Radebeul liest, Programm 1. Woche

Sonntag, 1. März, 16 Uhr, Weingewölbe, Hoflößnitzstr. 82

Zum Auftakt geht´s an einen ungewöhnlichen Ort: einen ehemaligen Bunker im Weinberg. „RADEBEUL Ein Lese Buch“ aus dem Notschriftenverlag verrät, was es damit auf sich hat. Thomas Gerlach und Jürgen Stegmann lesen Geschichten und Gedichte aus und über Radebeul. Den passenden Wein dazu sowie einen kleinen Imbiss hält Winzer Thomas Teubert parat.

Montag, 2. März, 17.30 Uhr, Stadtbibliothek Ost, Sidonienstr. 1c

Der Kulturverein der Stadtbibliothek lädt zum Gespräch über Literatur. „Nikolai Karasim: Briefe eines russischen Reisenden“. Ein junger russischer Adliger unternimmt Ende des 19. Jhd. eine Reise durch Westeuropa und kommt in Paris mit der französischen Revolution in Berührung.

Dienstag, 3. März,19 Uhr, Gartenzimmer im Lutherhaus der Friedenskirche, Altkö 40

„Frauen & Männer – Männer & Frauen“ . Der Dresdner Autor und Pfarrer i.R. Hans-Jörg Dost erzählt vom tatsächlichen Leben. Musikalisch wird er von Norbert Arendt am Flügel begleitet. In jeder Geschichte sind Frauen und Männer, Männer und Frauen für einander von unübersehbarer Bedeutung – in ihrer Verfehlung wie auch zu ihrem Glück.

Donnerstag, 5. März, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Ost, Sidonienstr. 1c

Lesung mit musikalischer Begleitung: Jürgen Stegmann liest aus „Landesbühne“ von Siegfried Lenz. Während einer Theatervorstellung in der JVA verlassen Häftlinge mit dem Bus der Landesbühne das Gelände. Bei einem Volksfest werden sie für die lang erwarteten Schauspieler gehalten. Jetzt müssen sie all ihr Talent einsetzen, damit der Schwindel nicht auffliegt.
? Voranmeldung notwendig: Stadtbibliothek Radebeul-Ost, Tel. 0351 8305232 oder bibliothek@radebeul.de

Freitag, 6. März, 18.30 Uhr, Flack`s Getränkehandel, Hoflößnitzstr. 3

Cara Catalina Fox & Tabea Weingardtner erzählen Begebenheiten rund um die Fortbewegung auf zwei Rädern… ob auf dem Drahtesel oder der Harley Davidson: mit Charme, Witz, Dramatik und Tiefgang. Lebendig, authentisch, ungeschminkt und kurzweilig.

Samstag, 7. März, 14 Uhr bis „open end“, Lößnitzbar – Lokal & Bühne, Fabrikstraße 47 (am Lößnitzbad)
Die „Lößnitzbar“ beendet ihre Winterpause – mit zwei Lesungen am gemütlichen Kamin und Weltmusik am abendlichen Lagerfeuer.

14 Uhr: „Böhmische 21“ heißt der Erzählband von Edward Güldner, aus dem Schauspieler Michael Heuser liest, musikalisch begleitet von Peter „Salbei“ Schlott. Geschichten aus der Dresdner Neustadt – Geschichten aus der wilden und anarchischen Wendezeit.

17 Uhr: Monika Groth erzählt eine Geschichte über Freiheit, Musik und Erwachsenwerden. „Mixtape of an Eastern Girl“ ist ein autofiktionaler Roman über das Aufwachsen in der DDR, weibliche Selbstermächtigung und Musik als existenzielle Überlebenshilfe. Joni Müller wächst auf zwischen Plattenbau und leiser Rebellion, Sehnsucht und Widerspruch. Musik wird ihr Fluchtpunkt.

19 Uhr: Krambambuli spielt Weltenmusikgroovejazz aus Swing-Manouche, Musette, Osteuropa, Tango & mehr… Besetzung: Akkordeon, Kontrabass, Gitarre, Geige, Klarinette, Drums

214 zu 103

Zur Premiere von „Terror“ an den Landesbühnen Sachsen am 17.1.2026

Szene mit Oliver Natterer und Julia Vincze


Erstaunlicherweise sind drei sehr erfolgreiche Gegenwartsautoren von Haus aus Juristen, die sich nach einer gewissen Zeit im studierten Beruf vermehrt dem Schreiben zuwandten: Alexander Kluge, Bernhard Schlink und Ferdinand von Schirach. Ferdinand von Schirach ist unter diesen drei derjenige, dessen Texte zu einem erheblichen Teil darauf abzielen, der Leserschaft juristische Fragen und Problemstellungen vorzulegen, die unser Zusammenleben in einem demokratisch verfassten Rechtsstaat berühren. Mit seinem 2015 veröffentlichten Gerichtsdrama „Terror“, das binnen kürzester Frist zu einem deutschlandweit diskutierten Erfolgsstück wurde, rührt von Schirach an den Grundfesten unserer Vorstellungen von Recht, Ethik und Moral und versetzt die Zuschauer in einer Versuchsanordnung in die Rolle von Schöffen, die in einem Strafprozess ein Urteil zu fällen haben. Durfte ein Kampfbomberpilot der Luftwaffe ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug mit 164 Reisenden abschießen, das Kurs auf das vollbesetzte Münchner Stadion genommen hatte und damit möglicherweise etwa 70000 Menschen in den Tod gerissen hätte? Die interaktive Anlage des Theaterabends bedingt die Spannung, die bis zum Ende steigt: Wie werde ich mich selbst entscheiden, wie das Publikum insgesamt? Die präzisen, von Gedankenschärfe und juristischer Fachsprache geprägten Dialoge der Prozessbeteiligten bedürfen keiner besonderen Ausstattung und keiner dramaturgischen Kniffe, keiner technischen Effekte und keiner musikalischen Begleitung. Stattdessen bedarf es im Kern einer weitgehend authentischen Simulation eines Prozesses, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Insofern dürfen die Einflussnahmen der Verantwortlichen (Regie: Jan Meyer, Bühne und Kostüme: Ralph Zeger) nicht zu groß sein, woran sich auch die Inszenierung an den Landesbühnen erfreulicherweise orientiert. Der Einstieg in das Stück über eine (imitierte) Meldung der Tagesschau und über Social-Media-Posts verlegt das Geschehen ins Hier und Jetzt und macht die Bühne frei für das Kammerspiel. Der vorsitzende Richter (Andreas Pannach) führt die Zuschauer in das Geschehen ein, lässt sie aufstehen und belehrt sie. Pannach füllt die Rolle des ausgleichenden Elements zwischen Verteidigung (Peter Anders als Verteidiger Biegler) und Anklage (Julia Vincze als Staatsanwältin Nelson) für meinen Geschmack bisweilen zu gutmütig-großväterlich aus, wohingegen Julia Vincze und Peter Anders in ihren Rollen aufgehen. Insbesondere Vincze verfügt über eine Schärfe in Stimmung und Auftreten, die einen unwillkürlich zusammenzucken lässt. Das bekommen auch der Angeklagte Lars Koch, (Oliver Natterer) und der Zeuge Christian Lauterbach (Dominik Tippelt) zu spüren, deren nervöses Mienenspiel bei der Befragung durch die Anklägerin eindrucksvoll durch ein auf den Bühnenhintergrund projiziertes Video sichtbar gemacht wird. Sowohl Oliver Natterer als auch Christian Lauterbach verkörpern glaubhaft zwei bestens ausgebildete Bundeswehrangehörige, die jeder an seinem Platz das taten, was sie glaubten tun zu müssen. Aufhorchen lässt den aufmerksamen Zuschauer die Nachfrage der Anklage, warum keiner der im Kontrollzentrum anwesenden ca. 60 Beamten aus Flugabwehr, Innenministerium und Katastrophenschutz den Befehl zur Räumung des Stadions gegeben habe, womit zumindest die von den Terroristen vorgesehene Tötung möglichst vieler Menschen hätte abgewendet werden können. Unter den getöteten Passagieren, die aber höchstwahrscheinlich in jedem denkbaren Szenario ihr Leben verloren hätten, war auch der Mann von Franziska Meiser (Vega Fenske), die als Nebenklägerin auftritt und dem Angeklagten Tötung vorwirft. Diese Frage ist knapp gefasst der Vorwurf, den wir Zuschauer abzuwägen haben in Kenntnis aller rechtlichen Rahmenbedingungen (das Bundesverfassungsgericht hatte 2006 entschieden, dass das Luftsicherheitsgesetz verfassungswidrig sei, in welchem der Abschuss eines Flugzeuges als ultima ratio gebilligt wurde) und sachlichen Umstände, die nach und nach im Prozess offenbar werden. Dabei ist es wahrscheinlich, dass die eigene Beurteilung während des Stückes Schwankungen unterworfen ist und man sich am Ende am liebsten auf ein „Sowohl als auch“ statt auf ein „Entweder oder“ einlassen würde. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass einige Zuschauer, die sich an ihr Abstimmungsverhalten nach der Dresdner Inszenierung in der Spielzeit 2015/16 erinnerten, dieses Mal anders abgestimmt haben, weil sich einerseits die Welt verändert hat, andererseits man selbst. Das Radebeuler Premierenpublikum war sich ihrer Sache recht sicher. Ziemlich genau zwei Drittel votierten für Freispruch, ein Drittel für Verurteilung. Wie dem Programmheft zu entnehmen ist, wäre Alexander Kluge damit nicht einverstanden, weil wir Menschen uns Gesetze geben, um uns vor unseren Gefühlen und subjektiven Ansichten über Gut und Böse, Richtig und Falsch zu schützen. Aber man kann es auch anders sehen und mit dem Verteidiger Biegler sagen: Wer das Prinzip nur um des Prinzips willen einhält, verliert womöglich seine Menschlichkeit.

Ein Dank an die Landesbühnen für einen wichtigen Impuls zur Förderung der demokratischen Willensbildung und zur Möglichkeit des Austauschs mit Experten wie der Staatsanwaltschaft Dresden, einer ehrenamtlichen Schöffin oder einem Hauptmann a.D. des Luftwaffenstützpunkts Laage. Dass die Landeszentrale für politische Bildung Partner bei dieser Inszenierung ist, macht den Besuch für alle Altersgruppen, vor allem aber für Schulklassen der Oberstufe, besonders wert- und sinnvoll, denn die ausgelegten Materialien zur kostenlosen Mitnahme tragen zum Verständnis von politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen bei.

Bertram Kazmirowski

Nächste Termine: 6. Februar, 20 Uhr Radebeul, 1. März 17 Uhr Großenhain, 8./29. März jeweils 19 Uhr Radebeul, 14. März 19.30 Uhr Radebeul.

„Radebeul liest“ geht in die nächste Runde

Eine Lese-Tour quer durch die Stadt zu tollen und ungewöhnlichen Orten

Im März ist wieder Lesezeit in Radebeul. Gewerbetreibende, Händler und Gastronomen der Stadt laden ein zu einer großartigen Lese-Tour quer durch Radebeul. Nunmehr zum dritten Mal gibt es einen Monat lang eine ganze Reihe kleiner, feiner Lesungen sowohl für große als auch kleine Leute. Das Besondere daran sind die vielen verschiedenartigen, mitunter recht ungewöhnlichen Orte im gesamten Stadtgebiet: vom Matratzenstudio bis zum Friseurladen, vom ehrwürdigen Gasthaus bis zur jungen Eventlocation, vom Pfarrhaus bis zur Galerie, von der Gartensparte bis zur Heimatstube, vom Blockhaus bis zum Kultur-Bahnhof. Hiesige Autoren, Schauspieler, und Akteure der lokalen Kulturszene nehmen die Zuhörer mit auf zahlreiche kleine Lesereisen. Viele Geschichten wurden in Radebeul selbst geschrieben oder spielen hier vor Ort. Mehrere Veranstaltungen werden von tollen Musikern begleitet.

Gleich zum Auftakt treffen sich die Zuhörer in einem ehemaligen Bunker mitten im Weinberg. Zu Geschichten und Gedichten aus und über Radebeul darf natürlich das passende Glas Wein nicht fehlen. Ganz in den Westen der Stadt geht’s an einem Samstag, wo in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lößnitzbad die Winterpause beendet wird – mit gleich zwei Lesungen am gemütlichen Kamin und Weltmusik am abendlichen Lagerfeuer. In Radebeuls Mitte lädt eine legendäre Figur aus dem Dunstkreis von Karl May zu seinem 150. Geburtstag ein. Und im Osten der Stadt sind die Besucher im ältesten Gasthaus Radebeuls zu gegen. Für die jüngeren Zuhörer gibt’s gleich mehrfach Kinderbuchgeschichten, und eine Clownette bringt ihnen den lustigen Vogel Nick mit.

Mit dem umfangreichen und so breit gefächerten Veranstaltungsprogramm wollen die Organisatoren von „Radebeul liest“ zeigen, welch buntes Netzwerk und Potenzial von Kultur, Gewerbe, Schauplätzen und kreativem Wirken in der Lößnitzstadt vorhanden ist.

Das gesamte Programm ist zu finden unter:
www.radebeul.de/veranstaltungen
www.radebeul-gemeinsam.de

Die Lesungen sind i.d.R. eintrittsfrei. Um sich gute Plätze zu sichern, bitte vorher anmelden: lesen@radebeul-gemeinsam.de Spontane Gäste sind ebenfalls herzlich willkommen.

? Das Projekt ist initiiert von der Kultur- und Werbegilde Kötzschenbroda sowie vom Stadtteilverein Radebeul Ost, und es wird von der Stadt Radebeul gefördert. Zahlreiche Unterstützer tragen zum Gelingen des Projektes bei: Fremdenverkehrsverein Radebeul, Notschriften-Verlag, Friedenskirche, Stadtbibliothek und ihr Kulturverein, Karl-May-Museum und sein Förderverein, AG Kötzschenbroda, Sparkasse Meißen

Liebe Leserinnen und Leser unseres Radebeuler Monatsheftes „Vorschau & Rückblick“,

Vorstand und Redaktion möchten sich bei allen bedanken, die durch Ihre Spenden vor allem zum Jahresende dazu beigetragen haben, dass wir wiederum unsere Kosten für das Jahr 2025 decken konnten und sogar ein Puffer für 2026 besteht. Wir sind sehr froh und dankbar darüber, dass ca. 4000 € zusammengekommen sind und nehmen Ihre hohe Spendenbereitschaft auch als Auftrag wahr, unser Heft wie gewohnt weiterzuführen. In unserer nächsten Mitgliederversammlung am 20.2.2026 werden wir über die konkrete Verwendung informieren.

Falls gewünscht, senden wir gern eine Spendenquittung zu.

Bis dahin verbleiben wir mit freundlichen Grüßen!

Vorstand und Redaktion

 

Spenderliste

Anton, Frank
Arndt, Gisela
Benke, Barbara
Bergner, Christian und Gislinde
Berndt, Rita und Thomas
Berndt, Thomas
Bose, Christina und Jörg
Buchmann, Ingrid und Wilfried
Dubrow, Margitta und Manfred
Eckert, Peter
Ehret, Gundula (+)
Ermisch, Waltraud und Jochen
Föckel, Birgit und Hans-Jürgen
Frank, Marianne und Hans-Albrecht
Gräbel, Renate und Siegfried
Grunewald, Ute
Günther, Hans-Christian
Hanzsch, Edith Hanna
Haußig, Rolf und Bettina
Helbig, Rolf-Falk
Henkler, Renate und Gerhard
Heres, Huberta und Geres
Jacob, Detlef
Keßler-Fellisch, Hiltrud
Knoch, Heidrun und Hartmut
König, Claudia
Krusche, Georg
Kunze, Volkmar
Kunze, Bettina und Bertold
Kuß, Hannelore Helga
Listner, Barbara
Locke, Rosmarie
Madaus, Gabriele und Hans-Otto
Märksch, Tobias
Middendorf, Familie
Mitzschke, Michael und Heike
Neidel, Gudrun
Nenke, Thorsten Matthias
Ostritz, Werner und Heidelinde
Paditz, Karsten und Claudia
Peters, Jürgen
Pröhl, Ruthart
Rattke, Wilfried (+)
Rau, Steffen
Rau, Hartmut und Ursula
Richter, Axel
Rose, Christiane
Rummelt, Rosemarie
Schacht, Martina und Michael
Schadeberg, Thilo
Schaffer, Birgit
Schicketanz, Rainer
Schmalfeld, Petra
Schmiedchen, Lutz
Schubert , Ursula
Schulze, Carola
Schulze, Friedemann und Gesine
Sterndrogerie Rau
Stiller, Petra-Maria
Teige, Christa und Oswald
Trentzsch, Maria-Iris
Weisbach, Helga
Welcker, Sigrid
Wiedemann, Maria Heike
Winkler, Gisela
Woldmann, Hannelore
Wolf, Christa
Zimmermann, Frank und Julia
Zschaler, Ingrid

Gespendet wurden Kleinbeträge in unsere Spendenkasse beim Grafikmarkt, im Buchladen Kretzschmar, in der Blumenwerkstatt Radebeul und als Überweisungen auf unser Konto.

Wo geht die Reise hin?

Kollwitz Haus unter neuer Leitung

Ernst H. Gombrichs Buch „Die Geschichte der Kunst“ ist eine faszinierende Erzählung, die sich von den frühesten Höhlenmalereien bis zur modernen Kunst erstreckt. 413 farbige Abbildungen zeigen Werke der weltweit berühmtesten Künstler. Keine fünf Frauen sind unter ihnen vertreten. Tafel 368 zeigt das Blatt 1 „Not“ aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand“ von Käthe Kollwitz. Dieses Beispiel zeigt, welche Stellung die weltberühmte Künstlerin in der Kunstgeschichte hat und wie schwer es als Frau in der Vergangenheit war, hinter der Leinwand und nicht vor ihr zu stehen.

Käthe Kollwitz wurde am 8. Juli 1867 in Königsberg (Preußen) geboren. Ihr Vater erkennt frühzeitig das zeichnerische Talent und lässt sie privat unterrichten. Ihren Durchbruch schafft sie mit dem Zyklus „Ein Weberaufstand“, für den die Künstlerin 1899 auf der Deutschen Kunstausstellung in Dresden die kleine Goldmedaille erhält. Zum Lebensmittelpunkt wird Berlin, wo ihr Ehemann Karl eine Hausarztpraxis unterhält. Sie wird als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste unter gleichzeitiger Verleihung des Professorentitels. Der zweite Weltkrieg zwingt Käthe Kollwitz zur Flucht. Auf Einladung des Prinzen Heinrich von Sachsen bezog sie zwei Zimmer im Rüdenhof, in dem die Künstlerin am 22. April 1945 verstarb.

Der Rüdenhof ist seit 1995 Gedenkstätte. Neben einer detaillierten Ausstellung zum Lebenswerk der Künstlerin kann auch ihr Sterbezimmer im Obergeschoss besichtigt werden. Sabine Hänisch leitete über 20 Jahre das Haus und ergänzte die Ausstellung durch vielseitige museumspädagogische Angebote.

Im Dezember 2025 zog Friederike Wannrich als neue Geschäftsführerin ein. Sie ist 42 Jahre alt, Diplom-Sozialpädagogin und absolvierte berufsbegleitend einen Master in General Management. In den vergangenen Jahren war sie als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Fundraiserin und Marketing-Expertin tätig.

Frau Wannrich, was ist das Käthe Kollwitz Haus und was erwartet dort die Besucher?

„Das Haus besitzt eine einmalige Atmosphäre. Der Geist von Käthe Kollwitz ist hier noch immer spürbar. Somit ist es völlig klar, dass der Rüdenhof Gedächtnisort ist und bleibt, der das Leben und die Kunst von Käthe Kollwitz erlebbar macht. Unsere Dauerausstellung umfasst fünf Räume, in denen chronologisch Werke vom Weberaufstand bis hin zu Holzschnitten und Plastiken besichtigt werden können. Zudem befindet sich ein Bereich für Sonderausstellungen im Erdgeschoss.“

Ist es richtig, dass die Ausstellung verändert werden soll?

„In den vergangenen drei Jahren wurden Konzepte erstellt, die darauf zielen, das Haus international bekannter zu machen. Auch das Thema Barrierefreiheit spielt in den Expertisen eine Rolle. Ich würde sogar noch weiter gehen und die Punkte um das Stichwort Familienfreundlichkeit erweitern.“

Was bedeutet das konkret?

„Wir werden einen Handzettel in weiteren Sprachen entwickeln und die Marketingmaßnahmen entsprechend erweitern. Mein Büro zieht ins Nebengebäude, so dass im Erdgeschoss des Ausstellungshauses zusätzliche barrierefreie Angebote integriert werden. Die Technik, mit der Käthe Kollwitz gearbeitet hat, soll an Mitmachstationen erklärt werden. Kinder finden es in der Regel langweilig, still und ruhig Bilder zu betrachten. So können sie sich praktisch mit dem Zeichnen und der Druckkunst beschäftigen.“

Gibt es auch inhaltliche Neuausrichtungen?

„Die Themen Flucht, Krieg und Demokratie haben im Moment zu wenig Raum. Nachdem Käthe Kollwitz ihren Sohn Peter im ersten Weltkrieg verlor, setzte sie sich mit ihren Werken intensiv damit auseinander, was es vor allem für eine Mutter bedeutet, das eigene Kind zu verlieren. Ich möchte neue kreative Angebote für Schülergruppen entwickeln, die sich mit der Wahrung des Friedens beschäftigen. Wie kann es sein, dass die Familie von Prinz Heinrich in ihrem Haus in Moritzburg zunächst Flüchtlinge aufnimmt und versorgt, kurze Zeit später selbst flüchten muss. Und das ist noch keine 100 Jahre her.“

Wie steht es finanziell um das Käthe Kollwitz Haus?

„Wie jede Firma, jedes Museum, jede Privatperson spüren auch wir enormen finanziellen Druck. Wir haben verlässliche Förderer, benötigen aber neben den Einnahmen aus Eintritt, Führungen und Veranstaltungen Projektmittel und Spenden. Es gibt einen Freundeskreis, der uns mit den Mitgliedsbeiträgen jährlich unterstützt. Hier freuen wir uns über neue Mitglieder und laden herzlich ein, der Käthe-Kollwitz-Fangemeinde beizutreten. Natürlich freuen wir uns auch über jede Einzelspende. Derzeit läuft ein Spendenaufruf auf unserer Website. Auch das Anmieten unseres Veranstaltungsraumes ist möglich, dessen Einnahmen zum Erhalt des Hauses beitreten.“

Frau Wannrich, ich danke Ihnen für Ihre Gedanken und Ideen und wünsche für alle anstehenden Vorhaben gutes Gelingen!

Sascha Graedtke

Editorial 2-26

Das vergangene Jahr ist schon längst wieder mit seiner ach so besinnlichen Weihnachtshektik verklungen, und der Januar hatte die Stadt mit einer ungewohnt eisigen Hand im Griff. Selbst die verstaubte Schneeschippe hatte diesmal wieder einmal mehr den Zweck ihrer Bestimmung gefunden.

Aber der Radebeuler Bürgerschaft war Trost gewiss – spätestens seit dem Anglühen von Anfang November. Und es winterglüht ja allerorten, unaufhörlich, fast bis Ostern.

Doch allmählich heißt es wieder: raus aus dem Delirium und rein in die Kultur. Klar, Lesungen und Konzerte sind jahreszeitbedingt noch in den unterschiedlichsten Lokalitäten verborgen, wie dem Heft an mehreren Stellen zu entnehmen ist.

Und warum eigentlich nicht mal wieder Oper, Theater oder Ballett? Nur selten machen wir uns bewusst, dass in unserer kleinen Stadt, man glaubt es kaum, mit den Landesbühnen Sachsen ein Mehrspartentheater vor der Haustür steht.

Mit „Radebeul liest“, einer Gemeinschaftsaktion der Kultur- und Werbegilde Kötzschenbroda sowie des Stadtteilvereins Radebeul-Ost, gefördert durch die Große Kreisstadt Radebeul, startet im Frühjahr das erste große Event im Jahreskalender. Über vier Wochen laden ab Anfang März zahlreiche Akteure zu Lesungen an teils ungewohnten Orten ein. Sichern Sie sich schon jetzt einen guten Platz – die Veranstalter freuen sich auf Ihre Anmeldungen.

Sascha Graedtke

Aktuelle Auslagestellen 2026

Jahreskalender 2026 des Landesamtes für Denkmalpflege erschienen

Das Landesamt für Denkmalpflege widmet sich in seinem Kalender seinem reichen Sammlungsbestand, der eine unverzichtbare Grundlage für die praktische Denkmalpflege bildet.
Für Radebeul interessant: Darin gibt es ein Kalenderblatt, welches auf das Haus Sorgenfrei und dessen Fassadenuntersuchung in den 1970er Jahren verweist.

PR Landesamt f. Denkmalpflege

Das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) bewahrt einen reichen Sammlungsbestand, der eng mit seiner Geschichte verbunden ist und seit jeher eine unverzichtbare Grundlage für die praktische Denkmalpflege bildet. Aus diesem Fundus entsteht traditionell der »Jahresbegleiter«. 2026 werden die Sammlungen nun einmal selbst in den Mittelpunkt gerückt.
Mit großformatigen Bildern und informativen Texten lädt der Kalender ein, die Ursprünge dieser Sammlungen zu erkunden und zu entdecken, in welcher Vielfalt das Wissen zu den sächsischen Kulturdenkmalen zusammengetragen und gespeichert wird – zugleich ein Streifzug durch die 200-jährige Inventarisationsgeschichte in Sachsen. Der Kalender präsentiert weitgehend unbekannte Schätze aus den wissenschaftlichen Sammlungen des Landesamtes für Denkmalpflege und bietet wie gewohnt auf der Rückseite der Kalenderblätter zusätzliche Bilder und informative Texte.
Der Kalender begleitet die gleichnamige Ausstellung des LfD, die bis zum 27. Februar 2026 im Ständehaus in Dresden zu sehen ist.
Der Kalender ist im Buchhandel erhältlich und kann auch direkt im Verlag Sandstein Kultur Dresden bestellt werden:
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.):
Gebautes Vermächtnis-Bewahrtes Gedächtnis.
Das sächsische Denkmalarchiv.
Kalender 2026
Dresden 2025
14 Blätter (28 Seiten), 59 teils farbige Abb.
Spiralbindung, 54 x 45 cm,
ISBN 978-3-95498-895-2
Buchhandelspreis: 25,00 Euro
Weitere Informationen unter https://www.sandstein-kultur.de/shop/gebautes-vermaechtnis-bewahrtes-gedaechtnis

Die Zscheischlers fallen in Naundorf ein

Eine Mitarbeiterin des Radebeuler Rathauses verriet mir mal im Stillen, Familie Zscheischler sei die erste aus westlichen Landen zugezogene Familie gewesen, die sich mit Hauptwohnsitz in Radebeul anmeldete. Ob das wirklich stimmt? Schön wär es ja, wir würden uns freuen. Gleichwohl: Am 12. Dezember 1990 sind wir in Naundorf eingefallen. Das Haus am Horkenweg hatten wir der Familie Röder in den letzten Tagen der DDR abgekauft. Das Fest zur Einheit feierten wir mit alten Dresdner Freunden (sie machten es uns bald nach und zogen ebenfalls nach Radebeul, nach Wahnsdorf) auf deren Balkon auf der Blumenstraße in der Dresdner Johannstadt. Um Mitternacht zerplatzten einige übrig gebliebene oder auf seltsamen Umwegen organisierte Silversterraketen über den Dächern Dresdens. Und wir hatten eine neue Heimat: Angela, Burkhard sowie die Kinder Paula, Jakob und Helena. Nach unterschiedlichen Aufenthalten im Ausland, bis auf der anderen Seite des Globus, sind alle drei wieder um uns rum, in ihrer Heimat, und haben uns sechs Enkel beschert, vier davon in Sachsen geboren. Wir gehen hier nicht mehr weg, auch wenn Manche – auch in der Nachbarschaft – von notwendiger „Remigration“ sprechen, die auch uns treffen soll.

Foto: B. Zscheischler

Seit 2020 bin ich Redakteur der zweimal jährlich erscheinenden Naundorfer Nachrichten, unser Dorfblatt. Als ich das erste Anzeigengeld persönlich einsammelte, besuchte ich die Seniorchefin von Kohlen Winkler. Sie unterbrach sofort mein Vorstellen: „Ich kenn‘ Sie doch, Sie waren das doch damals, der keine Ahnung hatte, was ein Bezugsschein ist.“ Ohne einen solchen durfte sie mir im Dezember 1990 keine Kohlen verkaufen. Doch sie hatte Mitleid und hieß ihren Sohn, uns 40 Zentner vors Haus zu kippen. Das war jene Menge, die auf die Ladefläche seines Multicar passte. Bereits nach vier Wochen war alles verheizt. Also nochmals vorsichtig bei Frau Winkler angefragt. Jetzt musste ich eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben, dass ich nicht von Kohlenklau & Söhne bin. Denn seit Februar 1991 wurden Briketts rationiert. Da war gerade bekannt geworden, dass die DDR-Subvention bald wegfällt. Unsere ersten beiden Ladungen erhielten wir für 4,05 Mark pro Zentner „frei Haus“. Zum 1. April stieg der Preis auf stolze 15 Mark. Heute jammern wir, wenn das Gas wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine mäßig teurer wird. Man müsste ab und zu ins Damals zurück blicken. Aber das tun wir naturgemäß nur, wenn wir von den vermeintlich schlechten Zeiten heute auf die angeblich guten alten zurückblicken. Anders wird ein Schuh draus. „Heute“, sagte Karl Valentin, „ist die gute alte Zeit von morgen.“

Und dann die Hilfsbereitschaft der Nachbarn. Noch heute nicht genügend danken können wir dem Naundorfer Lutz Niese. Der Elektriker kannte keine Feiertagsruhe, erst Recht nicht zu Weihnachten und sorgte mit dem beherzten Verkabeln von fünf Starkstromdrähten, dessen Funktion und richtige Verdrahtung dem Schreibtischtäter Zscheischler ein einziges Rätsel war, dafür, dass die Neuankömmlinge in der neuen Heimat Naundorf ein Weihnachtessen für die Familie kochen konnten. Nachdem die Kinder im Bett und die Kerzen am Weihnachtsbaum (aus dem eigenen Garten) ausgeblasen waren, wurde selbst am Abend des 24. Dezember weiter gewerkelt. Schließlich stand Silvester vor der Tür und der Hausvater sollte „richtig“ arbeiten gehen. Seitdem wissen wir, was „Ein-bau-Küche“ bedeutet. Hausdame und -herr bauen, sodass jeder Besuch noch 30 Jahre danach sofort sehen kann: Dieser Pfusch ist selbst gemacht. Was für Provisorien generell gilt, die Haltbarkeit dieser Küche währte bis 2022. Die Nachfolgerin ist von Profis. Dazu gehörte ein Elektriker. Der schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als er die ersten Dosen abgeschraubt hatte. Denn dahinter verbarg sich die pure DDR. Die hatte der aus dem Westen stammende Neubürger 1990/91 nicht anzufassen gewagt. Das galt auch für die Frischwasserzu- und die Abwasserableitung. Der Abwasch musste deshalb lange auf eine Küchenspüle warten. Denn das metallene West-Abflussrohr von zwei Zoll Stärke traf auf einen kurzen Stummel eines mutmaßlich russisch genormten Plasterohrs, das aus der gemauerten Wand ragte. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, das Eine ins Andere zu stecken, gab die Hausfrau auf und spülte in einem Putzeimer ab, dessen Spülicht sie im Klo entsorgte.

Foto: B. Zscheischler

Nicht genug zu loben ist daher noch heute Manfred Berger von drei Grundstücken weiter nördlich auf dem Horkenweg: Ein genialer Schrauber mit der allerpraktischsten DDR-Erfahrung, die man sich denken kann. Er sägte, schraubte und lötete an unserer Heizanlage herum, bis wir endlich Schränke an die Wände stellen konnten. Als 1992 der professionelle Heizungstechniker, der unsere Öl-Heizung montierte, über das damals grassierende Fachkräfteproblem klagte, konnte ich ihm mit einer persönlichen Empfehlung aushelfen. Es sollte der Neu-Beginn von Manfreds Nach-Wende-Karriere werden. 20 Jahre darauf schweißte er Lackierstraßen für Autohersteller in ganz Europa zusammen, ob in Spanien oder Ungarn, mit weit über 60 noch. 1991 war die Installation unseres West-Boilers daher die kleinste Übung für Manfred. Das Teil hatte lange herum gelegen, denn diese Herausforderung überstieg meine handwerklichen Kenntnisse: Eine DIN-genormte westdeutsche Wasserleitung zu verbiegen, ohne dass sie bricht und diese mit Plaste und Elaste aus Schkopau zu verbinden. Manfred kam mit einem Bunsenbrenner. Der machte das DDR-Produkt weich und labbrig, sodass das harte West-Rohr ohne Schmierung ins östliche Plastewesen schlupfte. So wuchs 1991 zusammen, was bis 2022 halten sollte. Der Profi von der neuen Küche, keine deutsch-deutsche Gas-Wasser-Scheiße-Historie ehrend, riss alles raus. Dabei war doch nicht alles schlecht, damals. Was für eine Zeit! Ich will sie nicht missen.

Burkhard Zscheischler

Mit Felix Meyer poetisch durch das Jahr

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