„Theodor Rosenhauer an seinem 125. Geburtstag zu Besuch bei Paul Wilhelm“

Das Jahr 2026 bietet mit dem 125. Geburtstag am 8. Mai und dem 30. Todestag am 14.Juni gleich zweimal Gelegenheit, dieses herausragenden Dresdner Malers zu gedenken und sein solitär innerhalb der Dresdner Malkultur und der deutschen Kunst im 20. Jahrhundert aufragendes Werk zu feiern. Zunehmend bedürfen solche Ereignisse privater Initiative und bürgerlichen Engagements.

Foto: G. Klitzsch

Rosenhauer war nicht nur eingefleischter Alttrachauer, sondern auch begeisterter Wahl-Radebeuler, dem die Lößnitzlandschaft einige ihrer herausragendsten Darstellungen verdankt. Zeit seines Lebens verband ihn eine enge Künstlerfreundschaft mit Paul Wilhelm wie auch mit Joseph Hegenbarth. Nachdem die Paul Wilhelm – Ausstellung unverändert seit Mitte November 2024 auf der Hohen Straße die Wände schmückt, entstand bei Annerose und Gottfried Klitzsch in Verbindung mit dem bekannten, ebenfalls aus Trachau stammenden Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle als einem dedizierten Liebhaber der Kunst Theodor Rosenhauers der Gedanke, den Geburtstag Theodor Rosenhauers mit einem Besuch einiger Gemälde Theodor Rosenhauers in der Paul-Wilhelm-Ausstellung zu feiern, ganz so, wie früher auch Rosenhauer mit neuen Gemälden bei Marion und Paul Wilhelm auf den Gradsteg zu Besuch war, um die Arbeiten mit dem 15 Jahre älteren Freund und Kollegen zu diskutieren.
Das Ergebnis war ein fulminantes Gipfeltreffen zweier Meister, wie es in der Dresdner Kunst- und Ausstellungsgeschichte ohne Beispiel ist.
Für ein Wochenende am 16./17. Mai 2026 nahmen einige herausragende Gemälde Theodor Rosenhausers in der „Ausstellung Dresdner Kunst“ auf der Hohen Straße in völlig unprätentiöser Weise auf Staffelein in den Ausstellungsräumen Platz, zur hohen Ehrung Theodor Rosenhauers und zum farbmächtigen, intensiven Dialog mit den umgebenden Gemälden Paul Wilhelms. Ein in der Tat in jeder Weise einmalige Präsentation und ein stiller Höhepunkt Dresdner, Sächsischer und Deutscher Kunstgeschichte, den auch die zahlreichen Gäste, unter Ihnen der Doyen des Dresdner Films, Ernst Hirsch, der Maler und Architekt Peter Albert und die Dichter und Schriftsteller Jörg Bernig und Uwe Tellkamp, als einen besonderen Moment, ja als ein Königstreffen der Kunst wahrgenommen haben, wie Gottfried Klitzsch beschreibt. Gedanken des Gastgebers zu Theodor Rosenhauer, Erinnerungen von Waldemar Braun, des 90 jährigen Rahmenbauers von Rosenhauer und das erneut virtuose, beglückende Spiel der Radebeuler Violinistin Johanna Mittag gaben der Gedenkstunde das Gepräge.

Foto: G. Klitzsch

Viele frohe und glückliche Gesichter bei einem anschließenden Glas Wein, angeregte Gespräche vor den Staffeleien mit den „Rosenhauern“ und ein sonnendurchglänzter Sonntagmorgen kündeten von einem großen Einvernehmen und davon, wie Wenigem es bedarf, um das Festgewand der Kunst zum Leuchten zu bringen und als uns Gegebenes wahrzunehmen.
Am 14. Juni wurde in einer Lesung aus der Korrespondenz zwischen Theodor Rosenhauer und seinem Essayisten Horst Drescher etwas von der Genialität beider zur Sprache gebracht.

Sascha Graedtke

 

„Lasst die Nahrung so natürlich wie möglich.

Das Wichtigste ist schließlich die Ernährung, da sie allein allen anderen Maßnahmen den letzten Sinn gibt.“ (Prof. Werner Kollath (1892-1970))

Das eigene Brot zu backen ist mehr als ein aktueller Trend. Seit über 10.000 Jahren schon gehört Getreide zur Ernährung des Menschen. Wie einfach es ist, ein gesundes und köstlich duftendes, leckeres Brot zu backen, durften die Mitglieder und Gäste des Kneipp – Verein Radebeul e.V., im Mai dieses Jahres erfahren. Schließlich ist gesunde Ernährung eine der fünf Säulen der Kneipp´schen Lehre.
Bianca Nicolai, ärztlich geprüfte, ganzheitliche Gesundheits- und Ernährungsberaterin, zeigte uns, wie nur aus Mehl, Wasser und Salz ein wunderbares Brot entstehen kann. Das Korn frisch gemahlen aus der eigenen Mühle, mit selbst gezogenem Sauerteig angereichert, mit viel Liebe und Zeit zubereitet, präsentierte sie ein wunderbares Brot, wie es wohl unsere Urgroßeltern noch gegessen haben könnten. Kräftig im Geschmack, eine lockere Krume und ein Duft…
Beim Getreide sei es wichtig, auf Bioqualität und eventuell auch auf Urgetreidesorten zurückzugreifen und die Keimfähigkeit zu prüfen. Denn das lebendige Korn, das noch keimen kann, gibt uns alles, was wir zum Leben benötigen. So verwende sie stets alte Roggensorten, wie z.B. Waldstauden- oder Lichtkornroggen. Bei den Weizensorten greift sie lieber auf Einkorn, Emmer oder Oberkulmer Rotkorn (Dinkel) zurück, die sie alle vom Bauern ihres Vertrauens bezieht. Die Teilnehmer erfuhren auch, warum z.B. immer mehr Menschen auf Gluten mit Unverträglichkeiten reagieren, wie dem gegen gesteuert werden kann, bzw. wie sich in dem Fall trotzdem gut und vollwertig ernährt werden kann.
Auch im zweiten Halbjahr 2026 wird Frau Nicolai wieder Vorträge für den Kneipp – Verein Radebeul e.V. halten. So zum Beispiel am Mittwoch, 26.08.2026 zum Thema Ernährung von Kindern „Gesunde Ernährung von Anfang an“, oder am Mittwoch, 21.10.2026 zum Thema „Heilkräftige Ernährung bei Arthritis, Rheuma und Co.“
Wir freuen uns schon darauf.

Steffi Hanke


Nähere Informationen erhalten Sie bei Frau Hanke, Tel: 0151 500 12 888, steffi.hanke61@gmail.com; Frau Nicolai erreichen Sie unter: 0151/72116225 und
hallo@gaias-kueche.de, hallo@bianca-nicolai.de

 

Interview mit Thomas Bille

Interview mit Thomas Bille, dem langjährigen Moderator von MDR-KULTUR im Vorfeld der Lesung im Rahmen unserer Jahresveranstaltung von Vorschau & Rückblick

Thomas Bille dürfte vielen Radiohörern ein Begriff sein: Bereits seit 1992 arbeitet er beim Radiosender MDR KULTUR (zwischenzeitlich MDR FIGARO). Zudem moderiert er seit 1999 im Wechsel mit Evelyn Fischer die Kultursendung „artour“ im MDR Fernsehen. Sowohl als Moderator als auch als Feuilletonist prägt er das Programm des Mitteldeutschen Rundfunks.

Bille wurde 1961 in Münster geboren. Er absolvierte eine Lehre zum Metallformer und Metallgießer und studierte im Anschluss Journalistik an der Universität Dortmund. Sein Volontariat absolvierte er beim Hessischen Rundfunk. Thomas Bille arbeitete als freier Autor beim Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel und Pressesprecher des Forum Verlags Leipzig. Außerdem war er Mitbegründer des Thom-Verlags-Leipzig.

Foto: J. Erler

Herr Bille, seit Jahrzehnten prägen Sie mit Ihrer Persönlichkeit und markanten Stimme unzählige Sendeminuten als Moderator bei MDR-Kultur. Im Mai feierten Sie Ihren 65. Geburtstag. Darf man auch zukünftig mit Ihnen auf eine morgendliche Begleitung aus dem Äther hoffen?

Von mir aus gern. Allerdings gibt es auch das Datum 01.12.2027, der Beginn der gesetzlichen Rente. Ob es darüber hinausgeht, entscheidet der MDR.

Wie muss man sich als Zuhörer die Vorbereitungen und den Ablauf eines Tages im Sendestudio überhaupt vorstellen?

Der Tag ist zweigeteilt: am Nachmittag und frühen Abend die Vorbereitung ggf. mit der Aufzeichnung von Gesprächen. Dann morgens 5 Uhr 30 Präsenspflicht im Studio. Von 6-9 Uhr die Sendung, dann die Auswertung und Planung und zwischen 10 und 16 Uhr Pause bzw. Privatleben.

 

In Westdeutschland geboren und sozialisiert, haben Sie seit der Wende ein Großteil Ihres Berufsleben im Osten verbracht. Wie kam es dazu, und war es gewissermaßen auch die „Chance der Stunde Null“ in den neuen Bundesländern?

Im Februar 1990 waren Leipziger Journalistikstudenten auf eigene Faust nach Dortmund gereist (wo ich an der Uni Journalistik studiert habe). Im März 1990 bin ich dann mit einem Freund zum Gegenbesuch nach Leipzig gefahren. In der Moritzbastei habe ich meine erste Frau kennengelernt und bin geblieben.

Sie hatten in all den Jahren, auch im Rahmen der „Leipziger Gespräche“, mit vielen Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Gesellschaft interessante Gäste. Fallen Ihnen im Rückblick hierzu ganz besondere Momente und Begegnungen ein?

Ich nenne zwei Begegnungen, bei denen alles gepasst hat: beim österreichischen Kabarettisten Werner Schneyder und bei der Schauspielerin Jutta Hoffmann.  Gespräche, bei denen jeweils ein sehr gutes Porträt des Gastes entstanden ist.

Seit vielen Jahren sind Sie mit Lesungen der Geschichten vom „Kleinen Nick“ aus der Feder von Asterix-Erfinder René Goscinny und dem Zeichner Jean-Jacques Sempé unterwegs. Was bedeuteten Ihnen diese Geschichten?

Sie bedeuten mir viel und ich werde nicht müde, sie zu lesen. Der kleine Nick ist für mich das Kind im Erwachsenen. Wohl dem, der dieses Kind auf dem Lebensweg nicht verliert.

Wir dürfen Sie und die in Radebeul geborene Schauspielerin Julia Siebenschuh nun mit einer ganz exquisiten literarischen Lesung im Rahmen einer Veranstaltung unseres Kulturheftes am 14.8. im Weingut Aust begrüßen. Es geht um einen fiktiven Dialog zwischen Mascha Kaléko und Rainer Maria Rilke. Beide sind sich nie begegnet. Was macht die Texte so spannend?

Die Texte sind spannend, weil sie gut sind und im Kontrast vielleicht noch besser. Kaleko und Rilke haben sich viel zu erzählen. Zwei „Heimatlose“, die viele Menschen mit ihren Werken berührt haben – und hoffentlich auch auf dem Weingut Aust berühren werden.

Herr Bille, wir freuen uns sehr, Sie am 14.8. im Weingut Aust begrüßen zu dürfen!

Sascha Graedtke

Zugvögel

Foto: M. Pieper

César Olhagaray – Retrospektive
Muriel Cornejo – Enkaustik und Weidengeflecht

Am ersten April kommen die Störche zurück – heute manchmal schon deutlich früher. Bald darauf klingt auch das Palaver der Stare aus dem noch kahlen Gesträuch, die Heimkunft nach dem weiten gefährlichen Flug will ausführlich besprochen sein.
Wo Zugvögel landen, ist Leben möglich. Wenn Leben möglich ist, sind Zugvögel überall zu Hause. Wo Leben unmöglich ist, müssen auch Sesshafte ziehen. Weil ihm das Leben in seiner Heimat verweigert wurde, ist der chilenische Student César Olhagaray im Jahr 1974 nach Dresden gekommen: Als begeisterter Anhänger von Allendes Unidad Popular war er von den Schergen der Putschisten „im Stadion“ interniert worden. Die französische Botschaft befreite ihn aus dem sehr schnell sehr verrufenen KZ. Kaum in Paris angekommen, bot die DDR ihm und anderen heimatlos Gewordenen Heimstatt und Zukunft. Hier konnte er endlich wieder atmen.
Zu seinem Glück hat César sehr schnell die Fähigkeit erworben, sich in der Fremde nicht als Fremder zu fühlen. Er ist zu Hause, wo es ihm gut geht. Nun aber kehrt er, nach zweiundfünfzig Jahren, zu seinen Wurzeln zurück. Er kann sich das Leben in Deutschland finanziell nicht mehr leisten. So „remigriert“ er sich selbst.
In Santiago hatte César Architektur studiert, sich aber mehr für Kunst interessiert. Im Tanz fand er den Ausgleich, hier ergaben sich Möglichkeiten, mit fließenden Bewegungen dem Diktat des Rechten Winkels zu begegnen. In Dresden konnte er dann doch noch Bildende Kunst studieren.
Wo Zugvögel landen, kommt Farbe ins Leben.
Die achtziger Jahre bezeichnet César als seine „glücklichste Zeit“. Als freier Künstler hatte er alle Möglichkeiten zu experimentieren. Hatte sein französischer Vater einst die Schule von Barbizon nach Südamerika getragen, trug er nun seinerseits Anklänge an präkolumbische Kulturen nach Deutschland, wo er sie mit allen erdenklichen Strömungen von der Renaissance bis zum Kubismus zu verweben vermochte. Seine Affinität zur Maya-Kunst, die er überwiegend als Bilderschrift versteht, bildet dabei den Urgrund seines eigenen Schaffens.

Foto: M. Pieper

Zugvögel tragen die Farben des Lebens rund um den Erdball. Und sie haben Spaß dabei. Spaß an der Zeichnung, Freude an den Farben und die Tiefe der transatlantischen Formenvielfalt tragen Césars Werk. Die konkrete Linienführung – mal mehr zackig, mal fließend harmonisch, mal
ikonografisch – ergibt sich aus der Stimmung des Augenblicks.
Als die Zeit gekommen war, begegnete er seiner alten Liebe: Muriel Cornejo. Sie hat an der Theaterschule der Universität Chile studiert. Sie hat mit ganz kleinen Puppen angefangen und ist mit begehbaren Objekten noch lange nicht am Ende. Ihre aus chilenischer Weide gebogenen freien Objekte haben sich vom Gegenstand gelöst. Teilweise oder vollständig textil verwoben und eingesponnen, sind sie Inszenierungen des Augenblicks auf der Suche, wie sie selbst schreibt, „nach dem Organischen, Weiblichen, Sinnlichen“.
Mit ihrer Enkaustik wird Muriel vollends zur Expressionistin. Die Kraft der Farben, von der Kraft des Feuers und der Notwendigkeit des Zufalls verschmolzen und verteilt, wirkt belebend auf die Künstlerin zurück.
Zugvögel bringen Freude aus der Ferne mit ins Land.
Wünscht sich Muriel vom Betrachter ihrer Arbeiten freudige Anteilnahme, erhofft sich César von der Betrachterin seiner Bilder aktive Aufmerksamkeit.
Vor allem aber hofft er, damit die natürliche Intelligenz zu aktivieren und sie so zu immunisieren gegen die Einflüsterungen der Macht des Geldes, das die natürlichen Lebensräume immer weiter verengt. – Der Rest ist Freude.
Eine erste Ausstellung von Césars Kunst gab es am Ende der achtziger Jahre in der damaligen „Kleinen Galerie“ in Radebeul Ost.
Seit vielen Jahren sind Muriel und César von den Radebeuler Stadtfesten nicht wegzudenken. Nach dem Herbst-und Weinfest werden sie in die neue alte Heimat zurückkehren.
Wünschen wir ihnen weiter alle Freude an und mit ihrer Kunst.
Wenn die Stare abgereist sind, wird’s still im Geviert…

Thomas Gerlach
(Laudation leicht gekürzt)

Editorial

Wir haben es getan!
Seit mehreren Jahren nutzten wir dankend die Möglichkeit, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst geht in Gärten“ einen Blick in so manches verborgene Grundstück in Radebeul werfen zu dürfen. Es ist immer wieder erstaunlich, welches Gepräge die Gärten nach dem Geschmack und Willen der Eigentümer oder Mieter erhalten.
Im Frühjahr keimte nun auch bei uns die ambitionierte Idee auf, dieses Jahr nun selbst Gastgeber zu sein. Die Vorstellung, unterschiedliche Künstler zu versammeln und eine Plattform zu bieten, hatte uns vorrangig dazu motiviert. Letztlich waren es derer Sieben, die in Präsenz oder zum Gedenken ihren Platz im Garten gefunden haben.
Weit herausfordernder war die Gestaltung des Garten selbst, ein zwar schon lang gehegter Plan, der mit der Terminierung jetzt aber zwingend nach zumindest vorläufiger Vollendung schrie. Nun sitze ich, während ich diese Zeilen schreibe, unter abendlichem Himmel und umgeben von einer heiteren Blütenpracht, währenddessen meine Liebste, die maßgeblich das kleine Paradies erschaffen hat, unermüdlich Gießkannen schleppt.
Nun sind alle Staffeleien, die herrlichen Bilder und all interessierte Besucher wieder aus dem Garten verschwunden. Fast fehlen sie.
Na, vielleicht wagen wir es wieder im nächsten Jahr…

Sascha Graedtke

Zum Titelbild

Manchmal reichen die allerersten Striche auf dem blütenweißen Papier, damit sich in meiner Vorstellung ein Motiv entwickelt. Alles weitere passiert dann fast von selbst.

Eine Figur entsteht. Eingefangen in einer Vorwärtsbewegung. Eine Gestalt im Lauf. Ihr Gesicht ist kaum greifbar, mehr Idee als Körper und doch liegt in dieser Auflösung für mich eine eigentümliche Klarheit.

Bewusst reduziert und abstrahiert sollte die Bleistiftzeichnung die Bewegung der Figur verdeutlichen. Ungewöhnlich, dass sie, so energiegeladen, in ihrer Tracht Dynamik und Tradition verbindet.

Ein weit schwingender Rock mit mehreren Lagen und ein figurbetontes Oberteil, teilweise mit ornamentalen Details sind nicht die übliche Bekleidung für schnelle Bewegungen. Für mich aber der besondere Reiz.

Um die Geschwindigkeit des Augenblicks noch deutlicher zu machen habe ich die Grafik digital weiterbearbeitet. Durch die stark verwischten, horizontalen Linien im Hintergrund wird Geschwindigkeit und Bewegung noch zusätzlich betont, so als könne die Welt sie kaum festhalten.

Mit Felix Meyer poetisch durch das Jahr

Radebeuler Miniaturen

Gleichnis in Hoffnung
Eine verdammt utopische Utopie

Radebeuler Spätnachmittag: Sitze am Faß, die Sonne spielt mit dem Straßenstaub, und das Leben tröpfelt in geruhsamer Geschäftigkeit an mir vorüber. Benno steht neben mir. Jetzt, wo die Außenplätze wieder bevölkert werden, sagt er und zündet sich ein Zigarillo an, fallen Raucher gar nicht mehr auf.

Ich blicke ihn fragend an.

Na wenns draußen kalt ist, stehn die doch alle Nase lang in Grüppchen oder allein hier draußen vor der Türe und versorgen die Landschaft mit Aroma –

Wird übrigens bald ganz verboten sein, das Rauchen, mischt sich Ingo ins Gespräch.

Verboten? Wie das?

Na, überlegt doch mal:

Am Anfang war das Rauchen ein Privileg solventer Männer.

Dann griff es, vermutlich aus Kriegsgründen auf alles Männliche über.

Schließlich erstritten die Frauen gleichberechtigte Teilhabe. Das ist ja gar nicht so lange her. Als ich Kind war, galt eine Frau mit Zigarette noch als besonders verführerisch.

Bald darauf wurde es aber als „gesundheitsgefährdend“ denunziert und überführt und dann gleich in der Öffentlichkeit immer mehr eingeschränkt.

Logischer Weise wird es nun bald ganz verboten sein.

Das kann ich mir ja nun gar nicht vorstellen, wendet Benno ein, der Staat braucht doch die Steuern fürn Krieg –

Apropos Krieg, lacht Ingo, gutes Stichwort. Wenn wir Glück haben verhält es sich mit dem Krieg wie mit dem Rauchen.

Wie jetzt?

Mir fällt gleich gar keine richtige Frage ein – was hat denn Krieg mit dem Rauchen zu tun?

Na, nun überlege doch gleich noch mal:

Erst waren es nur Männer, die die Fahne in den Wind hielten und die Waffen hoch. Die Frauen hatten zwar zu leiden, aber geschlachtet haben allein die Männer.

Bis – ich erinnere mich, fällt Benno ein, das ist auch noch gar nicht lange her – die unvergleichliche Tanja Kreil, oder wie sie hieß, die gleichberechtigte Teilnahme von Frauen am allgemeinen Schlachten höchstrichterlich durchgesetzt hat. Na ja, und seit dem dürfen alle.

Wie beim Rauchen kanns jetzt eigentlich nicht mehr lange dauern, bis die WHO feststellt, daß Krieg enorme Gesundheitsgefahren birgt.

Na, und da wird er, wie eben das Rauchen auch, in der Öffentlichkeit eingeschränkt und irgendwann ganz verboten …

Moment mal, ruft Karl, verschwindet hinter einer Tür und kommt gleich drauf mit einem Tablett Whisky ans Faß – wenns auch ´ne Utopie ist, sagt er, `ne verdammt utopische Utopie ist, für die es auf dieser Erde kaum einen Platzt geben wird, lohnt sichs doch, einen drauf zu trinken, denn vielleicht …

Thomas Gerlach

Spende an den Radebeuler Kultur e.V.

Am 10.Mai 2026 gab es ein freudiges Ereignis in der Weinwirtschaft Neufriedstein:

Foto: Radebeuler Kulturverein e.V


Der Lions Club Radebeul übergab eine großzügige Spende von 5.000 € an die Vertreterinnen und Vertreter des Radebeuler Kultur e.V.!

Gleich zur Verwendung der an diesem Tag für 2026 erstmalig stattfindenden WEINBERGKULTOUR.

Weitere Termine sind am 21.Juni und 6. September- bitte vormerken!

Das Wetter hatte mit den herum drapierten „Mai – kühl -und- nass“ -Tagen einen Ausnahmesonnenscheinsonntag hervorgezaubert und die Atmosphäre dieser wunderbaren Wein – Kultur – Landschaft vergoldet.

Die Musiker gaben ihr Bestes und so war die Freude und Dankbarkeit auf allen Seiten.

Ulrike Kunze

Korrespondenz aus einer Nachbargemeinde

Bis zum 1. November dreht ein Wanderbus samt Anhänger (für max. 16 Räder) am Wochenende und an sächsischen Feiertagen fünfmal täglich eine Runde durch Böhmen. Von Pirna/ZOB Steig 9 geht es in Bahratal über die Grenze, bevor an mehreren Stellen in Petrovice/Peterswald, Tisá/Tyssa und Sn?žník/Schneeberg ausgestiegen werden kann, zurück über Rosenthal nach Königstein und genauso in die andere Richtung. Anschluss zur S 1. Zuzüglich zum VVO- oder D-Ticket kauft man beim Fahrer eine Tísa-Tageskarte (Einzelpreis € 2). Landschaften und Aussichten sind fantastisch. Ich habe eine ältere Dame getroffen, die nutzte die Linie für ihre Sonntagsausfahrt. Zielgruppe sind aber Wanderer, Radler, Geschichtsfans, Liebhaber böhmischer Restaurants…oder bitte, wer meinen Anteil an Zigaretten mitrauchen will: „Hier ham se den!“

Ein paar Beispiele für lohnende Ziele. Die Felsenstadt der Tyssaer Wände mit ihren skurrilen Gebilden begeistert selbst Kinder im lauffaulen Alter. Der D??ínsky Sn?žník/Tetschener Schneeberg mit Hotel, Imbissbude und einem besteigbaren Turm (man sieht sogar, bei sehr guter Fernsicht, den Berg vom Blauen Wunder als eine Art Riegel in der Landschaft!) bietet Aussichten bis zum Jeschken, Milleschauer, ja, man sieht sogar die TV-Türme von Wachwitz und Ústí n.l./Aussig. Apropos TV: Prof. Matthias Färber vom Technikum in Bodenbach, jetzt Teil von D??ín, empfing auf dem Berg in 722 müNN die ersten Fernsehbilder auf dem Gebiet der damaligen Tschechoslowakei 1936. Olympische Spiele, Sender Berlin-Witzleben. An diese Olympiade erinnert auch der 1956 direkt an der Grenze in Bahratal aufgestellte Obelisk, denn das Feuer vom Staffellauf Athen – Berlin wurde hier unter Volksfeststimmung übergeben. Völkerverbindung vor der Katastrophe. Wer tiefer in die Geschichte eindringen mag, findet bemerkenswerte Infotafeln zum historischen Leben in Tyssa im Aufstieg zur dortigen Felsenstadt, in Schneeberg zum Schicksal der Wlassow-Armee am Ende des 2. WK, findet sogar den mystischen schwedischen Friedhof aus dem 30-jährigen Krieg am Südhang des Schneeberges. Es gäbe noch viel zu erzählen, aber entdecken Sie nur selber. So, ich sitze im Flieger, einer fast 80-jährigen Tupolew 104, die irgendwann in Peterswald „gelandet“ ist und nicht mehr weg wollte, habe mir ein kühles Bier bestellt. Prost! Und wie geschrieben, selbst wenn Sie nur billige Zigaretten holen wollen…

Tobias Märksch

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