Radebeuler Musik-Salon lädt nun auch mit „Café inTakt“ ein

Foto: E.M. Breuer

Welch ein Lichtblick in der Bahnhofstrasse von Radebeul-West! Wo man andernorts in leere Schaufenster schaut, gibt es etwas versteckt in der Bahnhofstrasse 19d fortan ein kleines Café in den Räumen des bereits etablierten Musik-Salons der Sängerin und Stimmbildnerin Edith Maria Breuer.
„Mein Traum ist es schon länger, einen Wohlfühl-Ort zu schaffen, in dem Menschen Kunst und Kultur mit einem Glas Wein erleben und sich dabei begegnen und austauschen können, aber nicht müssen. Der Musik-Salon ist kein großer Saal, aber auch kein kleines Wohnzimmer. Er ist von seiner Größe her „irgendwo dazwischen“. Das ergibt eine Atmosphäre, die gleichzeitig Nähe und Ruhe erlaubt. Jede(r) so, wie er oder sie möchte. Mir scheint, dieser Traum wird jetzt wahr!“
Am 1. Februar fand in nun beiden Etagen die feierliche Eröffnung statt. Auch der Name „Café inTakt“ ist im Umfeld von Musikalität natürlich nicht zufällig gewählt.
Der kleine geschmackvolle Raum bietet von nun an die Möglichkeit, verschiedenste Veranstaltungen mit diversen Getränken und Speisen in „Musik-Salon-Atmosphäre“ erleben zu können. Sekt, Wein, Kaffee und Anderes lassen sich ab jetzt mit einer künstlerischen Veranstaltung im Café selbst oder im Galerie-Raum in der oberen Etage verbinden.

In der Mitte Inhaberin E. M. Breuer Foto: M. Reichel

Als Auftakt war am 1.2. die Band „Hiper-Piper“ (https://hiper-piper.de) bei E. M. Breuer zu Gast, die mit handgemachter irischer Musik auf hohem Niveau für wunderbar leichte Stimmung gesorgt haben: Geige, Dudelsack, Gitarre, Cajon und Gesang füllten den Raum mit Leben. 60 Gäste fanden zum Teil sitzend, zum Teil stehend Platz.
Zur Zugabe wurden schließlich alle Stühle zur Seite geschoben, um das Tanzbein zu schwingen.
Zu den irischen Getränken gab es auch etwas für den kleinen Hunger: einen leckeren Brotteller der „Herzensbäckerei“ Pegenau. Die Inhaber der Bäckerei waren selbst vor Ort und wollen auch zukünftig das Café unterstützen. Bäcker Martin Reichel hat als angehender Photograph zudem die Stimmung des Abends wunderbar eingefangen wie textbegleitend zu sehen ist.
Breuer möchte die vor zwei Jahren schon mal angedachte Freitagsmusik im neuen Format wieder anbieten: Solo-Künstler oder Bands, egal ob aus der Klassik oder der E-Musik kommend, finden hier eine Bühne.

Foto: M. Reichel

„Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die vielen Musiker und Künstler (auch Schauspieler!), die es in Radebeuls und der Umgebung gibt, bei mir melden, damit wir planen können und diesen Wohlfühl-Ort mit schönen Veranstaltungen beleben können!“
Auf ihrer Webseite www.impulssein.com sind die kommenden Veranstaltungen zu finden.
Geplant ist vorerst eine Freitagsmusik im Monat.

Foto: M. Reichel

Neben ihren beiden Chören „chorus resonia“ und „vocalis-Seele und Klang“ arbeitet Breuer in ihren Räumen auch als Stimmbildnerin.
Als Sängerin wird sie in diesem Jahr z.B. wieder in der Lutherkirche Radebeul am Karfreitag (18.4. 2025) mit der Johannes-Passion von J.S.Bach zu hören sein.
Ihre wachsende Seminartätigkeit liegt E.M. Breuer auch besonders am Herzen: für sprechende Berufe (wie Lehrer) und Heilberufe (wie Psychologen und Ärzte) bietet sie Tagesseminare an, die eine Stärkung der Wahrnehmung von Körper, Atem und Stimme zum Ziel haben. Sie ist bei der OPK (Ostdeutsche Psychologenkammer) für Fortbildungen akkreditiert.

Sascha Graedtke

 

Edith Maria Breuer – Sängerin und Stimmbildnerin
Bahnhofstrasse 19d
01445 Radebeul
0152-23 25 04 02
www.impulssein.com

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Editorial

Da war doch noch etwas im letzten Februar?
Ach so, die vorgezogenen Bundestagwahlen. Bei Drucklegung längst wieder Schnee von gestern. Was wird also wieder rausgekommen sein? Mehr Raum für Kultur? Oder doch nur wieder Platz für Streit-Kultur?
Mit dem Monat März und dem keimenden Frühling nimmt auch das Radebeuler Kulturleben endlich wieder spürbar Fahrt auf. Das Angebot für alle Kulturliebhaber ist groß.
Während Meißen bereits seit Jahren mit einem großen Literaturfest aufwartet, stimmt nun auch unserer Heimatstadt wiederholt mit „Radebeul liest“ mit einem stattlichen Monatsprogramm in den Reigen ein. Ganze vier Wochen sind Lesungen an altbewährten Orten sowie an ganz ungewohnten Stellen, wie bspw. In Flack’s Getränkehandel zu finden.
Auch der altbewährte und doch unverwüstliche Frauentag wartet diesmal mit unterschiedlichsten Veranstaltungen auf. So in Altkö im „Café 25“ mit Geschichten unbekannter und bekannter DDR-Bürgerinnen. Und letztlich, unser altbewährtes Familienzentrum, liebevoll „Fami“ genannt, begeht ihr nunmehr 35. Jubiläum.
Und schließlich sei noch auf eine Frauentagsfeier im Radebeuler Kulturbahnhof verwiesen.

Sascha Graedtke

 

Mit Michael Wüstefeld poetisch durch das Jahr

Zur Titelbildserie

Winzerhäuser

Heute finden wir in der Winzerstraße 83 ein Winzerhaus, benannt als „Haus Lotter“. Der Eigenname geht auf eine Familie Lotter zurück, die es die längste Zeit besaß. 1987 habe ich Alfred Lotter noch persönlich kennengelernt, der früher als Uhrmacher im Laden am Giebel dieses Hauses gearbeitet hatte. Bereits Mitte des 19. Jh. war mit Schmied Theodor Lotter der erste Eigentümer aus der Familie hier ansässig. Die ehemals streifenartigen Weinberge ober- und unterhalb des Winzerhauses sind lange ohne Weinstöcke und der Bebauung mit Wohnhäusern gewidmet worden. Architekt Tilo Kempe (gest. 2015) erwarb das Winzerhaus 1988, erforschte und sanierte es über die Jahre und bekam 1998 für seine Leistung den Radebeuler Bauherrenpreis. Er legte das Fachwerk frei und fand eine bemalte Holzdecke im Winzersaal. Auf der Südseite hat das Haus im OG einen Laubengang. Inzwischen besitzt Familie Philipp das Winzerhaus.

Der lang gestreckte Bau mit Walmdach besteht, wenn man genau hinschaut, aus unterschiedlichen alten Gebäudeteilen. Der älteste, östliche Giebelteil ist um 1580 gebaut worden, der mittlere Teil entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg um 1650 und der westliche Teil ist der ersten Hälfte des 18. Jh. zuzuordnen. Ein markantes Denkmalobjekt mit ablesbarer Geschichte!

Dietrich Lohse

Ein Nachtrag zur Ingo-Kuczera-Gedenkausstellung in der Stadtgalerie Radebeul

Was in Ausstellungsrezensionen häufig keine Erwähnung findet, sind die Umstände, unter denen Kunst entsteht, gesammelt, erworben, erforscht, präsentiert und aufbewahrt wird. Recht interessant ist auch, was mit den Nachlässen verstorbener Künstler geschieht. Ob das künstlerische Werk im öffentlichen Gedächtnis bleiben wird, hängt mitunter von vielen Zufällen ab.

Durch das Zusammenwirken zahlreicher engagierter Personen und Institutionen, die in uneigennütziger Weise zur Erhaltung, Sichtbarmachung und Einordnung des künstlerischen Werkes von Ingo Kuczera nach dessen plötzlichem Ableben im Jahr 2004 beigetragen haben, war es möglich, immer wieder neue Ausstellungen u. a. in Radebeul, Dresden, Medingen, Radeburg, Erfurt und Weimar mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen zu konzipieren.

Für die Ausstellung „Wandlungen“, welche aus Anlass des 60. Geburtstages und 20.Todestages von Ingo Kuczera bis zum 19. Januar 2025 in den Räumen der Radebeuler Stadtgalerie zu sehen war, wurden zum Großteil Exponate aus dem Bestand der Städtischen Kunstsammlung zusammengestellt, ergänzt durch Leihgaben aus vier Privatsammlungen. Nachvollziehbar wurden Ingo Kuczeras künstlerische Entwicklungsetappen veranschaulicht. Zahlreiche Bild- und Textdokumente sowie Alltagsgegenstände und eine Filmaufnahme, trugen dazu bei, einen authentischen Eindruck von der Persönlichkeit des Künstlers zu vermitteln.

Die Frage, ob es nötig sei, dass sich Radebeul eine Stadtgalerie oder eine städtische Kunstsammlung leistet, beantwortet sich durch die Besucherresonanz von selbst. Über neunzig Kunstfreunde kamen allein am letzten Ausstellungstag, darunter über vierzig, die an der Doppel-Kuratoren-Führung teilgenommen haben und im Anschluss noch viele Fragen stellten, aber auch von ihren persönlichen Begegnungen mit dem Künstler berichteten.

Sehr schön war es, zu erleben, wie junge Menschen, die zum ersten Mal Ingo Kuczeras Werke gesehen haben, von seiner Kunst beeindruckt waren und sich inspiriert fühlten.

Eine Abordnung der Galerie Hebecker, welche den Hauptteil des künstlerischen Nachlasses im Auftrag der Erbengemeinschaft betreut, hatte sich von Weimar aus nach Radebeul auf den Weg begeben, um sich die Ingo-Kuczera-Gedenkausstellung in der Stadtgalerie anzuschauen. Die anerkennenden Worte dieser etablierten Privatgalerie, schriftlich festgehalten im Besucherbuch, waren eine erfreuliche Bestätigung für die Radebeuler Ausstellungsgestalter.

Eine Personalausstellung mit Werken von Ingo Kuczera wird bis zum 15. Februar 2025 in der Galerie Hebecker gezeigt, die sich in Weimar auf der Schillerstraße 18 befindet und von Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr und am Samstag von 11 bis 16 Uhr geöffnet ist.

Karin (Gerhardt) Baum

Eine Glosse?

Die schwäbische Hausfrau

Ob nun der 2021 ins Häusliche zurückgetretenen Angela die alleinige Schuld an der Reanimierung der „Schwäbischen Hausfrau“ seit 2023 in die Schuhe geschoben werden kann, soll hier nicht diskutiert werden. Offensichtlich aber wollte sie die Dame nicht mit nach Hause nehmen. Sie ist vermutlich in der Besenkammer des Kanzleramtes steckengeblieben und einer hat sie da unlängst wieder rausgelassen. Ob versehentlich oder absichtsvoll wird gegenwärtig noch geprüft. Fakt aber ist, dass nun schon wieder alle vom Sparen schwadronieren, auch weil Staat, Europäische Union und damit letztlich die Wirtschaft vor zehn, fünfzehn Jahren die Kurve nicht bekommen haben und auch nichts dazulernen wollten. Wer über seine Verhältnisse lebt, so der Slogan, der muss halt sparen. Und seit der Eurokrise wurde besonders an den Löhnen und den Investitionen gespart.

Nicht genug, dass die Europäische Union 2013 den Europäischen Fiskalpakt eingeführt hat, setzte das Kabinett-Merkel III mit Sparfuchs Schäuble als Finanzminister noch eins obendrauf, in dem die Schuldenbremse 2016 ins Grundgesetz geschrieben wurde. Nun klemmt die Säge vollends und es geht nichts mehr vor und zurück. Selbst der CDU dämmert es langsam, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann.

Will aber jetzt keinen Vortrag über verfehlte Bundesfinanzpolitik halten. Die Spatzen pfeifen es eh schon längst von den Dächern. Zur Ehrenrettung der schwäbischen Hausfrauen sei aber angemerkt, dass diese sehr wohl den Unterschied zwischen mikro- und makroökonomischem Denken begriffen haben. Für die Instandhaltung des eigenen Hauses wurde da schon mal ein Kredit aufgenommen.

Selbst Mitarbeiter des Bundesministeriums für Wissenschaft und Klimaschutz haben bereits 2016 festgestellt, das „Investitionen und stabile Staatsfinanzen“ kein Widerspruch sein müssen und beispielsweise Investitionen in die Bildung Rendite abwerfen.

Dass aber der neue Schulcampus in Kötzschenbroda nur entstehen kann, wenn andere intakte Gebäude abgerissen werden, will mir einfach nicht in den Kopf. Muss man jetzt bauen, weil vorher auch zwei Schulgebäude plattgemacht wurden? Interessieren würde mich auch, woher dann eigentlich die Schüler kommen sollen, da die Geburtendelle in absehbarer Zeit wohl nicht überwunden wird und die Erwerbsbevölkerung in Sachsen bis 2040 um 36,5 Prozent schrumpfen soll? An der „Schwäbische Hausfrau“ kann es nicht liegen.

Die Investitionen der Stadt Radebeul für 2024 beliefen sich laut Plan immerhin auf über 19 Millionen Euro, die höchste Summe seit 2013. Dennoch dirigiert auch in Radebeul die „Schwäbische Hausfrau“, wenn sich CDU-Fraktion in der Haushaltsdebatte im April 2024 gegen jedwede Kreditaufnahme wandte. Realisiert wird also nur, wofür es Fördermittel gibt und da wird es wohl in den nächsten Jahren schlecht aussehen. Bereits Anfang 2024 ahnte der Oberbürgermeister, dass es künftig weniger geben wird. Dennoch wurde die Kolbe-Villa erworben, als ob die Stadt nicht schon genug Vorhaben an der Backe hätte. Gegenwärtig laufen dort die ersten Sicherungsmaßnahmen. Bei allen zweifelsfreien Erfolgen vermisst der Bürger eine Strategie, eine Prioritätenliste. Was man im April 2024 auf der Haushaltsberatung im Stadtrat noch als Standort für das neue Stadtarchiv „feierte“, verkaufte man sieben Monate später in einer Bürgerversammlung Anfang Dezember – welch wundersame Wandlung – als „Haus der Kultur und Geschichte“ in einem neuen städtischen Zentrumsbereich in Radebeul-Mitte. Die Jugendherberge soll da auch gleich einen Neubau erhalten. Baubeginn, so war nun in der Zeitung an 6. Januar zu lesen, frühestens 2031! Alles natürlich fördermittelabhängig. Ohne Fördermittel scheint in Radebeul nichts mehr zu gehen. Seltsamerweise war von diesem bedeutenden Projekt im Interview des Oberbürgermeistes Bert Wendsche in der Sächsischen Zeitung vom 27. Dezember über die Frage „Was kann sich Radebeul nächstes Jahr leisten?“ noch keine Rede. Die Bürger, die bei der Vorstellung des Vorhabens durch die Stadtverwaltung dabei waren, werden sich wohl verdutzt die Augen gerieben oder vermutlich beim Ohrendoktor angemeldet haben.

Aber was soll’s, auch vieles Andere kam in dem Interview nicht zur Sprache, etwa der soziale Wohnungsbau, wie die Klimabilanz der Stadt, die perspektivische Stadtentwicklung, von der Kultur ganz zu schweigen. Da wird wohl wieder die „Schwäbische Hausfrau“ zugeschlagen haben.

Euer Motzi

Radebeuler Miniaturen

Balance-Akt
Ein Geduldsspiel

Auf dem Weg zur Lesung schnell noch etwas trinken…

Während ich auf meinem Hocker vor dem ersten Schluck gebührend die Schaumkrone feiere, sagt Ulrike neben mir, sie habe die Kälte unterschätzt. Ich habe aber alles mit, sagt sie, nimmt ihren Rucksack und verschwindet mit den Worten, bin gleich zurück.

Na, was Frauen so unter „gleich“ verstehen…

Jedenfalls hab ich jetzt Zeit, in Ruhe noch einmal den Leseplan zu überdenken, an zwei Stellen die Reihenfolge zu ändern, ein paar neue Zeilen einfließen zu lassen, alles gründlich in Frage zu stellen und dann doch zu beschließen, daß es gut ist, – in kleiner werdenden Schlucken das Bier auszutrinken, noch ein „kleines“ zu bestellen, ihm freudig entgegen zu sehen, und unendlich viel Geduld aufzubringen.

Aber da kommt sie auch SCHON mit einem strahlenden Lachen im Gesicht.

War gar nicht so einfach, sagt sie in mein mißbilligendes Lächeln hinein, du mußt dir das bildlich vorstellen: Auf einem Bein stehend, den anderen Schuh ausziehen dann das Hosenbein abstreifen, ohne es auf den Fußboden fallen zu lassen, dann mit der dritten Hand die Strumpfhose übern Fuß ziehen, dabei den richtigen Fuß erwischen, die Hose wieder drüberziehen und in den Schuh steigen. So – und dann das Ganze mit dem anderen Bein noch einmal. Ich hätte mich ja nicht sehen wollen.

Viel konnte nicht passieren, sag ich, noch immer etwas gequält lachend, die Boxen sind so eng, daß du nicht weit hättest fallen können.

Ach du, sagt sie enttäuscht, wenn du schon nicht lachen kannst, könntest du wenigstens meine Balance -Akte bewundern …

Ich bewundere dich zutiefst, sag ich. Vor allem aber bedaure ich – und zwar zum ersten Mal – daß versteckte Kameras auf Damentoiletten verboten sind – wenns auch nicht viel Akt war, mit der Balance-Nummer hätte es endlich wirklich mal was zum Lachen gegeben in den so-schalen Medschen …

Thomas Gerlach

Denkmalpflegerische Einschätzung des ehemaligen Gasthof Serkowitz

Werte Leserinnen und Leser,

die Problemfälle „Gasthof Serkowitz“ und „Lügenmuseum“ bewegen schon lange nicht nur die Gemüter der Leser unseres Monatsheftes. Immer wieder haben wir Beiträge veröffentlicht, in denen die Autoren das Problem von unterschiedlichen Seiten betrachteten. Dem letzten Artikel von unserem Redaktionsmitglied Dietrich Lohse konnten wir auf unserer Webseite eine „Denkmalpflegerische Einschätzung zum Nutzungskonzept für den ehemaligen Gasthof Serkowitz Grundstück: Radebeul, Kötzschenbrodaer Straße 39, Gemarkung Serkowitz, Flurstück 32“ beifügen. Da nicht alle unsere Leser über einen Zugang zum Internet verfügen, drucken wir hiermit den Brief des Sachgebietsleiters Denkmalschutz im Kreisbauamt des Landratsamtes Meißen, Herr Helbig, vom 14. November 2024 an Reinhard Zabka auch in unserem aktuellen Heft ab.

Die Redaktion

Sehr geehrter Herr Zabka,

mit bedauern haben wir in den letzten Monaten verfolgt, dass Sie mit Ihrem Museumsprojekt den Gasthof Serkowitz verlassen sollen. Nicht genug, dass es für Sie schwer ist, ein anderes geeignetes Domizil für das Lügenmuseum zu finden, ist auch kaum anzunehmen, dass für den ehemaligen Gasthof eine vergleichbare, den Erhalt der historischen Substanz fördernde Nutzung gefunden werden kann. Durch regelmäßige Reparatur und Pflege kann der Status quo gehalten werden, grundlegende Erneuerungen können im Umfang begrenzt werden.

An der Einschätzung Ihres Projekts, zu dem wir bei einem Besuch in Ihrem Museum gemeinsam mit der Vertreterin des Landesamtes für Denkmalpflege vor nunmehr 10 Jahren gelangt sind, hat sich nichts geändert: die von Ihnen angestrebte und realisierte Nutzung des ehemaligen Gasthofs ist mit denkmalpflegerischen Anforderungen gut in Übereinstimmung zu bringen.

Der Gasthof ist bekanntermaßen Kulturdenkmal gemäß §2 Sächsisches Denkmalschutzgesetz (SächDSchG) und mit folgendem Wortlaut in die Liste der Kulturdenkmale des Freistaates Sachsen eingetragen:
Gasthof Serkowitz: Gasthof (mit Ausstattung, u. a. Sgraffitos), sowie Ballsaal; traditionelles Gasthaus von Serkowitz und später Radebeul, im Kern wohl barock, Eingangsbereich und Gastraum mit Sgraffitos von Hermann Glöckner (1889-1987), einer Brotarbeit des Künstlers; Putzbau mit ausgebautem Mansarddach, repräsentativer, großer Saalanbau mit reichem Dekor, bauhistorisch, ortsgeschichtlich und künstlerisch bedeutend, Datierung: um 1800 (Gasthof), 1877 (Ballsaal), um 1938 (Sgraffito), (Radebeul, Kötzschenbrodaer Straße 39, Gemarkung Serkowitz, Flurstück 32).

Der Gasthof in Serkowitz ist ein besonders reich gestaltetes Beispiel der Baugattung. Er diente zunächst als wichtiger Haltepunkt entlang der Poststraße Dresden-Meißen, Teile des Kellers gehen vermutlich bis ins 14. Jahrhundert zurück. Während um 1900 nahezu jedes größere Dorf über einen gut besuchten Gasthof mit Ballsaal verfügte, die sich als Mittelpunkte des gesellschaftlichen Lebens neben der Kirche etabliert hatten, verloren diese mit dem geänderten Freizeitverhalten seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Heute haben besonders im ländlichen Bereich viele der Ballsäle und Gasträume ihre frühere Nutzung eingebüßt. Leerstand führt zum Verfall der nicht selten prächtig gestalteten Säle. (Auch daran hat sich leider in den letzten 10 Jahren nichts geändert.) Verschiedene Umnutzungen haben die bauliche Aufteilung der Säle zur Folge, die dann nicht mehr in ihrer Einheit und in ihrem Schmuck erlebbar sind und dadurch der ständigen Gefahr der Vernichtung aus Unkenntnis unterliegen. Die Hoffnung, dass solche Säle wieder in der ursprünglichen Größe mit Leben erfüllt werden, ist gering.

Aus denkmalpflegerischer Sicht ist daher zu begrüßen, wie sich ihr Projekt in die Gegebenheiten des Kulturdenkmals einfügt und sich mit dessen Historie auseinandersetzt. So kann etwa der Saal mit seiner Geschichte, die am Leuchter deutlich erkennbar bis weit in die DDR-Zeit hineinreicht, erhalten und für die Besucher des Museums erlebbar bleiben. Dadurch ist es möglich, die historische Raumstruktur und Einbauten im Wesentlichen zu erhalten. Die im Erdgeschoss vorhandenen Sgraffitos des bedeutenden deutschen konstruktivistischen Malers und Bildhauers Hermann Glöckner stellen als baugebundene Ausstattung einen über die regionale Bedeutung hinausreichenden Wert dar und können beschädigungsfrei in das Nutzungskonzept eingebunden werden. Darüber hinaus wurde durch das Lügenmuseum das Kulturdenkmal für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar und konnte so als kulturelles Zentrum an seine frühere Bedeutung im gesellschaftlichen Leben anknüpfen.
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Wir würden uns freuen, wenn sich noch einmal eine Möglichkeit eröffnen würde, Ihr Engagement im ehemaligen Serkowitzer Gasthof fortzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Helbig
Sachgebietsleiter
14. November 2024, Meißen

Keine Leistung?

Kulturgut Lügenmuseum

HundertzweiundfünfzigTage ist das Lügenmuseum nun offiziell geschlossen! Anfang Dezember, so der Betreiber, kam dort angeblich der Nikolaus vorbei und hat für kurze Zeit ein Weihnachtsmuseum und gar am 27. Dezember die Ausstellung „Zack-Zack“ eröffnet.

Auf oder zu? – Das ist hier die Frage!


Wer Eins und Eins zusammenzählen kann und im Sinne des Besitzers des Gebäudes denkt und fühlt, wird diese Aktion als eine reine Provokation interpretieren. Juristisch gesehen ist das so. Aber handelt es sich hier eigentlich nur um einen Streitfall zwischen dem Vermieter, der Stadtverwaltung in Gestalt des Oberbürgermeisters Bert Wendsche und dem Mieter der Familie Zabka als Betreiber des Museums? Gab es denn eigentlich eine Alternative für die Betreiber des Museums?

Bekannt ist, dass die Stadtverwaltung den ehemaligen Serkowitzer Gasthof bereits kurz nach dessen Erwerb 2007 wieder verkaufen wollte und bis heute an diesem Beschluss festhält. Die Nutzung durch die Betreiber des Lügenmuseums war also von vornherein nur als eine Interimslösung gedacht. Die bisherigen diesbezüglichen Versuche, das Objekt zu verkaufen, sind allesamt gescheitert, zumeist wegen zweifelhafter Wirtschaftlichkeit. Auch die Vermittlung an einen nichtwirtschaftlich interessierten Käufer schlug fehl. Mittlerweile ist das Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter derart zerrüttet, dass an eine einvernehmliche Lösung des Problems nicht zu denken ist. Der Mietvertrag wurde gekündigt, dennoch „sitzt“ der Mieter noch im ehemaligen Gasthof. Aber seit geraumer Zeit hat sich die gesamte Lage um den Casus „Lügenmuseum“ gravierend geändert, so dass es höchste Zeit ist, die Diskussion vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Seit Einzug des Lügenmuseums in das Gebäude des Serkowitzer Gasthofes hat sich dieser zu einem wahren „Pilgerort“ für Radebeul-Besucher entwickelt und die Stadt über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus zu mehr Ansehen und Anerkennung verholfen. Wer so eine Einrichtung in seinen Mauern hat, der, so die weit verbreitete Annahme von Besuchern, muss etwas für Kultur übrig haben. Den starken Besucherstrom bekommen auch die Beherbergungs- und Gaststättenbetreiber zu spüren, was wiederrum hilft, das Steuersäckel der Stadt zu füllen. Und so hat auch dieses Gewerbe seinen Anteil am 2022 erwirtschafteten Überschuss von 9,5 Millionen geleistet. Die Kultur- und Kreativitätswirtschaft steht in der Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik nach dem Fahrzeugbau an zweiter Stelle.

Warum also ist es so, dass Stadtrat und Verwaltung von Radebeul diese Binsenweisheit nicht zur Kenntnis nehmen wollen? Liegt es an dem vermeintlichen ungebührlichen Verhalten der Familie Zabka oder passt hier die ganze Einrichtung nicht ins Konzept? Rührt eventuell die Haltung beider Gremien von der bestellten negativen Einschätzung des einstigen Stiftungsdirektors der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen her, der am liebsten alle Museumsstücke auf einen Abfallcontainer gesehen hätte? Warum haben die 93 Briefe (s. Homepage Lügenmuseum), die seit Juni 2024 für den Erhalt des Museums sprechen und an den Oberbürgermeister Bert Wendsche und das Museum gegangen sind, nicht zu einem Umdenken oder doch wenigstens zu einem Innehalten und Überdenken des eignen Standpunktes geführt? Warum wurden all die Fragen, Probleme und Schwierigkeiten hinter verschlossenen Türen besprochen, verhandelt und kein öffentlicher Diskurs geführt? Spüren die Mandatsträger der Stadt keine Verantwortung gegenüber den Bürgern Europas, wenn sie dieser einmaligen Einrichtung in der Bundesrepublik den Stuhl vor die Tür setzen? Ein Museum oder eben eine Einrichtung dieser Art klemmt man nicht einfach unter den Arm und zieht weiter wie die bettelnden Gaukler vergangener Jahrhunderte. Dabei sei hier noch nicht auf die Leistungen verwiesen, die das Museum seit 12 Jahren bis zur seiner unfreiwilligen Schließung erbracht hat: Geöffnet an Feiertagen und Wochenenden, Betreuungen in den Schulferien, Kurse und Werkstätten, Sonderausstellungen, Konferenzen sowie Projekte im In- und Ausland. All diese Angebote haben die Stadt so gut wie nichts gekostet.

Natürlich hat die Stadt Mittel aufgewendet, um den ehemaligen Gasthof in einen Zustand zu versetzen, der eine Nutzung überhaupt erst ermöglicht. Diese Instandsetzungsarbeiten haben aber primär nichts mit dem Lügenmuseum zu tun. Sie wären auch so angefallen. Wie aber die Denkmalpflege in einer Stellungnahme bescheinigt, haben die Betreiber des Museums wesentlich zum Erhalt des Gebäudes beigetragen. Keine Leistung? Oder wird hier einfach fallengelassen, was nicht in den Kram passt? Es wäre höchste Zeit nochmals darüber nachzudenken, um eine sinnvolle Lösung anzustreben, ehe man als Kulturverhinderer am Pranger steht. Denn Kunst ist es zweifelsfrei, aber vermutlich nicht für alle, muss es aber auch nicht sein.

Karl Uwe Baum

Der Februar – Kinderfaschingsallotria

Soweit es das Winterwetter zuließ, waren wir bis zum Anbruch der Dunkelheit mit Schiern und Schlitten draußen. Mit tut heute noch unsere gute Martha, Haus- und Küchengehilfin im „Weißen Roß“ leid, die irgendwie unsere klatschnassen Sachen wieder trocken kriegen musste.

Bis zum Abendbrot saßen wir Kinder oft in der Kinderstube um Tante Emma herum, die unermüdlich vorlesen musste. Unsere Tante Emma war die jüngere Schwester von Oma Anna. Früh verwitwet – Onkel Hanns Rößler verstarb an den Folgen des ersten Weltkrieges (nasse Schützengräben). Sie lebte im „Weißen Roß“ und war der gute Geist des Hauses. Sie machte Buffetdienst, schälte unheimlich schnell Kartoffeln in großen Ringeln (täglich fielen zwei große Wassereimer voll an) und beschäftigte uns Kinder. Zunächst las sie Märchen der Gebrüder Grimm und aus dem goldenen Märchenbuch von Andersen vor. Von manchen Märchen kriegten wir einfach nicht genug. Als wir älter wurden, ging sie zu Robinson Crusoe und dem schwarzen Bento über. Ich bewundere noch heute ihre Geduld und Ausdauer beim Vorlesen, wenn sie auch manchmal sagte, ihr fehle die Spucke.

Älteste bildliche Darstellung vom »Weißen Roß«, um 1800


Wir spielten natürlich alles Gehörte mit unseren Holzbaukästen und den Holztieren nach. Im Sommer wurde die Siegfriedsage im Garten gespielt, wobei der Fliederwald als Odenwald fungierte. Eine in die Erde eingegrabene ausrangierte Bratpfanne voller Regenwasser war der Quell, an dem Siegfried sterben musste.

Es war auch Tante Emma, die uns das Vaterunser lehrte, als sie fand, dass wir für unsere Kindergebetchen allmählich zu groß geworden waren.

Der Höhepunkt für uns Kinder im Februar war natürlich der Faschingsdienstag. Mit den Kostümchen wurde nicht soviel Ruß gemacht. An den ersten Faschingsdienstag, an den ich mich erinnern kann, ging ich als Eierfrau in einem großen Umschlagtuch und den Korb mit den Toneiern an den Arm gehängt. Dann ging ich als Seppl mit Trachtenhut und Wolfgangs Sepplhose, die mir in den Kniekehlen hing. Später nähte mir unsere gute Wo, eine Freundin von Muttel, die ihr in der Arbeitslosenzeit beistand, ein wunderschönes Rotkäppchenkostüm, das ich zweimal anhatte, dann war es leider ausgewachsen. Wolfgang und die anderen Jungs gingen als Indianer. Heyls Inge habe ich als Spanierin in Erinnerung und Heyls Erika als Holländerin. Am Fastnachtsdienstag zogen alle Kinder der Umgebung erstmal auf der Straße herum. Wir beguckten uns gegenseitig unsere Kostüme und die Jungens knallten wie verrückt mit ihren Zündblättelpistolen, sodass wir Mädchen uns dauernd die Ohren zuhielten. Einmal hatte Vielhauer Siggis Mutter sein Gesicht mit Kakao eingerieben, da sah er echt wie eine Rothaut aus. Das Entfernen aber machte große Mühe, trotz Seife und Creme, und noch tagelang schimmerte sein Gesicht in zartem Rotton. Herr Vielhauer war Hausmeister in der Gewerbeschule Criegernstraße, auf ihn komme ich noch zurück. Es war eine kinderfreundliche Zeit, drei bis vier Geschwister konnte ein Elternpaar ohne weiters aufziehen. Einzelkinder gab es wenig und galten für uns als supervornehm.

Kinderfasching im Innenhof


Nachmittags ging es dann zum Kinderfasching zu Heyls hinüber. Heyls hatten eine Gärtnerei auf dem heutigen Gelände von Auto-Gommlich. Frau Heyl hatte unheimlich viel los mit der Ausgestaltung derartiger Feiern. Die ganze Wohnstube war kreuz und quer mit Girlanden bespannt und in der Ecke hing ein riesiger gelber Mond. Der Wellensittichkäfig, der sonst auf dem Vertiko stand, war bereits in Sicherheit gebracht worden, denn leider hatte einmal der grüne Sittich samt seinem Käfig durch uns Dösen (Toben) einen unfreiwilligen Abgang nach unten machen müssen. Es war ihm aber nichts geschehen. Und hier muss ich auch gleich mal die gute Oma Günther erwähnen. Sie war immer liebevoll zu uns Kindern und schimpfte auch nicht, wenn wir hin und wieder mal gar zu verrückt spielten. Da die Küche nebenan war, steckte sie nur den Kopf durch die Tür und – ich habe den Klang ihrer Stimme noch heute im Ohr – sagte lediglich: „Nu, deest nur ni so…“

Durch unser draußen Herumziehen hatten wir natürlich ganz schön Hunger bekommen und stürzten uns wie wild auf die traditionellen Pfannkuchen. Ein mit Senf gefüllter Pfannkuchen wurde von Frau Heyl geschickt auf Wolfgangs Teller lanciert. Der biß herzhaft hinein und spuckte alles auf die schöne Luftschlangengarnierung wieder hinaus. Nach Kakao und Pfannkuchen wurden sämtliche Pfänderspiele und anderes durchgespielt, wobei es auch kleine Preise zu gewinnen gab. Beim Topfschlagen lag für jeden etwas unter dem mißhandelten Topf. „Ringlein, Ringlein, du musst wandern“, „Blinde Kuh“, „Hänschen piep einmal“ und „Schnelle Post“ waren einige unserer Kinderspiele. Zum Abendbrot war Fleischsalat-Wettessen angesagt. Da war Wolfgang unschlagbar. Nie wieder hat mir italienischer Salat, so wurde der Fleischsalat genannt, so gut geschmeckt wie damals. Da war Mayonnaise noch nicht der Hauptanteil. Für den Obstsaft hatte jedes Kind immer sein Glas in einer bestimmten Farbe. Meins war grün, Wolfgang seins rubinrot. Beim Austrinken rutschte ihn einmal eine schwarze gläserne Spinne entgegen, wieder ein kleiner Spaß von Frau Heyl. Wolfgang beherrschte sich aber und sein Glas blieb ganz. Bei uns Mädchen hätte es sicher Scherben gegeben.

Todmüde verschwanden wir dann ohne „Tritt Marsch“ (Vaterns Worte) in unsere Betten, murmelten mit Muttel noch unser Abendgebet und schliefen sofort fest ein.

Das war der Februar in meiner Kinderzeit.

Christa Stenze/ Christian Grün

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