Eine Radebeuler Ecke im Wandel der Zeiten – und ein paar Fragen dazu

  1. Neue Straße 20, Ecke Kötzschenbrodaer Straße, sah früher mal so aus: bäuerliches Wohnhaus mit verputztem Fachwerk im OG, ziegelgedecktes Krüppelwalmdach, erbaut um 1790, dazu rechtwinklig spätere Anbauten – aufgenommen um 1885 kurz vorm Abbruch, Fotograf unbekannt (Sammlung Dieter Krause, Niederlößnitz). Das Haus entspricht in Form und Art weitgehend dem gegenüber liegenden Wohnhaus Neue Straße 4. Hing der damalige Abriss mit dem allmählichen Niedergang der Landwirtschaft in Kötzschenbroda zusammen? Mehr »

Erinnerung an Walther Stechow und seine Verbindungen zum Hohenhaus

Noch vor fünfundzwanzig Jahren gehörten sie zu den alltäglichen Erscheinungen unserer Stadtlandschaften, gelbe Industrieschornsteine, die stark zerfeuert und meist schon etwas windschief Fabrikanlagen, Heizkammern oder Gewächshäuser überragten. Inzwischen aber ist der eine, 28 m hohe, aus gelbem Backstein errichtete Schornstein der ehemaligen Hohenhaus-Gärtnerei ein seltenes Unikat geworden. Sein etwa 4 m hoher quadratischer Unterbau trägt über einem sandsteingedeckten Gesims einen achteckigen, sich nach oben leicht verjüngenden Schaft, der von einem gegliederten, schwach auskragenden Kopf gekrönt ist. Wir verdanken dieses Denkmal, in dem sich auch der Geist seiner Zeit verkörpert hat, dem Wirken des Berliner Militärarztes Dr. Walther Stechow.

Stechow, am 25. Januar 1852 in Jarchlin, im ehemaligen Bezirk Stettin geboren, war Generaloberarzt in Berlin und zeitweilig wohl auch Kaiserlicher Leibarzt. Besonders verdient gemacht hat er sich um die Einführung des Röntgenverfahrens für das preußische Militär. 1903 veröffentlichte er das Buch „Das Röntgen-Verfahren mit besonderer Berücksichtigung der militärischen Verhältnisse“. Er unternahm größere wissenschaftliche Reisen nach England, Frankreich, Schweden, Norwegen, Italien, Spanien, Russland, Kleinasien, Marokko und Nordamerika, nahm an internationalen medizinischen Kongressen in Rom, Moskau, Madrid und Paris teil und veröffentlichte zahlreiche Aufsätze zum Thema Röntgenfotografie. Seine wissenschaftlichen Leistungen fanden in vielen Ländern Anerkennung. So war Stechow unter anderem Ritter der französischen Ehrenlegion, er erhielt das Ritterkreuz des sächsischen Albrechts-Ordens sowie den schwedischen Nordstern-Orden. Auch war er Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften.

Im Winter 1884/85 hatte er von Thienemanns Erben Hohenhaus erworben und sofort begonnen, Haus und Park nicht nur ästhetisch, sondern auch praktisch-wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Das Haus erhielt seine heutige Gestalt. Der Park erfuhr mannigfache Erweiterungen und Veränderungen, die vorrangig der besseren Bewirtschaftung dienten, nachdem Thienemann mit ästhetischem Gespür in fröhlicher Schönheit den unumstritten schönsten Park des Elbtales zwischen Dresden und Meißen kreiert hatte.

Besagter Schornstein war notwendiges Zubehör einer Dampfmaschine, deren Kraft Wasser aus einem Brunnen gehoben und in einen Hochbehälter gedrückt hatte, von wo es Leitungssysteme über den ganzen Park verteilten.

Die zur Inbetriebnahme erforderliche Erstrevision der Dampfmaschine wurde am 12. April 1886 bescheinigt. Nachweise jährlicher Revisionen belegen den Betrieb der Anlage über 22 Jahre bis 1908. Sie wurde überflüssig, nachdem Dr. Stechow durch weiteren Landzukauf in den Besitz eines höher gelegenen Quelltales gelangt war, das den Wasserbedarf in der Folgezeit auf natürliche Weise decken half.

Als die Arbeiten zur Umgestaltung von Hohenhaus einen gewissen Abschluss erreicht hatten, setzte Frau Dr. Marie Stechow, geb. von Janson, ihrem Gatten einen Erinnerungsstein, einen Obelisken mit der Aufschrift Gedenkstein Dr. Walther Stechow, der seit 1898 auf einem kleinen Vorsprung im Fichtenhain des Bellavistaberges steht. Hohenhaus war damit wieder zu einem idealen Sommersitz erwachsen: frohe Menschen gingen ein und aus, und in der Hut der Eltern wuchsen drei Kinder auf, die ihrerseits ihre schönsten Jugendjahre hier verlebten.

In den Jahren nach 1933 versuchten Prof. Dr. Eberhard Stechow einer der Söhne des Arztes, und dessen Frau Elsa an die Vorkriegssituation anzuknüpfen. Diese Phase hoffnungsvoller Neubelebung zeichnete sich vor allem durch die Neupflanzung hunderter Obstgehölze aus, doch wurden auch die beiden Pappeln am Eingang Mittlere Bergstraße gesetzt. Die Baulichkeiten wurden bestandssichernden Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten unterzogen, wobei auch das Maschinenhaus neu eingedeckt und verputzt worden war.

Der neuerliche Kriegsausbruch bedeutete das vorlaufige Ende aller Blütenträume.

Vor 85 Jahren, am 17. Dezember 1927 starb Dr. Walther Stechow in Frankfurt am Main. Zwei Achtungszeichen erinnern an ihn als zeitweiligen Hohenhausbesitzer: Der Schornstein symbolisiert seinen Glauben an die Kraft des Geistes und der Maschinen. Der Obelisk steht für seine Fähigkeit, ein vielversprechend begonnenes Werk fröhlicher Schönheit mit Herz und Verstand weiterzuführen.

Die heutigen Besitzer, Inge und Torsten Schmidt konnten Hohenhaus 2004 aus den Händen der Stechowschen Erben übernehmen und einen hoffnungsvollen Neuanfang wagen.

Thomas Gerlach

Ein Nachruf für Dr. Dietmar Richter

In unserer letzten Redaktionssitzung nahmen wir mit Betroffenheit zur Kenntnis, dass der Freund und Mitgestalter unseres Blattes Dr.Ing., Dr.sc.techn. Dietmar Richter nicht mehr lebt. Er starb im 83. Lebensjahr nach längerer Krankheit am 19. Oktober 2012. Mehr »

Landlust in Lindenau

… oder ein Fest mit Folgen

Das Jahr 2012 nähert sich seinem Ende und der Blick zurück hilft beim Ordnen der Erinnerungen. Ein Ereignis soll hier besondere Erwähnung finden: Gemeint ist das Dorffest der Ursprungsgemeinde Lindenau aus Anlass des 725-jährigen Ortsjubiläums. Das letzte Fest dieser Art fand vor 25 Jahren statt. Fundstücke wie längst vergessene Preise der einstigen Tombola, darunter Stadtwappenaufkleber, Häkeltopflappen, Perlenuntersetzer und Plastikblümchen, stießen vor allem bei den Jüngeren auf große Begeisterung. Auch eine kurze Filmdokumentation des Amateurfilmers Klaus Hübner war erhalten geblieben und sollte zur Wiederaufführung gelangen. Mehr »

Editorial Dezemberheft

„Markt und Straßen stehn verlassen/ still erleuchtet jedes Haus/ sinnend geh ich durch die Gassen/ alles sieht so festlich aus.“ Es ist eine friedliche Welt, die Joseph von Eichendorff in seinem wohl bekanntesten Weihnachtsgedicht beschwört, das erstmals 1837 erschien. Uns mag jene Zeit friedlicher als die unsrige erscheinen, wobei wir aber schnell einer romantischen Verklärung der vorindustriellen Epoche aufsitzen und vor unseren Augen ein Ludwig-Richter-Idyll oder ein Caspar-David-Friedrich-Klischee aufscheint. Hunger und Not in weiten Teilen der Landbevölkerung, Unterdrückung fortschrittlicher Denker, Flucht vor dem politischen Stillstand – auch das sind die 1830er Jahre. Mehr »

Die Lärche – Baum des Jahres 2012

Jetzt im Herbst ist die Europäische Lärche (Larix decidua) durch ihre intensive gelbe Herbst-färbung in unseren Wäldern und Gärten besonders auffällig. Sie ist die einzige einheimische Nadelbaumart, die ihre Nadeln im späten Herbst abwirft und uns dann im Frühjahr mit einem neuen hellgrünen Nadelaustrieb überrascht. Mehr »

Unsere alten Handwerksmeister – Dieter Krause

Im Augustheft 2011 hatte ich mit einer lockeren Folge begonnen über Radebeuler Handwerker zu schreiben, die im Ruhestand angekommen sind. Heute will ich von einem Niederlößnitzer Schlosser berichten, an den sich der eine oder andere noch erinnern wird. Mehr »

Klassik im passenden Rahmen

Zur Premiere von „Clavigo“ auf Schloss Weesenstein am 19.10.2012

So wie gute Bilder erst im passenden Rahmen ihre ganze Aussagekraft entfalten, so verdienen auch dramatische Texte eine adäquate Bühne, wenn sie als Theaterstück umgesetzt werden sollen. „Adäquat“ ist der bespielte Raum nur dann, wenn man dadurch dem Sujet gerecht wird, die Wirkungsabsicht des Autors aufnimmt und – falls das Stück schon zum Kanon gehört – in die heutige Zeit übersetzt. Insofern ist das jüngste Projekt des Schauspiels an den Landesbühnen Sachsen wohl schon jetzt, unmittelbar nach seiner Premiere, als gelungen zu bezeichnen. Denn die neu begründete Reihe „Theater im feudalen Raum“ vereint aufs Glücklichste den Prunk vergangener Zeiten, wie er etwa in Schloss Weesenstein anzutreffen ist, mit dem literarischen Erbe der Klassik, als deren bedeutendster Vertreter Goethe gilt. Mehr »

„Mein Radebeul in Sachsen…“

Nachruf zum Ableben unseres ehemaligen Chorleiters Wolfgang Wehmann

Dieses Heimatlied, in Text und Musik aus der Feder von Wolfgang Wehmann, haben wir unter seiner Leitung vor einigen Tagen in Radebeul gesungen. In Vertretung unserer Chorleiterin hatte Wolfgang Wehmann nochmals das Dirigat für diesen Chorauftritt übernommen. Mehr »

»Mit Kreativität gegen den Brustkrebs!«

Ungewöhnliches Kunstprojekt betroffener Frauen als Ausstellung im Radebeuler Krankenhaus eröffnet

Bereits das Ambiente unterscheidet sich ziemlich deutlich von anderen Kunstausstellungen. Denn das Auditorium der Interessenten an dieser Ausstellung im Radebeuler Krankenhaus ist umgeben von einer immensen Fülle von Büstenhaltern. Doch es sind nicht einfach nur Büstenhalter, wie man sie in ähnlich großer Fülle bspw. in einem Fachgeschäft für Damenunterwäsche findet. Die Büstenhalter im Foyer sind gleichzusetzen mit Kunstwerken. Doch nicht nur das; es sind zugleich auch intime Kleidungsstücke, die mittels ihrer jeweiligen Gestaltung eine Botschaft transportieren möchten. Die Botschaft jener Gruppe von Frauen nämlich, die an Brustkrebs erkrankt sind. Mehr »

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