Ein Stück deutsche Politik im Spiegel einer älteren Buchreihe

In meinem Bücherregal ganz oben rechts (das meint keine politische Orientierung) steht die Reihe „Unsere schöne Heimat“, diese Überschrift klingt vielleicht etwas angestaubt und würde heute die Leser kaum in Scharen in die Buchläden locken. In den 50er Jahren aber hatte es einen Klang und die Bücher wurden gern gekauft. Ich kann mir vorstellen, daß sich Hefte dieser Buchreihe durchaus auch noch in anderen Radebeuler Bücherschränken finden ließen. Jetzt schaute ich mir die 37 Hefte von 1955 bis 1965 (ein Band, eine 2. Auflage, ist von 1971) erschienen Broschüren wieder mal an, um zu entscheiden, ob ich mich davon trennen möchte.

Von der im Sachsenverlag Dresden herausgegebenen Bücherreihe erschienen jedes Jahr bis zu 6 Hefte zu einzelnen Themen, die jeweils Teile der deutschen Heimat bildlich vermitteln konnten. Diese Idee ist die sinngemäße Fortsetzung einer ähnlichen Bücherreihe, „Die blauen Bücher“ aus den 20er und 30er Jahren. Einzelthemen der Hefte sind z.B. „Romanische Kirchen“, „Rathäuser“ oder „Turm- und Sonnenuhren“. Aber es gibt auch Hefte, die je eine Landschaft wie „Deutsche Alpen“ oder „Insel Usedom“ den Lesern erschließen möchten. Die im Text genannten Titel sind eine willkürliche Auswahl von den 37 Heften – im Anhang will ich alle Titel nennen. Ich glaube, dass mir kaum ein Heft fehlen dürfte. Die im Sachsenverlag erschienene Mehrzahl der Hefte hatte einen helloliven Einband mit einem Schwarz-Weiß-Foto zum Thema und wirken ansprechend aber auch etwas traditioneller als die ab 1961 vom Brockhausverlag Leipzig herausgegebenen Hefte mit größerem Titelfoto und einer pro Heft wechselnden Farbkante, was schon einem moderneren Eindruck des Covers entsprach. Alle Hefte brachten neben einem sachkundigem Einführungstext im Hauptteil die meist chronologische Bildfolge von Gesamtaufnahmen und Details je Objekt. Somit wurde das Grundkonzept von beiden Verlagen konsequent verfolgt, Farbaufnahmen spielten dabei noch keine Rolle. Ob dem Wechsel zum Brockhausverlag eine politische Entscheidung zugrunde lag, kann heute nur vermutet werden. Die Brockhaushefte hatten als Neuerung z.T. glänzende Buchhüllen, also einen Folienüberzug über dem Pappeinband, woraus über die Jahre ein Nachteil gegenüber den Sachsenverlagheften eintrat, die Folie löste sich in Teilen und der Glanz verschwand.

Ich erinnere mich an die Zeit Anfang der 50er Jahre in Radebeul, wer sich als Schüler für Denkmalschutz und Heimatpflege interessierte, fand sonst kaum etwas in den Buchläden. In dieser Situation war die Buchreihe schon etwas Besonderes. Hinzu kam, daß die Preise mit 2,40 Mark für ein normales Heft und 4,80 Mark für das Doppelheft moderat waren und ich mir von meinem Taschengeld hin und wieder eins kaufen konnte. Meine Eltern unterstützten das Interesse, das später in meinen Beruf überleitete, und schließlich fand ich ein paar der Hefte auch auf dem Geburtstags-Gabentisch. In den fünfziger Jahren waren die Themen und Bildbeispiele auch noch gesamtdeutsch und nicht einseitig auf die DDR bezogen. So war es auch noch möglich, wenn man z.B. das Heft „Burgen“ gerade gelesen hatte, sich die Marxburg am Rhein (hat nichts mit Karl M. zu tun) anzuschauen – man konnte noch reisen, wenn man das Geld hatte. Die Heftinhalte und Bilder beziehen sich zwar in keinem Heft auf Radebeul, aber ich kann insofern eine „Brücke“ zu Radebeul bauen, da Ulrich Pohle (Dichter, Karikaturist und Kulturschaffender) bei den Heften des Sachsenverlages als Herausgeber angegeben wurde. Und eben dieser Herr Pohle taucht in den alten Vorschauheften (von 1954-1963) regelmäßig mit Karikaturen und Gedichten unter der Rubrik „Der Pfeil“ auf.

Werfen wir nun mit dem Abstand von 60 bis 70 Jahren einen kurzen Blick auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung in den beiden deutschen Staaten, wo man anfangs noch von der Möglichkeit einer Wiedervereinigung sprach. Aber die beiden Staaten BRD und DDR begannen sich nicht zuletzt durch ihre unterschiedlichen Bündnispartner zu entfernen. In der BRD ging es mit amerikanischer Hilfe wirtschaftlich rasch aufwärts und bald schon sprach man vom „Wirtschaftswunder“. Während die DDR noch eine Weile an der Wiedergutmachung nach dem verlorenen Krieg gegenüber der UdSSR zu knabbern hatte. Die Unzufriedenheit mit den Lebensverhältnissen hier führte am 17. Juni 1953 zu Protesten, die niedergeschlagen wurden. Hier ging es nur langsam vorwärts. Viele Bürger aus dem Osten beschlossen deshalb vor allem um 1960 dahin zu gehen, wo man glaubte, besser arbeiten und leben zu können – nach dem Westen. Um noch stärkerer Republikflucht zuvorzukommen, wurde schließlich am 13. August 1961, einem Sonntag, begonnen, die Mauer zu bauen. Und damit war die Möglichkeit generell ausgeschlossen, zu allen Orten zu reisen, die bisher in den Heften vorgestellt wurden.

Das wirkte sich auf die betrachtete Heftreihe insofern aus, dass von da ab nur noch Landschaften, Orte und Häuser publiziert wurden, die im Osten lagen. Vielleicht hätte man jetzt die Heftreihe besser beenden sollen. So zeichnete sich als schleichender Prozeß über die Jahre eine deutliche Veränderung von Themen und Inhalte der Hefte ab. Bei den frühen Heften, in denen noch Gesamtdeutschland betrachtet wurde, konnte man eine gewisse Parität zwischen den Länderflächen BRD und DDR bzw. der Einwohnerzahl (grob: BRD = 65 Mill. und DDR = 15 Mill. Einwohner) und den behandelten Orten oder Gebäuden erkennen. Im Heft „Romanische Kirchen“ (1956) z.B. wurden 23 Beispiele aus Westdeutschland, darunter der Dom zu Speyer, und nur 5 Beispiele, wie die Magdeburger Liebfrauenkirche, aus der DDR gezeigt. Bei diesem speziellen Thema spielt aber auch eine Rolle, dass diese Stilentwicklung aus Westeuropa kam und sich nach Osten nur langsam ausbreitete, also in Ostdeutschland grundsätzlich weniger romanische Objekte zu finden waren. Schauen wir deshalb noch ein anderes Heft aus dem gleichen Jahr, die „Rathäuser“, an. Da finden wir 25 Rathäuser aus der BRD, u.a. das Bremer Rathaus, und demgegenüber 15 Rathäuser aus Städten der DDR, ua. das alte Rathaus in Leipzig – hier ausgewogene Ost-West-Anteile. Das Verhältnis ändert sich weiter, wenn wir das Heft „Museen und Bibliotheken“ aus dem Jahr 1959 durchblättern – da ist die BRD nur mit 5 Orten, darunter das „Deutsche Museum“ in München, vertreten, aber 12 Ortsbeispiele (darunter Orte mit mehreren Einzelobjekten) kommen aus der DDR, ua. mit der „Deutschen Bücherei“ Leipzig. Nehmen wir mit „Marktplätze“ (1965) noch ein Heft nach dem Mauerbau in die Hand, stellen wir fest, Beispiele aus dem Westen = 0 Objekte, Beispiele aus dem Osten = 45 Objekte, darunter die Marktplätze in Gotha, Hoyerswerda oder Wolgast! Ich denke, mit diesen von mir ausgewählten Zahlenbeispielen, wird klar, wie sich eine scheinbar harmlose Heftreihe in Anlehnung an die politische Entwicklung in den beiden deutschen Staaten gestaltet hat. Man kann aber auch sagen, eine Heftreihe, die über 10 Jahre angelegt ist, hat es schwer, das inhaltliche Konzept immer beizubehalten, wenn sich politische Verhältnisse in diesem Zeitraum verändern. Ein bisschen spiegelt sich dieser Trend auch in den Fachtexten wider, wo in den frühen Heften noch von der deutscher Heimat in beiden Staaten die Rede ist, spricht man nach 1961 dagegen nur von unserer sozialistischen Heimat.

Warum hatte ich eigentlich die Hefte aus dem Regal genommen? Ach ja, ich wollte entscheiden, ob ich mich davon trennen kann. Nein, ich werde die Hefte behalten, vielleicht gerade wegen der politischen Brisanz.

Dietrich Lohse

Mitten am Waldrand

Schönste Kleingartenanlage Dresdens in Radebeul?

In der Überschau wirkt die Anlage „Am Waldrand“ wie eine weiträumige Lichtung, die an drei Seiten von hochgewachsenen Parkbäumen und Waldsäumen umgeben ist. Besonders abends kommt diese Lage zur Geltung, wenn das Aufflammen der Kiefernstämme des Heiderands im Abendrot eine ergreifende Stimmung erzeugt, während in naher Ferne die Elbtalhänge der Oberlößnitz mit Spitzhaus und Bismarckturm am Horizont in der Dämmerung versinken. Doch das Gefühl der landschaftlichen Geborgenheit wird perforiert vom Rauschen der Autobahn, die hinter dem dünnen Waldstreifen nur wenige Gehminuten entfernt verläuft. Sie schlägt eine akustische Wunde in die Landschaft, die sich nie schließen will. Eine Schallschutzwand auf der Dresdener Seite steigert nur die Pein. Gegen das unablässige Brausen der Lastwagen vermögen die Vögel nicht anzusingen.

Arbeitseinsatz Wasserleitung Adlerweg, 1993

Was einem früher vom nahen Industriegebiet in die Nase gefahren ist, das dröhnt einem heute im Ohr: akustische Umweltverschmutzung.

Mit dem Bau des Vereinsheimes „Am Waldrand“ war die Anlage 1958 stabilisiert. In jenen Jahren entstanden auch die meisten privaten Bauten in den Parzellen. Nach einem Bauplan, der auf den 1. September 1958 datiert ist, errichtete der Gartenfreund Kurt Stöhr seine feste Laube. Die Trümmerziegel wurden mit Karbidschlamm aufgesetzt, der im Dresdner Industriegebiet nördlich des Bahnhof Neustadt beschafft wurde. Die Parzelle auf dem Adlerweg wird heute noch von Herrn Stöhrs Tochter und ihrem Mann genutzt. Dieser, selbst im Baugewerbe tätig, erweiterte die Laube 1982 zum Gartenhaus. Zu dieser Zeit hatte sich die offizielle Einstellung zu den Kleingärtnern gewandelt. War ihnen in der frühen DDR mit Argwohn begegnet worden, so hatte sich das Verhältnis um 180 Grad gedreht. Isolde Dietrich kommt in ihrer Studie über die Kleingärtner in der DDR „Hammer Zirkel Gartenzaun“ zu folgender Feststellung: „Am Ende war die DDR ein Kleingärtnerparadies. Das Kleingartenwesen genoss umfassende staatliche Förderung und das Wohlwollen der Öffentlichkeit. Von 13,5 Millionen erwachsenen DDR-Bürgern waren 1989 mehr als 1,2 Millionen organisierte Kleingärtner – nicht eingerechnet ihre Angehörigen und Freunde, auch nicht die Nutzer von Erholungsgrundstücken, deren Anzahl noch wesentlich höher lag. 855 000 Parzellen mit rund 37 000 Hektar Land befanden sich in Kleingärtnerhand. … In der DDR hatte – mit Ausnahme des Fernsehens – keine andere Freizeitbeschäftigung derart hohe Zuwachsraten wie die Gartenarbeit.“ Unter Erich Honecker wurde das Kleingartenwesen ab 1977 per Parteitagsbeschluss gefördert. Das schlägt sich auch in den spärlichen Dokumenten nieder, die aus jenen Jahren in der Gartensparte „Am Waldrand“ erhalten geblieben sind. Ein Arbeitsplan für das Jahr 1979 verzeichnet eine Abnahmevereinbarung mit dem Gemüsehandel auf der Karl-Marx-Straße, die selbst für kleinste Mengen galt. Was der Gartenfreund nicht selbst verzehrte, verarbeitete oder in Familie und Freundeskreis weiterreichte, wurde ihm zu Ankaufspreisen bedingungslos abgenommen, die oftmals weit über den Endverkaufspreisen im Laden lagen. Im Dezember 1981 wird die Radebeuler Kleingartenanlage als „Anerkanntes Naherholungsgebiet“ eingestuft. Vereinsfeste fanden bis zum Ende der DDR jährlich auf dem Gemeinschaftsplatz „Am Waldrand“ statt. Sie waren vor allem für die zahlreichen Kinder in der Sparte ein Erlebnis. Mancher erinnert sich vielleicht an die hektografierten Zettel mit den abschneidbaren Coupons am Rand, die eines Tages an der Laubentür hingen und jedem Kind unentgeltlich Imbiss und Getränke, die Teilnahme an Spielen und Gewinne in Aussicht stellten. Aber in der persönlichen Erinnerung werden nicht die Bockwürste, Limonaden und Eiscremes aufbewahrt, sondern eher die Ausgelassenheit beim Sackhüpfen oder das Emporklettern an einer Stange, an deren oberem Ende ein Reifen befestigt war, von dem Süßig- und Kleinigkeiten abgerissen werden konnten. Der damalige Arbeitseinsatzleiter Georg Sülz zog zu diesen Festen Akkordeon spielend, wie ein zweiter Rattenfänger von Hameln, mit den Kindern durch die Anlage.

Als sich der VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) mit Wirkung zum Jahresende 1990 auflöste, hatte sich der Kleingartenverein „Am Waldrand“ bereits vorsorglich am 18. September 1990 nach den nun gängigen Spielregeln neugegründet. Doch die Aufmerksamkeit für die liebevoll ausgebauten Kleingärten mit ihren Lauben, die zum Teil schon Dimensionen von Wochenendhäusern hatten, ging nun zurück zugunsten der Reiselust. Es wurde nun nachgeholt, was sich in der BRD bereits in den siebziger Jahren vollzogen hatte. Hartwig Stein überschreibt das letzte Kapitel seines Buchs „Inseln im Häusermeer“: „Von Robinson zum „Robinson Club“ oder Wie die „Eingeborenen von Trizonesien“ die „Inseln im Häusermeer“ verließen und auswanderten.“ Nun wurden auch in Radebeul aus Strategen der Bodenverbesserung und Ernteverfrühung, Ziervogel- und Rassekaninchenzüchtern erlebnishungrige Weltenbummler. In den Bestimmungen des Bundeskleingartengesetzes war die Kleintierhaltung ohnehin nicht vorgesehen, wenn sie auch per Einigungsvertrag Bestandsschutz genoss. Inzwischen gibt es keinen Kleintierzüchter mehr am Waldrand. Bis zur Kreisgebietsreform war der Verein Mitglied im Kreisverband der Kleingärtner Dresden-Land. Vor dessen Auflösung am 31. Dezember 2001 war der KGV „Am Waldrand“ bereits am 24. Oktober 2001 dem Stadtverband „Dresdner Gartenfreunde“ beigetreten.

Ein Foto aus der Anlage vom Jahr 1990 wirkt heute wie ein bissiger Kommentar: Am Drahtgitter einer Stallanlage mit Dutzenden von Boxen ist das Wahlplakat der damals siegreichen „Allianz für Deutschland“ aus CDU, DSU und DA angebracht. Neben den Stallhasen mit den Alu-Schöpfkelle als Tränke steht dort zu lesen: „Deutschland braucht Freiheit statt Sozialismus“.

Arno Köckritz auf dem Vereinsplatz, 1970er Jahre

Mehr denn je wurden nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Ordnung Lauben aufgebrochen und ausgeraubt, Pflanzen ausgegraben und Verwüstungen in den Gärten angerichtet. Eine Zeitlang sollte diesem Treiben eine nächtliche Patrouille der Gartenfreunde entgegentreten. Es konnte allerdings nie ein Täter inflagranti gestellt werden. Das Vereinsheim musste wegen Baufälligkeit 1994 geschlossen werden. Die Trinkwasserleitungen wurden bis 2000 vollständig erneuert und dabei eine winterfeste Leitung für den ganzjährigen Betrieb in das Vereinsheim gelegt. Seit dessen Wiedereröffnung im Jahr 2000 erfreut sich das Lokal großen Zuspruchs, nicht zuletzt wegen des günstigen Mittagstischs, der wochentags hier angeboten wird.

In vielen Gärten wechselten in den letzten Jahren die Pächter. So gibt es nur noch wenige Zeugen der Anfangsjahre. Viel zu wenige Fragen wurden ihnen gestellt. Wie in fast allen Anlagen wurden auch hier nach der Wende massenhaft Dokumente vernichtet.

Nachdem im Jahr 2002 die Projektionswand sowie die Bänke des Freilichtkinos abgebaut wurden, begann im Herbst 2019, unterstützt mit Fördermitteln der Sparkasse, eine grundlegende Umgestaltung des Vereinsplatzes. Einige Schilder auf den Hauptwegen erzählen inzwischen von der Vorgeschichte des Areals. Mit einem großen Vereinsfest sollte im letzten Jahr das Dreifachjubiläum der Entstehung des Waldparks (1905), der Dauerkleingartenanlage (1950) und der Gründung des Vereins (1990) begangen werden. Daraus ist aus weltweit bekannten Gründen vorerst nichts geworden. Und dennoch sind diese Tage des Abstandes und der verordneten Ruhe wiederum zu Tagen des Kleingartens geworden. Denn als im März 2020 die erste Allgemeinverfügung erlassen wurde, zählte das Aufsuchen des nahegelegenen Kleingartens ausdrücklich zu den triftigen Gründen, die zum Verlassen des Hauses berechtigten.

Wenn auch in kleinerem Rahmen als erhofft, gab es im Sommer doch noch Grund zum feiern. In der „Höhenluft I“ in Döltzschen, der schönsten Dresdner Kleingartenanlage 2019, wurde mit musikalischer Umrahmung durch das Augustin-Quartett der Dresdner Philharmonie und in Beisein des Oberbürgermeisters Dirk Hilbert der Preis für die schönste Kleingartenanlage unter dem Jahresmotto „Kreative Gärten, bunte Vielfalt“ dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Ronny Richter stellvertretend für alle Kleingärtner „Am Waldrand“ überreicht. Am landesweiten „Tag des Gartens“ am 13. Juni diesen Jahres wird das Vereinsgelände „Am Waldrand“ nun zum Schauplatz der noch zu ermittelnden schönsten Kleingartenanlage Dresdens 2021 werden.

Einladungsplakat zum Gartenfest, gestaltet von Sebastian Hennig

Aus Anlass des Wettbewerbs bescheinigte Kristian Kaiser von Dresden-Fernsehen in seinem Beitrag dem KGV „Am Waldrand“: „Eine junge und moderne Anlage möchte man hier sein, da pfeift man auch schon mal auf Konventionen, natürlich immer im recht eng gesteckten Rahmen des Bundeskleingartengesetzes.“ Das konventionelle Echo auf dieses Pfeifen war dann noch im Herbst zu vernehmen, als das Virus der Zwietracht im Verein eine kritische Inzidenzdichte erreicht hatte. Mit den Folgen ringt seit Mitte April ein neugewählter Vorstand. Soviel jedenfalls ist jetzt schon sicher: Es ist nicht die erste Krise aus der die Gemeinschaft der Waldrandgärtner gestärkt hervorgehen wird.

Sebastian Hennig

Freie Kunsthalle Radebeul


Gleich zu Beginn meiner Arbeit im Lügenmuseum wurde ich Teil eines Kunstprojektes „Labylysium“ auf den gerade fertig gestellten Burgplatz, mitten in der Innenstadt, von Leipzig. Der Radebeuler Kunstverein Kunst der Lüge e.V. hatte 33 KünstlerInnen zum Thema 30 Jahre Deutsche Einheit eingeladen, 10 Tage auf dem Platz zu wirken. Sie sollten nicht einfach Kunstwerke ausstellen oder sonst etwas aufführen. Sie waren eingeladen auf dem Burgplatz zu erscheinen und wie selbstverständlich in ihrem Atelier zu wirken. Das konnte ich nachvollziehen als Martin Hoffmann seine Bildtafeln an Zabkas Ausstellungsarchitektur befestigte und dort vier Tage lang klebte und seine Collagen entstehen ließ. Es ging also nicht darum Objekte auszustellen, sondern um den Prozess des kreativen Schaffens zu zeigen. Die PassantInnen eilten zum nächsten Termin, schauten verwundert herüber, blieben stehen, wollten weiter oder blieben doch noch länger stehen.

Dabei lernte ich, dass Kunst nicht nur künstlerisches Schaffen ist, sondern auch Lebensqualität und Bildungsarbeit bedeutet. Mein persönliches Highlight war Pastor Leumund mit seinem dadaistischen Gottesdienst und Klobürsten Weihwasser sowie seinem Rap-Hit „Aliens Welcome“. Das weckte vor allem die Aufmerksamkeit der Bauarbeiter.

Kunstaktion zum Herbst- Weinfest auf den Elbwiesen in Altkötzschenbroda

Man erreicht an öffentlichen Plätzen die verschiedensten Menschen: Senioren, Kinder, Jugendliche, sozial benachteiligte Familien und diverse ethnische Gruppen. Mit einer aktiven Teilhabe und der Möglichkeit zur Partizipation gestaltet man einen unvergesslichen, kostenfreien Kulturgenuss und stärkt zeitgleich den sozialen Zusammenhalt. Unverzichtbar in einer Zeit, wo Krisen und Unsicherheiten unsere Aufmerksamkeit aufsaugen. Die Kunst und Kultur trägt dabei eine große soziale Verantwortung und hat eine unverzichtbare sozioökonomische Bedeutung.
Nach meiner prägenden Erfahrung in Leipzig war ich dann im Lügenmuseum beschäftigt, welches mit Beschränkungen konfrontiert war. Geplante Veranstaltungen konnten nicht stattfinden, Projekte und Einnahmen fielen aus. Nun sammelte ich neue Erfahrungen im Umgang mit Krisen und wie Probleme gemanagt werden. Wir eröffneten eine Fassadengalerie, welche man sich von der Straße aus 24 Stunden anschauen kann. Ein haptisches Kulturangebot ist unsere „Museum To Go Box“, welche einfach zu bestellen ist. Zuhause kann man dann ein individuelles Museumserlebnis entpacken und sich mit einer Freikarte auf die Zukunft freuen. Unser nächstes geplantes Kulturereignis ist die Freie Kunsthalle mitten im Dorf Serkowitz – Umsonst und Draußen. Das Dorf ist 700 Jahre alt mit einem historischen Dorfkern und wurde vor über 80 Jahren in Radebeul eingemeindet. Dafür lädt der Radebeuler Kunstverein Kunst der Lüge e.V, KünstlerInnen ein auf den Höfen ihr Atelier einzurichten und an den Zäunen und in den Gärten auszustellen.

Was bedeutet nun aber eine Kunsthalle? Eine Kunsthalle leisten sich größere Städte, die etwas auf die Kultur setzen. Plant die Stadt Radebeul als Stadt der Bildenden Künste einen Neubau? Nein!

Der Radebeuler Kunstverein geht ganz andere Wege. Er erklärt einfach das Dorf als Kunsthalle. Klimaneutral wird auf den Neubau einer Radebeuler Kunsthalle verzichtet. Das Dorf wird zum Ausstellungsort, die BesucherInnen wandeln über den Dorfanger und erleben die Kunst im wirklichen Leben eines Dorfes.

Nach den langen Wintermonaten werden die KünstlerInnen mit ihrem kreativen Schaffen ihre Ateliers verlassen. Sie ziehen in das Dorf, machen ihr Wirken sichtbar und praktizieren öffentliches Leben. Die EinwohnerInnen und PassantInnen können den Akteuren über die Schulter schauen oder auch fragen, ob sie mitmachen können. Die Kunsthalle wird von Juni bis September stetig wachsen und sich von der Friedensstraße bis nach Dresden ziehen.

Da war ich dabei, als Jule und Reinhard die 20 Höfe des alten Dorfkerns befragten. Alle Höfe sagten zu, das war eine großer Erfolg. So zogen wir weiter und fragten die AnwohnerInnen der Friedensstrasse und fanden auch dort Mitwirkende und dann zogen wir in die andere Richtung bis nach Dresden mit positiver Resonanz. Viele erinnerten sich an die erfolgreiche 700 Jahr Feier 2014 welche Wolf Gööck und Reinhard Zabka initiiert und geschmissen haben.

Zur Freien Kunsthalle kommen viele Radebeuler KünstlerInnen , wie Andre Uhlig, Klaus Liebscher oder Sopie Cau.
Gefördert wird die Freie Kunsthalle von Fonds Soziokultur, der Stadt Radebeul und dem Landkreis Meißen. Die Eigenmittel für dieses Projekt werden mit einer Crowdfunding Aktion eingeworben.

Zur Unterstützung entwickelten wir die „Klima – Museum To Go Box“.

Was ist an der Klimabox so besonders? Die Klimabox ist eine limitierte Edition und ein künstlerisches Sammlerstück. Damit kann man erfahren, wie das Museum Ressourcen freundlich und ökologisch arbeitet. Zudem fordert die Klimabox heraus, sich mit der Thematik auseinander zu setzen, über das Konsumverhalten nachzudenken und das eigene Handeln anzupassen. Eine klimaneutrale Gesellschaft ist kein abstraktes Ziel. Das Thema Sparsamkeit, Eindämmung des Konsumverhaltens geht einher mit der Freien Kunsthalle und dem Lügenmuseum.

Stützpunkt für die Freie Kunsthalle bietet das Lügenmuseum im historischen Gasthof Serkowitz, ein lebendiges Kulturzentrum, ein beliebtes Ausflugsziel welches weit über Sachsen hinaus strahlt, aber dann auch wieder zurück.
Theresa Dietrich

Die „Klima – Museum To Go Box“ erhält man für eine Spende unter: www.startnext.com/freiekunsthalle.

200 Jahre Freischütz. Deutsche Nationaloper oder romantische Gruselstory?

Als ich 1978 als Lehrerin für Physik und Mathematik an einer Polytechnischen Oberschule in Coswig gefragt wurde, ob ich nicht noch für Musikunterricht einspringen könnte, dachte ich mir: Warum nicht? Ich sang gern und drei Jahre Klavierstunde konnte ich auch aufweisen. Richtige Musiklehrerinnen und Musiklehrer mögen den Kopf schütteln, aber mir meine Naivität verzeihen. Die Direktion freute sich über meine Zusage sehr. Also hinein ins Abenteuer! Die Klassen 8 und 10 durfte ich „beglücken“. Der Lehrplan sah vor, dass in der 8. Klasse in einer Unterrichtseinheit von 4 Stunden anhand der Deutschen Nationaloper „Der Freischütz“ die Kinder in die Welt der Oper eingeführt werden.

Jane Taubert, Vertreterin des Intendanten der Landesbühnen Sachsen GmbH, Dr. Romy Donath, Leiterin des Carl-Maria-vonWeber-Museums, Christina Ludwig, Leiterin des Stadtmuseums Dresden und Ulrike Hantsche, Vereinsvorsitzende des Fördervereins Seifersdorfer Schloss e.V.

In der Unterrichtshilfe fand ich unter der Überschrift „ C.M.v.Weber als Vorkämpfer einer nationalen Opernkunst“, fand ich gleich unter „Hinweisen zur Ziel- und Aufgabenstellung:

…Wichtigstes Ziel der Opernbehandlung ist das Bewusstmachen der Wechselbeziehungen von Komponist und Gesellschaft und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Funktion der Oper.

In dieser Hinsicht ist das emotionale Erlebnis vor allem durch historisch-biographische und musikdramaturgische Kenntnisse zu fundieren. Aus der dramaturgischen Konzeption sollen die Schüler erkennen, dass die historisch-konkrete Zielsetzung der Oper „Der Freischütz“ im Kampf gegen Aberglauben und erstarrte Lebensformen besteht. Carl Maria von Weber ist als entscheidender Bahnbrecher einer nationalen deutschen Opernkunst zu würdigen.“

Für die 1. Stunde galt: „Die Einführung in die Opernhandlung und das Bewusstmachen der dramaturgischen Konzeption hat schwerpunktmäßig die Volksverbundenheit und die in der Oper enthaltene Gesellschaftskritik herauszuarbeiten.“
Ob mir das so gelungen ist? Auf alle Fälle fanden die Musikbeispiele bei den Kindern großen Anklang.

Heute könnte man spaßeshalber fragen, ob die Landesbühnen Sachsen damals diese . Hinweise auch in ihren Inszenierungen des „Freischütz“ beachtet haben. Das Stück hat in den Landesbühnen eine lange Tradition. Nach dem Umzug von Dresden Gittersee nach Radebeul feierte die damalige Landesoper Dresden mit diesem Werk am 20. September 1950 ihre erste Premiere. Nachdem Anfang 1956 aus der Landesoper die Landesbühnen Sachsen geworden waren, ringen seit Sommer 1956 Max und Kaspar alljährlich auf der Felsenbühne Rathen um die Hand Agathes.

Und was ist nun zum 200jährigen Jubiläum des „Freischütz‘ “ geplant?

Petra Grubitzsch, langjährige Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit der Landesbühnen Sachsen GmbH, leitete der Redaktion von „Vorschau und Rückblick“ eine Einladung der Museen der Stadt Dresden weiter. Geladen war zum Pressegespräch in das Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden Hosterwitz. Im Garten des Museums informierten Richard Stratenschulte, Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Städtischen Museen Dresden, Jane Taubert, Vertreterin des Intendanten der Landesbühnen Sachsen GmbH, Dr. Romy Donath, Leiterin des Carl-Maria-von-Weber-Museums, Christina Ludwig, Leiterin des Stadtmuseums Dresden und Ulrike Hantsche, Vereinsvorsitzende des Fördervereins Seifersdorfer Schloss e.V., über die geplanten Aktivitäten der drei Einrichtungen für 2021.

Das Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden nimmt das Jubiläum zum Anlass, um gemeinsam mit den Landesbühnen Sachsen Radebeul und dem Schloss Seifersdorf dieses Ereignis mit Veranstaltungen und einer Ausstellung zu würdigen. Dabei sollen die Entstehung des Werkes, aber auch dessen Rezeption während der Zeit des Nationalsozialismus und in der DDR beleuchtet werden.

In der Ausstellung wird auch auf die Uraufführung am 18. Juni 1821 im Berliner Schauspielhaus eingegangen. Zu verdanken war diese dem Enkel des sächsischen Premierministers Heinrich Graf von Brühl, Carl von Brühl, der in Seifersdorf bei Radeberg die Konzeption zur Oper mit Carl Maria von Weber besprach und die Oper im Auftrag gab. In Hosterwitz, im heutigen Carl-Maria-von-Weber-Museum, traf sich der Komponist wiederum mit dem Librettisten Friedrich Kind. Hier ersannen sie auch einen positiven Ausgang für den ursprünglich tragisch endenden Sagenstoff.

Anfang des 19. Jahrhunderts löste die „Jägeroper“ mit gegossenen Freikugeln, einer tiefenpsychologisch interessanten Liebesgeschichte, religiös mythologischen Anklängen und volkstümlichen Melodien Begeisterungsstürme aus und inspirierte beispielsweise Richard Wagner zu seiner Komponistenlaufbahn. Für die Stadt Dresden hat das Bühnenwerk noch eine besondere Bedeutung. Diese Oper war die letzte, die in der Semperoper vor ihrer Zerstörung erklang, und 1985 wurde die wieder aufgebaute Semperoper auch mit diesem Werk eröffnet.

Für die Landesbühnen Sachsen bedeutet die Kooperation konzertante Aufführungen der Oper „Der Freischütz“

im Garten des Carl-Maria-von-Weber-Museums am
20.6.21, 17 Uhr, 26.6.21, 20 Uhr und 11.9.21, 17 Uhr,
im Schloss Seifersdorf am
6. Juni und 12. September 17.Uhr und
zu den Meißner Burgfestpielen am
18.Juni 21, 20.30 Uhr.

(Alle Termine sind natürlich unter Vorbehalt der Covid-19 Entwicklung)

Die Ausstellung im Carl-Maria-von-Weber Museum in Kooperation mit den Landesbühnen Sachsen ist geplant vom 28.8. – 19.12.2021.

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich bei Petra Grubitzsch für die langjährige gute Zusammenarbeit. Sie wird am Ende der Spielzeit in den Ruhestand gehen, was auch immer dies für sie bedeuten mag. Wir hoffen weiterhin auf vielseitige Kontakte mit „Vorschau & Rückblick“.

Ilona Rau

Bärbel Kuntsche – „Den Kasper entdecken“

Sonderausstellung in der Karrasburg Coswig

Die Künstlerin Bärbel Kuntsche wurde 1939 in Weißenborn/Erzgebirge geboren.
In Meißen erlernte sie den Beruf einer Kunst-Porzellanmalerin und absolvierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden ein Studium der Malerei und Grafik. Seit 1976 lebt sie mit ihrem Mann, dem Bildhauer Wolf-Eike Kuntsche in Radebeul. Für ihr künstlerisches Wirken wurde Bärbel Kuntsche im Jahr 2005 mit dem Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul geehrt.

Das erste Kasperiade-Plakat für den neuen Veranstaltungsort in Altkötzschenbroda

Auf die Radebeuler Malerin und Grafikerin Bärbel Kuntsche (V&R 1999/12) war die Leiterin des Coswiger Stadtmuseums im Jahr 2020 durch die Titelbildserie des Monatsheftes „Vorschau und Rückblick“ aufmerksam geworden. Zeigen wollte man ursprünglich Bilder und Grafiken mit Landschaftsmotiven. Doch recht schnell wurde der Plan wieder verworfen. Stattdessen erfüllte sich für die Künstlerin ein langgehegter Wunsch.

In der aktuellen Sonderausstellung „Den Kasper entdecken“ ist nun ein kleiner Teilbereich ihres vielfältigen Schaffens zu sehen, welcher bisher mehr oder weniger im Verborgenen geschlummert hatte. Präsentiert werden nicht nur die gedruckten Plakate und Programmflyer, welche von 2004 bis 2012 im Zusammenhang mit der Radebeuler Kasperiade entstanden sind. Ausgestellt werden auch zahlreiche mit Bleistift und Tusche gezeichnete Studienblätter sowie grafische (zum Teil colorierte) Entwürfe, welche Einblick geben in den künstlerischen Arbeitsprozess von den ersten Ideen über verschiedene Variationen bis zu den fertigen Druckerzeugnissen. Einige Kasper-Handspielfiguren aus Privatbesitz ergänzen die Coswiger Exposition, darunter der klassische Hohnsteiner Kasper sowie ein künstlerisches Unikat, geschaffen vom legendären Gottfried Reinhardt (1935-2013), der sich sowohl als Puppengestalter, Stückeschreiber, Puppenspieler und Maler in der sächsischen Künstlerszene einen Namen gemacht hatte (V&R  2013/08).

Die „Kasperiade“ ist zugleich auch Programm. Sie steht für Anspruch und Vielfalt der Figurentheaterkunst. In Altkötzschenbroda konnte man nicht nur das traditionelle Handpuppenspiel erleben. Geboten wurden darüber hinaus vielfältige Darbietungsformen vom Marionettentheater über Schattenspiel und Erzähltheater bis zum Spiel mit Großfiguren, bereichert durch ein umfangreiches Rahmenprogramm.

Vignetten für verschiedene Druckerzeugnisse der Radebeuler Kasperiade

Einstmals vom Kreiskabinett für Kulturarbeit ins Leben gerufen, wanderte die „Radebeuler Kasperiade“ quer durch die Lößnitzstadt. Gestartet 1987 auf der Hauptstraße in Radebeul-Ost, zog das Puppenspielfest bereits 1989 nach Zitzschewig in das Domizil der Puppentheatersammlung im „Hohenhaus“, landete schließlich 2004 nach einjähriger Pause in Altkötzschenbroda, um überraschender Weise 2013 nach Radebeul-Ost zurückzukehren.

Für neun Kasperiaden entwarf Bärbel Kuntsche zehn Plakate. Wieso zehn? Wer genau hinschaut, erkennt für das Jahr 2012 den bittersüßen Doppelsinn. Einerseits hatte die Künstlerin das Jubiläumsplakat für die 25. Radebeuler Kasperiade gestaltet, andererseits schuf sie zum Abschied ein zusätzliches Erinnerungsplakat an die schöne Zeit in Altkötzschenbroda. Und der Nachkriegsschlager „Verzeih’n Sie, mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?“ regte natürlich an zu einer Parodie. Denn diesmal fuhr der Zug in eine andere Richtung, zurück an den Ausgangsort der Kasperiade, angeschoben von einer Gruppe emsig beflissener Zwerge. Derweil die heile Märchenwelt hinterm Vorhang zusammenbrach. Doch auf die 25. Kasperiade folgten weitere Kasperiaden. Wie heißt es schließlich am Ende vieler Geschichten: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute ( V&R 2011/08, V&R 2012/07).

Die Kasperiade-Plakate wurden zu begehrten Sammelobjekten und schmücken so manches Kinderzimmer in Radebeul und Umgebung. Restbestände sind, solange der Vorrat reicht, alljährlich auf dem Radebeuler Grafikmarkt erhältlich. Eine Nachauflage der farbenfrohen DIN-A-2-Plakate wäre eine Überlegung wert.

Die Zusammenarbeit der Künstlerin mit der Radebeuler Stadtgalerie erstreckte sich nicht nur über die Zeit der Kasperiade in Altkötzschenbroda. Diese produktive Verbindung währte über eine Periode von mehr als drei Jahrzehnten. Als Malerin und Grafikerin war Bärbel Kuntsche bereits 1985 am alten und 1999 am neuen Galeriestandort mit Personalausstellungen vertreten. Auch hatte sie sich seit 1984 in loser Folge an zahlreichen Gemeinschaftsprojekten beteiligt.

Im Jahre 2000 wurde ihr erstmals die illustrative Ausgestaltung eines Druckerzeugnisses übertragen. Gemeint ist das Faltblatt für die „Radebeuler Begegnungen“ (Veranstaltungsreihe bis 2018). Darauf aufbauend folgte eine intensive Zusammenarbeit mit den Veranstaltern der „Kasperiade“: Stadtgalerie Radebeul, Evangelisches Kinderhaus, Familienzentrum und Landesverband Amateurtheater Sachsen.

Dabei spielte für Bärbel Kuntsche das Honorar eine untergeordnete Rolle. Ausschlaggebend war, ob sie ein Auftrag inhaltlich interessierte. Die Kasperiade war ihr besonders ans Herz gewachsen. Die Leidenschaft für das Metier des Figurentheaters in all seinen Facetten, hat sie sich von Kindertagen an bis heute bewahrt.

Bärbel Kuntsche kann sich noch gut daran erinnern, wie die Puppenspieler einstmals über Land zogen und im Dorfgasthof ihre Stücke aufführten. Der Kasper spielte darin die Hauptrolle und sorgte dafür, dass alles im Guten endet. Seine Späße waren mitunter recht derb. Um die „pädagogische“ Wirkung zu verstärken, wurde nicht zuletzt zum großen Vergnügen des Publikums mit der Kasperklatsche nachgeholfen.

Das all die Jahre wiederkehrende Motiv auf den Kasperiade-Eintrittskarten

Der besondere Verdienst von Bärbel Kuntsche besteht u. a. darin, für die „Radebeuler Kasperiade“ einen ganz eigenen fröhlichen Kasper als Symbolfigur entwickelt zu haben, der dieses Fest neun Jahre lang gemeinsam mit vielen altbekannten Märchenfiguren begleitet hat. Während Rotkäppchen, das tapfere Schneiderlein oder der böse Wolf und die sieben Geißlein die Szene dominierten, wurde das kleine vorwitzige Kerlchen meist erst auf den zweiten Blick sichtbar. Im Unterschied zu seinen Vorgängern trug der Kasper eine Kappe mit drei Zipfeln, die heiter und beschwingt mal in diese, mal in jene Richtung wippten. Dem schelmischen Überlebenskünstler konnten weder System- noch Ortswechsel die Laune verderben. Und auf die Kasperklatsche hat er verständlicherweise ganz verzichtet.
Wenngleich er seine Gestalt auch oftmals verändert hat, liebt ihn das Publikum bis heute und entdeckt den Kasper immer wieder neu. Bleibt zu hoffen, dass diese heitere Ausstellung schon bald für die kleinen und großen Besucher ihre Pforte öffnen kann. Wann und in welcher Form die nächste Kasperiade stattfinden wird, erfährt man im Kulturamt der Stadt Radebeul.

Karin (Gerhardt) Baum
(s. a. Beiträge in V&R 1999/12, 2011/08, 2012/07, 2013/08)

“Zwischen den Well(lt)en” – ein Projekt der Stadtgalerie Radebeul bis zum 13. Juni 2021


Wo befinden wir uns – räumlich und seelisch? Zwischen Wellen, zwischen Welten, in Zwischenwelten? Mit dem Körper wohl eher in der Umgebung, auf Spaziergängen. Immerhin – die Heimat wird neu oder wiederentdeckt und die Begrifflichkeiten bekommen wiederum ihren ursprünglichen Sinn. Wälder, Wiesen, blühende Gärten sind deshalb durchaus Thema.
Ursprünglich startete unser Frühlingsprojekt 2021 im Februar mit dem Arbeitstitel „Radebeul im Aufbruch“. Deshalb wurde die traditionelle multimediale Sommerausstellung vorverlegt. Thomas Gerlach schlug als Titel sogar „Vom Eise befreit“ vor, denn „das Eis, welches uns im Winter umgab, meinte nicht nur den unerwartet wieder mal plötzlich über uns hereingebrochenen Winter, sondern auch die Kälte der Vereinzelung usw.“. Die Fotografie einer zerspringenden Eisplatte von Luc Saalfeld aus Dresden verdeutlicht in der Ausstellung noch genau dieses Ansinnen.

Der Frühling mit seinem vielfältigen Zauber, der sich auf das Lebensgefühl der Menschen überträgt und das Virus eindämmen sollte, hätte Thema dieser Ausstellung sein können und als Eröffnungstermin wurde der 30. April gewählt, denn der April hat seinen Namen vom lateinischen Begriff „aperire“, das bedeutet „öffnen“. Im April öffnen sich nicht nur viele Knospen, sondern alle hofften auch auf geöffnete Galerien und Museen.

Die Ausstellung mit 56 Künstlerinnen und Künstlern präsentiert Malerei, Grafik, Fotografie, Karikatur, Plastik und Objekt. Es sind, wie gewohnt, viele bekannte Namen aus Radebeul und der weiteren Umgebung dabei, aber auch neue, wie z.B. Dirk Adams, der mit seine Video-Projekt „Heimat“ im Dresdner Zwinger letztes Jahr deutschlandweit Aufmerksamkeit erfuhr. Gewohnt, bedeutet jedoch nicht gewöhnlich oder belanglos. Denn die Entwicklung der Künstlerinnen und Künstler über viele Jahre hinweg, eben zu sehen auf den Gemeinschaftsprojekten, ist durchaus bemerkenswert und lohnt die Besichtigung.

Bei der Vielfalt der Handschriften und der sehr unterschiedlichen Herangehensweise an das Thema, war es in diesem Jahr besonders schwierig, eine stimmige Ausstellung zusammenzustellen und Brüche waren unvermeidlich. Bewusst begrenzt sie sich nicht auf benannte Wellen. Es geht ebenso um die Vielfalt der inneren Welten, denn da die äußere momentan nur sehr eingeschränkt erlebbar ist, ist sie es dafür aber vielleicht umso intensiver. Einige Arbeiten beschäftigen sich unmittelbar mit dem Thema des Lockdowns. Zu Enrico Scottas scheinbar endlosen „Viralen Spirale“ – man deshalb muss den Kopf heben. Andere zeigen eher Seelenzustände („Corona-Schrei“ von Gerold Schwenke). Die nächsten befinden sich bereits im Aufbruch in eine Nach-Corona-Zeit – ganz im Sinne des geplanten Frühlingsprojektes. Burghardt Schade begrüßt in der Galerie mit bekannten Gesichtern in einer Fotocollage den Besucher, der Besucherin mit einer, wie passend, „Geschlossenen Gesellschaft“, während die „Pandemie-Querdenker“ von Christian Uri Weber den Weg nach oben begleiten. Wasserwellen spielen in der Tat eine Rolle, zum Teil aus einer Zeit, in der das Reisen noch oder gerade wieder möglich war – zwischen Wellen anderer Art, wie für Anita Voigt in der Bretagne oder Gabriele Seitz. Dazu gehören Schiffe als Transportmittel für Sehnsüchte, statisch, wie bei Gabriele Reinemer, träumerisch wie bei Friederike Aust oder schwer in den Wellen wie bei Roland Gräfe. Bemerkenswerter Weise ist nur ein Selbstporträt dabei, denn es ist ja die Form der Selbstauskunft in schwierigen oder glücklichen Zeiten. Markus Retzlaff zeigt sich rauchend und in jeder Hinsicht in sich gekehrt.

Zu den mit Sehnsucht Suchenden gehören die Träumer. Sie zeigen sich in Arbeiten von Michael Hofmann und Peter Graf sowie ironisch auf die Spitze im Objekt „Gesänge eines toten Träumers“ von Stefan Voigt. Der „Wunschautomat“ von Matthias Kistmacher gehört wohl auch in diese Kategorie.

„Zwischen den Well(lt)en“ ist keine Bestands-, sondern nur die Momentaufnahme einer schwierigen Zeit, sowie der Artikel auch nur einen Blick auf die Vielfalt der Ausstellung werfen kann. Ein virtueller Rundgang mit den Werken aller beteiligter Künstlerinnen und Künstler von ……….. (bitte ergänzen) ist auf der Homepage der Stadt Radebeul zu besichtigen.

Willkommen in den Welten der Künstlerinnen und Künstler – wenn es denn die Wellen erlauben.

Ausstellung bis zum 13. Juni, Finissage mit Künstlerfest, begleitet von den „Elbhangzombies“., am 12. Juni ab 19.30 Uhr.

Zu den aktuellen Besuchsmöglichkeiten finden sich Informationen auf www.radebeul.de/stadtgalerie.

Editorial

Editorial Juni 2021

Für Kenner ist das Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg, der Rüdenhof, seit seiner Eröffnung vor über 25 Jahren ein kulturelles Kleinod am Rande Dresdens. Dort verbrachte die Künstlerin das letzte Jahr ihres Lebens, bevor sie 1945 kurz vor Ende des 2. Weltkriegs verstarb. Es ist der letzte Ort an dem sich ihrer Persönlichkeit noch authentisch erfahren lässt. Die hier verwahrte Sammlung gibt Einblick in das mehr als 50-jährige Schaffen der Grafikerin, Malerin und Bildhauerin, die zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts zählt. Als stilbildend gelten ihre schonungslosen Lithografien, Radierungen, Kupferstichen, Holzschnitten und Plastiken, die von ihren persönlichen Lebensumständen und Erfahrungen geprägt sind.
Der Fortbestand des Hauses, das in all den Jahren in zahlreichen Ausstellungen auch anderen Künstlern eine Plattform bot, geriet vor über einem halben Jahr in Gefahr.
Die Hintergründe mögen vielgestaltig sein. Die Gedenkstätte sei zur Förderung durch den Kulturraum zu klein, zur Finanzierung der Gemeinde Moritzburg zu groß. Aufgrund von Änderungen der Förderkriterien durch den Kulturraum wurden die ohnehin nicht üppigen Mittel nun gar um zwei Drittel gekürzt. Nicht zuletzt mögen politisch intendierte Motive eine Rolle spielen.
In der ersten Jahreshälfte gab es ein breites mediales Echo, welches große Aufmerksamkeit hervorrief. Eine Petition zeichnete großen Zuspruch aus allen Teilen des Landes. Von der Landesregierung folgten daraufhin hoffnungsvolle Signale! Die Kuh ist – langfristig – aber noch längst nicht vom Eis.
Unterstützen auch Sie den Erhalt des Hauses mit einer Spende oder/ und einem Besuch, sofern dies wieder möglich ist.

Sascha Graedtke

 

Ein Traum vom Künstlerhaus auf dem Land

Historische Postkarte, Gasthof Serkowitz 1901 Foto: Archiv Lügenmuseum

Als ich aus meinem kleinen Dörfchen Görzig bei Großenhain in die Stadt gezogen bin, war ich sehr gespannt auf neue Eindrücke und Erfahrungen, denn als junger Mensch hat man das Dorf dann erstmal satt. Gleichzeitig ist die Infrastruktur in vielen sehr ländlichen Regionen in Ostdeutschland nach wie vor geprägt von Leerstand, Abwanderung und fehlenden Ärzten.
Zu meinem 18. Geburtstag zog ich gespannt nach Dresden. Heute lebe ich in der Neustadt.
Alles ist bunt, es gibt kulinarische Köstlichkeiten an jeder Ecke und man fühlt sich wohl in der Anonymität des Viertels. Hier gibt es Ateliers, Ausstellungen, moderne Kunst und viele Partys. Die verschiedensten Menschen treffen sich und kommen zusammen. Nur die Natur und die Ruhe kommen zu kurz. Warum kann man sowas eigentlich nicht auf dem Land etablieren? Eine kulturelle Begegnungsstätte für Freigeistern, ein Ort der Künstler Möglichkeiten gibt sich auszuprobieren und sie dabei unterstützt.
Seit November 2020 arbeite ich im Lügenmuseum, welches sich im alten Ortsteil Serkowitz in Radebeul befindet. Da gibt es nämlich einen alten Gasthof, welcher mich an unser altes Haus erinnert. Es ist ein altes denkmalgeschütztes Gebäude mit einem großen historischen Tanzsaal.
Er ist einer der ältesten Gasthöfe in Sachsen und befindet sich direkt am Elberadweg. Ein guter angebundener Ort für eine Kulturstätte.
2010 stand der alte Gasthof Serkowitz leer. Noch ein weiterer Leerstand im Osten? Nein! Denn hier wurde das alte Gemäuer von Künstlern belebt. Es zog ein Museum ein, ein Treffpunkt, ein Ort mit farbigem Charme. Es zog lokale, überregionale und internationale Besucherinnen an . Hinsichtlich der Alters-, Sozial- und Bildungskomponenten ist das Publikum sehr heterogen. Es lockt unter anderem Großeltern mit ihren Enkeln, Tagestouristen aus dem Erzgebirge und aus Brandenburg sowie Schulklassen und Studenten an.
Dahinter steht ein gemeinnütziger Verein der Kunst der Lüge e.V. dessen Ziel es ist eine kulturelle Begegnungsstätte zu entwickeln. Das Lügenmuseum funktioniert, die Projekte im öffentlichen Raum auch. Da kann man nur an das Labyrinth zum Weinfest erinnern. Darüber könnte ein Künstlerhaus existieren, so wie es in großen Städten zu finden ist. Doch wie kann das gehen, wie soll das realisiert werden?
Eine Möglichkeit wäre eine Bürgerstiftung von Radebeulern um die Immobile für die Kultur zu erhalten. Ideal wäre ein Mäzen, der die Zukunft des Kulturzentrums sichert. Es gibt das Nürnberger Mietshaussyndikat aber, die sind eher für Gemeinschaften, es gibt die Bodenstiftung, die Grundstücke im Stadtraum vor der Spekulation bewahren möchte. Die Stadträte sollten mal das Museum in Basel am Rhein ansehen, welches die Stadt dem Künstler Jean Tinguely gebaut hat. Der war ein Bürgerschreck und Provokant, der die Besucher in den Museen erschreckt hat. Heute ist dieses Museum ein Besuchermagnet. Auch das Museum von Salvador Dali in Figueras, welches der Bürgermeister mit dem Künstler aus dem Theater umfunktioniert hat wäre ein gutes Beispiel. Es liegt in der spanischen Provinz, und ist doch das Museum mit den meisten Besuchern im Land. Aus meiner Perspektive hat das Lügenmuseum auch solch ein Potential. Claudia Muntschik von „Kreatives Sachsen“ berät den Verein und hat vorgeschlagen ein Betreibermodell zu entwickeln. Es gäbe auch die Möglichkeit mit einem geeigneten Architekten nur das notwendigste zu reparieren. Fördermöglichkeiten gibt es, wenn die Perspektive geklärt wäre. Die Meißner Jugendbauhütte könnte die Sanierung des Gebäudes als Modellprojekt begleiten.

Lügenmuseum Serkowitz, Projektion: Claudia Reh Foto: Archiv Lügenmuseum

Die Künstler haben hier jedenfalls aus einer toten Ruine einen lebendigen Kulturtempel geschaffen und darüber würde ich mich gern mal mit den Stadträten unterhalten. Ein magischer Treffpunkt mitten im Dorf, in der Kulturstadt Radebeul im Elbtal mit zeitgenössischer Kunst und neuen Ideen. Radebeul aus Kulturstadt würde ein Künstlerhaus gut zu Gesicht stehen.
Die Skepsis ist bei vielen Menschen anfangs groß. Auch meine Eltern konnten sich nichts unter dem Lügenmuseum vorstellen und reagierten erst einmal ablehnend. Doch, nachdem sie bemerkten, wie viel Arbeit in dem Museum steckt wurden meine Eltern zu Fans und Unterstützern. Es sind die Gespräche und die Auseinandersetzungen, die eine wichtige Rolle spielen, um Vorurteile abzubauen.
Der Gasthof funktioniert als kulturelles Zentrum, als Museum. Das Künstlerhaus könnte ein weiterer Baustein sein, um eine Perspektive für den Gasthof zu entwickeln. Künstlerförderung und ein Atelier würden das Angebot abrunden: ein Stipendium für einen speziellen Künstler, so etwas wie der Stadtschreiber für Dresden, Werk- und Arbeitsstätten, eine Form der Künstlerförderung wäre gut für Radebeul.
Das Künstlerhaus würde ein neues Highlight für ein freies künstlerisches Schaffen in einem verantwortungsvollen, gemeinschaftlichen und solidarischen Umfeld sein. Diversität, Toleranz und Gleichberechtigung prägen unser Verständnis von freier Kunst und Gesellschaft. Hiermit schlage ich vor, den Stadtrat und Interessenten durch das Haus zu führen und das Potential und die Zukunftstauglichkeit auszuloten.

-Theresa Dietrich (Bundefreiwillige)
Bild 1: Historisches Postkarte, Gasthof Serkowitz 1901, Archiv Lügenmuseum
Bild 2: Lügenmuseum Serkowitz, Projektion: Claudia Reh, Foto: André Wirsig

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Bauernhäuser in Radebeul Mai 2021

Altnaundorf Ostseite

Zu den älteren Dörfern Altkötzschenbroda und Altzitzschewig sorbischen Ursprungs kam 1144 „das neue Dorf – Naundorf“, eine deutsche Gründung, hinzu. Über die Jahrhunderte ist das neue Dorf auch älter geworden und hat später die Vorsilbe „Alt“ dazu bekommen, also Altnaundorf.
Dieses Dorf hat eine deutlich ablesbare Struktur eines ovalen Rundlings, oder auch als Straßenangerdorf bezeichnet, mit zumeist Dreiseithöfen. Dadurch ist auf der Ostseite eine deutliche Reihung von giebelständigen, bäuerlichen Wohnhäusern, den größeren Bauernhäuser im Wechsel mit den kleineren Auszugshäusern zu erkennen. Dieses geschlossene Dorfbild mit einer gewissen Enge der Häuser ist in der Form selten geworden. Auf der einen Seite drückt es einen Zusammenhalt der früheren Dorfgemeinschaft aus; auf der anderen Seite bestand durch diese Enge sowie den früher üblichen Strohdächern aber auch die Gefahr, dass im Dorf Brände, ja oft auch Großbrände, entstehen konnten.
Da hier noch der früher übliche Dorfteich (u.a. zur Brandbekämpfung) vorhanden ist, war es für den Fotografen eine prima Möglichkeit, die Spiegelung der Häuser einzufangen.

Dietrich Lohse

Mit Bernhard Theilmann poetisch durch das Jahr

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