RAD, RAD, RADebeul

Bilder, Grafiken, Fotografien, Objekte, Text- und Filmsequenzen in der Stadtgalerie

Eröffnung des Intermedialen Kunstprojektes "RAD RAD RADebeul“

Luftdruckmessung bei den Ankömmlingen zum Künstlerfest

Alles ist in Bewegung auf dem sonnigen Anger von Altkötzschenbroda. Das Leben pulsiert mit und ohne Rad. Guggen, Essen, Trinken, Schwatzen. Den Rest des Sommers genießen, Bewegung um der Bewegung willen – Luxus der Spätgeborenen.

 

Eröffnung des Intermedialen Kunstprojektes "RAD RAD RADebeul“

Die Künstlerin Sophie Cau mit einem Steuerrad fürs kalte Buffett

Doch hinter den bunten Fassaden in der 1., 2. und 3. Reihe hat Altkötzschenbroda wesentlich mehr zu bieten. Wer sehen will, der sieht. Und so lockt ein Banner überm Hoftor der Kulturschmiede mit einer Ausstellung unter dem Motto „RAD, RAD, RADebeul“. Die Tatsache, dass Radebeul als einzige Stadt am Elberadweg, auch das Rad in Namen und Wappen führt, bot Anlass zur künstlerischen Auseinandersetzung. Die Möglichkeiten, welche der Sächsischen Sprache innewohnen, trugen erheblich zur Bedeutungserweiterung bei.

Ein seltsames Gefährt, in der Sichtachse des Galeriehofes stehend, verkündet „Das Ende der Radlosigkeit“. Es ist ausgestattet mit den Insignien von Radebeul: dem alten Stadtwappen mit Rad und Beil als Symbole für Bewegung und Tat und dem neuen Stadtlogo mit dem sogenannten Doppelschwupps als Symbol für dynamischen Genuss. In unmittelbarer Nachbarschaft hängen am Nussbaum der Erkenntnis Räder in süßlich fahlem Licht. Sie haben Federn gelassen, eingedenk dessen, das schon so Mancher unters Rad gekommen ist. Künstler reagieren wie Seismografen. Sie spüren Stimmungen auf und können diese zum Ausdruck bringen. Nur besteht das Dilemma der heutigen Zeit wohl darin, dass es für Sender auch Empfänger geben muss.

Lieselotte Finke-Poser: RAD; RAD; RADebeul, Aquarell, 2013 (Detail)

Lieselotte Finke-Poser: RAD; RAD; RADebeul, Aquarell, 2013 (Detail)

Die Ausstellung ist gespickt mit humorvollen Anspielungen auf das muntere Treiben in der Lößnitzstadt und anderswo. Wer Lust am Schauen und Denken hat, der ist hier richtig. Dass sich die themenorientierten Gemeinschaftsausstellungen großer Beliebtheit erfreuen, zeigen sowohl die Mitwirkungsbereitschaft von 45 Künstlern als auch die gute Resonanz beim Publikum.

Wer meint, dass Radebeul eine Schlafstadt sei, der irrt. Die apokalyptische Troika „Einigkeit und Recht und Freiheit“ prescht durch die Stadt von West nach Ost und umgekehrt. Nichts bleibt unbemerkt. Selbst das Jo-Jo-Spiel der Macht wird zitiert und kommentiert. Kleine Steuerräder halten den Kurs.

Nichts ist ewig. Die Elbeflut kommt und geht, mit und ohne Verkehrsregeln. Kampfradler sehen nur ihre Vorderräder. Der Elberadweg mutiert zum Rennradweg. Der Familienradweg bleibt vorerst ein schöner Traum. Ein schlauer Fuchs nutzt den Radweg mit gestohlenem Wein und Trauben als Weg zur Flucht. Badende räkeln sich am Elbestrand und stellen sich zur Schau. Tiefrot erblüht des Radlers Lust am Wegesrand und das „Denkmal für eine Schnecke“ hinterfragt den Sinn all des hektischen Tuns.

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Horst Hille: RAD; RAD; RADebeul, Öl auf Hartfaser, 2013


Vielfalt statt Einfalt lautet die Devise. Stadträder, Musen und große Köpfe, Kunst-, Zahn- und Zeiträder, das Rad der Begegnung, Weltenlenker, Schatten- und Einradfahrer sind des Darstellens wert. Selbst ein Flut-Schutzengel rollt auf Rädern durch die Stadt. Total entschleunigte Gefährte haben ihren Frieden gefunden. Leiterwagen und Pferdekutschen sind aus der Mode gekommen. Autos, Motorräder, Fahrräder, Straßenbahnen, Schaufelraddampfer und Züge bestimmen das heutige Bild. Vom Fernverkehr der Deutschen Bahn abgekoppelt, bildet nunmehr der Elberadweg für Radebeul den heimlichen Zugang zur Welt.
Eine gebaute Kulturlandschaft aus Keramikquadern – garantiert wetterfest – wächst in den Himmel von Radebeul. Eine Flagge mit Steuerrad macht den Vögeln und Flugzeugen Konkurrenz. Der Wille überwindet Grenzen. Deutungsebenen fließen ineinander. Berge und Beulen frönen barocker Magie. Türme der Erleuchtung krönen die beschwingte Silhouette. Ballons steigen auf und grüßen die Schwesternstadt Radeburg und den Bruderberg Radobýl in Tschechien an der Elbe im Böhmischen Mittelgebirge, der auf deutsch als „Radebeule“ bezeichnet wird.

Thomas Gerlach, Gelegenheitsradfahrer, Verbündeter im Geiste, Vermessungsingenieur, Meister der kunstvollen Rede und Kunstpreisträger der Lößnitzstadt, gedachte zur Vernissage am 7. September der ersten Siedler, die ihre Habe auf Wagen mit hölzernen Rädern mühsam ins Elbtal karrten, weil sie sich hier ein besseres Leben erhofften. So wie Reinhard Zabka alias Richard von Gigantikow, der seine skurrilen Sammelstücke in einem der ältesten Gasthöfe von Radebeul arrangierte, den Besuchern des temporären Lügenmuseums zur Freude. Doch die schwäbische Hausfrau hat obsiegt. Mer gäbe nix, mer gäbe nix, hallt es durchs liebliche Tal. Denn Phantasie wird als Währung nicht anerkannt.

Radebeuler Dörfer – gebunden, gebogen, montiert – im lindenblattumwundenen Rad vereint. Wer sehen will, der sieht. Nicht jedes Rad ist ein Glücksrad und nicht jeder Pflasterstein bietet Anlass zur Freude. Denn die Entwicklung vom Roller zum Rollstuhl macht selbst vor Radebeul nicht halt. Das Glücksrad bekommt auch in der jüngsten Stadt des Landkreises Jahresringe. Inseln der Erinnerung treiben in trübem Gewässer. Doch bevor sich die düsteren Gedanken in einer Sackgasse verirren, gilt es rechtzeitig einen Knopf zu drücken. Das „Karubeuler Radussell“ springt an. Musik erklingt – laut und blechern. Schneller, schneller, höher, höher möchte man rufen. Bilder aus unbeschwerten Kindertagen werden lebendig. Und da ist sie wieder, die Heiterkeit, die der Lößnitzstadt innewohnt. Das Rad der Lebenslust wird größer und größer. Die kleine Galerie, seit über dreißig Jahren geduldet, belächelt und geliebt, ist und bleibt ein stiller Stachel im rosigen Fleisch der Lößnitzstadt. Die „ Kunst-Kampf-Frau“ zieht stoisch ihre Bahn. Und schon am 21. Oktober wird zur Künstlerfinissage das Thema fürs nächste Sommerprojekt bekanntgegeben.

Performance RADATOUILLE! von und mit dem Theater ANASAGES

Performance RADATOUILLE! von und mit dem Theater ANASAGES

Karin Gerhardt

Teilnehmer: Dieter Beirich, Sophie Cau, Lieselotte Finke-Poser, Thomas Gerlach, Karen Graf, Peter Graf, Roland Gräfe, Christiane Herrmann, Mandy Herrmann, Horst Hille, Michael Hofmann, Matthias Kratschmer, Thorsten Krüger, Dorothee Kuhbandner, Anna Kuntsche, Bärbel Kuntsche, Wolf-Eike Kuntsche, Klaus Liebscher, Roswitha Maul, Johanna Mittag, Christiane Otto, Gerd-Rüdiger Perschnick, Anne-Katrin Pinkert, Detlef Reinemer, Gabriele Reinemer, Gerald Risch, Luc Saalfeld, Petra Schade, Cordula Schild, Gabriele Schindler, Annerose Schulze, Fritz Peter Schulze, Gerold Schwenke, Gabriele Seitz, Karola Smy, Wolfgang Smy, SODA, André Uhlig, Bärbel Voigt, Stefan Voigt, Christian URI Weber, Claus Weidensdorfer, Irene Wieland, Renate Winkler, Reinhard Zabka

„Ich male eigentlich, was ich will!“

Coswig widmet dem Maler und Porzellangestalter Heinz Werner im Karrasburg-Museum eine Ausstellung

Es gibt so bemerkenswert viele Dinge in dieser Ausstellung, die deutlich machen, dass man es mit einem wahrhaften Maler zu tun hat. Das ist bspw. das Gespür für die Harmonie der Farben. Es ist auch die Fähigkeit, behutsam scheinbar Unsichtbares sichtbar zu machen. Im Reden, aber auch im Tun. Nicht zuletzt ist da auch das Talent, sich und seine Kunst auf irgendeine Weise unverwechselbar zu machen. Und zum guten Schluss kommt auch noch ein wahrhaftes Bekenntnis zur Heimat dazu, dass man bei vielen Menschen der bunten, lauten und schrillen Gegenwart so schmerzhaft vermisst.3_heinz-werner All diese aufgeführten Eigenschaften nun hat der Coswiger Maler Heinz Werner in seiner Seele gespeichert. Er vermag dadurch zu jeder Zeit die Ereignisse der Vergangenheit mit all ihren Unwägbarkeiten, ihren Schnörkeln und Problemen abzurufen. Denn er weiß heute noch sehr genau, wie holprig sein Weg einst in die Kunst verlief. Heinz Werner wurde am 27. August 1928 in Coswig geboren. Zu jener Zeit lag die Weimarer Republik schon am Boden und der Nationalsozialismus wuchs sachte aus dem Schatten hervor. Als das Hitlerreich unterging, war Heinz Werner 17 Jahre alt und hatte bereits seine ersten Schritte an der Meißner Porzellanmanufaktur getan. 1948 schloss er die Lehre als Porzellanmaler ab und begann schon mal, Dekore zu gestalten. Wieder einige Jahre später gründeten Peter Strang und Ludwig Zepner mit Heinz Werner die Gruppe „Künstlerische Entwicklung“, die über viele Jahre hinweg erfolgreich existierte. Heinz Werner schloss 1961 ein Studium an der HfBK ab, erhielt elf Jahre später den Kunstpreis der DDR und lehrte dann an der Hallenser Hochschule für angewandte Kunst. Und ganz nebenbei entwickelte sich sein unverwechselbares Sujet, entstanden jene Kunstwerke, die sich weit über die Porzellanmalerei erhoben. Daneben aber schuf er Bleistiftzeichnungen wie jene, die einen „Bauernhof im Erzgebirge“ zeigt. Später kamen Tuschezeichnungen dazu, dann entdeckte er die wunderbar zurückhaltende Sprache der Wasserfarben, mit denen er u.a. das berühmte Taj Mahal in Indien malte. Und letztendlich schwelgte er natürlich – wie viele andere Maler auch  – in der brillanten Kraft von Arylfarben.


Drei DamenDrei DamenDrei Damen

Taj Mahal in Indien

Taj Mahal in Indien (Aquarell)


Und gerade eben – am 27. August 2013 nämlich – feierte Heinz Werner seinen 85. Geburtstag.  Das Coswiger Museum Karrasburg widmete diesem gewichtigen Anlass eine Personalausstellung. In der man als Besucher nicht nur den künstlerischen Werdegang Heinz Werners ziemlich präzise verfolgen, sondern auch das große Spektrum seiner Kunst erleben kann. Da ist u.a. auch jenes Nähkästchen ausgestellt, dass er 1955 für seine Frau Elfriede bemalte.

Nähkästchen für Elfriede (1955)

Nähkästchen für Elfriede (1955)

Da ist ein Selbstporträt aus dem Jahre 1963 – Heinz Werner war gerade 35 geworden – zu sehen. Und es sind auch jene drei Grazien zu bewundern, denen er mittels der Farben die Aura von wunderschönen und engelsgleichen Nymphen verlieh. „Ich male eigentlich, was ich will!“ bekennt er im Gespräch. Und er tut einfach. Lange schon und immer noch. Und hoffentlich noch für sehr lange.
Bis zum 17. November 2013 kann man die Ausstellung im Museum Karrasburg besuchen. Zehn Tage vor deren Ende – am 7. November 2013 nämlich – kann, wer möchte, mit Heinz Werner am Ort der Ausstellung ins Gespräch kommen.
W. Zimmermann

Fotos (Zi)

150 Jahre Leibesübungen in der Lößnitz

Eine Ausstellung im Museumsdepot zur Radebeuler Sportgeschichte

Der Turnverein Kötzschenbroda, 1888

Der Turnverein Kötzschenbroda, 1888


»Radebeul ist eine Stadt, in der die Kultur in großem Ausmaß zu ihrem Recht kommt. Radebeul muss aber auch eine Sportstadt werden!« So lautete das Fazit eines kurzen Beitrags, in dem Redaktionsmitglied Hans Voigt im Juliheft der ›Vorschau‹ von 1959 die »Situation im Radebeuler Breiten- und Spitzensport« umriss. Kultur und Sport wurden also auch damals schon sauber getrennt und gegeneinander aufgewogen. Voigts Lageeinschätzung war düster. Obwohl sich verantwortliche Funktionäre seit langem »mit der Konzentration der leistungsfähigsten Sportler in einigen wenigen Gemeinschaften« – Chemie, Motor und Einheit – beschäftigten, gäbe es noch kaum Erfolge zu vermelden. »Wir erreichen weder eine Massenbasis, noch über den Rahmen Radebeuls hinausreichende Spitzenleistungen, wenn man von den Sportanglern absieht«. »Perspektivpläne« müssten her, um z.B. die Fußballer von Chemie und die Handballerinnen von Motor schnellstmöglich in die obersten DDR-Ligen zu führen.
Das mit Attributen – Reben-, Garten-, Industrie-, Karl-May-, »zum Genießen« – reich gesegnete Radebeul mag vielleicht keine »Sportstadt« gewesen sein, aber immerhin waren auch 1959 schon rund 2.500 Radebeulerinnen und Radebeuler in Sportgemeinschaften organisiert, über sechs Prozent der Einwohnerschaft (heute liegt der Anteil ungefähr doppelt so hoch). Und dass die von den Funktionären so geliebten zählbaren Erfolge bis dahin ausgeblieben waren, hatte nicht zuletzt mit dem wenig erfreulichen Zustand der verfügbaren Sportstätten zu tun, der sich allerdings schon zu bessern begann. Erst am 1. Mai jenes Jahres war der größte kommunale Sportplatz an der Steinbachstraße nach umfassenden Wiederherstellungsarbeiten als »Stadion der deutsch-sowjetischen Freundschaft« wieder für den Sportbetrieb freigegeben worden.2-2_andert-sport
Eingefleischte Sportmuffel waren die Radebeuler jedenfalls nicht, zuzeiten war es in der Lößnitz sogar ausgesprochen sportlich zugegangen, insbesondere zwischen den Weltkriegen, als die Körperkultur allerorten einen gewaltigen Aufschwung erlebte. Allein von 1920 bis 1932 entstanden im heutigen Stadtgebiet nicht weniger als sechs neue Sportplätze, vier davon angelegt durch die oder mit Unterstützung seitens der Gemeinden, die die Förderung der Leibesübungen nun auch als öffentliche Aufgabe wahrnahmen. (Auch das jüngst so umstrittene »Weinbergstadion« wurde schon im Sommer 1931 als von drei örtlichen Turnvereinen gemeinsam geschaffener erster ordentlicher Fußballplatz Kötzschenbrodas eingeweiht, ohne dass sich Anwohner beschwerten.) In jedem der damals noch selbständigen Lößnitzorte gab es wenigstens einen Turnverein, und in denen wurde längst nicht mehr nur geturnt; auch Vereine für Radsport und Kegeln, Tennis, Wandern und Schach existierten schon seit dem frühen 20. Jahrhundert. Der Radebeuler Ballspielclub, der 1933 sein 25-jähriges Bestehen feierte, war auch damals noch stolz darauf, dass seine Fußballer 1919 »Kreismeister der 1. Klasse« geworden waren; Wassersportler dreier Vereine trainierten seit den 20er Jahren auf der Elbe bei Kötzschenbroda, und in immer mehr der größeren Unternehmen wurden seit Anfang der 30er Jahre Betriebssport­vereinigungen gebildet.
Die zwei Zäsuren von 1933 und 1945, als zunächst die Arbeitersportvereine und nach Kriegsende dann die verbliebenen bürgerlichen Vereine zwangsweise aufgelöst wurden, haben der Sportbegeisterung der Radebeuler auf die Dauer nichts anhaben können. Schon 1945 gründeten sich in Radebeul-Ost und -West neue Gemeinschaften, die später als BSG Alcid bzw. Chemie und BSG Motor bzw. Planeta unter das Dach der jeweils größten Betriebe schlüpften, und mit den Jahren stellten sich auch die im eingangs angeführten Beitrag noch vermissten Erfolge in reicher Zahl ein. (Nur der Weg in die Fußball-Oberliga erwies sich als zu weit; und dass potentielle Kaderathleten in den von der Partei ausgewählten Fördersportarten – sofern sie keine Westverwandten hatten – zu den anderswo stationierten Sportclubs delegiert wurden, verstand sich in der planwirtschaftlich organisierten Medaillenfabrik DDR von selbst.)
Nach der politischen Wende von 1989 entstanden aus wenigen Betriebssport­gemeinschaften zahlreiche größere und kleinere Vereine. Auch ganz neue Disziplinen und Vereine kamen hinzu, sodass die Möglichkeiten für sportliche Betätigung in Radebeul heute vielfältiger sind als jemals zuvor. Und wer nicht den Wettkampf sucht, sondern einfach Freude an der Bewegung hat oder – für sich oder in der Gruppe – etwas für die Gesundheit oder gegen den inneren Schweinehund tun möchte, findet in Fitness-Studios und Bädern, beim Tanzen und natürlich in der freien Natur jede Menge Entfaltungsmöglichkeiten. Selbst den Mount Everest kann man inzwischen einmal jährlich am Spitzhaus ersteigen, und für passive Genießer bieten die Landesbühnen »Theatersport« an.
Dass der Sport in Radebeul ein »Stiefkind« sei, wie es 1965 einmal in der SZ zu lesen stand, kann man, wenn es denn jemals zugetroffen hat, heute im Ernst nicht mehr behaupten. Das heiß ersehnte dritte Stadion wird schon irgendwann kommen, und nachdem schon 1959 darüber diskutiert wurde, wie man den Boden der Elbhalle so erneuern könnte, dass ihn nicht mehr jedes Hochwasser zerstört, wird dies beim x-ten Versuch gewiss funktionieren. Was aber in Radebeul bislang tatsächlich etwas stiefmütterlich behandelt wurde, ist die örtliche Sportgeschichte, über die man aus der heimatkundlichen Literatur herzlich wenig erfährt.
Um diese Lücke im historischen Bewusstsein schließen zu helfen, hat sich die AG Stadtmuseum beim Kulturamt für ihre diesjährige Ausstellung im Museumsdepot des Themas »Leibesübungen in der Lößnitz« angenommen. Anlass ist das 150. Jubiläum der Gründung des Turnvereins zu Kötzschenbroda, mit dem 1863 die Geschichte des Vereinssports in der Lößnitz begann.
Die erste Hälfte der Ausstellung geht der weitgehend in Vergessenheit geratenen Frühgeschichte des Radebeuler Sports bis 1945 nach, in der zumindest bis zum I. Weltkrieg die Turnvereine den Ton angaben. Nicht »schneller, höher und weiter« lautete deren Motto, sondern »frisch, frei, fröhlich und fromm« bzw. – in der Variante der SPD-nahen Freien Turner, die seit 1893 in der Lößnitz präsent waren, – »frisch, frei, stark und treu«. Das Turnen war damals nicht allein Körperertüchtigung, sondern gleichzeitig Bekenntnis, bei den Deutschen Turnern zu Vaterland und Kaiser, bei den Freien zu Solidarität und dem Ziel einer Gesellschaft ohne Ausbeutung; Geselligkeit und Gesang wurden aber auf beiden Seiten groß geschrieben, und auch im öffentlichen und kulturellen Leben waren die Turner ein wichtiger Faktor. Wie es in der Zwischenkriegszeit weiterging, als der moderne Sport in den Vordergrund trat und die »englische Krankheit«, der Fußball, auch in der Lößnitz zu grassieren begann, wurde oben bereits kurz angedeutet und wird in der Ausstellung anhand von Dokumenten und Fotos aus dem Stadtarchiv sowie Leihgaben aus privaten Sammlungen vor Augen geführt.
Während dieser Ausstellungsteil zwangsläufig Lücken aufweist – bedingt durch die Traditionsbrüche des 20. Jahrhunderts sind die bekannten Zeugnisse dünn gesät, und von manchem der frühen Vereine ist kaum mehr überliefert als der Name –, war bei der Vorstellung der jüngeren Radebeuler Sportgeschichte aus Platzgründen eine Beschränkung auf ausgewählte Aspekte des sportlichen Lebens zu DDR-Zeiten nötig. Auch dieses Kapitel wartet mit einer Fülle von Informationen und Fotos sowie Trophäen, Sportgeräten und Zeugnissen von Vereinen, aus privater Hand und der Sammlung des DDR-Museums auf. Ein kurzer Dokumentarfilm von Christoph Leonhardt über den Trainings- und Wettkampfalltag junger Turnerinnen der BSG Chemie Radebeul Ende der 1970er Jahre, der mittlerweile ebenfalls schon historischen Wert besitzt, rundet die Präsentation ab.
Für sport- und geschichtsinteressierte Radebeuler hat die Schau, die am 9. Oktober um 19 Uhr im städtischen Museumsdepot, Wasastraße 21 (Hintergebäude, 2. Stock) eröffnet wird, mit Sicherheit allerhand Wissenswertes zu bieten, und vielleicht kann der eine oder andere Besucher ja noch persönliche oder Familienerinnerungen beisteuern, die den hier präsentierten Überblick über die Radebeuler Sportgeschichte ergänzen.
Frank Andert
Die Ausstellung »Leibesübungen in der Lößnitz – 150 Jahre Radebeuler Sportgeschichte« ist bis voraussichtlich Februar 2014 jeweils am letzten Mittwoch im Monat von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Zusätzliche Besichtigungstermine können gern vereinbart werden (Tel. 0351-8311605). Der Eintritt ist frei.
Frank Andert

Bitte bald wieder: Spielt uns den Hendrix!

Was für eine Überraschung: In Radebeul kann man neuerdings die unsterblichen Klänge von Jimy Hendrix nachhören! Dass Holger Uwe Thews so ziemlich alles spielen kann, was auf Bühnenbretter gehört, konnte man wissen. Aber das? Am 6. September kam es heraus. Die kleine Hufeisennase wurde vorgewarnt, Türen geschlossen und dann brach der rockige Klang los, den wir lange nicht so hören konnten: die liebgewordenen lauten, leisen, lyrischen und anklagenden Balladen des amerikanischen Gitarrenwunders Hendrix.
Holger Uwe Thews (git), Otto Bunzel (b) und Uwe Koch (dr) haben sich erst vor einem halben Jahr zu „Velvet Moon“ zusammengeschlossen – und schon rocken sie, was das Zeug hält. Ungläubiges Ohrenspitzen, dann Begeisterung im (noch) überschaubaren Publikum, und alle freuen sich. Die Band, dass sie jetzt „draußen“ sind, die Kolleg_innen von Holger Uwe Thews, dass sie ihn nun noch von dieser Seite kennen lernen, die anderen Gäste über das Wiederhören auf den Spuren eines vermissten Virtuosen.

Velvet Moon

Das erste Konzert der Reihe »Radebeul rockt« mit Holger Uwe Thews an der Gitarre, Otto Bunzel am Bass und verdeckt am Schlagzeug Uwe Koch

Unnötig zu erklären, warum es wenige Coverbands gibt, die Hendrix spielen. Es ist einfach zu schwer! Man muss Gitarre, Bass und Schlagzeug schon sehr oft und fleißig angefasst haben, um den typischen Jimi-Klang hervorzubringen. Die Jungs von Velvet Moon haben es phantastisch drauf, so die Meinung hier und da in der neuen Fangemeinde.
Einen besseren, überraschenderen Start der Veranstaltungsreihe „Radebeul rockt“ hätten sich die Landesbühnen nicht wünschen können. Doch nun wird es sich herumsprechen: Im Glasfoyer des Hauses wird es nun in Abständen gehörig rappeln!
Christine Ruby

Weitere Rocktermine:
5. Oktober, 20.00 Uhr, Studiobühne: HALLAM LONDON feat, SR & Company mit anschließender Party
17. Oktober 2013, 19.00 Uhr Große Bühne : „FAUST – DIE ROCKOPER“
19. Oktober 2013, 22.00 Uhr: „RAW ACOUSTIC“
20. Oktober, 11.00 Uhr im Foyer „The Black Rider“
26. Oktober 2013, Premiere 19.00 Uhr Premiere der Rockoper „The Black Rider“

Villa und Kindergarten „Thomas Müntzer“

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Villa und Kindergarten »Thomas Müntzer«

In diesem Jahr gibt es gleich zwei Gründe über das o.g. Haus, Meißner Straße 159, zu schreiben: die spätklassizistische Villa in Radebeuls Mitte (Flurst. 911/3 Gem. Kötzschenbroda) steht seit nunmehr 140 Jahren; das rundere Jubiläum, nämlich das 50-jährige Bestehen, feiert der Kindergarten „Thomas Müntzer“ in dieser Villa. Ich selbst bin nicht in den Kindergarten gegangen, doch die ehemalige Leiterin des Kindergartens und spätere Rathauskollegin Frau Barbara Sehnert gab mir die freundliche Anregung, einmal über den Kindergarten etwas zu schreiben. Da es sich bei den Gebäuden und dem Park seit 1979 um ein Kulturdenkmal handelt, bin ich dem Wunsch nach etwas Recherchearbeit gern nachgekommen. Eine Feier in der Kindereinrichtung hat in diesem Jahr, im Mai glaube ich, bereits stattgefunden – ein herzlicher Glückwunsch zum 50-jährigen Bestehen sei hiermit den Kindern, den Kindergärtnerinnen und der aktuellen Leiterin, Frau Sylvia Schulz, von uns nachgereicht!
Denkmal und Kindergarten klingt erst mal ganz nett, von meiner Arbeit mit Radebeuler Denkmalobjekten weiß ich aber, dass es im Alltag immer auch ein paar spezielle Probleme außer dem Denkmalschutz zu lösen gibt, Stichwort Rettungsweg, Geländerhöhen bzw. Absturzsicherung, da müssen manchmal von beiden Seiten Kompromisse gemacht werden.
Doch ich will erst mal einen kleinen geschichtlichen Abriss zu dem Anwesen vorstellen.
Am 14. April 1873 wurden die für die Baronin Elise von Zehmen von der bekannten Baufirma Gebr. Ziller angefertigten Zeichnungen für den Bau einer Villa von der königlichen Amtshauptmannschaft für zulässig befunden. Auch die Ausführung lag in den Händen der von Moritz und Gustav Ziller geleiteten Firma. Wann die Ingebrauchnahme der Villa ausgestellt und diese bezogen wurde, ist nicht belegt. Wir werden aber kaum fehl gehen, dafür spätestens das Jahr 1874 anzunehmen. Die nach spätklassizistischen Merkmalen errichtete, zweigeschossige, verputzte Villa mit 17,5m Seitenlänge hatte nach Norden (Schauseite) und Süden je 5 und nach Osten und Westen je 4 Fensterachsen, darüber ein nach allen Seiten flach abgewalmtes Schieferdach mit oberer Plattform und Dreiecksgiebeln auf der Nord- und Südseite. Seitlich in symmetrischer Anordnung zur Villa finden wir zwei eingeschossige Funktionsgebäude (ursprünglich Gärtnerhaus und wohl Waschhaus mit Plättstube) mit geplanten Walm-, jedoch ausgeführten Satteldächern. 1876 kamen ein Gewächshaus an einem der Seitengebäude und 1887 noch ein größeres, freistehendes Gewächshaus dazu. Der südliche Gartenteil war ein Nutzgarten und diente vorwiegend zur Selbstversorgung. Nach Abtrennung der Sporthalle ist heute der Rest Spielgarten für die Kinder. Das Grundstücksteil zwischen Villa und Meißner Straße war von Anfang an ein Park mit Springbrunnen, wie wir es heute noch vorfinden. Nur sind die Bäume so prächtig gediehen, dass von dieser Seite kaum ein Foto von der Villa möglich ist.
Obwohl die Villa früher prächtig ausgestattet gewesen sein muss – so fand man 1986 bei Bauarbeiten im Erdgeschoss z.B. die Reste eines luxuriösen Bades mit abgesenkter Wanne -, war das Haus nur als Sommerhaus bzw. Zeitwohnsitz durch die Familie von Zehmen
genutzt, die in Dresden eine Stadtwohnung als Hauptwohnsitz hatte. Die vornehme Ausstrahlung dieser Villa ist m.E. in Radebeul vergleichbar mit der Weber-Villa (Meißner Str. 47) oder der Krüger-Villa (Neue Str. 12). Die verwitwete Baronin hätte in ihrem Testament verfügt, dass das Haus ein Kinderheim oder Ähnliches werden soll – klingt gut, ist aber auch nur überliefert. Weitere Einzelheiten zur Familie und auch die Lebensdaten der Baronin konnte ich bisher nicht finden. Es gab noch ein paar hier ungenannte Eigentümer bzw. Bewohner, die jedoch nur kurz in den Akten erwähnt werden und keine baulichen Spuren hinterließen.
Im Jahre 1911 erscheint als neuer Besitzer der Kommerzienrat Adolf Renschhausen und beantragt bei der Gemeinde Kötzschenbroda folgende baulichen Veränderungen an der Villa: eine Terrasse mit zwei geschwungenen Freitreppen auf der Eingangsseite, einen Kücheneingang auf der Ostseite, den DG-Ausbau mit runden Gaupen, eine Dachreling mit Fahnenstange und eine Zentralheizung. Dafür fertigt Architekt Paul Ziller die Zeichnungen an. Er hatte aber nicht das Format seiner älteren Brüder, bzw. durch ihn kamen andere Stileinflüsse zur klassizistischen Villa hinzu, so dass 1986 die beiden Freitreppen zugunsten nur einer mittigen Treppe wieder abgebaut wurden. Renschhausen war als Diplomat in Marokko tätig gewesen, weshalb er seinen Ruhesitz in Kötzschenbroda „Villa Tanger“ nannte. Eine Abbildung, die diesen Namen an der Fassade zeigt, ist mir aber nicht bekannt. Ob es unter Renschhausen bereits eine Kindereinrichtung im Hause gab, ist nicht anzunehmen, jedoch wird 1928 durch das Dresdner Hochbauamt ein Antrag für einen Anbau auf der Westseite und vergrößerte Dachgaupen für ein Säuglingsheim gestellt, der so genehmigt wurde. Die Stadt Dresden ist seit 1927 Eigentümerin der Immobilie und veranlasst 1949 hier die Unterbringung von griechischen Waisenkindern mit Betreuern (nach dem griechischen Bürgerkrieg mussten viele Kommunisten das Land für Jahre verlassen, wovon einige auch nach Radebeul kamen). Dieses interessante Kapitel soll hier nicht vertieft werden, es würde sich aber eine Erforschung lohnen, die in einen Artikel an anderer Stelle mündet. Während des 2. Weltkrieges diente die Einrichtung für kurze Zeit als Lazarett und 1945 richtete die „Rote Armee“ hier zeitweilig eine Kommandantur ein (aber es muss mehrere Häuser in Radebeul gegeben haben, die sich mal Kommandantur genannt haben).
1953 werden Grundstück und Villa der Stadt Radebeul übereignet, zunächst noch Kinderheim, kann dann 1963 der städtische Kindergarten „Thomas Müntzer“ hier entstehen. Viele Radebeuler Kinder haben ihn besucht und die allermeisten erinnern sich gern an diese Zeit. Sicherlich wurden über die Jahre hin Reparaturen und kleine Neuerungen im Inneren der Kindereinrichtung vorgenommen, nennenswerte bauliche Veränderungen, von einem scheußlich großen Schornstein (für Braun- oder Siebkohleheizung) auf der Westseite mal abgesehen, erfolgten bis 1986 nicht. Dann aber war ein Reparaturstau eingetreten, der eine Evakuierung der Kinder und eine umfangreiche Rekonstruktion erforderlich machte. Eine denkmalpflegerische Zielstellung dafür fertigte Architekt Helmut Leckscheid an, der dann auch das Projekt beim Kreisbaubetrieb Radebeul bearbeitete. Dass sich die Fertigstellung des Kindergartens bis 1990 hinziehen sollte, konnte zunächst keiner ahnen – der Einbau eines Speisenaufzugs war schwierig, Kostenüberarbeitungen führten zu Verzögerungen und schließlich brachte die Wende für die Baumaßnahme auch noch Probleme. Umso größer war die Freude bei den Kindern und auch den Erzieherinnen, als sie am 3. November 1990 wieder einziehen und künftig auch ein paar Verbesserungen nutzen konnten.
Bei all den Straßenumbenennungen, die die Wende mit sich brachte, ist es fast ein Wunder, dass der Name eines Führers aus dem Bauernkrieg – Thomas Müntzer – für den Kindergarten bis heute blieb!
Wieder vergingen ein paar Jahre der ganz normalen Nutzung der Kindereinrichtung. Etwa 2006 war die Diskussion zum 2. Rettungsweg (nach Bundesrecht müssen mehrgeschossige Kindergärten, Schulen und öffentliche Einrichtungen für einen angenommenen Brandfall eine zweite Treppe erhalten) dann so weit gediehen, dass ein Projektierungsauftrag an das Radebeuler Architekturbüro Clausnitzer vergeben werden konnte. Gut für das Denkmal, dass 2007 nicht eine der üblichen Minimalvarianten einer freien Stahltreppe oder einer Rettungsrutsche, sondern eine eingehauste Treppe auf der Südseite gebaut wurde. Anschließend, 2010, erarbeitete das Dresdner Architekturbüro Kunze + Zerjatke die energetische Verbesserung, Detailergänzungen und Farbgestaltung der Fassaden, so dass der Kindergarten in den nächsten Jahren ohne Gerüste, Staub und Lärm friedlich und in Ruhe weiter betrieben werden kann. Was dann noch fehlt, ist eine Neudeckung mit Schiefer, wie sie bereits die Gebr. Ziller ausgeführt hatten. Das hängt nun davon ab, wie lange das Preolithdach noch hält, bzw. wann die Stadt dafür wieder Geld ausgegeben kann. Die Vorübergehenden können sich also weiterhin an einem gepflegten Denkmal wie auch über das Kinderlachen an der Meißner Straße freuen.

Dietrich Lohse

Editorial

Am 21. September luden die Landesbühnen Sachsen mit einem bunten Theaterfest zur offiziellen Spielzeiteröffnung im Radebeuler Stammhaus ein. Groß und Klein hatte ab den Nachmittagsstunden mit Führungen durch die unterschiedlichsten Gewerke die Gelegenheit, nicht nur sinnbildlich einen Blick hinter die Kulissen des spannenden und vielfältigen Theaterbetriebs zu werfen. So waren nicht selten staunende Kinderaugen zwischen all den phantasiegeborenen Theatergestalten zu erleben.
Höhepunkt des Abends war schließlich die Spielzeitgala im überfüllten Großen Saal, wo neben zahlreichen Auschnitten der kommenden Inszenierungen Intendant Manuel Schöbel nochmals coram publico neben neuverpflichteten Künstlern sein neues Leitungsteam vorstellten konnte. So wartet jede Sparte mit einem neuen Gesicht und Handschrift auf. Als neuer Operndirektor spannte Jan Michael Horstmann vom klassischen Dirigat bis zur humoresken Georg Kreisler-Einlage einen weiten musikalischen Bogen. Peter Kube, der als neuer Oberspielleiter fortan der Sparte Schauspiel vorsteht, präsentierte sich mit Augenzwinkern und seiner ureigenen Art in der Rolle eines moderierenden Requisiteurs. Nicht zuletzt versprühte das Ballettensemble unter Leitung des neuen, auch singenden Ballettdirektors Carlos Matos eine geradezu akrobatische Spielfreude.
Der ehrgeizige Spielplan mit 25! Premieren lädt zu einem abwechslungsreichen wie anspruchsvollen Programm ein. Insbesondere wird das Foyer – das „Glashaus“ – mit den Vollmondnächten, Rockkonzerten, Liederabenden, Matineen und Kabarett noch vielfältiger in den Spielbetrieb eingebunden.
Seien Sie also eingeladen zu so viel Theater vor der Haustür!

Sascha Graedtke

Wiljalba Frikel – Der Wundermann von Kötzschenbroda (Teil 1)

Der weltberühmte Magier fand hier seine letzte Ruhestätte. Eine Hommage im 110. Jahr seines Todes von Jens-Uwe Günzel, Zauberhistoriker aus Sachsen
Man stelle sich einmal vor, einer der bekanntesten Zauberkünstler Europas und eine der berühmtesten Persönlichkeiten der alten Varietezeit war ein Bürger dieses sächsischen Städtchens.7_frikell
Ein Künstler im Pagenkostüm, damals ein übliches Auftrittsgewand vieler Vorführender, betritt die Bühne und verzaubert sein Publikum mit den wundervollsten Wundern und handgemachter Illusionen. Keine Angst! Ich spreche hier nicht von schwarzer Magie oder abtrünniger Zauberkunst, sondern von der die man auch im Allgemeinen als Täuschungskunst oder Unterhaltungszauberei bezeichnet. Die Geschichte dieses Herrn Frikel spielt in jener vergangenen Zeit, die als die goldenen Jahre des Varietés, des Theaters und der Blütezeit des Amüsements bezeichnet wird – den 1830er Jahren.
Ein junger frischer Täuschungskünstler der durch Handfertigkeiten und Täuschungen zu wahren Ruhm kam nannte sich Professor Frikel. Doch auch dieser Wundermann kam völlig normal auf diese Welt. Als Friedrich Wilhelm Frickell, so sein vollständiger Geburtsname, wurde er am 27. Juni 1817 in Sagan/Schlesien geboren. Seine Mutter und später sein Vater, ein hochangesehener Regimentsarzt, verstarben als Friedrich Wilhelm gerade im Knabenalter von 6 Jahren war und so wurde er frühzeitig plötzlich zu einem Vollwaisen. Er kam in die Obhut eines nahen Verwandten und nun lebte Friedrich Wilhelm in der Stadt Breslau. Dieser Ziehonkel war selbst ein angesehener Chemieprofessor. Er ermöglichte dem Jungen den Besuch einer höheren Schule, welche in damaliger Zeit mit sehr viel Schulgeld verbunden war. Durch ihn lernte Frikell auch den Umgang mit Chemikalien und verstand es schon damals mit kleinen chemischen Experimenten die Nachbarschaft zu ärgern. In dieser Zeit fand er in der Privatbücherei seines Vormundes ein altes Zauberbuch, welches der junge Sprössling interessiert und eifrig studierte.
Im Alter von 15 Jahren, noch nicht einmal volljährig, verstarb auch sein Ziehonkel in Breslau. Durch dieses weitere schmerzhafte Ereignis beschloss er, als Zauberkünstler sein Lebensunterhalt zu bestreiten. Von diesem Moment an zog der junge Frickell durch die Städte. Eine aufregende Vorstellung gab er 1835 unter anderem im Kursaal von Marienbad. Unter den Zuschauern saß auch der griechische König mit seiner Gattin und Gefolge. King Otto I. war derart begeistert von den Vorführungen Frickells, das er ihn sogleich nach Griechenland an seinen Hof einlud. Friedrich Wilhelm wurde nun Hofzauberkünstler und unterhielt das königliche Paar bei verschiedenen Anlässen. In dieser Zeit gab er sich wohl auch seinen Künstlernamen Wiljalba Frikel. Es folgten nun Jahre erfolgreicher Reisen durch den Orient und Balkan und anderer Erdteile. Diese Gastspielreisen brachten Wiljalba neben Wertschätzung auch ein beachtliches Vermögen ein. Schon bald zog es ihn auch nach Deutschland. Hier trat er im orientalischen Gewand vor seinem Publikum auf. Er gab dabei auch zu verstehen, dass er in Griechenland geboren sei. Diese Behauptung stellte sich jedoch bald als unwahr heraus. In der Hansestadt Hamburg verlor er 1842 durch einen Theaterbrand während einer Vorstellung seine gesamte Bühnenausstattung. Dieses schreckliche Ereignis zwang ihn von nun an ohne eine prachtvolle Kulisse aufzutreten. Aus dieser Not wurde schließlich aber ein neuer Vorführstil in der Täuschungskunst geboren. Viele Zauberkollegen übernahmen in der Folge diese „neue Mode“, die sich schließlich bis in unsere Tage erhalten hat.

(Fortsetzung im nächsten Heft)
Jens-Uwe Günzel

Jens-Uwe Günzel, Annaberg-Buchholz (Erzgebirge) bekannter Fachautor und Zauberhistoriker, beschäftigte sich über 4 Jahre lang mit der Biografie Frickells. Günzel besitzt eines der umfangreichsten Zauberarchive und ein seltenes Museum über Zauberkunst und ist selbst Zauberkünstler und Entertainer.

Hochfluten der Elbe- Hochwasser in Kötzschenbroda

Ich las in alten Chroniken und mir fiel auf, dass Kötzschenbroda oft zu den Flutopfern zählte. Das ist erstaunlich, denn der zweite Teil des Ortsnamens, das „broda“ bedeutet im Slawischen Furt oder Überfahrt und weist darauf hin, dass es hier eine flache Stelle gab, die zur Überfahrt mit Pferd und Wagen genutzt werden konnte. Die Elbe war mit Sicherheit in früheren Zeiten flacher und breiter und bestand aus mehreren Armen. Man sollte also annehmen können, dass sich ihr auch bei Hochwasser genügend Fläche bot, um die Wassermassen von den Siedlungen fern zu halten. Mehr »

Ein Weg nach oben

Das Minckwitz´sche Anwesen
Aus der Reihe „Häuser und ihre Besitzer“

Es ist nicht zwangsläufig so, dass nach Regen Sonnenschein folgt. Aber diesmal hatten wir Glück. Nach der Verlegung der Veranstaltung vom 2. Juni auf den 21. Juli konnten uns Frau Stiller und Herr Wolfram von Minckwitz bei schönstem Sommerwetter, bei strahlendem Sonnenschein und einer fast unglaublichen Fernsicht empfangen. Und wie bei einer romantischen Nacht, war am Ende des Abends auch der Vollmond zur Stelle, zuerst ganz groß und weiß am Horizont und dann immer leuchtender und gelber werdend. Mehr »

Das Lügenmuseum

ein neuer Pilgerort im historischen Gasthof Serkowitz

An der alten Poststraße, 6 km von Dresden in Richtung Meißen, liegt der Gasthof Serkowitz. 1337 erstmals urkundlich erwähnt, ist er der älteste nachweisbare Gasthof der Lößnitzorte.
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