Radebeuler Couragepreis – Steinverlegung am 4. September

Es war Krieg, und wie immer, wollte niemand schuld daran sein.

Als das Donnern der Kanonen näher kam und auch in Dresden zu hören war, wurde die Kurfürstin unruhig. Das wieder bewog, wie die Legende erzählt, den Kurfürsten zum Einlenken. So war es möglich, daß schließlich nach zähen Verhandlungen am 27. August 1645 ein separater Waffenstillstand zwischen Sachsen und Schweden unterzeichnet werden konnte. Erst drei Jahre später endete mit dem Frieden von Münster und Osnabrück der Dreißigjährige Krieg.

In Kötzschenbroda wurde die Erinnerung an dieses Ereignis lebendig gehalten; und als 1935 nach dem Anschluß an Radebeul die Kirche einen Namen brauchte, fiel die Wahl auf Fiedenskirche. Freilich ging die Gemeinde damit sehr mutig auf Distanz zum rechten Mob, der dabei war, das Land in den Untergang zu führen.

Während der Zeit der DDR war es namentlich der Pfarrer Eberhard Gehrt, der den Gedanken bewegte, im Gedenken an 1645 müsse von Radebeul aus ein Friedenszeichen in die Welt gehen.

Der seit dem Jahr 2004 in der Regel zweijährig ausgelobte Couragepreis will Menschen und Initiativen ins Licht rücken, die unter schwierigen Bedingungen friedenstiftend wirken. Am 27.8.2024 wurden Jenny Rasche, Sibiu und der Coswiger Verein „Hilfe für Osteuropa“ ausgezeichnet (vgl. www. Couragepreis.de).

In diesem Jahr nun werden traditionsgemäß die Denksteine vor dem Rathaus verlegt. Um der Preisträgerin die Teilnahme zu ermöglichen, wird die feierliche Zeremonie am 4.9. um 16 Uhr stattfinden.

Wir laden herzlich dazu ein!

Thomas Gerlach

Viel Neues im Kunsthaus

6. Kunst-geht-in-Gärten-Veranstaltung

Entstanden aus einer Katastrophe, ist „Kunst geht in Gärten“ mittlerweile eine beständige und beliebte Veranstaltung in Radebeul geworden, die zu Beginn des Sommers tausende Besucher aus der Stadt und der unmittelbaren und weiteren Umgebung anlockt. Obwohl am letzten Juni-Wochenende dieses Jahres brütende Hitze herrschte, konnten sich die Garten- und Grundstücksbesitzer über mangelnden Zustrom nicht beklagen.

Markus Kliesch mit einem Trompetensolo neben einem Gemälde von Anita Rempe Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Letztes Jahr pausierend, haben wir mit dem Kunsthaus Kötzschenbroda an der sechsten Auflage dieses Zusammenspiel von Stadtgalerie (Veranstalter), Künstlern und Gärtenbesitzern teilgenommen. Von Anfang an dabei, vertrauten wir auf den bisher erworbenen kleinen Stamm an Künstlern und Besuchern. Enttäuscht wurden wir nicht, ganz im Gegenteil. Neue Künstler gesellten sich hinzu und auch die Gäste waren zahlreicher, darunter viele aus benachbarten Landkreisen und anderen Bundesländern.

Nun sind wir weit davon entfernt, hier über die Veranstaltung an sich zu berichten, waren wir doch hinlänglich mit dem eigene Garten und den bei uns ausstellenden neun Künstlern beschäftigt. Natürlich verspürten wir große Lust, einen Blick in den einen oder anderen neu dazugekommenen Garten zu werfen und uns mit den Besitzern und den Künstlern zu unterhalten. Freilich hätten wir auch nur für einen Tag unsere Pforte öffnen können, wie 18 Prozent der 28 Ausstellungsorte, und damit ausreichend Zeit für einen Rundgang gehabt. Allein das wollten wir weder den Künstlern, Besuchern noch uns zumuten. Ist doch der Aufwand für alle Mitwirkende enorm.

Bereits zu Beginn des Jahres hatten wir alle bei uns ausstellenden Künstler zu einer Abstimmung und Ortsbegehung eingeladen und als gemeinsames Motto für die Ausstellung „Schattenspender – Lückenbüßer“ bestimmt, anspielend darauf, dass in diesem Lande mitunter die Kunst als fünftes Rad am Wagen gesehen wird. Und so mag es nicht verwundern, wenn bei der diesjährigen Ausstellung im Garten und in Nebengelassen des Kunsthauses Werke zu sehen waren, die eindeutig zu bestimmten Entwicklungen in der Gesellschaft Stellung bezogen.

Der Dresdner Grafik-Designer Bernd Hanke gestaltete seine „Rollos“ an den vier Frontfenstern vom Erdgeschoss des Kunsthauses mit Motiven zum gegenwärtigen Kriegsgeschrei und dem Aufrüstungswahnsinn, in dem er von ihm gestaltete Plakate u. a. aus den 1980er Jahren einarbeitete.

Anita Rempe (r.) und Heidrun Rueda (l.) bei einer Interaktion mit den Besuchern des Kunsthauses Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Moritz Wippermanns Metall-Druckbilder – ein modernes Druckverfahren auf mehrschichtigen Aluminiumplatten – zeigten scheinbar unspektakuläre Landschaften, in der sich abgelagerte Industriepaletten auftürmten.

Alle der neun teilnehmenden Künstler hatten sich etwas Besonderes einfallen lassen: Matthias Kistmacher präsentierte eine Versuchsreihe zu Farbe und Struktur, Gabriele Schindler zeigte mit „Schattenspiele“ einen Hofstaat (Papiercaché-Köpfe) samt Hofschranzen (Pappmaché-Masken). Christiane Latendorf zauberte erneut, mit Malerei, Grafik, Keramik sowie Jahreskalendern für 2026, in einer Garage einen ganzen „Kunstladen“ herbei. Mattias Kratschmer setzte unter dem Titel DIES.NOX.SOMNIUM.ARBOR (Tag-Nacht-Traum-Baum) auf der Südwiese einen Grafik-Baum und Nele Wippermann wartete überraschend mit abstrakten kleinformatigen Textilarbeiten in Teppich-Form auf.

Anita Rempe und Heidrun Rueda wiederum führten in einer Art Performance, Schätze der „Verborgenen Kunst“ vor. Schwarz bekleidet und weiß behandschuht zelebrierten sie Kostproben ihres künstlerischen Schaffens, die sich in zwei turmartigen Regalen zunächst den Blicken der Betrachter entzogen.

Christiane Latendorf, »Vogelkopf« (Keramik) auf einer alten Halterung für einen Feuerlöscher Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Und so hatte jeder Künstler in unserem Garten „sein Refugium“ geschaffen, Und wem das noch nicht genug war, der konnte auch an einer der fünf dialogischen Führungen teilnehmen, die über Garten, Haus, Kunst und Künstler so manche interessante Information preisgab.

Jedes Jahr stellt sich natürlich auch für uns die Frage, wollen wir das überhaupt noch, schaffen wir den Aufwand, der sich damit verbindet und lohnt sich das alles für ganze zwei Tage? Unterm Strich, bei aller Anstrengung und Abwägung, sind wir zum Schluss gekommen: JA!

JA, weil sich eben mit dieser Aktion viel mehr verbindet, als nur dem Veranstalter dafür einen Garten zur Verfügung zu stellen. JA, weil dieser Veranstaltungstyp für uns die Möglichkeit bietet, selbstgestalterisch, in enger produktiver Kooperation mit den Künstlern, tätig zu werden. Und schließlich JA, weil da ein Publikum ist, das sich interessiert und aufgeschlossen zeigt, mit dem man ins Gespräch kommen kann. Der vielfältige Zuspruch gibt uns Kraft und regt für Weiteres an. Aber wir werden aus dieser Veranstaltung kein „Volksfest“ machen. Es geht uns um Kunst, um bildende Kunst in einer nicht alltäglichen Umgebung.

Und sollten die Sterne günstig stehen und die Kräfte reichen, sind wir auch im kommenden Jahr gern wieder mit dabei.

Karl Uwe Baum

Grafikausstellung „Häuser und Landschaft Radebeul und Umgebung“

aus der Sammlung des Architekten und Denkmalpflegers Dietrich Lohse

Repro: F. Andert

Wer ist der Sammler, der die Möglichkeit hat, in den Räumen von Schloss Hoflößnitz einen Teil seiner Grafiksammlung von vorwiegend Werken Radebeuler Künstler auszustellen?

Als ehemaliger Kommilitone, Kollege und als Freund von Dietrich Lohse möchte ich Sie in die Entwicklung, die Gedankenwelt und die Beweggründe dieser speziellen Sammlung mitnehmen.

Man fragt sich, was treibt Menschen an zu sammeln, was sind Sammler für besondere Menschen?

Psychologen behaupten, Sammler haben eine größere Lebenszufriedenheit, neigen weniger zu Depressionen, verfügen über eine höhere Bildung und – sie sind überdurchschnittlich gut finanziell ausgestattet. Ich glaube, dass nicht alle diese Eigenschaften auf Dietrich zutreffen.

Eher ist die Sammlung Lohse ein Ergebnis von Freundschaften, Begegnungen, Erlebnissen, Zufällen aber auch eine Reflexion der Arbeit als leidenschaftlicher Denkmalpfleger.

Große Künstlernamen und spektakulär Teures standen nie im Sammlerfokus. Das Motiv war ihm wichtig, unabhängig von künstlerischen Entwicklungen und Tendenzen.

(v.l.n.r.) Dietrich und Sonja Lohse, Volker Röhricht zur Ausstellungseröffnung am 20. 7. 25 im Weinbaumuseum Hoflößnitz Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Durch Gespräche und Ausstellungsbesuche mit den Eltern, der Mutter besonders, gab es ein erstes Heranführen an die Bildende Kunst. In der Oberschulzeit kam es zu Kontakten mit Radebeuler Künstlern wie Johannes Thaut und Günter Schmitz. Der Sohn von Johannes Thaut war ein guter Freund und erste Thautsche Grafiken waren wahrscheinlich der Grundstock einer immer weiter wachsenden Sammlung, z.B. die Radierung „Dippelsdorfer Teich“. Auch Radebeuler Künstler, wie Paul Wilhelm und Karl Kröner waren ihm schon damals ein Begriff, aber als junger Sammler unmöglich, Werke dieser bedeutenden Maler zu erwerben.

Foto: F. Andert

Nach dem Abitur begann das Architekturstudium an der TU Dresden und in Zeichenseminaren war man selbst gefordert, sich künstlerisch darzustellen. Bereits während des Studiums entstand eine schöpferische Freundschaft zwischen den Radebeuler Architekturstudenten Dietrich Lohse, Dietmar Kunze, Thilo Hänsel und mir, geprägt durch viele Gemeinsamkeiten, wie die Mitarbeit im Aktiv für Bau und Denkmalpflege, damals unter der Leitung des hochverehrten Dr. Meyer-Doberenz. Einige Baudenkmale wie z.B. der Pavillon im Grundhof konnten gemeinsam wieder denkmalgerecht hergestellt werden.

Das Hellhaus in Moritzburg, einst vom Architekten und Zwingerbaumeister Ulrich Aust von der Gemeinde gepachtet und uns später zur Nutzung übertragen, bedurfte ständiger Erhaltungsarbeiten, die gemeinsam ausgeführt wurden. In Erinnerung geblieben sind die unvergesslichen Feiern nach getaner Arbeit. Auch der Skizzenblock war oft dabei. Die eine oder andere Zeichnung von Dietmar Kunze und Thilo Hänsel wanderte damals schon in die Sammlung Lohse. – Eine schöne gemeinsame Zeit.

Das Blickfeld weitete sich und gern besuchte Dietrich mit seiner Frau Sonja die Jugendgrafikauktionen, damals unter der Leitung von Prof. Werner Schmidt vom Kupferstichkabinett. Man ersteigerte erstmals eine Grafik – ein Sepiablatt der Radebeuler Künstlerin Ruth Meier.

Atelierbesuche bei Radebeuler Künstlern wie Gunther Herrmann, Werner und Ute Wittig, Bärbel Kuntsche und später der Besuch des Radebeuler Grafikmarktes, jedes Jahr ein fester Termin im Kalender, ließen die Sammlung ständig wachsen. Nun war geordnetes Sammeln, Lagerung und Systematik angesagt und wer den Dietz kennt, er tut das mit nicht zu übertreffender Perfektion, ähnlich wie seine umfangreiche Fotosammlung von Radebeuler Bauwerken und Denkmalen, die ein wichtiges Arbeitsmittel für die Denkmalpflege noch heute ist.

Ich nenne es einen Glückfall, dass Dietrich Lohse das Amt des Denkmalpflegers der Stadt übertragen wurde. Viele bauliche Entwicklungen und Details einzelner denkmalgeschützter Gebäude wurden vom ihm fachkundig beobachtet, bewertet und registriert.

Auch sind seine Beiträge in „Vorschau und Rückblick“, in denen er schon über viele Jahre vom Standpunkt des Denkmalpflegers und Architekten Geschichtliches, Kurioses, Ortstypisches beschreibt, begehrt bei der Radebeuler Leserschaft.

Seine Berufsleidenschaft verband ihn über die vielen Jahre mit der Pflege und der Weiterführung seiner Radebeuler Grafiksammlung und vielleicht wurde der Sinn der Sammlung durch die tägliche Arbeit mit den Bauwerken, behördlichen Vorgängen durch die gesammelten künstlerischen Objekte zu einer Reflexion und dienten manchmal der Entscheidungsfindung und man fragt sich, halfen die künstlerischen Darstellungen, unterstützten sie emotional?

Im Kern der Ausstellung stehen Portraits von Häusern, meistens Kulturdenkmälern. Interessant wird es, wenn zu einem bestimmten Haus verschiedene Künstler zu unterschiedlichen Zeiten Arbeiten verfertigt hatten. Da erkennt man trotz verschiedener Handschriften Konstanz, wenn die Häuser über die Jahre gleich geblieben sind – ein Grundsatz bei Denkmalen – oder vereinzelt auch Veränderungen, wie z.B. beim Haus Lorenz auf der Weinbergstraße zu verzeichnen sind.

Hinzu kommen, als Hintergrund die charakteristische Landschaft des Elbtals mit den Weinhängen und das Zusammenspiel von Architektur und Landschaft.

Seine Frau Sonja war über die lange Zeit des Sammelns voller Verständnis dabei und hat seine Leidenschaft mitgetragen. Das Geburtstagsgeschenk zum 44-ten, ein frühes Blatt von Michael Hofmann, der Farbholzschnitt „Erlweinspeicher in Dresden“, sicher schon lange begehrt vom Sammler und auch die Anbahnung dieser Ausstellung gehen auf Ihre Aktivität zurück.

Beim Betrachten der Ausstellung werden Sie sicher bemerken, dass die Sammlung, die vorwiegend aus kleinen Formaten und mehrheitlich aus schwarz-weiß Grafiken besteht, von einem Verehrer der Kunst und der besonderen Landschaft von Radebeul und Umgebung gestaltet wurde.

Ein besonderer Dank dem Sammler und den verantwortlichen Mitarbeitern vom Museum Schloss Hoflößnitz für die Gestaltung der Ausstellung in den schönen historischen Räumen.

Volker Röhricht

Editorial 8-25

Im Urlaubsmonat August sei es erlaubt, den Blick wieder einmal weiter schweifen zu lassen.

Unbestritten war und ist die Ostsee mit ihren vielgestaltigen Landschaften und Stränden ein ersehnter Ort – nicht nur für sonnige Tage. Ebenso wie in Radebeul, bieten malerische Plätze an der Küste seit jeher ein Refugium für zahllose Künstlerinnen und Künstler.

Auf der Halbinsel Darß stellt zweifellos die Gemeinde Ahrenshoop mit der Ansiedlung wegweisender Maler seit Ende des 19. Jahrhunderts gewissermaßen den „kulturellen Leuchtturm“ dar. Im Jahr 2013 wurde hier das Kunstmuseum Ahrenshoop eröffnet, welches die Geschichte und Werke der Künstlerkolonie umfassend präsentiert. Dort widmet sich dieser Tage eine Sonderausstellung der vor 100 Jahren in Dresden geborenen Malerin und Grafikerin Ruth Klatte.

Sie lebt seit 1961 bis heute in Wieck a. Darß, etwa zehn Kilometer nordöstlich am Bodden gelegen. Ab 1941 studierte sie in Dresden an der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe und arbeitete anschließend als freischaffende Künstlerin. 1948 war sie erstmals für eine Woche in Ahrenshoop. Der Landstrich ließ sie nicht mehr los: „Nie vorher sah ich Sonne und Mond so aufgehen – und den Sternenhimmel ganz. Dieses war bestimmend für mich. Dort wollte ich nun malen.“ Studienreisen führten sie nach Italien, in die Sowjetrepubliken in Mittelasien sowie in die ?SSR. Zahlreiche Werke hängen in Museen an der Ostseeküste sowie gar in der Eremitage von St. Petersburg. In unserem Umfeld sind Arbeiten im Stadtmuseum Pirna zu sehen.

Eine beeindruckende Vielfalt an Stilen prägt ihr umfangreiches Œuvre, das noch bis zum 5. Oktober in repräsentativen Auszügen unweit des Weststrandes zu sehen ist.

Sascha Graedtke

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Historische Winzerhäuser in Radebeul
Die meisten Winzerhäuser stehen unterhalb der Weinberge, ein paar aber auch an der oberen Hangkante des Radebeuler Elbtals. Eins der Letzteren ist Haus Erdmann in der Finsteren Gasse 6 (bisher Nr. 5). Haus Erdmann – Alwin Oswin Erdmann war Eigentümer bis 1961 – wurde 1724 unter Dr. C. C. Kober, dem damaligen Eigentümer des heutigen Minckwitz`schen Weinguts, erbaut. Zu diesem Weingut gehörten ursprünglich neben dem Herrenhaus zwei Winzerhäuser und zwei Pavillons. Neben dem hier betrachteten, zweigeschossigen Winzerhaus gab es ein eingeschossiges Stallgebäude, das inzwischen zum Wohnhaus umgebaut wurde und eine Mauereinfriedung mit Pforte. Das massive EG ist hell verputzt, das Fachwerk-OG ist bis auf die dunkel verbretterte Südseite ebenfalls verputzt und das steile Walmdach trägt rote Biberschwanzziegel. Es entspricht so genau dem Typus eines Winzerhauses in der Lößnitz.
Als Familie Kurz / Zschaler 1961/62 das Anwesen kaufte, war der bauliche Zustand sehr schlecht. Ab 1965 lief die Sanierung mit statischer Ertüchtigung und Erfüllung denkmalpflegerischer Auflagen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen war diese Arbeit so gut und gründlich gelungen, dass seit dem immer nur kleinere Reparaturen nötig waren. Damit war das Haus nach 1990 nicht durch größere Sanierungen und Verschönerungen aufgefallen und kam so offenbar für den Bauherrenpreis nicht in Betracht – eigentlich paradox! Der große Minckwitz-Weinberg wird heute von anderen Winzern bewirtschaftet. Auf dem südlichen Gelände unterhält Familie Zschaler heute noch einen kleinen Weinberg. Wein trinken kann man an bestimmten Tagen gegenüber in der Besenwirtschaft „Gemse“.

Dietrich Lohse

Mit Michael Wüstefeld poetisch durch das Jahr

Heimatverein Cossebaude

Petra Samek stellt aus

Foto: Heimatmuseum Cossebaude

Petra Samek aus Wildberg bei Dresden (72 Jahre) hat schon als Schülerin ihre Leidenschaft für die Malerei entdeckt. Die Grundlage für diese Kunst legte später, neben ihrer eigenen Intension malen zu wollen, der Maler Dietmar Hommel aus Schwepnitz bei Kamenz. Er führte sie an die Pastell- und Ölmaltechnik heran. Ihr besonderes Intersse galt jedoch der Aquarellmalerei. Sie besuchte deshalb auch einen Aquarellkurs. Bei einer Malreise auf die Insel Elba fand sie Zugang zur Acrylmalerei.

Heimatmuseum Cossebaude

Es entstanden viele Haus – und Dorfansichten. Hauptsächlich praktiziert sie die Pleinairmalerei, eine Malerei, bei der Künstler ein „Stück Natur“ unter freiem Himmel bei natürlichen Licht- und Schattenverhältnissen und naturgegebener Farbigkeit der jeweiligen Landschaft darstellen. Ihre Botschaft – das Schöne sichtbar machen.

Bettina Bruschke


 

Eröffnung: 5.6., 18 Uhr im Heimathaus
Talstraße 5a Cossebaude

Radebeuler Miniaturen

Brandstifter aller Länder …

„Erhebt euch nicht über andere, seid immer freundlich und geduldig. Sucht in Liebe miteinander auszukommen … legt den alten Menschen ab, der sich von seinen selbstsüchtigen Wünschen verlocken läßt…“
Solche ebenso vergeblichen wie zeitlos gültigen Worte schrieb der Apostel Paulus aus der Gefangenschaft in Rom an die Gemeinde in Ephesus. Wußte er, daß runde vierhundert Jahre zuvor ein Mann durch diese Stadt gelaufen war, dem die Ruhmsucht den Verstand geraubt hatte? Kannte er die Ereignisse aus der Nacht jenes 23. Juli?
Ich sehe die Szene lebhaft vor mir:
Längst ist Nacht geworden, aber die Hitze des Tages steckt noch in den Mauern. Leichtfüßig springt er, immer wieder lauschend innehaltend von Ecke zu Ecke durch die ahnungslos schlafende Stadt. Sorgsam ist er darauf bedacht, bei aller Eile nichts von dem Öl zu verschütten, das er in einem Krug bei sich trägt. Er wird es über die Stoffe gießen, sie tränken mit der duftenden Flüssigkeit, auf daß sie umso besser brennen. Er lacht in sich hinein. Der Tempelberg liegt in tiefster Stille. Die Wächter haben sich zurückgezogen. Längst kennt er die Wege, die er gehen muß, findet in tiefster Finsternis zu den Altären mit den Stoffen und Teppichen, die sich für seinen Plan am besten eignen.
Schon ist er vor Ort, schon beginnt er sein Werk. Gierig saugen die ausgetrockneten Stoffe das Öl auf. Er hält kurz inne, ja, mir ist sogar, als verbeuge er sich rasch und entschuldigend vor der großen Göttin, bevor er zum Feuer greift. Dann züngeln die Flammen auf. Zufrieden lächelnd zieht er sich zurück, sein Werk aus sicherer Entfernung zu betrachten: Der Artemistempel, eines der sieben Weltwunder, brennt. Als die Wärter den Brand bemerken, ist es zu spät.
Herostratos, der Brandstifter, wird ergriffen. Er leistet keinen Widerstand. Bei der peinlichen Befragung durch ein Gericht gibt er sein Motiv preis: Unsterblichkeit! Oder, wie der Dichter sagt: Es soll die Spur von meinen Erdentagen …
In ganz Kleinasien wird darauf hin die Nennung dieses Namens mit dem Tode bestraft. Es hat nichts genützt. Heute trägt die übertriebene Geltungssucht als „Herostratos-Syndrom“ seinen Namen. Allen Verboten zum Trotz hat er sein Ziel erreicht.

Danke, Herr Lehrer, sagt Ulrike in die nun entstehende Pause hinein. Trink maln Schluck, damit du wieder zu Stimme kommst. Folgsam greife ich nach meinem Becher.
Nur drei Sätze noch, sage ich dann, die gehören unbedingt dazu: in der gleichen Nacht des Jahres 356 v. Chr. ist, wie die Legende will, im griechischen Pella ein gewisser Alexander geboren worden. Als Sohn des makedonischen Königs Philipp war es ihm bestimmt, selbst König zu werden. Das selbstgesteckte Ziel dieses Königtums war die Weltherrschaft, für die er den Brand des Krieges bis nach Indien hinein getragen hat. Noch heute gilt er darum als „der Große“. Hätte er, sich wie Herostratos, mit ein paar Mauern begnügt, wäre er, wie jener gehenkt worden.
Lorbeer ernten immer nur die Großen Schurken…

Thomas Gerlach

Eine Glosse

Schwein gehabt…?

Der Deutsche und seine Abkürzungen! Zeig mir einen, der da noch durchblickt, geschweige den, der alle, die so unaussprechlichen wie abstrusen Buchstabenansammlungen, fehlerfrei herbeten kann und dann noch weiß, was sie bedeuten.
Oder kann heute von den Alten noch einer sagen, mit welcher Einrichtung man es zu tun hatte, wenn beispielsweise auf dem Türschild ASMW, HVDVP oder Tebele stand? Ja, freilich, das ist Schnee von gestern, aber wie sieht es aus mit AfArbSen, BRg, HSn/HS…?
Abkürzungen werden nach einer über hunderte von Jahre ungeschriebenen Regel ersonnen. Zumeist setzen sie sich bei Begriffen, die aus mehreren Wörtern bestehen, aus deren Anfangsbuchstaben zusammen. Aber so genau nimmt das keiner mehr. Da an diesem undurchdringlichen Gewirr von Buchstaben und Zahlen – man denke nur an die BIC-Nummer – tausende Bedienstete, Beamte und Möchtegerne beständig „weben“, kommen unweigerlich Mehrfachnennungen mit unterschiedlicher Bedeutung zustanden.
Sicher hat der Eine oder Andere schon mal etwas vom AA gehört. Manchen möge es bei dieser Abkürzung noch in den Ohren klingen, stehen doch die beiden Anfangsbuchstaben des Alphabets auch für „Ausreiseantrag“ oder „Auswärtiges Amt“, können aber auch für „Archeologica Austriaca“ oder für „Argentinische Aufklärung“ verwendet worden sein. Das Letztere freilich ist schon über 40 Jahre her, als die argentinische Junta die britisch besetzten Falklandinseln „heimholen“ wollte. An was erinnert mich das gleich noch mal…an Sewastopol? Das Problem von 1982 jedenfalls ist bis heute nicht richtig gelöst. Die Einen sitzen noch immer dort und die Anderen erheben darauf Anspruch.
Damals spielte eine gewisse „HMS Endurance“ eine Rolle, die als Eispatrouillenschiff der Britten auf der Insel Südgeorgien stationiert war und später in die Kriegshandlungen verwickelt wurde.
Lange habe ich gegrübelt, was „HMS“ wohl bedeuten könnte. Der „Hydraulische Heckmulcher/Mähbalken HMS – 100“ von Jansen aus Emlichheim von der Grafschaft Bentheim in Niedersächsischen kann‘s nicht gewesen sein. Die Firma gibt es erst seit 1984. Die „Hardware Meets Software Elektronik“ existiert zwar schon seit 1975, will aber nicht so recht zu diesem Forschungsschiff passen.
Als ich mir dann den zum Hubschrauberträger umfunktionierten Dampfer auf einem Foto in einer ausführlichen Beschreibung des Falklandkrieges genauer ansah, fiel es mir wie Schuppen von den Haaren! Na klar, es handelte sich ja um ein britisches Schiff! Da muss „HMS“ ja mit „His / Her Majesty´s Ship“, „Das Schiff seiner Majestät“, übersetzt werden! Mitunter wird heute dafür auch der banale Begriff „Hochsee-Motorschiff“ verwendet. Wie hatte ich das übersehen können, wo doch meine Gutste so auf die englische Monarchie steht?!
Nun könnte ich sicherlich das ganze Heft mit tausenden Abkürzungen füllen, belanglosen und höchst brisanten, das selbst dem willigsten Leser bereits nach der zweiten Seite der Kopf schwirrt. Manche dieser Wort- und Buchstabengebilde sind schon längst dem Vergessen anheimgefallen, andere, wie die DEGESCH – die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH (Produzent von „Zyklon B“) –, haben sich gar über 1945 hinweggerettet und sind in anderen Unternehmen aufgegangen.
Mit den vielen Abkürzungen könnte man die gesamt Kulturgeschichte aufstrippen. Kann Einer eventuell etwas mit BBLVF anfangen – den „Berliner Blättern für Vor- und Frühgeschichte“?
Ein Beispiel will ich aber zum Schluss doch noch anführen, weil es so unmittelbar aus dem Leben gegriffen ist. Schon mal was von den drei unschuldigen Buchstaben D.w.E. gehört, dem „Deutschen weißen Edelschwein“? Das gehört zu den vier Schweinerassen, die 90 Prozent des gängigen Bestandes abdecken. Das sind die mit dem „Stehohren“. Für den verwöhnten Gaumen sind freilich eher das Iberico-Schwein mit zahlreichen ungesättigten Fettsäuren oder das Duroc, die ältere Schweinerasse aus den USA, mit seinem „butterzartem Fleisch“ zu empfehlen, meint

Euer Motzi

 

Buchvorstellung

25 Geschichten, Erfahrungen, Einsichten, Gedanken
Erzählungen 2025

Das Buch enthält 25 kurze Erzählungen von ernsten und heiteren, von nachdenklichen und fröhlichen Wechselfällen des Lebens.

PR Notschriften-Verlag

Da ist der Verwegene, der zu DDR-Zeiten ein altes Haus saniert, der Treuhandmanager, der seine Sicht über das „Abwickeln“ erläutert, da kommt der Fünfzehnjährige zu Wort, der keine Angst vor der Zukunft hat und auch der unheilbar Erkrankte, der sein Leben nicht aufgeben will.
Der Autor gibt die unterschiedlichen Anschauungen und Überzeugungen ohne erhobenen Zeigefinger ungefiltert wieder und traut seiner Leserschaft zu, ja ermuntert sie, sich selbst dazu eine Meinung zu bilden.
Die brillant geschriebenen wahren Geschichten sind ein lebendiges Zeugnis der Gegenwart, ohne Vergangenheit und Zukunft zu ignorieren. Menschen aller Altersgruppen und höchst unterschiedlicher Professionen fächern einen Strauß von Episoden, Meinungen und Gedanken auf, der keinen Leser ohne Erkenntnis und Nachdenklichkeit entlässt.
Dr. Hartmut Pfeil lebt in Radebeul und widmet sich im Ruhestand dem Schreiben. Sein erstes Buch „Welch ein Reichtum – Ein Streifzug durch die Industriegeschichte von Radebeul“ fand nicht nur in Radebeul große Beachtung.
Das Buch ist im Radebeuler Notschriften-Verlag erschienen.

Jens Kuhbandner


25 Geschichten, Erfahrungen, Einsichten, Gedanken
Erzählungen 2025
Hardcover, 280 Seiten, 21 x 14,5 cm
Titelbild von Dorothee Kuhbandner
ISBN 978-3-948935-78-8
19,90 €

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