Zusammen 52 Jahre im Dienst von „Vorschau & Rückblick“

Dietrich Lohse und Karl Uwe Baum feiern einen runden Geburtstag

Karl Uwe Baum

Dietrich Lohse

Sein Entschluss, am 31. März 1990 zur Eröffnung einer Fotoausstellung in das Schloss Hoflößnitz zu gehen, sollte für Dietrich Lohse ungeahnte Folgen haben, denn sein Besuch mündete schließlich in einem Beitrag im Juni-Heft der gerade erst aus der Taufe gehobenen Monatszeitschrift „Vorschau & Rückblick“. Unter der Überschrift „Ein Kompliment für die Fotografin“ fasste der Autor seine Eindrücke des Samstagabends unterhalb der Weinberge zusammen. Was er damals wohl selbst nie für möglich gehalten hätte: Knapp 35 Jahre später ist Dietz, wie er von allen von uns kurz und bündig genannt wird, immer noch Mitglied der Redaktion! Langjährige Leserinnen und Leser kennen Dietrich Lohse vor allem als unseren Mann für Denkmalpflege, Baugeschichte und architektonische Details, aber in den Anfangsjahren waren auch eine Reihe von Ausstellungsrezensionen und Personenporträts dabei. Viele werden sich auch erinnern, dass wir Dietrich Lohse mehrere Jahrgänge an Titelbildern zu verdanken haben. 2025 wird er wiederum das Heft auf diese Weise prägen, und zwar mit einer Auswahl an historischen Radebeuler Winzerhäusern, begleitet von sachkundigen Kommentaren.
Was Karl Uwe Baum am 31. März 1990 machte, ist nicht überliefert. Vielleicht saß er zu der Zeit, als Dietz Lohse in der Hoflößnitz weilte, gerade an Unterlagen und brütete darüber, wie man am besten einen Landesverband Amateurtheater gründet. Denn dieses Thema trieb den begeisterten Laienschauspieler damals und die Folgejahre um. Vielleicht auch deshalb dauerte es ziemlich genau 17 Jahre, bevor sich KUB erstmals in unserem Heft zu Wort meldete. Prominent auf S. 1 im April-Heft 2007 platziert, formulierte der Autor unter der Überschrift „Genussvolles Monatsheft“ seine Gedanken zu einem Beitrag, der im März erschienen war und sich kritisch mit kulturpolitischen Entwicklungen in Radebeul befasst hatte. Interessant ist, dass Karl Uwe Baum den im letzten Satz seines Beitrages geäußerten Vorsatz „Weiter so!“ nach und nach begann, selbst in die Tat umzusetzen, denn aus einer anfänglich nur losen Verbindung mit der Redaktion wurde mit den Jahren ein stetig engagierteres Mittun und Mitdenken. Wenn es in Radebeul jemanden gibt, der sich traut mit spitzer Feder Missstände anzuprangern und Fehlentwicklungen aufs Korn zu nehmen, dann ist es Karl Uwe, unser Spezialist für Kommunal- und Kulturpolitik.
So sehr sich die beiden Redaktionskollegen vom Temperament auch unterscheiden, eines haben sie gemeinsam: Sie feiern in den Tagen zwischen Heiligabend und Neujahr jeweils ihren 80. Geburtstag! Lieber Dietz und lieber Karl Uwe: Wir danken euch für zusammen 52 Jahre treuer Autorschaft für unser Heft, gratulieren euch von Herzen und wünschen euch Lebensfreude im Prozess stetiger Reifung, Begegnungen mit heiteren Musen, die euch küssen und zum Schreiben verführen und vielfältige Erfahrungen mit den Genüssen des (Älter)Seins!

Für Redaktion und Verein
Bertram Kazmirowski

Gedenkausstellung „Wandlungen“

Ingo Kuczera in seinem Atelier auf der Gartenstraße, 2001, Foto Thomas Adler

Zum 60. Geburtstag und 20. Todestag des Radebeuler Malers Ingo Kuczera

Den Schwerpunkt der Gedenkausstellung in der Radebeuler Stadtgalerie bilden die Werke der großzügigen Schenkung von Ingo Kuczeras Erbengemeinschaft an die Städtische Kunstsammlung Radebeul. Eine Ergänzung erfolgt durch Leihgaben aus vier privaten Sammlungen.
Die Kunstexponate umspannen den Entstehungszeitraum von 1984 bis 2004. Gezeigt werden Bilder, Grafiken, Objekte, Entwürfe, Illustrationen, Modelle und Dokumente. Aber auch Alltagsgegenstände wie Ingo Kuczeras Garderobe mit Kutte und Schal sowie sein roter Wasserkocher beleben die Präsentation.
Die Zeit, in der ich Ingo Kuczera unmittelbar und recht intensiv erlebt habe, war relativ kurz. Zunächst hatte ich ab und an eigenwillige Bilder und Zeichnungen von ihm bemerkt. Erstmals war das 1991 im Café Color auf der Gartenstraße, welches der Kulturjournalist Wolfgang Zimmermann betrieb. Dass Ingo dort ausstellte, lag nahe, befand sich sein Wohnatelier doch ebenfalls auf der Gartenstraße.

Die Elbe bebaut die Berge um Radebeul“, 1999, Tempera, Repro: Archiv Baum

Ohne Titel (männliche Halbfigur, Kopf, Baum) 2001 Gouache, Faserstift, Repro: Archiv Baum

Den Künstler Ingo Kuczera habe ich als Person bewusst wahrgenommen, nachdem die Radebeuler Stadtgalerie 1997 am neuen Standort in Altkötzschenbroda wiedereröffnet wurde. Von 1998 bis 1999 sowie von 2001 bis 2002 wurden für Ingo Kuczera Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) in der Stadtgalerie bewilligt.
Er selbst verstand sich als Bindeglied zwischen städtischer Galerie und Künstlerschaft. Maßgeblich wirkte Ingo Kuczera an der Konzipierung und Realisierung der thematischen Sommerprojekte mit. Dazu gehörte auch die Gestaltung des Galeriehofes als eine Art Open-Air-Galerie. Dafür sind viele Bilder auf großformatigen Sperrholzplatten entstanden, welche allerdings immer wieder übermalt wurden.
Angeregt zum Ausstellungstitel „Wandlungen“ hatte uns ein Tafelbild, welches Ingo auf eine – der bereits erwähnten großformatigen Sperrholzplatten – gemalt hatte. Beim Abbau des alten Schuppens im Galeriehof wurde es wiederentdeckt. Allen bisherigen Übermalungs- und Entsorgungsaktionen zum Trotz, hatte es sich in Funktion einer Schuppentrennwand erhalten und fand schließlich im Depot der Kunstsammlung einen sicheren Platz. Dessen Präsentation im Rahmen einer Ausstellung erfolgt nunmehr zum allerersten Mal.
Am 25.8.2000 schreibt Ingo in sein Tagebuch: „Arbeite seit 1 Woche an 5 Bildern für den Galeriehof. Gutes Gefühl!!! Sonne scheint, Kaffee kocht, Farbe wird bezahlt und alle sind gespannt und anteilnehmend – wie ich.“.

Im Jahr 2002 stand das thematische Gemeinschaftsprojekt unter dem Motto „Radebeul – total global?“. Die Eröffnungsveranstaltung begann im Bahnhof Radebeul-West. Eine Harfenistin und der Saxofonist Micha Schulz musizierten zur Verwunderung der Fahrgäste auf den Treppen zu den Bahnsteigen. In den heute nicht mehr begehbaren Tunnel hängten wir Textbahnen von Ju Sobing. Die Säulen in der Bahnhofshalle wurden mit Bildern von Johanna Mittag verschönt, die dann – letztendlich gestohlen worden sind. Die Verbindungsstrecke zwischen Bahnhof und Galerie hatte Ingo mit bizarrem Schwemmgut aus der Elbe drapiert. Das Ganze mündete natürlich in ein wunderbares Künstlerfest und in der Stadtgalerie war adäquat zur Thematik eine Gemeinschaftsausstellung mit Werken von 20 Künstlern zu sehen.
Ingo Kuczera fühlte sich wohl und angenommen, was sich auch auf seine Schaffensfreude ausgewirkt hat. Aus der dienstlichen entwickelte sich allmählich eine freundschaftsähnliche Beziehung. Gemeinsam sind wir durch die kleinen Dresdner Galerien gezogen und haben uns über das Gesehene sehr intensiv ausgetauscht. Ingo besaß ein sicheres künstlerisches Urteilsvermögen und eine große Portion hintergründigen Humor. Wenngleich Beuys sein Idol zu sein schien, war er sehr offen für aktuelle Tendenzen in der Kunst. Auch die älteren Künstler wie Wigand, Glöckner, Wittig, Weidensdorfer oder Graf interessierten ihn sehr.

Ohne Titel (Komposition), 2002, Acryl, Gouache, Bleistift, Faserstift, Repro: Archiv Baum

Kuczera, der zunächst eine Schlosserlehre absolviert hatte, war künstlerisch talentiert, daran bestand kein Zweifel und so strebte er die Ausbildung zum

Ohne Titel (Trinker) 2003, Acryl auf Pappe, Bildausschnitt, Repro: Archiv Baum

Bildenden Künstler an. Die Zeichenzirkelzeit in Rathenow war intensiv. Seinem Lehrer Gerhard Hentschel verdankt Ingo ein solides Fundament.
Was zunächst so hoffnungsvoll begann, geriet schließlich ins Stocken. Die Bewerbungen an den Kunsthochschulen in Berlin und Dresden schlugen fehl. Allerdings meinte Claus Weidensdorfer im Nachhinein: Zum Glück! Was hätte ein Künstler wie Ingo dort auch lernen sollen?
Letztlich bekannte sich Ingo dazu, ein Autodidakt zu sein, schließlich hätten van Gogh, Modigliani oder Ebert auch nicht studiert.
Die Erinnerung an Ingo Kuczera schließt die Erinnerung an Dr. Dieter Schubert ein. Schützend hielt er als Amtsleiter für Bildung und Kultur während der ABM-Zeit immer wieder seine Hände über Ingo, der in kein Behördenraster passte! Ingo war ein Nachtmensch. Alkohol diente oftmals als Stimuli, und all das bot reichlich Konfliktpotenzial.
Besonders spannend wurde es, als 1999 im übernächsten Grundstück (Altkötzschenbroda 23) die Werkstattgalerie „Atelier Oberlicht“ eröffnet wurde. Neben Ingo Kuczera gehörten zu der Künstlergemeinschaft zunächst Frank Hruschka, Markus Retzlaff, Nikolai Bachmann, Homayon Aatifi und Julius Hempel. Spiritus Rektor war Frank Hruschka. Er hatte die Intention oder besser gesagt die Illusion, dass Künstler an einem Ort in einer Gemeinschaft arbeiten, sich permanent austauschen, anregen, präsentieren und vermarkten. Was folgte, waren interessante Projekte und nächtelange Diskussionen über Kunst. Wobei Letzteres für Ingo nicht unwesentlich gewesen sein dürfte. Dabei wurde viel geraucht, getrunken und auch gestritten. Von allen sechs Künstlern ist Ingo Kuczeras enger Freund und Kollege, Markus Retzlaff, der Einzige, der bis heute im Oberlicht künstlerisch tätig ist.

Schon die wenigen Auszüge aus dem Tagebuch, lassen Ingo Kuczeras Gefährdung und Verletzlichkeit erahnen. Ingo wollte die Menschen mit seiner Kunst überraschen und anrühren. Sein Credo: Es muss eine Poesie in die Welt! Das ist klar! Liebe und so!
Vor allem Gedichte von Heine, Rilke, Hölderlin und Heym haben ihn sehr inspiriert. In der letzten Zeit spielte er immer wieder Chansons von Edith Piaf.
Ingos psychische als auch körperliche Verfassung war wechselhaft. Seinen 40. Geburtstag feierte Ingo am 3. November 2004 im engsten Kreis und am 6. November folgte eine weitere Feier im “Atelier Oberlicht“, die mit einer Kabinettausstellung neuester Arbeiten verbunden war. Zum Grafikmarkt wiederum, der am 6. und 7. November stattfand, hatte Ingo wohl gar nichts verkauft und war sehr enttäuscht.
Ingo Kuczeras plötzlicher Tod am 10. November 2004 löste große Betroffenheit aus. Künstler wie Peter Graf und Christiane Latendorf drückten ihre Gefühle in sehr berührenden Bildern aus, die ebenfalls in dieser Gedenkausstellung zu sehen sind.
Zu Ingos Beerdigung in Premnitz hatten Angehörige und enge Freunde eine Fahrgemeinschaft gebildet. Der Friedhof erinnerte an einige von Ingos melancholischen Bildern und wirkte auf mich sehr bedrückend.
Schon bald stand die Frage an – Wie weiter? Die bevorstehende Haushaltauflösung mahnte zur Eile. Wir hatten alle keine Erfahrungen im Umgang mit einer solchen Situation. Doch dann geschah Erstaunliches.
Aus den ersten Kontakten, die zu den Angehörigen geknüpft wurden, entwickelte sich ein vertrauensvolles Miteinander. Die Erbengemeinschaft, vertreten durch Antje Zimmermann, erwies sich als umsichtig, aufgeschlossen, zuverlässig und – außergewöhnlich beharrlich. Die Radebeuler Stadtverwaltung wiederum bot personelle und räumliche Unterstützung an. Im Jahr 2005 wurde dann damit begonnen, Ingos Kunstwerke in die Stadtgalerie umzusetzen. In beiden Etagen wuchsen die Bilderstapel beträchtlich. Wie intensiv Ingo gearbeitet hatte, wurde uns erst nach seinem Tode bewusst.
Weit über 4.000 Arbeiten galt es zu sortieren, zu vermessen, zu fotografieren und zeitlich einzuordnen. Geholfen hatten damals u. a. Ingos Partnerin, die Bildhauerin Manuela Neumann, der Maler und Grafiker Markus Retzlaff sowie die Vorsitzende des Radebeuler Kunstvereins Ingeborg Bielmeier.

Ohne Titel (Figuren und Instrumente), 2003, Acryl, Gouache auf Sperrholz, Repro: Archiv Baum

Für das Engagement bei der Erfassung des künstlerischen Nachlasses und für die Erstellung eines Kataloges wurde die Stadt Radebeul von der Erbengemeinschaft mit einer großzügigen Schenkung für die Städtische Kunstsammlung belohnt.
Die Herausgabe des Kataloges erfolgte im Eigenverlag der Stadtgalerie. Mitgewirkt hatten daran: die Druckerei WDS Pertermann, die Versuchsdruckerei von KBA Planeta, die Lößnitzdruckerei und die Artothek Frank Hruschka. Finanzielle Unterstützung kam durch die Stadt Radebeul, den Kulturraum Elbtal, den Förderkreis der Stadtgalerie und das Kunsthaus Kötzschenbroda.
Obwohl nunmehr fast zwei Jahrzehnte vergangen sind, bildete der Katalog für die Gedenkausstellung eine wichtige Arbeitsgrundlage. Tagebucheintragungen des Künstlers sowie Gedanken und Erinnerungen von Freunden, Künstlerkollegen, Angehörigen und Wegbegleitern tragen zum Verständnis des künstlerischen Werkes bei.
Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus verschiedenen Schaffensabschnitten. Während in den frühen Jahren vorwiegend kleinere Formate auf Papier entstanden sind und eine erdige Farbgebung dominiert, verblüfft das Spätwerk durch kompakte Großformate, häufig in gewagten Grün- und Blaunuancierungen. Der Phase des Experimentierens mit abstrakten Elementen folgte die erneute Hinwendung zur erzählerischen Gegenständlichkeit. Steigende, schwebende, fallende Figuren durchqueren surreale Landschaften. Große Formen kontrastieren mit verspielten Details, schmückenden Ornamente und zarte Strukturen. Menschen, Tiere und Pflanzen gehen symbiotische Beziehungen ein. Vor allem Frauen bilden für ihn ein unerschöpfliches Thema. Tiere wie Einhorn, Schwan und Delphin tragen symbolischen Charakter. Aus Ingo Kuczeras Bildern spricht die romantische Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit. Und manche Bilder bergen Geheimnisse, die Geheimnisse bleiben sollten, wie sein Künstlerkollege Peter Graf einmal geäußert hat.
Für die Möglichkeit, dass ich diese Gedenkausstellung maßgeblich mitgestalten durfte, bin ich dem Zweier-Team der Stadtgalerie, Magdalena Pieper und Alexander Lange, sehr dankbar. Viele neue Zusammenhänge haben sich mir dadurch bereichernd erschlossen.
Heinz Weißflog schrieb 2007 in einer Rezension über Ingo Kuczera: „Er war unglücklich im Leben, aber erfüllt in seiner Arbeit, die ihn bis zuletzt trug.“.
Ingo selbst schrieb am 20.3.1997 in sein Tagebuch: „Ich möchte, daß man über meine Bilder einmal sagen kann – sie wären wie ein leiser Abgesang und wie ein letztes Dankeschön an eine versinkende Welt.“.
Ingo Kuczera hinterließ ein starkes eigenwilliges Werk, dass es weiterhin zu ergründen gilt. Ausstellungen fanden nach seinem Ableben in Radebeul, Meißen, Dresden, Medingen, Radeberg, Erfurt und Weimar statt. Zahlreiche Arbeiten wurden in öffentliche Sammlungen übernommen. Allen, die dazu beitragen, dass Ingo Kuczeras Kunst bewahrt wird und in der Öffentlichkeit ihre Wirkung entfalten kann, sei hiermit herzlich gedankt.

Karin (Gerhardt) Baum


Der Ingo-Kuczera-Katalog „Bilderrauschen“ aus dem Jahr 2006 umfasst 128 Seiten und ist während des Ausstellungszeitraumes zum Vorzugspreis von 10 Euro in der Stadtgalerie erhältlich.
Und außerdem:

7.1.-19.1.2025
Ingo-Kuczera- Gedenkausstellung in der Stadtgalerie Radebeul
j
16.1.2025, 19 Uhr
ART ROOM – Film-Projekt „Mit Künstlern im Gespräch“

19.1.2025, 16 Uhr
Kuratorenführung durch die Ausstellung mit Alexander Lange und Karin Baum

3.1.-15.2.2025
Ingo-Kuczera-Gedenkausstellung in der Galerie Hebecker, Weimar

Editorial 01-25

Liebe Leserinnen und Leser,

für meine Familie und mich war 2024 ein ganz besonderes Weihnachtsfest- weil es ein ganz besonderes Jahr war.
Im Januar trat ich meinen Dienst als Pfarrer in Radebeul an, im Februar zogen wir um, vom beschaulichen Dorf auf den quirligen Anger.
Der Frühling kam, der Flieder blühte und die Sorge, ob die Kinder gut ankommen, legte sich.
Es wurde Sommer und wir genossen das südlich-lässige Flair zwischen Anker und Oberschänke.
Der August holte gegen Ende nochmal aus und an einem heißen Mittwoch duckte sich ein handtellergroßes Kätzchen im Pfarrhof unter den Postkasten. Wie bestellt! Willkommen Minki!
Der Herbst kam und das große Fest mit ihm – wir staunten und ließen uns gern mitreißen. Ich lernte die Bräuche und Protagonistinnen kennen, zwischen Oberbürgermeister, Bacchus und Weinköniginnen fand ich meinen Platz.
Der trübe November war fast nicht mehr auszuhalten – am Totensonntag stand ich mit den Posaunen auf dem Friedhof – dann kam endlich der Advent.
Die zweite Initiation in die kleine Stadtgesellschaft.
Budenglanz und Lichterzauber?
Wo parke ich? Wann gehe ich einkaufen?
Muss ich jeden Glühweinstand probiert haben?
Ein irres Jahr war das. Alles zum ersten Mal.
So viele Begegnungen, so freundliche Menschen, so offene Arme.
So viel Liebe.
Alles, was ihr tut, das geschehe in Liebe.
Dieses Wort hat uns Christenmenschen als Losung durch das Jahr 2024 begleitet.
Es tröstet, dass es wohl keinen unter uns gibt, der ihm gänzlich gerecht werden konnte.
Und irgendwie will ich es doch auch ins nächste Jahr mitnehmen.
Selbst wenn Sie mit Gott und dem Krippenkind nichts anfangen können, dann halten Sie es einfach mit dem Autor des Kleinen Prinzen, Antoine de Saint-Exupéry: „Sehnsucht nach Liebe ist Liebe. Und siehe, du bist schon gerettet, wenn du versuchst, der Liebe entgegenzuwandern.“
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein liebevolles und gesegnetes neues Jahr 2025.

Ihr Pfr. Martin Scheiter

Editorial 12-24

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem Dezemberheft schließt, so unglaublich es auch klingen mag, das nunmehr 34. Jahr von „Vorschau & Rückblick“. Tatsächlich steht im kommenden Wonnemonat Mai mit der 35. schon wieder ein kleines Jubiläum an. Das wird gefeiert werden – das ist schon mal klar!

Was ist bisher geblieben? Vielfältigste Rückblicke auf über mehrere Jahrzehnte, und wie immer, die magere, so doch hoffnungsvolle Vorschau auf das Ungewisse.

Die „Vorschau“ gibt es immer noch – immerhin. Sogar einige Gründungsmitglieder sind nach wie vor beherzt und engagiert dabei. Selbst die Dazugekommenen Redakteure rühren teils seit Jahrzehnten mit. Unsere Kernrubriken wie Themen zu Stadt und Kultur oder Denkmalpflege sind noch immer beispielhaft vertreten.

Eine besondere Bereicherung erfahren wir über Ihre Zuschriften, die mit ihren ganz eigenen Geschichten und Themen besondere Akzente setzen. Die Reihe „Als die Läden noch die Namen von Leuten trugen“ entwickelte sich zu einem veritablen Klassiker. Leider harren noch immer einige Texte der Veröffentlichung, allein das begrenzte Seitenvolumen verhinderte bisher ein zeitnahes Erscheinen.

Apropos „Seitenvolumen“: unser Heft liegt üblicherweise bei 32 Seiten. Nun, da Weihnachten naht, haben wir sprichwörtlich keine Mühen und Kosten gescheut und möchten Ihnen mit vorliegendem Heft von 40! Seiten ein kleines Geschenk machen.

Wir wünschen allen eine geruhsame, friedvolle Advents- und Weihnachtszeit!

Bleiben Sie uns gewogen und tragen Sie weiterhin zum Erhalt unseres kleinen wie wertvollen Heftes bei!

Sascha Graedtke

Mit Stephan Krawczyk poetisch durch das Jahr

Radebeuler Miniaturen

Barfußschuhe

Da hab ich mirs eben bequem gemacht am Tresen (fürs Faß ists zu kalt inzwischen), freue mich am Anblick des schönen Frischgezapften und auf den ersten Schluck, da steht auch schon Klotz neben mir. Mit einer heftigen Bewegung zieht er einen Hocker heran und sagt, jetzt brauch ich erstmal ein Bier!
Da warte ich höflich, bis er seins hat und trinke ihm schließlich zu. Er setzt das volle Glas an und das leere wieder ab. Alle Achtung, sag ich, das könnte ich nicht mehr. Wenn du in meiner Situation wärst, sagt er könntest dus auch.
Nun erzähl schon, ermuntere ich ihn, ist jemand gestorben? So wie du aussiehst …
Gestorben ist niemand, sagt er und wendet sich dem zweiten Glas zu, aber wenns so weitergeht, steig ich bald selber in die Kiste. Wir haben die Enkelin zu Gast, Herbstferien, sagt er dann, ist ein liebes Mädel, vierzehn … wenn du dich erinnerst, was das bedeutet… gleich am ersten Tag hat sie uns, bei dem Versuch, ihren Schlüpper zu trocken, beinahe das Haus abgefackelt.
Wie das?
Na, sie hat einfach den Fön auf den Teppich gelegt und das Höschen drübergedeckt …
Ach du Schreck – und ?
Alles hin, Schlüpper hin, Fön hin, Haus steht noch, hätte dumm ausgehen können, aber sag das mal so`ner Göre …
Am Montag war dann Heidrun mit ihr in Meißen. Angeblich haben sie sich an den schönen alten Häusern erfreut, und Eis gegessen, – na gut. Und Schuhe haben sie gekauft, da sind sie ja alle gleich … Barfußschuhe!
Würden mir auch gefallen, behauptet Heidrun, werden nämlich nicht geputzt, kommen in die Waschmaschine. Also, wir sind ja früher den ganzen Sommer barfuß rumgerannt. Nach `ner Woche hatten wir Hornhaut an den Füßen, da brauchten wir nichts weiter drumrum, schon gar keine Polyester. War absolut ressourcenschonend, keinerlei Materialverbrauch, außer manchmal bissel Seife … Aber das geht im Kapitalismus natürlich nicht mehr. Wo soll denn da das Wachstum herkommen, wenn alle nur noch sparen, und selbst wir die baren Füße nicht mal mehr einpacken?!
Und nun stell dir vor, vorhin will ich den Geschirrspüler ausräumen – ja, ich beteilige mich hin und wieder auch am Haushalt – was sehe ich: Barfußschuhe zwischen Biergläsern und Kaffeetassen – hats nicht ausgehalten, bis die Waschmaschine angeworfen wurde … Na, ich hab nüscht gesagt, hab wortlos meine festen (!) Schuhe angezogen und bin gegangen. Ich meine, die Spülmaschine, sie hatte die höchste Stufe eingestellt und das ist deutlich mehr als dreißig Grad …

Typisch Klotz, sagt Ulrike beim Abendbrot, wie ich mit dem Erzählen fertig bin. Hat vergessen, daß er auch mal jung war. Übrigens, was ich dir schon länger sagen wollte, ich hab mir auch Barfußschuhe gekauft …
Aha, aber Spülmaschine willste hoffentlich noch keine?

Thomas Gerlach

Glosse?

Da geht er…

Als vor einigen Jahren in Radebeul der Spruch „Abschied ist ein scharfes Schwert.“ die Runde machte, schien die Welt noch halbwegs in Ordnung zu sein. Obwohl, schaut man genauer zurück, klapperte es schon damals gewaltig. Die Eröffnung des Großflughafens in Berlin wurde zum vierten Mal verschoben. Edward Snowden hatte sich ausgerechnet in Russland in Sicherheit gebracht und das Afghanistan-Abenteuer ging endgültig in die Hose. Hoeneß hatte sich selber angezeigt, weil ihm Zweifel an seiner Person hochkamen – so einen Fall habe ich bisher hier noch nicht erlebt. Radebeuler Größen fuchtelten mit besagtem Schwert herum und mit nur acht Metern Hochwasser war die Stadt 2013 eigentlich ganz gut weggekommen.
So ist halt das Leben. Es wird vom Werden und Untergehen bestimmt und selbst der Tod partizipiert davon. Hätten wir das ewige Leben, würde der Gevatter ganz schön alt aussehen. Andererseits wären uns vielleicht all die unsinnigen Kriege erspart geblieben. Die Franken sollen ja im 7. Jahrhundert friedlich in unsere Region eingezogen sein, die sich damals noch Elbgermanien nannte. Und, man will es nicht glauben, das Zusammenleben funktionierte einigermaßen. Überhaupt hatte ja die große Völkerwanderung die Menschheit in Europa ganz schön durcheinandergewirbelt. Da ist die seit 1990 durch Zuwanderung um ca. 250.000 Personen pro Jahr gestiegene Bevölkerung der Bundesrepublik eine geradezu lächerliche Größe. Pro Stadt und Landgemeinde sind das durchschnittlich nicht mal 60 Personen jährlich! Da kann ich das ganze Geheule nun wirklich nicht verstehen.
Warum fällt mir gerade jetzt Roger Whittaker ein? Weil er vor einem reichlichen Jahr von uns „gegangen“ ist – wohin eigentlich? Er wurde ja in Nairobi geboren, der Hauptstadt des einstigen deutschen Protektorats. Seine Sängerkarriere begann 1967. Freilich hat er in seinem Schlager mit dem Schwert nicht vom Tod gesungen, sondern von der Liebe, einer Liebe, die eben gerade zu Ende gegangen war und der, so weiß er zu singen, eine neue Liebe folgen wird. Woher hatte dieser Mann das Wissen? War er mit Fünfzig schon so weise, dass er sich in den Wechselfällen des Lebens auskannte? Dabei war er doch seit 1964 mit ein und derselben Frau verheiratet. Manch einer ist auch mit Sechzig noch nicht so schlau und gelassen wie „Die Stimme des Herzens“, wie ihn seine deutschen Fans in Ost und West nannten.
Aber die letzten 80er Jahre sind eben nicht die heutigen 20er. Jetzt hat keiner mehr Geduld und schon gar nicht Zeit. Und zuhören kann auch keiner mehr. Da muss man sich nicht wundern, wenn das mit der Verständigung nicht mehr klappen will in dieser Welt, mal von den vielen englischen Brocken in unserem Säch‘sch abgesehen. Nicht richtig deutsch sprechen können, aber englisch quatschen! Roger hat zwar auf Deutsch gesungen, aber sprechen und schreiben in dieser Sprache konnte er nie so richtig. Schwamm drüber – wer kann das schon?
Das ist ein Kommen und Gehen! Man kennt das ja, bei manchen ist man froh, dass er gegangen ist. „Geh mit Gott – aber geh endlich!“, komplementierte meine Mutter des Öfteren Besuch aus der Wohnung, die es sich gar zu gemütlich bei uns eingerichtet hatten. Verlässt aber einer seinen Posten, werden zumeist alle Brücken abgebrochen. Der Neue glaubt wie selbstverständlich, gleich alles anders machen zu müssen, und wenn nur die Fassade gestrichen oder das Logo getauscht wird. Warum kann nicht mal etwas so bleiben, wie es ist? Wieso glauben alle, sich immer beweisen zu müssen? Wer treibt sie eigentlich? Sie selbst…?
Sicher, mitunter ist eine Trennung mit Schmerz verbunden. Man verliert einen liebgewordenen Menschen, ein angenehmes Ereignis geht zu Ende. So aber ist des Lebens natürlicher Gang. Das Schwert ist dafür ein unbrauchbares Instrument. Die Brücken sind das Wertvolle, was wir haben, die sollten erhalten und sorgfältig gepflegt werden, meint

Euer Motzi

 

 

Identität als Existenzgrundlage

Detlef Reinemer zum 80.Geburtstag
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Detlef Reinemers Werk gleicht einer existentialistischen Temperamentenlehre, voller Unversöhnlichkeit gegenüber dem Schicksal der Sterblichen. In einer Mischung aus expressiv vorgetragenem prometheischen Trotzgestus und schonungslos konstatierendem Realismus sieht er dem Tod ins Auge.

I.
Hinter dieser prometheischen Widerstandshaltung trotz Aussichtslosigkeit steckt die Überzeugung, dass in der Existenz des Menschen mehr steckt als nur die Summe seiner historischen Seinsweisen. Der Philosoph Otto Friedrich Bollnow hat dies, wie folgt, auf den Punkt gebracht: „Die Existenz bedeutet jenen innersten Kern des Menschen, der auch dann noch übrig

Drei keramische Objekte im Garten des Künstlers, Foto: Gabriele Reinemer

bleibt, ja dann erst richtig erfahrbar wird, wenn alles, was der Mensch in dieser Welt besitzen und an das er zugleich sein Herz hängen kann, ihm verlorengeht oder sich als trügerisch erweist.“ (1953). Reinemer demonstriert diesen Sachverhalt durch Sockel- und Ständerkonstruktionen, die er für seine Skulpturen und Plastiken anfertigt. Vordergründig zum Zwecke ihrer Präsentation und Rahmung konzipiert, in gewisser Weise also Behausung, bewirken sie tatsächlich das genaue Gegenteil. Sie wirken fragil und instabil, durch den Zahn der Zeit angegriffen, in ihrer Materialität und Maßstäblichkeit zu den präsentierten Kunstwerken dissonant, dazuhin disproportioniert.

Detlef Reinemer beim Ausstellungsaufbau in der Stadtgalerie Radebeul, Foto: Thomas Adler

II.
Entsprechend wirken Reinemers Geschöpfe in einer bewußt feindlichen’
Präsentation auf sich allein gestellt, unbekleidet, nackt. Und auf einmal wird ihr innerster Kern, ihre Identität offenbar. Die Podeste, Sockel und Ständer werden zu Altären, auf denen die Opfer erst sichtbar werden. Reinemers Ketzer, Außenseiter und Narren, seine Panzerköpfe und Totenschädel bewahren so ihre Würde, die man ihnen zu nehmen suchte. Diese generiert sich nicht unerheblich auch durch die Wahl der künstlerischen Mittel. Reinemer entwickelt die Identität seiner Kunstwerke stets über die Wirkung der Materialien, mit denen er arbeitet. Sie sind Teil seiner gesetzten Inhalte. So hat er zum Beispiel den noch in sich ruhenden, fromm ergebenen Hiob I in die große, ruhige Form eines abgerundeten Steins gebunden, den kranken Hiob II hingegen aus verschiedenfarbigen Keramikteilen reliefartig geschichtet, porös und zerbrechlich, für den wütenden, zum Protestschrei ansetzenden Hiob III dagegen scharfkantiges Porzellan verwendet.

III.
Im szenischen Geschehen von Reinemers Kunst verbinden sich drei Raumqualitäten: der lastende Außenraum in seiner bedrückenden Unendlichkeit, das sich in diesem und gegen diesen formierende Volumen der Skulpturen und Plastiken und schließlich die Strahlung des Materials als vorgefundene qualitative Binnenkomponente, gleichsam inhaltlich aufgeladener, materialer seelischer Innenraum. Dies alles verbindet sich für Detlef Reinemer zur „geheimen Botschaft“, so der Titel einer seiner jüngeren Objektsituationen, zur geheimen, hermetisch verschlossenen Botschaft, die er über das schöpferische Spiel seiner Kunst transportiert.

IV.
Nun feierte auch Detlef Reinemer seinen 80. Geburtstag. Von seinen ehemaligen Schülerinnen und Schülern an der HfBK Dresden hoch geachtet, den Radebeulern besser bekannt als Schöpfer des „Schnecks“, einer monumentalen Kopfplastik, die als einer der Höhepunkte des Wein- und Kunstwanderwegs am Radebeuler Hermannsberg die historische „Steinerne Schnecke“ krönt. So, wie der „Schneck“ mit ruhiger Gelassenheit über das Elbtal blickt, hat auch Detlef Reinemer im Alter zu asiatisch anmutender Ruhe gefunden, zu einer Art energetischen Offenheit: Ziel und Ankunft ungewiss.

Rainer Beck

25 Jahre Weingut Schabehorn in Meißen

Steffen Schabehorn im Weingut Foto: D. Lohse

Steffen Schabehorn, ein Meißner Winzer mittleren Alters, hatte immer schon ein bißchen mit Weinbau zu tun, auch wenn er eine andere Berufsausbildung gehabt hatte. Bereits 1983 gab es erste Versuche, Wein im Radebeuler Grundstück seines Großvaters anzubauen. Sein Ururgroßvater, Carl Arendts, königlicher Hofgärtner, betreute die Weinanlage unterhalb der ehem. Bussard-Sektkelterei in Niederlößnitz. Er wurde 1. Vorsitzender des Obst- und Weinbauverbandes der Lößnitz, hatte nach 1885 Verdienste als Reblausinspektor und kümmerte sich um pilzresistente Reben für die Wiederaufrebung, was ihm im Volke den ehrenden Namen „Vater Arendts“ einbrachte. Der Urgroßvater Karl Leopold Arendts wurde Architekt und arbeitete zeitweise bei den Baumeistern Gebr. Große in Kötzschenbroda und später in Dresden. Mit diesen Verbindungen zu Radebeul, kann auch mal ein Meißner Weingut in der Vorschau vorgestellt werden, dachte ich mir.

Ehemaliges Herrenhaus von 1748 des Deutschenboraer Weinguts Foto: D. Lohse

1994 fing Steffen Schabehorn, ein gelernter Schlosser, mit dem Kauf eines Weinbergs in Meißen als Quereinsteiger in diesem Fach an. Das Weingut wurde in einem Sörnewitzer Dreiseithof unterhalb des Boselfelsens eingerichtet, wo auch Winzer- und Keltereibedarf angeboten wurde. Noch bis 1998 wurde der Einhektarbetrieb als Nebenerwerb betrieben. bewirtschaftet. Dieses Weingut wurde u.a. infolge des Hochwassers 2002 aufgegeben.

Barocke Putte am Herrenhaus Foto: D. Lohse

Nach einer Vergrößerung der Anbaufläche auf 2,4 ha konnte dann 1999 das Weingut Schabehorn eröffnet werden – darauf bezieht sich das o.g. Jubiläum. Von den Elbhochwassern 2002 und 2013 war es sehr stark betroffen und erholte sich davon nur schwer. 2006 /07 erwarb er einen der ältesten Weinberge (erste Erwähnung 1161!) am „Proschwitzer Katzensprung“ in Zadel und hatte damit eine bewirtschaftete Fläche von 3 ha erreicht. Hier stellte sich aber heraus, dass diese Lage deutlich von Trockenheit betroffen war, vielleicht weil unterhalb einer der alten Syenitsteinbrüche liegt. 2008 schließlich erwarb Schabehorn noch eine Weinfläche in Kötitz an der Elbe, womit die Gesamtfläche auf 3,5 ha stieg. Mit einer flachen Weinfläche bei Kleinzadel erhöhte sich seine Fläche für den Weinanbau nochmals auf 4,8 ha und erreichte damit ein vorläufiges Ende. Er hat somit Anbauflächen in der Steillage, im Hochland und in Elbnähe. Etwa drei Viertel machen verschiedene Weißweinsorten und ein Viertel der Rotwein aus – die Mischung macht`s, sowohl der Lagen, als auch der Sorten. Es ist Steffen Schabehorns Erfahrung, was sich wo am besten anbauen lässt und wie sich das auf die Ernte und letztlich auf seinen Gewinn auswirkt.
2013 kam das Herrenhaus des ehem. Weingutes Deutschenbora, Dresdner Straße 72, in Meißen in seinen Besitz. Hier ist später eine Nutzung als Verkaufsbüro und vielleicht auch ein Ausschank geplant. Auf dem Plateau des Spaargebirges ergab sich dann schließlich mit dem Kauf eines Teils (der Teil von Anfang des 20.Jh.) des Wasserhochbehälters der Stadt Meißen, Boselweg 49, die Möglichkeit hochwassersichere Keller einzurichten. Daneben besteht aber der neuere Teil des Hochbehälters weiter im Sinne der Wasserwirtschaft. Am alten Behälter müssen schon noch ein paar Umbau- und Gestaltungsaufgaben gelöst werden. So sollte das etwas nüchterne Funktionsgebäude über den vier tunnelartigen Kellern wieder ein Mansarddach nach altem Vorbild erhalten und die Eingangssituation einladender gestaltet werden.

»Bacchus« – ein Wein von Schabehorn Foto: D. Lohse

Es gibt bei Herrn Schabehorn derzeit viele Ideen, zunächst muss aber die Gütertrennung nach persönlichen Problemen noch vollständig abgewickelt werden – sicherlich keine leichte Aufgabe. Ursprünglich sollten auch die erwachsenen Kinder eine Stelle im Weingut erhalten – der Sohn hatte eine Winzerlehre und die Tochter nach einer Küferlehre noch ein Studium für Önologie und Weinbau absolviert – was was nun noch unklar ist. Diese Ideen und Probleme müssen erst mal durch gute Ernten von den Anbauflächen abgesichert werden, ehe das eine oder andere eine bauliche oder funktionelle Lösung finden wird.
Selbstverständlich hatte das Weingut Schaberhorn auch unter dem Aprilnachtfrost in diesem Jahr oder unter Hagel, Starkregen oder langer Trockenheit in anderen Jahren zu leiden gehabt. Davon waren aber andere Elbtalwinzer gleichermaßen betroffen gewesen. Insgesamt sieht es mit dem Wein recht gut aus, wenn man oben auf dem Wasserbehälter stehend in die Runde schaut – man blickt nach drei Seiten auf geordnete Rebzeilen des ehem. Domprobstberges fast bis zum Horizont. Mit etwas Fantasie glaubt man hier mitten in der Toskana zu stehen, wo es ja auch Wein geben soll!
Der Wein wird im Weingut Schabehorn sowohl in Holzfässern, als auch in Stahltanks ausgebaut. Dann kommt er in die Flaschen, wird mit Naturkork verschlossen, etikettiert und geht in den Verkauf. So z.B. im Schabehorn-Verkaufsstand auf dem Herbst- und Weinfest 2024 in Radebeul.

Das Weingut am Boselweg im Bau Foto: D. Lohse

Im persönlichen Gespräch am 2. Oktober 2024 erfuhr ich, dass er da neben vielen anderen Winzern wieder einen guten Umsatz machen konnte. Inzwischen habe ich Zuhause mit einem 19er Bacchus vom Weingut Schabehorn eine Weinprobe durchgeführt: ein sehr guter Tropfen.
Zum Wohl und auf die nächsten 25 Jahre, ich wünsche gutes Gelingen!

Dietrich Lohse

PS: Als das Weingut Schabehorn noch unter der Bosel lag, war dieses das Titelbild für die Vorschau im Juli 2008 gewesen mit einem Kurztext von Sascha Graedtke.

Lust auf Tanzen – Ein Verein stellt sich vor:

Die Tanzsportabteilung des Moritzburger Sportvereins 1990 e.V.

Wer ahnt denn als Nichtinsider, wenn er am Ortseingang Moritzburg die Gleise der Kleinbahn auf der Schlossallee kreuzt, dass hinter den in die Jahre gekommenen Mauern des ehemaligen Gasthofs Lindengarten vielfältiges kulturelles Leben stattfindet?
Neben Musikschu|e, Karnevalsverein und seit 2024 sogar einem Jugendclub beheimatet der Saal des Gebäudes u.a. die Trainingsstätte der Tanzsportabteilung (TSA). Wie das Logo schon ahnen lässt, handelt es sich hier um Gesellschaftstanz. Viele von uns haben in der Tanzstunde oder in aufbauenden Kursen Tango, Jive, Cha-Cha-Cha und Wiener Walzer getanzt und diese Zeit in guter Erinnerung.
Die TSA wurde im Februar 2000 von einigen Tanzbegeisterten aus der Taufe gehoben. Die ldee war, Tänzer aus Moritzburg und Umgebung zur gemeinsamen Pflege dieses Hobbies zu vereinen. Mittlerweile kommen die Mitglieder der TSA auch aus Radebeul, Coswig und Dresden.
Der Unterschied zu einer Tanzschule ist, dass man hier keinen Kurs bucht, sondern Mitglied wird und damit die gebotenen Trainingsmöglichkeiten nutzen kann. Es gibt Angebote mit Trainer, aber auch freies Training, wo man das Gelernte für sich ausprobieren und festigen kann. Alles kann – nichts muss, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass man schnell Feuer fängt. Höhepunkte des Trainings sind Tanzsport – Wochenenden, meist im Sportpark Rabenberg im Erzgebirge, wo sich besondere Trainingserfolge und ein schönes Miteinander einstellen.

Foto: E. Tierfelder

Der Verein wird seit Jahren von den exzellenten Tänzern Madeleine und Boris Rohne aus Leipzig trainiert. Diese widmen sich sowohl dem Breitensport als auch den Turniertanzpaaren. Nun lesen Sie immer wieder den Begriff „Sport“.
Ja, das ist sicher ein gewisser Unterschied zum Tanzen an einer Tanzschule. Für die Tänzer hier steht je nach persönlichem Anspruch schon das Trainieren im Vordergrund. Und das nutzen die Breitensportler für ihre Freude und Fitness, die Turnierpaare bereiten sich damit auch auf Wettbewerbe und Meisterschaften vor. Das Turniergeschehen ist wieder eine eigene Welt mit Leistungsstufen und Altersklassen. Wer darauf Lust hat, wird von den erfahrenen Mitgliedern und dem Sportwart des Vereins unterstützt.
Und die Mehrzahl unserer Mitglieder hat darauf Lust. Gerade bei der im September 2024 stattgefundenen Sächsischen Landesmeisterschaft in Weinböhla wurden gute Plätze belegt und in zwei Klassen sogar der Titel des Landesmeisters errungen. Welches Tänzer- oder Publikumsherz schlägt nicht höher, wenn die Musik erklingt und die Paare in eleganter Kleidung und souveränen Bewegungen ihr Können zeigen. Aber wie gesagt, alles kann – nichts muss.
Der Verein möchte hiermit auch die Gelegenheit nutzen, bekannt zu machen, dass gerade im Breitensport noch freie Kapazitäten vorhanden sind. Wer als Erwachsener mit Lust schon den einen oder anderen Medaillenkurs an der Tanzschule belegt hat, hätte hier Gelegenheit, daran sportlich anzuknüpfen. Im Breitensport wird sowohl Standard als auch Latein getanzt. Das Training des Turniersports ist auf die Standardtänze beschränkt.
Tanzen ist ein schönes Hobby im Paar und mancher hat schon mal gedacht „man müsste mal wieder …“. Wo lassen sich im Paar in einem gemeinsamen Hobby schöne Bewegung, Sport, Geselligkeit und tolle Veranstaltungen vereinen? Und für die, die vielleicht Lust haben, sich mal anzuschauen, ob das für sie etwas wäre, besteht die Möglichkeit der kostenfreien „Schnupperstunde“. Das dazu geeignete Training wäre montags. Die Turnierpaare beginnen 19 Uhr, die Breitensportpaare 20.30 Uhr. Sie denken „so spät“? Ich verrate Ihnen meine Erfahrung: vorher kommt einem dieser Gedanke, danach freuen sich Körper und Geist über diesen schönen Tagesabschluss.
Übrigens, da Sie jetzt Insider sind: wenn Sie am Ortseingang Moritzburg die Gleise der Kleinbahn auf der Schlossallee kreuzen, wissen Sie nun, dass hinter den in die Jahre gekommenen Mauern des Lindengartens im Saal getanzt wird. Vielleicht trauen Sie sich, das dort mal anzuschauen und eventuell sogar mitzutanzen.
Im Namen des Vereins Michael Mitzschke


Die TSA hat auch eine Internetseite, wo weitere Informationen und die Ansprechpartner ersichtlich sind:

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