohnsitz mit repräsentativer Ausstattung. Eine gleichzeitige wirtschaftliche Funktion als Zentrum von Weinbergen und Obstanbau darf jedoch nicht übersehen werden – der große, als Tonnengewölbe unter dem gesamten Gebäude verlaufende Weinkeller, der jetzt als Kohlen- und Heizungskeller bzw. zur Kartoffeleinlagerung genutzt wird, ist Zeugnis dafür. 1737 wird von Jakob Krause eine zum Besitz gehörende große Baumpresse genannt. Es lassen sich in Radebeul noch mehrere derartige Landsitze, die im äußeren Erscheinungsbild, Nutzung und Alter vergleichbar sind, nachweisen: Haus Sorgenfrei, Haus in der Sonne, Wackerbarths Ruhe oder Haus Kynast. Der wohl prominenteste unter den Besitzern ist Minister Graf Heinrich von Brühl, der den Sitz als einen unter vielen 1763 erwirbt, jedoch noch im selben Jahr am 28.10.1763 stirbt. Die Nutzung änderte sich eigentlich erst wesentlich nach der Reblauskatastrophe von 1885. ln deren Folge kam der Weinbau in ganz Radebeul zum Erliegen, eine Parzellierung und Bebauung mit Wohngrundstücken setzte ein. Ab 1878 zeichnet sich in Altfriedstein schon eine neue Nutzung ab, als Carl Lamsbach die Wasserversorgung über einen Tiefbrunnen mit Dampfmaschine (Verbleib unbekannt) neu gestaltet und eine Pension als Sommerfrische einrichtet. Die Kapazität wird 1895 vergrößert, indem die Orangerie (West?ügel) aufgestockt wird. Das gepflegte Anwesen der Pension ist in einem im Stadtarchiv vorhandenen Werbeprospekt dokumentiert. 1901 jedoch setzt unter der Dresdner Baufirma Schilling & Gräbner eine einschneidende Parzellierung mit neuen Straßenzügen ein. Die o.g. Firma erwirbt auch Altfriedstein und läßt 1903 den Westflügel und Teile des Mitteltraktes abreißen. Neue Straßen begrenzen den stark reduzierten Besitz nun auf drei Seiten, wobei für die damals Brühlstraße heißende nördliche Straße eine hohe Stützmauer mit Treppe, Grotte und Delphinbrunnen (um 1985 entwendet) errichtet wird. Trotz des empfindlichen Verlustes durch Abriß muß eingeschätzt werden, daß die beim Umbau durch die Fa. Schilling & Gräbner entstandenen Bauteile, wie Krüppelwalmdach auf der Westseite, halbrundes Dachgiebelfenster mit Putzornament, die neue Eingangssituation mittels kleiner Laube mit zwei Bögen und die einläufige, gußeiserne Haupttreppe wertvoll und erhaltenswert sind. Ab 1928 ist eine Nutzung als städtisches Rentnerheim für zunächst 10 Insassen nachgewiesen. Auch nach dem Kriege bleibt diese Nutzung bestehen. Die Dichterin Jeanne Berta Semmig (geb. 1867) lebt von 1945 (ausgebombt in Dresden) bis zu ihrem Tode 1958 hier. Zwischenzeitlich nutzt um 1961 die Landesbühne Sachsen das Objekt als Wohnheim. Die letzte Nutzung war wie das Objekt Neufriedstein Pflegeheim des Rates der Stadt Radebeul, Abt. Gesundheitswesen. Seit 1989 steht das Haus leer und müßte renoviert werden.
Dietrich Lohse

Spaziergang durch das Landschaftsschutzgebiet „Lößnitz“

Heute soll es einmal nach dem Bilz-Bad gehen -also, „Pack die Badehose ein…“ – aber auf dem Weg dahin wird es wieder einiges Sehens- und Merkenswertes geben. Der Weg führt ab Straßenbahnhaltestelle Bor- / Lößnitzstraße über Rosa-Luxemburg-Platz, Dr. Rudolf-Friedrich-Straße zum Lößnitzgrund, Meiereiweg, Buchholzweg, Obere Burgstraße, Turmleite, Moritzburger Straße. Zwischen Lößnitz und Borstraße führt die Dr. Rudolf-Friedrich-Straße zum Rosa-Luxemburg-Platz. Hier errichtete die Gemeinde Niederlößnitz 1894 ihr Rathaus, das nach 1945 Standesamt war und 1970 Kindertagesstätte wurde. – Wir gehen auf der Dr.- Rudolf-Friedrich-Straße bergwärts und überqueren die Winzerstraße. Rechts steht tief im Garten das „Haus Salem“, das seit 1907 von der Diakonissenanstalt zunächst als Genesungsheim für Schwestern, später als Lungenheilstätte genutzt wurde. Seit der Zerstörung Dresdens ist es Feierabendheim für alt gewordene Schwestern. Entlang der linken Straßenseite zieht sich das Gelände der inneren Mission bis zur Rolf-Helm-Straße. An der Ecke ist der gut erhaltene Pavillon beachtenswert. Die gegenüber beginnende Terrassenstraße wurde in den ehemals kurfürstlichen „Eckberg“ – ein großer Weinberg – hineingebaut. Wir folgen aber unserer Straße und haben bald den Blick auf die Hänge der Lößnitzberge, auf deren Höhe die einstige „Berggaststätte zum Pfeiffer“ steht. Woher sie ihren Namen hat, ist nicht genau zu erklären, in den Akten tritt er erstmals um 1900 auf, doch vielleicht hieß das Gelände schon früher so. Das massive Gebäude entstand 1825 an Stelle eines alten Fachwerkbaues. Die durch Ausbau entstandene Weinschrankstätte wurde der schönen Aussicht wegen einst gern besucht. Seit sie Ferienheim wurde, blieb sie der Öffentlichkeit verschlossen. Die Straße senkt sich nun in den Lößnitzgrund und führt vorbei an der „FIora“. Sie war ebenfalls eine Weingaststätte,die 1981 geschlossen wurde. Ihre Geschichte begann 1872 in dem dicht daneben stehenden kleinen Häuschen, von dem 1890 die Konzession auf das neue Gebäude überging, das erst 1927 durch Umbau sein heutiges Aussehen erhielt. – Auf dem Promenadenweg, angelegt vom „Verein zur Verschönerung der Lößnitz“, geht es am Bach entlang bis zur „Meierei“. Sie entstand um 1881 durch Umbau aus der zu Reichenberg gehörenden, jahrhunderte alten „Schmiedchen Mühle“. Die Baufirma Gebrüder Ziller machte eine Ausflugsgaststätte und Sommerfrische daraus, die sich großer Beliebtheit erfreute; doch auch sie ist seit Jahren geschlossen. Der obengenannte Verein legte 1883 auch den Meiereiweg an, auf dem wir das Bilz-Bad erreichen. Es wurde von dem Naturheilkundler Eduard Bilz geschaffen, mit Spiel- und Turnplätzen, einem Herren- und einem Familienbad, und 1905 eröffnet. 1911 erwarb er auf der lnternationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden das „Undosa-Wellenbad“, das nun seit 1912 die Badelustgen anzieht – Eine Gaststätte mit Freiterrasse bietet angenehmen Aufenthalt (Das Bad ist vom 1 5. Mai bis 15. September täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet.)

-Wir könnten hier rasten und ein kühles Bad nehmen, bevor wir den Spaziergang fortsetzen.Am Buchholzweg angelangt, wenden wir uns links, um auf die Obere Burgstraße zu kommen, die zur Friedensburg führt. Diese entstand 1870 auf dem damals „Gießmannschen Weinberg“ durch Anbauten an ein altes Weinberghaus als Gaststätte und erhielt ihren Namen anlässlich des Friedensbeschlusses 1871. Lange war sie Ferienheim, steht nun aber wieder als Gaststätte und Hotel zur Verfügung. Von ihrer Veranda bietet sich dem Besucher ein schöner Fernblick. Wer möchte, kann von hier auf den zunächst schmalen und etwas steilen Weg der Burgstraße absteigen zur Karl- und Moritzburger Straße.Wir wollen aber noch einen kleinen Umweg machen: Ein Stück hinter der Friedensburg geht es westwärts auf der Turmeleite zwischen Weinbergsmauern und Wald, der zum Gelände des um 1910 angelegten „Waldpark“ gehört, zum Wasserturm. Er ist 1915 erbaut worden, hat eine Höhe von ca, 40 m und dient noch heute der Wasserversorgung des oberen Stadtteiles. Unweit vom Turm gelangt man durch eine Mauerpforte auf einen Aussichtsplatz, der 1908 anlässlich eines Besuches des Königs Friedrich August eingeweiht und nach ihm benannt wurde. Von hier aus ist das Elbtal weit zu überschauen. – Dann führt der Weg wieder hinter der Mauer hinunter in den Grund. Etwas bequemer kommt man auf Waldwegen ebenfalls dahin. Nun ist es nur noch ein kurzes Stück abwärts zu gehen. Wir erreichen die Rolf-Helm-Straße und über die Georg-Weig- und Moritzburger Straße schließlich die Straßenbahn.
Liselotte Schließer

Eine Schwimmhalle für die Lößnitz

Ideen und Realisierung – Teil 1

Lößnitz schon seit 85 Jahren besteht? Im Zuge der Reformbewegungen am Anfang unseres Jahrhunderts, dle Sport als Körperkultur einschlossen, wurde erstmals 1906 der Gedanke einer solchen Schwimmhalle geäußert, Da aber der Zusammenschluss der Lößnitzgemeinden noch nicht erfolgte, war wohl die Idee für eine Gemeinde allein zu groß gewesen. Eigenartigerweise fand der nächste Vorstoß mitten im 1. Weltkrieg statt. 1916 legte Bauinspektor R.. A. Faber ein anspruchsvolles Projekt, bestehend aus einem 3-geschossigen Wohnquartier mit Funktionsverflechtung von Schwimmhalle, Brausebädern und Wäscherei vor. Nachdem der erste Standortvorschlag in der Nahe des „Weißen Roß“ vorgesehen war, beschließt die 2. Gemeindesitzung von Radebeul am 26. 1. 1916 den von R. A. Faber geplanten Bau am Standort Bahnhofstraße, Gartenstraße, Mittelstraße in Radebeul-Ost.

Während des Krieges wurde dann aber das Projekt auf das dringend Notwendige, nämlich Wohnungen, reduziert. Eine ursprünglich vorgesehene Funktionsüberlagerung hätte tiefer gegründet werden müssen, Statik und Bauphysik wären viel komplizierter gewesen, kurz, alles wäre viel teurer geworden. Die Wohnungen wurden 1919 (Südflügel) und 1921 (Ostflügel) fertig und zeigen sich jetzt wieder in ordentlich renoviertem Zustand. Nachdem das Schlimmste der Inflation vorüber war, griff der Radebeuler Schwimmverein „Hellas“ den Gedanken einer Winterschwimmhalle erneut auf. Trotz der Ortszusammenschlüsse war die finanzielle Absicherung einer solch großen Maßnahme nach wie vor ungeklärt. Unter Vorsitz der o. g. Schwimmvereinigung „Hellas“ wurde eine Arbeitsgemeinschaft „Schwimmhalle“ gegründet, der die Vereine für volkstümlichen Wassersport, für Volksgesundheit und der Ruderverein Loßnitz angehörten. Ein Tell der Baukosten sollte durch den Verkauf von Werbemünzen, die in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen in Auftrag gegeben wurden, aufgebracht werden. Professor Börner entwarf die Münzen, die im Original einen Durchmesser von 41 mm haben; man sollte aber wohl von Plaketten sprechen, denn sie weisen keine Wertangabe auf. Die Vorderseite zeigt einen Schwimmer, darunter ein hufeisenförmiges Spruchband „Des Volkes Gesundheit höchstes Gut, der Wassersport gibt Kraft und Mut“, während wir auf der Rückseite eine idealisierte Ansicht der Schwimmhalle erkennen, die auf einen möglichen Entwurf des Architekten Rommetzsch schließen lässt, darum als Rundschrift „Für den Bau einer Schwimmhalle der Lößnitz“, darunter die Meißner Schwerter und die Jahreszahl 1924. Im Radebeuler Tageblatt vom 7. 6. 1924 und 25. 8. 1924 fand ich einige Informationen, so die Verkaufspreise der Plaketten; für die braunen verlangte man 1,- M und für die weißen 1,50 M und gab die Versicherung, daß diese Plaketten einst begehrte Sammelobjekte sein werden, was ich nur bestätigen kann. Zu beiden Arten, also in Böttger-Steinzeug und in weißem Porzellan, gab es in geringer Auflage besondere Stücke, deren Rand bzw. Schriftschleife vergoldet wurden (entsprechende Stücke sah ich im Dresdner Münzkabinett). Die Auflagenhöhe blieb aber unbekannt.

Ein konkreter Standort für diese Schwimmhallenplanung ist mir jedoch nicht bekannt – man kann aber grundsätzlich von der neuen Stadtmitte zwischen „Weintraube“ und Realgymnasium ausgehen. Leider wird das damals gesammelte Geld nicht gereicht haben, denn in der wirtschaftlich schwierigen Zeit unmittelbar nach der Inflation und vor der Weltwirtschaftskrise war ein solcher Bau doch nicht durchführbar.

Dietrich Lohse

Teil2

Was Archivakten berichten

Hochwasser im Jahre 1845

Ein Spaziergang entlang der Elbe kann sehr erholsam sein, ob an einem sonnigen Vorfrühlingstag, einem Sommerabend oder bei Eisgang. Zwar gibt es hierbei keine historischen Gebäude zu besichtigen, doch in der Geschichte unserer Gemeinden hat die Elbe oft eine Rolle gespielt: Niedrig- oder Hochwasser – beide beeinträchtigen den Schiffsverkehr, die Fischerei und besonders den Mahlbetrieb der Schiffsmühlen. Häufig trat sie in einem Jahr mehrmals über die Ufer, überschwemmte die Auewiesen, verdarb die Heuernte, riß Teile des Ufergeländes mit sich fort, drang in die Keller der nahegelegenen Häuser ein. Wir haben es ja selbst schon erlebt, daß weite Flächen unter Wasser stehen. In unserem Jahrhundert erreichte die Elbe einen Höchststand von 7,78 m, zuletzt am 17. März 1940, einen Meter höher aber stieg sie Ende März 1845 – auf 8,77 m. Es war außerordentlich viel Schnee gefallen, mit Bangigkeit sahen die Dorfbewohner dem Aufbrechen der Elbe entgegen. Der Hofewinzer Mehlig hat in seinem Tagebuch seine Beobachtungen festgehalten. Hatte es am Morgen des 27.3. noch gefroren, kündeten am Abend Kanonenschüsse bei Meißen und Niederwartha die nahende Gefahr. So schreibt er am 27.3.: „. . .es hatte an diesem Morgen nicht gefroren, . . . das Wasser lief in unserem Grunde stromweise hinunter, . . . in der 8. Stunde brach das Eis, gegen 11 Uhr fing das Wasser an zu wachsen, am Nachmittag stand schon das Ostra(gehege) ganz blank.“ Und das Wasser stieg weiter an, am 29. März abends „überstieg es die Damme bei Stetsch, unter Gohlis und Kötzschenbroda, von Mickten bis Radebeul war alles blank.“ Mehlig, der beim Spitzhaus wohnte, konnte ja das Elbtal weithin überschauen. – Am 30.3. waren die Straßen von Pieschen bis Trachau überflutet, so daß die Wagen bis ziemlich an die Achsen im Wasser fahren mußten.“ In der 2. Stunde des Tages stand das Wasser an der großen Eisenbahnbrücke (Geblerstraße), und „drohte nach dem Wilden Mann zuzulaufen.“ Zwischen Kötzschenbroda und Fürstenhain war dle Elbe bis an die Straße gestiegen, „in die Pappelschenke (heute ,Lößnitzer Hof‘) mußte man schon auf Brettern gehen, und in Kötzschenbroda konnten sie schon beinahe mit Kähnen fahren.“ Da erreichte das Wasser auch Naundorf „. . .doch durch die Tätigkeit der Commun wurde ein Damm vorgezogen, welcher das Wasser aufhielt.“ Auch in Dresden sah es schlimm aus! „Das Wasser stand bis an das goldene Pferd, die Buden auf dem Markt standen alle im Wasser, man konnte nicht auf die Brücke, man mußte über eine Burg (gemeint ist wohl ein Steg) gehen, oder auf einem Wagen oder Kahn auf die Brücke fahren. In Altstadt konnte man nicht zum Georgen Thor hinein, der Zwinger stand schon ziemlich voll Wasser.“ Viele Stämme Holz schwammen auf der Elbe talwärts, aber auch Häuser – ganze und zerrissene die an der Brücke scheiterten,. . . zwei Kreuze waren in Radebeul angeschwommen. „Bei Gohlis waren 3 Männer ertrunken, welche zum Vergnügen eine Lustfahrt gemacht hatten, es waren zwar 8 gewesen, aber 5 hatten sich gerettet, ein Mann aus Serkowitz hinterließ seine Witwe und 4 Kinder, und von Gohlis ertrank ein Bräutigam, welcher zum ersten Mal aufgeboten war.“ – Und die Elbe stieg noch immer. Am 31. März hatte sich vormittags die Rundung vom mittelsten Pfeiler von der Niderseite (der Brücke in Dresden) getrennt und war mit dem Crucefix und zwei steinernen Schilderhäusern in die Elbe gestürzt. Die Brücke wurde augenblicklich gesperrt… der Wasserstand war in der 11. Elle über Null gewesen. – In Radebeul stand es bei dem ersten Bauern bis in den 2. Stock, in Serkowitz bis an die Schenke. … der Damm, den die Naundorfer vorgebaut hatten, war des nachts 2 Uhr gesprungen, ganz Naundorf, Zitzschewig und die übrigen Dörfer standen im Wasser. Das Geschrei um Hilfe war entsetzlich groß gewesen in Naundorf, bei finsterer Nacht mußten sie nun mit ihrem Vieh durchs Wasser marschieren, welches, wo es am tiefsten war, 7 Ellen hoch gestanden. Es stand nun über die Eisenbahn weg (damals war diese noch nicht hochgelegt) bis an Wackerbarths Ruh‘ und bis an die Weinberge hinauf, kein Wagen und keine Post konnte schon am vorigen Tag auf der Meißner Straße fahren. Wer nach Dresden wollte, mußte auf der Eisenbahn (Schienen) gehen, Dampfwagen konnten nicht fahren, weil das Wasser die Eisenbahn zerrissen hatte. ln den umliegenden Dörfern waren sehr viele Keller eingestürzt.“ Erst am Nachmittag des 31. März begann die Elbe zu fallen, und Mehlig schließt seine Eintragung: „Dieses Wasser ist eines der merkwürdigsten, was es je gegeben hat und wird es auch für die Nachwelt bleiben.“

Liselotte Schließer

RADEBEULER GRAFIKMARKT – nur noch eine Legende ?

Das wird sich zeigen. Einen Versuch wollen wir auf alle Fälle wagen. Am 9. Dezember soll der 12. Radebeuler Grafikmarkt im Festsaal des Rathauses stattfinden. Zahlreiche Zusagen seitens der Künstler liegen bereits vor und versprechen ein vielseitiges Angebot in unterschiedlichsten Preislagen. Gespannt sind wir vor allem auf unser Publikum, haben sich doch mit der Währungsunion völlig neue Kaufgewohnheiten herausgebildet.
Ein Risiko also für die Veranstalter, doch wir wollen es gern eingehen – vielleicht auch ein wenig aus Respekt vor denen, die den Grafikmarkt vor Jahren ins Leben riefen.
Die Anregung dazu kam von der Ortsgruppe der Pirckheimer-Gesellschaft, die im Radebeuler Kulturbund verankert war. Erika Claus, Vorstandsmitglied des Kulturbundes Dresden-Land, die Pirckheimer Fritz Treu, Glaubrecht Friedrich und Manfred Artur Fellisch gehörten zu den Wegbereitern, denn viele Skeptiker galt es zu überzeugen, bis der erste Grafikmarkt im Radebeuler Rathaus stattfinden konnte.
Ein Novum – nicht nur für unsere Stadt. Unkonventionell war vor allem die Art und Weise. wie „Kunstexponate“ zum Kauf angeboten wurden. Grafische Blätter, Aquarelle und Zeichnungen lagen ungerahmt in bunter Verschiedenartigkeit auf Tischen und hingen gar an Wäscheleinen. Überraschend groß war die Resonanz und die Veranstalter konnten sich freuen. Dem ersten Grafikmarkt folgten weitere – eine Tradition begann sich herauszubilden. Aus Neugierigen wurden Sammler, die sich Jahr für Jahr vorn Radebeuler Grafikmarkt angezogen fühlten. Die garantiert unfrisierte Statistik konnte sich sehen lassen. Die Besucherzahlen und Umsätze stiegen ständig. Eine kontinuierliche Arbeit lag diesem Erfolg zugrunde, an dem viele fleißige Helfer beteiligt waren.
Doch die Freude hatte Grenzen, und zum zehnjährigen Jubiläum drohte der Ratssaal aus allen Nähten zu platzen. Daraufhin fand der 11. Grafikmarkt in der Erweiterten Oberschule statt. Eine Premiere auch für den jungen Nachfolger der pensionierten Erika Claus. Viele neue und gute Ideen flossen ein.
Aber nicht alles wird auf dieser Welt belohnt und Peter Kappel wurde, wie so viele Mitarbeiter des Kulturbundes, ein knappes Jahr nach „unserer Revolution“ entlassen. Kultur soll nun von unten wachsen.
Eine Ansicht, die auch wir vertreten. Soll etwas gut gedeihen, bedarf es der Pflege und dauert seine Zeit. Dieser Verantwortung kann sich wohl keine Kommune entziehen. Deshalb haben sich Stadtverwaltung und Galerieleitung kurzentschlossen des Radebeuler Grafikmarktes angenommen, dessen Organisation bisher in den Händen des Kulturbundes lag. Gemeinsam mit den Künstlern und kunstinteressierten Bürgern wollen wir versuchen, daß diese Tradition lebendig bleibt.
Karin Gerhardt

Kellergeist und Stadtarchiv – zu Besuch bei Liselotte Schließer

Kaum zu glauben. das Archiv unserer Stadt befindet sich im Keller eines gewöhnlichen Mietshauses, und dessen wohlklingender Name „Heimattreue“ ändert nichts an der Tatsache. daß sich Feuchtigkeit und Staub ungehindert durch die wertvollen Zeugnisse unserer Stadtgeschichte fressen können. (Die älteste Originalurkunde stammt aus dem Jahre 1470!)
Der Behördenkrieg, den die Stadtarchivarin, Liselotte Schließer, bereits seit Jahren führt, verschlingt viel Kraft. Ein geeignetes Objekt, das ehemalige Albertschlößchen auf der Gohliser Straße, steht in Aussicht, aber noch sind nicht alle Hindernisse überwunden, und große Hoffnungen werden auf das neugewählte Stadtparlament gesetzt.
Anfang der 50er Jahre, so erfahren wir von Liselotte Schließer, begann der Lehrer Paul Brüll (1892-1983), zu dessen Schülerinnen auch sie einst zählte, mit dem Aufbau des Stadtarchivs. Nahezu unüberschaubare Berge von Akten, Büchern, Broschüren, Fotos, Karten und Dokumenten aus fünf Jahrhunderten galt es zu erfassen und für eine öffentliche Nutzung zu erschließen. Noch immer warten tausende Akten auf eine Bearbeitung, und neue Materialien kommen beständig hinzu.
Das Interesse an der Heimatgeschichte ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Statistik belegt es. Und Liselotte Schließer könnte sich darüber freuen. Doch die Arbeitsbedingungen sind alles andere als erfreulich. Mitunter herrscht dichtes Gedränge in dem 10 m2 großen „Arbeits- und Besucherraum“.
Zu den ständigen Nutzern gehören Mitglieder der Interessengruppe Heimatgeschichte, Ortschronisten sowie Mitarbeiter des benachbarten Museums Haus Hoflößnitz. Hinzu kommen Schüler und Studenten mit komplizierten Forschungsaufträgen, Radebeuler Bürger suchen Beschleusungspläne, interessieren sich für ihre Familien- und Hausgeschichte.
Ob Hochwasser, Feuersbrünste, Jubiläen . . . das Stadtarchiv ist eine Fundgrube für Neugierige, und nahezu unerschöpflich scheint das Wissen unserer Archivarin. Umfangreich ist ihre Korrespondenz, und Anfragen erreichten sie selbst aus den USA. Besonders am Herzen liegen ihr Führungen, Vorträge. Publikationen, mit denen sie Kontakt zu einer breiten Öffentlichkeit anstrebt. Und auch die Redaktion von „Vorschau und Rückblick“ hat in Liselotte Schließer einen zuverlässigen Partner gefunden.
Eine stille Leidenschaft für die Geschichte ihrer Heimatstadt habe sie bereits in jenen Jahren gehegt, als sie noch im technischen Bereich des Druckmaschinenwerkes Planeta tätig war. So erinnert sie an einen Film, der im Jahre 1956 entstand. Gedreht hatte ihn der Radebeuler Amateurfilmclub, den sie mit begründete und die letzten Jahre bis 1989 auch selbst leitete. Vorgestellt werden in diesem Film historische Gebäude der Lößnitz und sehenswert ist er schon deshalb. weil uns – wenn auch nur für Sekunden – so stadtbekannte Persönlichkeiten wie Hellmuth Rauner, Karl Kröner, Franz Jörissen und Rüdiger Kollar begegnen.
Das Stadtarchiv – damals verwaist – übernahm sie 1981. Gern denkt sie an ihren ersten Besucher. Es war der Autor Ernst Günther, der für sein geplantes Buch „Sarrasani wie er wirklich war“ (erschienen 1984 im Henschelverlag) Recherchen anstellen wollte.
Was anfänglich nur als Rentnerbeschäftigug gedacht war, ergriff immer mehr Besitz von ihr. Da bleibt kaum Zeit, über Beschwerden des Alters nachzugrübeln.

Liselotte Schließer
Aufgenommen im Frühjahr 1990 von Michael Lange

Und so eilt sie – nunmehr 71jährig – noch immer mit dem Fahrrad, ihrem unentbehrlichen Begleiter, von Termin zu Termin durch die Radebeuler Straßen. Daß ihr Umgang mit der Vergangenheit keineswegs den Blick für die Zukunft versperrt, beweist ihr waches Interesse am Schicksal der Radebeuler Ursprungsgemeinden. Ihre besondere Liebe gilt dabei dem vielzitierten Altkötzschenbroda. Mit ihren Mitteln setzt sie sich für den Erhalt dieses denkmalgeschützten, jedoch schmählich vernachlässigten Siedlungsgebietes ein (siehe auch Artikel ..Ein Stück Stadtgeschichte soll gerettet werden“ in „SZ“ Januar 1990). Das Stadtarchiv ohne Liselotte Schließer ist für viele undenkbar. Und doch wünscht sie sich einen Nachfolger, würde sie das Stadtarchiv gern in jüngeren Händen sehen. Eine anspruchsvolle, vielseitige Aufgabe. Aber materielle Reichtümer, so schränkt sie lächelnd ein, lassen sich hier nicht erwerben.
Karin Gerhardt

Wanderung durch die Lößnitz 1990-07

Für heiße Sommertage möchte ich Ihnen einen Spaziergang durch den schattigen Lößnitzgrund vorschlagen. Von der Straßenbahnhaltestelle „Weißes Roß“ aus wird der Weg bis Friedewald führen. Die Gaststätte „Weißes Roß“ wurde 1788 durch den Besitzer des Serkowitzer Gasthofes erbaut, als dieser alte Straßengasthof durch die Verlegung der Dresden/Meißner Straße auf die heutige Trasse seine Bedeutung verlor. Die 1884 eröffnete Bahnlinie Radebeul – Radeburg erhielt hier einen Haltepunkt, damit wurde das „Weiße Roß“ sozusagen „Bahnhofs“-Gaststätte. Heute kann man hier an Werktagen von 9 bis 15:00 einkehren. Hinter dem Stationsgebäude führt Mühlweg bergwärts. Ein Stück hin steht rechts über dem Weg die 1876 erbaute Grundschänke (heute Kulturhaus „Völkerfreundschaft“). Bei der Einmündung in die Lößnitzgrundstraße bietet sich uns ein schöner Ausblick auf die Weinberge mit dem „Haus Hoflößnitz“ (Museum), dem „Spitzhaus“ und dem „Turm der Jugend“ (früher Bismarckturm, errichtet 1907). Wir folgen der Lößnitzgrundstraße. deren schöne Robinien uns Schatten spenden. Der bald abzweigende Weg zur einstigen „Grundmühle“ ist Privatweg, seit sie Wohnhaus wurde. Beim Weitergehen blicken wir von oben auf sie. Schon 1461 als „Mehl unter Wahnsdorf“ genannt, war sie eine Mahlmühle, zu der ein Teich und ein Weinberg gehörten. Seit 1872 betrieb der Müller daneben Bäckerei, Wein- und Kaffeeausschank. Wir überqueren die Grundstraße und gehen nun den Promenadenweg entlang. der zwischen 1881 und 1905 vom Verein zur Verschönerung der Lößnitz angelegt wurde. Seinem Begründer Moritz Ziller zu Ehren schuf man die steinerne Bankgruppe. Die Tafel ist leider nur noch schwer lesbar. Der Weg führt am Bach entlang, an dem vorwiegend Schwarzerlen. Ahorn, Winterlinden und Robinien stehen. Während die Talhänge Buchen- und Eichenwald tragen. Hier sind noch Grünspecht, Singdrossel und Bachstelze anzutreffen. An Stelle der wenig schönen Gebäude des 1895 errichteten Elektrizitätswerkes befand sich um 1538 die der Familie v. Carlowitz auf dem Rittergut Hermsdorf gehörende Mühle. Sie wurde 1875 zur Dampfschneidemühle umgebaut und 1903 abgerissen. Bald erreichen wir den Abzweig, der rechts über die Geleise wieder zur Grundstraße führt. Vor uns erhebt sich der sogenannte „Todhübel“. auf dessen Höhe sich Reste einer Wallanlage aus frühdeutscher Zeit be?nden (1941 als Bodendenkmal eingetragen). Der Wald wird hier neben Buchen von Traubenstieleichen und Ebereschen gebildet. auch Waldrebe und verschiedene subkontinentale Pflanzen sind hier heimisch. Zwei etwa 30 Meter hohe Steinbrüche wurden im 19. Jahrhundert in den Berg geschlagen. Wir müssen ein Stück die Straße gehen, biegen dann links ein. um bei der „Meierei“ unseren Weg wieder zu erreichen. Auch die „Meierei“ war einst eine Mahl- und Schneidemühle auf Reichenberger Flur. Um 1881 baute sie die Fa. Gebr. Ziller zur Sommerfrische und Gaststätte um, der Mühlteich wurde zum Gondelteich. 1960 kam sie an die HO und mußte 1969 geschlossen werden. Unweit davon finden wir Häuser im Schweizerstil die gut erhalten sind. Wir überqueren den Meiereiweg, gehen weiter am Bach entlang, müssen über eine kleine Brücke und dann neben den Bahngleisen weiter. Links liegt der vom Bach durch?ossene Moorteich. Mit der nächsten Brücke kehren wir auf das westliche Bachufer zurück. Wenn wir Glück haben, können wir hier den Zaunkönig beobachten. Wir kommen an der „Scheffler-Mühle“ vorüber, die noch Futtermittel herstellt. Auch sie war schon 1570 vorhanden. wurde 1739 von Christian Scheffler erworben und ist seitdem im Besitz der Familie. 1880 wurde sie nach einem Brand in Stein errichtet. Wo der Weg auf die Straße nach Friedewald trifft, steht das ehemalige „Kurhaus Friedewald“. Es wurde 1899 als Hotel und Restaurant erbaut, bot 30 Zimmer mit Balkon, Gondelteich, Gaststätte, Autogarage und sogar Spezialküche für Diabetiker, Im Winter nutzte man es als Hotelfachschule. 1947 bis 1959 beherbergte es FDGB-Urlauber und dient seitdem als Internat für das Institut für Lehrerbildung. Leider sind Teich und Balkons verschwunden, und vom Park, der dendrologisch wertvolle Pflanzen enthielt, blieb nur wenig. Von hier können wir nach Friedewald hinaufgehen, zur Gaststätte und weiter zum Autobus nach Radebeul-West. Wer noch nicht müde ist, geht den Weg weiter, am Haltepunkt der Kleinbahn vorüber und kommt zur „Kaisermühle“. Ferienheim des VEB Schraubenkombinat Karl-Marx-Stadt. Es wurde 1909 als Villa erbaut, dann zur Gaststätte eingerichtet, beliebtes Auszugslokal. 1908 war das alte Mühlengebäude abgebrannt, nachdem der letzte Besitzer Kaiser 1903 den Betrieb eingestellt hatte. Damit haben wir fünf der sieben Mühlen kennengelernt. die der Bach einst antrieb. Der weitere Weg führt uns schließlich zum Bahnhof Friedewald-Dippelsdorf, von dem uns die Kleinbahn nach Radebeul-Weißes Roß zurückbringt.

Liselotte Schließer

Archiv M. Richter

Editorial 05-90

Liebe Leserinnen und Leser !
Viele von Ihnen werden sich erinnern, daß die Zeitschrift „Die Vorschau“ zu den vielen kulturellen Selbstverständlichkeiten gehörte, auf die wir in den vergangenen Jahren nach und nach verzichten mußten.
Wir wollen beginnen, wieder eine Tradition aufleben zu lassen und uns mutig mit dem kleinen Heft in den inzwischen so bunten und laut rauschenden Blätterwald stürzen.
Denn natürlich können nur wir (Wahl-)Radebeuler selbst wissen, was Radebeul am Herzen oder im Magen liegt. Wir wollen das Interesse, das Wissen und das Gefühl wecken und bereichern für das, was als „kulturelle Identität“ so großartig klingend oder einfach als „Liebe zur Heimat“ – in den letzten Jahren schwer zu verwirklichen – benannt werden kann. Wir wollen die Eigenheiten, Schönheiten und die Probleme beschreiben, mit denen unsere Stadt locken und schrecken kann. Und wir wollen Sie informieren über das hoffentlich immer reicher werdende Kulturangebot (so hoffen wir doch, daß zum Beispiel die Seite der Kino„landschaft“ bald wieder weniger beschämend anzusehen ist.
Unsere Arbeit begann bei der konstituierenden Versammlung des Neuen Forum Radebeul in den bewegten Novembertagen des vorigen Jahres.
Ausgehend von der Arbeitsgruppe Kultur Neues Forum hatten wir zu einer Bürgerinitiative Kultur aufgerufen, und daraus bildete sich unser Reaktionskollegium, bestehend aus: Wolfgang Zimmermann (43), Leiter vom Literatur-, Musik- und Video-Café; René Wagner (40), Direktor des Karl-May-Museums; llona Rau (37), Museumsassistenten beim Haus Hoflößnitz; Friedemann Nawroth (38), Schauspieler; Dietrich Lohse (45), Architekt;
Ulrike Kunze (38), Bühnen- und Kostümbildnerin; Karin Gerhardt (36), Leiterin Galerie Radebeul; und Dieter Malschewski (58), Journalist – ein ehemaliger Mitarbeiter von „Der Vorschau” – als Chefredakteur.
Wir hoffen sehr auf interessierte Mitarbeit engagierter Bürgerinnen und Bürger. Selbstverständlich werden auch wir nicht subventioniert, so ist all unsere Arbeit ehrenamtlich, und wir danken allen, die uneigennützig mit ihren Beiträgen den Inhalt des Heftes bereichern, und denen, die mit ihrer Werbung auch unsere Zeitschrift unterstützen! Und wir danken dem Rat der Stadt Radebeul für die Hilfe zur Deckung der Startkosten. Auch die Zukunft Radebeuls soll beginnen. Wir hoffen. daß sich für Sie immer ein „Vorschau und Rückblick“ lohnt!
Ulrike Kunze, im Namen des Redaktionskollegiums

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