„Tag des offenen Denkmals 2018“ am 9. September

Der „Tag des offenen Denkmals“ feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum in Deutschland. Seinen Ursprung hatte er in Frankreich, wo er 1984 erstmalig stattfand. Die Idee wurde bis heute von 50 europäischen Ländern aufgegriffen und wird seit 1993 in Deutschland durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert.
In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“. Das Motto regt wie immer zu verschiedenen Möglichkeiten der Annäherung und Schwerpunktsetzung an. Ziel ist stets „Bekanntes einmal anders zu sehen“ – so der Grundsatz der Initiatoren. Wir als Verein sind auf die Suche nach FREMDEN Einflüssen in Radebeuls Stadtlandschaft gegangen. Wo finden sich ortsUNtypische Materialien, Baustile oder Bauweisen?

»Villa Waldhof«, Paradiesstraße 46 (1920) Foto: Stadtarchiv

Radebeul bietet mit seinen Villenvierteln der Ober- und Niederlößnitz geradezu ein Feuerwerk von Erkundungs- und Entdeckungsmöglichkeiten. Griechische Stilelemente lassen sich an Villen wie z.B. auf der Nizzastraße Nr. 9, 11, 12, 13 finden. Vorbild für die Grabstädte Karl Mays war für Paul Ziller der Nike-Tempel auf der Akropolis. Den Bauerngarten der Bischofspresse – ein eher traditionelles Winzerhaus in Fachwerkbauweise – schmückt ein „griechischer“ Rundtempel. Gerne ließ man den Blick auch nach Italien schweifen. Baumeister und Bauherren griffen antik-römische, venezianische oder toskanische Stilelemente und Gebäudetypen auf, wie z.B. am Katholischen Pfarramt (Borstraße 11) oder Augustusweg Nr. 1 und 3 zu sehen ist. Am ehemaligen „Töchterheim Sallawa“ in der Ludwig-Richter-Allee sind mit der pagodenartigen Dachkonstruktion sogar fernöstliche Einflüsse zu entdecken.
Besonders oft ist in Radebeul jedoch der sogenannte “Schweizer Stil“ anzutreffen, der Anleihen an der alpenländischen Landhausarchitektur nimmt. Wir freuen uns sehr, Ihnen hierfür zwei Beispiele am „Tag des offenen Denkmales“ näherbringen zu können. Herzlicher Dank geht dafür an die Bauherren der aufwendig sanierten „Villa Waldhof“ (Paradiesstraße 46) und an die Bauherren der in Sanierung befindlichen „Villa Walter“, Bennostraße 23. Passend zum Thema war bereits im April 2018 ein Artikel von Dietrich Lohse in der „Vorschau und Rückblick“ zu finden, auf den ich gerne verweise.
Viele Male nahm bereits die Friedenskirchgemeinde am „Tag des offenen Denkmals“ teil. In diesem Jahr wird das Augenmerk insbesondere auf den Wiederaufbau der Kirche und des Kirchturms nach dem 30-jährigen Krieg durch Baumeister Ezechiel Eckhardt im Auftrag von Kurfürst Georg I. gelegt. Die Kirche war im Krieg 1637 durch schwedische Truppen zerstört worden. Das Motto des Tages wird damit als zeitliche Dimension erfasst – was verbindet uns heute mit Zeit und Geschehen vor 400 Jahren? Pfarrerin Annegret Fischer greift bereits im Rahmen des Gottesdienstes das Thema auf und lädt 9.30 Uhr in die Friedenskirche ein. Danach ist die Kirche offen. Kirchenhüter sind vor Ort und führen nach Bedarf durch das Objekt. Eine Turmbesichtigung ist derzeit leider aufgrund der Baumaßnahmen nicht möglich.

»Villa Walter«, Bennostraße 23 (2018) Foto: Verein f. Denkmalpflege u. neues Bauen

Kurfürst Johann Georg I. und Ezechiel Eckhardt sind aber vor allem mit der Hoflößnitz „in Verbindung zu bringen“. Sie hielten mit dem Bau des Lust- und Berghauses von 1648 bis 1650 die Geschicke für die erste größere höfische Baumaßnahme nach dem 30-jährigen Krieg in den Händen. Traditionell öffnet das Sächsische Weinbaumuseum Hoflößnitz am „Tag des offenen Denkmals“ kostenfrei seine Türen. Bereits am Samstag wird dort die neue Sonderausstellung „Hund und Wild. Die kurfürstliche Jagdlust im Spiegel von Tierporträts in der Hoflößnitz“ eröffnet.
Katja Leiteritz

Programm „Tag des offenen Denkmals“ 2018 am 9. September in Radebeul:

Friedenskirche
Radebeul-Altkötzschenbroda
9:30 Uhr Gottesdienst
11:00 Uhr – 16:30 Uhr
Offene Kirche – Führungen nach Bedarf

17:00 Uhr – Orgelsommer
Friedenskirche umgebaut 1884/85 im neogotischen Stil; Arch.: K. R. Weissbach
Ort der Unterzeichnung des „Waffenstillstandes von Kötzschenbroda“ von 1645 zwischen dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. und dem schwedischen General Lennart Torstensson
Musik für Flöte, Kontrabass und Orgel

„Villa Walter“
Landhaus Bennostraße 23
Baustellenbesichtigung
10:00 Uhr – 12:00 Uhr
Führungen durch Architekten hinte + beyer architektur nach Bedarf
Landhaus im Schweizer Stil, errichtet durch die Fa. Gebrüder Ziller 1873/74;
Sanierung Fassade 2007;
z. Zt. Komplett-Sanierung der Innenräume

„Villa Waldhof“
Paradiesstraße 46
14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Vortrag – Dauer ca. 1 h
Zweigeschossige Villa im Schweizer Stil, als
Familienpension gebaut;
1862 Errichtung Wohnhaus; A: Moritz Ziller
1910/11 Aufstockung Nebengebäude; A: Paul Ziller

Hoflößnitz
Knohllweg 37
10:00 Uhr – 18:00 Uhr
Freier Eintritt

11:00 | 15:00 Uhr
Kuratorenführungen
Historische Weingutanlage mit Herren-, Press- und Verwalterhaus sowie Wirtschaftsgebäuden;
Weinbaumuseum; Sonderausstellung „Hund & Wild“
1648-50 Errichtung des Lust- und Berghauses für Johann Georg I.

Editorial 9-18

Am 22. August hatte ich die Gelegenheit, im vollbesetzten Minckwitzschen Weinberghaus einen spannenden Vortrag von Dr. Sebastian Storz über Johann Joachim Winckelmann (1717 – 1768) anzuhören.
Frau Stiller und Herrn von Minckwitz für die Initiative ein herzliches Dankeschön.
Schon einmal, nämlich zur Feier des 20.Geburtstages des „vereins für denkmalpflege und neues bauen radebeul e.v.“, war Dr. Storz mit diesem Vortrag vorgesehen. Leider musste Dr. Baumann damals den Referenten um eine Kurzfassung bitten, da die vielen Festtagsredner den vorgesehenen Zeitplan sprengten. Nun also, in entspannter Atmosphäre bei einem Glas Wein, konnte ich dem ausführlichen Vortrag lauschen. Zweigeteilt, in Anliegen des Vereins „Forum für Baukultur e. V. Dresden“, dessen Vorstandsvorsitzender Dr. Storz ist und der Darstellung der Beziehung des Vereins zu Johann Joachim Winckelmann und dessen Wirken in Dresden und europaweit, wies er auf große Defizite in der Bildungslandschaft hin. Die aller drei Jahre veranlasste PISA-Studie der OECD vergleicht nicht etwa ein Allgemeinwissen der Fünfzehnjährigen, nein, Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften sowie die Lesefähigkeit stehen im Focus. Nur diese Bereiche gelten als wichtige Indikatoren für gebildete Jugendliche.
Andere Bildungsinhalte wie Philosophie, Ethik, Geschichte, Geographie, Kunsterziehung, Musik oder gar alte Sprachen spielen keine Rolle. Dabei sind es gerade diese Fächer, die Kinder für den „Gemeinsinn einer Gesellschaft“ sensibilisieren, „ weil sie die Entstehung eines Identitätsbewusstseins befördern“. Für mich sind diese Gedanken zwar nicht neu, aber im Kontext zu Winckelmann sehr interessant. Und da ich hoffe, vielen von Ihnen liebe Leserinnen und Leser geht es auch so, habe ich Dr. Storz dafür gewonnen, in einigen der nächsten Hefte, sowohl zum „Forum für Baukultur“ und dessen Anliegen als auch zu Johann Joachim Winckelmann Beiträge beizusteuern.
Seien Sie gespannt. Es lohnt sich.

Ilona Rau

Ein Tusch dem Meister

Zum 75. Geburtstag von Günter Baby Sommer

Foto: G. Sommer

Vorweg gesagt: Die Stadt Radebeul kann sich glücklich schätzen, so einen Meister des Schlagwerks als Bürger zu wissen. Günter Baby Sommer ist einer der wenigen Weltstars, der in der Kultur- und Weinstadt zu Hause ist. Auf der Wilhelmshöhe fand der Musiker vor über zwei Jahrzehnten seine neue Soundschmiede – und einen Ruhepol neben dem ganzen Touralltag. Regelmäßig rollt sein Bus bis heute durch ganz Europa, immer gut gefüllt mit allerhand Drums und Percussion. Er ist ein gefragter Mann in der Musikwelt, spielt mit jungen sowie mit etablierten Musikerkollegen aus nahen und fernen Ländern. Musik verbindet – so auch bei Baby Sommer, der schon immer ein Bindeglied zwischen den Künsten ist. In der Literatur-, Theater- und natürlich Musikwelt, überall kennt und schätzt man ihn. Über 125 Tonträger, Zusammenwirken mit Günter Grass, Wolf Biermann, Nora Gomringer oder Alexander von Schlippenbach, um nur einige zu nennen, sind uns gut in Erinnerung und »grooven« immer noch im Ohr.

Der Musiker bleibt ein junggebliebener Klangforscher. Sobald er die Bühne betritt, begibt er sich in den freien Lauf der Improvisation, um im nächsten Moment in den Beat zurückzukehren. Sein Proberaum gleicht einem Labor voller Schlagwerk aus aller Welt, welches darauf wartet, immer wieder neu kombiniert zu werden. Doch was wäre ein kraftvoller Künstler und großer Musiker ohne die Unterstützung seiner Frauen und Musen? An dieser Stelle gilt es, Mutter Erna und seine Frau Katharina zu nennen. Beide sind nicht nur bei seinen Events dabei. Die eine als Gast, die andere ab und an als Mitmusikerin, beide engagieren sich auch darüber hinaus und sorgen auch für die herzliche Atmosphäre auf dem Hofe Sommer. Nicht ohne Grund ist Baby noch vielen ehemaligen Schülern bis heute verbunden: Steffen Roth, Christian Lillinger oder Demian Kappenstein sind zuweilen Gäste des Hauses. Zudem trifft der Meister auch immer wieder musikalisch auf sie. In guter Erinnerung blieb das Zusammentreffen von Schüler und Lehrer 2016 im Rahmen der ersten Ausgabe des Jazzfestivals XJAZZ Edition Radebeul. Günter Sommer und Demian Kappenstein zauberten dort eine besonders vielfältige Klangwelt in der Lutherkirche Radebeul. So ist er es auch als Festivalschirmherr, welcher jährlich internationale Künstler im Rahmen des Festivals bei sich beherbergt und somit auch eine Brücke zwischen Radebeul und der Welt schlägt.

Abschließend soll noch eines erwähnt sein, an das vielleicht nicht jeder sofort denkt, wenn man vom Musiker liest: Günter Sommer ist schon immer politisch interessiert und engagiert gewesen. Einen guten Einblick in diese Arbeit bildet das Kommeno-Projekt. Zudem verschließt er sich nicht der Zusammenarbeit mit jungen Kollegen, wie zum Beispiel der Konzertagentur Dynamite Konzerte – auch wenn die Auffassungen wohlgemerkt sicherlich manchmal unterschiedliche sein mögen.
In diesem Sinne, weiter so! Bleib vielfältig, streitbar und sei definitiv als Mensch kein Solist! Alles Gute, Günter Baby Sommer, zum 75. Geburtstag am 25 August!

Björn Reinemer

 

Schätze, dem Himmel so nah!

Historisch bedeutsame Funde im Turmknopf der Friedenskirche

Foto: S. Graedtke

Schon seit Monaten ragt weit sichtbar der eingerüstete Turm der Friedenskirche ins Land. Umfangreiche und längst überfällige Sanierungen erfolgen derzeit nach jahrelanger Vorbereitung am Außenbau. Ein sprichwörtlicher Höhepunkt in 47m war im Zuge dieser Arbeiten die Abnahme des Turmkreuzes mit der darunter befindlichen Turmkapsel. Nicht selten bergen jene über die Zeiten hinweg ungeahnte Geheimnisse, welche von kirchen- und stadtgeschichtlicher Bedeutung sein können. Die letzte Einsicht liegt mit den Renovierungen von 1962/63 immerhin bereits über ein halbes Jahrhundert zurück.
Was für ein erhebender Moment mag es daher eine Woche vor Pfingsten für die Anwesenden, darunter federführend Pfarrerin Annegret Fischer und Restauratorin Christina Nehrkorn-Stege wohl gewesen sein, der Öffnung von zunächst zwei von insgesamt drei versiegelten Kassetten beizuwohnen. Die Spannung war sicher groß, auch wenn eine Inhaltsliste aus den 1960er Jahren im Kirchenarchiv vorlag.
Wie erwartet traten, insbesondere aus den frühen Zeiten, zahlreiche handschriftliche Dokumente zutage. Sie wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Radebeuler Stadtarchiv sachkundig gesichtet und dokumentiert. Aufgrund der in den letzten Jahren gewonnenen technischen Möglichkeiten, konnten dort

Blick in den Luthersaal mit den ausgebreiteten Fundstücken Foto: S. Graedtke

alle relevanten Autographe umfänglich digitalisiert werden, sodass sie der Nachwelt auch in diesem Medium erhalten bleiben. Dies ist insbesondere für die weitere wissenschaftliche Aufarbeitung interessant, da die oft nur schwer lesbaren Originaltexte einer geduldigen Transkription bedürfen. So gesehen bleibt auch uns Zeitgenossen manches schriftlich verfasste Detail zunächst auf Weiteres verschlossen. Immerhin geben die mit Initialen oft reich verzierten Deckblätter der Niederschriften zumeist über Autoren, Inhaltsangaben oder Jahreszahlen hinreichend Auskunft.

Kassette von 1746 Foto: S. Graedtke

Am 18. August wurden schließlich alle aufgefundenen Dokumente im Luthersaal der Friedenskirche der interessierten Öffentlichkeit – gemessen an einem Menschenleben durchaus einmalig! – zugänglich gemacht. Auf mehreren Tischen wurden die Kassetten platziert und ihre jeweiligen Fundstücke nummeriert nach ihrer Einlage aufgereiht. Ausgelegte Inhaltsverzeichnisse machten eine Übersicht und Zuordnung leichter. Die eintägige Ausstellung erlebte nach Öffnung am Vormittag regen Andrang, war über Mittag dann überschaubar, bis schließlich die an diesem Tag von kultureller Station zu Station wandernden Radebeuler vom „Bürgertreff“ kurz vor Toresschluss mit ihrem letzten Programmpunkt den Saal stürmten. Wer den Weg also nicht scheute, konnte sich über ein Schriftkonvolut aus über dreieinhalb Jahrhunderten einen Überblick verschaffen und in sich so in unterschiedlichste Zeitschichten vertiefen.

Älteste Handschrift von 1656 Foto: S. Graedtke

Im Rahmen des Gottesdienstes am 25. August werden die Kassetten vor der Gemeinde präsentiert und neu bestückt, um schließlich am 1. September an seinen angestammten Platz an der Spitze des Turms zurückzukehren.
Im Folgenden lohnt es sich, etwas genauer über den Inhalt der drei Kassetten zu berichten. Insgesamt beherbergen sie etwa einhundert gezählter Posten, auf die an dieser Stelle nur stichpunktartig eingegangen werden kann. Die zeitliche Abfolge aller Schriften steht nicht zuletzt im festen Zusammenhang mit den Arbeiten und Umbauten an Kirche und Turm in den Jahren 1746, 1834, 1885, 1912, und 1962.

Fundstücke aus der mittleren Kassette von 1834 Foto: S. Graedtke

In seiner wechselvollen Geschichte, die bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhundert zurückreicht, war die Zerstörung des Gotteshauses während des Dreißigjährigen Krieges durch schwedische Truppen im Jahr 1637 die letzte dramatische Zäsur. Schon im selben Jahr erfolgte durch Landbaumeister Ezechiel Eckhardt und großzügig gefördert durch Kurfürst Johann Georg I. der Wiederaufbau. Während dieser Zeit, seit 1623, war Augustin Prescher (1593-1675) Pfarrer der Kirche, der schließlich über 50 Jahre dem Ort sein Gepräge geben sollte. Von überregionaler Bedeutung ist, dass Prescher 1645 in Kötzschenbroda Gastgeber für die Friedensverhandlungen zwischen Sachsen und Schweden war. Eine Denkschrift aus seiner Feder, datiert vom 25.9.1656 dokumentiert den 20 Jahre währenden Wiederaufbau der Kirche. Sie zählt zum ältesten und wohl kostbarsten Fundstück. Eine weitere Denkschrift vom 22.9.1699 ist mit der Unterschrift von Georg Friedrich Köhler versehen.
Warum die mit Abstand beiden ältesten Schriftzeugnisse in der dritten Kassette mit den „neuesten“ Unterlagen aus der Zeit zwischen 1884 und 1962 völlig zeitfremd verbracht wurden, muss ein Rätsel bleiben.

Fundstücke aus der großen Kassette von 1886 Foto: S. Graedtke

Auf der ersten und weitaus kleinsten Kassette, kaum größer als eine Postkarte, ist im Deckel die Jahreszahl 1746 eingestanzt. In ihr befanden sich 12 Posten mit Münzen und Handschriften zu unterschiedlichen Themen. So u.a. ein Bericht über den Friedensschluss zwischen Preußen und Ungarn, …, eine Liste über Getreidekosten in Dresden oder Reparationszahlungen. Zudem wird auch das trockene Wetter erwähnt. Erwähnenswert ist ferner eine gebundene Zeitschrift mit dem blumigen Titel: „Genealogisch-historische Nachrichten von den Allerneusten Begebenheiten, welche sich an den Europäischen Höfen zugetragen worinn zugleich Vieler Standes-Personen und anderer Berühmter Leute Lebens-Beschreibungen vorkommen, als eine Fortsetzung des Genealogisch Historischen Archivarii“.
Die zweite Kassette, in der Größe eines schmalen und überhöhten Schuhkartons, mit über 40 Einzelposten aus den Jahren zwischen 1812 und 1834 gefüllt, stammt von Sanierungsarbeiten aus dem Jahr 1834. Als zentrale Gestalt ist hier Pfarrer Johann Gottlob Trautschold (1777-1862) zu nennen, der sich in zahlreichen Denkschriften und im Rahmen anderer Feierlichkeiten umfassend verewigte. Ferner sind u.a. Münzen, Meißner Gemeinüziges Wochenblatt von 1827, Dresdner Anzeigen von 1812, Predigten u.a. zur Taufe und Ernte, Jubelfeiern, „Zum festlichen Empfang der neuen Glocken“ 1834 oder eine Chronik der Stadt Dresden und ihrer Bürger in 15 Heften zu nennen.
Wann die dritte, jüngste und zugleich größte Kassette erstmalig Verwendung fand, ist nicht mit Gewissheit zu sagen. Sie enthält mit etwa 50 Einzelposten von 1862 bis 1962, bis auf die o.g. beiden Ausnahmen, die meisten Dokumente. Der umfassenden Verbreitung drucktechnischer Erzeugnisse im 19. Jahrhundert folgend, waren hier weitgehend publizierte Hefte, Blätter und Fotos in ungeordneter Reihenfolge zu finden. Stellvertretend seien genannt: Adressbuch von Kötzschenbroda 1883, Denkschrift für den Turmknopf zu Kötzschenbroda vom 6. August 1885, Bild vom Turm mit Gerüst/ Umbau des Turmes 1886, Fotopostkarte zum Besuch von König Friedrich August in der Kirche zu Kötzschenbroda am 4. Mai 1908, Programm des Weihnachtsoratoriums von 1960, Leitung Kantor Hoch, Abschrift: Gutachten zur Erneuerung der Kirche, gez. Dr. Magirius.
Und die Geschichte geht weiter. Eine neue, vierte Kassette wird mit lebendigen Grüßen unserer Tage, so von Pfarrern, Gemeindemitgliedern, Bürgern und Broschüren für kommende Generationen befüllt. Wohl wissend um die Inflation des gedruckten Papiers und in Bewahrung der individuellen Handschrift jetzt wieder weitgehend mit persönlich notierten Gedanken.
Die erste Ausgabe vom Mai 1990 und das aktuelle Heft von „Vorschau & Rückblick“ gehen auch auf die Zeit-Reise. Wo wären sie denn auch besser aufgehoben – als dort oben?

Sascha Graedtke

Buchbesprechung:

„Zauberhaftes Radebeul – Silhouetten der Wein-, Villen- und Gartenstadt“

Bereits an anderer Stelle hatte ich meiner Freude Ausdruck verliehen, dass es jetzt, verglichen mit der Zeit vor 1990, so viele Bücher über Radebeul gibt – und nun gibt‘s noch eins! Seit ein paar Wochen ist das im Husum-Verlag erschienene Buch im handlichen Mittelformat (H= 20,5cm, B= 21,5cm, 118 Seiten) vom Radebeuler Autor Jürgen Helfricht da und ich darf mir ein paar Gedanken dazu machen.

Bild: Repro D. Lohse


In Bildern und Texten werden die Schauseiten der Stadt Radebeul, geschichtlicher Ursprung, hiesige Kunst und bauliche Entwicklung sowie ein paar Radebeuler dargestellt – Industrie wird nur ansatzweise erwähnt, Sport in Radebeul gar nicht. Gut, ein Autor muss bei der Überschrift „Zauberhaft“ sein Thema ja abgrenzen. Es handelt sich also um eine weitere Publikation, die sich in erster Linie an Gäste, die Radebeul besuchen und Radebeuler wendet, die für nicht hier lebende Freunde ein kleines Geschenk suchen.

Dieses Ziel wird meines Erachtens erreicht. Besser vielleicht sogar, als das vom selben Autor bereits 2014 herausgegebene Büchlein „Kleines Radebeul – ABC“, besser vor allem deshalb, weil hier ein größeres Format für die Bilder möglich ist. Kurz gesagt, ist das „Zauberhafte Radebeul“ die große Schwester des „Radebeul – ABC“. Da Herr Helfricht rationell arbeitet, erkennen wir, dass in beiden Büchern Bild- und Textteile gleichermaßen wiederverwendet werden. Der Autor nutzt nun aber auch die Gelegenheit, neue Bilder zu zeigen, die 2014 so noch nicht existierten, wie z.B. den neu gestalteten „Bilz-Platz“ (Augustusweg / Eduard-Bilz-Straße).

Kritisch anmerken möchte ich den Bildtext zur Abb. auf Seite 41, wo die Himmelsrichtung verwechselt wurde. Es handelt sich um einen Blick auf den Westen von Radebeul, denn man sieht Teile von Niederlößnitz und Kötzschenbroda und nicht auf den Osten! Auf Seite 60 ist der vor etwa 10 Jahren durch die Stadtverwaltung Radebeul wieder hergerichtete Pavillon in der Pestalozzistraße dargestellt, er gehört heute zur Adresse Pestalozzistr. 3 (Nr. 5 könnte eine frühere Zuordnung gewesen sein). Herr Helfricht zeigt auf Seite 79 das Rathaus von Süden, so wie es die Lichtverhältnisse am leichtesten zulassen. Interessanter wäre aber m.E. die Straßenansicht, also die Schauseite gewesen, da hätte der Fotograf etwas früher aufstehen müssen, ca. 8 Uhr. Die Rücktitelgestaltung finde ich grafisch – ein Bildmosaik mit z.T. schiefen Einzelfotos – nicht so gut, hier wäre eine Straffung, bzw. nur ein Foto sicherlich besser gewesen.

Wenn ich oben feststellte, dass sich das Buch auch an internationale Touristen wenden will, so ist es schade, dass nur deutsche Texte zu finden sind. Zumindest ein dreisprachiger (neben Deutsch eventuell noch Englisch und Französisch) Kurztext als Vorspann wäre da gut gewesen.

Dass der Autor die Kulturdenkmale der Stadt Radebeul in großer Breite dargestellt hat, einschließlich seines Hauses, fand ich aber gut und ich möchte keinesfalls zu viel kritisieren. Dürfen wir von Herrn Helfricht in Zukunft vielleicht noch ein Werk erwarten? Das müsste dann ein großer Bildband über Radebeul werden, größer als das heute vorgestellte Buch zu 17,95 €. Dann könnte er alle Preiskategorien bedienen, doch in Sachen Marktwirtschaft muss ich ihn sicherlich nicht belehren.

Ich kann das Buch „Zauberhaftes Radebeul“ unseren Lesern jedenfalls sehr empfehlen.

Dietrich Lohse

Hobby: Winzer

Aus der Rede zur Ausstellungseröffnung in der Hoflößnitz am 1. Juli

»Wein und Hobby passen nicht zusammen«, stand im April letzten Jahres als große Überschrift in der Sächsischen Zeitung. (…) Dass der seinerzeitige Vorstandsvorsitzende des Sächsischen Weinbauverbandes die Bezeichnung »Hobbywinzer« als nicht mehr zeitgemäß empfand, hatte mit dem sogenannten »Weinskandal« von 2016 zu tun und mit der übertriebenen Sorge davor, dass Hobby zu sehr nach »al gusto« klingt. Dabei meint der Anglizismus doch nichts anderes als, laut Duden, eine »Beschäftigung, der man aus Freude an der Sache und zum Ausgleich für die Berufsarbeit in seiner Freizeit nachgeht«. Der stattdessen präferierte Begriff »Nebenerwerbswinzer« mag besser in unsere Zeit passen, aber ohne Freude an der Sache und ihrem Ergebnis wird sich kaum einer der Kleinwinzer dieser anspruchsvollen Arbeit widmen, die sommers wie winters keinen Aufschub duldet und bei der auch der Amateur in gewissem Sinne Profi sein muss. Nebenerwerb und Hobby gehören also zusammen.

Sylvia Preißler mit Hobbywinzer Dietmar Krause bei der Ausstellungseröffnung
Foto: F. Andert


Für eine große Ausstellung über die Geschichte der Sächsischen Winzergenossenschaft haben wir hier im Museum gegenwärtig weder den Raum noch die Objekte. Außerdem ist gegenwärtig in der Weinerlebniswelt am Bennoweg 9 in Meißen-Zscheila, wo die Genossenschaft seit 1946 ihren Sitz hat, eine entsprechende Schau zu sehen. Zur Frühgeschichte nur einige wenige Fakten: Ihre Gründung fand am 9. Mai 1938 hier in der Hoflößnitz statt. (…) Die Basis war aber schon in den vorangegangenen 25 Jahren gelegt worden, als durch die Rebschul- bzw. Weinbauvereine zunächst in Meißen und der Lößnitz Schritt für Schritt an der Wiederaufrebung vieler infolge des Reblausbefalls brach liegender Weinberge gearbeitet wurde. Dass sich aus den hier geernteten Trauben hervorragende gebietstypische Weine erzeugen ließen, hatte Carl Pfeiffer seit den 20er Jahren demonstriert. Doch wenn man sich die Preislisten der großen Dresdner Weinhandlungen noch aus den 30er Jahren anschaut, sind sächsische Weine dort entweder gar nicht oder nur unter »ferner liefen« zu finden. Der Markt war besetzt und der Traubenverkauf für kleinere Erzeuger ohne eigene Kellerei schwierig und wenig lukrativ. In dieser Situation erschien es nur folgerichtig, auf das in anderen deutschen Anbaugebieten seit langem bewährte Rezept der genossenschaftlichen Organisation eines gemeinsamen Kellereibetriebes zurückzugreifen.

Aus der Presseberichterstattung über die Gründung der Sächsischen Winzergenossenschaft 1938 geht hervor, dass zumindest anfangs die Idee bestand, ihre Kellerei in der Hoflößnitz einzurichten, wo ausreichend große Keller aber noch gar nicht zur Verfügung standen. Mit Carl Pfeiffer als Geschäftsführer und Oberbürgermeister Severit als Aufsichtsratsvorsitzendem waren auch die Führungspositionen der Genossenschaft in den Anfangsjahren von Radebeulern besetzt. Aufgebaut wurde die Genossenschaftskellerei dann in der ehemals Bergeschen Weinhandlung in Radebeul-Zitzschewig. Die ersten Jahre waren neben dem Kriegsausbruch durch schlechte Ernten und zwei hochwasserbedingte Überflutungen der Kellereiräume überschattet, was 1942 zum Umzug nach Meißen führte. (…)

Blick in die aktuelle Fotoausstellung
Foto: F. Andert


Überleben konnte das defizitäre Projekt nur dadurch, dass sich die teils schon seit Jahrzehnten in Meißen, Radebeul, Seußlitz und Weinböhla bestehenden Weinbauvereine im Frühjahr 1943 auflösten und ihre Mitglieder geschlossen der Genossenschaft beitraten. Diese zweite Gründung, aus der genau heute vor 75 Jahren die »Weinbaugenossenschaft Sachsen« hervorging, hatte mit anfangs 345 Mitgliedern eine genügend breite Basis, um die Umbrüche der folgenden Jahre zu überstehen, und passte dann – unter anderen Vorzeichen – auch bestens zu der von der DDR-Führung seit den 50er Jahren propagierten Neuorganisation der gesamten Landwirtschaft nach genossenschaftlichem Modell. (…)

Die Gründergeneration der Genossenschaft bestand in der Tat hauptsächlich aus »Nebenerwerbswinzern«, die in schlechten Zeiten auf die wirtschaftliche Nutzung des ihnen zur Verfügung stehenden Landes angewiesen waren. Die Aktivitäten der vor dem Ersten Weltkrieg in der Lößnitz und in Meißen gegründeten Weinbauvereine und die Winzerlehrgänge, die Carl Pfeiffer seit Anfang der 20er Jahre regelmäßig hier in der Hoflößnitz veranstaltete, zielten ja in erster Linie darauf, dass sich die Mitglieder und Teilnehmer durch den Weinbau ein Zubrot verdienen konnten.

Als die Genossenschaft längst (…) zum größten und schließlich, in Kooperation mit dem Volkseigenen Weingut Radebeul, zum einzigen großen Produzenten von Elbtalwein geworden war, ließ sich der wachsende Durst der Sachsen nach diesem heimischen Kulturgut aber noch immer nicht annähernd stillen. Für Weinfreunde aus der Region, die den als »Bückware« gehandelten Meißner Wein trinken wollten, gab es nur ein sicheres Mittel, um daranzukommen: Sie mussten Feierabend- oder, auf »Neudeutsch«, Hobbywinzer werden und der Genossenschaft beitreten.

Helmer Pardun fasst diese aus der Mangelwirtschaft geborene Entwicklung des neuen Hobbywinzertums in seinem Büchlein »Meißner Wein – Qualität von Anfang an« von 1996 treffend zusammen: »Mitte der 60er Jahre begann im Elbtalweinbau der damaligen DDR aus arbeitstechnischen und wirtschaftlichen Überlegungen heraus die Parzellierung von Anbauflächen und deren Vergabe an Feierabendwinzer. Vor allem die Aufrebung und Bearbeitung von für größere Landmaschinen unzugänglichen Steil-, Hang- und Terrassenlagen wurde nach 1970 an Kleinwinzer übergeben […]. Heute ist der sächsische Weinbau ohne seine rund 2.600 Feierabend-, Freizeit- und Hobbywinzer nicht mehr vorstellbar. Zwar gibt es im bestimmten Anbaugebiet Sachsen noch einige wenige Weinbaubetriebe, die Traubenerzeugung haupt- oder nebenerwerblich als wirtschaftliche Grundlage betreiben, aber der größte Teil der derzeit rund 325 Hektar Weinbaufläche wird von Hobbywinzern bearbeitet. Für sie ist die Traubenerzeugung keine Einnahmequelle. Sie wollen vielmehr mit dem Erlös aus dem Verkauf ihrer Trauben die anfallenden und laufenden Kosten im Weinberg decken […] und mit dem Rückkauf von Wein zu günstigen Bedingungen den eigenen Bestand im Keller bewahren.«

Die Zeiten haben sich geändert. Dass der sächsische Wein hierzulande als besonderes Kulturgut begriffen und geschätzt wird, hat zwar weiter zu einem nicht geringen Teil mit der nach wie vor großen Gruppe der Hobbywinzer zu tun, die aus eigener Erfahrung wissen, welche Arbeit in jeder Flasche steckt. (…) Inzwischen ist der sächsische Weinbau durch die vielen, oft aus dem Hobby geborenen Neugründungen von Weingütern – zumindest theoretisch – aber auch ohne die Hobbywinzer vorstellbar. (…) Dass die Gesamtzahl der sächsischen Winzer in einem Jahr um ein Zehntel schrumpft wie laut amtlicher Statistik von 2016 auf 2017, hat es vermutlich seit der Reblaus nicht mehr gegeben. (…) Passen Weinbau und Hobby heute, wo es Meißner Wein heute überall gibt, freie Zeit dagegen zur Mangelware geworden ist, vielleicht wirklich nicht mehr zusammen?…

Sylvia Preißler, deren Arbeiten wir in den kommenden Wochen hier im Galerieraum des Museums zeigen, (…) hat andere Hobbys: den Umwelt- und Naturschutz und, seit langem schon, die Fotografie. Eines ihrer jüngsten Fotoprojekte war einer bedrohten regionalen Spezies gewidmet: dem gemeinen Hobbywinzer. Mitten im Herzen unserer Weinbaukulturlandschaft hat sie am Hang zwischen dem ehemals Carl Pfeifferschen »Wächterberg« in Radebeul-Naundorf und der Zitzschewiger »Wettinshöhe« ein in vielerlei Hinsicht typisches Exemplar dieser Gattung aufgespürt und über Jahre in dokumentarischer Absicht mit der Kamera begleitet. (…) Der besondere Reiz, die Mühen und Freuden des Hobbywinzertums im Wandel der Jahreszeiten, das Natur- und Kulturerlebnis im Weinberg (…) sind in diesen Bildern überzeugend und mit künstlerischem Blick eingefangen. Vielleicht lässt sich der eine oder andere unserer Besucher, der den sächsischen Wein bisher nur aus der Flasche kennt, ja vom Reiz dieser Fotos anstecken. Die sächsischen Hobbywinzer brauchen dringend Nachwuchs.

Frank Andert

Die Kabinettausstellung »Hobby: Winzer. Ein Jahr im Weinberg« mit Fotos von Sylvia Preißler ist noch bis 26. August im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz, Knohllweg 37, in Radebeul zu sehen, geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Radebeuler Begegnungen

Exkursion von der Oberlößnitz nach Kötzschenbroda am 18. August 2018

Nunmehr zum achten Male setzen sich Radebeuler in Bewegung, um Radebeuler kennen zu lernen. Auf den Tag genau vor 17 Jahren, hatte die erste Expedition 2001 von Kötzschenbroda nach Wahnsdorf geführt. Die Bergbewohner bereiteten den Talbewohnern damals einen so herzlichen Empfang, dass die Teilnehmer der Meinung waren, es müsse unbedingt eine Fortsetzung geben. Seitdem wurden in loser Folge alle Radebeuler Ursprungsgemeinden von Radebeulern freudig inspiziert. Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung gesellten sich hinzu.

Eine Besonderheit der diesjährigen Begegnung wird die fachkundige Führung in doppelter Besetzung sein. Der Freizeithistoriker Hans-Georg Staudte, welcher die Expeditionen von Anbeginn ortskundig begleitet hat, erhält Unterstützung durch den Historiker Frank Andert, der die Veranstaltungsreihe ab 2020 mit einem jungen Team weiterführen wird.

Bärbel Kuntsche »Auszugshaus in Altkötzschenbroda« 2018, (Heimatstube Radebeul) Tuschezeichnung Repro: Stadtgalerie

Die Expedition beginnt auch diesmal, wo sie zuletzt endete. Treffpunkt ist die Wachsche Villa, heute Geschäftsstelle der Kinderarche Sachsen, Augustusweg 62. Nach der Begrüßung durch die Oberlößnitzer wird ein kleiner Startimbiss gereicht. Unterwegs gibt es vieles mitzuteilen über geschichtliche Ereignisse, heitere Episoden, gelungene Sanierungen, kühne Zukunftspläne und geheimnisvolle Turmkapseln. Die Expeditionsteilnehmer erfahren, wo sich in Kötzschenbroda Galgenberg und Hühnertunnel befunden haben. Auch das Museum im Rucksack wandert wieder mit. Die Route führt vorbei an Villen, Plattenbauten, Bauernhöfen, Kirchen, Museen, Denkmälern, Kunstobjekten, Schmuckplätzen und Parkanlagen. Erinnert wird an Persönlichkeiten wie Friedrich Eduard Bilz, Karl May, die Gebrüder Ziller, Augustin Prescher, Isolde Klemmt und Karl Reiche, die in Radebeul bemerkenswerte Spuren hinterließen.

Beim Überschreiten der Gemeindegrenze zwischen Serkowitz und Kötzschenbroda übergeben die Oberlößnitzer den Staffelstab, und die Ankömmlinge werden traditionell mit Brot und Salz, Wasser und Wein empfangen. Danach ist es nicht mehr allzu weit. An einer reich gedeckten Kaffeetafel im Innenhof der Kulturschmiede, Altkötzschenbroda 21 klingt die Exkursion gesellig aus. Schaulustige und Wissbegierige können sich danach ins Land der Phantasie begeben oder in der Heimatstube Kötzschenbroda Dokumentationen von den vergangenen Radebeuler Begegnungen sowie von der Einweihung des ersten sanierten Gebäudes in Altkötzschenbroda vor 25 Jahren anschauen.

Die komplette Route wird im Programmflyer ausführlich beschrieben, welcher ab August in der Tourist-Information und den Radebeuler Kultureinrichtungen erhältlich ist.

Karin (Gerhardt) Baum

am 18. August 2018 von der Oberlößnitz nach Kötzschenbroda
Strecke: 6 km, Zeitdauer: 6 Stunden

DIE STATIONEN im Überblick
10.00 Uhr Treffpunkt in der Oberlößnitz, Kinderarche (ehem. Wachsche Villa)
>Begrüßung durch die Oberlößnitzer und das Organisationsteam
>Vorstellung der Stadtführer Hans-Georg Staudte und Frank Andert
sowie der Leiterin des Rucksackmuseums Karin Baum
>Kleine Stärkung auf den Weg
10.15 Uhr Aufbruch der Expedition
>unter kundiger Führung während der gesamten Strecke
10.30 Uhr Eduard-Bilz-Platz mit „Nymphe“ und Trinkbrunnen
>Gespräch mit Wolfgang Hentsch und Anwohnern
11.00 Uhr ehem. Alvslebenplatz, Figurengruppe mit „Bacchanten“
>Kurzvortrag von Hans-Georg Staudte und Frank Andert
11.30 Uhr Neues Gemeindehaus der Lutherkirche
>Rundgang mit Christof Heinze
12.00 Uhr Karl-May-Museum
>Rundgang mit Dr. Christian Wacker
12.30 Uhr Karl-May-Hain
>Rundgang mit Heike Funke und Sebastian Fauck
>kleine Erfrischung
13.30 Uhr OS Radebeul-Mitte
>Historisches Schulgebäude, Kurzvortrag von Hans-Georg Staudte
und Frank Andert
>Sanierter Plattenbau, Rundgang mit Monika Hornuf
14.30 Uhr Gemeindegrenze Serkowitz/Kötzschenbroda
>Übergabe des Staffelstabes von den Oberlößnitzern an die Kötzschenbrodaer
>Empfang der Ankömmlinge mit Brot und Salz, Wasser und Wein
15.15 Uhr sogenannter „Galgenberg“ am Gottesacker
> Kurzvortrag von Hans-Georg Staudte und Frank Andert
15.30 Uhr Friedenskirche
>Kirchhof, Sandsteinplastik “Chronos und die Trauernde“,
Kurzvortrag von Hans-Georg Staudte und Frank Andert
>Luthersaal, Ausstellung des Inhaltes der geöffneten Turmkapsel,
Gespräch mit Annegret Fischer
16.00 Uhr Kulturschmiede mit Kulturamt, Stadtgalerie und Heimatstube
>Kaffeetafel auf dem Innenhof
>individueller Besuch der Ausstellungen „Sieben Radebeuler Begegnungen“,
„Indianerland“, „25 Jahre erstes saniertes Gebäude in Altkötzschenbroda“

 

Kommen und Gehen ist jederzeit möglich!
Gemeinden: Oberlößnitz, Radebeul, Serkowitz, Kötzschenbroda

Radebeuler Begegnungen
unter Schirmherrschaft des Radebeuler Bürgermeisters Bert Wendsche

Kontakt: SG Kunst- und Kulturförderung
galerie@radebeul.de, 8311-600, 0160-2357039

Worüber sich nicht zu schreiben lohnt, davon sollte man eigentlich besser schweigen

Über das Sommertreffen des Vereins „Radebeuler Monatshefte e.V.“, das Fragen aufwirft

Vereinsvorsitzende Ilona Rau eröffnet das Sommerfest
Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Manch einer, der dabei gewesen ist, behauptet heute, es habe sich so verhalten: Es war ein trüber Februarfreitagabend. Die Jahresversammlung 2018 von „Vorschau & Rückblick“ dämmerte nach etwas mehr als zwei wortreichen Stunden ihrem mitteilungsarmen Ende entgegen. In dem Moment, wo ein letztes Aufbäumen Richtung Käsespieße und Lachsschnittchen die Leiber noch einmal in Bewegung brachte, meldete sich Frau Stiller zu Wort. Ob man sich denn nicht auch einmal im Sommer treffen könnte. Ob es denn immer in der Galerie sein müsste. Ob wohl Interesse bestünde, im Minckwitzschen Weinberghaus in gleicher Runde zusammenzukommen.

Minckwitzsches Weinberghaus
Foto: B. Kazmirowski

Ja, so könnte es gewesen sein. Oder eben auch anders. Gesichert ist jedoch, dank des deutlich geringeren zeitlichen Abstandes, dass sich am längsten Tag dieses Jahres tatsächlich knapp 30 Personen an der Niederlößnitzer Hangkante zusammenfanden, um das einzulösen, was Frau Stiller mutig im Februar angefragt hatte. Können Sie sich, liebe Leserinnern und Leser, vorstellen, wie mühselig es ist, diesen Artikel zu schreiben? Es passierte, wie soll ich sagen, eigentlich nichts. Es wurde geredet, gegessen, getrunken. Dann war Schluss und alle gingen vergnügt nach Hause. Gut, der Blick von dort oben über das Tal war mega toll. Super Lichtspiele dank Sonne und Wolken. Voll krass! Das kann man aber auch anderswo haben. Bismarckturm. Spitzhaus. Sternwarte. Ereignisreich geht anders.

Hausherr von Minckwitz berichtet von der langjährigen Familiengeschichte des Anwesens
Foto: B. Kazmirowski

Ehrlich. Man hätte auch zu Hause Fußball-WM schauen können, wenigstens ein Elfmeter wurde ja praktisch in jedem Spiel gegeben. Oder soll ich etwa von dem vigilanten Gast berichten, der noch vor dem eigentlichen Beginn sich mit breitem Grinsen den Platz direkt am Buffet gesichert hatte und der ihn am Abend auch nicht mehr preisgeben sollte? Fühlte er sich in besonderer Weise dazu legitimiert, weil er zur Vereinsvorsitzenden Ilona Rau gute Beziehungen pflegt? Bedarf es der besonderen Erwähnung, dass die Stadtgaleristin Karin Baum in Begleitung ihres Mannes den Anteil der ganz in Schwarz gekleideten Personen mit einem Schlag um 200% erhöhte? Ist es allen Ernstes mitteilungswürdig, dass die von den Redaktionsmitgliedern der Ü 60-Generation beharrlich als „Jugendredaktion“ betitelten Kollegen Graedtke und Kazmirowski (die beide auch im fünften Lebensjahrzehnt sind….) dem verstimmten Klavier Töne entlockten, die nicht wesentlich störten, weil sie ohnehin kaum gehört wurden?

Gäste und Vereinsmitglieder lauschen den Reden
Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Dürfte ich auf Interesse für die Information hoffen, dass die von Ulrike Kunze mitgebrachte Käse-Schinken-Rolle („Geht ganz einfach, du brauchst nur…und dann…weiter…und danach… so etwa 3 Stunden später…am nächsten Tag…“) der Star unter den vielen Buffetsternchen war? Was wäre gewonnen, wenn ich darauf aufmerksam machte, dass Wolfram von Minckwitz, der Eigentümer des Ensembles (und Gatte Frau Stillers), einen lebendigen Eindruck von der langen Geschichte des Berghauses vermittelte und insbesondere auf die Mühen der denkmalgerechten Sanierung in den letzten 30 Jahren zu sprechen kam? Worin könnte der Effekt bestehen, anzumerken, dass sich das auratische Berghaus unterdessen zu einem weithin beliebten Ort für Familienfeiern gemausert hat, sodass jener gut beraten ist sich zu melden, der für 2019 einen Termin für ein Wochenende im Sommerhalbjahr buchen möchte (wolframvonminckwitz@gmail.com)? Besteht Einverständnis aller unmittelbar Beteiligten darüber davon zu sprechen, dass die über die Tische fliegenden Gespräche, die vom kühlen Abendwind lustig bewegten Wortfetzen, dass all die in Wein und Saft und Wasser getränkten Gedanken, dass die durch Beigabe von Brot und Käse und Fleisch hervorgebrachten Ideen insgesamt, rundherum, alles in allem und ganz allgemein einen schönen, geselligen, anregenden Abend ermöglichten, dessen Gewinn und Genuss darin bestand, dass Redaktion und Leserschaft Gemeinschaft pflegten? Was bliebe also, wenn es sich wirklich so verhielte? Der Wunsch nach Wiederholung.

Musikalische Akzente von Redakteur Sascha Graedtke zum Abendausklang
Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Danke, liebe Leser, dass Sie gekommen sind. Danke, liebe Frau Stiller, dass wir kommen durften. Danke, lieber Herr von Minckwitz, dass wir alle Ihre Gäste sein durften.

Für die Redaktion
Bertram Kazmirowski

Indianerland für immer

Kinderzeichnungen von Holger John und Claus Weidensdorfer in der Radebeuler Stadtgalerie

Wie es zu diesem ungewöhnlichen Kunstprojekt mit den Kinderbildern von zwei namhaften Malern und Grafikern aus dem Dresdner Raum kam, ist schnell erzählt.

Vor etwa einem Jahr fragte ich Holger John, ob er sich vorstellen könne, als Sommergast in der Stadtgalerie auszustellen. Er sagte zu, suchte aber nach einer zündenden Idee, die sich mit den Besonderheiten der Stadt Radebeul verbinden ließe.

Das Kunstkooperationsteam zur Vernissage in der Stadtgalerie mit Dr. Christian Wacker, Holger John, Ulrike
Weidensdorfer, Karin Baum, Angela Hampel, Christian Schiller
Foto: K. (Gerhardt) Baum


Die fand er in der Jubiläumsausstellung der Städtischen Kunstsammlung. Dort entdeckte ein Kinderbild von Claus Weidensdorfer. Dargestellt war ein mit Buntstiften gezeichneter Indianerkopf, welche zur Initialzündung führte, die schließlich eine Kettenreaktion auslöste. „Wo eine Kinderzeichnung ist, sind bestimmt noch weitere“, hatte sich Holger John gedacht und damit ins Schwarze getroffen. Etwa 50 Blätter aus frühesten Kinder- und Jugendtagen fanden sich bei den Weidensdorfers in einem Pappkarton.

Von sich selbst besaß Holger John über 200 Kinderzeichnungen, denn als Sohn des Malers und Grafikers Joachim John wurde sein Talent frühzeitig erkannt und gefördert. Bereits mit fünf Jahren gewann er den 1. Preis beim Kunstwettbewerb der Ostsee-Anrainerstaaten und als 14jähriger eine Goldmedaille auf der Grafikmesse in Leipzig. Seine Mutter, eine Kunsterzieherin, hatte die Werke des Knaben gesammelt und sorgsam bewahrt.

Zeichenschüler Holger John mit seinem Lehrer Claus Weidensdorfer am 10. Juli um 13.10 Uhr
Foto: Repros K. (Gerhardt) Baum


Wenngleich der Altersunterschied zwischen Claus Weidensdorfer (geboren 1931) und Holger John (geboren 1960) auch knapp drei Jahrzehnte beträgt, hatten sich ihre Wege doch mehrfach gekreuzt. Während Johns Mutter zusammen mit Weidensdorfer studierte, arbeitete John in den 1990er Jahren an der Dresdner Kunstakademie als dessen Assistent. Was beide Künstler verbindet, sind die musisch aufgeschlossenen Elternhäuser, ist die Lust am Figurenerfinden, die Affinität zum Bildträger Papier und das leidenschaftliche Bedürfnis, beständig zu zeichnen, so wie andere reden, singen oder schreiben. Diesen freien Geist, den hintergründigen Humor und einen wachen Blick auf die Welt haben sie sich zeitlebens erhalten.

Von Holger Johns Idee, seine Kinderzeichnungen mit denen von Claus Weidensdorfer gemeinsam in der Stadtgalerie auszustellen, waren sowohl Claus Weidensdorfer als auch dessen Frau Ulrike Weidensdorfer sehr angetan. Aus der Personalausstellung wurde unversehens eine Gemeinschaftsausstellung mit Arbeiten, die bisher noch nie gezeigt worden sind.

Holger John »Indianer am Lagerfeuer« (Detail) 1969,
Wasserfarbe
Bild: Repros K. (Gerhardt) Baum


Der Ausstellungstitel „Indianerland“ steht im weiteren Sinne als Synonym für das „Land der Phantasie“. Zum Komplex der Kinderzeichnungen wurden einige interessante Kontrapunkte gesetzt. So hatte John, der die Ausstellung konzipierte, von beiden Künstlern jeweils zwei Arbeiten aus späterer Zeit eingefügt, zu der sie bereits als freischaffende Maler und Grafiker Anerkennung gefunden hatten. Die Künstlerkollegin Angela Hampel steuerte ebenfalls zwei Kinderzeichnungen bei, gewissermaßen als Beweis, dass Mädchen auch Indianer zeichnen können und wollen. Zu sehen sind u.a. von Claus Weidensdorfer vier alte Schul- und Zeichenhefte, einige Spielzeugindianer aus den 1930er Jahren sowie von ihm geschnitzte und bemalte Holzfiguren aus den 1980er Jahren.

Gedankt sei allen, die sich von Holger Johns Euphorie anstecken ließen und spontan an der Ausstellung „Indianerland“ beteiligt haben.

So steuerte Christian Schiller aus seiner Privatsammlung drei Falschgesichter vom Stamme der Irokesen und die plastische Nachbildung eines Dakota-Häuptlings mit Friedenspfeife bei.

Vom Karl-May-Museum wurden leihweise ein Tipi und vier lebensgroße – von Wind und Wetter arg mittgenommene – Indianerfiguren zur Verfügung gestellt, deren einstiger Daseinszweck das Werben für den Konsum von Tabakerzeugnissen war. In seinem Redebeitrag zur Vernissage betonte der neue Direktor des Karl-May- Museums Dr. Christian Wacker, wie sehr es ihn freut, dass es zwischen dem Karl-May-Museum, der Dresdener Galerie Holger John und der Radebeuler Stadtgalerie zu dieser Kunstkooperation gekommen ist. Für eine weitere Zusammenarbeit zeigte er sich aufgeschlossen. Auch wies er noch einmal darauf hin, dass die positive Einstellung vieler Deutscher gegenüber den indigenen Völkern vor allem auch durch die Bücher von Karl May geprägt worden ist. Selbst wenn sich dieser dabei vieler Klischees bediente, die schon damals mit der Realität weit auseinandergingen.

In Bezug auf seine eigenen Arbeiten äußerte John, dass „aus Beobachtung, Erlebtem und Erdachtem ein phantastisches, skurriles, poetisches und dramatisches Weltbild-Theater“ entstanden sei.

Claus Weidensdorfer »Winzerumzug« (Detail) 1946, Tusche
Bild: Repros K. (Gerhardt) Baum


Und von Coswig aus gesehen – wo Claus Weidensdorfer aufgewachsen ist – wird das Indianerland wohl bereits in Radebeul hinter den blauen Bergen begonnen haben, denn dort befindet sich das Karl-May-Museum. Sicher wird er auch noch Patty Frank erlebt haben, wie er Pfeife rauchend in der Blockhütte am Kaminfeuer saß und von seinen Reisen in ferne Länder abenteuerliche Geschichten erzählte.

Spannend ging es aber nicht nur bei den Indianern zu. Da gab es das Land der Zwerge, die aufregende Zirkuswelt oder unmittelbar vor der Haustür den Winzerumzug mit vielen obskuren Gestalten. Als Jugendlicher begann er sein Umfeld durchaus mit anderen Augen zu sehen. Themen wie Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau wurden nun reflektiert.

Ähnliches kann man auch bei John beobachten. Die Helden seiner Kindertage sind Indianer, Cowboys, Ritter, Millionäre oder Friedensfahrer. Detailreich schilderte er eine Schlägerei im Saloon oder was er durch Kinderaugen beim Kneipenbesuch mit dem Vater alles wahrgenommen hat. Er interessierte sich für Timur und seinen Trupp sowie die Kinder in Vietnam. Die Orte des Geschehens führen den Betrachter vom Mittelmeer über die Hölle ins Gruselschloss und von dort in einen Lampenladen. Die Phantasiewelten beider Künstler bieten für Kinder und Erwachsene gleichermaßen Anregung, Genuss und Vergnügen.

Zur heiteren Eröffnungszeremonie am 13. Juli hieß Holger John alle „Träumer, Hochstapler, Veganer, Eingeborene, Frei- und Querdenker willkommen im „Land der Phantasie“, dem Mittelpunkt der Welt“. Als Künstler und Kurator dieser Ausstellung zündete er ein Feuerwerk und löste damit viele Impulse aus, die zum Nachdenken anregen, wie die Potenziale unserer Stadt neu verknüpft werden könnten. Auch hat sich uns allen eine völlig andere Seite von Claus Weidensdorfer offenbart und wir fragen uns, warum sind wir nicht selbst auf die Idee gekommen? Fehlte es etwa an Phantasie?

Eine Botschaft der Ausstellung könnte sein: Lasst den Kindern Raum und Zeit zum Träumen, für Neugier, Abenteuer und zum Geschichtenerzählen. Die kindliche Phantasie ist ein sprudelnder Quell, aus dem wir ein Leben lang schöpfen.

Karin (Gerhardt) Baum

Editorial 8-18

Was für ein Sommer! Der immerblaue Himmel verweigert schon seit Monaten beharrlich die erhofften Regengüsse.

Was des Bauern und Gärtners Leid, beglückt nun geradezu alltäglich die Badefreudigen auch jenseits von fernen Urlaubszielen. Um Radebeul ist es mit Badegelegenheiten ja nicht so reich bestellt. Immerhin, im Umfeld von Moritzburg finden sich in der verzweigten Seenlandschaft für ausgesprochene Naturliebhaber die herrlichsten Stellen.

Hier vor Ort erfreut sich das traditionsreiche Bilzbad mit Wellenspiel bereits seit vielen Generationen größter Beliebtheit. Als elbnahes Pendant lädt seit fast 70 Jahren das Lößnitzbad, hervorgegangen aus einer Naundorfer Kiesgrube, mit großzügigen Wiesenplätzen zum Verweilen ein. Seit letztem Jahr wurde der kleine Teich zur sogenannten offenen Badestelle erklärt, bei freiem Eintritt, aber in Eigenverantwortung ohne Rettungsschwimmer, Sprungbrett und Umkleidekabinen. Wie kaum anders erwartet, hat sich als Ableger der „Leibspeiserei“ hier „Michas Kuchenbude“ zur kulinarischen Freude für Badegäste und Vorbeikommende seit dieser Saison etabliert.

Und auch andernorts in Radebeul gibt es in jüngster Zeit die eine und andere Veränderung.

Der Rosa-Luxemburg-Platz, angelegt im 19. Jahrhundert, ist seit Monaten weiträumig eingezäunt. Wege und Grünflächen werden umfassend neugestaltet. Beim Stadtteilfest am 25. August wird der Niederlößnitzer Schmuckplatz im Zentrum des Geschehens stehen.

Leider ist hingegen die kleine Einkaufshalle „nah & frisch“, unmittelbar hinter dem Platz, auch lange schon von Bauzäunen umstellt. Nicht, wie erhofft, aus Sanierungsgründen, sondern aufgrund einer plötzlichen und dauerhaften Schließung des langjährigen Familienunternehmens. Ihnen sei an dieser Stelle nochmals Danke gesagt! Vielen Anliegern wird das gut geführte Geschäft sehr fehlen.

Sascha Graedtke

Copyright © 2007-2026 Vorschau und Rückblick. Alle Rechte vorbehalten.