Glosse

Hinterher und vorneweg

Das dumme an diesem Heft ist: Man hinkt immer hinterher! Vielleicht sollte ich meine Glossen zu allererst auf unserer Internetseite www.vorschau-rueckblick.de veröffentlichen und im Heft nur noch auf diese Seite verweisen. Das hätte auch den Vorteil, dass das Heft nur aus wenigen Seiten bestehen brauchte, vorausgesetzt, die anderen Autoren ließen sich von dem genialen Vorschlag überzeugen. Auch könnte der Verein jede Menge „Kohle“ sparen. Klar hätten dann die ewigen Fortschrittsverweigerer das Nachsehen, aber ökonomisch wäre das überaus sinnvoll, zumindest, was den Papierverbrauch betrifft. Zum Schiffchen-Bauen oder Sterne-Basteln sind mir meine Glossen denn wirklich zu schade. Dafür will ich mir die ganze Arbeit nun doch nicht machen.

Aber im Februar über das vergangene Weihnachten zu schreiben, ist ein wenig so, wie wenn sich jemand darüber alteriert, dass im letzten Dezember die Meyers ihren Fußweg nicht ordentlich vom Schnee beräumt hätten. Also, nur mal so angenommen: Wir hatten ja in Dezember überhaupt keinen Schnee, weil eben Radebeul nicht im oberen Erzgebirge liegt. Hier war nix mit weißer Weihnacht!

Um aber dennoch dieses wohlige Weihnachtsgefühl aufkommen zu lassen, habe ich mich mit meiner Frau ins Auto gesetzt. Nein, nicht was Sie vielleicht jetzt denken, wir sind nicht nach Rehefeld gefahren, um die ein-Zentimeter dicke Schneedecke zu bewundern. Wirklich schön soll ja das Weihnachten eh nur im Erzgebirge sein. Aber wir sind halt waschechte Lokalpatrioten! Also wollten wir wissen, wie die Radebeuler mit den heiligen Feiertagen umgehen. Und am ehestens bekommt man das heraus, wenn man sich die Festtagsbeleuchtung ansieht.

So fuhren wir am 24. durch die Villenvierten der Ober- und Niederlößnitz. Und was wir da zu sehen bekamen übertraf jedwede Erwartung. Gestartet sind wir im Westen der Stadt, immer hart an der Hangkante entlang. Auf den ersten paar Kilometern waren wir wirklich enttäuscht. Nur an einzelnen Gebäuden konnten wir einigermaßen akzeptable Illuminationen feststellen. Bei einer ganzen Reihe von Häusern waren die Fenster dunkle Höhlen, kein beleuchteter Tannenbaum im Garten und keine Lichtermatten an der Garage. Hier sollte die Stadtverwaltung doch mindestens eine Rüge wegen fehlender Festtagsbeleuchtung aussprechen. Einige wiederum hatten wenigstens ein kleines spärliches Lichtlein auf dem Fensterbrett.

Ein völlig anders Bild bot sich uns, als wir in die Region gelangten, die man allgemein unter den Begriff Radebeul-Mitte zusammenfassen könnte. Hier ging einem wirklich das Herze auf. Allem voran natürlich die prächtige Ausstattung der gesamten kurfürstlichen Anlage von Hoflößnitz. Die vielen Herrnhuter Sterne in den Bäumen und besonders die mit Lichterbändern geschmackvoll verzierten Umfassungsmauern des Anwesens stellten alles ringsherum in den Schatten. Aber auch andere Grundstücke waren prächtig ausstaffiert. Gen Osten freilich nahm die Ausschmückung der Gebäude und Gärten wieder ab, wenngleich es auch hier eine ganze Reihe guter Beispiele zu nennen gäbe. So konnten wir beispielsweise in der Waldstraße einen Wohnblock ausmachen, dessen vorbildliche Hausgemeinschaft dafür gesorgt hatte, dass alle Fenster des Gebäudes mit einer ordentlichen Festbeleuchtung ausgestattet waren.

Aber auch die Stadt hatte sich nicht lumpen lassen. Besonders unsere zentralen Einkaufs-Prachtstraßen in Ost und West wurden mit Lichterketten reichlich ausstaffiert, und die von einer Künstlerin erschaffenen Laternen auf dem Anger hingen diesmal sogar bis zum 4. Advent. Den „Vogel“ aber hatte zweifelsfrei im vergangenen Jahr der West-Weihnachtsmarkt abgeschossen. Der konnte glatt mit dem Herbst- und Weinfest konkurrieren. Ganze Busladungen wurden „ausgeschüttet“. Die Besucher kamen gefühlt aus der halben Bundesrepublik.

Wenn man auch den Glanz der Hoflößnitz nun weit über die Weihnacht hinaus erleben kan, so braucht es doch künftig noch gewaltige Anstrengungen, um an das Niveau von Mauersberg nur annähernd heranzureichen, wo nahezu jedes Haus der Gemeinde im Lichterglanz erstrahlte, meint

Euer Motzi

„Drauf geschissen!“

Karikaturenpreis in Radeburg vergeben


Dieser volkstümliche Spruch, der so viel bedeutet wie „hat sich erledigt“ oder „macht mich nicht mehr an“, gewinnt in diesen Tagen eine ganz andere Bedeutung angesichts der Vergaben des „Heinrich-Zille-Karikaturenpreises“ am 11. Januar im Ratssaal der sächsischen Kleinstadt Radeburg.

Dieser jährlich ausgelobte Preis – 2026 unter dem Motto „Jetzt kracht’s! Das Leben ist ein Pulverfass“ – wird von der Stadt Radeburg zusammen mit der Galerie Komische Meister in Dresden vergeben. Und das mit dem „Pulverfass“ haben viele der 60 beteiligten Karikaturisten wörtlich genommen und das gegenwärtige kriegerische „Säbelrasseln“ großer und kleiner Protagonisten des Weltzirkus‘ in ihren Arbeiten mit drastischen wie satirisch spitzen Grafiken zum Ausdruck gebracht.

Die Stadt Radeburg nimmt ihre Verantwortung für den deutschlandweit ausgeschriebenen Wettbewerb sehr ernst. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Bürgermeisterin Michaela Ritter gleich nach der Eröffnung durch Mario Süßenguth von der Galerie Komische Meister deutliche Worte zu der aktuellen unverantwortlichen Kriegstreiberei fand. So kritisierte sie „die alte[n] weiße[n] Männer“, die gegenwärtig lieber Panzer produzieren lassen, als marode Brücken zu sanieren. Offensichtlich hat eine weit vom politischen Machtzentrum entfernte Bürgermeisterin aus der Provinz einen klareren Blick auf die weltpolitische Lage, als ein Kanzler, der sich unlängst über einen Piratenakt der USA eine windelweiche Erklärung abgerungen hatte.

Die Stadt als auch die Bürgermeisterin, die von Süßenguth als „unermüdliche sächsische Zille-Botschafterin“ gewürdigte wurde, fühlen sich ihrem großen Sohn und Ehrenbürger, dem Zeichner und Karikaturisten Rudolf Heinrich Zille verpflichtet, ehren ihn mit einem Museum, einer Straße seines Namens und eben mit jenem „Heinrich-Zille-Karikaturpreis“, der dieses Jahr zum achtem Mal vergeben wurde. Zille, dessen Geburtstag sich in zwei Jahren zum 170. Mal jähren wird, hat mit seinen Zeichnungen, die oft keiner weiteren Erklärungen bedürfen, nicht nur Freude bereitet, sondern auch Kritik an den sozialen Verhältnissen Anfang des 20. Jahrhunderts geübt.

Ohne Worte kommt auch die von der Leipzigerin Ulrike Wodner eingereichte und nun mit dem „Heinrich-Zille-Karikaturpreis“ geehrte Arbeit aus. Mit einer gezeichneten Taube und einem ebenso dargestellten Panzer ist schon fast alles ausgedrückt. Nur noch eine Kleinigkeit fehlt: „Drauf geschissen!“.

Die aus der Wut über den aktuellen Zustand der Welt heraus geschaffene Karikatur – so die Schöpferin – könnte konkreter und klarer die Meinungen der Menschen und ihrem Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben nicht ausdrücken. Das Grundgesetz jedenfalls will keinen Staat, der das Militär ins Zentrum der Politik stellt und auch die Bürger nicht. Deshalb lehnen 71 Prozent der jungen Männer im Alter von 16 bis 29 Jahren den Dienst in der Bundeswehr ab. Leider völlig vergessen hat man in der Politik die berühmte Schrift von Immanuel Kant „Zum ewigen Frieden“ aus dem Jahre 1795, der darin den „Krieg als größte Geißel der Menschheit“ beschreibt.

Die Arbeit von Ulrike Wodner wurde von einer 11-köpfigen Jury unter über 500 Einsendungen ausgewählt, deren Themenvielfalt vom „Kampf am Gartenzaun bis zur globalen Bedrohung“ reichte. Der Auszeichnungsakt an jenem Sonntag in Radeburg wurde auch getragen von der ausgezeichneten Laudatio von Andreas Berger vom MDR.

Peter Ufer von der Galerie Komische Meister gab einen kleinen Einblick in die vielgestaltigen Arbeiten der Ausstellung, die im Anschluss an die Ehrung im Zillemuseum zu bewundern war. Sie ist in Radeburg noch bis zum 14. April zu bewundern und wird auch in der Galerie Komische Meister zu sehen sein.

Der „Heinrich-Zille-Karikaturpreis ist ein Werk von Vielen. Neben den beiden Veranstaltern und dem Museum haben bisher sechs Sponsoren den Wettbewerb mitgetragen, aktuell REWE-Petz und von Beginn an das Ideenwerk Radeburg, welches den Publikumspreis ermöglicht.

Die Vergabe des Zillepreises an die Karikaturistin Ulrike Wodner setzt auch ein aufmunterndes Zeichen dafür, unerschrocken für eine friedliche Welt einzutreten.

Karl Uwe Baum

20. Thematischer Filmclubabend

Zum Auftakt unserer Veranstaltungsreihe Film Club Mobil sind wir auch in diesem Jahr wieder zu Gast in der Heimatstube Naundorf. Die liebevoll ausgestalteten Museumsräume bieten den stimmungsvollen Rahmen für den DEFA-Märchenfilm „Das blaue Licht“ aus dem Jahr 1976. Ein loderndes Kaminfeuer, geheimnisvolle blaue Lichter, kleine Leckereien und würzige Heißgetränke stimmen auf den winterlichen Filmclubabend am 26. Februar ein. (s. Terminteil)

Das Grimmsche Märchen diente dem gleichnamigen DEFA-Film als Vorlage. Iris Gusner (geb. 1941), welche Regie führte, hat auch das Drehbuch geschrieben. Es war Gusners einziger Märchenfilm. Zu ihren erfolgreichsten Arbeiten zählt wohl das filmische Gruppenporträt über Arbeiterinnen eines Glühlampenwerkes „Alle meine Mädchen“ (1980).

Die Handlung des Märchens erfuhr in der Verfilmung eine inhaltliche Erweiterung durch zahlreiche eigenständige Episoden und zusätzliche Figuren. So wurde u. a. im Unterschied zur Grimmschen Vorlage eine weitere junge Frau in Beziehung zum Hauptakteur gesetzt: Die eine, freundlich, zugewandt, klug und fleißig, die andere, launisch, eingebildet, dumm und faul. Soziale als auch moralische Aspekte werden angesprochen. Und so ist es auch konsequent, dass sich der ausgediente Soldat Hans für die Kellnerin Anne entscheidet, weil er nicht mehr sein will, als er ist – ein einfacher Bauer, der rechtschaffen und in Frieden sein Leben leben will.

Die Filmfreunde können sich auf zahlreiche Szenen freuen, die voller Wortwitz sowohl schelmisch als auch boshaft und lebensklug anmuten. Die Dialoge sind sehr facettenreich angelegt und die Spielfreude der Darsteller steigert das Vergnügen. In den Rollen sehen wir zahlreichen namhafte Schauspieler, die auf der Bühne und in Filmen sehr erfolgreich waren bzw. noch immer sind.

DEFA-Märchenfilm „Das blaue Licht“
1976, DDR, 82 Minuten, FSK 0

Regie und Drehbuch: Iris Gusner; Musik: Gerhard Rosenfeld; Besetzung: Viktor Semjonow, (Soldat Hans), synchronisiert von Jacky Schwarz; Fred Delmare (Männlein); Günter Schubert (Räuber); Marylu Poolmann (Hexe); Blanche Kommerell (Kellnerin Anne); Katharina Thalbach (Prinzessin); Helmut Straßburger (König); Jacky Schwarz (Häscher Knut); Reinhard Lakomi (Gesang)

Handlung: Der Krieg ist vorbei. Die Soldaten kehren heim. Der König hat sie um ihren Sold betrogen. Aber nur Hans will beim König sein Recht einfordern. Kaum hat er sich nunmehr allein auf den Weg gemacht, wird er von einem Räuber überfallen. Der Versuch, ihn auszurauben, misslingt und der Soldat gibt dem Räuber sogar noch gute Ratschläge, wie der seine gestohlene Kanone zum Funktionieren bringen könnte.

Als Hans an einem Haus vorbeikommt, bittet er die Bewohnerin um ein Nachtlager sowie um Speis und Trank. Aber dafür soll er einige Gegenleistungen erbringen und zu guter Letzt noch ein Licht aus dem Brunnen holen. Hans steigt hinab, nimmt das blau strahlende Licht an sich und will es aber erst übergeben, wenn er mit beiden Beinen wieder auf festem Boden steht. Jetzt zeigt die Hexe wütend ihr wahres Gesicht und stößt ihn zurück in den Brunnen. Hans muss erkennen, dass er ein Dummkopf ist: Erst hatte er sich an den König verkauft und nun an eine Hexe. Umgeben von Skeletten zündet er sich an dem blauen Licht seine letzte Pfeife an. Und plötzlich erscheint ein Männlein, dass ihm fortan zu Diensten sein will. Da sich im Brunnen auch die gestohlenen Schätze der Hexe befinden, füllt er sich – vom Männlein ermutigt – damit seine Taschen und findet mit dessen Hilfe aus dem Brunnenschacht heraus.

In einem Wirtshaus bezieht Hans Quartier und findet an der freundlichen Kellnerin Anne Gefallen.
Obwohl er jetzt genügend eigene Thaler besitzt, lässt er sich trotzdem nicht davon abbringen, beim König seinen ausstehenden Sold einzufordern. Im Schloss wird gerade die „siegreiche Schlacht“ gefeiert. Die Zeremonie der Ordensverleihung verkommt zur Groteske. Hinter der Fassade des königlichen Schlosses geht es grobschlächtig zu. Die „feine Gesellschaft“ wirkt infantil. Nur der Soldat Hans bietet dem König mutig die Stirn. Aber das fordert den Zorn des Königs derart heraus, dass er ihn eigenhändig erwürgen will. Doch das Männlein lässt „seinen Herrn“ quasi in letzter Minute unsichtbar werden.

Kaum gerettet, sinnt Hans auf süße Rache und treibt mit des Königs Tochter seinen Schabernack. Er entführt sie in der Nacht in seine Wirtshauskammer und lässt sie als Magd niedere Dienste verrichten. Das sorgt für Spott. Schnell fällt der Verdacht auf den Fremden im Wirtshaus, welcher jetzt überall gesucht wird. Hans gerät in die Fänge des Häschers Knut und landet im Verlies. Die Pfeife und das blaue Licht können ihm nicht helfen, hatte er sie doch im Wirtshaus vergessen. Aber er kann den Wächter überreden, ihm seinen Ranzen zu bringen.

Hans scheint dem König zu imponieren, gern würde er ihm das Leben schenken, wenn er in seine Dienste tritt. Hans hingegen meint, dass sich nur ein Esel ein zweites Mal an den König verkaufen würde. Nun gibt es keine Rettung mehr. Eine letzte Bitte wird dem Delinquenten gewährt. Unterm Galgen darf er sich noch eine Pfeife anzünden. Wie erhofft, erscheint das Männlein. Ein furchtbarer Sturm bricht los und die Anwesenden ergreifen panisch die Flucht. Schließlich sprengt auch noch der Räuber den Galgen in die Luft. Wie war das doch: „Die Macht hat der, der sie zu gebrauchen weiß…“. In Todesangst bietet der König seine eigene Tochter feil. Doch Hans lehnt angewidert ab, hat er doch mit seiner Anne eine bessere Braut gefunden. Ende gut, alles gut?

Karin Baum und Michael Heuser
Sprecher der Cineastengruppe „Film Club Mobil“ im Radebeuler Kultur e.V.
Anmerkung: unter Verwendung von verschiedenen Filmbegleitmaterialien und Wikipedia-Eintragungen

Ein Besuch im „Reparatur-Café“ Coswig

Wie kommt der Lohse denn nun auf diese Sache abseits von seinen üblichen Themen – alte Häuser, Denkmalpflege und Kunst – wird der Leser fragen? Beim zweiten Hinschauen wird man erkennen, Denkmalpflege und die Reparatur einer Kaffeemaschine haben vielleicht doch etwas Gemeinsames. Hier und da ist es eine Maßnahme zum Erhalt eines geschätzten oder nützlichen Gegenstandes, z.B. eines alten Winzerhauses hier oder einer sich im privaten Haushalt als nützlich erwiesenen elektrischen Maschine da. Es gilt, dem Abbruch eines Denkmals zuvor zu kommen und da ist es das Ausbremsen der überall im Lande zu erlebenden Wegwerfgesellschaft. Darin sehe ich durchaus etwas Positives!

Der Name „Repair-Café’“, zuerst begegnete ich ihm in Bonn, ist wohl etwas weit hergeholt aber üblich, verständlicher wäre hier das Wort Reparaturstützpunkt. Sowas gibt sie es meines Wissens deutschlandweit, nur ist das Angebot der Leistungen örtlich verschieden. In Coswig liegt der Schwerpunkt auf Reparaturen von mechanischen und elektrischen Haushaltgeräten kleiner und mittlerer Größe. Das hängt sowohl mit den räumlichen Verhältnissen, als auch mit der personellen Besetzung des Stützpunktes (ich sah hier nur aktive Männer) zusammen. Die Sache scheint nicht auf Coswiger als Kunden beschränkt zu sein, denn ich wurde als Radebeuler Bürger nicht weggeschickt. In unserem Falle liegt die Betonung weniger auf Café, mehr auf „Repair“. Obwohl, es kann schon vorkommen, dass, wenn eine Kaffeemaschine erfolgreich repariert wurde, man einen Probedurchlauf von mitgebrachtem Kaffee vereinbart und so noch etwas länger in der arbeitsamen Gemütlichkeit des ehemaligen Ladens verweilt.

Stadteilladen L 29, Lindenauer Straße 29, 01640 Coswig


Wie ist die „Truppe“ des Reparaturstützpunktes eigentlich organisiert? Die vier, fünf älteren Herren (es müssen nicht immer alle da sein) sind als Verein organisiert und arbeiten als Rentner auf freiwilliger Basis, einer ist der Vorsitzende des Vereins „Coswig – Ort der Vielfalt“ e.V.. Sie waren alle in handwerklichen Berufen, z.T. auch als Ingenieure, tätig gewesen und zehren so im Ruhestand noch von ihren Erfahrungen in der Praxis. Jeder hat einen eigenen, gut bestückten Werkzeugkasten dabei und weiß damit umzugehen. So habe ich gestaunt, wie viele Schraubendreher es da gibt, z.B. „Kreuzschlitz mit Magnetfunktion“. So was hätte ich nicht Zuhause gehabt! Es ist schon mal erstaunlich, wie systematisch und ruhig die Kollegen an so ein „krankes Gerät“ herangehen: als erstes erkennen sie, ob es ein VEB-Gerät ist oder ob es was neueres aus China ist. Das Öffnen des Gerätes ist reine Routine, die Schrauben werden sicher abgelegt, damit dann beim Zusammenbau keine fehlt. Dann wird die Maschine „abgeklingelt“ und so schließlich der Fehler erkannt. Nun wird die Ersatzteillage geprüft und mit dem Kunden erörtert, ob die Reparatur möglich ist, bzw., ob sie sich für den Kunden lohnt. Es kommt eher selten vor, dass dem Kunden gesagt wird, die Reparatur wäre unwirtschaftlich teuer und abgeraten wird sie durchzuführen. Wenn das kaputte Teil im Großhandel beschafft werden muss, kann der Kunde es bestellen und später herbringen oder ein Kollege übernimmt die Bestellung, wenn der Kunde dafür einen Auftrag erteilt. Dann vereinbart man sich zu einem neuen Termin, das gelieferte Teil wird eingebaut und das Gerät geprüft. Nun kommt Geld ins Spiel: dem Kollegen, der das Ersatzteil bestellt hat, wird die Rechnung dafür beglichen, er hatte ja Auslagen. Davon unberührt bleibt der Teil, den der Kunde je nach Zufriedenheit und nach Ermessen in eine bereit stehende Kasse wirft und sich für die erbrachte Leistung bedankt. So funktioniert das!

Das Betriebsklima unter den Vereinsmitgliedern ist entspannt, man diskutiert Reparaturprobleme ruhig und sachlich. Gelegentlich kann man auch einen Scherz erleben, wenn ein Kunde Sachbegriffe fehlerhaft anwendet, z.B. sagt, die Birne brennt nicht mehr. Dann kann’s passieren, dass man ihn fragt, ob er schon im Obstgeschäft war und da gefragt hat. Als Stützpunkt kann ein ehemaliger Laden der Ladenzeile der Plattenbauhäuser der 70er Jahre in der Lindenauer Straße 29 genutzt werden. Die Öffnungszeiten sind Dienstags von 18 bis 20 Uhr und Donnerstags von 10 bis 12 Uhr. Schade, dass die drei ausgewiesenen, nahen Parkplätze meist belegt und andere weiter weg sind.

Ich war 2025 mit meiner Kaffeemaschine und später mit einer Mikrowelle hier sehr gut bedient worden. Macht weiter so!

Dietrich Lohse

Zum Abschied: Rückblick auf 35 Jahre Radebeul

von Ulfrid Kleinert

Ich freue mich darüber, dass „Vorschau und Rückblick“ mir angeboten hat, einen kleinen persönlichen „Rückblick“ auf 35 Jahre Radebeul zu schreiben.

Ich bin 1941 in Dresden geboren, nach der Flucht meiner Mutter ab 1945 in Westfalen aufgewachsen und seit Studienzeiten (ab 1962) jedes Jahr in Dresden (und Ostberlin) gewesen, aber bis 1989 immer an Radebeul vorbeigefahren. Von 1991 an lebe ich nun bis heute die längste Zeit meines Lebens zusammen mit meiner Frau Angelika und (bis 2003) unserem Sohn Tobias an einem Ort: erst in Radebeuls Karlstr. 4 als Mieter, dann ab 1999 in der Käthe-Kollwitzstr.17 als Haus(instandsetzungs)besitzer. Die Verbindung mit dem Diakonischen Werk Sachsen, das in Radebeul seinen Sitz hat, und die Gründung der Evangelischen Hochschule (ehs) in Dresden hatten uns hierhergeführt. Am Ende des 1. Semesters mit dem ersten Studiengang von 50 Sozialarbeits-Studierenden (es kamen halbjährlich 50 pro Studiengang dazu, bis es 800 waren) wurde ich im Januar 1992 in einem Gottesdienst in der Friedenskirche (FK) als Gründungsrektor verpflichtet; ich hatte bereits 20 Jahre zuvor in Hamburg die Ev. Fachhochschule des Rauhen Hauses mit aufgebaut.

Die ersten Jahre war ich von morgens bis abends fast täglich in der ehs, habe nur gelegentlich mal in der Dresdner Kreuzkirche, mal in der FK gepredigt. Das änderte sich kurz vor der Jahrtausendwende. Eine geregelte Frei-Zeit ließ jetzt Luft für lokales ehrenamtliches Engagement.

Ich ging da wöchentlich als Vorsitzender des Gefängnisbeirats und Vereinsgründer des „HAMMER WEG e.V.“ ins neu gebaute Dresdner Gefängnis am Hammer Weg. Und organisierte gemeinsam mit Pfarrer Wolfram Salzmann und Thomas Gerlach in der FK allwinterlich monatliche kulturelle und politische Abende unter dem Titel „(Nicht nur) Reden in Kötzschenbroda“. Von den meist sehr lebhaften und gut besuchten insgesamt 70 Abenden seien hier drei kurz skizziert: einer mit Gefängnisinsassen, einer mit Nikolaus aus Myra und einer mit den 7 Radebeuler OB-Kandidaten vor der Wahl 2000.

1. Acht Männer und Frauen kamen aus der Dresdner JVA (Justizvollzugsanstalt) zu uns in den mit Kreidestrichen als Gefängnistrakt ausgemalten Luthersaal. Sie berichteten uns von ihren Gefängniserfahrungen. Vier von ihnen waren rechtskräftig verurteilte Männer und Frauen, die anderen vier ehrenamtliche freie Mitarbeiter*innen des HAMMER WEG e.V. Am Ende konnten sich alle Besucher gut vorstellen, was alles im Gefängnis passiert. Keiner der Besucher aber war sich sicher, wer von den Gästen ein „Krimineller“ war, und wer nicht. Alle 8 waren als Menschen erkennbar geworden, mit denen man sich mal gut, mal weniger gut verstand. Der Berichterstatter der SZ vermutete deshalb, dass wir wohl nur „harmlose“ Straftäter eingeladen hätten. Tatsächlich aber waren auch Gefangene mit längeren Haftstrafen dabei. So zeigte sich, dass Straftäter Menschen sind wie andere auch, wenn man sich bemüht, sie etwas näher kennen zu lernen. In gut begleiteten „freien Formen des Justizvollzugs“ könnten viele diese Erfahrung zwar nicht mit allen, aber doch mit einer größeren Anzahl der heute Gefangenen machen. Die vielen Millionen Euro, die heute für große Gefängnisse ausgegeben werden, könnten da besser angelegt werden.

2. Am 6. Dezember 2002 kam Nicolaus von Myra in seinem Bischofsgewand nach Radebeul und erzählte aus seinem Leben: wie er es im 4. und 5. nachchristlichen Jahrhundert in Kleinasien geführt hatte. Und was ihm aktuell auf seinem Weg in die Lößnitz begegnet ist und was er da kritisch beobachtet hat. Seine Radebeuler Rede wurde so bekannt, dass sie auch die „Frankfurter Rundschau“ deutschlandweit abdruckte. Und das polnische Spiegel-Magazin, das die Radebeuler Rede in Warschau – selbstverständlich in polnischer Übersetzung – wiedergab. Zu einer aktuellen Neuauflage kam Nikolaus 22 Jahre später noch einmal nach Radebeul. Das war2024 zur 70. und letzten Folge von „(nicht nur) Reden in Kötzschenbroda“ – und ist jetzt in einem Heftchen des Radebeuler Notschriftenverlags nachzulesen.

3. Am Anfang unseres Jahrtausends kandidierten mal 7 Politiker für das Amt des OB von Radebeul. Sie mussten sich in zeitlich genau begrenzten kurzen Reden an einem Vor-Wahlabend im Luthersaal zu Fragen äußern, die ihnen von den Reden-Moderatoren gestellt wurden. Am Ende gewann Bert Wendsche die Rededuelle und zum ersten Mal auch die OB-Wahl – damals sehr zum Wohle der Stadt und als von den Grünen und der SPD unterstützter Kandidat, von denen er sich anschließend in Richtung CDU verabschiedete.

Über ein halbes Jahr danach erkundigten sich die Redenmoderatoren Gerlach, Kleinert und Salzmann beim neugewählten OB, wie es um sein im Luthersaal gegebenes Wahlversprechen stehe: er wolle doch dafür sorgen, dass Radebeul nicht nur Wein- und Wohnstadt sein, sondern auch wieder Friedensstadt werden solle. Das Gespräch wurde zur Geburtsstunde des Radebeuler Couragepreises. Zunächst sollte ein Verein als freier Träger für eine Friedensinitiative gegründet werden. Der sollte einen von der Stadt bezahlten Preis für besonderes Engagement vergeben. Auf Vorschlag des Vereinsmitglieds F.W. Junge wurde einvernehmlich der Name von „Friedenspreis“ in „Couragepreis“ geändert, weil es schon viele Friedenspreise gebe, aber nur wenige für mutiges Engagement im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Auch sollte unterschieden werden zwischen einem mit 5000 € dotierten internationalen Preis und einem regionalen ohne Preisgeld. Beide Preise sollten in zweijährigem Rhythmus am 27. August verliehen werden. Denn am 27.8. 1645 wurde in Kötzschenbroda durch einen mutigen Waffenstillstand zwischen Sachsen und Schweden fast drei Jahre früher als andernorts der 30jährige Krieg couragiert beendet.

Der Verein hat bisher gute und weniger gute Erfahrungen mit seinen Entscheidungen für die internationalen Preisträger aus Russland, Belarus und Rumänien gemacht. Vor allem aber hat er seinem Namen keine Ehre gemacht, als er keine Courage hatte, interne Konflikte offen auszutragen. Vielleicht gibt es in diesem Jahr eine neue Chance, da mit dem Belarussen Maxim Znack zurzeit ein würdiger Kandidat im Gespräch ist. Znack war 2022 juristischer Verteidiger von Maria Kolesnikowa, die damals überall bekannt wurde, als sie bei Demonstrationen gegen den Wahlfälscher und Diktator Lukaschenko in Minsk mutig voran ging und ihre Hände mit den Zeigefingern zu einem Herz formte. Sie und ihr Anwalt Znack wurden daraufhin verhaftet und inhaftiert – bis ein Deal zwischen den Diktatoren Trump und Lukaschenko vor zwei Monaten beider Freilassung ermöglichte nach der Devise: ich unterstütze dich wirtschaftlich und du lässt politische Gefangene frei, damit ich vielleicht doch noch mal den Friedensnobelpreis erhalte. Die Freigelassenen leben nun in Litauen und Polen. Wer Znack kennenlernen möchte, lese sein im Berliner Suhrkamp-Verlag in deutscher Sprache erschienenes Gefängnistagebuch, das er „Zekamerone“ nennt.

Radebeul liest, Programm 1. Woche

Sonntag, 1. März, 16 Uhr, Weingewölbe, Hoflößnitzstr. 82

Zum Auftakt geht´s an einen ungewöhnlichen Ort: einen ehemaligen Bunker im Weinberg. „RADEBEUL Ein Lese Buch“ aus dem Notschriftenverlag verrät, was es damit auf sich hat. Thomas Gerlach und Jürgen Stegmann lesen Geschichten und Gedichte aus und über Radebeul. Den passenden Wein dazu sowie einen kleinen Imbiss hält Winzer Thomas Teubert parat.

Montag, 2. März, 17.30 Uhr, Stadtbibliothek Ost, Sidonienstr. 1c

Der Kulturverein der Stadtbibliothek lädt zum Gespräch über Literatur. „Nikolai Karasim: Briefe eines russischen Reisenden“. Ein junger russischer Adliger unternimmt Ende des 19. Jhd. eine Reise durch Westeuropa und kommt in Paris mit der französischen Revolution in Berührung.

Dienstag, 3. März,19 Uhr, Gartenzimmer im Lutherhaus der Friedenskirche, Altkö 40

„Frauen & Männer – Männer & Frauen“ . Der Dresdner Autor und Pfarrer i.R. Hans-Jörg Dost erzählt vom tatsächlichen Leben. Musikalisch wird er von Norbert Arendt am Flügel begleitet. In jeder Geschichte sind Frauen und Männer, Männer und Frauen für einander von unübersehbarer Bedeutung – in ihrer Verfehlung wie auch zu ihrem Glück.

Donnerstag, 5. März, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Ost, Sidonienstr. 1c

Lesung mit musikalischer Begleitung: Jürgen Stegmann liest aus „Landesbühne“ von Siegfried Lenz. Während einer Theatervorstellung in der JVA verlassen Häftlinge mit dem Bus der Landesbühne das Gelände. Bei einem Volksfest werden sie für die lang erwarteten Schauspieler gehalten. Jetzt müssen sie all ihr Talent einsetzen, damit der Schwindel nicht auffliegt.
? Voranmeldung notwendig: Stadtbibliothek Radebeul-Ost, Tel. 0351 8305232 oder bibliothek@radebeul.de

Freitag, 6. März, 18.30 Uhr, Flack`s Getränkehandel, Hoflößnitzstr. 3

Cara Catalina Fox & Tabea Weingardtner erzählen Begebenheiten rund um die Fortbewegung auf zwei Rädern… ob auf dem Drahtesel oder der Harley Davidson: mit Charme, Witz, Dramatik und Tiefgang. Lebendig, authentisch, ungeschminkt und kurzweilig.

Samstag, 7. März, 14 Uhr bis „open end“, Lößnitzbar – Lokal & Bühne, Fabrikstraße 47 (am Lößnitzbad)
Die „Lößnitzbar“ beendet ihre Winterpause – mit zwei Lesungen am gemütlichen Kamin und Weltmusik am abendlichen Lagerfeuer.

14 Uhr: „Böhmische 21“ heißt der Erzählband von Edward Güldner, aus dem Schauspieler Michael Heuser liest, musikalisch begleitet von Peter „Salbei“ Schlott. Geschichten aus der Dresdner Neustadt – Geschichten aus der wilden und anarchischen Wendezeit.

17 Uhr: Monika Groth erzählt eine Geschichte über Freiheit, Musik und Erwachsenwerden. „Mixtape of an Eastern Girl“ ist ein autofiktionaler Roman über das Aufwachsen in der DDR, weibliche Selbstermächtigung und Musik als existenzielle Überlebenshilfe. Joni Müller wächst auf zwischen Plattenbau und leiser Rebellion, Sehnsucht und Widerspruch. Musik wird ihr Fluchtpunkt.

19 Uhr: Krambambuli spielt Weltenmusikgroovejazz aus Swing-Manouche, Musette, Osteuropa, Tango & mehr… Besetzung: Akkordeon, Kontrabass, Gitarre, Geige, Klarinette, Drums

214 zu 103

Zur Premiere von „Terror“ an den Landesbühnen Sachsen am 17.1.2026

Szene mit Oliver Natterer und Julia Vincze


Erstaunlicherweise sind drei sehr erfolgreiche Gegenwartsautoren von Haus aus Juristen, die sich nach einer gewissen Zeit im studierten Beruf vermehrt dem Schreiben zuwandten: Alexander Kluge, Bernhard Schlink und Ferdinand von Schirach. Ferdinand von Schirach ist unter diesen drei derjenige, dessen Texte zu einem erheblichen Teil darauf abzielen, der Leserschaft juristische Fragen und Problemstellungen vorzulegen, die unser Zusammenleben in einem demokratisch verfassten Rechtsstaat berühren. Mit seinem 2015 veröffentlichten Gerichtsdrama „Terror“, das binnen kürzester Frist zu einem deutschlandweit diskutierten Erfolgsstück wurde, rührt von Schirach an den Grundfesten unserer Vorstellungen von Recht, Ethik und Moral und versetzt die Zuschauer in einer Versuchsanordnung in die Rolle von Schöffen, die in einem Strafprozess ein Urteil zu fällen haben. Durfte ein Kampfbomberpilot der Luftwaffe ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug mit 164 Reisenden abschießen, das Kurs auf das vollbesetzte Münchner Stadion genommen hatte und damit möglicherweise etwa 70000 Menschen in den Tod gerissen hätte? Die interaktive Anlage des Theaterabends bedingt die Spannung, die bis zum Ende steigt: Wie werde ich mich selbst entscheiden, wie das Publikum insgesamt? Die präzisen, von Gedankenschärfe und juristischer Fachsprache geprägten Dialoge der Prozessbeteiligten bedürfen keiner besonderen Ausstattung und keiner dramaturgischen Kniffe, keiner technischen Effekte und keiner musikalischen Begleitung. Stattdessen bedarf es im Kern einer weitgehend authentischen Simulation eines Prozesses, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Insofern dürfen die Einflussnahmen der Verantwortlichen (Regie: Jan Meyer, Bühne und Kostüme: Ralph Zeger) nicht zu groß sein, woran sich auch die Inszenierung an den Landesbühnen erfreulicherweise orientiert. Der Einstieg in das Stück über eine (imitierte) Meldung der Tagesschau und über Social-Media-Posts verlegt das Geschehen ins Hier und Jetzt und macht die Bühne frei für das Kammerspiel. Der vorsitzende Richter (Andreas Pannach) führt die Zuschauer in das Geschehen ein, lässt sie aufstehen und belehrt sie. Pannach füllt die Rolle des ausgleichenden Elements zwischen Verteidigung (Peter Anders als Verteidiger Biegler) und Anklage (Julia Vincze als Staatsanwältin Nelson) für meinen Geschmack bisweilen zu gutmütig-großväterlich aus, wohingegen Julia Vincze und Peter Anders in ihren Rollen aufgehen. Insbesondere Vincze verfügt über eine Schärfe in Stimmung und Auftreten, die einen unwillkürlich zusammenzucken lässt. Das bekommen auch der Angeklagte Lars Koch, (Oliver Natterer) und der Zeuge Christian Lauterbach (Dominik Tippelt) zu spüren, deren nervöses Mienenspiel bei der Befragung durch die Anklägerin eindrucksvoll durch ein auf den Bühnenhintergrund projiziertes Video sichtbar gemacht wird. Sowohl Oliver Natterer als auch Christian Lauterbach verkörpern glaubhaft zwei bestens ausgebildete Bundeswehrangehörige, die jeder an seinem Platz das taten, was sie glaubten tun zu müssen. Aufhorchen lässt den aufmerksamen Zuschauer die Nachfrage der Anklage, warum keiner der im Kontrollzentrum anwesenden ca. 60 Beamten aus Flugabwehr, Innenministerium und Katastrophenschutz den Befehl zur Räumung des Stadions gegeben habe, womit zumindest die von den Terroristen vorgesehene Tötung möglichst vieler Menschen hätte abgewendet werden können. Unter den getöteten Passagieren, die aber höchstwahrscheinlich in jedem denkbaren Szenario ihr Leben verloren hätten, war auch der Mann von Franziska Meiser (Vega Fenske), die als Nebenklägerin auftritt und dem Angeklagten Tötung vorwirft. Diese Frage ist knapp gefasst der Vorwurf, den wir Zuschauer abzuwägen haben in Kenntnis aller rechtlichen Rahmenbedingungen (das Bundesverfassungsgericht hatte 2006 entschieden, dass das Luftsicherheitsgesetz verfassungswidrig sei, in welchem der Abschuss eines Flugzeuges als ultima ratio gebilligt wurde) und sachlichen Umstände, die nach und nach im Prozess offenbar werden. Dabei ist es wahrscheinlich, dass die eigene Beurteilung während des Stückes Schwankungen unterworfen ist und man sich am Ende am liebsten auf ein „Sowohl als auch“ statt auf ein „Entweder oder“ einlassen würde. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass einige Zuschauer, die sich an ihr Abstimmungsverhalten nach der Dresdner Inszenierung in der Spielzeit 2015/16 erinnerten, dieses Mal anders abgestimmt haben, weil sich einerseits die Welt verändert hat, andererseits man selbst. Das Radebeuler Premierenpublikum war sich ihrer Sache recht sicher. Ziemlich genau zwei Drittel votierten für Freispruch, ein Drittel für Verurteilung. Wie dem Programmheft zu entnehmen ist, wäre Alexander Kluge damit nicht einverstanden, weil wir Menschen uns Gesetze geben, um uns vor unseren Gefühlen und subjektiven Ansichten über Gut und Böse, Richtig und Falsch zu schützen. Aber man kann es auch anders sehen und mit dem Verteidiger Biegler sagen: Wer das Prinzip nur um des Prinzips willen einhält, verliert womöglich seine Menschlichkeit.

Ein Dank an die Landesbühnen für einen wichtigen Impuls zur Förderung der demokratischen Willensbildung und zur Möglichkeit des Austauschs mit Experten wie der Staatsanwaltschaft Dresden, einer ehrenamtlichen Schöffin oder einem Hauptmann a.D. des Luftwaffenstützpunkts Laage. Dass die Landeszentrale für politische Bildung Partner bei dieser Inszenierung ist, macht den Besuch für alle Altersgruppen, vor allem aber für Schulklassen der Oberstufe, besonders wert- und sinnvoll, denn die ausgelegten Materialien zur kostenlosen Mitnahme tragen zum Verständnis von politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen bei.

Bertram Kazmirowski

Nächste Termine: 6. Februar, 20 Uhr Radebeul, 1. März 17 Uhr Großenhain, 8./29. März jeweils 19 Uhr Radebeul, 14. März 19.30 Uhr Radebeul.

„Radebeul liest“ geht in die nächste Runde

Eine Lese-Tour quer durch die Stadt zu tollen und ungewöhnlichen Orten

Im März ist wieder Lesezeit in Radebeul. Gewerbetreibende, Händler und Gastronomen der Stadt laden ein zu einer großartigen Lese-Tour quer durch Radebeul. Nunmehr zum dritten Mal gibt es einen Monat lang eine ganze Reihe kleiner, feiner Lesungen sowohl für große als auch kleine Leute. Das Besondere daran sind die vielen verschiedenartigen, mitunter recht ungewöhnlichen Orte im gesamten Stadtgebiet: vom Matratzenstudio bis zum Friseurladen, vom ehrwürdigen Gasthaus bis zur jungen Eventlocation, vom Pfarrhaus bis zur Galerie, von der Gartensparte bis zur Heimatstube, vom Blockhaus bis zum Kultur-Bahnhof. Hiesige Autoren, Schauspieler, und Akteure der lokalen Kulturszene nehmen die Zuhörer mit auf zahlreiche kleine Lesereisen. Viele Geschichten wurden in Radebeul selbst geschrieben oder spielen hier vor Ort. Mehrere Veranstaltungen werden von tollen Musikern begleitet.

Gleich zum Auftakt treffen sich die Zuhörer in einem ehemaligen Bunker mitten im Weinberg. Zu Geschichten und Gedichten aus und über Radebeul darf natürlich das passende Glas Wein nicht fehlen. Ganz in den Westen der Stadt geht’s an einem Samstag, wo in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lößnitzbad die Winterpause beendet wird – mit gleich zwei Lesungen am gemütlichen Kamin und Weltmusik am abendlichen Lagerfeuer. In Radebeuls Mitte lädt eine legendäre Figur aus dem Dunstkreis von Karl May zu seinem 150. Geburtstag ein. Und im Osten der Stadt sind die Besucher im ältesten Gasthaus Radebeuls zu gegen. Für die jüngeren Zuhörer gibt’s gleich mehrfach Kinderbuchgeschichten, und eine Clownette bringt ihnen den lustigen Vogel Nick mit.

Mit dem umfangreichen und so breit gefächerten Veranstaltungsprogramm wollen die Organisatoren von „Radebeul liest“ zeigen, welch buntes Netzwerk und Potenzial von Kultur, Gewerbe, Schauplätzen und kreativem Wirken in der Lößnitzstadt vorhanden ist.

Das gesamte Programm ist zu finden unter:
www.radebeul.de/veranstaltungen
www.radebeul-gemeinsam.de

Die Lesungen sind i.d.R. eintrittsfrei. Um sich gute Plätze zu sichern, bitte vorher anmelden: lesen@radebeul-gemeinsam.de Spontane Gäste sind ebenfalls herzlich willkommen.

Das Projekt ist initiiert von der Kultur- und Werbegilde Kötzschenbroda sowie vom Stadtteilverein Radebeul Ost, und es wird von der Stadt Radebeul gefördert. Zahlreiche Unterstützer tragen zum Gelingen des Projektes bei: Fremdenverkehrsverein Radebeul, Notschriften-Verlag, Friedenskirche, Stadtbibliothek und ihr Kulturverein, Karl-May-Museum und sein Förderverein, AG Kötzschenbroda, Sparkasse Meißen

Sonntag, 1. März, 16 Uhr, Weingewölbe, Hoflößnitzstr. 82

Zum Auftakt geht´s an einen ungewöhnlichen Ort: einen ehemaligen Bunker im Weinberg. „RADEBEUL Ein Lese Buch“ aus dem Notschriftenverlag verrät, was es damit auf sich hat. Thomas Gerlach und Jürgen Stegmann lesen Geschichten und Gedichte aus und über Radebeul. Den passenden Wein dazu sowie einen kleinen Imbiss hält Winzer Thomas Teubert parat.

Montag, 2. März, 17.30 Uhr, Stadtbibliothek Ost, Sidonienstr. 1c

Der Kulturverein der Stadtbibliothek lädt zum Gespräch über Literatur. „Nikolai Karasim: Briefe eines russischen Reisenden“. Ein junger russischer Adliger unternimmt Ende des 19. Jhd. eine Reise durch Westeuropa und kommt in Paris mit der französischen Revolution in Berührung.

Dienstag, 3. März,19 Uhr, Gartenzimmer im Lutherhaus der Friedenskirche, Altkö 40

„Frauen & Männer – Männer & Frauen“ . Der Dresdner Autor und Pfarrer i.R. Hans-Jörg Dost erzählt vom tatsächlichen Leben. Musikalisch wird er von Norbert Arendt am Flügel begleitet. In jeder Geschichte sind Frauen und Männer, Männer und Frauen für einander von unübersehbarer Bedeutung – in ihrer Verfehlung wie auch zu ihrem Glück.

Donnerstag, 5. März, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Ost, Sidonienstr. 1c

Lesung mit musikalischer Begleitung: Jürgen Stegmann liest aus „Landesbühne“ von Siegfried Lenz. Während einer Theatervorstellung in der JVA verlassen Häftlinge mit dem Bus der Landesbühne das Gelände. Bei einem Volksfest werden sie für die lang erwarteten Schauspieler gehalten. Jetzt müssen sie all ihr Talent einsetzen, damit der Schwindel nicht auffliegt.
Voranmeldung notwendig: Stadtbibliothek Radebeul-Ost, Tel. 0351 8305232 oder bibliothek@radebeul.de

Freitag, 6. März, 18.30 Uhr, Flack`s Getränkehandel, Hoflößnitzstr. 3

Cara Catalina Fox & Tabea Weingardtner erzählen Begebenheiten rund um die Fortbewegung auf zwei Rädern… ob auf dem Drahtesel oder der Harley Davidson: mit Charme, Witz, Dramatik und Tiefgang. Lebendig, authentisch, ungeschminkt und kurzweilig.

Samstag, 7. März, 14 Uhr bis „open end“, Lößnitzbar – Lokal & Bühne, Fabrikstraße 47 (am Lößnitzbad)
Die „Lößnitzbar“ beendet ihre Winterpause – mit zwei Lesungen am gemütlichen Kamin und Weltmusik am abendlichen Lagerfeuer.

14 Uhr: „Böhmische 21“ heißt der Erzählband von Edward Güldner, aus dem Schauspieler Michael Heuser liest, musikalisch begleitet von Peter „Salbei“ Schlott. Geschichten aus der Dresdner Neustadt – Geschichten aus der wilden und anarchischen Wendezeit.

17 Uhr: Monika Groth erzählt eine Geschichte über Freiheit, Musik und Erwachsenwerden. „Mixtape of an Eastern Girl“ ist ein autofiktionaler Roman über das Aufwachsen in der DDR, weibliche Selbstermächtigung und Musik als existenzielle Überlebenshilfe. Joni Müller wächst auf zwischen Plattenbau und leiser Rebellion, Sehnsucht und Widerspruch. Musik wird ihr Fluchtpunkt.

19 Uhr: Krambambuli spielt Weltenmusikgroovejazz aus Swing-Manouche, Musette, Osteuropa, Tango & mehr… Besetzung: Akkordeon, Kontrabass, Gitarre, Geige, Klarinette, Drums.

Birgit Freud

Liebe Leserinnen und Leser unseres Radebeuler Monatsheftes „Vorschau & Rückblick“,

Vorstand und Redaktion möchten sich bei allen bedanken, die durch Ihre Spenden vor allem zum Jahresende dazu beigetragen haben, dass wir wiederum unsere Kosten für das Jahr 2025 decken konnten und sogar ein Puffer für 2026 besteht. Wir sind sehr froh und dankbar darüber, dass ca. 4000 € zusammengekommen sind und nehmen Ihre hohe Spendenbereitschaft auch als Auftrag wahr, unser Heft wie gewohnt weiterzuführen. In unserer nächsten Mitgliederversammlung am 20.2.2026 werden wir über die konkrete Verwendung informieren.

Falls gewünscht, senden wir gern eine Spendenquittung zu.

Bis dahin verbleiben wir mit freundlichen Grüßen!

Vorstand und Redaktion

 

Spenderliste

Anton, Frank
Arndt, Gisela
Benke, Barbara
Bergner, Christian und Gislinde
Berndt, Rita und Thomas
Berndt, Thomas
Bose, Christina und Jörg
Buchmann, Ingrid und Wilfried
Dubrow, Margitta und Manfred
Eckert, Peter
Ehret, Gundula (+)
Ermisch, Waltraud und Jochen
Föckel, Birgit und Hans-Jürgen
Frank, Marianne und Hans-Albrecht
Gräbel, Renate und Siegfried
Grunewald, Ute
Günther, Hans-Christian
Hanzsch, Edith Hanna
Haußig, Rolf und Bettina
Helbig, Rolf-Falk
Henkler, Renate und Gerhard
Heres, Huberta und Geres
Jacob, Detlef
Keßler-Fellisch, Hiltrud
Knoch, Heidrun und Hartmut
König, Claudia
Krusche, Georg
Kunze, Volkmar
Kunze, Bettina und Bertold
Kuß, Hannelore Helga
Listner, Barbara
Locke, Rosmarie
Madaus, Gabriele und Hans-Otto
Märksch, Tobias
Middendorf, Familie
Mitzschke, Michael und Heike
Neidel, Gudrun
Nenke, Thorsten Matthias
Ostritz, Werner und Heidelinde
Paditz, Karsten und Claudia
Peters, Jürgen
Pröhl, Ruthart
Rattke, Wilfried (+)
Rau, Steffen
Rau, Hartmut und Ursula
Richter, Axel
Rose, Christiane
Rummelt, Rosemarie
Schacht, Martina und Michael
Schadeberg, Thilo
Schaffer, Birgit
Schicketanz, Rainer
Schmalfeld, Petra
Schmiedchen, Lutz
Schubert , Ursula
Schulze, Carola
Schulze, Friedemann und Gesine
Sterndrogerie Rau
Stiller, Petra-Maria
Teige, Christa und Oswald
Trentzsch, Maria-Iris
Weisbach, Helga
Welcker, Sigrid
Wiedemann, Maria Heike
Winkler, Gisela
Woldmann, Hannelore
Wolf, Christa
Zimmermann, Frank und Julia
Zschaler, Ingrid

Gespendet wurden Kleinbeträge in unsere Spendenkasse beim Grafikmarkt, im Buchladen Kretzschmar, in der Blumenwerkstatt Radebeul und als Überweisungen auf unser Konto.

Wo geht die Reise hin?

Kollwitz Haus unter neuer Leitung

Ernst H. Gombrichs Buch „Die Geschichte der Kunst“ ist eine faszinierende Erzählung, die sich von den frühesten Höhlenmalereien bis zur modernen Kunst erstreckt. 413 farbige Abbildungen zeigen Werke der weltweit berühmtesten Künstler. Keine fünf Frauen sind unter ihnen vertreten. Tafel 368 zeigt das Blatt 1 „Not“ aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand“ von Käthe Kollwitz. Dieses Beispiel zeigt, welche Stellung die weltberühmte Künstlerin in der Kunstgeschichte hat und wie schwer es als Frau in der Vergangenheit war, hinter der Leinwand und nicht vor ihr zu stehen.

Käthe Kollwitz wurde am 8. Juli 1867 in Königsberg (Preußen) geboren. Ihr Vater erkennt frühzeitig das zeichnerische Talent und lässt sie privat unterrichten. Ihren Durchbruch schafft sie mit dem Zyklus „Ein Weberaufstand“, für den die Künstlerin 1899 auf der Deutschen Kunstausstellung in Dresden die kleine Goldmedaille erhält. Zum Lebensmittelpunkt wird Berlin, wo ihr Ehemann Karl eine Hausarztpraxis unterhält. Sie wird als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste unter gleichzeitiger Verleihung des Professorentitels. Der zweite Weltkrieg zwingt Käthe Kollwitz zur Flucht. Auf Einladung des Prinzen Heinrich von Sachsen bezog sie zwei Zimmer im Rüdenhof, in dem die Künstlerin am 22. April 1945 verstarb.

Der Rüdenhof ist seit 1995 Gedenkstätte. Neben einer detaillierten Ausstellung zum Lebenswerk der Künstlerin kann auch ihr Sterbezimmer im Obergeschoss besichtigt werden. Sabine Hänisch leitete über 20 Jahre das Haus und ergänzte die Ausstellung durch vielseitige museumspädagogische Angebote.

Im Dezember 2025 zog Friederike Wannrich als neue Geschäftsführerin ein. Sie ist 42 Jahre alt, Diplom-Sozialpädagogin und absolvierte berufsbegleitend einen Master in General Management. In den vergangenen Jahren war sie als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Fundraiserin und Marketing-Expertin tätig.

Frau Wannrich, was ist das Käthe Kollwitz Haus und was erwartet dort die Besucher?

„Das Haus besitzt eine einmalige Atmosphäre. Der Geist von Käthe Kollwitz ist hier noch immer spürbar. Somit ist es völlig klar, dass der Rüdenhof Gedächtnisort ist und bleibt, der das Leben und die Kunst von Käthe Kollwitz erlebbar macht. Unsere Dauerausstellung umfasst fünf Räume, in denen chronologisch Werke vom Weberaufstand bis hin zu Holzschnitten und Plastiken besichtigt werden können. Zudem befindet sich ein Bereich für Sonderausstellungen im Erdgeschoss.“

Ist es richtig, dass die Ausstellung verändert werden soll?

„In den vergangenen drei Jahren wurden Konzepte erstellt, die darauf zielen, das Haus international bekannter zu machen. Auch das Thema Barrierefreiheit spielt in den Expertisen eine Rolle. Ich würde sogar noch weiter gehen und die Punkte um das Stichwort Familienfreundlichkeit erweitern.“

Was bedeutet das konkret?

„Wir werden einen Handzettel in weiteren Sprachen entwickeln und die Marketingmaßnahmen entsprechend erweitern. Mein Büro zieht ins Nebengebäude, so dass im Erdgeschoss des Ausstellungshauses zusätzliche barrierefreie Angebote integriert werden. Die Technik, mit der Käthe Kollwitz gearbeitet hat, soll an Mitmachstationen erklärt werden. Kinder finden es in der Regel langweilig, still und ruhig Bilder zu betrachten. So können sie sich praktisch mit dem Zeichnen und der Druckkunst beschäftigen.“

Gibt es auch inhaltliche Neuausrichtungen?

„Die Themen Flucht, Krieg und Demokratie haben im Moment zu wenig Raum. Nachdem Käthe Kollwitz ihren Sohn Peter im ersten Weltkrieg verlor, setzte sie sich mit ihren Werken intensiv damit auseinander, was es vor allem für eine Mutter bedeutet, das eigene Kind zu verlieren. Ich möchte neue kreative Angebote für Schülergruppen entwickeln, die sich mit der Wahrung des Friedens beschäftigen. Wie kann es sein, dass die Familie von Prinz Heinrich in ihrem Haus in Moritzburg zunächst Flüchtlinge aufnimmt und versorgt, kurze Zeit später selbst flüchten muss. Und das ist noch keine 100 Jahre her.“

Wie steht es finanziell um das Käthe Kollwitz Haus?

„Wie jede Firma, jedes Museum, jede Privatperson spüren auch wir enormen finanziellen Druck. Wir haben verlässliche Förderer, benötigen aber neben den Einnahmen aus Eintritt, Führungen und Veranstaltungen Projektmittel und Spenden. Es gibt einen Freundeskreis, der uns mit den Mitgliedsbeiträgen jährlich unterstützt. Hier freuen wir uns über neue Mitglieder und laden herzlich ein, der Käthe-Kollwitz-Fangemeinde beizutreten. Natürlich freuen wir uns auch über jede Einzelspende. Derzeit läuft ein Spendenaufruf auf unserer Website. Auch das Anmieten unseres Veranstaltungsraumes ist möglich, dessen Einnahmen zum Erhalt des Hauses beitreten.“

Frau Wannrich, ich danke Ihnen für Ihre Gedanken und Ideen und wünsche für alle anstehenden Vorhaben gutes Gelingen!

Sascha Graedtke

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