Wohin mit den Lügen?

Radebeul setzt Museum endgültig vor die Tür

Das Urteil vom Landesgericht scheint eindeutig und war erwartbar: Die Kündigung der Stadtverwaltung sei rechtsmäßig, das Mietobjekt ist herauszugeben. Die Antwort von Herrn Zabka nach der Verkündung des Urteils auf die Frage der ehemaligen Galeristin Karin Baum „Was nun?“ war kurz und bündig: „Jetzt gehen wir nach Hause.“.

Dreizehn Jahre hat nun das Lügenmuseum Asyl im Serkowitzer Gasthof erhalten. Dem gescheiterten Verkauf der städtischen Immobilie im vergangenen Jahr an einen willigen Förderer des Museums folgte postwendend die Kündigung des Mietvertrages durch die Stadtverwaltung. Die Herausgabe des Objekts wurde schließlich von den Zabkas verweigert. Seit dieser Zeit versuchte die Verwaltung dem Problem mit den Gerichten beizukommen. Nun liegt ein vorläufig endgültiges Urteil vor.

Nach Hause? Dieses „Nach-Hause“ existiert nach dem Urteil nicht mehr, hat genaugenommen nie wirklich existiert, weil durch Selbstermächtigung „erworben“. Dieses „Nach Hause“ offenbart aber auch einen ganz anderen Aspekt, der in diesem Urteil explizit nicht enthalten, wenn überhaupt, nur zwischen den Zeilen zu erahnen ist. Es ist das Museum, welches für die Zabkas ihr „Zuhause“, gewissermaßen „ihr Leben“ ist. Es ist untrennbar mit dem Künstlerpaar verbunden. Ihm haben sie bisher ihre ganze Kraft und Engagement gewidmet und es darüber hinaus in den Dienst der Stadtgesellschaft gestellt. Die Stadtverwaltung wiederum hat es vielfältig vermarktet und außer der Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit des Objektes, dafür keinen Cent ausgegeben müssen. Fairerweise mussten die Zabkas nur für die Betriebskosten aufkommen.

Der Oberbürgermeister weiß genau, dass er mit der nun gerichtlich durchsetzbaren Kündigung den Betreibern die Lebensgrundlage entzieht. Es ist eben nicht so, dass man zu jeder Zeit, an jedem beliebigen Ort, die „Museumszelte“ erneut aufschlagen kann, wie der OB Bert Wendsche den Lesern der Mai-Ausgabe des SAX-Magazin bereits 2022 einreden wollte. Seit 15 Monaten bemühen sich nun Dorota und Reinhard Zabka vergebens um ein neues Objekt. Auch ein vorgeschlagener Aufschub der Kündigung für zwei Jahre, um eine sich im ersten Halbjahr 2025 ergebene Chance für die Zabkas nutzen zu können, scheiterte an der Haltung der Stadtverwaltung.

Warum eigentlich? Will man für unbedeutende 310.000 Euro (ca. 0,4% des HH) den Gasthof erneut anbieten, dessen Verkauf schon viermal gescheitert ist? Oder will man vielleicht über diesen Hebel gleich das ganze Problem „Zabka“ loswerden? Braucht man dieses „Museum“ nicht, welches eine der wenigen innovativen Einrichtungen der Stadt überhaupt und in Europa einmalig ist? Oder ist man unwillig, aufeinander zuzugehen und eine vernünftige Lösung im Sinne der Stadt, deren Einwohner und der Entwicklung des Tourismus‘ herbeizuführen?

Dabei bemüht sich gerade die Stadtverwaltung auf einem anderen Gebiet, ihr Image nicht nur für den Tourismus aufzubessern, wie die im vergangenen Monat erfolgte Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Urlaubsort“ belegt. Der Tourismus aber befindet sich nach Aussagen des Oberbürgermeisters gegenwärtig in einer „schwierigen Lage“. Die Übernachtungen sind allein in Radebeul gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent zurückgegangen. Und mit der endgültigen Vertreibung des Lügenmuseums wird die Stadt für die Touristen nicht interessanter. Ob aber künftig das Karl-May-Museum den notwendigen Schub bringt, ist keinesfalls ausgemacht, wo doch bis 2030 laut der Studie des Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus von 2023 im Freistaat ein weiteres Absinken der Besucherzahlen bei Museen zu erwarten ist, wie auch deren finanzielle Absicherung immer schwierige werden wird. Bisher hatte das Lügenmuseum jedes Wochenende sowie in den Schulferien geöffnet. Zahlreiche Helfer standen bei den vielfältigen Projekten im In- und Ausland zur Verfügung. Das Museum, wie schon erwähnt, hat in 13 Jahren keinerlei Kosten verursacht. Ganz im Gegenteil, mit seinen Angeboten liegt es genau in den vom Ministerium in der Museumsstudie aufgezeigten wichtigen künftigen Handlungsfeldern und Perspektiven, wie u.a.: Entwicklung eines breiten Bildungs- und Vermittlungsangebotes, Öffnung für breite Bevölkerungsschichten, Finanzierungssicherheit und eine beständige Weiterentwicklung der Ausstellung.

Man kann nur hoffen, dass die Kontrahenten doch noch zu einer vernünftigen Lösung finden, und dass das neuerliche Kaufangebot für den Gasthof auf eine positive Reaktion seitens der Stadtverwaltung trifft, um die „Kuh vom Eis“ zu bringen und der Stadt mit ihren Bewohnern die Blamage erspart bleibt.
Beim genauen Hinsehen ist das Urteil des Landesgerichts gar nicht mal so übel, weist es doch das Lügenmuseum als ganzheitliches Kunstwerk aus, das – und so sollte man hinzufügen – nicht zerstört werden darf.

Karl Uwe Baum

 

Karikaturenpreis wird in Radeburg vergeben

„Zum achten Mal vergibt die Stadt Radeburg im Januar 2026 zusammen mit der Galerie Komische Meister Dresden den Heinrich Zille-Karikaturenpreis. Mit einem Preisgeld von insgesamt 1.500 EUR dotiert, steht der Wettbewerb diesmal unter dem Motto „Jetzt krachts! Das Leben ist ein Pulverfass“ und wird auch im kommenden Jahr von REWE PETZ sowie dem Ideenwerk Radeburg gesponsort. Eine Fachjury wählt bereits in diesen Tagen den Sieger aus.
Ob Weltkonflikte, Politikreibereien, Familienstreit, Ehekrach, Stress im Job oder unter Nachbarn – die Welt ist in Bombenstimmung, egal, wohin man schaut. Manche reden vom Wetter – aber selbst das steht kurz vor der Explosion. Krachts bald an allen Ecken und Enden? Jeder Tag beginnt mit einem neuen Knall: in den Nachrichten, im Hausflur, auf der Straße, in der Beziehung, im Job, zwischen den Nachbarn… Ein Funke genügt und alles fliegt uns um die Ohren! Die Welt redet vom Krieg und braucht noch mehr Waffen für den Frieden. Daheim reicht der vergessene Abwasch, um das Ehe-Fass zum Überlaufen zu bringen. Katastrophe! Der Nachbar hämmert auch am Sonntag durch. Und auf der Arbeit sind alle auf Hundertachtzig – dabei hat die Woche gerade erst begonnen. Cartoons und Karikaturen zum Thema Krieg oder Frieden, Streit oder Harmonie, Anfeuern oder Ablöschen – im Großen und Ganzen und im Kleinen und Privaten beleuchten das aktuelle Motto in allen Facetten, auf gewohnt satirische, humorvolle, bissige und heitere Weise.“

PR Museum Radeburg

„Am Sonntag, den 11. Januar 2026 wird um 11 Uhr im Ratssaal der Stadt Radeburg feierlich der neue Zillepreisträger geehrt und gleichzeitig die Ausstellung zum Wettbewerb 2026 eröffnet, die eine Auswahl der besten Karikaturen und Cartoons, bestehend aus den über 500 Einreichungen von 60 Künstlerinnen und Künstlern im Museum Radeburg zeigen wird.“

Zur Preisverleihung werden die Jurymitglieder Michaela Ritter (Bürgermeisterin Radeburg), Dr. Peter Ufer und Mario Süßenguth (beide Galerie Komische Meister Dresden), sowie der Leiter des Heinrich-Zille-Museums Robert Rösler anwesend sein.

Wir freuen uns über Ihr Kommen!

Mario Süßenguth und Robert Rösler.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weißes Roß – Geschichten aus der Kindheit – (12/12 Schluss)

Hinweis der Redaktion: Sicher warten viele Leserinnen und Leser bereits auf die Fortsetzung unserer 12-teiligen Serie. Über ein Dreivierteljahr gelang uns die Veröffentlichung passend zu jedem Monat. Aus redaktionellen Gründen war es uns in den letzten Monaten aber leider nicht möglich. Hiermit endet unsere Serie.

Der Juli

Dieser Monat war geprägt von Muttels Geburtstag am 28. Juli. Vaterns Geburtstag habe ich nicht so in Erinnerung, er konnte ja von 1939 bis 1948 nicht bei uns sein. Aber Muttels Geburtstag war ein großer Tag. Alle Angestellten feierten die Chefin und wir bastelten und malten, was das Zeug hielt. Bei schönem Wetter wurde die Kaffeetafel im Grasgarten vor der Laube gedeckt, für uns Kinder auch etwas Besonderes. Einmal war auch die Dresdner Oma, begleitet von Tante Rosel mit dabei. Die Dresdner Oma verloren wir aber auch bald.
Im Juli fuhr Tante Emma mit uns für einige Wochen nach Oberbärenburg, ein Kinderparadies, zu dem es mich immer wieder hinzieht. An der Stelle, wo am Waldrand die Bank stand, auf der wir abends gerne saßen, steht jetzt der schöne Aussichtsturm, der einem Göpel aus dem Bergwerk nachempfunden wurde. Bei sehr klarem Wetter überblickt man das Elbtal von Meißen bis in die Sächsisch-Böhmische Schweiz. Als wir einmal auf der Bank saßen, sprach Tante Emma die unvergänglichen Worte: „Alles, alles ist vergänglich, nur der Kuhschwanz, der bleibt länglich.“ Doch hatten wir als Kinder noch keinen Begriff von der Zeit. Jeder Tag war lang, von morgens bis zum Abend. Das ist das Schöne und Einmalige an der Kindheit.
Neben der Pension Elise der beiden lieben Fräulein Spahn, wo wir unser Zimmerchen unterm Dach hatten, wohnte Tante Emma und Omas Schwester, die Tante Liesel, die ich auch sehr lieb hatte. Jeden Morgen musste ich zu ihr hinübergehen zum Haarkämmen. Tante Emma wurde mit meinem Schopf und den langen Zöpfen nicht fertig.

Auto der Familie Stiller, Foto: Archiv C. Grün

Obwohl Oberbärenburg inmitten seines Waldgürtels recht geschützt liegt, war doch einmal ein sehr heftiger Sturm, der mich auf dem Weg zu Tante Liesel voll erfasste und mich Dürrling ein Stückchen aushob. Zu Tode erschrocken rannte ich zu Tante Liesel, denn in mir lebte die Vorstellung vom fliegenden Robert im Struwwelpeter. Vom Winde davongetragen, wohin auch immer, getrennt von den Meinen ud hauptsächlich von Muttel, etwas Schlimmeres konnte es nicht geben. Aber Gottlob habe ich Oberbärenburg hauptsächlich bei Sonnenschein, der auf den bunten Gebirgswiesen lag, in Erinnerung. Für Wolfgang war die reine Gebirgsluft besonders dienlich, denn er hatte durch unsere dicke Elbluft asthmatische Beschwerden. Am Beginn unseres Aufenthaltes wurden wir gewogen und wir hatten bei der Heimreise immer zugenommen. Der Luftwechsel tat uns Kindern gut. Auch in Oberbärenburg waren wir immer beschäftigt und ließen Tante Emma in Ruhe. Vor allem bauten wir gerne Waldgärten. Material gab es ringsum genug. Fichtenzapfen, Borkenrinde, herrlich grünes Moos, Ästchen aller Art und helle Kieselsteine. Von Menschenhand wurde nichts davon zerstört, wir behoben im nächsten Jahr lediglich die Winterschäden.
Einmal brachte uns Vater mir dem Auto nach Oberbärenburg und wir aßen unterwegs an der Talsperre Malter zu Mittag. Das Mittagessen beeindruckte mich sehr, ich bekam ein kleines Schnitzel mit Spaghetti. Diese Zusammenstellung kannte ich nicht. Zu Hause gab es zu Schnitzel Rotkraut oder Gemüse mit Kartoffeln. Mit Spaghetti schmeckt es mir auch heute noch gut.
Mein Geburtstag fiel auch in den Juli und es waren noch richtige Geburtstage mit allen Nachbarskindern. Wir spielten „Bäumchen, Bäumchen wechsle dich“, denn der Grasgarten stand ja voller Obstbäume. Und dann „Wer will die goldene Brücke bau’n“. Dazu fassten sich gegenüberstehend zwei größere Kinder an den Händen und bildeten die Brücke. Die anderen bildeten eine Reihe und zogen unter Gesang „´wer will die goldene Brücke bau´n, wer hat sie denn zerbrochen…“ und: „der Letzte soll gefangen sein mit Spießen und mit Stangen“ hindurch. Das Kind, das zwischen die zwei Großen geraten war, wurde von ihnen mit den Armen umschlossen und musste sich dann hinten anstellen.
Den Schluss bildete dann Tauziehen, bis die Großen losließen und alles ins Gras purzelte.
Geturnt wurde auch viel, Purzelbäume vor- und rückwärts, Radschlagen und Handstand. Wolfs Hansel wurde sehr bewundert, denn er brachte einen perfekten Kopfstand zuwege.
Auf dem Geburtstagstisch stand der bunte Holzkranz mit den Geburtstagslichtern, jedes Jahr eines mehr, in der Mitte das große Lebenslicht. Tante Rosel erfüllte mir auch immer meine Wünsche. Einmal war es zum Beispiel ein langersehntes silbernes Armbändchen mit Glücksanhängern. Zum anderen Male ging mein Lieblingswunsch – und ich glaube, auch der von Wolfgang – nach einem Gartenzwerg in Erfüllung. Von Gartenzwergen wollte Muttel absolut nichts wissen. Für sie waren die Zwerge schlicht und einfach Kitsch. Tante Rosel hatte sie aber doch herumgekriegt, denn an einem Geburtstag – ich weiß nicht mehr an welchem – brachte sie zu unserem Entzücken drei Gartenzwerge mit. Ich weiß nur noch genau, dass Juttel ihrer auf einer Schnecke mit Haus thronte. Die beiden anderen waren glaube ich mit Spaten und Gießkanne bewaffnet.
So ähnlich spielte sich jeder Juli in meiner Kindheit ab.

Christa Stenzel/ Christian Grün

 

In Radeburg „einen Glöckner“ gefunden!

Foto: D. Lohse

Alle dürften die bekannte Kleinstadt Radeburg kennen, etwa 15 km nördlich von Radebeul, bekannt als Geburtsstadt von Heinrich Zille, in Berlin später Pinselheinrich genannt, Endstation der Lößnitzgrundbahn und hatte bis vor kurzem noch ein Flachglaswerk. Aber ein Künstler Glöckner, eher nicht.
Zwei Artikel in der Tageszeitung SZ aus dem Oktober 2025 brachten mich in die Spur, im Verbreitungsgebiet der Vorschau in Radeburg nach einer Sgrafittoarbeit von Hermann Glöckner zu suchen. Die beiden Artikel, das alte Rathaus in Radeburg betreffend, hatten jeweils

Foto: D. Lohse

verschiedene Aspekte dazu. Der erste schilderte den baulichen Zustand des Denkmals am für eine Kleinstadt recht großen Marktplatz. Die Verwaltung ist längst in einen anderen, geeigneteren Bau unweit des Marktes umgezogen. Durch Leerstand war dann am alten Rathaus ein katastrophaler Zustand eingetreten, der Turm abgenommen, der Ratskeller längst geschlossen und ein zuletzt da betriebener Laden verwaist. Die schwache Hoffnung, dass es in nächster Zeit eine Verbesserung geben könnte, klang sehr zaghaft. Aber auf einem Foto in der SZ war auf der Längsseite des Gebäudes der Schriftzug „Zum Ratskeller“ im Putz noch zu erkennen, das interessierte mich. Die Art der Schrift und die gewählten Schrifttypen hatte ich ähnlich in Radebeul schon gesehen und dachte sofort an Glöckner, war mir aber nicht ganz sicher. Der zweite Artikel, ein paar Tage später, berichtete über die alte Glocke von 1581, die G. Biener aus Dresden gegossen hatte, die derzeit im Landesamt für Denkmalpflege in Dresden gereinigt und in Stand gesetzt wird und später nach Radeburg in den Turm zurückkehren soll. Voraussetzung ist natürlich als erster Schritt eine Sanierung des Rathauses, dann erst könnte der zweite Schritt, die Rückkehr von Turm und Glocke erfolgen. Diese Glocke ist älter als das Rathaus, vielleicht hatte sie vorher zu einer Kirche gehört. Solche Glockenübertragungen gab es im Laufe der Geschichte gelegentlich.
Ich aber war neugierig auf den Schriftzug am Rathaus, kann man ihn nun Glöckner zuordnen oder nicht. Das sollte man am besten vor Ort überprüfen, also fuhr ich an einem schönen Herbstnachmittag zusammen mit meiner Frau nach Radeburg. Hier bestätigte sich nun meine Vermutung: solche in der Art schwungvolle Buchstaben hatte Glöckner in der Zeit von den 30er bis in die 60er Jahre des 20. Jh. auch andernorts, z.B. Radebeul, verwendet. Die Farbe der vertieften Putzschrift, ein Umbra-Braun, ist auch typisch für Glöckner. Das Wetter an dem Tage ließ ein paar Fotos zu. Der Schriftzug befindet sich jedoch nicht an der zum Markt gerichteten Fassade, sondern an der Längsseite des Rathauses in einer Gasse. Die Zeit war so weit fortgeschritten, dass wir beschlossen, am Markt in einer Bäckerei Kaffee und Kuchen zu uns zu nehmen, durchaus zu empfehlen.

Foto: D. Lohse

Wieder daheim, suchte ich die fast vollständige Übersicht von Herrn Dittrich aus den 80er Jahren zu den Sgrafittis von Glöckner heraus und fand da, dass die Glöckners (seine Frau war immer mit dabei) diese Schrift in Radeburg vom 26. Oktober bis zum 2. November 1949 ausgeführt hatten. Da muss es noch frostfrei gewesen sein, denn diese Putztechnik wird „nass-in-nass“ hergestellt. Das im Text erwähnte Radeburger Wappen von Glöckner gibt es auch noch, es befindet sich aber ein paar Schritte vom Schriftzug entfernt an der gleichen Wand über einer Toreinfahrt. Es ist in schlechterem Zustand als die Schrift. Bei der angestrebten Ertüchtigung des Rathauses sollte die Erhaltung von Schrift und Wappen geboten sein. Auch in dem Fall, dass der Ratskeller vielleicht nicht mehr bewirtschaftet werden könnte.

Foto: D. Lohse

Hermann Glöckner (1889-1987) war ein Dresdner Künstler der Moderne, der aber in zwei politischen Systemen vor und nach dem Kriege ausgegrenzt war und nicht von seiner Kunst hätte leben können. Seine Gemälde, Faltungen und Plastiken wurden erst in der späten DDR ausgestellt und anerkannt. In gut der Hälfte seines langen Lebens fand er mit seinen Sgrafitti ein Arbeitsgebiet zwischen Kunst und Handwerk, von dem er und seine Frau halbwegs leben konnten. Ob sich Glöckner hier, wie auch andernorts geschehen, einen Teil seines Lohnes in Naturalien (Essen u. Trinken) auszahlen ließ, ist nicht bekannt aber gut denkbar, wenn man an das Entstehungsjahr 1949 denkt. Die Sgrafitti dienten als Geschäftswerbung, Information oder auch Schmuck einer Fassade, werden aber leider über die Jahre immer weniger. Deshalb wünsche ich mir von den Verantwortlichen in Radeburg die Erhaltung von Schrift und Wappen möglichst als Original am alten Rathaus.

Dietrich Lohse

 

 

 

 

 

Adventschmuck

Foto: S. Graedtke

Von einer Leserin erhielten wir ein ganz besonderes Geschenk zum Advent!
Aus alten „Vorschau-Heften“ bastelte sie aus den ausgeschnittenen Blättern und mit Faden verbunden einen Weihnachtskalender mit 24 Sternen. Jeder Stern wurde zudem noch liebevoll bemalt und mit grafischen Strukturen versehen.
Die phantasievolle Umwidmung unseres Heftes in diese Form können wir nur so deuten: Wie himmlisch die „Vorschau“ ist! – Herzlichen Dank!

Einladung zu einer Tasse Jasmintee

„Treten Sie ein,
legen Sie Ihre Traurigkeit ab,
hier dürfen Sie schweigen.“
Dieses Reiner-Kunze-Gedicht aus Heft 11/1968 des Poesiealbums hing früher oft an Wohnungstüren – mit Notizblock und Bleistift am Faden, um in dieser telefonarmen Zeit ein Zeichen geben zu können.
1968 ging ich in die POS. Vor der Schule gab es Tee oder Kakao, letzterer inklusive dieser legendär widerlichen Milchhaut. Milchtrinker war ich keiner – vermutlich eine frühe Form von Lackdose-Intoleranz, bin dann auch nicht Autolackierer geworden. Abends Tee oder eine Limo aus Verdünnungssirup, hergestellt aus abgeraspelter Apfelsinenschale, Zucker und Zitronensäure. Obwohl niemand ständig mit Thermobecher herumlief, sind wir nicht reihenweise vertrocknet vom Hocker geklappt. Heute wird selbst im Standesamt erst mal die persönliche Wasserflasche auf den Tisch gestellt. Wann fing das an?
Aber zurück zum eigentlichen Tee-ma. Tee – neben getrockneten Blüten oder fermentiertem Blattwuchs kommt auch durchaus Überraschendes in die Kanne – sibirischen Schamanen brühen als „Reisevorbereitung“ gerne ein paar Fliegenpilze auf und sind danach oft tagelang im Tee.
Den klassischen Tee entdeckte Kaiser Shen Nung 2737 v. Chr., als er mit einer Tasse heißem Wasser durch seinen Garten schlenderte und ihm ein Blatt hineinfiel. Die größten Kulturleistungen entstehen oft durch unerwartete Zufälle. 1904 füllte der Amerikaner Thomas Sullivan seine Teeproben in kleine Stoffbeutel, um keine teuren Blechdosen verwenden zu müssen. Seine Kunden warfen die kleinen Beutel ins heiße Wasser, im Glauben, dass dies so von Sullivan vorgesehen sei. Der heute übliche Teebeutel wurde erst später von Adolf Rambold, Mitarbeiter bei Teekanne Radebeul erfunden.
Tee ist eines der wenigen Getränke, für das Menschen ihr Leben riskierten. Die Kaiser Chinas schützten ihr lukratives Monopol durch harte Strafen. Mitte des 19. Jahrhunderts beauftragte die British East India Company dann den schottischen Botaniker Robert Fortune mit dem Diebstahl des chinesischen Teegeheimnisses. Fortune verkleidete sich als chinesischer Mandarin – mit Zopf und traditioneller Kleidung. Man könnte sagen: Fortune hatte Fortune. Aber es war neben Glück auch die erstaunliche Dreistigkeit eines Mannes, der sich dachte: „Vielleicht merkt ja niemand, dass ich 20.000 Teepflanzen mitnehme.“ Seine Industriespionage war erfolgreich. Das Tee-Monopol Chinas zerfiel – eine der folgenreichsten wirtschaftlichen Verschiebungen des 19. Jahrhunderts.
Auch die amerikanische Unabhängigkeit hat mit Tee und Verkleidung zu tun – die berühmte Boston Tea Party 1773 war im Grunde nichts anderes als ein massives „Ihr könnt euch euren Zoll-Deal sonstwohin stecken“ – in Form von 342 Kisten Tee, die man mit dramatischem Gestus (und als Indianer verkleidet) ins Hafenbecken warf. Nüchterner betrachtet war es eine sehr, sehr teure Schale erster Aufguss, symbolisch serviert an König George III.
Bei uns trank man sich durch die frühen Jahrhunderte eher in stiller Tradition des Kloster- und Hauskräutertees. Huflattich, Melisse, Salbei – beruhigende Getränke, die mit sanftem Aroma sagten: „Beruhige dich. Leg die Mistgabel weg. Geh wieder nach Hause.“
Passende Mischungen gestatteten es aber auch, mit einer feschen Hildegard mal eine Nacht durchzubingen.
Die industrielle Teekultur erreichte unsere Region dann im 19. Jahrhundert.
In Radebeul nahm sie ihren Anfang durch zwei prägende Unternehmer. 1881 gründete Otto E. Weber seine Firma, die chinesischen Tee sowie „Carlsbader Kaffeegewürz“ vertrieb. 1882 entstand an der Meißner Straße die Firma R. Seelig & Hille, zunächst mit einem Laden für „Japan- und Chinawaren sowie Thee“. Die Firma sicherte sich eins der ältesten deutschen Warenzeichen „Theekanne“ – die zeitgenössische Schreibweise mit „h“, wie sie damals noch üblich war. (Damals wurde in Zeitungen nach Zeilen bezahlt. Also verlängerte man, wo es nur ging: Thee, Thräne, Thal, Thor – jedes Füll-h klingelte in der Kasse. Heute veredeln wir unsere Texte, indem wir coole english words in unsere Sätze mixen, die unsere corporate wording vibes total upliften. Oder so.)
Jedenfalls, in dieser Epoche war Tee weit mehr als nur ein Getränk. Es war ein gesellschaftlicher Moment, den man mit feinem Porzellan, gedämpfter Stimme und der Feierlichkeit einer gepflegten Pause zelebrierte. Nicht nur 17.00 Uhr im britischen Empire, sondern auch in der Lößnitz.
Otto E. Weber verkörperte diesen kultivierten Umgang mit dem Tee besonders eindrucksvoll: 1889 ließ er durch den renommierten Architekten Carl Käfer eine prächtige Villa errichten (siehe V&R 3/2000). Weil Weber regelmäßig Teegesellschaften in diesem Anwesen veranstaltete, gab ihm die Radebeuler Bevölkerung einen prägnanten Namen: das Teehaus.
Diese beiden Unternehmungen – Webers Importgeschäft und die zukunftsweisende Marke Theekanne – legten den Grundstein für Radebeuls Ruf als Standort der deutschen Teekultur. Nach 1945 änderte sich auch hier alles. Der Betrieb wurde enteignet, der Name wanderte westwärts, die Belegschaft blieb größtenteils – und so entstand auf dem Gelände der Otto E. Weber GmbH in Radebeul später der VEB Kaffee und Tee. In den 1960er Jahren holten Radebeuler dort gerne die sperrhölzernen Teekisten ab – begehrt nicht nur als Bastelmaterial. Außen mit exotischen Herkunftsbezeichnungen bedruckt, konnte man mit den Kisten auch ein Stückchen von der unerreichbaren weiten Welt nach Hause tragen. (siehe V&R 5/2024).
Heute werden an der Meißner Straße jährlich über 1,7 Milliarden Doppelkammerbeutel hergestellt – genug, um sechsmal den Weg von Radebeul bis nach Shanghai zu pflastern, aber wer macht schon sowas.
Das Geheimnis des Tees ist nicht nur der Geschmack. Es sind die paar Minuten, in denen nichts passiert. Es geht es um souveräne Haltung und Zeit als Zutat, Gegenpol zur Welt, die immer „sofort“ schreit.
Radebeul ist nicht nur ein Ort des Weingenusses, sondern auch des Tees. Die Stadt hat dieses leicht geneigte Gefälle in Richtung Gelassenheit. Tee ist eine kleine Schule des Lebens. Er zeigt, dass große Dinge aus Ruhe entstehen. Tee bedeutet im Grunde immer dasselbe:
Nimm dir Zeit. Schließe einen Moment die Augen. Sei einfach da. Jetzt darfst du schweigen.
(Bis hierhin erstmal, ich gehe mir nur kurz ein Bier aufmachen…)

Volker Rönsch

Einladung zur Jahresmitgliederversammlung 2026

 

Liebe Mitglieder,

zu unserer Jahresmitgliederversammlung von
Radebeuler Monatsheft e.V. „Vorschau und Rückblick „

am Freitag, den 20. Februar 2026, um 19 Uhr
in das Familienzentrum Radebeul / Gewölbekeller,
Altkötzschenbroda 20

möchte ich Sie ganz herzlich einladen.

Tagesordnung

1. Feststellung der satzungsmäßigen Einberufung und Beschlussfähigkeit der Mitgliederversammlung
2. Feststellung der Tagesordnung
3. Rechenschaftsbericht 2025
4. Kassenbericht für das Jahr 2025
5. Bericht des Kassenprüfers
6. Entlastung des Schatzmeisters
7. Vorhaben für 2026

Wie immer werden wir bei Schnittchen und Wein den Abend ausklingen lassen.

Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag

I.Rau
Vereinsvorsitzende

 

Eine Weihnachtsgeschichte

Er zaubert mir immer noch ein Lächeln ins Gesicht

Nachdem wir einige Jahre in Radebeul Urlaub gemacht hatten, haben wir uns 2023 entschlossen, hierher zu ziehen. Hier fand ich, was ich mir wünschte: Natur, Kultur und Architektur! Ich bin viel spazieren gegangen und habe in Radebeul-Ost in der Hauptstraße auch die Fenster mit den schönen Sprüchen gelesen: „Jedes Lächeln, das du aussendest, kehrt doppelt zu dir zurück.“ Ich war begeistert, und es passte so gut zu der folgenden Geschichte, die ich wirklich erlebt habe:
Morgens trinke ich, Rentnerin (84), gerne meinen Kaffee vor dem Fernseher oder lese die Zeitung. Die Nachrichten machen mich traurig! Immer gehen die Menschen aufeinander los, schlagen, bestehlen sich, morden. Empfinden die Menschen nur Hass, Wut und Gewalt? Nein, es geht auch anders!
Ich schaue auf meinen Schrank – dort steht ein Glas mit einem kleinen Bergkristall. Ich lächle, fühle mich wieder gut und erinnere mich.
2017 habe ich meinen Urlaub wie schon oft in Italien verbracht, kleine Städtchen, Kirchen, Burgen und die Natur genossen und war auch ein paar Tage in Siena. Um zu meinem Hotel zu kommen, habe ich auch am letzten Tag den Bus genommen. Ich hatte einen wunderschönen Tag, ich war glücklich. Dann im Bus, etwa zwei Meter vor mir, sah ich ihn: einen jungen Mann, um die 30, in einem Leinenanzug, Strohhut, den Schal ganz locker über der Schulter, einen Rucksack, blonde Locken, wunderschöne blaue Augen – und ein strahlendes Lächeln. Er strahlte mich an, ich ihn.
Wir haben kein Wort gesprochen, nur uns angelächelt, nur ein „Dich finde ich nett, welch ein schöner Tag“ – ohne Worte! Dann kniete er sich hin, suchte etwas in seinem Rucksack. Wieder ein Lächeln.
Der Bus hielt am Bahnhof. Er musste aussteigen, machte zwei Schritte auf mich zu und reichte mir mit diesem so lieben Lächeln einen winzigen Bergkristall – und stieg aus. Außer meinem erstaunten „Oh“ kein Wort.
Ich weiß nicht, wer er war, woher er kam, ob er Engländer, Däne, Italiener, Deutscher oder, oder war. Er war ein Mensch, der einer Fremden eine Freude machen wollte, der einfach nur nett sein wollte.
Ich denke oft an ihn – mit einem glücklichen Lächeln und der Gewissheit: Es gibt nicht nur Hass. Auch nicht unter Fremden.

Ursula Bauert

Ein guter Platz

Matthias Kratschmer vorgestellt

Der Grafikdesigner Matthias Kratschmer ist ein angenehm zurückhaltender Mensch. Seine „Produkte“ hingegen sind im Radebeuler Stadtraum kaum zu übersehen. Die Plakathalter am Straßenrand mit dem werbenden Spruch „Ein guter Platz“ werden nicht nur von den Autofahrern mehr oder weniger bewusst wahrgenommen. Die Absicht hinter der städtischen Aktion ist unschwer zu erkennen. Dem wilden Plakatieren wollte man eine praktikable Alternative entgegensetzen.

Foto: D. Flechtner

Wer die Lößnitzstadt fußläufig erkundet, wird an verschiedenen Objekten quadratische Plaketten in den Farben des Radebeuler Stadtwappens, weiß-rot-grün, bemerken. Das Motiv erinnert an strukturierte Weinterrassen, wohl auch in Anspielung auf Karl Kröners Essay „Die Lößnitz-Gestalt und Wirkung einer Landschaft“. Wer diese Plakette erhält, gehört zu den Favoriten der Radebeuler Bauherrenpreisverleihung. Auch die Piktogramme mit der stilisierten Weintraube zur Kennzeichnung der Radebeuler Wein-Wanderweg-Routen wurden von Matthias Kratschmer gestaltet. Was so klar und schlüssig wirkt, ist das Ergebnis eines sorgfältigen Entwicklungsprozesses.
In enger Zusammenarbeit mit der Landschaftsarchitektin Katrin Rudloff entstand aus einer Gestaltungsidee für den Kreisverkehr an der Stadtgrenze zwischen Radebeul und Coswig ein markanter Blickfang. Wo hingegen die Städtepartnerschaftsbänke im Rathausareal vermutlich nur wenigen Menschen aufgefallen sein werden. Ihr Schöpfer selbst bezeichnete sie als DatenBänke. Was auch immer er damit gemeint haben mag
Einige Lebensstationen des Radebeuler Grafikdesigners Matthias Kratschmer sollten hier Erwähnung finden. Geboren wurde er 1952 in Gera. Mit der Familie zog er 1963 nach Radebeul, besuchte zunächst die „Gelbe Schule“ (heute OS Kötzschenbroda), später die „Uhrschule“ (heute GS Kötzschenbroda). Das Bootshaus befand sich in unmittelbarer Nähe und der 11-jährige Schüler entdeckte für sich den Rudersport, welchen er bis heute betreibt. In der Gruppe der über 70-jährigen (1000-Meter-Strecke) wurde er 2024 Deutscher Meister im Einer-Rudern und 2025 Europameister im Doppel-Vierer. Dass er die Broschüre zum 100-jährigen Bestehen des Bootshauses gestaltete, scheint nahezu folgerichtig.

Foto: M. Kratschmer

Später erlernte er den Beruf eines Maschinenschlossers, studierte an der TU Dresden Maschinenbau, arbeitete im Kraftwerksanlagenbau in der Bau- und Montagetechnologie und als Laboringenieur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 1982 bis 1987 absolvierte er ein Fernstudium für Produktgestaltung (heute Industriedesign) in Halle an der Burg Giebichenstein. Danach war er bis zu dessen Auflösung als Formgestalter am Institut für Luft- und Kältetechnik tätig. Schließlich wagte er im Jahr 1992, nicht ganz freiwillig, den Schritt in die Selbständigkeit. Seit 1995 ist er Partner im Büro H-Design. Das H steht für den Firmengründer Wolfgang Hartig. Arbeitsschwerpunkte sind Produktentwicklung, Industrie- und Grafikdesign. Die Referenzliste ist lang. Zur Ausstellung “Nützliche Ästhetik“ präsentierten sich im Jahr 2002 beide Designer mit Beispielen ihrer Produktpalette in der Radebeuler Stadtgalerie.
Besonders mit der Kultur- und Werbegilde Altkötzschenbroda entwickelte sich ab 2000 eine fruchtbare Zusammenarbeit. Zahlreiche Informations- und Werbeerzeugnisse, die danach für verschiedene Vereine und Institutionen entstanden sind, tragen Matthias Kratschmers Handschrift. Alle einzeln aufzuführen, würde jedoch diesen Beitrag sprengen.
Mit zwölf Titelbildern wird uns der Grafikdesigner durch das Jahr 2026 begleiten. Die erläuternden Texte hierzu schreibt er selbst und gewährt einen differenzierten Einblick in das Metier seiner Zunft.
Zum Zeichnen ist Matthias Kratschmer verstärkt in der Coronapandemie gekommen. So begann er am 11. März 2020 mit einem grafischen Tagebuch, welches er bis heute führt. Gespiegelt werden Eindrücke und Befindlichkeiten des jeweiligen Tages. Das fertige Werk stellt er abends in seinen Status bei Whats App. Seitdem sind weit über 700, zum Teil colorierte Zeichnungen entstanden, in der Regel Unikate, die von ihm mitunter digitalisiert und weiterbearbeitet werden.
Seine grafischen Blätter sind keine gegenständlichen Abbilder. Linien und Strukturen fügen sich zu seltsamen Gebilden. Die bemerkenswerte Akkuratesse in der Ausführung erfordert Konzentration und eine ruhige Hand. Florale und konstruktive Elemente scheinen auf surreale Weise zu verschmelzen. Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, ist ein umfangreiches Werk an freien grafischen Arbeiten entstanden, die den Designer nicht verleugnen.
Eine vielseitige Werkauswahl zeigte er 2024 zum Thema „Struktur und Farbe“ in einer Zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis. Bereits 2025 folgte eine weitere Personalausstellung in der Lößnitzbar unter dem Motto „Meine grafischen Tagebücher von 2021–2025“. Mehrfach beteiligte er sich an den Themenorientierten Sommerprojekten der Stadtgalerie und den Gemeinschaftsaktionen „Kunst geht in Gärten“. In diesem Zusammenhang, sind auch seine ersten plastischen Kunstobjekte entstanden.

Übrigens hat sich auch für Matthias Kratschmer „ein guter Platz“ gefunden. Die Lößnitzstadt wurde für ihn zum anregenden Lebensmittelpunkt, was nicht zuletzt in seinem künstlerischen Schaffen zum Ausdruck kommt.

Karin (Gerhardt) Baum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Editorial 01-26

Liebe Leserinnen und Leser,
Zwölf Tage und Nächte sind es vom Christfest am 25. Dezember bis zum Fest der Erscheinung am 6. Januar. Genau in der Mitte dieser Zeit schreiben wir – sofern wir der christlichen Tradition folgen – ein neues Jahr, 2026 mittlerweile nach Christi Geburt. Beginnen wird alles mit der Heiligen Nacht. Der Nacht, in der arme Hirten ihren Wert und ihre Würde fühlen und große Könige ihre Demut. Der Nacht, in der die Liebe zur Welt kommt und mit ihr der Frieden, gegen den Augenschein und vor allem gegen die so augenscheinliche Finsternis. In der langen Dunkelheit gerade dieser Nacht wird das Licht geboren. Wir selbst können neu das Licht der Welt erblicken, wenn wir in die Augen unserer Lieben schauen oder wenn wir in den Kirchen als Menschen zusammenstehen und singen, was sich niemand von uns ausdenken könnte: „Welt ging verloren, Christus wird geboren“.
Es sind die sanften Kräfte, die sich durchsetzen werden. Darauf liegt Segen, auf der schlichten Menschlichkeit, auf dem kleinen Kind, auf dem Mann und der Frau an der armseligen Krippe und bald schon auf der Flucht. Es liegt kein Segen auf dem Gebrüll, auf nationalistischen Parolen, auf der Abwertung oder Ausgrenzung anderer Menschen, auf der Gewalt nicht und nicht auf der zwanghaften Selbstdurchsetzung bis hin zum Krieg. Damit kann man kurzfristige Vorteile erzielen oder sich selber stark fühlen, aber niemals wird Segen darauf liegen.
Wenn uns der Grund des Lebens aus den Augen eines Neugeborenen anschaut, bittet er um ein neues Menschsein. Da braucht es nicht viele Dinge. Nur einfache, offene Herzen für das, was Gott uns damit gesagt hat. Ich rate gern dazu, sich nicht allzu sehr mit Äußerlichkeiten davon abzulenken. Denn nichts anderes kann uns Menschen retten.
Ich wünsche Ihnen, was immer Sie persönlich glauben, Gottes Segen für diese Tage und für das kommende Jahr!

Christof Heinze, Pfarrer der Lutherkirchgemeinde Radebeul im Kirchspiel in der Lößnitz

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