Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe 2026 auf dem Jahnaischen Hof Meißen in der Produzentengalerie

Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe 2026
auf dem Jahnaischen Hof Meißen in der Produzentengalerie

Auch in diesem Jahr möchten wir an die kulturellen Ereignissen der letzten Jahre anknüpfen und wieder ein interessantes Veranstaltungsprogramm gestalten in dem Bildende Kunst, Literatur und Musik in Verbindung gebracht werden. Den historischen Jahnaischen Hof als Kunst- und Kulturort in Meißen lebendig zu halten und die Strahlkraft über Meißen hinaus zu stärken, ist das große Anliegen.
Mit der ersten Ausstellung in diesem Jahr mit dem Titel „Scharfenberger Wege I“ wird der Beginn einer Ausstellungsreihe ihren Anfang finden, in der Arbeiten von Künstlern gezeigt werden, die in Scharfenberg bei Meißen gearbeitet und gelebt haben. Scharfenberg, insbesondere das Schloß Scharfenberg übte seit dem frühen 19.Jh. mit dem „Scharfenberger Kreis“, dem literarischkünstlerischen Zirkel um Tieck, Novalis, Körner, Fouque u.a. eine bedeutende Anziehung aus.
Diese Anziehungskraft setzte sich bis in die heutige Zeit fort, so dass es im laufe der Jahre zahlreiche Künstler nach Scharfenberg und in die Umgebung gezogen hat.
In der Produzentengalerie Jahnaischer Hof wird mit dieser Ausstellungsreihe die Bedeutung und Ausstahlung dieses Ortes und der Gegegend des Meißner  Hochlandes mit seinen zeitgenössischen Künstlerpersönlichkeiten thematisiert.
Die Ausstellung „Scharfenberger Werge I“ vom 8.5. bis 19.7.2026 zeigt Malerei von Andreas Bäunsdorf, Graphitzeichnungen von Angelika Becher und Siebdrucke und Radierungen von Sylvia Fenk.
Auf Schloß Scharfenberg lebten und arbeiteten Andreas Bräunsdorf von 2001 bis 2025 und Angelika Becher, 2000/01 und ab 2025. Sylvia Fenk hatte ihren Atelier-und Wohnort von 1995 bis 2005 auf einem Hof in Scharfenberg. Da Andreas Bräunsdorf im September letzten Jahres bei einem Autounfall ums Leben kam, wird diese Ausstellung auch zu seinem Gedenken ausgerichtet.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

PR Jahnaischer Hof

8.5., 19.30 Uhr, Vernissage
Laudatio: Katharina Arlt, Musik: Max Wutzler (Gitarre), Thomas
Schönfeld (Trompete), Gero Dumrath (Schlagzeug)

23.5., 10 -18 Uhr „Kunst offen in Sachsen“

30.5., 18 – 22 Uhr „Lange Nacht der Kultur“
ab 19 Uhr Lieder und Oldys mit der one man band „Streuner“

5.6., 19.30 Uhr Verwehte Geschichte – Vergessene Romantik.
„Der Scharfenberger Kreis“ und die Geselligkeit der Künstler.
Vortrag von Dr. phil. Justus H.Ulbricht (Historiker), Musik Stefan
Maaß (Gitarre)

12./13.6. zahlreiche Lesungen zum Literaturfest Meißen und
zwei Konzerte auf dem Jahnaischen Hof
12.6., 20 Uhr„ Sehnsucht nach gestern und morgen“ Lieder und Poesie
aus dem Hohen Fläming mit Maren Petzold (Gesang, Gitarre),Texte von und
Helmuth Engels
13.6., 20.30 Uhr, „El viaje del Salamandro“, Konzert mit Saúl und
Leandro aus Ecuador und Argentinien (Quenas, Gitarre, Zikus,
Charango, Ronrroco, Quenacho, Percussion)

3.7., 19 Uhr, Finissage und Konzert
Gitarrennacht mit David Benjamin Sick


Die zweite Ausstellung in diesem Jahr mit dem Titel „querbeet“
zeigt Objekte, Assemblagen und Hinterglasbilder von Else Gold.
Diese wird am 4.9. eröffnet. Auch in dieser Ausstellungszeit wird es
zahlreiche Veranstaltungen geben.

Informationen sind auf www.sylviafenk.de zu finden.

Jahnaischer Hof
Freiheit 1
01662 Meißen
Kontakt: post@sylviafenk.de

Konzertankündigung Schlosskirche Jahnishausen

MIT LEIB & SEELE – chorusvocalis

PR chorusvocalis

In der Schlosskirche Jahnishausen findet am 10. Mai 2026 um 16 Uhr das erste gemeinsame Konzert der beiden Dresdener Chöre „chorus resonia“ und „vocalis“ unter dem neuen Namen „chorusvocalis“ statt.
Die Organisatoren freuen sich sehr, dass dieser gemischte Chor mit seinem neuen Projekt, eigens für diesen Anlass konzipiert, den Jahnishausener Schlosskirchensommer 2026 eröffnet.

Unter der bewährten Leitung von Edith Maria Breuer, die in ihrem Musiksalon „impulssein“ in Radebeul Altkötzschenbroda musiziert, mit Chören probt und unterrichtet, lädt das Programm MIT LEIB & SEELE zu einer musikalischen Erlebnisreise durch berührende Chorliteratur von Heinrich Schütz, J.S. Bach, Jean Sibelius, Ola Gjeilo und Eric Whitacre ein.

Die beiden Chöre widmen sich seit langem dem Entwickeln und Erleben vom eigenen freien Klang.
Als klassische Sängerin und Chorleiterin überschreitet Edith M. Breuer dabei mit Freude Genregrenzen.
Von Taizé-Gesängen über Bach, Pärt oder Lauridsen bis hin zu Popsongs bietet jedes Genre spezielle Möglichkeiten und Farben für die EINE Idee:
Klangwelten zu erleben.

Mit Leib & Seele musikalisch durch die Jahrhunderte zu wandern und dabei jeweils das Herz einer Komposition zu entdecken, ermöglicht in diesem Programm ein besonderes Hörerlebnis im unverwechselbaren Resonanzraum der Konzert- und Kulturkirche in Jahnishausen/ Riesa.

Am Piano: Susanne Barnkoth, Dresden
Leitung: Edith Maria Breuer, Radebeul, www.impulssein.com

 


Eintritt 15 Euro,
Ticketreservierungen unter +49 177 6790220
Barrierefreier Zugang

Der Notschriften-Verlag ist umgezogen

Verleger Jens Kuhbandner am neuen Standort, Foto: S. Graedtke

Der Radebeuler Notschriften-Verlag feiert 2026 nicht nur sein 30-jähriges Bestehen, sondern hat am prominenten Platz ein neues Zuhause gefunden. Sieben Jahre war der Buchladen etwas versteckt in der Bahnhofstr. 19a ansässig. Kurz vor Ostern eröffnete in den Räumlichkeiten der einstigen „Holzkiste“ direkt am Dorfanger Altkötzschenbroda 22 der Sitz des Verlages seine Pforte.
Über dem Ladengschäft prangt nun „Buch & Spiel“, da sich der Verlag mit einem ausgewählten Angebot von Holzspielwaren den Verkaufsraum mit dem langjährigen Inhaber der „Holzkiste“ in Symbiose teilt.
Die Redaktion von „Vorschau & Rückblick“ wünscht dem Verleger Jens Kuhbandner am neuen Ort alles Gute und stets eine interessierte Käufer- und Leserschaft!
Und selbstverständlich sind allmonatlich auch unsere Hefte dort zu finden.

Sascha Graedtke

 

 

Lößnitzbar – Ausstellung „Im Licht der Schatten“

Stille Dinge und fotografische Collagen von Holger Goehler

Foto: A. Mayer u. H. Goehler

Holger Goehler widmet sich seit Langem der Stilllebenfotografie. Dabei erkannte er sein besonderes Potenzial im Umgang mit Licht und Schatten. Hier arbeitet er an Langzeitprojekten wie „Homelights“, „Office life“ und „Bathroom stories“ – vorzugsweise in Schwarz-Weiß. Bei seinen Kompositionen spielt er bewusst mit Schatten und Reflexionen und experimentiert damit, wie Formen das Licht manipulieren können.
In jüngster Zeit beschäftigt er sich mit der Technik von Mehrfachbelichtung und Collagen. Hierbei setzt er fotografische Sequenzen

K. Kiesewalter

von unterschiedlichen Schauplätzen zusammen und erzeugt surreale visuelle Geschichten.

Die Ausstellung ist derzeit in der Radebeuler Lößnitzbar zu sehen und die rührigen Baristen mit „Lokal & Bühne“ freuen sich auf Ihren Besuch. Bitte beachten Sie zudem die zahlreichen weiteren Veranstaltungen und Angebote!

 

 

Foto: H. Goehler

 

Manfredo

„Mütter gebt von eurem Überfluss“ – das Plakat von Käthe Kollwitz entstand vor 100 Jahren

Schenkung der Originallithografie von Käthe Kollwitz durch Dr. Ursula Schoen ist jetzt im Kollwitz Haus in Moritzburg zu sehen

Repro: Käthe-Kollwitz-Haus

Das Plakat entstand 1926 für die Milchsammelstelle der Frauenklinik Erfurt. Initiiert hatte dies die Ärztin Dr. Marie-Elise Kayser. Im Mai 1919 hatte sie in der Säuglingsabteilung des Magdeburger Krankenhauses Altstadt die erste Frauenmilchsammelstelle Deutschlands ins Leben gerufen. Jahrzehnte existierten diese Sammelstellen in fast allen deutschen Großstädten. Noch heute existieren ca. 20 Sammelstellen in Deutschland nach Marie-Elise Kaysers Vorbild.
Bereits 1921 hatte sich die Ärztin an Käthe Kollwitz gewandt, mit der Bitte um ein Plakat für ihre Spendenaktion in Erfurt.
Käthe Kollwitz schreibt am 16. Dezember 1921:
„Ich finde die Idee glänzend. Sicher ist da ein Weg, die Säuglingssterblichkeit herabzudrücken. Ein Plakat, das für diese Idee wirbt, denke ich mir so, dass eine junge fröhliche Frau mit voller Brust, an der sich ihr eigenes Kind bereits sattgetrunken hat, dass sie aber noch im Arm hat, ein fremdes schwächliches Kind in den anderen Arm nimmt und anlegt…Ich möchte so etwas schon gerne machen – schon weil ich die ganze Idee so glücklich und erfreulich finde – aber doch kann ich es ihnen nicht zusagen… Ich habe jetzt sehr viel Arbeit vor, die ich nicht unterbrechen möchte und kann“.
1923 stehen die beiden Frauen erneut im brieflichen Kontakt. Und wieder ist Käthe Kollwitz beschäftigt mit einer großen Plastik für die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Dr. Ursula Schoen und Katharina Merkel, Vorsitzende des Vereins Käthe Kollwitz Moritzburg e.V., Foto: A. Ackermann-Schopf

Dann endlich 1926 kann die Künstlerin mit der Arbeit beginnen.
Sie schreibt am 31.10.1926: „Liebe Frau Dr. Kayser/ Meine Absage lässt mir doch keine Ruhe und ich möchte nun so sagen: Ich versuche gleich die Sache vorzunehmen. Glückt sie, dann erhalten Sie sie zum 10. November, glückt sie nicht, dann kann ich sie eben nicht, wenigstens jetzt nicht, machen“. Sie bittet um den Text, der auf das Plakat soll.
Sie vereinbarten, einige signierte Vorzugsexemplare der Lithographie zu behalten und zu verkaufen. Den Druckstein überließ Käthe Kollwitz Frau Dr. Kayser.
Eine dieser Lithographien gehört jetzt dem Freundeskreis des Kollwitz Hauses und ist in Moritzburg seit Ende März 2026 zu sehen.
Übergeben wurde sie von Dr. Ursula Schoen im März 2026 zur Mitgliederversammlung des Vereins.
Der Kontakt zu unserem Verein entstand über unser Vereinsmitglied Thomas Emmrich, der Frau Dr. Schoen auf einer Tagung der Diakonie kennen lernte.
Wie kam die Lithographie in den Besitz von Frau Dr. Schoen?
Dr. Ursula Schoen: „Marie-Elise Kayser war die Ehefrau von Konrad Kayser, ebenfalls Arzt in Erfurt. Konrad Kayser war der Patenonkel meines Vaters, Wilhelm Gieseke., aus dessen Nachlass das Bild stammt. Er schenkte es meinen Eltern zur Hochzeit. Wir freuen uns, dass das Bild in Moritzburg nun einen guten Platz findet.“
Der Freundeskreis Käthe Kollwitz Moritzburg e.V. dankt Frau Dr. Schoen ganz herzlich für diese Schenkung und freut sich über die Bereicherung der Ausstellung im Sterbehaus von Käthe Kollwitz.

Petra Grubitzsch, Freundeskreis Käthe Kollwitz

 

Editorial 26-05

Was für ein Freitagabend, am 17. April! Ziel waren die Landesbühnen Sachsen, aber nicht ein Schauspiel oder eine Oper aus dem reichhaltigen Angebot des hiesigen Theaterhauses waren der Anlass. Diesmal öffneten das Theater und die „Goldene Weintraube“ ihre Pforten, um einem Spektakel ganz anderer Art Platz zu bieten.
Ein begeistertes Publikum konnte zum zweiten Mal das Finale des „Golden Grape Music Contest 2026“ im „Glashaus“ und alternierend in der „Goldenen Weintraube“ erleben. Eine Fachjury aus dem Jugend- Sozial- und Kulturbereich hatte aus 38 Bewerbungen in einem fünfstündigen Marathon acht Bands bzw. Protagonisten herausgefiltert. Aus denen sollte an diesem Freitag das Publikum den Sieger küren. Sehr unterschiedliche Sounds sowie Texte in deutscher oder englischer Sprache brachten das Publikum zu begeisterten Beifallsbekundungen. Natürlich waren da auch Fans dabei.
Ehrlich gesagt: Ich habe mich an der Bewertung am Ende nicht beteiligt. Alle hätten von mir mit ihren unterschiedlichen Musikstilen und ihren wirklich beeindruckenden Leistungen einen Preis verdient gehabt. Und ebenso hätten die Organisatoren einen Preis verdient. Im Zusammenspiel der Landesbühnen Sachsen, The Barnyard Live Club, dem Radebulli, dem White House, dem Radebeuler Kultur e.V. , dem Büro für Popkultur und Musik in Sachsen, der JUCO Soziale Arbeit gGmbH, der Stadt Radebeul und dem Freundeskreis der Landesbühnen Sachsen & der Felsenbühne Rathen e.V. ist es gelungen, ganz im Gegensatz zu „viele Köche verderben den Brei“ einen großartigen Abend für alle Beteiligten zu organisieren. Dafür ein großes Lob, verbunden mit der Hoffnung auf Fortsetzung.
Das sind erhaltenswürdige kulturelle Werte!

Ilona Rau

Zur Titelbildserie

Aus meinen grafischen Tagebüchern

Schon als junger Mann haben mich Architektur und Skulpturen der klassischen Antike fasziniert. Vermutlich hat diese Kunst Spuren in meinem Innersten hinterlassen. Woher sonst taucht spontan beim Zeichnen mit Tusche und Feder das Bedürfnis auf, Architekturelemente dieser Zeit in meine abstrahierte grafische Arbeit einzuarbeiten? Denn Gelegenheit, diese Objekte im Original vor Ort zu erleben hatte ich bisher nicht.

Trotzdem entwickeln sich beispielsweise Zeichnungen wie eine Mischung aus Elementen dieser klassischen Architektur, textilem Faltenwurf und optischer Illusion. Mit Linien, Schraffuren und Kontrasten versuche ich eine starke grafische Wirkung zu erreichen die, wie sich im Rückblick herausstellt, entfernte Ähnlichkeiten mit Zentangle- oder Op-Art-Elementen enthält.

Was an ein ionisches Kapitell erinnert, könnte man auch als zwei Spiralen, die wie wachsame Augen den darunter fließenden Stoff, enge Schraffuren oder das flirrende Schachbrettmuster beobachten, interpretieren.

Vertikale Bahnen in der Mitte, wie Vorhänge oder fließende Stoffe, die kurz zu kippen oder einzuschnüren zu scheinen, öffnen hinter dem Ornament scheinbar eine zweite Ebene. Die zu entdecken überlasse ich dem Betrachter.

Alles ist in Bewegung, im Rhythmus – mein Spiel aus Ordnung und Verformung, aus Architektur und textilem Traum.

Mit Felix Meyer poetisch durch das Jahr

Radebeuler Miniaturen

Pazifitz

Evergreenes Denkblatt für alle Unverbesserlichen

Zeitenwende:

Es war ein hoffnungsvoller Auftakt:

Singend waren sie losgegangen mit Schwert und Schild – und sie habens abgelegt unten am Fluß. Kriege, sangen sie, sind nicht mehr unser Lied. Fortan, sangen sie weiter, werden wir nur noch Fröhliches studieren. Das Leben ist zu kurz für militärische Albernheiten.

Und alle sangen mit.

Als sie weg waren – von fern her war noch der Gesang zu hören – lagen die einst heiligen, nun aber verfemten Geräte immer noch unten am Fluß: Schwert und Schild – was sollte damit werden?
Das längst erwartete Hochwasser hätte, so die Hoffnung der Pazifisten, den ganzen Müll mit einer dicken Schlammschicht bedecken sollen. So geriete das Kriegswesen in Vergessenheit. Spätere Archäologen könnten dann, so hofften die Pazifisten weiter, mit Staunen und mit Grauen aus den Sedimenten klauben, was frühere Barbaren (also wir) so alles zum Verderben der Menschheit erfunden, gebaut und dann auch noch stolz durch die Gegend getragen hatten.

Infolge anhaltender Trockenheit aber blieben die Hochwasser aus und mit ihnen die Sedimente – und der ganze Krempel blieb liegen.

Und niemand hatte die Absicht, jemals wieder etwas damit anfangen zu wollen.

Unten am Fluß aber fanden spielende Kinder Schwert und Schild. Sofort erwachte ihre Neugier. Als richtige Fizipasten müssen Kinder natürlich alles wegtragen und ausprobieren und dann verstecken. Kinderverstecke sind jedoch keine Sedimente.

So blieb der Müll erhalten und geriet irgendwann wieder in die falschen Hände.

Während die Pazifisten immer noch vom Weglegen singen, ziehen die Fazipisten schon wieder schwer bewaffnet und grölend durch die Straßen. Dank infantiler Sensationslust können sie sich wieder als Sieger fühlen – und selbstverständlich hat auch von ihnen niemand die Absicht, in fremden Gärten Eis zu essen.

So beginnt immer wieder alles von vorn.

Und das hat mit keinem Regen die Seitenwende gemacht.

Thomas Gerlach

Glosse

Finstere Zeiten

Es war der 2. Sohn von Dschingis Khan, Gründer des Mongolenreiches, Ögedei Khan, der 1235 auf dem „Schwarzen Fels“ die Kuriltai (Fürstenversammlung) einberufen ließ, die dann den in die Geschichte eingehenden Feldzug gen Westen beschließen sollte, in dessen Folge das bis dahin größte Reich auf dem Planeten entstand. Es erstreckte sich vom Stillen Ozean bis nach Osteuropa, vom Balkansee bis Estland, dem Vorderen Orient und bis zur chinesischen Insel Hainan. Der „Schwarze Fels“ wurde unter diesem Herrscher maßgeblich zur Hauptstadt des Reiches ausgebaut.

Dort aber, wo zur Blütezeit des Mongolenreiches dessen gigantische Heerscharen mit ihren 150.000 „Reitern des Teufels“ auftauchten, verdunkelte sich der Himmel. Auf ihrem nahezu geraden Weg nach Westen hinterließen sie eine Spur der Verwüstung, auch ohne Kampfbomber und Raketen. Dieser „Mongolensturm“, geführt von Batun Khan aus der Sippe von Dschingis Khan, fegte über Kleinasien hinweg, eroberte die Wolgabulgaren, machte Wladimir, Moskau, Kiew und andere Orte dem Boden gleich – so manchen würde es heute freuen –, besiegte das polnisch-deutsche Ritterheer und den ungarischen König Béla IV. Und beinah, beinah wäre auch das sich gerade vom Herzogtum Bayern „gelöste“ Österreich in die Hände der Mongolen gefallen, die noch bei der Wiener Neustadt unschlüssig herumstanden.

Und wie so häufig in der Geschichte, wendete ein Glücksumstand – in unserem Fall der Tod des Großkhans Ögedei – die Zerstörung von Wien, der Hauptstadt des nunmehrigen Herzogtums Österreichs, ab. Die Mongolen trabten nach Hause, denn dort wurde Batun Khan dringend erwartet: Ein neuer Großkhan musste gewählt werden.

In unseren Zeiten braucht man seinen „Sitz“ nicht mehr verlassen, um ein fremdes Land zu „erobern“. Das geht bequem von der eigenen Wohnstube aus, beispielsweise in Ramstein, mit Hilfe von Maschinen – auch dank der Künstlichen Intelligenz. Ob aber das der richtige Namen für ein System ist, welches keine humanen Werte kennt, kann in diesem Fall dahingestellt bleiben. Wann ist bei aller Friedensrhetorik, ein Krieg human? Ist es überhaupt noch denkbar, dass zur nächsten Wahl das Blatt noch gewendet werden kann?

Freilich, auch die Mongolen waren damals nicht zimperlich. Deren Kriegsführung war beweglich, setzte nicht wie bisher auf stammeszugehörig, sondern auf eine straffe militärische Führung mit Belohnung nach Leistung. Auch wurde mitunter die gesamte Einwohnerschaft eines Ortes um die Ecke gebracht. So konnte es aber auch geschehen, dass sie einfach weiterzogen, wenn eine Stadt sich partout nicht erobern lassen wollte. Was soll’s!

Damals war eben die Welt noch ganz anders. Haben die Mongolen die lange „Reise“ doch nicht ausschließlich unternommen, um die Ländereien zu besitzen, wie etwa die Römer. Vielmehr waren sie meist auf Beute aus. Freilich gab es auch in der Zeit der Mongolenherrschaft so was wie einen „Mongolischen Frieden“ (Wortschöpfung westlicher Historiker), um im Inneren des Reiches stabile soziale, kulturelle und wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen. Ihre Beweglichkeit war eben ihre eigentliche Stärke.

Um 1279 erreichte das Reich seine größte Ausdehnung und fiel nach 1307 in die Bedeutungslosigkeit. Nach 117 Jahren war der ganze „Mongolenspuk“ vorbei. Die wiedererstarkten Chinesen zerstörten schließlich 1388 den Sitz des Mongolenreiches Kakakorum und die Bewohner flohen in die nördliche Steppe. Heute kann man die nunmehrige Ruinenstätte dort besichtigen, weiß

Euer Motzi

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