In Allem schwingt ein Ton

Foto: M. Reichel

Im 14-tägigen Rhythmus kündet mittwochs in der Bahnhofstraße 19 eiliges Fußgetrappel auf der Außentreppe zum „Musik-Salon impulssein“ hinauf von reger Teilnahme und großer Vorfreude auf die folgenden zwei Stunden.
Ganz gleich, wie anstrengend oder lang der Tag war – niemand möchte die Chorprobe missen. Jeder freut sich auf den Genuss von lebendiger Fülle – in Gemeinschaft und gleichzeitig in großer Aufmerksamkeit für sich selbst.
chorus resonia ist ein freier, gemischter Chor, der sich, unter der Leitung von Edith Maria Breuer, mit Leidenschaft dem Entwickeln des eigenen und gemeinsamen Klangs widmet.
Jedes gemeinsame Proben ist ein kreatives Aufblühen mit der Hingabe in den Moment.
In dem Zulassen auf das Hinhören und Zwischenhören finden wir Tiefe und Ruhe, die den Raum für Entfaltung und Wahrheit ermöglichen.
Die Schönheit der Musik lebt von den Pausen. Die Stille zwischen den Tönen, die Zeit des Atmens sind wesentlich beim Singen. Der Atem ist unsere wichtigste Brücke; hinüber zum nächsten Ton, nah heran an die Mitsängerinnen und Mitsänger an unserer Seite und intensiver in jeden selbst.
Einhergehend mit der großen Freude an dem Miteinander-Singen entwickelt der Chor (s)einen unverwechselbaren und berührenden Gesamtklang. Von diesem kann man sich gern verzaubern lassen.

Dafür gäbe es schon bald ein paar Möglichkeiten:
Im Rahmen von „Kunst geht in Gärten“ in Radebeul am 20. Juni 2026 und beim Adventskonzert in der Johanneskapelle am 12. Dezember 2026 um 16 Uhr wird chorus resonia zu erleben sein.
Als Radebeuler Chor freut sich chorus resonia besonders über heimische Auftritte. Stolz ist der Chor aber auch auf das anstehende Gastkonzert in der wunderschönen Schlosskirche Jahnishausen bei Riesa am 10. Mai 2026 um 16 Uhr unter dem Titel „Mit Leib und Seele“.
Dieses Konzert werden wir zusammen mit dem Chor „vocalis“ (auch unter der Leitung von Edith Maria Breuer) als ein erstes gemeinsames Projekt unter dem neuen Chornamen „chorusvocalis“ gestalten.
Herzliche Einladung zu den Konzerten oder auch zu einer der Chorproben!
Wir freuen uns auf Sie!

M. Zacharias
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Infos unter: www.impulssein.com

Radebeul liest…

Im März ist wieder Lesezeit in Radebeul. Gewerbetreibende, Händler und Gastronomen laden ein zu einer großartigen Lese-Tour quer durch die Stadt. Einen Monat lang gibt es zahlreiche kleine, feine Lesungen sowohl für große als auch kleine Leute. Das Besondere daran sind die vielen verschiedenartigen, mitunter recht ungewöhnlichen Lese-Orte im gesamten Stadtgebiet.

Sonntag, 1. März, 16 Uhr, Weingewölbe, Hoflößnitzstr. 82

Zum Auftakt geht´s an einen ungewöhnlichen Ort: einen ehemaligen Bunker im Weinberg. „RADEBEUL Ein Lese Buch“ aus dem Notschriftenverlag verrät, was es damit auf sich hat. Thomas Gerlach und Jürgen Stegmann lesen Geschichten und Gedichte aus und über Radebeul. Den passenden Wein dazu sowie einen kleinen Imbiss hält Winzer Thomas Teubert parat.

Montag, 2. März, 17.30 Uhr, Stadtbibliothek Ost, Sidonienstr. 1c

Der Kulturverein der Stadtbibliothek lädt zum Gespräch über Literatur. „Nikolai Karasim: Briefe eines russischen Reisenden“. Ein junger russischer Adliger unternimmt Ende des 19. Jhd. eine Reise durch Westeuropa und kommt in Paris mit der französischen Revolution in Berührung.

Dienstag, 3. März, 19 Uhr, Gartenzimmer im Lutherhaus der Friedenskirche, Altkö 40

Frauen & Männer – Männer & Frauen“ . Der Dresdner Autor und Pfarrer i.R. Hans-Jörg Dost erzählt vom tatsächlichen Leben. Musikalisch wird er von Norbert Arendt am Flügel begleitet. In jeder Geschichte sind Frauen und Männer, Männer und Frauen für einander von unübersehbarer Bedeutung – in ihrer Verfehlung wie auch zu ihrem Glück.

Donnerstag, 5. März, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Ost, Sidonienstr. 1c

Lesung mit musikalischer Begleitung: Jürgen Stegmann liest aus „Landesbühne“ von Siegfried Lenz. Während einer Theatervorstellung in der JVA verlassen Häftlinge mit dem Bus der Landesbühne das Gelände. Bei einem Volksfest werden sie für die lang erwarteten Schauspieler gehalten. Jetzt müssen sie all ihr Talent einsetzen, damit der Schwindel nicht auffliegt.

Voranmeldung notwendig: Stadtbibliothek Radebeul-Ost, Tel. 0351 8305232 oder bibliothek@radebeul.de

Samstag, 7. März, 14 Uhr bis „open end“, Lößnitzbar – Lokal & Bühne, Fabrikstraße 47 (am Lößnitzbad)

Die „Lößnitzbar“ beendet ihre Winterpause – mit zwei Lesungen am gemütlichen Kamin und Weltmusik am abendlichen Lagerfeuer.

14 Uhr: „Böhmische 21“ heißt der Erzählband von Edward Güldner, aus dem Schauspieler Michael Heuser liest, musikalisch begleitet von Peter „Salbei“ Schlott. Geschichten aus der Dresdner Neustadt – Geschichten aus der wilden und anarchischen Wendezeit.

17 Uhr: Monika Groth erzählt eine Geschichte über Freiheit, Musik und Erwachsenwerden. „Mixtape of an Eastern Girl“ ist ein autofiktionaler Roman über das Aufwachsen in der DDR, weibliche Selbstermächtigung und Musik als existenzielle Überlebenshilfe. Joni Müller wächst auf zwischen Plattenbau und leiser Rebellion, Sehnsucht und Widerspruch. Musik wird ihr Fluchtpunkt.

19 Uhr: Krambambuli spielt Weltenmusikgroovejazz aus Swing-Manouche, Musette, Osteuropa, Tango & mehr… Besetzung: Akkordeon, Kontrabass, Gitarre, Geige, Klarinette, Drums

Montag, 9. März, 16 Uhr – für Kinder, Hairdesign4you, Hauptstr. 13/15

Gabriele Namiss stellt das Kinderbuch „Alle nannten ihn Tomate“ von Ursel Scheffler vor: Man sieht niemandem an der Nase an, was für ein Mensch er ist. Eine anrührende Geschichte, die unter die Haut geht.

Dienstag, 10. März, 19 Uhr, Galerie Oberlicht, Altkö 23

Dresden im Fokus der Wendezeit“. Holger Oertel und Jens Kuhbandner lesen ihre Beiträge zu der im Radebeuler Sonnenblumenverlag erschienenen Anthologie. Sie erinnern sich an die Jahre 1988 bis 1992 in Dresden, an die letzten Momente eines gesellschaftlichen Experiments namens DDR, an die Tage seines Untergangs und die Monate danach, in denen das Neue die alte Ordnung noch nicht ersetzt hatte. Zeit des Vakuums, Zeit ungeahnter Möglichkeiten.

Donnerstag, 12. März, 18 Uhr, SparkassenBeratungsCenter, Hermann-Ilgen-Str. 28

Die Radebeuler Autorin Tessa Maelle stellt uns zwei Bücher vor: »Der Riss im Traumnetz«, ihren Fantasyroman über ein Matriarchat mit uralten Göttinnen, und den Krimi »Plastic Girls«, in dem vier Freundinnen den Ozean vom Plastikmüll befreien wollen. Lese-Ort ist das ehrwürdige Sparkassengebäude in Kötzschenbroda, wo das Geldinstitut bereits seit 90 Jahren sein Domizil hat.

Donnerstag, 12. März, 19 Uhr, Lößnitzbar – Lokal & Bühne, Fabrikstraße 47 (am Lößnitzbad)

Sebastian Caspar ist Liedermacher, Autor und Sozialarbeiter. In seinen Texten und Songs geht es nicht um Pose, sondern um Erfahrung – um Absturz, Abhängigkeit, Scham, Verantwortung und den mühsamen Versuch, wieder aufrecht zu leben. Er stellt sein autobiografisch geprägtes Buch „Zone C“ vor.

Freitag, 13. März, 18 Uhr, Münch`s Backstube, Moritzburger Str. 34

Jürgen Stegmann stellt „Die Badende von Moritzburg“ vor, eine Sommernovelle von Ralf Günther.
Die junge Clara befindet sich aufgrund einer Erkrankung im Lahmann-Sanatorium Dresden, wo sie der Arzt Dr. Brandstetter zu einem Ausflug nach Moritzburg einlädt. Dort lernt sie die Brücke-Maler Erich Heckel, Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner kennen. Und ein neues Leben beginnt.

Samstag, 14. März, 16 Uhr, Kleingartensparte Elblößnitz, Kötzschenbrodaer Str. 94

Lesung unterm Apfelbaum für Klein und Groß“: Die preisgekrönte Dresdner Nachwuchsautorin Marie Dreßler (18) liest für kleine Zuhörer (ab 4) und ihre Eltern aus ihrem ersten Kinderbuch „Zuhause“. Im Anschluss gibt´s Kurzgeschichten für Erwachsene aus ihrer sechsteiligen Romanerzählung „Spuren“. Den Nachmittag beschließt Tina Bauschke vom EMIL-Verlag Dresden mit dem Buch „Die Wahnsinnsformel – Leben und Sterben eines jungen deutschen Genies“ von Dieter Gruner.

Montag, 16. März, 15 Uhr, Begegnungsstätte der Johanniter/Wohnpark am Spitzhaus, Meißner Str. 80a

Die Schreibenden Senioren aus Radebeul stellen eigene, kurzweilige Texte vor.

Dienstag, 17. März, 18 Uhr, Karl-May-Museum, Villa Nscho-tschi , Karl-May-Str. 5

Karl May hat eine fast unüberschaubare Menge an Texten hinterlassen, doch hat er nicht alles erzählt. Dem nachzuspüren, haben sich Carola Loke-Grießbach, Silvia Krautz und René Grießbach zur Aufgabe gemacht und präsentieren eigene Geschichten aus dem Wilden Westen und lassen auch Karl May selbst zu Wort kommen.

Mittwoch, 18. März, 16 Uhr – für Kinder, Kinderhaus Altkötzschenbroda, Altkö 53a

Annette Richter kommt als Clownette mit dem lustigen Vogel Nick zu den Kindern und erzählt ihnen Unsinn-Geschichten von Werner Färber.

Mittwoch, 18. März, 18 Uhr , Kultur-Bahnhof, Sidonienstr. 1c

Im Rahmen von KULTUR.PUR präsentiert sich im Radebeuler Kultur-Bahnhof das „Theater Heiterer Blick“ mit der „Mitternachtsmaus“ von Ringelnatz.

Donnerstag, 19. März, 19 Uhr, Lößnitzbar, Lokal & Bühne, Fabrikstraße 47 (am Lößnitzbad)

Sprache, Cello und Gesang finden zueinander: Schaupielerin Doreen Kähler und Solocellistin Nina Clarissa Frenzel interpretieren eine Novelle von Stefan Zweig: „Die unsichtbare Sammlung. Eine Episode aus der deutschen Inflation“. Ein Antiquar schildert die sonderbarste Episode, die „mir altem Kunstkrämer in den 37 Jahren meiner Tätigkeit begegnet ist“.

Montag, 23. März, 17 Uhr, Soulmat-Matratzenstudio, Meißner Str. 49c

Der Karajan vom Schillerplatz“ – diese und viele andere Biografien von außergewöhnlichen Figuren der Zeitgeschichte stellt uns Prinz Rupi (Ruprecht Frieling) in seinem Buch vor. Unterhaltsam und lehrreich zugleich.

Dienstag, 24. März, 17 Uhr, Gräfes Wein & Fein, Hauptstr. 19

Autor Heinz Kulb stellt sein Buch „Mannsbilder & Weibsbilder“ vor, erschienen im Dresdner EMIL-Verlag. Geschichten mit wahrem Kern aus längst vergangenen Zeiten und doch gar nicht so weit weg vom Heute.

Donnerstag, 26. März, 18 Uhr, Gasthaus „Zu den Linden“, Meißner Str. 64

Ob Elberadweg in Sachsen oder wild-romantische Straße der schottischen Highlands… Cara Catalina Fox & Tabea Weingardtner präsentieren ihre Erlebnisse aus fünf Jahrzehnten Reisen – durchs Leben. Lebendig und humorvoll.

Donnerstag, 26. März, 19 Uhr, Lößnitzbar, Lokal & Bühne, Fabrikstraße 47 (am Lößnitzbad)

Ich bin kein direkter Rüpel, aber die Brennnessel unter den Liebesblumen“, Leben und Werke des Münchner Humoristen mit sächsischen Wurzeln Karl Valentin und seiner Partnerin Liesel Karlstadt werden präsentiert von Burkhardt Zscheischler & Helena Raupach.

Freitag, 27. März, 16 Uhr – für Kinder, Buchhandlung Thalia, Hauptstr. 16a

Autor Wolfgang Rögner erzählt „Die phantastischen Abenteuer des Malte Blomberg“, eines 11-jährigen Jungen, der von Abenteuern und fernen Ländern träumt und mit seinen Freunden auf eine spannende Reise geht.

 

Sonntag, 29. März, 16 Uhr, Heimatstube Kötzschenbroda, Altkö 21

Lesestunde auf zwei Ebenen: Christine Strangfeld, Karin und Karl Uwe Baum bringen Wissenswertes, Kurioses, Historisches, Bemerkenswertes, Kritisches, Motivierendes aus Industrie und Handel in Kötzschenbroda zu Gehör. ? Reservierungen erbeten über AG Kötzschenbroda, 0160-1038663, baum@kunsthaus-radebeul.de

Montag, 30. März, 18 Uhr, hairdesign4you, Hauptstr. 13/15

Cara Catalina Fox liest aus ihrem aktuellen Buch „Mein Traum – Schottland“. Ein unterhaltsamer Reisebericht, der in die dramatische Schönheit der nördlichen Highlands entführt: Küsten, Strände und Berge.

Dienstag, 31. März, 18 Uhr, Karl-May-Museum, Villa Bärenfett, Karl-May-Str. 5

Ein Leben im Banne Karl Mays“ – ein exklusiver Abend mit Patty Frank zu seinem 150. Geburtstag. Für ihn wurde vor 100 Jahren die Villa Bärenfett gebaut. Er war Mitbegründer des Karl-May-Museums und verbrachte hier seinen Lebensabend. Wie es dazu kam – das erzählt uns Roland Wichmann alias Patty Frank.

Nachlese

Natalja Böttger – das beistehende Bild war
das Motiv auf der Einladung unseres Kulturvereins der Stadtbibliothek, Foto: N. Böttger

…für eine kleine feine Ausstellung von Natalja Böttger in der Stadtbibliothek Radebeul-Ost – danach im Sozialrathaus gegenüber – die im Februar endete.

Weil die Künstlerin in Großenhain lebt und und hier noch wenig bekannt ist, widme ich ihr eine Grußadresse. Unser Verein hatte sie im vergangenen Jahr eingeladen, in der Stadtbibliothek ihre Bilder zu zeigen. Bei der Vernissage erlebten wir die Überraschung, dass nur die Freunde und die Familie zu Gast kamen. So ist das halt. Es brachte uns aber nicht davon ab, heiter miteinander anzustoßen… und die Besucher der Bibo waren später von der Malerei sehr angetan.
Natalja Böttger ist eine vielseitige Frau und ein Multitalent mit Elan. Ihre Empfehlung:„Wenn  du eine innere Stimme hörst, die Dir sagt Du kannst nicht malen, dann male auf jeden Fall, um diese Stimme zum Schweigen zu bringen.“ (Vincent van Gogh)
Dieser Spruch steht als Untertitel im Raum und spornt auch die Verzagten an. In der benachbarten Volkshochschule können Interessierte tatsächlich von ihr lernen. Geboren und aufgewachsen ist sie im fernen Nord-Kaukasus, am Fluss Kuma, besuchte dort die Kunstakademie und war danach in einem Kulturzentrum angestellt. Später bemalte sie Zierkeramik in einer heimischen Werkstatt.
Nach ihrer Übersiedlung 2002 in die Bundesrepublik, begann wieder das Lernen, erst der Sprache im berufsorientierten Kurs, dann in einer Ausbildung zur Gastronomin mit Abschluss – erstmal ein Umweg. Von 2006 bis 2020 lebte sie mit ihrer Familie in Hessen und erwarb dort weitere Abschlüsse – als Glasmalerin, als Technikerin für Glasgestaltung, schließlich den Meister im Glasveredlungshandwerk. Von den Studios in Taunusstein zog es sie aber wieder zurück nach Sachsen, wo sie in einer renommierten Dresdner Glaswerkstatt für einige Zeit gute Arbeit fand. Wie viele andere Handwerksbetriebe trifft aber die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung vor allem die Spezialisten. So ist sie nun parallel Dozentin für Aquarellmalerei, in der VHS in Riesa und unterdessen auch in der Sidonienstraße in Radebeul.
Sie nahm an zahlreichen Wettbewerben teil, erhielt mehrere Kunstpreise in Hessen und hatte seit 2021 verschiedene Ausstellungen in Großenhain, Riesa und Radebeul. Es gab gemeinsame Projekte und Kooperationen mit berühmten Künstlern (darunter auch mit Markus Lüpertz), überwiegend bei der Gestaltung und Restaurierung von Kirchenräumen.
Ich freue mich, sie kennengelernt zu haben, weil sie heiter ihren Weg geht und voller Ausstrahlung ist. Und natürlich konnten wir uns an ihren Arbeiten erfreuen. Das beistehende Bild war das Motiv auf der Einladung unseres Kulturvereins der Stadtbibliothek.

Andrea Meinel

Der Efeu des Vergessens

Bild: V. Rönsch

Manchmal ist es gut, wenn Gras über eine Sache wächst.
Wenn schon die bloße Erinnerung daran, die ab und zu herabfällt – in einer Memopause zum Beispiel, zwischen zwei E-Mails – auch einen Mann mit einer Hitzewelle fluten kann. Und gut, wenn nicht ein Kamel kommt, das das Gras wieder runterfrisst. (Hat es keine zwei Höcker, ist es meist ein Hornochse). Am Gras kann man nämlich nicht ziehen, damit es schneller wächst. Obwohl das mit dem Ziehen am Gras nach der Legalisierung der drei Blumentöpfe auch nicht mehr so ganz stimmt.
Hintergrund der Redensart ist aber ein Moment, in dem etwas Peinliches geschehen ist, ein Moment, in dem man mit beiden Beinen bis zu den Knöcheln in einem Fettnapf stand und es zu spät bemerkte. (Das Fettnäpfchen gab es früher tatsächlich, es stand in der Nähe des Ofens oder der Haustür, enthielt eine Mischung aus tierischem Fett und schwarzer Knochenasche und wurde benutzt, um bei matschigem Wetter die Stiefel zu imprägnieren. Blöd, wenn man da versehentlich reingetreten ist. Später hieß es „Bewunderung ein Schuh erregt, der ständig mit Eg-Gü gepflegt!“, denn 1919 begann Egbert Günter in seiner Firma auf der Augsburger Straße in Dresden als erstes Unternehmen weltweit die Schuhcreme in praktischen Bleituben zu produzieren.)
Manchmal wächst aber nicht nur Gras, sondern ein regelrechter Efeu des Vergessens und Verdrängens und dieses Vergessen ist nicht immer nur ein Versehen.
Beginnen wir mit einem Radebeuler Trauerfall: Am 9. September 1912 starb in Niederlößnitz eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit: Wilhelmine Heimburg (Pseudonym für Bertha Behrens). Sie hatte über 40 Romane und Erzählbände veröffentlicht und war eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen der „Gartenlaube“. Damit war sie eine Kollegin von Eugenie John, einer anderen Bestseller-Autorin des 19. Jahrhunderts, heute bekannt unter dem „geschlechtsneutralen“ Namen E. Marlitt. Marlitt – zusammengesetztes Pseudonym aus „Meine arnstädter Litteratur“ – war die populärste Unterhaltungsschriftstellerin des 19. Jahrhunderts. Ihre Romane erschienen ebenfalls in der Gartenlaube und verkauften sich millionenfach, werden aber inzwischen vom „ernsthaften“ Literaturbetrieb weitgehend ignoriert.
Aber zurück zu Wilhelmine Heimburg. Deren Radebeuler Bezug ist unmittelbar: Sie lebte seit 1881 in der heutigen Hermann-Ilgen-Straße 21, übrigens in der Nachbarschaft Karl Mays. Das Haus nannten sie „Villa Heimburg“. 1910 erwarb sie in Niederlößnitz in der Borstraße 15 die heute denkmalgeschützte Villa, die sie „Haus Heimburg“ nannte.
Hier starb sie auch und wurde auf dem Friedhof Radebeul-West beigesetzt. Ihre Werke wurden millionenfach verkauft. Damals. Das materielle Vergessen spiegelt das literarische: Die Villa „Haus Heimburg“ verfällt seit Jahren, die Baukultur der Erinnerung folgt somit dem Schicksal der Autorin. (Vorschau und Rückblick hat mehrfach Stellung bezogen: 2010, 2011 und 2013)
Erwähnenswert ist auch das Schicksal einer anderen Bert(h)a, der Schriftstellerin Jeanne Berta Semmig (1867–1958). Zunächst als Hauslehrerin in der Familie von Minckwitz tätig, veröffentlichte sie 1897 einen ersten Lyrikband. Seit 1907 führte sie einen intensiven Briefwechsel mit Hermann Hesse, der sich über mehr als fünf Jahrzehnte erstreckte. Ab 1909 war sie dem Literarischen Verein Dresden verbunden, ebenso dem 1901 gegründeten Wilhelm-Raabe-Kreis. Sie war Präsidentin des Literarischen Bundes deutscher Frauen, bis die Gestapo diese Organisation 1944 auflöste.
Jeanne Berta Semmig arbeitete 40 Jahre lang als Lehrerin in Dresden, bis am 13. Februar 1945 auch ihre Wohnung ausgebombt wurde.
Sie fand Unterkunft bei Freunden und verbrachte ihren Lebensabend im Feierabendheim Altfriedstein in Radebeul – einen Ort, den sie in ihrem Gedicht „Altersheim“ verewigte: „Das Herrenhaus aus längst versunknen Tagen, …“
1947, Berta Semmig war da 80 Jahre alt, widmete ihr Hermann Hesse das Gedicht „Schicksalstage“, das er 1918 gedichtet hatte – eine der sehr persönlichen Gesten in Hesses späten Jahren, in denen er wiederholt Gedichte als poetische Botschaften an vertraute Menschen schickte:
Wenn die trüben Tage grauen, kalt und feindlich blickt die Welt, findet scheu sich dein Vertrauen ganz auf dich allein gestellt. Aber in dich selbst verwiesen aus der alten Freuden Land, siehst du neuen Paradiesen deinen Glauben zugewandt. Als dein Eigenstes erkennst du, was dir fremd und feind erschien, und mit neuem Namen nennst du dein Geschick und nimmst es hin. Was dich zu erdrücken drohte, zeigt sich freundlich, atmet Geist, ist ein Führer, ist ein Bote, der dich hoch und höher weist.
Das Gedicht knüpft an Hesses eigene Poetik des Einverständnisses an, des Annehmens, wie sie später im 1941 entstandenen Gedicht „Stufen“ einen suggestiven Höhepunkt erreichte. Es ist ein Trosttext für eine hochbetagte Freundin, die Krieg, Bombardierung ihrer Heimatstadt, Verlust ihrer Wohnung und den Alltag im Altersheim zu bewältigen hatte.
1957, ein Jahr vor ihrem Tod, schrieb Semmig den Entwurf der Festrede zu Hesses 80. Geburtstag – doch aus gesundheitlichen Gründen konnte sie sie nicht mehr halten. Im März 1958 erhielt sie, die „älteste lebende deutsche Schriftstellerin“, anlässlich des Internationalen Frauentags in Ostberlin die Clara-Zetkin-Medaille als Auszeichnung für ihr Lebenswerk. Jeanne Berta Semmig starb am 28. Juli 1958 im Alter von 91 Jahren in Radebeul. (siehe auch Vorschau & Rückblick, Heft 7/2012)
Doch trotz ihrer Freundschaft mit dem Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse, trotz ihrer Präsidentschaft im Literarischen Bund, trotz ihrer 50-jährigen Schriftstellerei: Der Literaturbetrieb selbst nahm von ihr kaum Notiz. Ihre eigenen Gedichtbände („Aber es ging leuchtend nieder“, 1910; „Pilgerschaft“, 1926) verschwanden aus den Katalogen. Heute sind auch ihre Novellen Literaturfreunden kaum noch bekannt – ein stilles Zeugnis dafür, wie Kultur Frauen einfach vergessen kann, selbst wenn sie mit den Großen ihrer Zeit befreundet waren.
Der Kunstraum Dresden im 19. Jahrhundert war voll solcher talentierter Frauen, deren Karrieren jedoch systematisch kleingeschrieben oder zumindest ignoriert wurden:
Die Malerin Caroline Bardua (1781–1864): Sie wurde ab 1810 bei Kügelgen in Dresden ausgebildet und wohnte dort im heutigen Kügelgenhaus. Sie war eine gefragte Porträtmalerin und so erfolgreich, dass sie als eine der ersten Malerinnen in Deutschland ein wirtschaftlich unabhängiges Leben führte.
Die Malerin Louise Seidler (1786–1866): Ihre Malerei und ihre Rolle als erste Kustodin einer deutschen Gemäldesammlung (in Weimar, durch Goethes Fürsprache) machten sie zu einer Ausnahmeerscheinung. Auch sie war Schülerin von Gerhard von Kügelgen in Dresden und eine der bedeutendsten Malerinnen der Romantik.
Die Schriftstellerin Nataly von Eschstruth (1843–1920), deren Leben und Wirken eng mit dem Dresdner Umland – insbesondere den Stadtteilen Pillnitz und Blasewitz – verbunden war, gehört zu den erfolgreichsten, aber heute fast vergessenen Autorinnen des wilhelminischen Zeitalters. Ihre sogenannten „Frauenromane“, die im Milieu des Adels und hoher Hofbeamter spielen, verdienen gerade durch die Faszination für historische Details eine Wiederentdeckung.
Sicher, ihr restaurativer didaktischer Anspruch und mitunter sehr klischeehaften Handlungsverläufe mindern aus heutiger Sicht die literarische Qualität. Doch da sie, zum Beispiel im Vergleich mit ihrer Radebeuler Kollegin Wilhelmine Heimburg, ein gleichwertig hohes Veröffentlichungsniveau in Bezug auf die erreichten Auflagen und die Dauer des Erfolgs erreichte, sollte auch sie aus dem literarischen Schatten geholt werden. Zumindest sollte man die Möglichkeit haben, sich selbst ein Urteil zu bilden.
Auch Louise Otto-Peters (1819–1895) aus Meißen veröffentlichte ihre frühen politischen Schriften getarnt unter dem männlichen Pseudonym „Otto Stern“. Sie gehörte ebenfalls zu den wenigen Frauen, die von ihrer Schriftstellerei leben konnten, aber nur durch den Schachzug des männlichen Pseudonyms konnte sie in der politischen Presse gehört und ernstgenommen werden.
Damit kommen wir zum Thema Camouflage.
Dieses Problem beginnt dort, wo der Mainstream (oder besser der Menstream) festlegt, wer als Künstler(in) anerkannt wird. Dass die männliche Bevorzugung im Kulturbetrieb kein regionales Phänomen war, zeigt schon der Blick auf einige große Namen der Weltliteratur: Mary Ann Evans wurde zu George Eliot, Aurore Dupin wurde zu George Sand, Charlotte Brontë wurde zunächst zu Currer Bell. Die dänische Schriftstellerin Karen Blixen wurde zu Isak Dinesen. Marie d’Agoult, eine bedeutende französische Musikpädagogin und Denkerin, wurde zu Daniel Stern und veröffentlichte Romane und Memoiren unter diesem Namen – eine zweite, geheime Existenz neben ihrer Musik.
Das wiederkehrende Muster: Talent war vorhanden, Texte waren da, Öffentlichkeit teilweise auch – aber nur selten Akzeptanz als weibliche Künstlerin. Literaturgeschichte nennt das später „große Autoren“. Mitunter schwindet die Anerkennung auch rapide nach der „Enttarnung“. Talent allein reichte nicht. Der Name musste stimmen. Und vor allem das Geschlecht.
Der Mechanismus des Vergessens traf auch die Musik.
Emilie Mayer (1812–1883) aus Mecklenburg komponierte acht Sinfonien, zwölf Konzertouvertüren, Kammermusik, Orchesterwerke – insgesamt ein beachtliches Werk.
Die Etikettierung als „weibliche Beethoven“ ist bezeichnend, war sicher als Kompliment gemeint, zeigt aber das Dilemma: geniale Größe war dann akzeptabel, wenn sie männlich war. Im regionalen Umfeld ist das Schicksal von Clara Schumann (1819–1896) ein solches Beispiel. Sie verbrachte ihre Sommer oft in Maxen, südlich von Dresden. Obwohl sie eine überragende Komponistin war, wurde sie in der Rezeption primär zur Muse und Interpretin des Werkes ihres Mannes Robert reduziert. Ihr eigenes kompositorisches Schaffen wird erst in jüngster Zeit angemessen gewürdigt. Aber wer kennt schon noch die ebenfalls komponierende Halbschwester Marie Wieck? Oder die Gastgeberin der Sommerwochen im Rittergut Maxen, Friederike Serre, die nicht nur Gastgeberin, sondern auch selbst künstlerisch tätig war? Sie malte und dichtete. Zwei ihrer Gedichte – „O du mein Stern“ und „Beim Abschied“ – wurden von Clara Schumann vertont. Zum Kreis der Gäste des Ehepaar Serre gehörten neben Ottilie von Goethe auch die heute eigentlich vergessene Autorin Elfriede von Mühlenfels (1810 – 1884).
Auch in Sichtweite der Reformbewegung der Gartenstadt Hellerau, im angrenzenden Klotzsche, findet sich das Muster wieder: Gertrud Caspari (1873–1948), eine der bedeutendsten Kinderbuchillustratorinnen, deren Malweise den Jugendstil in der Buchillustration mitprägte, wird im Kanon des „ernsthaften“ Jugendstils kaum geführt.
Kultur vergisst durch Unterlassung. Nicht edieren, nicht lehren, nicht spielen, nicht lesen. Was fehlt, gilt als nebensächlich, wird nicht veröffentlicht. Was nicht veröffentlicht wird, verschwindet aus der Wahrnehmung. Was nicht wahrgenommen wird, wird auch nicht nachgefragt, ist somit auch nicht profitabel. Ein perfekter Kreislauf, bis heute. Kultur muss ins Bild passen und sich rentieren.
Es geht nicht um Toleranz. Es geht um die Frage: Wer wird erinnert und wer nicht? Eine Kulturgeschichte, die systematisch oder zumindest fahrlässig Frauen „vergisst“ (weil sie sich auf einem Gebiet verwirklichten, das von Männern dominiert wurde, auch in der Rezension), ist nicht einfach nur lückenhaft.
Sie ist unwahr.
Radebeul, Dresden, Maxen und Hellerau waren Orte, an denen Frauen malten, schrieben, komponierten. Ihre Namen sollten nicht verschwinden. Das Vergessenwerden ist hier die eigentliche Peinlichkeit, funktioniert jedoch so lange, bis wir uns bewusst die Zeit nehmen, hinter den historischen Efeu zu schauen…

 

Volker Rönsch

Editorial

Radebeul ist aufgrund seiner exponierten Lage zwischen Elbauen und Weinbergen gelegen, als Wohnort selbstredend überaus reizvoll. Die besondere topographische Situation macht jedoch die wenigen Durchgangsstraßen seit jeher unweigerlich zu Nadelöhren. Werden dann grundständige Straßensanierungen angekündigt, verheißt dies für Autofahrer Sperrungen und Umleitungen über endlose Zeiträume.

Dies betraf bislang in mehreren Bauabschnitten die Meißner Straße als Hauptverkehrsader oder – wie derzeit – einen Abschnitt der verkehrstechnisch bedeutsamen Kötzschenbrodaer Straße im Umfeld des Lößnitzbachs. Anwohner im nordöstlichen Teil der Stadt konnten bei den langwierigen Baumaßnahmen am Augustusweg ein Lied davon singen. Ab Februar 2026 bleibt zudem die Waldstraße als wichtiger Zubringer nach Dresden und zur Autobahn für ein ganzes Jahr gesperrt.
Wie sehr sich der Aufwand aber im Detail lohnt, zeigt sich oft erst im Nachhinein. So kann bspw. der Kreuzungsbereich August-Bebel-Straße / Meißner Straße auch in gestalterischer Hinsicht als überaus gelungen gelten.
Gegraben wird in Radebeul derzeit im Übrigen auch an anderer Stelle – nämlich im Zuge des Glasfaserausbaus. (Über 800km!) Kürzlich stand frühmorgens eine Armada gelbbewesteter Bauleute mit Schaufeln und allerlei Gerät in unserer Straße. Gegen Mittag war nach getaner Arbeit der Gehweg bereits wieder verschlossen. So schnell kann es gehen.
Vielleicht auch ein Anreiz für andere Baustellen?

Sascha Graedtke

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Aus meinen grafischen Tagebüchern

Plötzlich war er da!

Fast wie jeden Abend, wenn ich mir meine Arbeitsutensilien zurecht lege und vor einem leeren weißen, seltener einem schwarzen Blatt Papier sitze , folge ich bei meiner zeichnerischen Arbeit häufig der Linie die vermutlich die Spur eines inneren Zustandes ist.

Schwarze Linien tasten sich vor, kreuzen, verdichten sich und verlieren sich wieder, einem inneren Rhythmus folgend. Ich beginne intuitiv, lasse die Verdichtungen und Brüche zu und bewege mich dann aber bewusst zwischen Kontrolle, erlernten Gestaltungsregeln und auch wieder dem Verlust derselben entlang der zufälligen Formen. Wenn dann etwas auftaucht, ein Körper ein Gesicht etwa, entwickelt sich alles Weitere. Die Überlagerungen und Schraffuren entstehen dann aus einem Bedürfnis heraus, Komplexität sichtbar zu machen.

Das Bild ist eine kartografische Spur innerer Landschaften und Figuren – ein Wechselspiel aus Kontrolle und Loslassen und sich im Linienfluss treiben zu lassen.

Mich interessiert der Moment, in dem Formen kippen, zu etwas ganz eigenem werden und sich zwischen Körper, Raum und Erinnerung nicht mehr eindeutig unterscheiden lassen.

Die Zeichnung wird für mich zu einem Ort des Suchens und Findens, nicht des Festschreibens.“

Meist laden meine grafischen Arbeiten dazu ein, nicht unbedingt erkennen zu wollen, sondern zu empfinden, sich am Ergebnis zu freuen oder zu „reiben“!

Matthias Kratschmer

Mit Felix Meyer poetisch durch das Jahr

Kneipp – Verein Radebeul e.V.

Korrespondenz aus einer Nachbargemeinde

LÁZN? heißt im Tschechischen übersetzt „Bad“, im Sinne von „Kurbad“. Man fährt nach Mariánské Lázn?/Marienbad oder z.B. Lázn? Teplice/Teplitz, um Knochen oder Sonstiges zu kurieren, eine Moorpackung verabreicht zu bekommen oder – zum Glück aus der Zeit gefallen – ein öffentliches Wannenbad aufzusuchen. Der alte Kaiser Franz Joseph I. wird in Wien nur mit den Augen gerollt haben, als er erfuhr, dass zu seinem 50-jährigen Thronjubiläum eine solche Einrichtung nach ihm benannt wurde. „Richten‘s aus, es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut…“ Und da sind wir aktuell an einer Stätte in seinem verflossenen Reich: Reichenberg, Liberec. Ob der Trilex von Dresden in zwei Stunden wieder durchfährt, wissen mitunter am frühen Morgen noch nicht einmal die Zugbegleiter. Und seit ich denken kann, hat es in der Lausitz SEV, mal angekündigt und dann doch nicht, mal unangekündigt und dann eben doch. Aber man kommt an. Ab dem Hauptbahnhof in die Tram 3 Richtung Lidové sady/Volksgärten/Zoo. Kartenzahlung am Automaten im Wagen. Nein, Baden gehen will ich mit Ihnen nicht: Im wunderbar restaurierten Reichenberger Lázn? befindet sich nämlich das fünftgrößte Kunstmuseum Tschechiens, das 21000 Kunstwerke aus CZ, D, A, F, NL und anderen Ländern birgt. Die Ausstellungen sind im Wechsel und voller Überraschungen. Es lohnt sich, Museum wie Stadt. Und wenn Sie einmal dort sind, bestellen Sie bitte für mich im Ratskeller ein – nun ja – Stilles Wasser. Zur Kur halt.

Tobias Märksch

Radebeuler Miniaturen

Balance-Akt
Ein Geduldsspiel

Auf dem Weg zur Lesung schnell noch etwas trinken…

Während ich auf meinem Hocker vor dem ersten Schluck gebührend die Schaumkrone feiere, sagt Ulrike neben mir, sie habe die Kälte unterschätzt. Ich habe aber alles mit, sagt sie, nimmt ihren Rucksack und verschwindet mit den Worten, bin gleich zurück.

Na, was Frauen so unter „gleich“ verstehen…

Jedenfalls hab ich jetzt Zeit, in Ruhe noch einmal den Leseplan zu überdenken, an zwei Stellen die Reihenfolge zu ändern, ein paar neue Zeilen einfließen zu lassen, alles gründlich in Frage zu stellen und dann doch zu beschließen, daß es gut ist, – in kleiner werdenden Schlucken das Bier auszutrinken, noch ein „kleines“ zu bestellen, ihm freudig entgegen zu sehen, und unendlich viel Geduld aufzubringen.

Aber da kommt sie auch SCHON mit einem strahlenden Lachen im Gesicht.

War gar nicht so einfach, sagt sie in mein mißbilligendes Lächeln hinein, du mußt dir das bildlich vorstellen: Auf einem Bein stehend, den anderen Schuh ausziehen dann das Hosenbein abstreifen, ohne es auf den Fußboden fallen zu lassen, dann mit der dritten Hand die Strumpfhose übern Fuß ziehen, dabei den richtigen Fuß erwischen, die Hose wieder drüberziehen und in den Schuh steigen. So – und dann das Ganze mit dem anderen Bein noch einmal. Ich hätte mich ja nicht sehen wollen.

Viel konnte nicht passieren, sag ich, noch immer etwas gequält lachend, die Boxen sind so eng, daß du nicht weit hättest fallen können.

Ach du, sagt sie enttäuscht, wenn du schon nicht lachen kannst, könntest du wenigstens meine Balance-Akte bewundern…

Ich bewundere dich zutiefst, sag ich. Vor allem aber bedaure ich – und zwar zum ersten Mal – daß versteckte Kameras auf Damentoiletten verboten sind – wenns auch nicht viel Akt war, mit der Balance -Nummer hätte es endlich wirklich mal was zum Lachen gegeben in den so-schalen Medschen …

Thomas Gerlach

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