rempe & nagel

Rede zur Eröffnung der Ausstellung in der Stadtgalerie Radebeul

Diese Ausstellung, liebe Freundinnen der Kunst, liebe Frunde der Künstlerinnen, ist kein Streichelzoo. Sie führt uns heraus aus der Komfortzone mit ihren Wohlfühloasen und in die raue Wirklichkeit unserer Tage hinein. Schon der Titel räumt auf mit einem seit Jahrzehntausenden gepflegten und immer wieder kolportierten Klischee: Das schier unausrottbar scheinende, sich aber auch stetig auf seltsame Weise selbst bestätigende

Anita Rempe: Portraits (1-2), ohne Jahresangabe, verschiedene Stifte auf Papier

Repros K. (Gerhardt) Baum

Vorurteil, Frauen seien „geschwätzig“, wird hier mit

zweieinhalb Worten eindrucksvoll und dauerhaft widerlegt: rempe & nagel – da ist kein Wort zu viel, und doch ist alles gesagt: Die Künstlerinnen Maja Nagel und Anita Rempe reden Klartext und sparen sich den heißen Brei für wirklich kalte Tage.

Majas Zeichnungen stammen aus ihrer Serie „na kromje – an der Kante“. Vordergründig wird damit auf die Tagebaukante angespielt, die Linie also, die die noch vorhandene Landschaft von der großen Leere trennt, die ihre endgültige Zerstörung bedeutet.
Anitas Portraitzeichnungen zeigen das Werden eines Menschen und sein Sichverlieren im Chaos in sich vielfach überlagernden Ebenen, als wären sie Landschaften. Parallel stellen sich ihre Öl-Landschaften als verknappte Portraits täglich neuer Verluste dar. Beinahe körperlich empfindet die Künstlerin die vom Geschwindigkeitsrausch verursachte Flucht aus der Landschaft.
So treffen sich beide Künstlerinnen dort, wohin es niemanden zieht: „na kromje, an der Kante“, und sie sprechen von Dingen, die wir eigentlich gar nicht hören wollen und die uns deshalb umso mehr bedrängen.

Maja Nagel, Anita Rempe und Hartmut Dorschner zur Vernissage, Foto: K. (Gerhardt) Baum

Maja ist in Bautzen geboren. Sie wurzelt im Sorbischen. Unter diesem Blickwinkel erhalten ihre Arbeiten zu Lausitzer Themen, insbesondere dem der Landvernichtung zu Gunsten des braunen Goldes, nochmal eine deutlich andere Dimension. Jenseits aller Klimadiskussionen wird hier nicht einfach nur Gelände weggebaggert, hier wird Lebensraum einer traditionell ländlich orientierten nationalen Minderheit liquidiert – sollte das Absicht sein? Die Frage zumindest darf gestellt werden.
Maja hat in Dresden Malerei und Grafik studiert, längere Zeit in Berlin, Dresden und Strehla gelebt und ist nun in Eula bei Nossen folgerichtig in dörflicher Umgebung angekommen. Beim Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg betreut sie seit Langem die Grafikwerkstatt. „Sie ist“, wie Gregor Kunz bemerkt, „in Zeichnung, Malerei, und Collage, mit Performance und Installation und ihren bewegten Figuren in Animationsfilmen erfolgreich, wenn Qualität der Maßstab ist.“

Maja Nagel: „schnellweg“, 2023, Kohlezeichnung Repro K. (Gerhardt) Baum

In jedem Fall ist die Zeichnung ganz und gar Majas Metier. Die Linie verlangt und schafft Klarheit. Sie steht auf dem Blatt als „entweder-oder“ – ein Vielleicht ist ausgeschlossen.
Mit ihren Arbeiten steht Maja mitten in der Welt. Sie sieht nicht nur ihre Lausitzer Landsleute, nicht nur die sorbische Minderheit „na kromje – am Abgrund“ steht die Menschheit als Ganze.

„Fluchtlandschaft“; „Zusammenbruch“ …ihre Landschaften, freut sich Anita, wirken gemeinsam mit Majas Zeichnungen wie Erzählungen – Erzählungen, die ohne gutes Ende auskommen müssen. Das unterscheidet sie etwa von den Grimm‘schen Märchen. Die hatten eins – dürfen sie deshalb den heutigen Kindern nicht mehr zugemutet werden?!

Anita ist in Magdeburg geboren. Im Gauernitzer Fischerdorf hat sie sich hochwassersicher im Überschwemmungsgebiet etabliert. Sie studierte Illustration und Gebrauchsgrafik und später noch Kunsttherapie. Sie war Trickfilmzeichnerin und arbeitete beim Puppentheater. Eine Zeit lang gehörte sie zur Künstlergemeinschaft Atelier Oberlicht hier gleich nebenan. Lange Jahre arbeitete sie sehr segensreich als Kunsttherapeutin. In diesem Geschäft hat sie es kennengelernt, das „Leben an der Kante“.
Das hat ihr auch den Blick bewahrt für die verlorenen, die Fluchtlandschaften, und für die Unfähigkeit der Gegenwart, Landschaft als eigenständigen Wert wahrzunehmen. Mit ihren Wasser-Ölfarben setzt sie ihre eigene Unfähigkeit dagegen: die Unfähigkeit, etwas schön zu malen, das nun mal nicht schön ist.
Darin allein wird schon die Seelenverwandtschaft offenbar, die Anita mit Maja verbindet. Sie wuchs aus einer langen persönlichen Freundschaft, die weit über ein kollegiales Miteinander hinausgeht. Die Kunst ist ein einsames Geschäft, umso mehr braucht die Künstlerin den Austausch. Und auch ihren Arbeiten tut das Miteinander gut. In schöner Gemeinschaft breiten sie es vor uns aus, das Narrativ von der verlorenen Landschaft. (leicht gekürzt)

Thomas Gerlach

Editorial 1-24

All unseren treuen Leserinnen und Lesern sei von dieser Stelle aus ein freud- sowie friedvolles neues Jahr bei bester Gesundheit gewünscht!
Wie Sie sehen, erfolgte in bewährter Tradition auf dem Titelbild alternierend wieder der programmatische Wechsel zur Grafik. Diesmal begleiten uns Holzschnitte vom Radebeuler Künstler Michael Hofmann, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern wird und dessen Werke von Thomas Gerlach kommentiert werden.
Mit dem Jahreswechsel bricht ebenso für unsere Lyrikseite ein neues Kapitel an. Für dieses Jahr konnten wir den Schriftsteller und Liedermacher Stephan Krawczyk gewinnen, der sich in den 1980er Jahren insbesondere als DDR-Bürgerrechtler und Oppostioneller einen Namen gemacht hatte.
2024 wird für unser Heftprofil dahingehend interessant, da es eine ungewohnte Ballung von Jubiläen gibt, die über das ganze Jahr hinweg maßgeblich inhaltliche Akzente setzen werden.
An erster Stelle sei das Doppeljubiläum 100 Jahre Stadtrecht Radebeul und 100 Jahre Stadtrecht Kötzschenbroda genannt. 140 Jahre „Lößnitzdackel“ gesellt sich ebenso dazu.
Zudem feiert das Sächsische Weinbaumuseums seinen 100. Geburtstag, welches 1924 als »Heimathaus Hoflößnitz« eröffnet wurde. Museumsleiter Frank Andert hat uns hierfür bereits eine Reihe von Textbeiträgen in Aussicht gestellt.
Einen Vorgeschmack auf weitere Jubiläen und fundierte Hintergrundinformationen finden Sie im ausführlichen Beitrag „2024 – eine Stadt jubiliert, feiert und…reflektiert“.
Freuen Sie sich mit uns auf ein Jahr mit vielen kulturellen sowie gesellschaftlichen Höhepunkten!

Sascha Graedtke

Petition gegen Gebührenpolitik der GEMA

Die Stadt Radebeul hat eine open petition an die GEMA gegen horrende Gebühren für Veranstaltungen im Freien gestartet und wirbt für breite Unterstützung, damit die Kultur besonders im ländlichen Raum erhalten werden kann. Wir bitten Sie, diese online zu unterstützen und auch andere potentielle Mitstreiter zu aktivieren, damit wir eine maximale Öffentlich – keitswirksamkeit erhalten. Für den Radebeuler Weihnachtsmarkt 2022 erließ die GEMA u.a. eine Rechnung von rund 13.000 € im Vergleich zu den bisher üblichen 1.000 €.
www.openpetition.de/petition/seite2/kultur-in-gefahr-gegen-horrende-gema-gebuehren-fuer-veranstaltungen-im-freien

Gabriele Lorenz

Mit den Texten der brachialromantischen Hausapotheker Dieter Beckert und Jürgen B. Wolff durchs Jahr

Kulturentwicklungskonzeption für die Stadt Radebeul 2024-2030

Im Auftrag des Stadtrats entsteht aktuell unter der Federführung des Kulturamts eine Kulturentwicklungskonzeption für Radebeul. Sie soll die Richtung für die kommenden Jahre bis 2030 weisen. Dies ist für eine Stadt wie Radebeul enorm wichtig, denn hier haben Kunst und Kultur traditionell einen hohen Stellenwert. Renommierte Einrichtungen wie die Landesbühnen und Museen, jährliche Höhepunktveranstaltungen, wie die Karl-May-Festtage oder das Herbst- und Weinfest mit Internationalem Wandertheaterfestival, und über 60 ortsansässige Bildende Künstlerinnen und Künstlern sind Teil der Kulturszene und Markenzeichen unserer Lößnitzstadt.

Zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern sollen nun Strategien und Maßnahmen entwickelt werden, um Kunst und Kultur in Radebeul fit für die Zukunft zu machen. In diesem Prozess sollen Herausforderungen benannt und Lösungsmöglichkeiten diskutiert werden, um daraus Ziele und Maßnahmen abzuleiten. Wie wichtig ist uns Kultur und was sind wir bereit, dafür zu geben? Wie können wir kreative Potentiale fördern und unsere reiche Kulturlandschaft erhalten? Jetzt gilt es, konzeptionell und strategisch die Weichen zu stellen!

Am 24. Oktober 2024 fand im Radebeuler Kultur-Bahnhof das erste „Kulturforum Radebeul“ statt. Diese öffentliche Gesprächsrunde richtete sich gezielt an Kulturvereine und –gruppen. Von Astroclub bis Zentrum für Urbane Kultur reichte das Spektrum der Teilnehmer und belegte ebenso wie die intensiven Gespräche das große Interesse der ehrenamtlich Tätigen. Mitgliederentwicklung, Raumkapazitäten, Nachwirkungen von Corona waren dabei nur einige der diskutierten Themen. Bereits nach dieser ersten Runde kann man den Wunsch nach stärkerer Vernetzung und Austausch der einzelnen Akteure festhalten. Nach der zweiten Runde am 16. November 2023 unter dem Thema „Radebeul – Raum für Kultur“, steht im Dezember die Jugend im Mittelpunkt.

Das Kulturamt lädt herzlich ein:

3. Kulturforum Radebeul: Junge Kultur in Radebeul
11. Dezember 2023, 18 Uhr, Radebeuler Kultur-Bahnhof
Vorschau
4. Kulturforum Radebeul
11. Januar 2024, 18 Uhr, Radebeuler Kultur-Bahnhof

Im Mai 2024 soll dann der Stadtrat das Kulturentwicklungskonzept für Radebeul beschließen.

Radebeuler Miniaturen

1623 – 2023: 400 Jahre Haus Möbius

Noch ist es nicht so weit, doch ich sehe schon wieder Ulrike durch die Tür spähen und höre sie mit besorgter Stimme flüstern, kannst du mir mal helfen …
Dann also werde ich mit ihr in den Garten gehen und eine der heimlichen kleinen Fichten um einen oder zwei Äste bitten, die dann stellvertretend für den ganzen Baum die Zimmerdecke schmücken.

Anfangs, als die Kinder klein waren, hatten wir immer ein richtiges Weihnachtsbäumchen an der Decke hängen. Nein, natürlich nicht mit der Spitze nach unten, wie die Spötter gleich wieder witzeln, sondern richtig aufrecht, nur sozusagen mit „etwas mehr Luft nach unten“. Die Räume waren eng, aber der Baum schaukelte nur ein wenig, wenn eins dagegen stieß – umkippen konnte er ja nicht.

Als es möglich wurde, in den neunziger Jahren, haben wir Dach und Fassaden erneuern lassen und auch in den Innenräumen weithin dem Fachwerk wieder zu seinem Recht verholfen. Es konnten an vielen Stellen interessante Farbfassungen beobachtet werden. Besonders angetan hatte es uns das schöne Ziegelrot an den Balken, dem wir versuchten Dauer zu verleihen. Später haben wir die Südwand mit einer Verbretterung versehen lassen – es war für alle (das Haus wie für uns) klimatisch besser.

Schließlich war mit der Neugestaltung auch ein neuer Anbau verbunden, dem wir die Möglichkeit verdanken, erstmals eine Badewanne in dem Haus unterzubringen. Es gab ja alles, damals …

Herr Alfred Möbius (die damalige Stadtarchivarin Lieselotte Schließer hatte ihn zum Namensgeber für unser Haus erkoren) hatte es da fünfzig Jahre früher deutlich schwerer, als er kurz vor Kriegsende noch Toiletten einbauen ließ. Er starb zu Anfang des Jahres 1989, nach einem erfrischenden, letzten Glas Wein. Er war bis zur letzten Minute an den Tagesereignissen interessiert, wollte aber der Deutschen Einheit wegen, die ja unmittelbar bevorstehen müsse, wie er im Februar (!) schon ahnte, nicht länger leben.

Diesmal füllt Ulrike die Gläser.

Auf die Erinnerung, sagt sie, auf den alten Herrn, den hängenden Weihnachtsbaum und die nächsten vierhundert Jahre.

Thomas Gerlach

Glosse

Schöne Bescherung

Eigentlich schaue ich nie zurück. Was soll‘s auch. LKW-Fahrer wollte ich ohnehin nicht werden. Meine Lebensmaxime ist eher „Vorwärts immer – rückwärts nimmer!“. Was soll mich auch mein „Geschwätz von gestern“ heute noch interessieren? Manchmal aber denke ich, könn’mer dieses verka… Jahr nicht noch mal von vorn beginnen?! Nochmal so ganz unschuldig und jungfräulich…?

Hier hat unser Urvater aber wirklich einen Fehler gemacht. Jeder muss doch eine zweite Chance bekommen. Schließlich durften wir Ostdeutschen 1989/1990 auch nochmal ganz von vorne beginnen. Die drübigen Brüder und Schwestern haben uns neue Bundesbürger*innen geduldig an die Hand genommen. Und das war auch gut so! Wir hätten uns doch in dem bereits schon damals etwas abgenutzten Wunderland überhaupt nicht zurechtgefunden! Allein die vollen Regale in den neuartigen Verkaufseinrichtungen hatten für reichlich Verwirrung gesorgt und leider auch zu dramatischen Veränderungen geführt! Seither ist durchschnittlich die Hälfte der Bevölkerung übergewichtig. Aber unsere Indianer*innen aus Nah und Fern sind ob der vielen anderen Möglichkeiten doch erst so richtigen aufgeblüht.
Von diesem schweren Aufbruch in ein zivilisiertes Lebens will doch heute keiner mehr was wissen! Da sollte man aber schon etwas dankbarer sein! Auch Ludwig Richter, der Dresdner Maler aus dem 19. Jahrhundert, hatte das für sich damals schon richtig erkannt und deshalb täglich seinem Herrn gedankt. Da müssen wir wieder hin und zurück zum 1. Januar 2023!

Erst jetzt, im 12. Monat wurde mir so richtig klar, dass 2023 ein regelrechtes Schicksalsjahr für die Radebeuler*innen war. Das konnte man freilich im Januar niemals verkünden. Angsteinkäufe und Panikattacken hätten das gesamte öffentliche Leben lahm gelegt und nicht nur den Verkehr von und nach Dresden beeinträchtigt. Das Radebeuler Stadtarchiv wäre von den Hobby-Historiker*innen regelrecht gestürmt worden, wenn die gewusst hätten, dass ab Herbst (vermutlich für Jahre) nur noch ein Notschalter als Archiv zur Verfügung stehen würde, wo doch „in 2024“ das große Stadtjubiläum ansteht. Aber zum Glück wusste das da noch keiner.

Dieses Jahr bin ich aus dem Staunen überhaupt nicht mehr herausgekommen, was alles so urplötzlich über einen oder eben auch über eine Stadt hereinbrechen kann. Wegen der gestiegenen Energiekosten haben meine Frau und ich schon schmerzhafte Einschnitte hinnehmen müssen. Jede zweite Lampe wurde bei uns aus dem Verkehr gezogen. Hat aber auch wieder sein Gutes. Nicht alle Winkel stehen jetzt im grellen LED-Licht.

Auch in der Stadt Radebeul lief nicht alles nach Wunsch. Da flog eine städtische Einrichtung plötzlich ganz unerwartet aus dem Mietverhältnis raus. Da wurde die Stadt quasi über Nacht zum Bauträger eines millionenschweren Objektes, etwa so als wie einst die Jungfrau Maria zum Kinde gekommen sein soll. Aber zu guter Letzt wurde der mittlere Teil der Radebeuler Bahnhofstraße doch noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft gesperrt. Und alles wegen de Bäume! Also, kapieren tut das keiner. Erst hieß es: „Bäume weg – Stellplätze her!“ Nun lautet die Parole: „Bäume her – Stellplätze weg!“ Wo bei der ganzen Kasperei der angeblich unverzichtbare Wochenmarkt für die Belebung der Bahnhofstraßen nun hinsoll, bleibt weiter ungeklärt und ist offensichtlich ganz in Vergessenheit geraden. Wen interessiert schon das Geschwätz von gestern.

Wie sich das aber alles damit vereinbart, dass die Mobilität weiter steigt, die PKW-Zulassungen in Radebeul bisher über dem Bundesdurchschnitt liegen, jede Familie mit mittlerem bis sehr hohem Einkommen im Schnitt mindestens ein Auto besitzt und die Verkehrswende noch lange nicht in Sicht ist, weiß der Kuckuck. Und da habe ich die E-Mobilität noch überhaupt nicht auf’s Korn genommen.
Ach ja, ein schönes Fest und gutem Rutsch wünscht

Euer Motzi

Ergänzung zum Thema Beetziegel

Foto: D. Lohse

Foto: D. Lohse

Mit dem Foto möchte ich das Thema BEETZIEGEL (V&R 08/23 u. 10/23) beenden.

 

 

Dieses Exemplar eines weiteren Beetziegels erhielt von Rainer Schicktanz, der es in seinem Schrebergarten am Auenweg gefunden hatte, wo aber früher kaum so ein Zierbeet gewesen sein kann – Danke nochmals!

Dietrich Lohse

„Unter der Weite des Himmels“

Ein interessiertes Publikum füllte am Reformationstag die Lutherkirche zu Radebeul und erlebte ein Fest der Sangesfreunde und -freude.

Foto: G. Nordmann


Geladen war am 31. Oktober zur Nacht der Chöre, gefördert durch die Große Kreisstadt Radebeul.

Sieben Ensembles präsentierten eine Auswahl aus ihrem umfangreichen Repertoire und konnten sich im wahrsten Sinne des Wortes hören lassen.

Ein breites inhaltliches Spektrum und die musikalisch differenzierten Klangfarben der einzelnen Chöre boten dem Publikum ein besonderes Erlebnis und nahmen es mit auf eine Reise durch musikalische Genres und Epochen.

Klangvoll füllten die Stimmen den Raum, feierlich ertönte die Orgel.

Der musikalische Höhepunkt des Abends war sicherlich der gemeinsame Gesang „Ave verum corpus“ von Wolfgang Amadeus Mozart und ,,Klinge, Lied, lange nach“ von Klaus Ochs.

Ein gelungenes Konzert der Chöre endete letztlich im fulminanten Gesang der 170 Sängerinnen und Sänger mit dem Kanon ,,Dona nobis pacem“ – ,,Gib uns Frieden“.

Allen Mitwirkenden und Organisatoren sagen wir herzlichen Dank, so wie auch der Lutherkirchgemeinde und letztlich auch unserem Publikum, das uns mit viel Applaus belohnte.

Gisela Nordmann

Riesenstollen-Erfinder, Fox-Home-Gründer und Treppenstufen-Pate

Der Fremdenverkehrsverein Radebeul ist 30 geworden


Die 1990er Jahre waren für uns alle eine sehr interessante und intensive Zeit – voller Elan und Ideen, Tatendrang, Mitmachen und Anpacken, Neues ausprobieren. Die meisten verstanden sich als Gewinner. Natürlich gab es auch Verlierer; zumindest fühlten sich einige als solche. Im Großen und Ganzen war es jedoch ein zuversichtlicher und anspornender Aufbruch, der etwas bewegte und eine Menge Dinge und Prozesse in Gang brachte, auch im bürgerschaftlichen Engagement. Regionale Vereine „schossen regelrecht aus dem Boden“. Als solch einen Gewinner verstand sich damals auch der Fremdenverkehrsverein Radebeul e.V., der sich am 7. Juli 1993 nach mehreren vorbereitenden Treffen in der Radebeuler Jugendherberge gründete.

Weihnachtsfeier in der Stadtgalerie
Foto: K.U. Baum


„Radebeul sehenswert und seinen Gästen bekannt zu machen“, das war das Anliegen der damals knapp 20 Gründungsmitglieder. Dazu gehörten Gastronomen, Inhaber von Pensionen, kleine hiesige Unternehmen, Stadtführerin und Ortschronist, engagierte Radebeuler Bürger… und Karin Gerhardt (heute Baum), damals Leiterin der hiesigen Kultur- und Fremdenverkehrsförderung – später Stadtgaleristin. Sie hat die Vereinsgründung maßgeblich vorangetrieben. Schon bald kamen weitere touristische und Kultureinrichtungen hinzu, wie die Landesbühnen Sachsen, das Karl-May-Museum, das Staatsweingut Wackerbarth und der Weinkeller „Am Goldenen Wagen“, das Brauhaus Radebeul … auch das DDR-Museum war während seiner Radebeuler „Zeitreise“ mit dabei.

Vor allem in den Anfangsjahren war unsere inhaltliche Mitarbeit sehr gefragt, als es galt, Radebeul zu einer gastfreundlichen Stadt zu entwickeln, die mit ihren zahlreichen „Pfunden wuchern“ kann. Die da sind: Wein- und Gartenstadt, Heimat von Karl May und Eduard Bilz, Top-Lage zwischen Elbsandsteingebirge, Landeshauptstadt Dresden und „Sachsens Wiege“ Meißen, mildes Klima, interessante Bausubstanz sowie reichlich Kunst und Kultur.

Der erste öffentliche Auftritt des Fremdenverkehrsvereins fand noch im Gründungsjahr statt – beim 3. Herbst- und Weinfest in Altkötzschenbroda. Fortan standen die beiden großen Stadtfeste – Weinfest und Karl-May-Festtage – fest im Programm des Vereins. Und das sind nur zwei von zahlreichen Aktivitäten, die wir im Laufe von 30 Vereinsjahren „auf unserem Konto verbuchen“ können.

So arbeiteten wir an einem Stadtvideo mit, an mehreren touristischen Broschüren sowie an der Entwicklung eines innerstädtischen Wegeleitsystems. Mit „Radebeul erFahren“ luden wir zu Erkundungstouren in die Lößnitz und ihre Umgebung per Fahrrad ein. Beim Weihnachtsmarkt 1994 vor der Lutherkirche haben wir den ersten Riesenstollen der Konditorei Dolze angeschnitten, was später zur Radebeuler Tradition wurde. Der Erlös ging damals an die Kinderkrebshilfe. Die erste Radebeuler Museumsnacht wurde von unserem Verein gemeinsam mit dem Karl-May-Museum aus der Taufe gehoben. Mit unserer finanziellen Unterstützung konnte der Wackerbarth-Grabstein auf dem Friedhof Radebeul-West saniert werden. Wir gründeten Fox Home und stellen jedes Jahr zu den Karl-May-Festtagen das friedliche Siedlerleben im Wilden Westen nach.

Und schließlich ist unser Verein auch Treppenstufen-Pate: Um uns an der Treppe zur Aussichtsplattform auf dem Bismarckturm beteiligen zu können, hatten wir eine eigene Weinedition aufgelegt und den gesamten Erlös von 3.500 Euro gespendet.

Unsere jüngste Aktivität war die Beteiligung an der diesjährigen Veranstaltung: „Der Lößnitzgrund ruft“. Die Landesbühnen Sachsen hat im September gemeinsam mit ihren Partnern zu einer Sternwanderung zur idyllisch gelegenen Lichtung „Kleine Feder“ eingeladen und gestaltete dort einen tollen Tag für Kinder und Eltern.

Nun, inzwischen sind wir alle etwas in die Jahre gekommen und einige Vereinsmitglieder können das Jubiläum leider nicht mehr mit uns feiern. Auch der Enthusiasmus hat sich gewandelt; an manchen Stellen ist er kleiner geworden, an anderen geht’s dafür mit frischem Elan an neue Aktivitäten.

Wir setzen vor allem auf mehr Vernetzung mit anderen Radebeuler Vereinen und Ehrenamtlichen. Da gibt es bereits gute Ansätze, und die wollen wir ausbauen.

Birgit Freund
Vors. Fremdenverkehrsverein Radebeul e.V.

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