Editorial – August 2014

Redaktionelle Gedanken im Radebeuler Sommerloch

Geschätzte Leserinnen und Leser von „Vorschau & Rückblick“!
Als Redakteur frage ich mich zuweilen, welche Menschen an unseren Auslagestellen Monat für Monat nach der „Vorschau“ greifen. Immerhin können wir uns nicht beklagen, dass ein zu geringes Interesse bestünde. Im Gegenteil, nicht selten stehen bereits vor Monatsmitte lesehungrige Kulturfreunde trübsinnig vor leeren Regalen. Mein eingangs formuliertes rethorisches Fragezeichen ist nach unseren langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen natürlich leicht beantwortet: Im Gros rekrutiert sich unsere Leserschaft aus einer Generation, die ihre Lebensmitte meist deutlich überschritten hat. Damit gehen nicht selten gut situierte Verhältnisse einher, die fürderhin auch gegenüber kulturellen Angeboten nicht abhold sind. (Der Griff in die „Kiste absterbender deutscher Worte“ sei mir an dieser Stelle erlaubt.)
Wie Sie unserem Inhaltsverzeichnis entnehmen können, ist das allmonatliche „Füllen“ des Heftes nur durch die Zuarbeit einiger treuer Mitglieder des Redaktionskollegiums, teils mehrfach, gesichert. Kaum denkbar, dass hier eine Lücke reißt! Ganze Rubriken, wie Denkmalpflege, Theaterkritik, Ausstellungsbesprechungen wären akut gefährdet! Daher ist mittel- und langfristig ein behutsamer Generationenwechsel angezeigt.
Daher meine Bitte an unsere langjährigen Begleiter: Machen sie ihren Kindern, Enkeln Mut sich mit eigenen Texten und Gedanken bei uns zu Wort zu melden. Unsere bisherigen Themen mögen für sie bisher vielleicht uncool sein. Dann sollen sie doch mal einen coolen, geilen Beitrag senden. Wieso virtuell bei Facebook und nicht hier in ehernen Lettern? Diese halten länger, wetten?
Wie sagte der englische Staatsmann Thomas Morus einst so schön: „Tradition ist das Weiterreichen der Flamme, und nicht die Anbetung der Asche.“

Sascha Graedtke

Das wechselnde Niveau einer Straße im Laufe der Zeit

Die Weinbergstraße in Oberlößnitz

Wer auf engstem Raum etwas vom Charakter der Lößnitz spüren möchte, sollte bitte die Weinbergstraße in ihrer vollen Länge abschreiten, gleichgültig, ob von oben nach unten oder umgekehrt. Ich sage bewusst Schreiten, nicht Fahren (obwohl das bei vorgeschriebenen 30 km/h auch möglich ist), man nimmt nach allen Seiten viel mehr wahr.
Bis 1904 hieß die heutige Weinbergstraße Obergasse und war ein Verbindungsweg am Fuß des Steilhanges zwischen einzelnen, verstreut liegenden Winzerhäusern und Weingütern.

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Aufmauerung am oberen Ende der Weinbergstraße

Danach hieß sie Obere Bergstraße (von Oberlößnitz, Niederlößnitz hatte auch eine) und erst ab 1935 trägt sie den heute üblichen Namen Weinbergstraße. Dieser vom Lößnitzbach an nach Osten leicht ansteigende Weg, wie ihn der Maler Moritz Retzsch gesehen und gemalt hat, war schmal und entsprach eher einem Feldweg als einer Straße, machte daher auch keinen Unterschied zwischen Fahrbahn und Fußweg. In historischer Zeit genügte das offenbar den Ansprüchen. Die Gründe dafür, dass man ab 1900 nachdachte, wie man aus dem Sandweg eine Straße machen könne, dürften sowohl mit dem Niedergang des Weinbaus nach der Reblauskatastrophe, einer beginnenden städtebaulichen Verdichtung mit neu entstandenen Wohnhäusern (Villa Jordan u.a.), dem Umbau von ehemaligen Winzerhäusern (Haus Hofmannsberg), dem Neubau gewerblich genutzter Gebäude (wie dem Bilzsanatorium) und auch der beginnenden Entwicklung des Automobilbaus zusammen hängen.
Wir können verallgemeinernd feststellen, dass bei Straßeninstandhaltung und Rekonstruktion selten das Niveau, also die messbare Höhe der Straßenoberfläche vorher und hinterher, gleich bleiben wird, meist sind es Erhöhungen im Zentimeterbereich. Aber das Niveau ändert sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte auch durch natürliche Einflüsse wie Ausschwemmungen oder Ablagerungen nach Regengüssen oder auch Ablagerungen von Humus und Schmutz, von willkürlichen Veränderungen seitens der Anlieger ganz abgesehen.
Ich weiß nicht, wie der Straßenbau der Oberen Bergstraße von 1904 endete, ob es damals schon eine Asphaltdecke gab oder erst später. Auf jeden Fall wurde an mindestens zwei Stellen der Straße der Weg deutlich aufgefüllt, also die Straße höher gelegt. Das erkennt man noch heute, wenn man genau hinschaut jeweils am Anfang und am Ende der Weinbergstraße. Es könnte sicherlich zum einen an dem Wunsch nach einem kontinuierlichen Straßengefälle und zum anderen an besseren Anbindungen einmündender Straßen gelegen haben. Am Lößnitzbach, von dem wir annehmen dürfen, dass er nach Verlassen des Lößnitzgrundes hier über die Jahre Schwemmland abgelagert hat, also im Spiegel angestiegen ist, könnte der alte Weg im Bereich der Kreuzung mit der Lößnitzgrundstraße inzwischen um etwa einen Meter tiefer gelegen haben. Dieses Problem dürfte sich mit dem Bau des Bahndammes der Schmalspurbahn 1884 noch deutlicher abgezeichnet haben.
Meine Annahme, dass der Kreuzungsbereich dieser zwei Wege im 19. Jh., bzw. noch früher, tiefer lag, möchte ich an zwei Punkten festmachen. Vor den beiden Neubauten von Weinbergstraße 1a stand hier ein bäuerliches Wohnhaus, das gegenüber dem Niveau der neuzeitlichen Straßen in einer knapp 1m tiefen Senke lag. Ich erinnere mich an dieses Haus, weil hier mein täglicher Schulweg vorbeiführte. Auch das Haus Lößnitzgrundstraße 23 liegt, was am meisten bei den EG-Fenstern auffällt, ca. 0,5m tiefer als die Straße. Der andere Punkt ist das untere Tor zur Hoflößnitz, bzw. zur Lößnitzgrundstraße 19, von dem noch die beiden Sandsteintorpfeiler mit oberem Abschluss von Platte und Kugel vorhanden sind – an Torflügel der Toranlage habe ich keine Erinnerung. Hier wunderte ich mich im Vorbeigehen schon ein paar Mal über die unausgewogenen Proportionen: für die Massigkeit der Pfeiler einschließlich Aufbau erscheint die Höhe der Pfeiler deutlich zu kurz. Das kann man mit ähnlichen Torsituationen aus dem 17. oder 18. Jh. In Radebeul vergleichen, wo die Proportionen noch stimmen, so auch das obere Tor zur Hoflößnitz, wenngleich das jünger ist. Beim unteren Tor stimmten die Proportionen so lange, wie die Straßen tiefer (ca. 1m) lagen. Die Proportionen wurden erst mit der Auffüllung von 1904, die etwa 1m betragen haben muss, verändert. Ein Beweis könnte durch eine lokale Grabung an einem der Pfeiler gefunden werden, wenn dies beantragt und genehmigt würde. Und wenn wir schon so kühn sind, man könnte doch auch über die Freilegung, Hebung und Aufstellung der Pfeiler in der richtigen Höhe nachdenken. Aber nein, in Altzella bei dem romanischen Tor in der Einfriedung hat man bisher auch darauf verzichtet, die richtige Torhöhe wieder herzustellen! Vielleicht ließen sich im Archiv tatsächlich noch Planunterlagen zur Straße von 1904 finden, die ggf. meine Theorie bestätigen würden?
Längs der Weinbergstraße erkennen wir mehrere überdachte Weinbergspforten. Die lichte Höhe dieser Pforten ist unterschiedlich, einige sind so knapp bemessen, dass man beim Durchschreiten den Kopf einziehen muss. Auch das könnte mit älteren Niveauerhöhungen der Straße bis zu einem halben Meter zusammenhängen. Gut, es heißt ja auch, dass unsere Altvorderen im Durchschnitt kleiner waren als heutige Menschen, also kann beides eine Rolle gespielt haben.
Beim ganz nahe an der Straße gelegenen Haus Barth habe ich auch den Eindruck, dass die EG-Fenster gegenüber der Straßenoberfläche ungewöhnlich tief sitzen – hier könnte die Straße einen Viertel Meter angewachsen sein. Müssen wir uns das alte Wegeniveau als eine Art „Berg- und Talbahn“ vorstellen?
Am oberen Ende der Weinbergstraße, da, wo sie in die heutige Eduard-Bilz-Straße (früher Strakenweg) einmündet, muss es auch 1904 eine Korrektur des Straßenniveaus durch Auffüllung gegeben haben. Spuren dieser Auffüllung können wir, wenn wir genau hinschauen, an der oberen Stütz- und Einfriedungsmauer des Weinbergs zur Bennostraße 41, Haus Steinbach, erkennen. Als die Obergasse noch tiefer lag, genügte hier die Höhe der alten Syenitmauer. Nach erfolgter Auffüllung war dann ein Aufmauern mit Normziegeln erforderlich, um den Weinberg, bzw. die Ernte, abzusichern und um eine Absturzsicherung für Fußgänger zu garantieren. Die Aufmauerung steigt von West nach Ost auf ca. 50m an und beträgt zwischen 0,20 bis 1,40m. Die Notwendigkeit dieser Auffüllung hängt sicherlich auch mit der besseren Anfahrt zum Bilzsanatorium zusammen – vor der Auffüllung muss der Stich zum Eingang des Sanatoriums noch wesentlich steiler gewesen sein.
Welche Niveauänderungen die Straße zwischen den Kriegen, also in den 20er oder 30er Jahren des 20. Jh., erfahren hat, ist mir nicht bekannt, wohl eher keine. Eine möglicherweise in dieser Zeit ausgeführte Schwarzdecke, war nicht sehr dauerhaft. In meiner Kindheit kann ich mich nur an Reste von Asphalt erinnern. Im Elan der ersten Jahre nach der Wende, es könnte 1994 gewesen sein, ging man daran, die Weinbergstraße mit neuem Granit-Kleinpflaster auszustatten, obwohl hier vorher kein Pflaster gelegen hatte. Das sollte den historischen Charakter der Straße unterstreichen und zu der Vielzahl von Kulturdenkmalen, beim Meinholdschen Turmhaus beginnend und aufwärts, passen. Das Geld, auch Fördermittel, endete in Höhe von Haus Lorenz; über eine Weiterführung des Granitbelags wurde zwar im Rathaus immer mal gesprochen, aber es kam bisher nicht dazu. Bei der vorläufig letzten Sanierung versuchte man sich an das vorgefundene Niveau zu halten. Der Verzicht auf einen gesonderten Fußweg war wegen der geringen Straßenbreite beabsichtigt. Ich erinnere mich, dass ich damals mit den Steinesetzern, die traditionell und gut arbeiteten, etwas fachsimpeln wollte, allein es scheiterte an der Sprache, denn sie kamen aus Tschechien oder der Slowakei. Sie haben sicherlich an meiner Gestik erkannt, dass ich ihre Arbeit zu schätzen wusste. Vielleicht erlebe ich ja noch die Fertigstellung der Pflasterung der Weinbergstraße, das wäre schön.

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Unteres Tor zur Hoflößnitz

Ja, ich spreche die ganze Zeit von Straße, aber es ist ja eigentlich gar keine. Als sehr alte Straße erfüllt sie wohl in mehreren Punkten, darunter die Breite, nicht die Norm einer heutigen Straße. Irgendwie passt die Weinbergstraße eher zu einem Trabbi als zu einem Porsche Panamera! Dass diese Straße in mancher Hinsicht anders ist als andere Straßen, macht sie zusammen mit vielen optischen Wahrnehmungen – vorwiegend schöne Häuser, Mauern und Weinberge, große Bäume und Durchblicke in die Landschaft des Elbtals – so anziehend. Ich erinnere mich gern, dass eine Delegation aus unserer saarländischen Partnerstadt, der ich hier Erläuterungen zur Weinbergstraße geben konnte, begeistert war von unserer Stadt und dieser Straße, ich möchte sie noch vielen Freunden zeigen können!

Dietrich Lohse

Zum Titelbild Juli 2014

Ohne die diesjährige Titelbildserie wäre es mir wohl nie in den Sinn gekommen, mit der Malerin und Grafikerin Lieselotte Finke-Poser darüber zu plaudern, wie sie einst das Schwimmen erlernte. Als Kind wurde sie zunächst an die »Angel« gehängt. Doch als der Bademeister schließlich stöhnte: »Die Kleine säuft uns das ganze Becken aus!«, musste der Versuch abgebrochen werden. Später fuhr sie dann immer in den Schulferien zur Großmutter und lernte dort in einer nahe gelegenen Badeanstalt das Schwimmen fast nebenbei, völlig ohne Druck. Heute mit 89 Jahren geht Lieselotte Finke-Poser nun nicht mehr ins Freibad, aber die Erinnerungen an einstige Badefreuden lassen ihre wasser- blauen Augen noch etwas intensiver leuchten. Unsere schwergewichtige Titelbild-Nilpferd-Madam hingegen schaut recht griesgrämig drein. Was des einen Freud, ist des anderen Leid. Sommer, Sonne, Badestrand – aber wohin mit den überflüssigen Pfunden? Ein antiquiertes Badekleid im Zille-Design kann nicht alles verbergen und scheint wohl ein wenig aus der Zeit zu fallen, so wie dessen Trägerin, denn Barock ist out. Wie man es allerdings als Vegetarier auf ein Lebendgewicht bis zu 90 Zentnern bringen kann, wird wohl ein ewiges Nilpferd-Geheimnis bleiben.
Karin (Gerhardt) Baum

Durst

Mit Durst ist hier im Fall so ein richtiger, ehrlicher Durst gemeint, so mit pelziger Zunge und Trockenheit bis in den Hals hinunter. Selbst der Schweiß auf der Haut wird weniger, er perlt und läuft schon nicht mehr. Gibts hier nicht, sagt Ihr? Gibt es doch. Wenn der Winzer so in strahlender Sonne auf seinem Rebhang steht und sein hart´ Werk hat, dann kommts schon vor. Mehr »

Von Fall zu Fall: Die Flucht des Dissidenten

Eine Sonderausstellung im Lügenmuseum

Angeregt durch den Fall der Mauer vor fünfundzwanzig Jahren hat Richard von Gigantikow am 23. Mai im Lügenmuseum eine Sonderausstellung eröffnet. An Hand von Collagen, Lithografien und Objekten, die der Künstler meist gemeinsam mit seinem Freund und Wegbegleiter Albrecht Hillemann geschaffen hat, wird der Weg nachgezeichnet, den Reinhard Zabka zu gehen hatte, um Richard von Gigantikow werden zu können. In dem er die Ausstellung dem Gedenken an die friedliche Revolution widmet, stellt der Betreiber und Kurator sich und sein Museum in eine Reihe mit denjenigen Einrichtungen und Persönlichkeiten (die beginnt beim Bundestag und hört beim Dorfclub noch lange nicht auf), die Jahrestage und andere Äußerlichkeiten nutzen, innere Befindlichkeiten öffentlichkeitswirksam in Ordnung zu bringen. Er zeigt sich damit unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit enger und deutlicher verbunden, als seine Kritiker wahrhaben wollen.

Emma von Hohenbüssow, die legendäre Gründerin des Museums fühlt sich inzwischen auch in dem noch immer weißgekachelten Raum der ehemaligen Fleischverkaufsstelle einigermaßen sicher. Dank ihrer Erfahrung, daß das Ei, dem sie ihre eigene Herkunft verdankt, von jemandem gelegt worden sein mußte, der noch früher da war, konnte sie das für die Ausstellung entscheidende Stichwort geben: Früher da war ziemlich alles ziemlich banal.

Zabkantikow hat das Banale materialisiert. In einer der Collagen vereinigte er schreibmaschinenschriftliche Zeilen zum Bild. Sie stammen aus offiziellen Schreiben diverser Staats- und anderer Räte, mit denen diese auf Einsprüche des Autors gegen die Ablehnung einer Urlaubsreise nach Ungarn reagierten.

Auf diese Weise bewahrt und dokumentiert der Betroffene Erinnerungen an Geschehnisse, von denen selbst die Bundeskanzlerin nicht müde wird zu betonen, daß sie nie vergessen werden dürfen: Erinnerungen an staatliche Willkür und die versuchte Unterdrückung von Individualität und freiem Gedankengut. Er bewahrt sie in puris naturalibus, also in lächerlicher Nacktheit. Damit ist er weit entfernt von jeder ostalgischen Verklärung, die sich nur gar zu gern und allzu rasch in der kabarettistischen Schwebe zwischen Das war nicht alles schlecht und Das war alles nicht schlecht so häuslich eingerichtet hat.

Noch während der Eröffnung wurde offenbar, daß, wie Emma zu Protokoll gab, damals sogar das freie Eierlegen aus Sicherheitsgründen untersagt war.

Doch auch in der Kunst gilt: Jede Aktion ist Re-aktion. Deshalb lag für viele Führungsoffiziere der Schluß nahe, Künstler seien reaktionär, was sie zu höherer Aufmerksamkeit spornte. Dabei kamen ihnen die zahlreichen Malergesellen zu Hilfe, die sich vor allem aufs Anschwärzen verstanden, was sich später an ge-schwärzten Unterlagen nicht mehr vollständig ablesen ließ. Auch dafür bietet die Ausstellung Beispiele.

Hier ist nun ein Hinweis von Kurt Schwitters wichtig: Für die Herren Kunstkritiker füge ich hinzu, daß es selbstverständlich ein weit größeres Können erfordert, aus der künstlerisch nicht geformten Natur ein Kunstwerk auszuschneiden, als aus einem eigenen künstlerischen Gesetz ein Kunstwerk mit beliebigem Material zusammenzubauen. (K. Schwitters: i, ein Manfest)

Auch auf die Gefahr hin, in Widerspruch zu biblischen Geboten zu geraten, ist jedermann aufgerufen, sich nicht nur ein Fest, sondern vor allem selbst ein Bild zu machen. Das ist bis Jahresende zu den Öffnungszeiten möglich, und ich füge hinzu: Es lohnt sich auf jeden Fall.

Thomas Gerlach

Mit Jürgen Stegmann auf Reisen durch Sprachwelten und Wörterdschungel

Der Radebeuler Schauspieler Jürgen Stegmann, über viele Jahre hinweg Ensemblemitglied der Landesbühnen Sachsen (bis 2012), machte bereits früher mit einem Balladen-Programm auf sich aufmerksam, das auf Schüler zugeschnitten war und deshalb gern von Schulen gebucht wurde. Nun, da er als freischaffender Schauspieler nicht mehr den Zwängen des Proben- und Spielplans eines überregional tätigen Reisetheaters unterworfen ist, hat er für mancherlei Projekte Zeit und Muße. Mehr »

Geschichte und Geschichten zum Mitfühlen und Mitdenken

Es gibt Wörter und Wortgruppen, die dem Englischen entspringen und in das Gegenwartsdeutsch eingeflossen sind, weil unsere Sprache keine vergleichbar präzise oder griffige Wendung den Sprechern zur Verfügung stellt. Eine solche Formulierung ist „Win-win-Situation“, womit man auf das englische Verb „to win“ (gewinnen) Bezug nimmt und ausdrückt, dass ein bestimmter Vorgang von allen beteiligten Personen als vorteilhaft empfunden wird. Mehr »

Die Villa „Eugenie“ auf der Eduard -Bilz -Straße 42 –

verein für denkmalpflege und neues bauen
ein Rückblick auf unsere Veranstaltung „Häuser und ihre Besitzer“ im Hause Szymkowiak

Anmutig und einladend liegt die schön restaurierte Villa im oberen Teil der ehemaligen Sophienstraße, der einstigen Vorzeigestraße der Baumeister Ziller. Hohe Bäume umrahmen das helle Gebäude, attraktive Blumenbüsche beleben die großen Rasenflächen. Eine Fontäne plätschert im Vorgarten. Im gebogten Giebel des Hauses steht der Name der Villa, EUGENIE Mehr »

10 Jahre Sächsischer Weinwanderweg

In diesem Jahr gibt es ein weiteres Jubiläum im Elbtal zu feiern oder genauer: zu begehen. Zwei Jahre nach der 20-Jahr-Feier der Sächsischen Weinstraße (für Autos) gilt es nun, den Weinwanderweg (für Fußgänger) gebührend zu beachten und zu beschildern.

www – galt diese Abkürzung bisher nur für das weltweite Netz, so verwenden Fachleute in diesem Jahr die Abkürzung für den WeinWanderWeg (das sächsische Element fällt weg, da es selbstverständlich ist). Das dazu gehörige Logo am Wegesrand zeigt eine stilisierte weinrote Traube mit einem großen S darüber in einem ovalen Rahmen.
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Initiator des 90 Kilometer langen Wanderwegs war damals Werner Starke, der dann auch Autor der Broschüre über den Sächsischen Weinwanderweg wurde. Er hatte bereits 1997, inspiriert durch das Wandern entlang der Deutschen Weinstraße, die Idee und wandte sich damit an den Tourismusverband Sächsisches Elbland und die Anlieger-Kommunen.
Nach vielen Begehungen und Hürden aller Art, vor allem bürokratischen, wurde der www im Jahr 2004 eingeweiht und gilt heute nicht nur als Wein-, sondern vor allem als Weitwanderweg mit sechs Tagesetappen, wenn man im Durchschnitt 15-18 Kilometer am Tag bzw. 5-6 Gehstunden zugrunde legt.

Natürlich gab es vorher schon Wege durch die oder entlang der Weinberge zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz, die seit alters her bestehen. Aber es bedurfte doch etlicher Initiativen, rühriger Ortsvereine – besonders auf dem Gebiet des Dresdner Elbhangs -, um den Weg durchgängig als solchen begehbar und erkennbar zu machen, das heißt: zu beschildern.
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„Dass die Route leider nicht immer dem idealen, landschaftlich schönsten Verlauf folgen kann, liegt in vielen Fällen am Privatbesitz von Wegen, an fehlenden Mitteln, bestimmte Wegabschnitte zu sanieren oder zu sichern, zum Teil aber auch an nicht nachvollziehbaren kommunalpolitischen Erwägungen“, schreibt Werner Starke in seinem Vorwort „zum Geleit“ in der Broschüre „Sächsischer Weinwanderweg“ (3. Auflage, 2008). Das hat sich bis heute nicht geändert.

Die Broschüre wird nicht mehr neu aufgelegt, ist aber noch für 4 Euro zu haben. Sie enthält zwar viele Infos, was sich am Wegesrand zu besichtigen und für die Einkehr lohnt, aber sie hat vor allem in kartographischer Hinsicht einige Mängel und insofern auch Beschwerden eingebracht, was die Reihenfolge der Karten und die Anschlusskarten betrifft. Auch erwies sich die Klebebindung als unpraktisch für die Wanderer während des Wanderns. Und schließlich waren die Aktualisierungen der Karten problematisch, da die Kartographie 2003 noch über den Lehrstuhl für Kartographie der Technischen Universität Dresden im Rahmen einer Diplomarbeit erstellt worden waren, die Diplomanden aber längst aus der Uni raus sind.

Weinwanderweg bei Diesbar-Seußlitz

Weinwanderweg bei Diesbar-Seußlitz


Auch heute im Jubiläumsjahr ist nicht alles perfekt. Deshalb hat sich es der Tourismusverband Sächsisches Elbland zur Aufgabe gemacht, zumindest die Beschilderung zu komplettieren, fehlende, gestohlene oder beschädigte Schilder zu erneuern. Mit Schildern, Nägeln und Farbe im Rucksack sind etliche Ehrenamtliche unterwegs: Es gibt zwei Kreiswegewarte (historisch bedingt durch den ehemaligen Landkreis Großenhain = Kreiswegewart Nord und den ehemaligen Landkreis Meißen = Kreiswegewart Süd) sowie die Ortswegewarte der neun (!) Anliegerkommunen. Alle Kreis- und Ortswegewarte arbeiten ehrenamtlich nur gegen eine kleine Aufwandsentschädigung. Ansonsten werden seitens der Orte auch Bauämter, Grünflächenämter o. ä. Bereiche einbezogen. Die Koordination läuft über die beiden Kreiswegewarte.

Größere Änderungen beim Routenverlauf des www soll es nicht geben, heißt es aus dem Tourismusverband Sächsisches Elbland. Die einzelnen Kommunen hatten ihre Etappen zur Korrektur erhalten, auch die Kreiswegewarte – aber da soll es nur kleine Ergänzungen am Rande der Strecke gegeben haben. Und in Pirna ist der Startpunkt verändert worden. Dies alles ist in eine neue Kartenmappe eingeflossen. Die Klarsichthülle enthält wieder die 6 Einzelkarten pro Etappe, größer und aufklappbar, dazu noch einen linkselbischen Wanderweg (allerdings ohne Beschilderung), jeweils im Maßstab 1:30.000. Sie finanziert sich aus Werbeeinnahmen und dem Verkauf zu 6,50 €. Auch die Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr sind darin aktualisiert worden – im Laufe von 10 Jahren erfolgten dort sicher die meisten Änderungen -, ebenso die Fotos. Wer keine Karten kaufen kann oder will, vertraut entweder auf die (verbesserte) Markierung entlang des 90 Kilometer langen Weges oder macht sich online vorher schlau: im www, und damit ist nun wirklich das world wide web gemeint.

Karin Funke

Editorial

Sommerabendvergnügungen in Radebeul 2.0 – das herrliche Wetter zieht die Menschen in ihre Gärten. Ein jeglicher sucht im Schutze des Grüns Erholung und Zerstreuung auf seine Weise. Während einige mit Bier, Wein oder Longdrinks auf Rekonvaleszenz bedacht sind, mühen sich andere mit schlichtem Gartengerät im Jäten und Grubbern. Ein Massenphänomen stellt allerdings die Schar der Grillmeister dar, deren nahezu täglich erprobten Künste die Abendluft mit einer verdächtigen Mischung aus gegrilltem Fleisch und Grillanzünder smokeartig schwängert. Aber all dies ist im Grunde Frieden pur. Gäbe es da nicht die rasch wachsende Zahl der modernen Kleingärtner, die sich »baumarktverwöhnt« ein Arsenal von nützlichen Ohrenquälern zulegen. Schließlich gibt es immer was zu tun. Ein Rasenmäher wirkt da hier noch wie ein Wiegenlied. Allseits beliebte Rasentrimmer haben da schon einen anderen Sound. Schreiende Sägen im Lichte der Abenddämmerung traktieren ganze Straßenzüge. Auch fauchende Flammenwerfer zur Bekämpfung des unerwünschten Unkrauts im Schnittgerinne mindern an Sonntagvormittagen nachhaltig den Erholungswert. Selbst für den Herbst gibt es für den ambitionierten Kleingärtner nunmehr ein neues Sportgerät: Das Laubgebläse. Aber, liebe Leserinnen und Leser. Es gibt noch eine nicht immer zu beneidende Anwohnerschaft, die vermeintlich zu den Privilegierten zählt: Nämlich die, die am Fuße der Weinberge residieren. So zauberhaft sich der Anblick darstellt, so trügerisch ist nicht selten die akustische Wirklichkeit. Im Umfeld der wenigen gewerblichen Winzer, bilden die zahllosen Hobbyweingärtner mit ihren in den Abendstunden am Limit laufenden Motorspritzen und Motorsensen eine hartnäckige Gilde. Naturgemäß frönen sie ihre Leidenschaft ja in den Feierabendstunden. Dennoch sollten wir dankbar sein, dass nicht wenige Weinbergverliebte mit ihrer Schufterei zum Erhalt der wertvollen Kulturlandschaft beitragen.

Sascha Graedtke

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