Weißes Roß

Geschichten aus der Kindheit – (Teil 4/12)

November und Advent

Der November war für uns Kinder vom Totensonntag geprägt, zumal wir wussten, dann kam der Advent. Wenn wir zu Heyls in die Gärtnerei kamen, stand Frau Heyl in dem kleinen Aufenthaltsraum, dicht umgeben von Fichtengrün, Zapfen und Statizen und fertigte seit Tagen meisterhaft Kränze und Grabsträuße an. Immer noch habe ich den würzigen Geruch des Bindegrüns in der Nase. Wir durften helfen, die braunen Käppchen von den Weidenkätzchen abzuziehen, die Vater Heyl von hinten aus dem Garten brachte. Silbrig glänzend kamen die Kätzchen aus ihrer Hülle. Am Sonnabend vor dem Totensonntag und am Sonntag selbst halfen wir mit, die Kränze und Gebinde mit dem Handwagen zum Friedhof zu schaffen. Dort wurden sie von Vater Heyl mit klammen Fingern an den Mann gebracht. Der Ostwind pfiff am Totensonntag schon eisig.
Das kriegten wir auch mit, wenn wir mit Oma hinüber nach Kaditz gingen. Durch den Grabkranz wurde ein Spazierstock gesteckt und Wolfgang und ich fassten jeder an einem Ende an. Oma trug das Herz aus blaugrünen Rentiermoos, das sie extra bei Frau Heyl bestellte und das mir besonders gut gefiel. Auf dem Heimweg sahen wir die Wintersonne hinter den Türmen von Niederwartha glühend rot untergehen und Oma sagte dazu: „Die Englein backen schon, seht wie der Backofen glüht.“ Das gab ein kribbeliges Gefühl der Vorfreude auf die kommende Adventszeit.

Gastwirt Kurt Stiller mit seinen Doggen Roland und Minka Foto: C. Grün

Wenn ich an die Adventszeit bei uns im „Weißen Roß“ denke, dann war es in den niedrigen Räumen besonders heimelig. Wir konnten es kaum erwarten, bis die Kiste mit den Adventssachen aus der Bodenkammer geholt wurde. Freudig wurde jeder Räuchermann, Engel und Bergmann, der Nußknacker mit der langen Nase und der Adventskranz wieder begrüßt. Alles wurde am alten Platz aufgebaut und Muttel steckte Fichtenzweige hinter die Bilderrahmen, die dann natürlich furchtbar nadelten.
Es war Tradition, dass am ersten Adventstag Heyls Kinder rüber kamen und wir am zweiten Advent hinüber gingen. Auch bei Heyls war die Stube adventlich geschmückt und über allem lag ein zarter Räucherkerzenduft. Die heutigen Räucherkerzen stinken in der Regel. Jedes Kind hatte bei uns in jedem Jahr immer seine besondere Tasse, es waren Mokkatässchen verschiedener Art. Meins war einem grünen Blatt nachgebildet und ich liebte es sehr. Zum Lichterschein gab es Adventsplätzchen und Kakao und danach wollten wir immer wie in jedem Jahr – von Muttel vorgelesen – Peter Rossegers „Wie ich die Christtagsfreude holen ging“ anhören. Gewissenhaft wurde an jedem Adventssontag ein Licht mehr angezündet und wenn vier Kerzen endlich brannten, dann war Weihnachten da.
Vater bastelte mir einmal ein ziemlich großes Hexenhaus, Ausschneidebogen waren damals besonders in Mode. Muttel stellt für jedes von uns Kindern ein geheimnisvolles Glas ins Fenster der Kinderstube.

Veranda mit Oberkellner Weine Foto: C. Grüen

Es war streng verboten, die Hütchen hoch zu heben, denn darunter sollten in aller finsterer Ruhe die Hyazinthenzwiebeln keimen. Zuerst entdeckten wir zarte Würzelchen im Glas, die immer voller und länger wurden. Hob die Hyazinthe ihr Hütchen selbst empor, konnte es abgenommen werden. Ein Blütenwunder in Rosa, Weiß und Blau zur Weihnachtszeit. Wie war unsere Kindheit angefüllt mit kleinen Wundern, bereitet von der Liebe aller, die um uns waren.
So ging der November unserer Kinderzeit in den Weihnachtsmonat über.

Christa Stenzel/ Christian Grün

Biblische Farbenpracht

Seit nunmehr mehreren Jahrzehnten wird die Rekonstruktion des im 2. Weltkrieg zerstörten Residenzschlosses in Dresden mit großer Energie und Leidenschaft vorangetrieben. Nach Vollendung zahlreicher Innenräume, erhält nunmehr der große Schlossinnenhof mit seiner imposanten Scraffito-Ausschmückung seinen letzten Schliff. Ein Höhepunkt, ja gewisserweise Schlussstein, stellen die wiederhergestellten Fresken der Loggia dar.
Seit Ende 2023 leuchtet sie wieder in vollem Glanz: die biblische Farbenpracht der Fresken an der Loggia im Hof des Dresdner Residenzschlosses. Wie vor über 450 Jahren ist man geblendet vom Reichtum des dekorativen und malerischen Schmucks, überwältigt von einer Fülle an Motiven und Geschichten.
Wieso ist hier so prominent ein Weihnachtsbild dargestellt, weshalb erscheint oben rechts ein Kamel, wovor scheute das Pferd unten in der Mitte und was bedeuten die kriegerischen Szenen auf den schmalen Reliefs?
Unweigerlich stellen sich bei näherer Betrachtung Fragen nach Inhalt, Idee und Konzept, aber auch danach, wie es denn dazu gekommen ist, dass diese so überraschende Schaufassade im Inneren der weitläufigen Residenzanlage der sächsischen Kurfürsten nach jahrhundertlangem Nichtexistieren wiedererstanden ist.
Darauf gibt der vorliegende Band profunde Antworten und stellt Geschichte und Gegenwart der Bilder vor. Mit Beiträgen von Ulfrid Kleinert, Marius Winzeler und Matthias Zahn.

Sascha Graedtke


 

Das Buch ist ist im NOTschriften Verlag Radebeul erschienen. Das Buch im Hardcover hat 88 Seiten, ist durchgehend farbig bebildert und kostet 16,90€. www.notschriften.com

Ein musikalischer Start in die Vorweihnachtszeit

Neues „Musik Festival Radebeul“ fast schon Tradition

Ein Gespräch mit dem Violinisten und Kultur-Initiator Albrecht Menzel

Foto: A. Hornemann

Lieber Herr Menzel, Ihre Wurzeln liegen in Radebeul. Durch welche Impulse sind Sie zur Musik, zur Geige gekommen, und wann war Ihnen klar, dass Sie das Musizieren hauptberuflich ausüben wollen?
Da bin ich ganz natürlich nach und nach hineingewachsen. Richtig angefangen, Musik zu machen, habe ich in Radebeul an der Musikschule mit vier Jahren. Meine liebevolle Lehrerin hat auch in den Ferien mit mir gearbeitet. Geliebt habe ich Musik und die Violine schon immer. Das hat sich über all die Jahre bewahrt und mich auf besondere Weise bis zum heutigen Tage getragen.
Welche Persönlichkeiten aus der Musikwelt waren bzw. sind für Sie prägend?
Ganz besonders die Zusammenarbeit mit Maestro Kurt Masur im Mendelssohn Violinkonzert e-Moll Op. 64. Da war ich 19 und er bereits über 80. Ich erinnere mich genau an den Moment, als er mich zur Probe abholte, mir die Hand gab, und an seinen menschlichen Umgang mit dem Orchester. Für immer ein großes Vorbild.
Auch die vielen Konzerte und Tourneen mit Anne-Sophie Mutter waren ein Meilenstein. Sie nimmt regen Anteil an der Entwicklung des Festivals in Radebeul, das freut mich natürlich ganz besonders. Unter der Leitung von Joana Mallwitz und Vasily Petrenko zu spielen, z.B. mit dem London Philharmonic Orchestra waren ebenfalls eindrückliche Erlebnisse.
Sie sind Jahrgang 1992. Für Ihr vergleichbar junges Alter sind Sie weltweit schon beachtenswert Rumgekommen. Welche Orte waren Ihnen besonders wichtig?
Radebeul und Wien. Radebeul ist Zuhause, Familie und Heimat. In Wien habe ich viele Jahre studiert und verbringe immer noch regelmäßig sehr viel Zeit dort. Diese Interviewfragen beantworte ich zwischen Konzerten im Wiener Stephansdom…
Sie haben die Ehre als Leihgabe der Deutschen Stiftung Musikleben die Stradivari „Lady Hallé, Ernst“ aus dem Jahr 1709 spielen zu dürfen. Was macht die Besonderheit dieses Instruments aus?
Es ist einfach ein wunderschönes Instrument mit unglaublicher Historie. Meine Geige hat schon mit Richard Wagner, Franz Liszt, Robert Schumann, Hector Berlioz, Felix Mendelssohn, Frédéric Chopin und vielen weiteren berühmten Musikern wie dem Geiger Heinrich Wilhelm Ernst auf der Bühne gestanden und musiziert. Nun darf ich sie schon seit vielen Jahren spielen und behüten.
Haben Sie Lieblingskomponisten und besonders liebgewonne Stücke? Gibt es für Sie Literatur, die Sie an technische Grenzen führt?
Ich kann mich sehr schnell für viele Komponisten und verschiedene Musikrichtungen begeistern. In der Klassik liebe ich besonders Robert Schumann und Johann Sebastian Bach. Für alle technischen Grenzen gibt es in der Musik bzw. auf dem Instrument die entsprechenden Lösungen. Diese gilt es zu finden.
Dem Radebeuler Publikum sind Sie insbesondere durch das von Ihnen ins Leben gerufene „Musik Festival Radebeul“ seit 2021 bekannt geworden. Wie kam es zu diesem Projekt? Haben Sie hierfür Sponsoren gewinnen können?
So ein Festival steht auf sehr vielen Beinen. Neben der Unterstützung meiner Heimatstadt Radebeul, der Sparkasse Meißen und weiteren Förderern, trägt uns natürlich vor allem unser Publikum und ganz viel ehrenamtliches Engagement. Begonnen hat alles mit einem einzelnen ausverkauften Konzert in der Friedenskirche, nachdem ich entschied, im darauffolgenden Jahr ein Festival zu gründen. Ich habe einen sehr breit gefächerten Ansatz, was die Auswahl der Musikwerke, Beiträge zur allgemeinen Bildung bzw. Musikvermittlung, spezielle Projekte innerhalb des Festivals anbelangt und bin sehr glücklich darüber, dass jede Veranstaltung des Festivals einen wirklich ganz individuellen Charakter hat. So ist das Musik Festival Radebeul eine neue und gern angenommene Facette geworden, die sich vor dem Herbst- und Weinfest wunderbar in den Kulturkalender einfügt. Radebeul an den Weinhängen ist ein wunderschönes Ziel. Mit unseren Spielorten und Programmen ist sehr viel Abwechslung zu erleben, von der rustikalen Fabrikhalle übers Weingut bis hin zum Güterboden oder den Kirchen der Stadt.
Sie haben mit Ihren Sommerkonzerten in Radebeul Begeisterung hervorgerufen. Jetzt gibt es erstmalig eine Winter-Edition. Was dürfen wir hier erwarten und welche Pläne haben Sie für das kommende Jahr?
Die Winter-Edition gibt’s am 14.12. um 16 Uhr im Historischen Güterboden mit einem großen Abend der romantischen Klaviertrios von Schumann, Chopin und Mendelssohn. Dabei sein werden zwei international erfolgreiche Künstler, die beide bereits beim Festival zu hören waren – Sandra-Lied Haga am Cello und Joseph Moog am Klavier. Das Konzert ist beinahe ausverkauft. Solche musikalischen Winterabende gemeinsam mit dem Publikum zu verbringen, scheint mir eine schöne Tradition werden zu können.
Das Programm des Musik Festival Radebeul für das kommende Jahr ist in den Grundzügen bereits fertig. Zusätzlich zu den Musikbeiträgen wird es auch wieder internationale Gäste geben, welche ergänzende Beiträge zu musiknahen Themen geben werden. Einblicke und Hintergründe sind interessant und berichtenswert! Ein wichtiger Aspekt des Festivals ist diese Art der Vermittlung von Musik. Jedes Konzert wird an einem anderen Spielort in unserer Stadt stattfinden und die Musiker des Festivals werden auch wieder Kinder in einer Schule besuchen.
Sie sind als Musiker weltweit unterwegs. Haben Sie dennoch berufliche Träume und Wünsche die bisher unerfüllt blieben?
Ich habe vor allem sehr viele Ideen, die es noch umzusetzen gilt…
Herr Menzel, ich bedanke mich sehr für das Gespräch und wünsche Ihnen für Ihre Ideen und Projekte alles Gute!

Das Interview führte
Sascha Graedtke


Programmhinweis:
Samstag, 14.12.2024 | 16 Uhr | 35€
Konzert WE | WINTER-EDITION
Musikalischer Winterabend
HISTORISCHER GÜTERBODEN
TSW, neben dem Bahnhof Radebeul Ost, Am Alten Güterboden 3, 01445 Radebeul
Robert Schumann: Klaviertrio op. 110 g-Moll
Frédéric Chopin: Klaviertrio Op. 8 g-Moll
Felix Mendelssohn: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll Op. 49
Albrecht Menzel, Violine
Sandra Lied Haga, Violoncello
Joseph Moog, Klavier

 

 

Gegangen, um in Erinnerung zu bleiben

Ein sehr persönlicher Nachruf auf Herbert Graedtke (*9.12.1941, +18.9.2024)

Foto: B. Kazmirowski

Im Sommer 1994 hatte mich Dietrich Lohse, Vater eines meiner engsten Schulfreunde, angesprochen und mich gefragt, ob ich denn nicht Interesse hätte, für „Vorschau & Rückblick“ zu schreiben. Schließlich sei ich als Student der Germanistik ja prädestiniert dafür. Bei meinem ersten Besuch in der Redaktion im September stellte ich der Runde aus erfahrenen Schreibern – darunter Wolfgang Zimmermann und Dieter Malschewski – die Frage, worüber ich denn überhaupt schreiben sollte? Wie denn ein Thema zum Schreiber käme – oder müsste dieser sich ein Thema etwa suchen? Ich kann den genauen Ablauf natürlich nicht mehr rekapitulieren, aber eines weiß ich: Dieter Malschewski hatte schließlich festgelegt, dass ich im Herbst einmal über eine Premiere an den Landesbühnen Sachsen schreiben sollte, ich möge doch bis zur nächsten Redaktionssitzung mal schauen, was mich anspräche. Mit diesem Auftrag versehen widmete ich mich dem Spielplan und stellte fest, dass im November die Premiere von Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ anstünde. Von diesem Stück hatte ich schon gehört. Ich fand auch heraus, dass die Hauptrolle des Willy Loman Herbert Graedtke spielen würde, was mich sofort elektrisierte, denn dieser Schauspieler war nun wiederum der Vater eines weiteren sehr guten Freundes, Sascha Graedtke (der einige Jahre nach mir auch zur „Vorschau“ stoßen sollte und inzwischen verantwortlicher Redakteur ist). Ich hatte Herbert Graedtke in den Jahren zuvor das eine oder andere Mal getroffen, war als ein Freund seines Sohnes mit ihm bekannt gemacht worden. Manches Mal hatten Sascha, weitere Freunde und ich nach einer Aufführung an den Landesbühnen noch in der Theaterkneipe oder der „Goldenen Weintraube“ gesessen und über das gesehene Stück gesprochen, gelegentlich kam Herbert Graedtke dann zu uns jungen Leuten dazu und bereicherte die Runde mit Anekdoten und Kommentaren. Bei der Redaktionssitzung im Oktober 1994 schlug ich Dieter Malschewski deshalb vor, dass ich begleitend zur Premiere ja auch den Protagonisten interviewen und ein Porträt für das November-Heft 1994 verfassen könnte. Dieser Vorschlag wurde gelobt und so vermittelte mir mein Freund Sascha einen Besuchstermin bei seinem Vater. Am 12. Oktober 1994 betrat ich also aufgeregt das Haus des Schauspielers in der Niederlößnitz, was die Voraussetzung für meinen allerersten Artikel in „Vorschau & Rückblick“ war, der im Heft 11/94 unter dem Titel „Tod eines Handlungsreisenden oder das Leben eines Schauspielers“ erschien. In diesem Beitrag schlug ich einen biografischen Bogen und berichtete von Graedtkes Werdegang von den Anfängen im Berlin der Nachkriegsjahre, seinem Studium an der Filmhochschule Babelsberg ab 1960, seinen ersten Rollen in Zeitz und dann ab 1965/66 in Radebeul, seinen Ausflügen in den Film und wie er sich auf die bevorstehende Premiere vorbereitete.1
Damals, Mitte der 1990er Jahre, war Herbert Graedtke unter allen Schauspielern der Landesbühnen Sachsen derjenige, der am sichtbarsten in die Stadtgesellschaft Radebeuls ausstrahlte und mit seiner Lebens- und Gestaltungsfreude Menschen für Ideen begeisterte. Er war Mitbegründer des Fördervereins des Internationalen Wandertheaterfestival Radebeul und sein langjähriger Vereinsvorsitzender, das seit 1996 mit dem Herbst- und Weinfest in Kötzschenbroda eine harmonische Allianz eingegangen ist und dem Herbert Graedtke mehr als zwei Jahrzehnte als volksnaher Bacchus mit den Weinköniginnen an der Seite seinen Stempel aufdrückte. Einige Jahre zuvor, 1992, hatte er die Karl-May-Festtage mitbegründet und den berühmt gewordenen Sternritt initiiert, wobei ihm seine Verbindungen in die Karl-May-Fanszene zupass kamen, schließlich hatte Graedtke damals schon einige Jahre auf der Felsenbühne Rathen sowohl als Old Shatterhand agiert als auch ab 1987 Regie geführt. Auch das Karl-May-Fest überdauerte die Nachwendeeuphorie und ist inzwischen ein fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders in Radebeul und Pflichttermin für die zahlreichen Karl-May-Fans aus Deutschland und darüber hinaus. Kein Wunder, dass Graedtke dann 2006 für sein umfangreiches Engagement mit dem Kunstpreis der Stadt Radebeul geehrt wurde, bevor er im Sommer 2007 aus dem Ensemble der Landesbühnen ausschied und in den nächsten Jahren zahlreiche Engagements in der Theaterlandschaft Dresdens annahm, so u.a. an der Comödie Dresden und als Märchenerzähler in der Yenidze. Das letzte Mal, als ich Herbert Graedtke auf der Bühne erlebte, war im Juni 2019 in einer Inszenierung der „Lustigen Witwe“ an der damals gerade neueröffneten Staatsoperette Dresden im Kraftwerk Mitte. Ich merkte Herbert – längst duzten wir uns – an, dass er körperlich schon nicht mehr ganz der Alte war, ich wusste von gesundheitlichen Beschwerden. Meines Wissens markiert das Engagement als Gast an der Staatsoperette das Ende seiner fast 60 Jahre währenden Bühnenkarriere. Zwei Jahre später, Ende Mai 2021, hatte Herbert seinen wahrscheinlich letzten Auftritt vor großem Publikum, als ihn der Intendant der Landesbühnen, Manuel Schöbel, vor einer Neuinszenierung des „Winnetou“ auf der Interimsspielstätte im Lößnitzgrund für seine Verdienste als Mitwirkender bei Karl-May-Inszenierungen ehrte (siehe dazu auch mein Interview im Heft 7/2021).
Ich weiß nicht, wie ich damals vor 30 Jahren als junger Mann auf den weltgewandten, etablierten und renommierten Schauspieler gewirkt hatte. Danach hatte ich ihn nie befragt. Meinen Artikel musste ich vor Drucklegung Korrektur lesen lassen, das hatten wir so ausgemacht und das war mir als Neuling auch sehr angenehm. Schließlich wollte ich mich ja nicht blamieren! Unserem Treffen sollten noch etliche mehr im Laufe der nächsten 25 Jahre folgen, die allesamt im privaten Raum stattfanden, anlässlich von Familienfeiern oder aber auch zur gemeinsamen Weinlese. Immer erlebte ich Herbert als einen unterhaltsamen Gesprächspartner, der bereitwillig über sich und seine gerade einstudierten Rollen Auskunft gab. Sein leicht schnoddriger, berlinerisch gefärbter Dialekt kam in einem wunderbar weichen Timbre daher, mit seiner Stimme nahm Herbert Zuhörer für sich ein. Herrlich, mit wieviel Liebe er auch über seine Tiere sprach, jahrelang ließ er nahe des Bahndamms der Schmalspurbahn Schafe weiden, hatte er auch Tiere um sich zu Hause. Bewundernswert, wie er sich später im Unruhestand auch politisch engagierte und für die SPD im Stadtrat saß. Gesellschaftlich-politische Missstände wollte er verändern helfen, auch gegen Widerstände.
Herbert Graedtke hat also viele Spuren hinterlassen und unserer Stadt und seinen Bewohnern über Jahrzehnte mit seiner Ausstrahlung gedient und sein Publikum begeistert. Die Trauergemeinde anlässlich seiner Beisetzung am 23. Oktober auf dem Friedhof Radebeul-Ost war deshalb groß und ein Ausdruck des Respektes, den dieser verdienstvolle Mitbürger genießt. Neben ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, Lokalpolitikern und Künstlern war auch die Radebeuler Bürgerschaft insgesamt vertreten. Viele davon trugen ihre ganz persönlichen Gedanken an den Schauspieler, engagierten Mitbürger und Freund mit sich und verabschiedeten sich von einem Menschen, an dem man sich nur mit Dankbarkeit und einem Lächeln erinnern kann. Danke, Herbert, für deine Kunst und Menschenfreundlichkeit.
Bertram Kazmirowski

100 Jahre Museum Hoflößnitz, Teil 11

Das »Churfürstliche Weinbergfest« vom 3. bis 6. Oktober hat in diesem Jahr einmal mehr tausende Besucher begeistert, und ein Grund für den besonders großen Andrang am Sonntag war zweifellos der mit 150 kostümierten Teilnehmern (gar nicht so) kleine Winzerzug vom Hörningplatz zur Hoflößnitz, dessen Strecke von einem dichten Spalier schaulustiger Weinfreunde gesäumt war. Im Jubiläumsjahr durfte eine solche Parade nicht fehlen, denn fast auf den Tag genau 100 Jahre vorher, wir hatten es in Teil 7 erwähnt, war, organisiert durch den Vorstand des jungen Museums, der erste große neuzeitliche Winzerzug durch die Straßen der Lößnitz marschiert, beim damals ebenfalls von 3. bis 6. Oktober veranstalteten Winzerfest der Lößnitz 1924, dem hier ein kleiner Exkurs gewidmet sei. Die ›Dresdner Neuesten Nachrichten‹ nannten es tags darauf

»Ein Fest der Hunderttausend«


Wie der edel gestalteten Festschrift zu entnehmen ist, ging die erste Initiative dazu von Ewald Bilz, Mitinhaber des Bilzsanatoriums, aus, den an einem schönen Maienmorgen 1924 beim Rundblick vom anstaltseigenen »Mäuseturm« folgende Vision anwandelte: »Wie Nizza seinen alljährlichen berühmten Karneval hat, zu welchem aus aller Welt die Besucher herbeiströmen, so wird auch unsere Lößnitz in Zukunft ein alljährlich wiederkehrendes großes Heimatfest feiern, in dem die prunkvollen Winzerfeste zur Zeit August des Starken ihre Wiederauferstehung erfahren sollen.« Am 22. Juli trug Bilz die Idee im Oberlößnitzer Kurausschuss vor, der beschloss, »der Lößnitz ein altes sinniges, durchaus bodenständiges Volksfest wiederzugeben, in dessen Mittelpunkt das Heimathaus Hoflößnitz stehen sollte«. Die künstlerische Leitung wurde Museumsvorstand Dr.-Ing. Alfred Tischer übertragen. Die erste Vorbesprechung, zu der alle Vereine der Gegend eingeladen waren, fand am 1. August in der »Goldenen Weintraube« statt. Dr. Tischers Appell, dass gerade der Ernst der von politischer und wirtschaftlicher Not geprägten Zeit erfordere »darüber nachzudenken, mit welchen Mitteln es möglich ist, der Volksseele einige Tage der Erfrischung und Erbauung in dem trüben Grau des Alltags zu bieten«, fand dort breiten Anklang. Gut 60 Vereine erklärten sich zur Mitwirkung bereit, und die Übersicht der für die Festvorbereitung gebildeten Ausschüsse liest sich wie das Who-is-Who der Lößnitz.

Archiv Hoflößnitz

Dass wir uns heute noch ein lebendiges Bild vom Höhepunkt des Festes, dem Winzerzug am 5. Oktober von der Hoflößnitz über Radebeul nach Kötzschenbroda, machen können, liegt daran, dass die Organisatoren die »Heimatfilm-Gesellschaft Dresden« ins Boot holten, um das Ereignis mit dem »Zaubermittel« der Kinematographie zu verewigen. 2015 hat das Stadtarchiv Radebeul dieses Zeitdokument mit einer von Manfred Kugler gestalteten musikalischen Tonspur auf DVD herausgegeben (»Winzerfest der Lössnitz [!], ca. 40 min). Es zeigt, was der DNN-Reporter so schildert:
»Was alte Bilder nur zeigen konnten, was Phantasie des einzelnen sich ausgedacht, das zog mit zahllosen Wagen, Reitern, zu Fuß und in jeder Kostümierung vorüber. Winzer in alten Trachten. Musikkapellen in Uniformen vor 80 Jahren. Ein prächtiger Festwagen des Herbstes, Allegorie aus dem Barock, mit allen Genien und Geistern, die dazu gehören. Bacchus im Siegeswagen, Bacchantinnen und Bacchanten. Ein Amor auf der Tonne mit seinem Gefolge. Nach dem mythologischen ein historischer Teil, Gardisten, Kapellen, Barockuniformen. Kostbare alte Wagen aus kurfürstlicher Zeit. Herren und Damen in alter Tracht, aus den alten Postkutschen grüßend. Der dritte Teil des Festzuges ist dem Weinbau und der Weinbereitung gewidmet. Der Kapelle zu Fuß folgt der Bergvogt und Bergmeister zu Pferde. Der berühmte Winzer des Barock, Paul Knoll, ist mit dabei. Und der älteste Winzer der Lößnitzorte, ein 90jähriger, fährt mit. Biedermeier-Gestalten, Bürger und Bürgerinnen, Winzer und Winzerinnen, allerhand Volk. Weinbutten und Riesentraube. Preßbeilträger und Pritschenleute. Wagen des Weinbaues, der Kelterei, der Böttcherei, auch ein heiteres Weinpantscherbild, die Sektbereitung, der Flaschenabzug, Ausschank und vieles andre. Und zum Schluß Obstbau und Landwirtschaft. Die Üppigkeit der Lößnitz-Früchte und ­Blumen feiert hier Triumphe! Endlos der Zug. Großartig die Zuschauermasse, die seit dem Vormittag mit der Eisenbahn, der Straßenbahn, im Auto, Wagen, zu Rad und zu Fuß hinausgeströmt war in die Lößnitz. Hunderttausend Menschen und mehr haben sich an diesem bunten Zug gefreut.«
Die Presse urteilte einhellig: Das Fest und der 1400 Mitwirkende umfassende Festzug seien »ein gewaltiger Erfolg« (›Dresdner Nachrichten‹) gewesen, und: »Es wird gewiß nicht wieder 84 Jahre [wie seit dem Winzerfest von 1840] dauern, bis das nächste folgt.« (DNN) Tatsächlich sollten bis zu einem vergleichbaren Winzerfestzug durch ganz Radebeul sogar noch ein paar Jährchen mehr vergehen, bis 2015, womit wir wieder bei der jüngeren Geschichte der Hoflößnitz angelangt sind. (Schluss folgt.)
Frank Andert

Editorial

Und schon wieder neigt sich ein überaus ereignisreiches Jahr dem Ende zu!
Die Natur zeigt sich dieser Tage nochmals mit großer Kraft und vollster Farbenpracht, bevor der November im üblich düsteren Grau versinkt.
Was für ein Jahr für Radebeul?! Die Festivitäten und Veranstaltungen zu „3 x 100“, 100 Jahre Stadtrecht Radebeul, Stadtrecht Kötzschenbroda und Weinbaumuseum Hoflößnitz finden ihren Abschluss.
Der traurige Anblick aller Weinberge nach dem verheerenden Spätfrost im Frühjahr wich einem gewissen Trost im Herbst, wo die Winzer in Abhängigkeit ihrer Lagen doch noch den einen oder anderen hoffnungsvollen Tropfen in die Fässer brachten.
Mit den fallenden Blättern schließen nun leider auch die herrlichen Straußwirtschaften, mal versteckt, mal gipfelthronend, immer wieder zu ausgedehnten Spaziergängen zwischen den Weinbergen einladend.
Wer alsbald ein gemütliches Plätzchen mit regional-kulinarischen Freuden sucht, dem sei die in diesem Jahr neueröffnete Lößnitzbar auf dem Gelände des Lößnitzbades empfohlen. Mit Stil und Leidenschaft wurde der einst öde Gastraum zum gern Verweilen hergerichtet, und bietet mit Ausstellungen, Livemusik oder Lesungen ein überaus buntes kulturelles Angebot. Lassen Sie sich überraschen!
Ein anderer Gasthof, seit Jahren in Gestalt des Lügenmuseums erlebbar gewesen, wird wohl hingegen (für immer?) verschlossen bleiben.
Aber vielleicht ist das auch nur eine Lüge…

Sascha Graedtke

 

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Und dann steht alles plötzlich auf Abschied: Die farblich so schön gefaßten Wälder werden nach und nach kahl und über die trostlos stoppelig grauen Felder bläst ein steter rauer Wind und läßt erkennen, daß er bald auch anders kann. Wer jung ist, oder jung geblieben, hat sich in aller Heimlichkeit jedoch schon genau darauf gefreut: endlich wieder Drachen steigen lassen und so ein paar „Himmlische Augenblicke“ ganz eigener Prägung schaffen zu können.

Das Blatt für den Oktobermond stammt – anders als die bisherigen Titelgrafiken – aus dem Jahr 1998. Da war der Künstler selbst noch ein gutes Vierteljahrhundert vom eigenen Herbst entfernt und vielleicht sogar noch nah genug an eigenen „Drachenerlebnissen“.

In der für seine Flächenholzschnitte typischen knappen Zeichnung wird wieder eine ganze Welt lebendig: karge graue Stoppelfelder, eine mit Haus und Turm an den Hang geschmiegte Stadt, ein weiter, von einzelnen Wolkenspielen bevölkerte Himmel und schließlich die beiden Menschenkinder mit ihrem Drachen sind wirkungsvoll in Szene gesetzt.

Noch als Betrachter spüre ich den frischen Wind, und gleich fühle ich mich zurückgesetzt in die Freude an der „Drachenpost“, die wir nicht müde wurden, dem frohen Flieger an der langen Leine zuzusenden.

Lebhaft erinnere ich mich, wie immer einer von uns zum Markt fahren mußte, neue Drachenschnur zu kaufen, denn „Unserer“ wollte, wie wir selber späterauch, immer weiter und weiter weg.

Nun holt Michael Hofmann mit einem Holzschnitt „himmlische Augenblicke“ einer vergessen geglaubten Welt in den Herbst des eigenen Lebens zurück.

Thomas Gerlach

Ein schwarzer Tag!

Lügenmuseum geschlossen

Alle, die noch halbwegs bei Troste waren, haben dem 12. August entgegengefiebert, dem Tag, der über das künftige Wohl und Wehe des Lügenmuseums in Radebeul entscheiden sollte. Man wollte, man konnte sich nicht vorstellen, dass die Verantwortungsträger der Stadt, alle die vielen Bekundungen, die fachlich potenten Einschätzungen und Urteile von anerkannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über die außergewöhnliche kulturelle und künstlerische Einrichtung einfach vom Tisch fegen. Dürfen die vielen Bekundungen nur deshalb nicht recht haben, weil sie nicht ins Kalkül passen und ein Stück Vertragspapier mehr Kraft entfaltet als die gelebte Kultur?

Nach dem Gespräch war dennoch Entspannung angesagt. Man hatte einen Kompromiss gefunden, der zwar nicht zu einem besseren Vertrag führte und damit nicht zur Sicherung des Museums für Radebeul, aber Zeit gewann: Schließung des Museums per 1. September 2024, aber Asyl bis 31. März 2025!

Jetzt war die Möglichkeit gegeben, in Ruhe über eine Lösung im Interesse der Bürger, der Touristen der Pensions- und Hotelbesitzer, der Stadtverwaltung und des Künstlerehepaares Zabka nachzudenken. Ein Verlust des ältesten Gasthofes der Stadt oder gar des Museum selbst, welches der bekannte Schauspieler Martin Brambach als „weltweit einzigartig“ bezeichnet – so denkt man –, kann doch auch der Oberbürgermeister Bert Wendsche nicht wollen.

Das Lügenmuseum – letzte Aufnahme?, Foto: K. (Gerhardt) Baum

Am 16. August wusste die Sächsische Zeitung Online von dieser Übereinkunft zu berichten und von einer nochmaligen Ausschreibung des Objektes in diesem Jahr. Auch ein Interessent sei vorhanden. Bereits für die Septemberausgabe hatte ich deshalb einen hoffnungsfrohen Beitrag zum Lügenmuseum verfasst, den ich aber kurzfristig zurückziehen musste, weil sich erneut die Situation zugespitzt hatte, aber der Redaktionsschluss bereits überschritten war. Nach einigem weiteren Mailverkehr zwischen Stadt und Lügenmuseum war dann offensichtlich die Geduld bei der Stadtverwaltung aufgebraucht. Sie bestand nun auf ein schriftliches Übereinkommen für ein Übergangsmietvertrag und die unbedingte Einhaltung der darin aufgeführten Punkte. Eine geplante Schlüsselübergabe kam nicht zustande.

Die Stadt sieht sich rein formal auf einer rechtlich, juristisch sicheren Position. Selbstverständlich ist es ihre freie Entscheidung, mit ihrem Eigentum nach eigenem Gutdünken umzugehen. Ob sie sich dabei aber auch auf sicheren moralischen Grund bewegt, muss angezweifelt werden. Sie kann natürlich ihre Vorstellungen von der Vertragsgestaltung durchsetzen. Aber handelt sie dann noch im Interesse aller ihrer Bürger und ihrer Aufgabe, alles für eine allseits entwickelte Kultur in ihrer Stadt zu tun, wenn auch dieses Museum den Ort verlassen muss?

Kommt es soweit – und die gegenwärtige Entwicklung lässt dies befürchten – wird Radebeul mit Gewissheit in die Geschichte eingehen, aber als eine Stadt, die sich in kurzer Zeit von einer Stätte der Künste zu einem Ort des Verlustes von Kulturgut entwickelt hat. Diese Einschätzung braucht man nicht ausschließlich am Umgang mit dem Lügenmuseum festzumachen. Die kulturelle Talfahrt ist seit langem sichtbar und hat nicht erst mit der Schließung des Zeitreisemuseums begonnen. Jeder kulturinteressierte Bürger aus Radebeul und Umgebung kann die Verluste selbst an den Fingern abzählen. Zwei Hände reichen nicht! Die Stadt hat alle Chancen in die Negativliste des „Deutschen Zentrums [für] Kulturgutverluste“ aufgenommen zu werden. Von überalterter Künstlerschaft, fehlenden preisgünstigen Atelierräumen, von den verkauften, verpachteten, vermieteten oder abgerissenen Gebäuden, die einer anderweitigen Nutzung hätten zugeführt werden können oder von den Ungereimtheiten der bisherigen kulturellen Entwicklung ganz zu schweigen.

Das Kulturentwicklungskonzept der Stadt Radebeul – kaum beschlossen – hat bereits einige „blinde Flecke“. Mag das Verhalten von Herrn Zabka kritikwürdig sein. Seine künstlerischen, bildenden und kulturpolitischen Leistungen sind unumstritten.

Das Signal, welches die Stadt aussendet, ist jedoch verheerend: Engagement wird scheinbar nicht gebraucht! Denn wir wissen allein, was richtig und wichtig ist. Alternativen wurden nicht diskutiert, die Stadtgesellschaft nicht mit einbezogen. Eine städtische Kultur sollte sich durch Vielseitigkeit auszeichnen und nicht allein durch Tradiertes. Aber dieser 1. September 2024 wird als ein „schwarzer Tag“ für die Bürger eingehen. Stadtverwaltung und Stadtrat bestimmten, was für eine Kultur, für eine Kunst, der Bevölkerung zugemutet werden kann! Wenn das die große Freiheit ist, dann will ich gern verzichten.

Am Anfang jeder Barbarei steht immer auch der Angriff auf die Kultur. Oder mit Peter Hacks gesprochen: „Erst vergammeln die Zwecke, dann die Mittel.“

Karl Uwe Baum

„Wahr-Zeichen. Zeitzeugen der Geschichte“


Unter dieses Motto hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals im Jahr 2024 gestellt.

Unser Verein präsentierte am 8. September sein neuestes Projekt, den Pavillon am Mohrenhaus an der Moritzburger Str. 51 in Radebeul. Bereits 2022 konnten wir eine „KulturSpur“ hierhin legen.

Nachdem am Tag zuvor zahlreiche Helferinnen und Helfer aus dem Verein den Pavillon und das Umfeld intensiv geputzt hatten, öffneten wir um 10 Uhr den Pavillon.

Kaffeehaussalonkapelle Dresden, Foto: Archiv Verein für Denkmalpflege und Neues Bauen Radebeul

Für die deutlich über 200 Besucher gab es bei Kaiserwetter neben Führungen und Informationen am Pavillon und zur künstlichen Ruine auch Musik und Wein. Den Auftakt machte das Hornquartett der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz. Dann trat ein Trompeten-Duo der Musikschule Radebeul auf. Am Nachmittag sorgte die Kaffeehaussalonkapelle Dresden für heitere Stimmung bei Kaffee und Kuchen.

An dieser Stelle bedanken wir uns bei allen Beteiligten im Vorfeld und am Tag des offenen Denkmals herzlich für ihr Wirken!

Die zukünftige Nutzung des Pavillons aus dem Jahr 1876, der künstlichen Ruine und des angrenzenden Parkareals, liegt unserem Verein und der Stadt Radebeul sehr am Herzen. Warum sollten dort nicht eines Tages kleine Konzertnachmittage oder Lesungen stattfinden und ein Glas Bussard Sekt gereicht werden? Ein „Musikpavillon“ in der Tradition der „Musik-Salons“ des 19. Jahrhunderts vielleicht? Derartige Abendveranstaltungen haben wohl tatsächlich im Mohrenhaus stattgefunden.

Gefragt sind nun vor allem Ideen zur zukünftigen Nutzung. Hier sprechen wir gern auch die Leserschaft dieses Heftes an und freuen uns auf Ihre Anregungen! Oder wissen Sie vielleicht noch mehr zum Pavillon oder zum Park?

2026 feiert der Pavillon seinen 150. Geburtstag! Wir wollen ihn mit Leben erfüllen!

?Unser Hauptaugenmerk gilt jetzt natürlich der Spendenaktion zur kompletten Sanierung und Rekonstruktion des Pavillons. Unser Ziel ist es, spätestens im Frühjahr 2025 mit den ersten Arbeiten beginnen zu können. Wir setzen wieder auf die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und den Behörden des Denkmalschutzes!

Der Hinweis dazu befindet sich im gesonderten Flyer oder unter www.denkmalneuanradebeul.de

Jörg Müller und Robert Bialek

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